Beyer von Boppard
Adelsgeschlecht
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Die Beyer von Boppard (auch Bayer von Boppard) waren ein ursprünglich in Boppard am Mittelrhein ansässiges Geschlecht, das im Spätmittelalter im Umfeld der freien Reichsstadt Boppard hervortrat und dort in unmittelbarer Nähe zum König tätig war. In dieser Phase standen Angehörige der Familie in Verbindung zu den römisch-deutschen Königen, insbesondere zu Karl IV. und später zu Sigismund, was wesentlich zu ihrem sozialen Aufstieg beitrug. Mit der Verpfändung Boppards an Kurtrier wurde die Familie in den kurtrierischen Lehnsverband eingebunden, in dessen Rahmen sie unter anderem den Königshof in Boppard als zentrales Lehen innehatte und den Titel eines Erbburggrafen führte.

Seit dem späten 14. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie nach Lothringen, wo sie durch Heiraten und Erwerbungen umfangreichen Besitz, darunter die Herrschaft Château-Bréhain, erlangte und in den landständischen Adel aufstieg. Mehrere Angehörige der Familie erreichten bedeutende geistliche Ämter, insbesondere als Bischöfe von Worms und Metz, und trugen so zur politischen Stellung der Familie im Reich bei.
Trotz dieser Verlagerung blieb die Familie weiterhin mit Boppard verbunden und behielt sowohl den Königshof als auch ihren Stammsitz, den Beyerhof, über Generationen hinweg in ihrem Besitz; zudem diente das Kloster Marienberg als Begräbnisstätte der Familie und blieb auch durch die Aufnahme weiblicher Familienangehöriger eng mit ihr verbunden.
Geschichte

Überblick
Die Familie erreichte ihren Höhepunkt am Mittelrhein im 14. Jahrhundert unter Heinrich IV. Beyer von Boppard. Er war wie auch einige seiner Vorgänger zunächst Reichsschultheiß in Boppard und trat nach dem Übergang der Stadt an Kurtrier in den Dienst Balduins von Luxemburg. Für seine Loyalität erhielt er von Balduin unterschiedliche Lehen darunter den Bopparder Königshof. Damit gewann die Familie eine herausgehobene Stellung am Mittelrhein. Durch Heinrichs Verbindungen zu Heinrich VII., Johann von Böhmen und insbesondere zu Karl IV. weitete sich ihr Einfluss über Boppard hinaus aus. Auch Heinrich VI., ein Enkel Heinrichs IV., knüpfte hieran an und verhalf der Familie durch seine Ehe mit Lisa von Lösnich zu einer bedeutenden Stellung an der Mosel.
Die engen Beziehungen der Familie zum Reichsoberhaupt und zu führenden geistlichen und weltlichen Herren förderten auch den Aufstieg einzelner Familienmitglieder in hohe Kirchenämter. Mit Dietrich Beyer von Boppard, der zunächst Bischof von Worms und danach Bischof von Metz war, gelang der Familie der Eintritt in die Führungsschicht Lothringens. Im 15. Jahrhundert bekleidete mit Konrad Beyer von Boppard ein weiteres Familienmitglied das Bischofsamt von Metz.
Vor diesem Hintergrund verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie seit dem späten 14. Jahrhundert zunehmend nach Lothringen in den Einflussbereich des Bistums Metz. Maßgeblich hierfür war Konrad Beyer von Boppard, der durch seine Ehe mit Marie de Parroye nach Lothringen gelangte, dort beispielsweise die Herrschaft Château-Bréhain gewann und 1421 von König Sigismund in den erblichen Freiherrenstand erhoben wurde. Trotz dieser räumlichen Verlagerung blieb die Familie in dieser Phase weiterhin mit dem römisch-deutschen König verbunden, wie sich insbesondere an der Tätigkeit Heinrichs VIII. als Gesandter König Sigismunds zeigt, während sich in den folgenden Generationen vor allem noch einzelne Verbindungen zum Reich und in den rheinischen Raum – etwa über Besitzrechte und das Kloster Marienberg – nachweisen lassen. Durch weitere Heiratsverbindungen, insbesondere mit den Häusern Kriechingen, Chambley und Haraucourt, wurde die Familie dauerhaft im lothringischen Adel verankert.
Parallel zu dieser Entwicklung bestand eine Nebenlinie der Familie in der Umgebung von Heppenheim, die jedoch nur am Rande fassbar wird und offenbar keine vergleichbare überregionale Bedeutung erlangte wie die lothringische Hauptlinie.
Im 15. Jahrhundert führten Erbteilungen und Heiratsverbindungen innerhalb der lothringischen Haupt- und Nebenlinien der Familie, insbesondere in der von Dietrich Beyer von Boppard begründeten Linie, zu einer zunehmenden Verteilung zentraler Besitzungen wie Château-Bréhain und Lösnich auf verschiedene Linien und andere Adelsgeschlechter.
Genealogische Entwicklung
Rheinisches Adelsgeschlecht der Beyer von Boppard
Erstes Auftreten der Beyer-Familie am Mittelrhein (12. & 13. Jahrhundert)
Im 12. Jahrhundert ist der Leitname Konrad in Urkunden nachweisbar. Ihr erster fassbarer Vertreter war Conradius de Bopardia. Er wurde zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Vater Conradius puer (der Junge) genannt. Aus diesem Beinamen hat sich möglicherweise, in der Zeit in der sich bei ritterlichen Familien feste Familiennamen herauszubilden begannen, über Namensformen wie „Paurus“ beziehungsweise „Bauarus“ der Familienname Bauwarus gebildet. Dieser wurde dann mit „Beyer“ oder „Bayer“ rückübersetzt. Eine andere Möglichkeit für die Entstehung des Nachnamens ist eine Abstammung der Familie aus Bayern. Diese konnte aber genauso wenig nachgewiesen werden, wie eine Abstammung aus den Orten Rheinbay, Hausbay oder eine Verbindung mit dem Fluss Baybach.[1][2]
Konrad, der Vater von Konrad dem Jungen, bekleidete in seinen letzten Lebensjahren das Amt des königlichen Schultheißen.[1] Er starb um 1209. Seine Frau war wahrscheinlich Luccardis. Diese trat nach dem Tod ihres Mannes als Nonne in das Kloster Marienberg ein. Dabei stiftete sie dem Kloster 16 Mark Geldrente und eine Mühle bei St. Remigius bei Boppard.[3] Konrad der Junge gehörte zu den Ministerialen, die dem König Philipp von Schwaben nahe standen. Nach dessen Ermordung ging er zu dessen Gegner, König Otto IV., über. Als erster in der Familie nannte er sich 1216 Cunradus Bauvarus, also mit dem später üblichen Familiennamen. Er wird auch als erster der Familie ausdrücklich als Ritter bezeichnet. Im Jahr 1221 ist er als Reichsschöffe in Boppard nachgewiesen. Wahrscheinlich verstarb er um 1224.[1][4]
Von Konrad dem Jungen stammen sowohl die Familie Beyer von Boppard als auch die niederadlige Familie von Schöneck ab. Für die Familie der Beyer von Boppard konnte die Genealogie für das 12. Jahrhundert nicht lückenlos geklärt werden. Ein Konrad Beyer war von 1234 bis 1238 Schultheiß von Boppard. Wahrscheinlich war er ein Sohn von Konrad dem Jungen. In einer Urkunde seiner Witwe Guda aus dem Jahr 1258 werden sein Schwiegersohn, der Ritter Hermann de Littore, seine Söhne Konrad und Eynolf und seine Tochter Petrissa, die Nonne im Kloster Tiefenthal war, genannt. Unter den Zeugen dieser Urkunde befindet sich Heinrich I. Beyer, der für das Jahr 1241 als Ritter in Boppard nachgewiesen werden konnte. Er war der erste in der Familie, von dem man weiß, dass er ein eigenes Siegel verwendete. Dieses befand sich an einer heute nicht mehr erhaltenen Urkunde über den gemeinsamen Familienbesitz mit denen von Schöneck aus dem Jahr 1262. Heinrich verstarb nach 1275.[1] Mindestens zwei Urkunden wurden überliefert, die zusätzlich auch von seinem Bruder Heinrich II. unterzeichnet wurden.[5]
Nach dem Tod von Heinrich I. Beyer von Boppard folgte vermutlich Heinrich III. als dessen Erbfolger. Heinrich III. war der Sohn eines Hartmann Bawarus und dessen Frau Mechtild. Vermutlich war Hartmann ein Bruder von Heinrich I. Heinrich III. trat von 1268 bis 1299 in Erscheinung. Auf ihn folgte sein Sohn Hartmann. Er war mit einer Witwe namens Margarete verheiratet und verstarb 1311.[6]
Ein Gottfried Beyer wird für 1303 bis 1305 als Schultheiß von Frankfurt am Main geführt. Er stammt aus Boppard und gehört ebenfalls der Familie der Beyer von Boppard an.[7][8]
Das rheinische Adelsgeschlecht der frühen Beyer von Boppard (14. Jahrhundert)


