David C. Rowe

US-amerikanischer Psychologe From Wikipedia, the free encyclopedia

David Christian Rowe (* 27. September 1949; † 2. Februar 2003) war ein US-amerikanischer Psychologe und Professor der University of Arizona.[1]

David Christian Rowe (1999)

Leben

Seinen Bachelor-Abschluss in Sozialwissenschaften erwarb er 1972 an der Harvard University. Danach absolvierte von 1973 bis 1977 ein Aufbaustudium und promovierte (Ph.D.) an der University of Colorado; dort studierte er bei Robert Plomin. Er lehrte von 1977 bis 1982 als Assistenzprofessor am Oberlin College, von 1982 bis 1988 als außerordentlicher Professor an der University of Oklahoma und von 1988 bis zu seinem Tod als Professor an der Norton School of Human Ecology der University of Arizona.

Werk

Seine Arbeiten betreffen die Entwicklungspsychologie sowie Studien, welche Verhaltens- und Molekulargenetik verbinden. Dabei ist er bekannt für seine Arbeiten zur Erforschung genetischer und umweltbedingter Einflüsse auf das Auftreten von Verhaltensweisen im Jugendalter und über für die Vererbbarkeit wie Delinquenz. Er leistete einen Beitrag zur Kriminologie, indem er eine Zwillingsstudie veröffentlichte, die die Vererbbarkeit selbstberichteten delinquenten Verhaltens bei Jugendlichen belegte. Gemeinsam mit dem Kriminologen Wayne Osgood zeigte er, wie genetische Einflüsse soziale Prozesse, wie beispielsweise die Zugehörigkeit zu delinquenten Gleichaltrigen, beeinflussen können. In seinem Buch „The Limits of Family Influence“ stellt er zentrale Prämissen einer umweltorientierten Sozialwissenschaft infrage und vertritt den Standpunkt, dass der Einfluss von Sozialisationsfaktoren überbewertet wird. Während viele Sozialwissenschaftler glauben, dass die intellektuelle und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern maßgeblich von der Erziehung und der häuslichen Umgebung beeinflusst wird, vertritt er den Standpunkt, dass der Einfluss von Sozialisationsfaktoren weit überschätzt wird. Mit Hilfe von verhaltensgenetischen Studien belegt er, wie gering der Einfluss der häuslichen Umwelt auf die Entwicklung von Persönlichkeit, Intelligenz und psychopathologische Störungen ist. Einen viel größeren Einfluss haben die ererbten Gene und die Erfahrungen, die für jedes Kind einmalig sind.

1994 gehörte er zu den 52 Unterzeichnern des Leitartikels „Mainstream Science on Intelligence“, verfasst von Linda Gottfredson und im Wall Street Journal veröffentlicht. Darin wurde der Konsens der unterzeichnenden Wissenschaftler zu Fragen im Zusammenhang mit Rasse und Intelligenz nach der Veröffentlichung des Buches „The Bell Curve“ von Charles Murray und Richard Herrnstein dargelegt.

Ein von Sandra Scarr[2] entwickelter und von ihm bestätigter Beitrag[3] betrifft den Scarr-Rowe-Effekt zur Wechselwirkung zwischen Genetik und Umwelt; dieser besagt, dass die Erblichkeit von Intelligenz in Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status variieren kann bzw. dass die Vererbbarkeit von Intelligenz bei Kindern mit höherem sozioökonomischem Status größer ist.

Er war maßgeblich an der Erhebung der National Longitudinal Study of Adolescent to Adult Health und der Auswertung der Add Health-Daten mit über 90.000 Jugendlichen in den Vereinigten Staaten beteiligt. Als autodidaktischer Molekulargenetiker begeisterte sich für die neuen Möglichkeiten der Molekulargenetik. Um die Gene für die Phänotypen zu finden, die ihn interessierten, eignete er sich zahlreiche Labortechniken an, machte sich mit den wichtigsten biologischen Datenbanken vertraut und verfolgte alle neuen Entwicklungen in der statistischen Genetik. Er leistete auch wichtige methodische Beiträge zur simultanen Modellierung von Mittelwerten und Kovarianzen, zur DeFries-Fulker-Regression und zur Modellierung spezifischer Quellen gemeinsamer und nicht-gemeinsamer Umwelteinflüsse. Seine Arbeit hob die oft überraschende Unabhängigkeit psychischer Zustände von sozialen Umständen hervor. Dies führte zu seiner Annahme biologischer Sollwerte als Stabilitätsmechanismus sowie zu Argumenten für indirekte genetische Effekte: Unterschiedliche Genotypen würden dazu führen, dass unterschiedliche Menschen auf dieselbe Umwelt unterschiedlich reagieren, darüber hinaus würden sich Individuen unterschiedlichen sozialen Umgebungen aussetzen. Daraus entwickelten sich Ideen zur aktiven Suche nach und zur Gestaltung der Umwelt sowie die Vorstellung, dass die Konfrontation mit (kontrollierbaren) Lebensereignissen teilweise auf genetischer Veranlagung beruhen kann.

