Etbin Henrik Costa
Politiker und Jurist im österreichischen Kronland Krain
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Etbin Henrik Costa (auch: Ethbin Heinrich Costa, Ethbin H. Costa, E. Henrik, H. C.; * 18. Oktober 1832 in Novo Mesto; † 28. Januar 1875 in Ljubljana) war ein Rechtsanwalt, Publizist und Politiker slowenischer Nationalgesinnung im österreichischen Kronland Krain. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der altslowenischen konservativen Bewegung (Staroslovenci) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie als einer der ersten slowenisch-nationalen Bürgermeister von Ljubljana.[1]

Leben
Herkunft und Familie
Costa entstammte einer wohlhabenden Familie italienischer Herkunft. Sein Vater Henrik Costa (1796–1870) war Beamter, Politiker und Heimatschriftsteller in Krain; seine Mutter war Josipina Costa, geborene Poll. Seine Schwester Kornelija Schollmayer war Pianistin; sein Neffe Henrik Schollmayer-Lichtenberg wurde Forstfachmann und Politiker.[1]
Ausbildung
Bis zur dritten Klasse erhielt Costa Hausunterricht; von 1845 bis 1850 besuchte er das Gymnasium in Ljubljana. Anschließend studierte er an der Universität Graz Philosophie und Rechtswissenschaften, wo er 1853 zum Doktor der Philosophie und 1855 zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert wurde.[1] Einen angebotenen Lehrstuhl für Geschichte des deutschen Rechts an der Universität Krakau lehnte er ab und entschied sich für die Advokatur.[2]
Juristische Laufbahn
Ab 1854 war Costa als Anwaltsgehilfe in Laibacher Kanzleien tätig, bestand 1862 das Anwaltsexamen und legte 1869 in Graz den Anwaltseid ab. Danach eröffnete eine eigene Advokatenkanzlei in Ljubljana.[1]
Gesellschaftliches und kulturelles Wirken
Costa war bereits in jungen Jahren in zahlreiche Vereine und Kulturinstitutionen eingebunden. Von 1856 bis 1860 amtierte er als Sekretär des Historischen Vereins für Krain. 1861 gehörte er zu den Gründern der Laibacher Lesegesellschaft (Narodna čitalnica) sowie des Juristischen Vereins, dessen Sekretär er bis 1867 war. Im Jahr 1863 war er Mitgründer des Turnvereins Južni Sokol (Südlicher Sokol) und wurde dessen erster Vorsitzender; 1868 engagierte er sich erneut als Vereinsvorstand.[1]
Besondere Bedeutung erlangte sein Wirken für die Slovenska matica, die seinerzeit führende slowenische Kulturgesellschaft: 1864 gehörte er zu ihren Gründungsmitgliedern, redigierte ihren Letopis (Jahrbuch) und war von 1868 oder 1869 bis zu seinem Tod 1875 ihr Präsident.[1][3][4]
Als Schriftsteller verfasste Costa heimatkundliche Werke. Seine Artikel und Abhandlungen erschienen überwiegend auf Deutsch. 1864 war er Mitgründer der deutschsprachigen Zeitung Triglav (1865–1870).[2][2]
Politische Karriere
Mit Erreichung des dreißigsten Lebensjahres und dem damit verbundenen passiven Wahlrecht trat Costa ins politische Leben ein. 1863 wurde er zum Stadtrat von Laibach gewählt und kandierte erfolgreich für den Krainer Landtag.[1] Zusammen mit Janez Bleiweis und Lovro Toman zählte er zu den führenden Vertretern der Altslowenen (Staroslovenci), des konservativen Flügels der slowenischen Nationalbewegung. Er wurde insgesamt fünfmal in den Krainischen Landtag und dreimal in den Österreichischen Reichsrat gewählt. Zeitweilig bekleidete er auch das Amt des stellvertretenden Landeshauptmanns (1867).[2]
Neben der Politik engagierte sich Costa im Wirtschaftsbereich: Er war Mitgründer der slowenischen Versicherungsbank Slovenija und setzte sich nachdrücklich für den Ausbau des Eisenbahnnetzes in Krain ein.[2]
Bürgermeister von Ljubljana (1864–1869)
Im Jahr 1864 wurde Costa als Nachfolger von Mihael Ambrož zum Bürgermeister von Ljubljana gewählt – als erster Amtsinhaber mit dezidiert slowenisch-nationaler Gesinnung. Anlässlich seiner Wahl im Juni 1864 wurde erstmals die slowenische Nationalfahne am Laibacher Rathaus gehisst.[5]
Als Bürgermeister knüpfte er an das Wirken seines Vorgängers an und führte eine Reihe von städtischen Verbesserungen durch: Er ließ das Kanalisationsnetz ausbauen, die Gasbeleuchtung in der Lattermann-Allee einführen, die gusseiserne Brücke unterhalb der Tranča fertigstellen sowie städtische Mietdroschken einführen. Während der Choleraepidemie 1866 traf er Maßnahmen zum Schutz der städtischen Bevölkerung.[1]
Die politische Lage verschärfte sich im Verlauf seines Mandats erheblich: Die nationalen Spannungen zwischen Slowenen und Deutschen in Krain nahmen zu. Im Juli 1867 wurde Costa als Bürgermeister von der Landesregierung abgesetzt, nachdem es zu Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern des Turnvereins Sokol und deutsch-österreichischen Turnern gekommen war. Sein Bürgermeisteramt endete faktisch 1869.[1]
Costa gilt als eine der widersprüchlichsten Persönlichkeiten der slowenischen Politik des 19. Jahrhunderts. Schon seine Zeitgenossen zweifelten daran, ob er als überzeugter Vertreter slowenischer Interessen oder als Opportunist zu betrachten sei, der je nach persönlichem Vorteil zwischen den nationalen Lagern wechselte.[6] Sein Bürgermeisteramt wird in der Historiographie als letztlich erfolglos bewertet; es ebnete den österreichischen Zentralisten den Weg zum Wahlsieg von 1869. In den späten 1860er Jahren wurde Costa zu einem der unbeliebtesten slowenisch-nationalen Politiker und zum Hauptangriffsziel der liberal-nationalen Mladoslovenci (Jungslowenen).