Erst ab Ritter Heinrich IV. Beyer von Boppard einem Sohn des zuvor genannten Hartmann konnte die Genealogie der Beyer Boppard sicher geklärt werden. In den Jahren 1308 bis 1318, also auch als Boppard 1312 an den trierischen Kurfürsten Balduin von Luxemburg verpfändet wurde, war Heinrich IV. Reichsschultheiß in Boppard. Im Gegensatz zu seinen Bopparder Standesgenossen war er nicht bereit, den Widerstand der Stadt Boppard gegen den Kurfürsten mitzutragen. Im Jahr 1322 ist Heinrich IV. trierischer Schultheiß von Oberwesel, das bald darauf den Widerstand gegen den Kurfürsten aufgab.
Wenige Wochen nachdem Balduin 1327 die Stadt Boppard eingenommen hatte, erhielt Heinrich IV. Beyer von Boppard wegen seiner Loyalität umfangreiche Lehen, darunter Güter bei Sevenich im Maifeld, den Bayerlehnhof – heute Gesellenhausturm genannt – im heutigen Ehrenbreitstein sowie Burglehen in Montabaur und Welschbillig. Vier Jahre später wurde er vom Kurfürsten zum Erbburggrafen des vom Kurfürsten nicht mehr genutzten Königshofes in Boppard ernannt und er hielt das Haus zum Lehen. Über seine früheren Kontakte zum König Heinrich VII. und zum Kurfürsten Balduin kam er in Kontakt mit König Johann von Böhmen, dessen Vasall er wurde. Lehensbindungen knüpfte er auch zu den Grafen von Katzenelnbogen, zu den Pfalzgrafen und zu König Ludwig der Bayer.[9][2][10][11]
Im Jahr 1341 wurde Heinrich IV. Erbburggraf von Sterrenberg, Vogt von Hirzenach und ein Jahr später Amtmann von Oberwesel. 1343 wurde er Amtmann über das von Kurpfalz an Balduin verpfändete Gebiet von Bacharach, Steeg und Rheinböllen mitsamt den Burgen Stahleck, Stahlberg und Braunshorn. Im Jahr 1346 war Heinrich IV. in den Dienst des neu gewählten Königs Karl IV. getreten, wodurch seine Familie enge Beziehungen mit dem Reichsoberhaupt knüpfte. Dadurch und mit seinen Ämtern hatten die Beyer von Boppard wohl den Höhepunkt ihrer Stellung am Rhein erreicht. Heinrich IV. und seine Söhne gerieten nämlich ab 1349 wegen ihrer Amtsführung in heftigen Streit mit dem Kurfürsten Balduin, der in einem Manngerichtsverfahren gegen die Beyer endeten. In einem vom Pfalzgrafen vermittelten und von König Karl VI. bestätigten Vergleich einigten sich beide Seiten 1352 darauf, dass Heinrich IV. die trierischen Lehen behalten konnte, aber die Position des Erbburggrafen von Sterrenberg aufgeben und die kurpfälzische Pfandschaft in Bacharach und Umgebung räumen musste. Zeitweilig war Heinrich auch Gläubiger des Königs Karl IV. Im Jahr 1351 wurde er von ihm persönlich gefreit und als Edler (nobilis) bezeichnet. Im Jahr 1355 wurde ihm vom Kurfürsten die Zollerhebung zu Boppard erlaubt. Im selben Jahr verstarb Heinrich IV. und wurde als erster aus der Familie der Beyer von Boppard in der Grablege im Kloster Marienberg, zu dem die Familie schon lange gute Beziehungen pflegte, bestattet.[9][2]
Heinrich IV. hat mehrere Geschwister: Rorich, Johann, Heinrich, Johann, Georg und Sophia, über die aber nur sehr spärliche Informationen vorliegen. Ein Heinrich war 1317 Schultheiß in Westerburg.[12] Seine Schwester Sophia Beyer von Boppard beziehungsweise Sophia von Boppard ist als Meisterin des Klosters Marienberg ungefähr von 1315 bis spätestens 1338 nachgewiesen.[13][12]
Heinrichs IV. zweiter Sohn und Erbfolger war Simon Beyer von Boppard. Sein älterer Bruder Dietrich Beyer von Boppard hatte die Laufbahn eines Geistlichen eingeschlagen. Urkundlich erwähnt wurde Simon Beyer von Boppard das erste Mal im Jahr 1331. Verheiratet war er mit Elisabeth von Rhens. Spätestens 1336 war er wie auch sein Vater Reichsschultheiß von Boppard. Seitdem findet sich sein Name in mehreren Urkunden, die die Ausführung des Amts bezeugen. Im Jahr 1310 erhielt Balduin von Luxemburg von König Heinrich VII. die Befugnis bei Koblenz Zoll zu erheben. Dazu wurde Burg Stolzenfels zu einer Zollstelle ausgebaut. Um die Burg verteidigen zu können, ernannte der Kurfürst unter anderem auch Simon Beyer von Boppard als Burgmann von Stolzenfels. König Karl IV. ließ die Zollstelle Koblenz wieder aufheben. Damit verlor das Zollhaus in der Nähe der Burg Stolzenfels seinen Zweck und Kurfürst Balduin von Luxemburg übertrug es an die Burgmannen Reimbold von Rhens und Simon Beyer von Boppard. Er fungierte nur zwei Jahre als Stammhalter der Beyer von Boppard, da er im Jahr 1357 zwei Jahre nach seinem Vater verstarb. Auch er wurde in der Kirche des Klosters Marienberg begraben.[2][14]
Heinrich Beyer, Simons Bruder, schlug die kirchliche Laufbahn ein und erhielt zahlreiche päpstliche Exspektanzen und Provisionen. Spätestens seit 1327 ist er als Kanoniker des Kollegiatstifts St. Paul in Lüttich belegt. In den folgenden Jahrzehnten wurde er mehrfach als Anwärter für Propstämter in Worms, Mainz, Koblenz und Frankfurt am Main providiert und ist spätestens seit 1340 nachweislich als Domherr des Trierer Domstifts belegt, während für Mainz nur die päpstliche Exspektanz belegt ist. Seine wichtigste Stellung war die päpstliche Provision zum Propst des Kollegiatstifts St. Bartholomäus in Frankfurt im Jahr 1342. Ob er dort tatsächlich jemals die faktische Amtsgewalt erlangte, ist aufgrund der schwierigen Quellenlage unklar. Heinrich starb 1352 in Koblenz und wurde im Stift St. Kastor beigesetzt.[15][16][17]
Agnes Beyer von Boppard, die einzige nachweisbare Tochter Heinrichs IV. war mit Ritter Johann unter den Juden von Boppard dem ältesten Sohn des Cuno unter den Juden von Boppard und verheiratet. Johann war Schultheiß von Boppard. Cuno unter den Juden hatte ein drittel der Burg Liebenstein gekauft und besaß auch ein Drittel des Dorfes Osterspai. Als Mitgift erhielt Agnes Beyer von Boppard unter anderem ein Haus in der Judengasse (heute Eltzerhofstraße) in Boppard, das Johann 1311 zusammen mit anderen Gütern dem Kurfürsten Balduin zu Lehen auftrug. Aus der Ehe ging der Sohn Conrad hervor, der den Burganteil erbte und sich von Liebenstein nannte. Er hatte eine Ehefrau aus dem Geschlecht der Waldbott von Ulmen. Der Sohn aus dieser Ehe hatte keine Nachkommen mehr, so erlosch das Geschlecht Unter den Juden genannt von Liebenstein.[2][9][18][19]
Heinrichs VI. Heirat mit Lisa von Lösnich
Zu den Enkeln von Heinrich IV. zählten Heinrich VI. Beyer von Boppard, Dietrich Beyer von Boppard, Reinbold Beyer von Boppard und Philipp Beyer von Boppard, die alle Söhne von Simon Beyer von Boppard und Elisabeth von Rhens waren. Heinrich VI. wurde der Stammhalter der Familie und seine Brüder wurden Geistliche.
Heinrich VI. als ältester Sohn übernahm vom Vater Amt und Familienbesitz und verhalf der Familie zu neuem Ansehen. Er heiratete Lisa von Lösnich, die Erbtochter von Konrad von Lösnich und Witwe des Cuno von Pyrmont. Dadurch erlangte er eine bedeutende Stellung an der Mosel.[2] Als Lehnsmann des Trierer Kurfürsten war er in das kurtrierische Lehnsgefüge eingebunden; der bereits seinem Großvater übertragene Königshof in Boppard wurde von der Familie neben weiteren Lehen als erbliches Lehen gehalten. Zudem stand Heinrich VI. in Verbindung zu Karl IV., der ihn in Konflikten, insbesondere um Zolleinnahmen am Rhein, unterstützte. Als kurtrierischer Amtmann von Stolzenfels und Niederlahnstein nahm er Verwaltungs- und Schutzfunktionen wahr und festigte damit die Stellung der Familie im Spannungsfeld zwischen Reich und Territorialherrschaft.[20]
Dietrich Beyer von Boppard war zunächst Domherr in mehreren bedeutenden Domkapiteln, wurde 1359 zum Bischof von Worms und anschließend 1365 zum Bischof von Metz erhoben. In diesen Funktionen stand er in enger Verbindung zu König Karl IV., in dessen Umfeld er wiederholt tätig war. Als Bischof von Metz festigte er durch seine Nähe zum Kaiser, seine Tätigkeit an der päpstlichen Kurie in Avignon sowie durch den Ausbau der bischöflichen Herrschaft seine politische Stellung und damit auch den Einfluss seiner Familie in der Region. Im Großen Abendländischen Schisma unterstützte er ab 1378 den Gegenpapst Clemens VII.[21][22] Mit seiner Erhebung zum Bischof von Metz erreichte ein Angehöriger der Familie erstmals eine der bedeutendsten geistlichen und territorialpolitischen Positionen im Reich, was die Stellung der Beyer von Boppard insbesondere in Lothringen nachhaltig stärkte.
Reinbold Beyer von Boppard lässt sich 1354 als Domherr in Trier, 1359 als Domherr und Domprobst in Speyer nachweisen. Im Jahr 1360 war er auch Probst in Weilburg und 1362 wirkte er als Domherr und Domthesaurus in Mainz. Außerdem hatte er bereits vor 1361 eine Domherrenstelle in Bamberg inne. Zeitgleich zu seinem Bruder Dietrich wirkte er auch in Worms. Er war ab 1358 als Kanoniker des St. Andreasstiftes, von 1361 als Domherr und Domkustos und 1364 als Domprobst tätig. Nach seinem Tod am 29. September 1364 wurde er im Dom St. Peter zu Worms beerdigt. Zu seinem Gedenken wurde ihm im südlichen Querhaus vor dem St. Clemensaltar eine 2,55 m lange und 1,32 m breite hellgelbe Grabplatte aus Sandstein in den Boden eingelassen. Diese Grabplatte gehört zu den ältesten, die für einen nicht-bischöflichen Geistlichen geschaffen wurde.[23][24]
Philipp Beyer von Boppard war von 1354 bis 1365 Geistlicher in der Reichsabtei St. Maximin in Trier.[25]
Nebenlinie Heinrichs V. – Burggrafen von Starkenburg bei Heppenheim