Ehrungen/Positionen

  • CALES Research Award
  • University of Arizona Extraordinary Faculty Award
  • 1998: Präsident der Behavior Genetics Association

Privates

Mit seiner Frau Carol Bender war er 28 ½ Jahre verheiratet. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor. Er war ein exzellenter Tennisspieler und ein begeisterter Radfahrer. Im Oktober 2001 wurde bei ihm Leberkrebs im Endstadium diagnostiziert; die ihm verbleibende Zeit nutzte er intensiv für seine wissenschaftlichen Arbeiten, die teils posthum erschienen sind. Er starb im Alter von 53 Jahren.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • The Limits of Family Influence: Genes, Experience, and Behavior. The Guilford Press, New York 1995, ISBN 0-89862-148-8.
    • Deutsche Ausgabe: Genetik und Sozialisation. Beltz PVU, Weinheim 1997, ISBN 3-621-27367-0.
  • Biology and Crime. Roxbury Publishing Company, Los Angeles 2001, ISBN 1-891487-80-9.
Herausgeberschaften
  • Mit Joseph Lee Rodgers und Warren B. Miller: Genetic Influences on Human Fertility and Sexuality: Theoretical and Empirical Contributions from the Biological and Behavioral Sciences. Springer, New York 2000, ISBN 0-7923-7860-1.
  • Mit Michael Tonry, Kenneth Adams, Felton Earls, Robert J. Sampson, Richard E. Tremblay, Lloyd E. Ohlin und David P. Farrington: Human Development and Criminal Behavior: New Ways of Advancing Knowledge. Springer, New York 1991, ISBN 1-4613-9055-9.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Mit H. Harrington Cleveland und Richard Wiebe: Sources of Exposure to Smoking and Drinking Friends Among Adolescents: A Behavioral-Genetic Evaluation. In: Kevin M. Beaver; Anthony Walsh: Biosocial Theories of Crime. Routledge, Milton Park 2017, ISBN 978-0-7546-2919-1.
  • Mit D. Wayne Osgood: Bridging criminal careers, theory, and policy through latent variable models of individual offending. In: Criminology. Band 32, Nr. 4, 2006, S. 517–554.
  • Mit D. Wayne Osgood und Alan Nicewander: A latent trait approach to unifying criminal careers. In: Criminology. Band 28, Nr. 2, 2006, S. 237–270.
  • Genetic and environmental components of antisocial behavior: A study of 265 twin pairs. In: Criminology. Band 24, Nr. 3, 2006, S. 513–532.
  • Mit David P. Farrington: The Familial Transmission of Criminal Convictions. In: Criminology. Band 35, Nr. 1, 2006, S. 177–202.
  • Mit H. Harrington Cleveland und Richard Wiebe: Sources of exposure to smoking and drinking friends among adolescents: A behavioral-genetic evaluation. In: The Journal of Genetic Psychology. Band 166, Nr. 2, 2005, S. 153–69.
  • Under the Skin. In: American Psychologist. Band 60, Nr. 1, 2005, S. 60–70.
  • Mit I. R. Gizer, Irwin Waldman und Ann Abramowitz: The utility of mother, father, and teacher ratings association analyses of candidate genes for childhood ADHD. In: Behavior Genetics. 2004. 34.
  • Mit Michael S. Gilson und Cathleen B. Hunt: The Friends of Siblings. In: Marriage & Family Review. Band 33, Nr. 2-3, 2003, S. 205–223.
  • Mit Cathleen B. Hunt: Genetic and Shared Environmental Influences on Adolescents’ Timing of First Sexual Intercourse: The Moderating Effect of Time Spent with a Sibling. In: Joseph Lee Rodgers; Hans-Peter Kohler (Hrsg.): The Biodemography of Human Reproduction and Fertility. Kluwer Academic Press. Boston 2003, ISBN 1-4020-7242-2.
  • On genetic variation in menarche and age at first sexual intercourse: A critique of the Belsky–Draper hypothesis. In: Evolution and Human Behavior. Band 23, Nr. 5, 2002, S. 365–372.
  • IQ, Birth Weight, and Number of Sexual Partners in White, African American, and Mixed Race Adolescents. In: Population and Environment. Band 23, Nr. 6, 2002, S. 513–524.
  • The Nurture Assumption Persists. In: American Psychologist. Band 56, Nr. 2, 2001, S. 168–169.
  • Mit Joseph L. Rodgers und Sylvia Meseck-Bushey: Sibling Delinquency and the Family Environment: Shared and Unshared Influences. In: Child Development. Band 63, Nr. 1, 1992, S. 59–67.

Literatur

  • Manfred Klein: Willensfreiheit und die Grenzen der Erziehung. Theorien nach Arthur Schopenhauer und David C. Rowe. Grin Verlag, München 1999, ISBN 3-668-40515-8.

Einzelnachweise

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