Herzhausen (Dautphetal)

Ort in der Gemeinde Dautphetal From Wikipedia, the free encyclopedia

Herzhausen ist ein Dorf im Hessischen Hinterland und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Dautphetal im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Schnelle Fakten Gemeinde Dautphetal ...
Herzhausen
Gemeinde Dautphetal
Wappen von Herzhausen
Koordinaten: 50° 50′ N,  34′ O
Höhe: 311 (300–450) m
Fläche: 7,08 km²[1]
Einwohner: 553 (2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35232
Vorwahl: 06468
Karte
Lage von Herzhausen in der Gemeinde Dautphetal
Ansicht von Süden – der alte Ortskern links im Tal
Ansicht von Süden – der alte Ortskern links im Tal
Schließen
Ansicht von Herzhausen vom Dusenberg 1987

Geographie

Geographische Lage

Herzhausen liegt im Naturraum Oberes Lahntal der Region Lahn-Dill-Bergland in Mittelhessen, ca. 20 km westlich von Marburg und 10 km östlich von Biedenkopf in der Gemeinde Dautphetal, direkt an der B 453. Herzhausen eignet sich wegen der Landschaft und des umgebenden Waldes zur Naherholung.

Gemarkung

Seit dem Jahr 1954 ist Herzhausen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die Größe der Gemarkung Herzhausen beträgt 709,19 Hektar. Begrenzt wird Herzhausen durch den Streichenberg im Osten, das Kellerbachtal im Norden und den Hünstein im Südwesten. Herzhausen wird von den Stadtteilen Diedenshausen, Sinkershausen, Bellnhausen, Runzhausen der Stadt Gladenbach und den Dautphetaler Ortsteilen Holzhausen am Hünstein, Mornshausen an der Dautphe, Friedensdorf und Damshausen umgeben.

Folgende Flächenanteile ergeben sich für Herzhausen:

  • Wald: ca. 380 ha
  • Ackerland: ca. 166 ha
  • Wiesen: ca. 124 ha
  • Ödland, Weide: ca. 10 ha
  • Wege, Wasser: ca. 28 ha
  • Friedhof: ca. 2 ha
  • Ortslage: ca. 13 ha

Gewässer

Der Kaltenbach entspringt im Osten von Herzhausen, in der Gemarkung Winkshausen, und der Kellerbach im Norden des Ortes. Beide Bäche sind Zuflüsse der Dautphe.

Berge

Im Uhrzeigersinn, beginnende im Norden, wird Herzhausen von den folgenden Bergen eingerahmt:

  • Höckerberg 341 m
  • Schweinskopf 473 m (Gemarkung Friedensdorf)
  • Streichenberg 456 m
  • Kaltenberg 449 m
  • Dusenberg 457 m
  • Hünstein 504 m (Gemarkung Holzhausen)

Bis auf den Hünstein (Bottenhorner Hochflächen) gehören alle Berge zu den Damshäuser Kuppen.

Klima

Das meist bewaldete Bergland der Umgebung bietet Windschutz fast nach allen Seiten. Es bewirkt bei tief stehender Sonne eine geringe Einschränkung der Sonneneinstrahlung nach dem Wohngebiet. Die Landschaftsform ermöglicht die Ausbildung eines östlichen Windsystems, durch das abends und nachts frische Waldluft durch Berg- und Hangwinde nach der Wohnzone geführt wird.

Da Herzhausen abseits von großen Verkehrsstraßen liegt und keine Industrie vorhanden ist, herrscht reine Luft vor. Ein östliches Bergwindsystem ermöglicht außerdem auch bei windstillen Großwetterlagen ausreichenden Luftaustausch. Bei dieser Höhenlage treten im Sommer länger dauernde, belastende Hitzeperioden nur selten auf. Der Abfluss von Kaltluft dürfte zwar etwas erschwert sein, aber kaum zu länger dauernder Kaltluftstagnation führen. Dadurch ist auch die Nebelneigung verhältnismäßig gering.