Der jüngere Bruder von Simon Beyer von Boppard war Heinrich V. Beyer von Boppard. Es wird in einer Urkunde von 1341 erwähnt, durch die ihn Kurfürst Balduin von Luxemburg zusammen mit seinen Geschwistern Simon und Philipp zu gleichen Teilen zu Erbburggrafen von Sterrenberg ernannte. Am 23. Februar 1341 bekam er einen Teil der Feste Tannenberg zu Lehen. Im Jahr 1345 tritt er auch als Burggraf des Kurmainzer Lehens Starkenburg in Erscheinung. Durch seine Ehe mit Guda von Cronberg einer Tochter von Hartmut V. von Cronberg gründete er eine Nebenlinie der Beyer von Boppard, die nach sechs Generationen erlosch. Heinrich V. verstarb wahrscheinlich schon vor 1355.[26][2]
Erbfolger von Heinrich V. war Hartmann I. Beyer von Boppard. Wie sein Vater war er auch Burggraf von Starkenburg und Ritter auf Burg Tannenberg. Im Jahr 1378 wurde er Burgmann Graf Wilhelms von Katzenelnbogen und Ulrichs von Hanau auf Tannenberg. Ein Jahr später starb er. Verheiratet war er mit Margareta Kämmerer von Worms.[27] Er hatte zwei Geschwister. Margareta war mit dem Ritter Friedrich VI. von Schönburg zu Wesel aus der Friedrichschen Linie verheiratet.[27][28] Sein Bruder Heinrich schlug eine geistliche Laufbahn ein. Er war Kanoniker in St. Cassius (1339), in Xanten (1342–1347), in St. Florin (1352), in Worms (1364) und in St. Marien in Erfurt (1372–1377). Zwischenzeitlich war er außerdem ab 1347 Domherr in Mainz, ab 1365 Thesaurus in Worms und ab 1368 Domdekan in Mainz und Domherr in Trier. Von 1365 bis 1368 stand er als Hofkaplan und Kaiserlicher Rat im Dienst von Kaiser Karl IV. Am 29. September 1377 verstarb Heinrich.[27]
Hartmann II. Beyer von Boppard war der Erbfolger von Hartmann I. Er war mit Margareta von Schönberg verheiratet. Bis 1415 trat er urkundlich in Erscheinung.[29]
Auf ihn folgte Hartmann III. Beyer von Boppard. Im Jahr 1435 wurde er als Burgherr zu Starkenburg bestätigt.[30] Verheiratet war er mit Eva Marschall von Waldeck zu Üben[31], mit der er mindestens vier Kinder hatte.
Sein Erbe war sein Sohn Hartmann IV. Beyer von Boppard, Burggraf von Starkenburg. Er war verheiratet mit Margareta Jude vom Stein. Er starb vor 1485. Seine drei Schwestern wurden Nonnen. Eva und Elisabeth kamen in der Ordensgemeinschaft der Benediktinerinnenabtei Marienberg bei Boppard. Dorothea lebte in der Dominikanerinnenabtei Liebenau, wo sie 1474 als Priorin arbeitete.[32] Elisabeth wurde nach der Einführung der Bursfelder Reform im Kloster Marienberg unter Meisterin Isingrad von Greiffenclau zur Äbtissin des Klosters Dierstein berufen, wo sie maßgeblich diese Reform zwischen dem 25. Juni 1465 und dem 10. Juli 1466 umsetzte.[32][33]

Der Erbe von Hartmann IV. war sein Sohn Heinrich Beyer von Boppard. Dieser war zunächst mit Agnes Schenk von Erbach, Witwe des Wilhelms von Vinstingen verheiratet, anschließend mit Margareta Bock von Utingertal. Von 1472 bis 1486 trat er urkundlich in Erscheinung. Er hatte zwei Brüder und eine Schwester. Rudolf konnte zwischen 1451 und 1482 nachgewiesen werden.[34] Der Bruder Hartmann war 1482 Domherr zu Speyer und 1499 Pfarrer in Waldsee. Er verstarb am 4. Dezember 1506 in Heidelberg und wurde im Kreuzgang des Speyerer Doms beigesetzt.[23][34] Heinrichs Schwester Anna war mit Johann den Jüngsten von Helmstatt verheiratet.[34]
Mit Heinrichs Tod vor 1490 erlosch die Nebenlinie. Denn sein einziger Sohn Philipp war zu diesem Zeitpunkt erst minderjährig und verstarb bereits vor dem 4. Mai 1507. Heinrichs Tochter Anna war seit 1508 mit Hans IV. von Rodenstein verheiratet. Er war Sohn von Hans III. zu Rodenstein. Anna verstarb 1560, sie überlebte ihren Ehemann damit um 29 Jahre. Beide wurden in Fränkisch-Crumbach beigesetzt.[34] In St. Laurentius in Fränkisch-Crumbach wurden Epitaphe für das Ehepaar aufgestellt, die vermutlich bereits 1531 nach dem Tod von Hans von Rodenstein erschaffen wurden.[35][36][37][38]
Lothringisches Adelsgeschlecht der Beyer von Boppard
Übergang nach Lothringen und Erhebung in den Freiherrenstand unter Konrad

