Dietrich Bayer von Boppard
Bischof von Worms und Metz
From Wikipedia, the free encyclopedia
Dietrich Bayer von Boppard (* um 1330; † 18. Januar 1384; Alternativschreibweise: Dietrich Beyer von Boppard[1]) war von 1359 bis 1365 Bischof von Worms und anschließend bis zu seinem Tod Bischof von Metz.


Dietrich hatte ein enges Verhältnis zum Haus Luxemburg und vertrat wiederholt die Interessen Karls IV. am päpstlichen Hof von Avignon. Seine zahlreichen Aufenthalte an der Kurie machten ihn zu einem wichtigen Vermittler zwischen Kaiser und Papsttum. Er begleitete Karl IV. 1365 nach Avignon und 1368 auf dessen zweiten Italienzug. 1372 beauftragte ihn Karl mit Verhandlungen um die Freilassung seines vom Herzog von Jülich gefangengenommenen Bruders Wenzel von Luxemburg. Für die Päpste Urban V. und Gregor XI. unternahm er Legationsreisen.[2]
Herkunft

Dietrich entstammt der Familie Beyer von Boppard, die Reichsschultheißen von Boppard waren und nach der Verpfändung Boppards an das Erzbistum Trier 1331 erbliche Burggrafen des ehemaligen Königshofs von Boppard wurden.[3]
- Die Eltern werden unterschiedlich angegeben: Einmal als Heinrich v. Boppard und Lise de Laciriere,[4] dann als Simon Bayer v. Boppard und Elisabeth von Rhens,[5] zuletzt als Simon Bayer v. Boppard und Elisabeth Walpod von Waldmannshausen.[6]
- Sein Bruder Heinrich Beyer von Boppard († 1376) wurde im Benediktinerinnenkloster Marienberg in Boppard beigesetzt. Die erhaltene Grabplatte zeigt außer dem väterlichen Wappen der „Bayer von Boppard“ ein zwölffach geständertes mütterliches Wappen, wie es die Waldbott von Bassenheim und die von Waldmannshausen führten.[7]
- Sein anderer Bruder Reinbold Beyer von Boppard († 1364) war Domkustos in Worms und ist im Wormser Dom beigesetzt; die Grabplatte befindet sich im südlichen Chorbereich. Sie zeigt außer dem väterlichen Wappen der „Bayer von Boppard“ ebenfalls das zwölffach geständerte mütterliche Wappen der Waldbott.[8]
Werdegang als Geistlicher
Dietrich studierte in Lüttich, wo er die französische Sprache und Lebensart kennenlernte, ohne einen akademischen Grad zu erwerben. Bereits sein Großvater Heinrich IV. Beyer von Boppard war seit 1346 Rat am Hofe Karls IV. Die engen Beziehungen der Familie zum Haus Luxemburg förderten auch Dietrichs kirchliche Laufbahn. Im Jahr 1342 erhielt er auf Vermittlung König Johanns von Böhmen von Papst Clemens VI. eine Expektanz auf ein Kanonikat in Worms. In den folgenden Jahren war er Domherr in Worms, Mainz und Trier. Die Übernahme der Dompropstei in Speyer scheiterte 1353 trotz päpstlicher Provision. Mehrere seiner Pfründen resignierte er später zugunsten seines Bruders Reimbold Beyer von Boppard. Durch häufige Aufenthalte in Avignon knüpfte er enge Beziehungen zur Kurie. Seit 1358 führte er den Titel eines päpstlichen Kaplans.[9][6][2]
Bischof von Worms
Als Domherr war Dietrich mit den schwierigen Verhältnissen im Bistum Worms unter Bischof Salmann Cleman vertraut. Durch seine guten Beziehungen zur Kurie dürfte er das päpstliche Vorgehen gegen den umstrittenen Bischof unterstützt haben. Auf Veranlassung Papst Innozenz’ VI. wurde er im April 1359 durch den Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau zum Koadjutor Salmanns bestellt. Nach dessen Rücktritt verlieh ihm der Papst am 15. Mai 1359 das Bistum Worms. Zu diesem Zeitpunkt hatte Dietrich erst die Diakonsweihe empfangen; die Bischofsweihe erfolgte vermutlich noch vor dem 12. September 1359.[2]
Bereits bei seinem Einzug in Worms geriet Dietrich in Konflikt mit der Bürgerschaft, die ihn zu Zugeständnissen hinsichtlich der Stadtherrschaft zwingen wollte. Daraufhin wurde über die Stadt das Interdikt verhängt. Zwar bestätigte Dietrich am 26. Februar 1360 die städtischen Privilegien, die Spannungen zwischen Bischof und Bürgerschaft konnten jedoch erst durch die Vermittlung Karls IV. vorläufig beigelegt werden.
Während seiner Regierungszeit bemühte sich Dietrich um die Konsolidierung des wirtschaftlich und politisch geschwächten Hochstifts. Hierzu suchte er wiederholt die Unterstützung von Papst und Kaiser und hielt sich mehrfach in Avignon auf. Weniger erfolgreich blieben seine Versuche, die unter Salmann Cleman verlorenen Besitzungen Ladenburg und Stein zurückzugewinnen.[2]
Die Auseinandersetzungen zwischen Geistlichkeit und Stadt flammten 1364 erneut auf. Auf Klage Dietrichs verhängte Karl IV. die Reichsacht über die Stadt Worms.[2]
Bischof von Metz

