Dimitrios Ainian
griechischer Freiheitskämpfer, Politiker und Schriftsteller; erster Biograph von Georgios Karaiskakis
From Wikipedia, the free encyclopedia
Dimitrios Zacharias[2] Ainian (griechisch Δημήτριος Ζαχαρίας Αινιάν; * 21. November 1800 in Mavrilo, Fthiotida;[3] † 25. September[4] 1881[5] in Stylida[3] oder Ypati[4]) war ein griechischer Freiheitskämpfer der Griechischen Revolution, Schriftsteller und Politiker.[5]

Sein bekanntestes literarisches Werk ist die erste[4] Biografie von Georgios Karaiskakis, den er auch während der Schlachten persönlich begleitete.[5]
Frühes Leben
Zu seiner Herkunft schrieb er: „Ich bin der jüngste Sohn des Zacharias Ainianos, stammend aus Mavrilo der Gemeinde Tymfristos der Provinz Fthiotida. Ich wurde am 21. November des Jahres 1800 geboren.“[3]
Im Jahr 1806 zog sein Vater mit der Familie nach Konstantinopel, wo er zunächst Direktor des Griechischen Gymnasiums Fener in Therapia und später der Schule von Xira Krini (Kuruçeşme) wurde, an der auch Dimitrios Unterricht erhielt.[3] Dort stand die Familie in Kontakt sowohl mit den Phanarioten als auch mit der Filiki Eteria.[5] Das Haus der Familie Ainian war in Konstantinopel nämlich ein Treffpunkt der Geheimgesellschaft. Hier trafen sich unter anderem Skoufas und Xanthos, um wichtige Entscheidungen für den bevorstehenden Befreiungskampf zu fällen.[4]
Der Name der Familie lautete ursprünglich Oikonomou[5] oder Oikonomou-Anagnostou[1], wurde jedoch um 1806 beim Umzug der Familie nach Konstantinopel in Ainian geändert, gemäß den antiken Ainianen, die ihre Heimatregion bewohnten.[5][1]
1818 wurde Dimitrios Ainian in die Filiki Eteria aufgenommen, deren Mitglieder bereits sein Vater sowie seine Brüder Georgios und Christodoulos waren.[3] Außerdem studierte er in Europa.[1]
Beteiligung an der Griechischen Revolution
Flucht nach Griechenland
Beim Ausbruch der Griechischen Revolution befand sich Dimitrios Ainian in Konstantinopel. Dort erlebte er direkt die Massaker an die griechische Bevölkerung. Von seiner Familie getrennt, wurde er verfolgt und musste sich verstecken.[3] Er verkleidete sich als Seemann, verkaufte seine Kleider, um seine Flucht zu finanzieren, und nutzte alle Mittel, um nach Griechenland zu gelangen,[2] wobei ihm schließlich die Flucht nach Odessa gelang.[3] Er hielt ständig Kontakt zu Papaflessas, den er im Haus der Eltern kennenlernte.[4]
In Odessa blieb er etwa acht Monate, bis infolge diplomatischer Klärungen zwischen Russland und Österreich die Weiterreise griechischer Flüchtlinge möglich wurde.[3] Über Österreich gelangte er gemeinsam mit anderen[2] nach Livorno, einem Zentrum der Filiki Eteria, und reiste Ende 1822 mit dem Schiff von Emmanouil Xenos[2] nach Hydra.[3]
Danach reiste er weiter nach Ermioni, dem damaligen Sitz der Zentralverwaltung, anschließend nach Argos und schließlich nach Vostitsa (heute Aigio), wo er nach seinem Bruder suchte. Von dort zog Ainian nach Roumeli, dessen Boden er, nach eigenem Bericht, mit besonderer Rührung betrat.[3] Dort traf er schließlich seinen Bruder Georgios, Mitglied des Areopags von Ostgriechenland, im Dorf Mavro Lithari zwischen Giona und Vardousia.[2]
Bestreben in Griechenland
Er nahm aktiv am Unabhängigkeitskrieg teil, zunächst als einfacher Soldat und später als Sekretär des Komitees der Exekutive sowie des Ausschusses der Nationalversammlung.[3]
Wenig später lernte er Georgios Karaiskakis in Nafplio kennen und kämpfte 1826–1827[2][3] an seiner Seite, auch als Schreiber und Sekretär[6], bei der Belagerung von Domvrena, wo er verwundet wurde und seine erste Auszeichnung erhielt.[2] Ein anderer Hinweis gibt an, er habe bereits ab 1822 unter Karaiskakis gekämpft.[5]
Er nahm außerdem an der Schlacht von Arachova teil, wo er erneut verwundet wurde, sowie an den Kämpfen von Distomo und Athen.[2]
Nach dem Tod von Georgios Karaiskakis diente er im Innenministerium. Anschließend wurde er von Kapodistrias zum Sekretär des Panellinion ernannt. Er arbeitete außerdem längere Zeit im Justizdienst.[2]
Im freien griechischen Staat war er Sekretär des außerordentlichen Kommissars von Achaia, Mitglied des Berufungsgerichts der Inseln (während der Regierung Kapodistrias) und Präsident der Erstinstanzgerichte in Lamia.[3]
Zeit unter König Otto
