Erik Ahrens
ehemals rechtsextremer Influencer und Aktivist
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Erik Ahrens (* 1994) ist ein, nach eigenen Angaben ehemaliger, rechtsextremer Influencer[1] und Aktivist.[2] Seit September 2025 behauptet er, aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen zu sein.[3] Zuvor wurde er zeitweise als „Kopf“ der TikTok-Offensive der AfD[4] gesehen und baute deren Social-Media-Strategie mit auf.[5] Schlagzeilen machte er besonders mit seinen Aussagen zur Rassentheorie, Sympathie zur SS und dem öffentlich geäußerten Wunsch, der nächste „Führer“ von Deutschland zu werden.[6][7][8]
Leben
Ahrens, der einen griechischen Großelternteil hat,[9] studierte an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main Englisch und Spanisch für das Lehramt.[10] Zunächst war Ahrens dort im örtlichen Ableger von Die Linke.SDS aktiv. Nachdem dieser sich im Zuge von Debatten um den Nahostkonflikt 2014 spaltete, trat Ahrens zunächst dem antiisraelischen Flügel bei. 2015 wechselte Ahrens zur antideutsch geprägten Linken Liste, obwohl er laut einem ehemaligen SDS-Mitglied bis zu seinem Übertritt nicht aufgehört habe, „gegen die Antideutschen zu schießen“.[11] 2020 erfolgte ein Bruch mit der Linken Liste. Ahrens entwickelte sich daraufhin in Richtung der politischen Rechten.[12]
2021 gründete Ahrens die sogenannte GegenUni,[12] die vom Stern als „rechtsextremes Propagandainstitut“ bezeichnet wurde. Ahrens betrieb außerdem das rechte Online-Magazin Konflikt.[10] Er soll eine zentrale Rolle in der „rassenkundlichen“ Human Diversity Foundation (HDF) eingenommen haben[13] und war an dem Aufbau der Plattform Blitzwissen beteiligt, die Kurzzusammenfassungen rechter und rechtsextremer Literatur vertreibt.[14]
In der Zeit bis 2024 wurde Ahrens vor allem als Berater der AfD und speziell von Maximilian Krah bekannt. Erik Ahrens gilt im rechten Umfeld als Experte für soziale Medien, vor allem für TikTok. Seine Strategien hängen maßgeblich mit dem Erfolg der AfD in den sozialen Netzwerken zusammen, von ihm mitentwickelte Videos erhielten teilweise Millionenaufrufe.[15] Ahrens war auch beim Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam im Jahr 2023 anwesend.[16][5]
Ab November 2023 wurde Ahrens in eine verdeckte Recherche verwickelt, die im Oktober 2024 öffentlich gemacht wurde. In einem geheim aufgenommenen Video erklärte er während eines Treffens in Athen, dass er plane, eine populistische Bewegung in Deutschland anzuführen, ähnlich wie Donald Trump in den USA. Ahrens zeigte dabei Sympathien für faschistische Ideologien und verglich seine geplante Eliteorganisation mit der SS. Die Undercover-Aktion, die von der Organisation Hope Not Hate und mehreren Medien, darunter Der Standard und Der Spiegel, durchgeführt wurde, deckte auf, dass Ahrens Verbindungen zu rechtsextremen und eugenischen Netzwerken in Europa und den USA pflegte. Zudem soll er finanzielle Unterstützung von einem US-Multimillionär erhalten haben.[17][18]
Konflikte mit Vertretern der Neuen Rechten und Ausstieg aus der rechtsextremen Szene