Im Jahr 1365 begleitete Dietrich Karl IV. nach Avignon, wo er auf Veranlassung Karls von Papst Urban V. als Nachfolger Johannes’ von Vienne zum Bischof von Metz ernannt wurde. Somit wurde mit Dietrich erstmals seit 1297 wieder ein Deutscher auf den Bischofsstuhl von Metz berufen. Damit konnte Karl dieses, seit längerem unter französischem Einfluss stehende, Bistum in der Nähe seiner luxemburgischen Erblande mit einem Vertrauten besetzen. Dietrich hielt am 2. November 1365 seinen feierlichen Einzug in Metz.[2]
In den ersten Jahren seiner Amtszeit bemühte er sich, die Konflikte seiner Vorgänger mit der Stadt Metz beizulegen und die finanzielle sowie politische Stellung des Bischofs zu stärken, was ihm zunächst auch gelang. Zugleich blieb er eng in die Reichs- und Kirchenpolitik eingebunden. 1368 begleitete er Karl IV. auf dessen zweitem Italienzug. Die Päpste Urban V. und Gregor XI. betrauten ihn wiederholt mit Legationsaufträgen. Bei Papst Gregor XI. setzte er sich für die Bestätigung der Wahl Wenzels von Luxemburg zum römischen König ein.[2]
Auch im lothringischen Raum und in den benachbarten Territorien wirkte Dietrich mehrfach als Vermittler. Die Beziehungen zur Stadt Metz verschlechterten sich jedoch erneut, nachdem diese versuchte, den Klerus zu besteuern. Daraufhin verhängte Dietrich 1373 das Interdikt über die Stadt, das erst Ende 1375 wieder aufgehoben wurde. Die Lage des Hochstifts wurde zusätzlich durch den Einfall bretonischer Söldnerverbände im Jahr 1375 belastet. Die hierdurch verschärfte Finanzkrise zwang Dietrich zu umfangreichen Verpfändungen; schließlich überließ er der Stadt Metz auch das bischöfliche Münzrecht. Zur Sicherung seiner Herrschaft ließ Dietrich die bischöflichen Burgen systematisch befestigen. Während seiner Amtszeit hielt er sich häufig in der bischöflichen Residenz Vic-sur-Seille auf, wo er meist residierte.[2][10][11]
Nach Ausbruch des Abendländischen Schismas 1378 geriet Dietrich in eine schwierige politische Lage. Als langjähriger Vertrauter Karls IV. verlor er durch dessen Tod seinen wichtigsten Rückhalt. Zugleich orientierten sich große Teile des lothringischen Adels (darunter auch sein Bruder Heinrich VI. Beyer von Boppard) und des politischen Umfelds seines Bistums zunehmend an der avignonesischen Obödienz. Dietrich versuchte zunächst, diese Entwicklung aufzuhalten, schloss sich jedoch schließlich der Partei Clemens’ VII. an. Für die avignonesische Obödienz hatte zuvor der Kardinal Wilhelm von Aigrefeuille in Metz geworben. Die späte Anerkennung Clemens’ VII. brachte Dietrich jedoch nicht den erhofften politischen Einfluss; vielmehr gewann das Domkapitel zunehmend an Gewicht.[12]
Neben seinen politischen Aufgaben entfaltete Dietrich eine rege religiöse Tätigkeit. Am Palmsonntag 1376 ließ er in feierlicher Prozession ein von ihm gestiftetes Büstenreliquiar mit einer Schädelreliquie des heiligen Stephanus, des Patrons der Metzer Kathedrale, übertragen. Die Reliquie war ihm von Kaiser Karl IV. geschenkt worden. Den Bettelorden erwies er sich gegenüber als großzügig; insbesondere förderte er die Klarissen in Vic-sur-Seille. In Baccarat stiftete er ein Karmelitenkloster.[2]
Dietrichs Politik und Bautätigkeit verursachten erhebliche Kosten, sodass er wiederholt Darlehen aufnehmen und Besitzungen verpfänden musste. Er starb am 18. Januar 1384 und wurde in der Sakramentskapelle der Kathedrale Saint-Étienne von Metz bestattet.[2]
Grabfigur

Der Gisant von Dietrich Bayer von Boppard befindet sich heute in der Sakramentskapelle der Kathedrale von Metz. Die Skulptur wurde 1899 bei Arbeiten in der Krypta der Kathedrale in zwei Bruchstücken wiederentdeckt. Die Fragmente waren dort zusammen mit weiteren mittelalterlichen Grabdenkmälern und Skulpturen als Füllmaterial vermauert worden. Nach ihrer Bergung wurde die Figur wieder zusammengesetzt und in der Sakramentskapelle aufgestellt.[13][14]
Der Bischof ist in vollem Ornat dargestellt. Er trägt eine Mitra und die liturgischen Gewänder eines Bischofs. Die Figur ruht auf einer rechteckigen Grabplatte und liegt in der für hochmittelalterliche und spätmittelalterliche Gisants typischen Haltung ausgestreckt auf dem Rücken. Die ursprünglich zum Gebet gefalteten Hände sind verloren. Zu Füßen der Figur befindet sich ein Löwe als traditionelles Symbol von Stärke, Würde und Standhaftigkeit; auch dieser ist nur teilweise erhalten.
Eine zwischen 1687 und 1709 von Louis Boudan angefertigte Zeichnung dokumentiert das Grabmal noch vor seiner späteren Zerstörung und Wiederverwendung als Baumaterial in der Krypta der Kathedrale.
Literatur
- Wolfram: Dietrich (Bischof von Worms und Metz). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 706–708.
- Anton Ph. Brück: Dietrich Bayer von Boppard. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 3. Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 686–687 (deutsche-biographie.de).
Weblinks
- Bayer von Boppard Dietrich V. von in der Datenbank Saarland Biografien