Geschichte

Chronik

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Herzhausen erfolgte unter dem Namen Hertzhusin im Jahr 1333.[1]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Herzhausen:

„Herzhausen (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt 134 St. von Gladenbach, hat 41 Häuser und 257 evangelische Einwohner. In der Gemarkung findet sich ein Eisenbergwerk das aber jetzo nicht mehr im Betrieb ist.“[3]

Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Herzhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit 11 weiteren Gemeinden kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Dautphetal zusammengeschlossen.[4][5] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde der Ortsteil Dautphe. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Dautphetal wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[6]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Herzhausen angehört(e):[1][7][8]

Einwohnerentwicklung

Einwohnerstruktur

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Herzhausen 570 Einwohner. Darunter waren 6 (1,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 99 Einwohner unter 18 Jahren, 264 zwischen 18 und 49, 108 zwischen 50 und 64 und 102 Einwohner waren älter.[14] Die Einwohner lebten in 231 Haushalten. Davon waren 66 Singlehaushalte, 60 Paare ohne Kinder und 87 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 42 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 153 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[14]

Einwohnerzahlen

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1577:018 Hausgesesse
 1630:019 Hausgesesse (10 zweispännige, 3 einspännige Ackerleute, 7 Einläuftige), 1 Witwe.
 1677:025 Hausgründe, 2 Witwen, 13 ledige Personen.
 1742:041 Haushalte
 1791:195 Einwohner[15]
 1800:224 Einwohner[16]
 1806:208 Einwohner, 36 Häuser[12]
 1829:257 Einwohner, 41 Häuser[3]
Herzhausen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2018
Jahr  Einwohner
1791
 
195
1800
 
224
1806
 
208
1829
 
257
1834
 
295
1840
 
293
1846
 
293
1852
 
322
1858
 
293
1864
 
282
1871
 
250
1875
 
280
1885
 
297
1895
 
303
1905
 
278
1910
 
299
1925
 
325
1939
 
337
1946
 
490
1950
 
484
1956
 
448
1961
 
455
1967
 
505
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2009
 
629
2011
 
570
2018
 
555
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; nach 1970: Gemeinde Dautphetal (webarchiv); Zensus 2011[14]

Religionszugehörigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1829:255 evangelische, 1 römisch-katholischer Einwohner
 1885:285 evangelische (= 95,96 %), keine katholischen, 12 christliche Einwohner anderer Konfession (= 4,04 %)
 1961:341 evangelische (= 74,95 %), 50 römisch-katholische (= 10,99 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1867:Erwerbspersonen: 54 Landwirtschaft
 1961:Erwerbspersonen: 122 Land- und Forstwirtschaften, 115 produzierendes Gewerbe, 14 Handel und Verkehr, 5 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik

Wappen

Das Wappen wurde am 13. Dezember 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Wappen von Herzhausen
Wappen von Herzhausen
Blasonierung: „In Silber ein roter Hahnenkopf mit blauem Schnabel, beseitet von zwei roten Herzen.“[17]

Ortsbeirat

Der Ortsbeirat wird von Ortsvorsteher Stefan Schmidt angeführt.

Sagen und Geschichten

Um den Kellerbach, der zwischen den beiden Bergen Hoheroth und Höckerberg hindurch fließt, rankt sich die Sage vom Kellerbach Ellerchen. Es soll eine alte graue Frau gewesen sein, die allerlei Unheil anrichtete. Einmal soll sogar der Schäfer von Herzhausen seine Hunde auf die alte Frau gehetzt haben, da ließ sie ihre Macht erkennen und zerstreute die Herde in alle Winde. Der Schäfer musste sich lange bemühen, bis er seine Schafe wieder zusammen hatte. Man sagt auch, dass sie nachts kleine Kinder holen würde, wenn diese durch den Wald laufen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Öffentliche Einrichtungen und Freizeitmöglichkeiten

  • Feuerwehrhaus
  • Festplatz/Sportplatz
  • Dorfgemeinschaftshaus mit Dorfladen
  • Fischteich
  • Rad- und Wanderwege
  • Schwimmbad mit angrenzendem Beachvolleyballfeld
  • Spielplatz
  • Multifunktions-Sportplatz (seit Oktober 2009)
  • Schutzhütte Ziegenberg

Verkehr

Die Buslinie MR-40 von Gladenbach (Busbahnhof) nach Biedenkopf (Marktplatz) der Verkehrsgesellschaft ALV-Oberhessen fährt die innerörtliche Haltestelle Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in beiden Richtungen im Zweistundentakt an.[18] Die Linie bietet in Wolfgruben über die Bushaltestelle Wolfgruben Wilhelmshütte bzw. den Bahnhaltepunkt Wilhelmshütte Anschluss an die Obere Lahntalbahn.

Etwas westlich umgeht die Bundesstraße 453 den Ort.

Literatur

Commons: Herzhausen – Sammlung von Bildern

Fußnoten

Related Articles

Wikiwand AI