Ahrens befand sich bereits vor seinem Ausstieg mit zahlreichen Vertretern der Neuen Rechten in Konflikt. Die AfD beendete im Laufe des Jahres 2024 ihre Zusammenarbeit mit ihm und wesentliche Akteure der Neuen Rechten wie Martin Sellner und Götz Kubitschek gingen zu ihm auf Distanz. Bei Kubitscheks Verlag Antaios, in dem er 2021 ein Buch veröffentlicht hatte, soll er Hausverbot haben. Hintergrund dieser Entwicklung sollen seine öffentlich geäußerten und immer fanatischeren Thesen, speziell zur Rassenlehre, sein. Die AfD distanzierte sich auch von Ahrens, als dieser zugab, unpolitische Videos von tanzenden jungen Frauen zur AfD-Wahlwerbung umgeschnitten und neu hochgeladen zu haben. Ahrens soll seither am Aufbau eines eigenen internationalen „Rassisten-Netzwerks“ arbeiten, in dem er sich als Führer sieht.[19]
Anfang Februar 2025 behauptete Ahrens in einem Video auf seinem YouTube-Kanal, dass Kubitschek und der orthodoxe Abt Johannes (bürgerlich: Johannes Pfeiffer) vom Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeitskloster Buchhagen versucht hätten, ihn unter ihre Kontrolle zu bringen, und Letzterer einen „deindustrialisierten mitteldeutschen […], im besten Fall feudal[en]“ Agrarstaat anstrebe.[20] Der Abt kritisierte seinerseits Ahrens; er habe diesen als sehr „antichristlich“ erlebt.[21]
Auch drohte Ahrens Kubitschek damit, weitere private Informationen über diesen zu veröffentlichen, falls er gegen ihn vorgehen solle.[20] Teile seiner Aussagen über Kubitscheks Verbindung zu Pfeiffers Deutschem Orthodoxen Dreifaltigkeitskloster Buchhagen wurden wenige Wochen später in einer Reportage des Spiegel thematisiert.[22]
Anders als viele andere deutsche Rechte positioniert sich Ahrens beim Russisch-Ukrainischen Krieg entschieden gegen Russland. Den Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer bezeichnet er (wegen dessen prorussischen Positionen) als „Volksverräter“.[23] Auch mit dem früher von ihm unterstützten Maximilian Krah steht er seit Ende März 2025 in Konflikt.[23]
Im August 2025 gab Ahrens eine notariell beglaubigte eidesstattliche Versicherung zur Vorlage vor Gericht ab, in der er die Berichterstattung von Correctiv über das Potsdamer Treffen im November 2023 und die dort gefassten Vertreibungspläne bestätigte. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung dieser Erklärung machte er auch seinen Ausstieg aus der rechtsextremen Szene öffentlich.[24]
Rezeption
Auch in Medien außerhalb Deutschlands, wie in The Irish Times, wurde Ahrens als „Guru“ wahrgenommen, der der AfD zeigte, wie man soziale Medien nutzt, um Stimmen zu gewinnen und junge Menschen zu beeinflussen. Sie führten den Erfolg der rechtsextremen Partei bei den jüngsten deutschen Landtagswahlen auch auf ihre Social-Media-Strategie zurück, die Ahrens maßgeblich beeinflusst habe. Seine größte Errungenschaft in den zwei Jahren seit 2022 sei es gewesen, „die Sichtbarkeit der AfD unter jungen Wählern mit schnellen, provokativen und emotionalen TikTok-Inhalten zu steigern“.[25]
Schriften
- mit Bruno Wolters: Postliberal. Ein Entwurf (= Kaplaken. Band 74). Verlag Antaios, Schnellroda 2021, ISBN 978-3-949041-74-7.
Literatur
- Matern von Boeselager: Fauler Zauberer. In: Der Spiegel. Nr. 24, 8. Juni 2024, S. 110–112 (spiegel.de).
- Laurin Lorenz, Bastian Obermayer, Fabian Schmid, Colette M. Schmidt: Hitlers SS als Vorbild: Undercover-Videos enthüllen Pläne von AfD-nahem Influencer. In: derstandard.de. 16. Oktober 2024.
Dokumentation
- Erik Ahrens: Der TikTok-Stratege der AfD. In: Zapp, ARD Mediathek, 12. November 2025 (26 Min.; YouTube).