Vor Ottos Misstrauen
Im Jahr 1834 folgte er seinem Bruder nach Chalkida und gab in der dortigen Druckerei der Brüder Ainian sein wichtigstes Werk heraus: die Biografie von Karaiskakis.[2]
Unter König Otto war er 1833–1835 Präsident der Gerichte in Athen und Lamia.[5]
Später, in Lamia, wo er Präsident des erstinstanzlichen Gerichts war, kümmerte er sich um die Gründung einer Apotheke, einer Druckerei und von Schulen in der Region.[2] In dieser Zeit wurden in Lamia die Grundlagen des Rechtssystems geschaffen. Ainian galt als integre und gewissenhafte Persönlichkeit und erwarb sich den „Respekt der Bevölkerung“. Er hatte eine besondere Beziehung zu Lamia und Fthiotida und unterstützte die Gegend mit Veröffentlichungen und politischem Engagement.[7] Anhaltende Eingriffe der Behörden und ein Misstrauensvotum König Ottos im Jahr 1835 zwangen ihn zum Rücktritt als Richter zurück.[2][3]
Nach Ottos Misstrauen
Er zog sich für viele Jahre[5] auf sein Gut in Ypati zurück und entwickelte dort landwirtschaftliche, aber auch politische Tätigkeit gegen die königliche Regierung.[3] Unter anderem setzte er sich für den Aufbau öffentlicher Gemeindebibliotheken ein, forderte die Schulpflicht und den Ausbau des Schulwesens, um „alle Griechen“ zu bilden.[4] Weiterhin führte er moderne europäische Anbaumethoden ein, importierte besondere Saaten, half den Bauern mit Rat, installierte Seidenspinnmaschinen, pflanzte Maulbeerbäume und lehrte die Seidenzucht.[2] Er schilderte seine Beobachtungen über die griechischen Bauern, die „unter ihrer ärmlichen Hütte, in Not und Leid“ lebten, und beschrieb den Landwirt, der „verzweifelt am Rand seines Dreschplatzes saß, während die Pächter seine Ernte plünderten“. Er bemerkte „die unerbittlichen Hände des Wucherers“ und die unmenschliche Härte „der Gerichtsvollzieher und Ausbeuter“. Steuererlasse wurden an Straßen und Kirchentüren angeschlagen.[2]
Ergebnis seines politischen Engagements war die Plünderung seines Hauses, die Ungnade des Palastes und schwere finanzielle Probleme.[3] Er war Mitbegründer der Gesellschaft zur Erleuchtung des Volkes (εταιρίας προς φωτισμόν του λαού).[4] Mitglied des Arsakeio wurde er im Jahr 1837.[1]
Dimitrios Ainian kandidierte 1844 und 1847 für das Parlament, wurde jedoch aufgrund staatlicher Eingriffe nicht gewählt. Die massive Wahlfälschung, besonders bei den zweiten Wahlen, führte 1848 zu einem Aufstand in Roumeli, an dem Ainian aktiv teilnahm. Diese Revolte war Teil der europaweiten Erhebungen von 1848. In dieser Revolution spielte Ainian in Griechenland eine führende Rolle in Fthiotida und stand nach eigener Aussage in Kontakt mit den Anführern in Athen. Der schlecht organisierte und unvorbereitete Aufstand wurde jedoch leicht von der Regierung zerschlagen.[2][4] Nach dem Scheitern der Revolution floh er mit seiner Familie und seiner Nichte Aganiki zunächst auf den Oiti und dann ins damals osmanische Thessalien.[2] Nach einer Amnestie durch Georgios Rallis (1805–1883) kehrte er nach Ypati zurück und fand seinen gesamten Besitz verwüstet vor. Sein Haus einschließlich des damals bekannten Ainian-Turms mit der wertvollen Bibliothek war niedergebrannt, die Druckerei in Lamia zerstört und die Kessel der Seidenspinnmaschinen geplündert.[2][4] Er verfasste dazu: „Welch furchtbarer Anblick! Die Ruine meines von königlichen Truppen verbrannten Hauses, die Plünderung und Verbrennung meines gesamten Besitzes und die Entblößung meiner Angehörigen verursachten mir solches Leid, dass ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte.“[2]
Von den Strapazen und Verfolgungen schwer krank, unterstützten ihn die Bauern der Umgebung mit Spenden. Als er sich erholte, planten königliche Anhänger und lokale Großgrundbesitzer seine Ermordung. Dieser Planung entkam er nur knapp.[2]
1850 wurde er zum Abgeordneten gewählt, doch König Otto annullierte die Wahl.[4] Staatsanwalt und Gendarmen durchsuchten häufig sein Haus und kontrollierten auch seine private Korrespondenz. Er zog 1851 nach Athen, um Arbeit zu finden. Freunde und Bekannte wiesen ihn jedoch ab, da ihn viele als gefährlichen Verschwörer betrachteten.[2]
