EMD SD70ACe

Herstellerbezeichnung für eine Reihe dieselelektrischer Güterzuglokomotiven From Wikipedia, the free encyclopedia

SD70ACe ist die Herstellerbezeichnung für eine Reihe dieselelektrischer Güterzuglokomotiven, die seit 2003 als Teil der SD-Serie von General Motors Electro-Motive Division (EMD), ab 2005 Electro-Motive Diesel, gebaut wird. Mehr als 2000 Exemplare wurden bereits produziert.

Schnelle Fakten
EMD SD70ACe
BNSF 9211 in Lincoln (Oktober 2014)
BNSF 9211 in Lincoln (Oktober 2014)
BNSF 9211 in Lincoln (Oktober 2014)
Nummerierung: siehe Lieferliste
Anzahl: 2064 (Stand: 2018)
Hersteller: General Motors Electro-Motive Division, ab 2005 Electro-Motive Diesel
Baujahr(e): seit 2003
Achsfolge: Co’Co’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 22630 mm
Breite: 3120 mm
Höhe: 4850 mm
Drehgestellachsstand: 4140 mm
Treibraddurchmesser: 1067 mm
Dienstmasse: 185,1 t
Reibungsmasse: 185,1 t
Radsatzfahrmasse: 30,8 t
Höchstgeschwindigkeit: 113 km/h
Installierte Leistung: 3210 kW
Leistungskennziffer: 17,3 kW/t
Anfahrzugkraft: 850 kN
Dauerzugkraft: 700 kN bei 19 km/h
Bremskraft: 470 kN (elektrisch)
Motortyp: EMD 16-710G3C-T2
Motorbauart: 1 × Sechzehnzylinder-V-Dieselmotor mit Abgasturbolader,
2-Takt, wassergekühlt,
186,0 l Hubraum
Nenndrehzahl: 904 min−1
Leistungsübertragung: elektrisch
Fahrmotoren: 6 × GM A3432
Antrieb: Dieselmotor, Wechselstromgenerator, Wechselstromfahrmotoren
Übersetzungsverhältnis: 1 : 4,12
Lokomotivbremse: Druckluftbremse, Widerstandsbremse, Handbremse
Zugbremse: Druckluftbremse
Kupplungstyp: Janney
Steuerung: Mehrfachtraktions-steuerung
Tankinhalt: 18500 l
Quellen:[1][2][3]
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Geschichte

Weil das Modell SD70MAC die durch die Environmental Protection Agency (EPA) für den 1.Januar2005 beschlossene Abgasnorm TierII nicht erfüllte, entwickelte General Motors Electro-Motive Division (EMD) in den frühen 2000er Jahren das Modell SD70ACe als Pendant zur ebenfalls mit Wechselstromfahrmotoren ausgestatteten Reihe ES44AC des Herstellers GE Transportation Systems (GETS).[2] Parallel bot EMD die Gleichstromvariante SD70M-2 an.[2]

Ein als GM70 bezeichneter Prototyp der Reihe SD70ACe verließ, gefolgt von drei weiteren Prototypen, im April2003 das Werk. Die Serienfertigung begann im April2004 mit einer von CSX Transportation (CSXT) aufgegebenen Bestellung, ab 2005 kamen weitere Käufer hinzu. In den nächsten Jahren wurden größere Stückzahlen an die BNSF Railway (BNSF), Ferrocarril Mexicano (FXE), die Kansas City Southern Railway (KCS), die Norfolk Southern Railway (NS) und die Union Pacific Railroad (UP) verkauft.[2]

Neben verschiedenen Exportversionen der Reihe SD70ACe baute EMD versuchsweise das Modell SD70ACe-P6 mit einem eigenen Wechselrichter für jeden Fahrmotor und das Modell SD70ACe-P4 mit der seltenen Achsfolge (Bo1)(1Bo) in Anlehnung an die von GE hergestellte Reihe ES44C4 mit der Achsfolge (A1A)(A1A).

Weil die Zweitaktdieselmotoren des Typs 16-710G3C-T2 mit dem Inkrafttreten der Abgasnorm TierIV am 1.Januar2015 nicht mehr verwendet werden konnten, endete die reguläre Produktion der Reihe SD70ACe für den US-amerikanischen Markt im Dezember2014 und mit letzten Lieferungen an Kansas City Southern de México (KCSM) sowie FXE im Mai2015 auch für ausländische Kunden.[2] Seitdem darf das Tier-III-Modell nur noch im Rahmen sogenannter Tier4 credits als SD70ACe-T4C in den Vereinigten Staaten verkauft werden, wovon bisher die UP sowie die NS Gebrauch machten.[4] Während die bis Dezember2018 an die UP gelieferten Fahrzeuge der ursprünglichen Ausführung der Reihe SD70ACe entsprechen, besitzen die ab November2018 hergestellten Fahrzeuge der NS wie die früheren Versuchslokomotiven der Reihe SD70ACe-P6 einen eigenen Wechselrichter für jeden Fahrmotor und tragen deshalb die Bezeichnung SD70IAC, wobei „IAC“ für Individual Axle Control steht.[5][6]