Konrad Beyer von Boppard war der Sohn und Erbfolger von Heinrich VI. Durch seine Ehe mit Marie de Parroye, der Tochter von Ferri I. de Parroye und Erbin von Bayon, verlagerte er seinen Wohnsitz von der Mosel nach Lothringen, wo seine Gemahlin begütert war und unter anderem die Herrschaft Château-Bréhain (Bruchkastel) innehatte. Unterstützt von seinem Onkel Dietrich, dem Bischof von Metz, gelang ihm dort der Anschluss an den lothringischen Adel. So wurde Konrad im Jahr 1383 bischöflicher Rat von Dietrich dem Bischof von Metz. Trotz dieser Verlagerung behielt die Familie ihre kurtrierischen Lehen sowie den Stammsitz, den Beyerhof in Boppard, weiterhin bei.[39][2][40]
Am 6. November 1395[41] verstarb Merga von Parroye. Im Jahr 1401 arrangierte Konrad eine Erbteilung mit seinen Schwestern Adelheid und Sibylle und mit Tilmann von Hagen zur Motte, der mit der vermutlich bereits verstorbenen Elisabeth Beyer von Boppard verheiratet war. Dabei erhielten Tilmann von Hagen und Konrad Beyer von Boppard gemeinsam den Beyerhof in Boppard. Sibylle erhielt ein Haus mit Hof in Niederberg bei Koblenz. Vor dem 11. Juni 1411 heiratete Konrad die Adelstochter Johanna de Pulligny. Dies verband die Familie noch weiter mit Lothringen. Dies veranlasste die Kinder aus erster Ehe, sich ebenfalls dort niederzulassen.[2][40]
Im Jahr 1421 wurde Konrad von König Sigismund in Preßburg in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Am selben Tag erhielt Konrad die Erlaubnis die Wappen seiner Eltern mittels Vierung zu vereinigen. Wenige Monate später, am 6. Oktober 1421, starb er und wurde im Familiengrab im Kloster Marienberg bei Boppard neben seiner Frau, die im Jahr 1395 verstorben war, beigesetzt.[2][40]
Heinrich VII., ein Bruder Konrads, hatte zunächst die geistliche Laufbahn eingeschlagen. Ab 1358 ist er als Domherr in Worms, von 1365 bis 1368 als Domthesaurar belegt. Seine Wormser Pfründe gab er 1365 auf und erscheint im selben Jahr als Domherr in Trier. Später verzichtete er auf seine geistlichen Ämter, wurde Ritter und verheiratete sich mit Margareta von Weiler-la-Tour, einer Tochter von Goswin Weiler-la-Tour und Jutta von Meisenburg.[42] Eine Urkunde vom 10. November 1394 hält eine Vereinbarung zwischen Jean, Herrn von Brandenburg, und Aleyt, seiner Frau, sowie Heinrich VII. Beyer von Boppard und seiner Gemahlin – alle „Herren und Damen von Meisenburg“ – über die Erbfolge ihrer Frauen fest.[43]
Konrads Schwester Adelheid wird seit 1375 namentlich genannt. Sie heiratete 1391 den Ritter Friedrich von Ippenborn. Von ihren Eltern erbte sie zwei Baumgärten am Bopparder Königshof und Besitz in Rhens. In ihrem am 25. Dezember 1425 verfassten Testament verfügte Adelheid in der Familiengrablege im Kloster Marienberg begraben zu werden und stiftete dafür ein Wandgrab. Am 31. Dezember des gleichen Jahres starb sie.[44]
Im Jahr 1386 erhielten Konrad und sein Bruder Heinrich von König Wenzel von Böhmen, dem Erben des Hauses Luxemburg, die Hälfte der Herrschaft Saaralben als Pfand. Wenzels Nachfolger, Markgraf Jobst von Mähren, bestätigte 1393 den Vergleich mit den Beyer-Brüdern. Am 9. Februar 1400 veräußerte Konrad Beyer von Boppard ein Viertel der gesamten Pfandschaft von Stadt, Schloss und Herrschaft Saaralben an den Herzog von Lothringen. Daraufhin schlossen der Herzog, der Bischof von Metz als Lehensherr und Konrad Beyer von Boppard als Mitpfandherr am 22. Februar 1400 einen Vertrag über ihre gegenseitigen Rechte. In einer Fehde mit Johann von Finstingen im Jahr 1408 eroberte Heinrich dessen Burg Falkenberg. Daraufhin kam er mit dem Herzog überein, dass dieser im bevorstehenden Friedensvertrag mit Finstingen ein Viertel von Falkenberg für sich behalten und könne dafür Heinrich Beyer von Boppard durch Überlassung der herzoglichen Pfandrechte in Saaralben entschädigt würde. Daraufhin erwarb Konrad Beyer von Boppard im Jahr 1416 von Graf Johann von Salm das diesem gegen Luxemburg zustehende Einlösungsrecht von Saaralben. Das Bistum Metz erteilte 1417 dazu seine Zustimmung.[45][46] Auch an anderen lothringischen Herrschaften wie Hingsingen waren die Beyer von Boppard zumindest zeitweise beteiligt, wobei diese Anteile vor allem über verwandtschaftliche Verbindungen, insbesondere zu den Herren von Finstingen, in den Besitz der Familie gelangten.[47]
Etablierung der Familie in Lothringen unter Heinrich VIII. und dem Bischof Konrad II.
Heinrich VIII. Beyer von Boppard, ein Sohn Konrads, war der Stammhalter der Familie und erbte den Titel Herr von Château-Bréhain. Im Jahr 1408 wird er als Rat des Herzogs Karl II. von Lothringen genannt. Er heiratete am 22. Januar 1411 Agnes von Ochsenstein, die Witwe des Eberhard von Ramberg. In einer am 21. Juni 1425 von seinem Schwager Volmar, Herr von Ochsenstein, besiegelten Urkunde wird Heinrich VIII. als Herr zu Blieskastel und Unterlandvogt im Elsaß bezeichnet.[2][48][49] Spätestens seit 1418 ist ein Heinrich Beyer von Boppard im Umfeld König Sigismunds nachweisbar. In diesem Jahr wurde er gemeinsam mit dem Ritter Philipp de Nouwera als consiliarius regis mit einer diplomatisch-militärischen Mission nach Frankreich betraut. Am 14. Juni 1421 erscheint er erneut in königlichen Diensten, als er zum Reichsvikar in Burgund entsandt wurde und dabei ausdrücklich als nobilis sowie als consiliarius und familiaris des Königs bezeichnet wird. Zugleich wurde er für diese Mission mit einer bevollmächtigten Gesandtschaft ausgestattet (procurator). Diese Belege zeigen einen Angehörigen der Familie als dauerhaft in den königlichen Berater- und Gesandtenkreis eingebunden.[50] Im Zusammenhang mit dem Reichstag zu Nürnberg 1430 erscheint schließlich ein Heinrich Beyer von Boppard, Herr zu Kastel in den Quellen. Aufgrund der zeitlichen Einordnung und der seltenen Titulatur als Herr von Blieskastel im Stammbaum der Beyer von Boppard ist davon auszugehen, dass diese Person Heinrich VIII. Beyer von Boppard war.[51] Heinrich VIII. verstarb vor dem 8. September 1431.[48]