Nach seinem Umzug, gab er die Zeitschrift Bibliothek des Volkes heraus, in der monatliche Hefte mit Beiträgen zu Bildung, Sprache, Landwirtschaft, Sittengeschichten und kurzen historischen Studien über den Unabhängigkeitskampf erschienen.[2] Er arbeitete auch für die Zeitungen Athina und To Panellinion und war zugleich 1854 kurzzeitig[2] Beisitzer des Rechnungshofes sowie Abteilungsleiter im Innenministerium.[8] Er verfasste mehrere Gesetzentwürfe, unter anderem über Bewässerung. Später wurde er entlassen.[2]
1855 schrieb er zur Bildungssituation des Landes: „Warum gibt es keine Schulen? Warum hat dieses Volk keinen einzigen Schritt in Richtung Bildung und Verbesserung seiner Sitten getan? Fehlen die Mittel? Oder fehlt der Wille?“.[4]

Mit großer Mühe gelang es ihm, eine bescheidene staatliche Pension zu sichern, und 1862[7] oder 1863 (nach der Absetzung Ottos) wurde er als Vertreter (πληρεξούσιος) von Fthiotida in die Zweite Nationalversammlung gewählt.[3] Mit Zwischenaufenthalten zwischen Athen und Ypati ließ er sich schließlich 1878 in der Hauptstadt nieder, wo er den Rest seines Lebens „in äußerster Armut“ verbrachte.[3] Einem anderen Hinweis nach verbrachte er seine letzten Jahre „friedlich in seinem Haus in Ypati, nahe seiner Heimatorte“.[7] Er starb blind[2] in Stylida[3] oder in Ypati.[4]

Schriften

Dimitrios Ainian verfasste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr viele[3] Schriften, die einen deutlich höheren Grad an Realismus zeigen, als man lange angenommen hatte, und trug damit zu den literarischen Strömungen seiner Zeit bei.[9] Er war neben Tertsetis der erste Autor der postrevolutionären Zeit, der dramatische Kurzgeschichten schrieb.[4] In der Literatur trat er erstmals mit der Veröffentlichung des Gedichts "Ode an Messolongi" hervor. Sein erzählerisches Werk bewegt sich insgesamt im Bereich der Prosa mit besonderem Bezug auf die sozioökonomischen Lebensbedingungen der Landbevölkerung und umfasst unter anderem Biographien, Erzählungen sowie Übersetzungen, hauptsächlich aus dem Französischen.[3]
Seine anonymen und leidenschaftlich geschriebenen Artikel in der Zeitung Athina erregten großes Aufsehen und begründeten die Bewegung der „Skiadisten (Σκιαδιστές)“, einen Vorläufer späterer sozialer Unruhen und gewaltsamer[10] Straßenkämpfe.[8]
Er übersetzte in seinem Leben außerdem mehrere Werke von Jean Racine ins Neugriechische, darunter die „Iphigenie“ 1837, (anonym veröffentlicht) und vermutlich auch die „Phädra“ 1828 sowie eine prosaische „Iphigenie“ 1835. Ainian publizierte außerdem landwirtschaftliche Handbücher 1833 und 1861, eine „Abhandlung über Maulbeeranbau und Seidenraupenzucht“ 1857 sowie eine „Christliche Ethik“ 1857.[5]
Er gab zeitweise die Zeitung „Βιβλιοθήκη του Λαού“ (Bibliothek des Volkes) in den Jahren 1852 und 1855 heraus.[5] Die Neue Münchener Zeitung kommentierte dieses Werk als "höchst nützlich".[11] Auch die Zeitung Das Ausland kommentierte es positiv und legte dar, dass es monatlich in fünf Bögen erscheint und von der Antike bis zur Neuzeit mannigfaltige Themen behandelt.[12] Er hinterließ außerdem eine Autobiographie, die bislang unveröffentlicht ist; ein Manuskript befindet sich im Archiv Angelos Papakostas an der Universität Kreta.[5] Einem anderen Hinweis nach, wurde seine Autobiographie nach seinem Tod jedoch veröffentlicht.[3]
Er schrieb, dass der Fall von Mesolongi nicht den Zusammenbruch ganz Griechenlands nach sich zog, sondern die Griechische Revolution zu einem zentralen Thema Europas machte und starke Sympathien sowie philhellenische Einstellungen hervorrief.[13] 1854 schrieb er außerdem kritisch über die Legendenbildung um Germanos von Patras und schloss sich Ioannis Filimon an, der bestritt, dass der Beginn der Griechischen Revolution in Agia Lavra unter Germanos erfolgt sei.[14] Weiterhin verfasste er Publikationen über die Schlacht von Vasilika, Die Belagerung von Tripolitsa, dem Fall von Mesolongi und die Schlacht von Arachova.[2] Er schrieb später auch über gesellschaftliche und landwirtschaftliche Themen seiner Zeit.[3]
Andenken
Der zeitgenössische Publizist Panagiotis Sophianopoulos lobte Dimitrios Ainian als bedeutenden Journalisten.[4]
Timoleon Filimon würdigte ihn in seiner Zeitung O Aion.[2]
Im Zentrum der Stadt Ypati wurde ihm eine Statue errichtet.[15]
In Lamia fand 2012 eine Ausstellung über Dimitrios Ainian statt.[16]