Tod und Bestattung
Etbin Henrik Costa starb am 28. Januar 1875 in Ljubljana im Alter von nur 42 Jahren.[1] Sein Grabstein befindet sich im Navje-Gedenkpark in Ljubljana beigesetzt.[7]
Werk (Auswahl)
- Vodnikov hram (auch: Vodnikov spomenik, Ljubljana 1859; heimatkundliche Sammelschrift)
- Die Adelsberger Grotte (Broschüre über die Höhlen von Postojna, 1858)
- Bibliografija slovenska in slovensko knjigoznanstvo od začetka leta 1868 do konca leta 1873 (Slowenische Bibliographie, Ljubljana 1874)
- Beiträge im Letopis Matice slovenske (Jahrbuch der Slovenska matica, 1864–1874)
- Bibliographische Aufsätze in den Mitteilungen des Historischen Vereins für Krain (1856–1860)
- Zahlreiche Artikel und Abhandlungen in der Zeitung Triglav und anderen Periodika (überwiegend in deutscher Sprache)
Der Gesamtnachlass umfasst über 300 Artikel und andere Werke, denen in der Forschung jedoch keine bleibende literarische Bedeutung beigemessen wird.[8]
Nachlass und Archivmaterialien
Costas persönlicher Archiv- und Bibliotheksbestand galt als außergewöhnlich umfangreich und wertvoll. Sein Nachlass ist heute auf zwei Einrichtungen verteilt: Der hauptsächliche Bestand wird im Arhiv Republike Slovenije (Archiv der Republik Slowenien) unter der Signatur SI AS 844, Costa Etbin Henrik, 1864–1873 aufbewahrt;[9] ein weiterer Teil befindet sich in der National- und Universitätsbibliothek Ljubljana (NUK), Handschriftenabteilung, unter der Signatur Ms 1201.[1] Seine Privatbibliothek wurde kurz nach seinem Tod der Kaiserlichen Bibliothek in Sankt Petersburg übergeben.[8]
Als Bürgermeister veranlasste Costa 1866 die erste systematische Erschließung der historischen Bestände des Laibacher Stadtarchivs durch den Historiker Peter von Radics, wobei u. a. 69 Urkunden des 14. bis 18. Jahrhunderts sowie mehr als 200 weitere Archivalien inventarisiert wurden (s. Historisches Archiv Ljubljana).
Ehrungen und Rezeption
- 1863: Aufnahme als Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Matrikelnummer 2002)[10]
- 1867: Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Ljubljana[8]
Bereits unmittelbar nach seinem Tod erschien eine erste Biographie: Viljem Urbas publizierte 1877 in Ljubljana die Gedenkschrift Dr. Etbin Henrik Costa.[1] In der späteren Forschung wurde Costa vor allem durch Stane Granda neu bewertet, der das Schicksal des familiären Archivs untersuchte und Costas Rolle als ersten demokratisch gewählten slowenisch-nationalen Bürgermeister Ljubljanas würdigte.[6][11]
Anlässlich des 150. Todestages veranstaltete die Slovenska matica am 3. Juni 2025 ein wissenschaftliches Symposium in Ljubljana, bei dem auch sein restauriertes Porträt feierlich enthüllt wurde.[3]
Literatur
- Eva Holz: Costa, Etbin Henrik (1832–1875). In: Novi Slovenski biografski leksikon, Bd. 4: C. Hrsg. Barbara Šterbenc Svetina u. a. Ljubljana: Znanstvenoraziskovalni center SAZU, 2022. Online: slovenska-biografija.si
- Josip Mal: Costa, Etbin Henrik (1832–1875). In: Slovenski biografski leksikon, Bd. 1: Abraham–Erberg. Ljubljana: Zadružna gospodarska banka, 1925, S. 85–86.
- Viljem Urbas: Dr. Etbin Henrik Costa. Ljubljana 1877. (erste Biographie)
- Stane Granda: Usoda zapuščine Henrika in Etbina Henrika Coste. In: Zgodovinski časopis 36 (1982), H. 1–2, S. 95–102.
- Stane Granda: Mihael Ambrož in Etbin Henrik Costa – prva ljubljanska demokratična župana. In: Studia Historica Slovenica 17 (2017), H. 2, S. 479–492.
- Stane Granda: Smrt slovenskega prvaka. In: Slovenska kronika XIX. stoletja 1861–1883. Ljubljana 2003, S. 275–276.
- Dragan Matić: Sokolski eksces ali pretep v Šantlovi veži. In: Zgodovina za vse 6 (1999), H. 1, S. 13–25.
- Gašper Hudolin: Ljubljanski župan Etbin Henrik Costa (1832–1875). Kamra, Juli 2019. Online: kamra.si
Weblinks
- Eintrag in der Slovenska biografija (ZRC SAZU)
- Digitale Sammlung: Ljubljanski župan Etbin Henrik Costa (Kamra)
- Bestand SI AS 844 im Archiv der Republik Slowenien (ARS) ( vom 11. August 2011 im Internet Archive) (slowenisch)
- CERL-Thesaurus-Eintrag (cnp02026656)
- Porträtfotografie in der DLib-Sammlung des NUK Ljubljana