Um nicht vom mächtigen Konkurrenten GE verdrängt zu werden, musste EMD dringend ein attraktives Nachfolgemodell entwickeln. Im Oktober2015 stellte der Hersteller auf der Eisenbahnmesse Railway Interchange in Minneapolis das Tier-IV-konforme Modell SD70ACe-T4 vor.[2] Dieses ist zwar in der Bezeichnung und im äußeren Erscheinungsbild an das Vorgängermodell SD70ACe angelehnt, weist jedoch konstruktive Unterschiede wie einen Viertaktdieselmotor des Typs 12-1010J aus der Motorenreihe 1010 und neue Drehgestelle auf.

Technische Beschreibung

Der Hauptrahmen, welcher den Vorbau, den Führerstand und die Aufbauten des Maschinenraums trägt, stützt sich auf zwei dreiachsige selbstlenkende Drehgestelle mit Schraubenfedern als Primär- und Gummifedern als Sekundärfederung.[2] Drehzapfen dienen zur Übertragung der horizontalen Kräfte auf den Hauptrahmen. Die Dienstmasse der Lokomotive liegt bei 185,1t, woraus sich eine mittlere Achslast von 30,8t ergibt.[1][2]

Der Vorbau beinhaltet neben einer Personaltoilette und elektrischer Hilfsausrüstung zwei von außen befüllbare Sandkästen für die pneumatisch betriebene Sandstreueinrichtung. An beiden Enden des Fahrzeugs ist eine durch Geländer geschützte Plattform vorhanden. Hinter dem Führerstand ist der größte Teil der elektrischen Ausrüstung untergebracht. Die Batteriekästen befinden sich auf der rechten Seite außerhalb des Maschinenraums. In der Mitte des Fahrzeugs ist die aus Dieselmotor und Hauptgenerator bestehende Antriebsanlage angeordnet. Der Dieselmotor des Typs EMD16-710G3C-T2 mit 186,0l Hubraum ist ein wassergekühlter Sechzehnzylinder-V-Motor mit Abgasturbolader, arbeitet nach dem Zweitaktprinzip und liefert bei einer Drehzahl von 904min−1 eine Leistung von 3210kW.[1][2] Der vom Dieselmotor angetriebene Wechselstrom-Hauptgenerator GMTA17 versorgt die sechs Tatzlager-Wechselstromfahrmotoren des Typs GMA3432.[1][2] Das Übersetzungsverhältnis zwischen Fahrmotor und Radsatz beträgt 1:4,12, die resultierende Höchstgeschwindigkeit 113km/h und die Anfahrzugkraft 850kN.[1][2] Ein kleinerer Wechselstromgenerator des Modells GMCA7A dient als Erregermaschine des Hauptgenerators und der Hilfsgenerator GMA8589 zur Versorgung des Bordnetzes.[1][2] Hinter der Antriebsanlage folgt die Kühlanlage des Dieselmotors und dahinter ein letzter kurzer Aufbau mit den Bremswiderständen.[2] Zwischen den Drehgestellen befindet sich der Kraftstofftank mit einem Fassungsvermögen von 18500l, über dem auf der rechten Seite die beiden Hauptluftbehälter angeordnet sind.[1][2]

Eine indirekt wirkende Druckluftbremse dient als Zugbremse, eine direkt wirkende Druckluft-Zusatzbremse als Lokomotivbremse und eine Handbremse zur Sicherung im Stand. Die pneumatische Bremsausrüstung stammt von Westinghouse.[1][2] Die Fahrzeuge verfügen zudem über eine Widerstandsbremse sowie eine Mehrfachtraktionssteuerung und eine Funkfernsteuerung.

Lieferliste

Weitere Informationen Eigentümer, Nummerierung ...
Eigentümer Nummerierung Anzahl
ArcelorMittal 9001–9005 0005
BHP Billiton 4324–4333 0010
BNSF Railway 8400–8499, 8520–8599, 8750–8799, 8990–9399 0690
CSX Transportation 4831–4850 0020
General Motors Electro-Motive Division (ab 2005 Electro-Motive Diesel) GM70–GM73, 2012, 4223, 1201–1210 0016
Ferrocarril Mexicano 4015–4096, 4100–4133 0116
Kansas City Southern Railway 4000–4059, 4100–4199 0160
Kansas City Southern de México 4200–4224 0025
Montana Rail Link 4300–4315, 4400–4408 0025
Norfolk Southern Railway 1000–1174 0175
Quebec North Shore and Labrador Railway 501–523 0023
Union Pacific Railroad 8309–9104, 8521–8523 (Zweitbelegung) 0799
gesamt: 2064
Quellen:[2][5][7][8][9] (Stand: 2018)
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Einzelnachweise

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