Ein weiterer Sohn Konrads und seiner Frau Maria de Parroye war Konrad Beyer von Boppard, der von 1416 bis zu seinem Tod 1459 als Bischof von Metz amtierte. Während seiner langen Amtszeit bemühte er sich um die Konsolidierung der Besitzungen des Bistums und spielte eine aktive Rolle in der lothringischen Politik. So schloss er 1422 ein Bündnis mit Herzog Karl II. von Lothringen und unterstützte in den folgenden Auseinandersetzungen René I. von Anjou gegen Antoine von Vaudémont, wobei er nach der Schlacht von Bulgnéville 1431 vorübergehend in Gefangenschaft geriet.[52] Im Jahr 1455 ist zudem ein Heinrich Beyer von Boppard, bezeichnet als „Bastard de Boppard“, als Gouverneur der Vogesen im Dienst des Bischofs mit einem Löwen mit Schrägbalken als Wappen belegt. Dies zeigt die Einbindung auch unehelicher Angehöriger der Familie in zentrale Verwaltungsfunktionen.[11] Konrad wurde in der Kathedrale von Metz beigesetzt.[52]
Elisabeth (auch Lise) Beyer von Boppard, eine Tochter Konrads Beyer von Boppard und seiner Frau Maria de Parroye, heiratete Arnold von Sierck. Ihr gemeinsamer Sohn war Jakob I. von Sierck, der später Kurfürst von Trier wurde.[53][54] Weitere Kinder Konrads Beyer von Boppard und seiner Frau Maria de Parroye waren Andreas Beyer von Boppard, der als Domherr in Trier belegt ist und vor 1455 verstarb, Johann Beyer von Boppard, der bereits 1410 als Pfarrer erwähnt wird, sowie die jüngste Tochter Marguerite Beyer von Boppard, die Jean, Herrn von Lignéville und Tantonville, heiratete und 1454 verstarb.[55]
Die Nebenlinie Dietrichs Beyer von Boppard und ihre Verbindungen zum lothringischen Adel
Ein weiterer Sohn Heinrichs VIII. war Dietrich Beyer von Boppard. Dieser begründete eine eigene Nebenlinie der Familie. Dietrich war von 1392 bis 1396 Kanonikus der Kollegiatkirche St. Denis in Lüttich. Danach erscheint er in Urkunden als Ritter und Herr zu Château-Bréhain. Im Jahr 1398 heiratete er Blancheflor von Vinstingen, eine Tochter von Burkhard II. von Vinstingen und Erbin von Bettingen, Bourdonnaye[56] und Mignières. Dies brachte ihm auch den Titel Herr zu Mignières.[55]
Am 9. Juni 1450 erklärten Dietrich und Blancheflor, eine vorweggenommene Erbteilung unter Kindern und Enkeln vorzunehmen, die bereits am folgenden Tag rechtsverbindlich vollzogen wurde. Diese Maßnahme markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Familie, da zentrale Besitzungen wie Teile der Herrschaft Château-Bréhain sowie der Herrschaft Lösnich infolge fehlender männlicher Erben überwiegend auf Töchter und Enkelinnen übergingen und so langfristig in andere Adelsgeschlechter gelangten.[57] Dietrich verstarb am 19. Juni 1460; er wurde in der Kathedrale von Metz beigesetzt.[55]
Heinrich XI. Beyer von Boppard war der älteste Sohn von Dietrich. Er trat von 1432 bis 1447 in Erscheinung. Bei der Schlacht von Bulgnéville, in der er gefangen genommen wurde, war er Träger des Banners von Bar. Er heiratete Elsa von Fleckenstein, die Tochter Friedrichs IV. von Fleckenstein. Heinrich verstarb vor dem 9. Juni 1450. Das Paar hatte zwei Töchter. Die ältere hieß Margareta Beyer von Boppard. Sie heiratete am 9. Juni 1450 Philippe de Lénoncourt. Diese Ehe blieb kinderlos. Die jüngere Tochter Heinrichs hieß Blancheflor Beyer von Boppard, sie heiratete Pierre von Rheineck, den Herrn von Bruch. In die Ehe brachte sie ein Viertel der Herrschaft von Lösnich als Pfand unter der Bestimmung, dass, falls sie kinderlos sterben sollte, ihr Ehemann nur lebenslangen Nießbrauch an Burg Lösnich und an dessen Zugehörungen haben sollte. Nach dem Tod Blancheflors beanspruchte Pierre von Rheineck die Mitgift seiner Frau. Aufgrund einer Vereinbarung von 1471 erhielt Johann von Kriechingen diese Güter nach dem Tod von Pierre von Rheineck.[55][57]
Ein weiterer Sohn Dietrichs, Konrad Beyer von Boppard, trat 1431 bei der Schlacht von Bulgnéville als Bannerträger des Bistums Metz auf und fiel dort oder geriet in Gefangenschaft.[57]
Auch die Töchter Dietrichs trugen durch ihre Heiraten wesentlich zur Verlagerung des Familienbesitzes bei: Maria Beyer von Boppard war mit François de Chambley verheiratet und verstarb vor 1451. Johannette Beyer von Boppard heiratete vor dem 16. April 1434 Ulrich von Rathsamhausen. Im Zuge der Erbteilung von 1450 erbte sie verschiedene Besitzungen der Familie, darunter Anteile an Stadt und Schloss Fénétrange sowie an der Herrschaft Hingsingen, die über ihre Mutter Blancheflor von Vinstingen in die Familie gelangt waren.[58][59][47] Lise (Lysa) Beyer von Boppard war Erbin eines Teils der Herrschaft Château-Bréhain und mit Friedrich von Baucourt verheiratet.[55] Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Dietrich von Baucourt und Margarethe von Baucourt. Da Dietrich von Baucourt kinderlos blieb, gelangte das von Lise Beyer von Boppard stammende Erbe über ihre Tochter Margarethe von Baucourt in das Haus Kriechingen, die unter anderem dieses Erbe in ihre Ehe mit Johann IV. von Kriechingen einbrachte.[58][59]
Ausbau der lothringischen Besitzungen unter Heinrich X. und seinen Geschwistern
Heinrichs VIII. Sohn Heinrich X. Beyer von Boppard führte die Hauptlinie der Familie fort. Bereits 1426 wird Heinrich als Herr von Château-Bréhain und La Tour-devant-Virton genannt. Den letztgenannten Titel erhielt er durch die Ehe mit seiner Gemahlin Cathérine de La Tour, Dame de La Tour-devant-Virton, der Erbtochter von Wencelin de La Tour und der Cathérine de Lénoncourt. Er stand außerdem als Vogt im Dienst des Bischofs von Metz. Nach dem Tod von Cathérine de La Tour heiratete er in zweiter Ehe Marguerite d’Haraucourt. Die Familie Haraucourt war seit 1422 Inhaberin der Herrschaft Bayon, die nach dem Tod Konrads und einer anschließenden Erbteilung aus dem Besitz der Beyer von Boppard übergegangen war. Am 20. Juni 1462 verstarb Heinrich X.[2][60]
Rudolf Beyer von Boppard, der erstgeborene Sohn von Heinrich VIII. Beyer von Boppard, wird 1424 erstmals als Domherr von Trier genannt.[61] Später legte er seine geistlichen Ämter nieder und heiratete am 6. Oktober 1435 Irmgard von Kriechingen, Tochter des Johann III., Herrn von Kriechingen und Pittingen.[62] Sie wird bis 1478 urkundlich erwähnt; aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Seit 1444 erscheint Rudolf als Herr von Château-Bréhain und 1461 als Herr von Saaralben. In einer Urkunde vom 26. April 1461 bestätigte ihm Graf Philipp I. von Katzenelnbogen ein Mannlehen über zehn Mark Bopparder Währung, das bereits seine Eltern von der Grafschaft getragen hatten. Ab 1473 wird Rudolf als Rat des Herzogtums Luxemburg genannt. Rudolf erklärte im Jahr 1478, dass er auf seine Lothringischen Lehen verzichtet habe, als der Herzog von Burgund Lothringen in den Burgunderkriegen besetzt hielt und dass er die Lehen nun wieder verliehen bekommen habe. Spätestens 1485 tritt er wieder als Herr von Saaralben auf. Rudolf Beyer von Boppard starb am 15. Oktober 1488.[45][61]
Johann Beyer von Boppard war ebenfalls ein Bruder von Heinrich X. Er wurde erstmalig 1434 genannt und schlug eine geistliche Laufbahn ein. Zunächst war er Domherr in Trier und Metz, ab 1445 auch noch Archidiakon in Trier und Metz sowie Chorbischof in Trier. Im Jahr 1456 ist er als Domherr in Bamberg, 1457 als Domherr in Speyer und 1459 als Domherr in Mainz belegt. Probst von Köln wurde er 1464 und 1465 wurde er als Diakon in Haiger eingesetzt. Im Jahr 1470 wurde er Archidiakon in Dietkirchen und 1476 Archidiakon in Würzburg und Probst von St. Maria ad Gradus in Köln. Am 10. August 1476 starb Johann.[23][63] Conrad Beyer von Boppard war ebenfalls ein Sohn von Heinrich VIII., der die geistliche Laufbahn einschlug. Er trat seit 1436 urkundlich in Erscheinung. Er war zusammen mit seinem Bruder Johann Domherr in Trier.[64]
Die älteste Tochter Heinrichs VIII., war Walburge Beyer von Boppard. Sie war seit 1428 mit Quentin von Kriechingen verheiratet[65], der am 2. Juli 1431 bei der Schlacht bei Bulgnéville verstarb.[66] Im Zuge der Teilung der Herrschaft Bayon im Jahr 1422, bei der die Familie d’Haraucourt die Hälfte der Herrschaft erhielt, kam es im Jahr 1426 zu einem Rechtsstreit zwischen Dietrich und Heinrich VIII. Beyer von Boppard, sowie Arnold von Sierck als Ehemann von Lise Beyer und mehreren lothringischen Adligen (Henri d’Amance, Henri de Fénétrange und Jean d’Haraucourt, Vormund seiner Söhne Gérard und Jacques). Die Kläger forderten auf Betreiben von Bischof Konrad II. Beyer von Boppard ihren Anteil an Bayon und Vaubexy zurück, die nach dem Tod von Jean de Voivre umstritten waren. Im Zuge der Schlichtung wurde eine Ehe zwischen Jacques d’Haraucourt (Sohn des Jean d’Haraucourt) und Walburge Beyer von Boppard vereinbart.[67]
Die um 1413 geborene Kunigunde Beyer von Boppard war ebenfalls eine Schwester von Heinrich X. Sie war seit 1433 mit Adam I. Kämmerer von Worms genannt von Dalberg verheiratet. Nachdem am 6. Dezember 1463 ihr Sohn Adam und zehn Tage später ihr Ehemann Adam I. verstarb, trat Kunigunde als Ordensschwester ins Kloster Marienberg ein. Das Witwengut Kunigundes ging an Wolfgang III. Kämmerer von Worms. Gelegentlich wird sie als Äbtissin des Klosters genannt. Dies ist jedoch strittig. Nach ihrem Tod am 23. März 1476 wurde sie im Familiengrab der Beyer von Boppard im Kloster begraben. Eine schlichte Sandsteinplatte mit ihrem Wappen, die sie dem Kloster zuvor gestiftet hatte, wurde in die Wand des unteren Kreuzgangs eingelassen.[68] Eine Schwester von Kunigunde war Maria Beyer von Boppard. Sie war mit Ritter Philibert d’Oiselet verheiratet und verstarb am 24. Januar 1453.[69]
Ritter Johann Beyer von Boppard Herr von Château-Bréhain und von La Tour-devant-Virton war der drittälteste Sohn von Heinrich X. und Cathérine de La Tour und Stammhalter der Beyer von Boppard.[2] Eine Urkunde vom 7. Juni 1470 belegt, dass Johann aufgrund des Erbes seiner Mutter auch Lehenansprüche auf Teile der Herrschaft Aspremont erhielt, darunter Besitz in Piennes, Ragecourt, Musson und Saichepré.[70] Am 14. Februar 1474 nahm Johann Güter in Château-Bréhain, Bourdonnaye und Moncourt vom Bistum Metz zu Lehen. Diese Lehensbindung betraf die alten bischöflichen Rechte in Château-Bréhain, insbesondere die Seckengasse, für die er noch 1488 dem Bistum Metz huldigte. Dieses Vorgehen erfolgte parallel zum Verzicht seines Onkels Rudolf Beyer von Boppard auf dessen Lothringische Lehen während der Burgunderkriege.[59] Im Jahr 1476 trat er als Herr von Beautort-sur-Meuse in Erscheinung. Seit 1473 war er Rat von Herzog René I. von Lothringen und seit 1477 war er auch Luxemburgischer Rat und Probst in Thionville. Für das Jahr 1478 wurde er als Vogt des Bischofs von Metz nachgewiesen. Verheiratet war er mit Jeanne de Lénoncourt, der Tochter von Jean de Lénoncourt und Lise von Chambley. Am 23. Mai 1493 verstarb Johann. Seine Witwe vermählte sich vor 1497 mit dem Raugrafen Georg II. Herrn von La Roche und von Bucy.[71]
Die Nebenlinie der Herren von Saaralben
Conrad Beyer von Boppard, ein Sohn von Heinrich X. Beyer von Boppard und Cathérine de Lénoncourt, war Herr von Saaralben. Vor dem 18. Dezember 1489 heiratete er Johanna von Elter. Am 2. August 1497 bestätigte ihm Landgraf Wilhelm von Hessen ein Mannlehen über zehn Gulden am Bopparder Zoll, das bereits seine Vorfahren vom Grafen von Katzenelnbogen und danach vom Landgrafen Heinrich III. von Hessen getragen hatten. Conrad Beyer von Boppard starb nach dem 7. Januar 1520. Aus seiner Ehe gingen zwei Söhne und drei Töchter hervor.[72]
Conrads Tochter Margareta Beyer von Boppard war zunächst mit Ludwig von Thann und nach dessen Tod im November 1513 mit Johann von Helfenstein zu Sporkenburg verheiratet. Sie verstarb im Jahr 1537.[72] Heinrich XII. Beyer von Boppard, ein Sohn Conrads, war Herr von Saaralben. Er war mit Elisabeth von Tengen und Nellenburg, einer Tochter von des Grafen Eberhard von Tengen und Nellenburg und Adelheid von Montfort verheiratet. Heinrich XII. und Elisabeth hatten vier Töchter. Kunigunde war die Gattin von Wilhelm Christoph von Affenstein. Sie verstarb vor 1535. Maria und Margareta waren Benediktinerinnen im Kloster Marienberg. Maria verstarb am 23. August 1553 und Margareta am 27. September 1553. Im Jahr 1736 ließ die damalige Äbtissin im Kreuzgang eine Gedenkplatte für zwölf dort begrabene Nonnen darunter auch Maria Beyer von Boppard errichten, deren Grabplatte abhandengekommen war. Elisabeth war mit Georg Christoph von Affenstein einem Bruder des Gemahls ihrer Schwester Kunigunde. Alle vier Töchter blieben kinderlos.[72] Conrads Sohn Johann Beyer von Boppard lässt sich von 1515 bis 1541 als Herr von Château-Bréhain und von La Tour-devant-Virton nachweisen. Anna Beyer von Boppard, ein weiteres Kind von Conrad, heiratete im Jahr 1516 Georg III. von der Leyen zu Olbrück. Beide wurden nach ihrem Tod in der Abteikirche Maria Laach begraben.[72]
Adam Beyer von Boppard – Bopparder Krieg

Adam Beyer von Boppard, Sohn von Johann Beyer von Boppard, war der Stammhalter seiner Linie. Seit 1491 erscheint er als Herr von Château-Bréhain, La Tour-devant-Virton und Bucy. Ab 1508 amtierte er als Landvogt im Dienst des Bistums Metz und wird in einer Urkunde vom 17. Dezember 1508 zudem als Bevollmächtigter des Herzogs von Kalabrien, Lothringen und Bar genannt. Seine Gemahlin war Marguerite de Parroye, Tochter des Ferri de Parroye, die er nach dem 28. Oktober 1492 heiratete.[73] Ferry III. de Parroye verstarb spätestens im Jahr 1499. Da er keine männlichen Erben hatte, wurde Adam zum Herrn von Taintrux.[74] Am 10. Oktober 1533 verstarb Adam Beyer von Boppard. Elisabeth Beyer von Boppard, die Schwester Adams, ist 1482 als Benediktinerin im Kloster Marienberg bei Boppard belegt.[73]
Im Bopparder Krieg von 1497 standen die Beyer von Boppard ohne selbst in die Kämpfe verwickelt zu sein als deren Lehensträger auf Seiten von Kurtrier. Die Bopparder befürchteten, dass der Kurfürst den ehemaligen Königshof, dessen Lehensträger die Beyer von Boppard weiterhin waren, zur Belagerung der Stadt nutzen würde. Daher brannten sie das Gebäude kurz vor der Ankunft von Johann II. von Baden nieder. Adam Beyer von Boppard hat in der Folge auf Schadensersatz geklagt und hat am 24. August 1517 von Kurfürst Richard von Greiffenklau zu Vollrads Recht erhalten.[2][75] In diesem Zusammenhang mit dem Bopparder Krieg ist wohl auch der Überfall auf den Beyerhof am Dreikönigstag des Jahres 1501 unter Führung des Johann von Eltz zu sehen. Gemeinsam mit seinem Onkel Conrad Beyer von Boppard Herr von Saaralben klagte Adam zunächst 1508 vor dem Kurtriererischen Hofgericht und anschließend vor dem Reichskammergericht auf Wiedergutmachung. Dies blieb stets erfolglos.[76]
Die Hauptlinie im 16. Jahrhundert

Der nächste Vertreter in der Hauptlinie der Beyer von Boppard war Adams Sohn Johann Beyer von Boppard. Nach dem Tod von Heinrich XII. fiel Johann auch dessen Besitz zu, so dass er sich als Herr von Château-Bréhain, La Tour-devant-Virton, Bucy, Saaralben, Lösnich, Parroye, Lénoncourt, Châtelet, Taintrux und Bulgnéville bezeichnete. Seine erste Ehefrau aus dem Haus von Fresnels verstarb jung. Seine zweite Ehefrau Eva von Isenburg-Grenzau heiratete er am 11. August 1522. Sie war die Tochter Gerlachs von Grenzau und Witwe Wilhelms von Nesselrode.[77]

Seit 1522 war Johann Beyer von Boppard auch Herr von Lannoy. In Herbéviller innerhalb dieser Herrschaft ließ er die bestehende mittelalterliche befestigte Anlage abbrechen und durch eine repräsentative Residenz mit integrierter Kapelle ersetzen.[78] Die Kapelle befindet sich heute unter der Bezeichnung Gothic Chapel im Detroit Institute of Arts in Michigan.[79] Die Bautätigkeit ist durch eine reiche Ausstattung belegt. So zeigt ein auf das Jahr 1524 datierter Kamin im Wohnbau die Wappen der Beyer von Boppard und der Isenburg sowie die Bildnisse Johanns und seiner Ehefrau.[78] Nach der Eheschließung, spätestens jedoch um 1525, stifteten Johann und Eva zudem eine 297,8 cm hohe und 97,8 cm breite Glasscheibe mit dem Bildnis des heiligen Johannes des Täufers, die vermutlich im Zusammenhang mit dieser Bau- und Ausstattungsphase der Residenz steht. Sie befindet sich seit 1926 ebenfalls im Detroit Institute of Arts.[80]
In einer Urkunde vom 10. November 1542 bezeugte Johann Beyer von Boppard, dass ihm Erzbischof Johann IV. Ludwig von Hagen die seit Heinrich IV. Beyer von Boppard in Familienbesitz befindlichen kurtrierischen Lehen erneut bestätigt habe. Vor dem 13. Juni 1543 verstarb Johann Beyer von Boppard.[77]
Ihm folgte als Stammhalter Georg Beyer Freiherr von Boppard, Herr von Château-Bréhain, La Tour-devant-Virton, Bucy, Saaralben, Lösnich, Parroye, Lénoncourt, Châtelet, Taintrux, Lannoy und Bulgnéville. Er konnte weiteren Besitz erwerben und nannte sich später auch noch Herr von Ville-sur-Illon. Vor dem 25. Mai 1544 heiratete er Anne de Dommartin die Tochter des Barons Guillaume de Dommartin und der Anne de Neufchâtel. Dadurch erwarb Georg hochrangige Güter in Burgund.[81] Auch Georg Beyer von Boppard stiftete ein Wappenfenster für ein heute unbekanntes Gebäude. Es befindet sich heute im Viktoria-und-Albert-Museum in London.[82] Sein Todestag liegt zwischen dem 24. Dezember 1554 und dem 2. Dezember 1556.[81]
Georg hatte drei Schwestern. Magdalena heiratete Philippe de Nourroy Herrn von Serrières und verstarb am 9. Juli 1583. Anna heiratete Christoph von Schauenburg Herrn zu Preisch nachdem sie am 2. März 1545 einen Ehevertrag mit ihm abgeschlossen hatte. Elisabeth lässt sich 1546 als Ordensschwester in der Benediktinerinnenabtei Marienberg nachweisen.[83]
Der vorletzte Stammhalter der Familie war Adam Beyer von Boppard der Sohn Georgs. Er war Freiherr von Boppard und Herr von Château-Bréhain, La Tour-devant-Virton, Bucy, Saaralben, Lösnich, Parroye, Lénoncourt, Châtelet, Taintrux, Lannoy, Bulgnéville, Ville-sur-Illon und Herbéviller. Er heiratete 1564 Maria Freifrau von Malberg-Reifferscheid der Tochter des Freiherrn Claudius von Malberg und der Catharina von Brandenburg.[83] Sie brauchte Teile der Herrschaft Audun einschließlich Anteilen an Villerupt, Thil und dazugehörigen Rechten, in die Ehe ein.[84][85][86] Nach Adams Tod am 15. Januar oder am 1. März 1583[87] entstand ein Streit um Maries Witwengut, der durch einen Vergleich beigelegt wurde.[85]
Adam hatte drei Geschwister. Claudia Beyer von Boppard ist zwischen 1539 und 1605 nachzuweisen. Sie schloss am 17. Dezember 1562 einen Ehevertrag mit Johann Herrn zu Wiltz. Sie brachte einen Anteil der Herrschaft von Château-Bréhain[59] in die Ehe ein. Am 24. Oktober 1607 verstarb sie. Ihre Schwester Barbara Beyer von Boppard war Nonne im Kloster Marienberg und verstarb dort 1562. Über den Bruder Georg Beyer von Boppard ist kaum mehr als sein Name überliefert.[88]
Die letzten aus dem Geschlecht der Beyer von Boppard - Georg Bernhard und seine Schwestern

