Ed Zitron

britischer PR-Berater, Podcaster und Publizist From Wikipedia, the free encyclopedia

Edward Benjamin Zitron (geb. April 1986)[1] ist ein britischer PR-Berater, Podcaster und Publizist. Bekannt ist er insbesondere für seine Kritik an generativen LLMs sowie der US-amerikanischen Techbranche.

Ed Zitron 2024 auf dem Web Summit

Biografie

Zitron arbeitete zunächst als Journalist in der Videospielbranche. Während seiner Tätigkeit für das britische Magazin PC Zone begann er, als PR-Berater aktiv zu werden. Juli 2012 gründete er seine eigene PR-Agentur,[2] EZPR.com[3], und publizierte zwei Bücher zum Thema.

Seit 2020 verfasst Zitron den Tech-Newsletter Where's your Ed at?, zunächst bei Substack. Ab 2021 schrieb Zitron Kolumnenbeiträge für den Business Insider.[4] Seit 2023 betreibt er den wöchentlichen Podcast Better Offline bei iHeartmedia.[5] In allen Formaten übte er scharfe bis polemische Kritik an amerikanischen Tech-Großunternehmen, der Silicon-Valley-Kultur, der behaupteten Unfähigkeit ihrer Manager und den Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Endanwender.

Positionen

Rot Economy

Zitron prägte 2023 den Begriff der „Rot Economy“,[6] mit dem er den Zustand der Tech-Industrie beschreibt: diese sei „derart besessen von Wachstum, dass der zahlende Nutzer von einem Teilnehmer an einem Warenaustausch zu einem Problem wurde, das man beheben muss.“[7] Technologieentwicklung diene weder den Nutzern, der Gesellschaft oder der Umwelt, sondern allein dem Ziel, dass eine Zahl größer wird.[8] Zum Ende einer Phase des Hyper-Wachstums sei eine „rot-com“-Blase entstanden, die zu „verrückten Handlungen“ der Unternehmen führe.[5] Das Konzept überschneidet sich teilweise mit dem von Cory Doctorow geprägten Begriff der Enshittification, Zitron fokussiert indessen stärker auf den finanziellen Aspekt der Entwicklung, der unter hohem Kapitaleinsatz keine nützliche Infrastruktur schafft.[9]

Google

Mit „The man who killed Google Search“ erhob Zitron April 2024 schwere Vorwürfe gegen den damaligen Leiter der Google-Suche, Prabhakar Raghavan,[10] die in der Onlinemarketing-Branche große Resonanz fanden[11][12] und eine ausführliche Stellungnahme Googles zur Folge hatte.[13] Die Abberufung Raghavans im gleichen Jahr wurde unter anderem mit der von Zitron geäußerten Kritik in Verbindung gebracht.[14]

OpenAI und weitere AI-Unternehnen

Die Geschehnisse um die Entlassung und die kurz darauf folgende Wiedereinstellung von Sam Altman in den Vorstand von OpenAI seien für Zitron „das Krankeste gewesen, das er je erlebt hätte“.[15] Seitdem kritisiert er KI-Unternehmen und ihre Akteure scharf, insbesondere OpenAI und Altman. Auf technischer Seite würden die generativen Sprachmodelle seit Jahren die angekündigten Versprechungen nicht einlösen, nach denen sie intelligenter, leistungsfähiger und lernfähig werden und weniger halluzinieren sollten. Stattdessen seien die angekündigten Produktivitätsgewinne ausgeblieben. Ökonomisch befinde sich die gesamte Branche in einer selbstgeschaffenen Finanzblase, die von wechselseitigen Zahlungen und Investitionsversprechen der beteiligten Unternehmen getrieben wird. Diese werde platzen, da die tatsächlichen Umsätze und Gewinne mit generativer AI und der zugrundeliegenden Hardware in keinem Verhältnis zu den bisherigen und geplanten Investitionssummen stünden.[16][17]

Tech-Journalismus

Zitron wirft Medien und Technik-Journalisten regelmäßig vor, Standpunkte der Tech-Unternehmen unkritisch zu übernehmen und Versprechungen als Fakten darzustellen. Das betreffe insbesondere die Ankündigungen einer bald verfügbaren AGI oder die behauptete breite Akzeptanz und Nützlichkeit generativer LLMs.[18] Es gebe „viel Tech-Journalismus, aber nur wenige Tech-Journalisten“, als Ausnahme benennt er unter anderem Molly White.[15]

Rezeption und Kritik

Zitron gilt als einer der schlagkräftigsten Kritiker der Big-Tech-Konzerne.[15] Seine Texte werden als lang, polemisch und leidenschaftlich, dabei jedoch gut recherchiert wahrgenommen.[19] Im Guardian bezeichnet Steve Rose Zitrons Analyse wechselseitiger Investitionen der KI-Unternehmen als „forensisch detailliert“.[16] Zitrons Berechnungen der Kosten von OpenAI für zugekaufte Rechnerleistung, Kapitalverbrauch und Einnahmen anhand der Microsoft-Geschäftszahlen wurden vom deutschen Decoder[20] und der Financial Times aufgegriffen. Sowohl Microsoft als auch OpenAI bestritten die Korrektheit, ohne genauere Angaben zu machen.[21]

Better Offline wurde 2024 unter anderem von The Information als einer der besten Tech-Podcasts des Jahres benannt.[22] 2025 wurde er regelmäßig unter den Top15 Tech-Podcasts bei Apple und Spotify gelistet.[19]

Casey Newton wurde als Host eines Tech-Podcasts der New York Times von Zitron oft kritisiert und bezeichnet dessen Kritik als „einseitigen Streit“ Zitrons mit ihm. Dieser habe sich ein Denkmal als „AI-Hasser Nummer 1“ gebaut und posiere nun für Hochglanzportraits. Weiter äußerte er sich abfällig über Zitrons Kritik an generativer AI, während er gleichzeitig PR für nomi.ai mache, einer Plattform für persönliche AI-Chatbots. Die Kritik an AI sollte nicht von jemandem angeführt werden, der für AI PR betreibe.[23] Zitron arbeitete auch für weitere Anbieter von KI-Plattformen wie der Gesundheits-Plattform Fulcra Dynamics oder der ki-basierten Beratungsplattform DoNotPay. Zitron gab an, darin kein Problem zu sehen, er arbeite mit Unternehmen zusammen, die er möge und hinter denen er stehen könne.[19]

Gegen Zitrons Vorwurf an die Medien, unkritisch über KI zu berichten, wendete sich der KI-Skeptiker und Kognitionspsychologe Gary Marcus. Zitron ignoriere Skeptiker wie ihn, obgleich er deren Argumente wiederhole.[16] Andere gehe er aggressiv und persönlich an, um Reaktionen zu erzwingen und so die eigene Popularität zu steigern.[15]

Zitrons Untergangsprognosen reihten sich in eine Liste ähnlicher Voraussagen ein, die nicht eingetreten seien: Für Facebook, Twitter und zuletzt die Cryptowährungen seien dieselben Prognosen erstellt worden, alle existieren indessen nach wie vor.[23]

Privatleben

Zitron wurde mit ADHD diagnostiziert.[24] Er war zweimal verheiratet, wurde zweimal geschieden und hat einen Sohn.[16] Er lebt in Las Vegas.[25]

Veröffentlichungen

  • Ed Zitron: This Is How You Pitch. New Shelves Publishing Services 2013, ISBN 978-0-9896080-15
  • Ed Zitron: Fire Your Publicist. The PR and Publicity Secrets That Will Make You and Your Business Famous, EZPR 2018, ISBN 978-0-9896080-60

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI