Elizabeth Sturge
englisch-britische Aktivistin für Frauenbildung und das Frauenwahlrecht
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Elizabeth Sturge (* 1849 in Highbury Villa, Cotham, Bristol; † 18. Juni 1944 in Clifton, Bristol) war eine englisch-britische Aktivistin für Frauenbildung und das Frauenwahlrecht.[1]



Leben
Sturge war das dritte von elf Kindern von Charlotte Allen (1817–1891) und William Sturge (1820–1905), einem Landvermesser und Grundstücksverwalter.[2][3] Die Familie Sturge gehörte zu den führenden britischen Quäkern und war durch Heirat mit vielen anderen bedeutenden Quäkerfamilien verbunden. Ihre die Kindheit überlebenden Geschwister waren Emily, Margaret, William Allen, Mary Charlotte, John Player, Helen Maria, Clement Young und Caroline. Fünf der Sturge-Töchter engagierten sich für die Verbesserung der Chancen von Frauen auf eine höhere Bildung, doch Elizabeth und Emily waren die treibenden Kräfte.[1]
Sturge besuchte zunächst eine Tagesschule in Bristol, wo sie ein „Leben des völligen Elends“ führte, bevor sie im Alter von neun Jahren auf eine Quäkerschule in Weston-super-Mare geschickt wurde, wo sie 18 Monate blieb.[1.1] Danach wurde sie für einige Zeit im Elternhaus von einer Gouvernante unterrichtet, bevor sie im Januar 1863 an die Schule in Weston zurückkehrte und anschließend bis zu ihrem sechzehnten Lebensjahr eine Schule in Leicester besuchte.[1.2] Mit sechzehn Jahren und wieder zu Hause erhielt Sturge Teilzeitunterricht in Latein und Deutsch, während sie gleichzeitig ihre jüngeren Geschwister unterrichtete. Ende der 1860er entwickelten sich Möglichkeiten für die höhere Bildung von Frauen. In Bristol-Clifton begann eine Gruppe liberaler Bürger, „Lectures for Ladies“ anzubieten, die Sturge und viele andere junge Frauen besuchten.[1.3] Sturge besuchte später Kurse am University College Bristol, als dieses 1876 gegründet wurde. Das neue College war teilweise durch die Bemühungen von Elizabeths älterer Schwester Emily Sturge sowie durch die Clifton Association for Promoting Higher Education for Women (gegründet 1868) entstanden.[3]
1878 wurde Sturge zur einen der Leiterinnen der Red Lodge Reformatory for Girls ernannt, das zuvor von Mary Carpenter geführt worden war. Sturge wurde ehrenamtliche Sekretärin und arbeitete dort bis 1883.[1.4]
1883 wurde Sturge zusammen mit anderen Familienmitgliedern Begünstigte reicher, kinderloser Verwandter, George und Jane Sturge, die bei ihrem Tod 300.000 Pfund an Wohltätigkeitsorganisationen sowie eine große Zahl von Neffen und Nichten hinterließen, die jeweils lebenslange Jahresrenten von 104 Pfund erhielten (mehr als 10.000 Pfund pro Jahr zu heutigem Wert).[1.5]
1886 zog Sturge nach London, um ehrenamtlich für Octavia Hill zu arbeiten, die ein wohltätiges Projekt zur Bereitstellung angemessenen Wohnraums für Arme leitete. Dies erforderte, dass Sturge und andere Frauen Wohnblocks verwalteten, Mieten eintrieben und Instandhaltungen organisierten. Sturge arbeitete in Southwark und blieb fünf Jahre in der Hauptstadt.[1.6]
Nach dem Tod ihrer Mutter 1891 kehrte Sturge im Alter von 42 Jahren nach Bristol zurück, um sich um ihren betagten Vater zu kümmern. Sie blieb in verschiedenen sozialen und Bildungsorganisationen sowie in der Frauenbewegung aktiv. Nach dem Unfalltod ihrer Schwester Emily Sturge im Jahr 1892 wurde Elizabeth gebeten, deren Platz im Bristol School Board einzunehmen, in das Emily Sturge 1880 gewählt worden war.[4] Sturge lehnte die Position ab, war aber stark in die Charity Organisation Society von Bristol (später Bristol Civic League) eingebunden und arbeitete mit anderen Feministinnen wie Eliza Walker Dunbar, Mary Clifford und Josephine Butler zusammen.[1.7] 1896 wurde Sturge in den Rat der neu gegründeten Redland High School for Girls berufen. Sie gehörte diesem bis 1917 an und wurde anschließend in Anerkennung ihrer Verdienste zur Vizepräsidentin des Rates ernannt.[5] 1932 schrieb sie das Vorwort zur offiziellen Schulgeschichte.[6]
Obwohl Sturge sich engagiert für das Frauenwahlrecht einsetzte, blieb sie Mitglied der „alten Garde“, der Anhängerinnen von Millicent Garrett Fawcett. Diese lehnten die militanten Methoden der Suffragetten ab. Dennoch sagte Sturge:
„[We] recognized their enthusiasm and heroism in facing imprisonment for themselves and their followers, and we felt that it was up to us to lend the whole weight of our influence in pushing forward the cause by every constitutional means.“
„[Wir] erkannten ihre Begeisterung und ihren Heroismus, sich selbst und ihre Anhängerinnen der Gefangenschaft auszusetzen, und wir fühlten, dass es unsere Aufgabe war, unser ganzes Gewicht darauf zu legen, die Sache mit allen verfassungsmäßigen Mitteln voranzubringen.“
Sturge war später der Ansicht, dass der Erste Weltkrieg, in dem Frauen eine so aktive Rolle als Administratorinnen und Arbeiterinnen spielten, dazu führte, dass 1918 „der Widerstand [gegen das Frauenwahlrecht] dahinschmolz“‘.[1.9]
In ihren späteren Jahren lebte Sturge mit einer Schwester Helen in einem Haus in der Nähe von Durdham Down. Weitgehend erblindet und zunehmend gebrechlich in ihren letzten Jahren, starb sie 1944 an einem Herzinfarkt. Ihr Gedenkgottesdienst beinhaltete eine Lesung durch den Dekan der Kathedrale von Bristol. Ihr Grab blieb unmarkiert.[7] Ein Nachruf in der Western Daily Press beschrieb sie als:
„[…] a pioneer in social service and one of the small band who were the advance guard of the army of women who now take an active interest in affairs which affect in so many ways the life of the community.“
„[…] eine Pionierin im sozialen Dienst und eine der kleinen Schar, die die Vorhut der Armee von Frauen bildeten, die nun ein aktives Interesse an Angelegenheiten nehmen, die das Leben der Gemeinschaft in so vielerlei Hinsicht betreffen.“
Am letzten Wohnort von Sturge und ihrer Schwester Helen (1858–1945) und den beiden Standorten der Nachfolgeschule der Redland High School for Girls wurden 2018 und 2021 für die Schwestern Sturge Blue Plaques angebracht.[9][10]