Der letzte männliche Vertreter der Familie der Beyer war Georg Bernhard. Sein Geburtsjahr war 1565, somit war er beim Tod seines Vaters noch nicht volljährig. Im Jahr 1583 wird er Freiherr von Château-Bréhain, La Tour-devant-Virton, Bucy, Saaralben, Lösnich, Parroye, Lénoncourt, Châtelet, Taintrux, Lannoy, Bulgnéville, Ville-sur-Illon und Herbéviller. Um 1585 heiratete er Marguerite von Lalaing Gräfin von Hoogstraeten, die Tochter von Antoines II. von Lalaing Graf von Hoogstraeten und der Eléonore von Montmorency Dame von Nivelle.[89]
In seiner Funktion als Herzoglich-Lothringischer Rat stellte er im Spätsommer 1591 ein aus zwölf Abteilungen bestehendes Infanterie-Regiment auf und unterstellte es dem Anführer des päpstlichen Heeres, damit es die Heiligen Liga in ihrem Kampf gegen die Hugenotten unterstütze. Nach dem Tod von Papst Gregors XIV. im Jahr 1591 verblieb Georg Bernhard bei dem lothringischen Kontingent und kämpfte weiter gegen die Navarresen bis sich Herzog Karl III. im Jahr 1594 mit König Heinrich IV. von Navarra aussöhnte.[89][90]
Im Jahr 1595 tauschte Georg Bernhard Beyer von Boppard seine Hälfte von Château-Bréhain mit Thomas von Kriechingen, der dafür seine Hälfte von Lösnich abgab, das im Erbgang von Dietrich und Blancheflor im Jahr 1450 zwischen beiden Häusern geteilt worden war. Die Familie von Kriechingen hatte auch den Anteil erworben, der an die Claudia zu Wiltz, geborene Bayer von Boppard, gekommen und von dieser veräußert worden war.[59][91]
Georg Bernhard Beyer von Boppard schloss sich nun den Kämpfen gegen die türkische Besetzung Ungarns an. Dazu stellte er ein Reiterregiment zusammen, mit dem er als Oberst und General zu Pferd in den Dienst des Kaisers trat und sich am 29. März 1598 erfolgreich an der Rückeroberung von Raab beteiligte. Bei der Erstürmung der Feste Buda am 11. Oktober 1598 fiel Georg Bernhard Beyer von Boppard im Alter von 33 Jahren. Er war der einzige Sohn seiner Eltern und hatte selbst keine Kinder. Seine Schwester Anna war verheiratet mit Christoph Freiherr von Kriechingen und Pittingen und seine zweite Schwester Maria Elisabeth war in erster Ehe verheiratet mit Johann von Chatelet zu Thonle-grand und in zweiter Ehe mit Réné von Choiseul und von Clermont. Mit ihnen starben die Beyer von Boppard aus.[89][90]
Die Schwäger von Georg Bernhard ließen nach dessen Tod einen Epitaphaltar für Georg Bernhard in der Klosterkirche der Abtei Marienberg bei Boppard errichten. Ob sein Leichnam auch in die Familiengrablege im Kloster überführt wurde, ist bisher ungeklärt.[89] Die Besitztümer beziehungsweise die Kurtrierer und die Lothringischen Lehen der Beyer von Boppard gingen dann an die Ehemänner von Georg Bernhards Schwestern über, und zwar an Christoph von Kriechingen und Pittingen, und an Johann von Châtelet.[92][84][86]
Wappen

Das Stammwappen der Beyer von Boppard zeigt „in Silber ein schwarzer, rot bewehrter und gezungter, golden gekrönter Löwe. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender schwarzer, rot bewehrter und gezungter, golden gekrönter Löwenrumpf zwischen einem silbernen Flug.“[93][94]
Dieses Wappenbild wurde im spätmittelalterlichen Boppard von mehreren Geschlechtern geführt: Die Familie Metzenhausen verwendete es in identischer Form, während die Familien Kolb und von der Porte einen ungekrönten Löwen führten.[2][18]
Nach der Heirat Heinrichs VI. Beyer von Boppard mit Lisa von Lösnich quartierte ihr Sohn Conrad das Stammwappen der Beyer von Boppard mit dem Lösnicher Wappen. Seitdem führte die Familie in ihrem Wappen im oberen linken und unteren rechten Feld den Beyer-Löwen in den anderen beiden Feldern befindet sich das Wappen derer von Lösnich also ein silberner Frauenarm mit Hängeärmel in Rot und goldenem Fingerring. Als Helmzier diente entweder die des Stammwappens oder ein mit zwei Pfauenfedern besetzter Turnierhelm aus Hermelin.
Diese Wappenvierung ist zum Beispiel auf der Grabplatte von Conrad Beyer von Boppard zu finden. Beispielsweise ist es aber auch auf der Grabplatte von Kunigunde Beyer von Boppard, Urenkelin Heinrichs VI., überliefert: rechts oben erscheint das Stammwappen der Beyer, darunter das Lösnicher Wappen; die linke Wappenseite zeigt das Wappen ihres Ehemannes Adam I. Kämmerer von Worms gen. von Dalberg.[95]
Beziehung zum Kloster Marienberg
Das Benediktinerinnenkloster Marienberg vor Boppard spielte für die Familie der Beyer von Boppard über mehrere Jahrhunderte hinweg eine zentrale Rolle. Es diente nicht nur als Begräbnisstätte, sondern auch als dauerhafter Aufenthaltsort für weibliche Familienangehörige und als Ort der familiären Memoria. Bemerkenswert ist, dass die Familie diese Bindung auch nach der Verlagerung ihres Besitzschwerpunktes nach Lothringen im späten 14. Jahrhundert aufrechterhielt.
Stiftungen
Die enge Verbindung der Familie zum Kloster Marienberg zeigt sich auch in Stiftungen einzelner Angehöriger. So vermachte Heinrich VI. Beyer von Boppard der Klosterkirche unter anderem den Eucharius-Altar sowie umfangreiche persönliche Ausstattungsgegenstände, darunter sein Streitross, weitere Pferde, seinen silbernen Gürtel, seinen Helmriemen sowie seine Kleidung und Pelze.[9]
Grablege

