Heinrich VI. Beyer von Boppard
Burggraf von Boppard
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Heinrich VI.[1] Beyer von Boppard (auch Heinrich Bayer von Boppard, † 26. August 1376) war in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts Burggraf von Boppard und einer der mächtigsten Ministerialen am Mittelrhein. Er und seine Gemahlin Lisa geb. von Lösnich, (verw. von Pyrmont in erster Ehe) wurden im Benediktinerinnenkloster Marienberg in Boppard beigesetzt. Die Grabplatte, die um oder nach 1399 für das Grab der Eheleute angefertigt wurde, ist eines der herausragenden Beispiele spätgotischer Bildhauerkunst am Mittelrhein.


Herkunft
Heinrich entstammt der Familie Beyer von Boppard, die Reichsschultheißen von Boppard waren und nach der Verpfändung Boppards an das Erzbistum Trier 1331 erbliche Burggrafen des ehemaligen Königshofs von Boppard.[2]
- Die Eltern werden unterschiedlich angegeben: Einmal als Heinrich v. Boppard und Lise de Laciriere,[3] dann als Simon Bayer v. Boppard und Elisabeth von Rhens,[4] zuletzt (bei Heinrichs Bruder Dietrich) als Simon Bayer v. Boppard und Elisabeth Walpod von Waldmannshausen.[5] Richtig ist definitiv, dass Simon sein Vater war, dies ist mehrfach bezeugt, beispielsweise in den Kopiaren der Erzbischöfe von Trier.[6]
- Sein Bruder Dietrich Bayer von Boppard († 1384) war von 1359 bis 1365 Bischof von Worms und anschließend bis zu seinem Tod Bischof von Metz.
- Sein Bruder Reinbold Beyer von Boppard († 1364) war Domkustos in Worms und ist im Wormser Dom beigesetzt; die Grabplatte befindet sich im südlichen Chorbereich.[7]
Leben
Heinrich war der älteste von vier Brüdern und übernahm von seinem Vater das Amt und den Familienbesitz, während seine drei Brüder den geistlichen Stand annahmen. Er war spätestens seit 1351 mit Lisa, der Erbtochter Konrads von Lösnich und Adelheids von Bruch, verheiratet, der Witwe Kunos VII. von Pyrmont. Mit dieser Heirat gelangte umfangreicher moselländischer Besitz in die Hand der in Boppard residierenden Familie, deren Bedeutung damit entscheidend anwuchs.[8]
Wie bereits sein Großvater Heinrich IV. Beyer von Boppard stand auch Heinrich VI. in enger Verbindung zu Kaiser Karl IV. So wird er 1351 in einer Urkunde Karls IV. als „edler Heinrich Beyer von Boppard“ genannt und erhielt für eine Schuldverschreibung Einkünfte aus dem Prager Münzwesen. Spätestens 1358 ist er als Schultheiß zu Boppard belegt. Zudem nahm er gemeinsam mit dem Trierer Kurfürsten Boemund II. von Saarbrücken an Reichstagen in Nürnberg und Metz teil.[8][9]
Heinrich VI. fungierte darüber hinaus als kurtrierischer Amtmann des Amts Stolzenfels und Niederlahnstein. In dieser Funktion wurde er 1360 von Erzbischof Boemund II. eingesetzt und war für Verwaltung, Schutz und militärische Organisation des Amtes verantwortlich. Seine Stellung brachte ihn jedoch auch in Konflikte, insbesondere im Zusammenhang mit der Erhebung von Rheinzöllen bei Boppard. Nachdem ihm die Zolleinnahmen zeitweise entzogen worden waren, setzte sich Kaiser Karl IV. 1354 dafür ein, ihm Einnahmen aus den Zollstellen bei St. Goar und an anderer Stelle zuzuweisen, bis die ihm zustehenden Beträge ausgeglichen waren. Die Auseinandersetzungen um die Zollrechte führten zu längeren Konflikten mit dem Erzstift Trier, die schließlich durch Eingreifen des Königs geregelt wurden. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass Heinrich VI. sowohl in regionale Machtkämpfe als auch in die Reichspolitik eingebunden war.[9]
Als Lehnsmann des Trierer Kurfürsten war Heinrich VI. in das kurtrierische Lehnsgefüge eingebunden; der bereits seinem Großvater Heinrich IV. Beyer von Boppard übertragene Königshof in Boppard wurde von der Familie neben weiteren Lehen als erbliches Lehen gehalten, worauf sich der Titel des Erbburggrafen von Boppard begründete.[9]
Im Jahr 1376 verstarb Heinrich VI. auf Schloss Stolzenfels.[10] Seine Frau Lisa überlebte ihn und verstarb 1390.[11] In seinem Testament bestimmte er, dass er im Kloster Marienberg beigesetzt werden solle. Außerdem stiftete er der Klosterkirche den Eucharius-Altar und vermachte dem Kloster sein Streitross, seinen Hengst, weitere Pferde, seinen silbernen Gürtel, seinen Helmriemen sowie seine Kleider und Pelze. Zur Versorgung der Armen bestimmte er dem Bopparder Hospital zum Heiligen Geist jährlich zwölf Röcke, zwölf Hemden und zwölf Paar Schuhe.[8]
Die ehemals im Kapitelsaal des Benediktinerinnenklosters Marienberg befindliche Grabplatte des Heinrich VI. und seiner Frau zeigt im oberen Teil das Stammwappen „Beyer von Boppard“ mit dem steigenden Löwen sowie das Wappen „von Lösnich“ mit dem Hängeärmel. Die Darstellung zeigt Heinrich als gerüsteten Ritter mit Schwert und Dolch, während seine Ehefrau in zeitgenössischer Gewandung mit Schleier dargestellt ist. Die gut erhaltene Grabplatte wurde 1914 mit zwei weiteren Grabplatten der Beyer von Boppard aus dem Kloster nach Berlin verkauft und wird heute in zwei Teilen im Bode-Museum verwahrt.[11]
Auf dem Grabmal ihres Sohnes Konrad Beyer von Boppard († 1421) erscheint das väterliche Wappen bereits in quadrierter Form als Vereinigung der Wappen „Beyer von Boppard“ und „von Lösnich“, während mütterlicherseits weiterhin das Wappen von Lösnich geführt wird.[12] Die Nachkommen übernahmen dieses quadrierte Wappen dauerhaft.
Literatur
- Otto Volk: Boppard im Mittelalter. In: Heinz E. Mißling (Hrsg.): Boppard. Geschichte einer Stadt am Mittelrhein. Erster Band. Von der Frühzeit bis zum Ende der kurfürstlichen Herrschaft. Dausner Verlag, Boppard 1997, ISBN 3-930051-04-4.
- Ferdinand Pauly: Der Hof der Bayer zu Boppard (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Boppard. Band 1). Rheindruck Boppard, Boppard 1989.