Seit Heinrich IV. hatte die Familie der Beyer von Boppard eine Grablege in der Kirche[96] des vor der Stadt Boppard gelegenen Benediktinerinnenklosters Marienberg. Neben Heinrich IV. wurden dort auch sein Sohn und Erbe Simon Beyer von Boppard[41] und dessen Erbe Heinrich VI. mit seiner Frau Lisa von Lösnich und auch Konrad mit seiner Frau Merga beigesetzt.
Von Heinrich IV., Heinrich VI. mit Frau Lisa von Lösnich und von Konrad mit Frau Merga sind drei große Grabplatten aus Mainsandstein erhalten. Die Forschung ging zunächst wahrscheinlich voreilig davon aus, dass die drei mittelalterlichen Grabplatten der Beyer von Boppard als Epitaphe ursprünglich im Kapitelsaal aufgestellt wurden und nicht am Familiengrab in der Klosterkirche angebracht waren. Vom Kapitelsaal waren sie bald nach 1838, wie die erst seitdem möglichen Verwitterungsspuren zeigen, an die Wand der südlichen Vorhalle des Kreuzgangs versetzt worden. Im Kapitelsaal dürften sie sich auf jeden Fall zum Zeitpunkt der Klosteraufhebung 1802 befunden haben, da sie den Abriss der Kirche in den Jahren danach überstanden. Sie werden wohl auch bereits 1773 beziehungsweise seit der Renovatio des Klosters 1738–70 an diesem Ort gestanden haben. Es ist anzunehmen, dass es sich bei den Grabsteinen zunächst um Tumbenplatten gehandelt hat. Ihr guter Erhaltungszustand zeigt zudem, dass sie erhöht gelegen hat, also keinen Fußtritten ausgesetzt war.[97] Im April 1914 wurden sie dann vom Direktor der damaligen Kaltwasseranstalt Marienberg zusammen mit weiteren Grabplatten an das Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin verkauft.[98][41][99] Eine Grabplatte oder ein Epitaph von Simon Beyer von Boppard nicht bekannt.
Die Grabplatte von Heinrich IV. hat eine Höhe von 277 cm, eine Breite von 160 cm und eine Tiefe von 20 cm. Für ein Einzelgrab ist dies eine recht breite Platte. Sie hat eine Randleiste mit umlaufender Inschrift, einen aufwendigen Rahmen und in einer eingetieften Nische in der Mitte der Platte die in voller Rüstung dargestellte Figur Heinrichs IV. Über dem Bogen des Rahmens und seitlich der Kreuzblume befinden sich zwei Wappen. Rechts ist das Familienwappen der Beyer von Boppard mit einem nach links steigenden und gekrönten Löwen und links befinden sich zwei gekreuzte Schlüssel als Symbol des königlichen Burggrafenamts, das Heinrich IV. innehatte. Der Kopf des vollständig gerüsteten Heinrich IV. liegt auf einem prachtvollen, mit gekrönten Löwen verzierten Kübelhelm. Unter seinen Füßen ruhen zwei nach innen gewandte kleine Hunde. Über seiner Kettenrüstung trägt er einen knielangen Waffenrock und eine spitze Beckenhaube mit Kettenbrünne. Am ledernen Goller sind Ketten angebracht, an denen der Dolch und das Schwert hängen. Die zuvor genannte Umschrift in gotischer Majuskel lautet: + ANNO • DOMINI Mº • CCCLV / IN • DIE • B(EA)TI • IOH(ANN)IS • EW(ANGELISTE) / OBIIT • STRENVVS • VIR • D(OMI)N(V)S • HENRI/CUS • DICTUS • BEYER • DE • BOPARDIA • / MILES • CUIUS • ANIMA • REQVIESCAT • IN • PACE • AMEN • („Im Jahr des Herrn 1355 am Tag des heiligen Johannes Evangelist [27. Dezember] starb der gestrenge Mann Herr Heinrich genannt Beyer von Boppard, Ritter. Seine Seele möge in Frieden ruhen, Amen“).[97]
Die Grabplatte Heinrichs VI. und seiner Frau Lisa von Lösnich hat eine Höhe von etwa 275 cm, eine Breite von 134,5 cm und eine Tiefe von 20 cm.[100] Die Platte von Konrad mit seiner Frau hat eine Höhe von 312 cm, eine Breite von 166 cm und eine Tiefe von 22 cm.[101]
Adelheid Beyer von Boppard, Tochter Heinrichs VI. und seiner Frau Lisa, wurde ebenfalls in der Familiengrablege begraben. Ihr gestifteter Epitaph hing ebenfalls ursprünglich im Kapitelsaal. Nach der Aufhebung des Klosters wurde es ebenfalls an der Wand der südlichen Vorhalle angebracht. Im Gegensatz zu den zuvor genannten deutlich größeren Grabplatten befindet sich das Epitaph heute noch dort, obwohl auch diese Grabplatte zum Verkauf stand.[44][102] Die 1477 verstorbenen Kunigunde Beyer von Boppard, Tochter von Heinrich VIII., wurde ebenfalls in der Grablege im Kloster Marienberg bestattet. Ihr Epitaph befindet sich heute noch an ihrem ursprünglichen Ort plan in die Wand des nördlichen Kreuzgangflügels eingelassen.[95][68]
Neben dem Hochaltar auf der Evangelienseite der Marienberger Klosterkirche befand sich eine Gedenktafel für Georg Bernhard Beyer von Boppard. Unklar ist allerdings, ob Georg in Marienberg bestattet wurde. Obwohl die Tafel den Abriss der Kirche im Jahr 1802 überstanden hatte und noch 1856 im Klosterbereich nachgewiesen werden konnte, gilt sie heute als verschollen.[90]
Versorgung unverheirateter Töchter
Neben der Funktion als Grablege diente das Kloster Marienberg der Familie über Generationen hinweg als bevorzugter Ort zur Versorgung unverheirateter Töchter. Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert lassen sich wiederholt weibliche Angehörige der Beyer von Boppard als Nonnen im Kloster nachweisen. Diese kontinuierliche Präsenz ist umso bemerkenswerter, als die Familie ihren Besitzschwerpunkt seit dem späten 14. Jahrhundert nach Lothringen verlagert hatte, jedoch weiterhin an der Bindung an das Bopparder Kloster festhielt. Mindestens eine Angehörige der Familie erreichte dort zudem das Amt der Meisterin.[12]
Viele der Nonnen des Klosters wurden im Kreuzgang begraben, so auch einige der Nonnen aus der Familie der Beyer von Boppard. Von Maria Beyer von Boppard, die im Jahr 1553 verstarb und auch im Kreuzgang begraben wurde, konnte auch nachgewiesen werden, dass sie sich eine Grabplatte mit einer anderen ehemaligen Nonne des Klosters teilte, die am selben Tag verstarb.[103]
Beyerhof

Der Stammsitz der Beyer von Boppard wird heute Beyerhof genannt und befand sich, obwohl die Familie der Beyer von Boppard seit Ende des 14. Jahrhunderts überwiegend in Lothringen lebten, bis zum Aussterben des Adelsgeschlechtes im 16. Jahrhundert in Boppard zwischen dem Eltzer Hof, der Judengasse und der Christengasse. Die heutige Beyerhofgasse führte direkt auf den Hof. Bis auf wenige Reste ist der Adelshof heute abgegangen.[9][104]
Nach dem Aussterben der Beyer von Boppard im Mannesstamm ging der Königshof und der Beyerhof an Christoph von Kriechingen und Pittingen Johann von Chatelet, die jeweils mit einer Schwester des verstorbenen Georg Bernhard Beyer von Boppard verheiratet waren. Für das Jahr 1663 lässt sich nachweisen, dass beide Höfe im Besitz von Philipp Franz von Sötern waren, einem Großneffen des Trierer Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern, der über den Sötern’schen Fideikommiss in die expansive Besitzpolitik seiner Familie eingebunden war[105]. Dieser verkaufte beide Höfe 1663 an Johann Philipp von Walderdorff. Durch den Amtsverwalter Hugo Peter Herger in Boppard ist bestätigt, dass sich beide Höfe im Jahr 1789 noch im Besitz derer von Walderdorff befanden. Herger beschreibt in seinen Aufzeichnungen den Beyerhof als steinerne Überbleibsel einer alten Burg. Bei dieser soll sich noch ein Hofhaus, eine Stallung und kleine Gärten befunden haben. Auf der anderen Seite der Judengasse befand sich noch ein Hausplatz. Für das Jahr 1827 wird der Landwirt Jakob Haebel als Besitzer großer Teile des Beyerhof genannt.[2][104][106]
Teile des Haupthauses des Beyerhofs befanden sich auf dem Grundstück des Wohngebäudes Christengasse 4, das ebenfalls an die Beyerhofgasse angrenzte. Nachdem Winzermeister Bach das Eckhaus erworben hatte, wurden im Jahr 1977 mit umfangreichen Baumaßnahmen begonnen. Dabei wurde auch die Bruchsteinmauer im Hof des Grundstücks untersucht. Diese gehörte vermutlich zu einem Steinhaus, das an den Turm XXVI der römischen Stadtmauer angebaut war. Da sie Merkmale des spätromanischen Baustils aufweist, wird sie als Überrest des Beyerhofs[104] aus der Zeit, in der Conradius Bauwarus Stammvater der Beyer von Boppard war, gedeutet.[106]
Sagen

Gründung des Klosters Marienberg
Nach einer Sage wurde das Kloster Marienberg durch Konrad Beyer von Boppard gegründet. Da seine Freunde ihn dazu gebracht hatten, gab er Anfang des 12. Jahrhunderts seiner Braut Maria das Eheversprechen zurück. Obwohl er dies schnell bereut habe, sei er zu stolz gewesen, dies zuzugeben. Daraufhin wurde Konrad Beyer von Boppard von der als Mann verkleideten Maria zum Duell herausgefordert. In diesem Duell tötete Konrad die geliebte Maria. Nachdem ihm bewusst wurde, wen er getötet hatte, ließ das Kloster Marienberg errichten. Anschließend zog Konrad Beyer von Boppard zum Sterben in den Krieg.[107]
Die Feindlichen Brüder
Die Feindlichen Brüder sind eine im späten 16. Jahrhundert entstandene deutsche Sage um die unmittelbar beieinander liegenden Burgen Sterrenberg und Liebenstein. Der Sage nach gehörten die beiden Burgen der Familie der Beyer von Boppard und wurden von den Geschwistern Heinrich und Konrad von Beyer bewohnt. Diese gerieten in Feindschaft, weil sie sich beide in Hildegard Brömser verliebten.
Literatur
- Hildegard Tschenett: Die Ritter Beyer von Boppard. Auf den Spuren eines erloschenen Stadtadelsgeschlechts. Hrsg.: VVV-Boppard. Boppard 2025[108]