FAB-250

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FAB-250 (russisch ФАБ-250; фугасная авиационная бомба) bezeichnet eine Serie von Fliegerbomben mit einem Gewicht von rund 250 Kilogramm. Ende der 1920er-Jahre in der Sowjetunion entwickelt, werden sie noch heute in Russland produziert.

Schnelle Fakten Allgemeine Angaben, Technische Daten ...
FAB-250


FAB-250M-62 im Staatlichen Luftfahrtmuseum der Ukraine

Allgemeine Angaben
Bezeichnung: FAB-250
Typ: Fliegerbombe
Herkunftsland: Sowjetunion Sowjetunion, Russland Russland
Hersteller: NPO Basalt
Entwicklung: 1929
Indienststellung: 1931
Einsatzzeit: im Dienst
Technische Daten
Gefechtsgewicht: 213–275 kg
Länge: 1,50–2,17 m
Durchmesser: 300–325 mm
Spannweite: 325–410 mm
Ausstattung
Gefechtskopf: 61,4–149 kg Sprengstoff
Zünder: Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder, Zeitzünder
Waffenplattformen: Kampfflugzeuge, Bomber, Kampfhubschrauber
Liste von Bomben nach Herkunftsnation
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Entwicklung

Die FAB-250 wurde ab 1929 gemeinsam mit der FAB-500 entwickelt. 1931 wurden die ersten Bomben an die Luftstreitkräfte der Sowjetunion geliefert. Zwischen 1932 und 1935 wurde der Entwurf der FAB-250 minimal angepasst. Während des Zweiten Weltkriegs folgte die Ausführung FAB-250M-43 und kurz darauf die FAB-250M-46. Das Modell FAB-250M-54 wurde 1954 für den Transport in Waffenschächten von Bombern entwickelt. Für den Einsatz aus überschallschnellen Kampfflugzeugen wurde 1962 die FAB-250M-62 mit einem geringen Strömungswiderstand entwickelt. Ende der 1960er-Jahre folgte die Ausführung FAB-250SchN für den Abwurf aus dem Tiefflug. Heute werden die FAB-250-Bomben bei NPO Basalt produziert und der Vertrieb erfolgt durch Aviaexport, Techmasch und Rosoboronexport. Daneben werden FAB-250-Bomben auch in verschiedenen Staaten im Lizenzbau hergestellt.[1][2][3][4]

Technik

Die FAB-250 sind Mehrzweck-Fliegerbomben, die gegen ein breites Zielspektrum eingesetzt werden können. Gegenüber den OFAB-250-Splitter-Sprengbomben haben diese Bomben bei einer größeren Sprengwirkung eine geringeren Splitterwirkung. Bei der Explosion entstehen eine Detonationswelle und eine starke Hitzeentwicklung; der Bombenkörper wird in scharfkantige Splitter zerlegt. Seit der 1930er-Jahre entstanden verschiedene Modelle der FAB-250. Je nach Fabrikat können sie z. B. als Sprengbomben oder Panzersprengbomben (Penetrationsbomben) verwendet werden. Steht die Sprengwirkung im Vordergrund, so sind die Bomben dünnwandig ausgeführt. Für eine erhöhte Eindringtiefe oder Splitterwirkung sind die Bomben dickwandig ausgebildet. Die einzelnen Modelle haben entweder einen langen oder einen kurzen Bombenkörper. Die Bombenkörper haben eine zylindrische, längliche Rumpfform mit einem kreisrunden Querschnitt und einer ogiven Spitze. Diese kann spitz oder abgerundet ausgeführt sein. Zum Bombenheck hin verjüngt sich der Rumpfdurchmesser. Der Bombenkörper ist aus Gussstahl gefertigt. Am Heck befinden sich vier bis acht Stabilisierungsflügel (Heckflossen), um die ein Boxwing angebracht ist. Die Masse des Sprengstoffs in der Bombe beträgt 30 bis 50 % ihres Gewichts. Als Sprengstoff wurde anfänglich TNT verwendet, welcher bei den späteren Modellen durch TGAG und TGAF (Mischungen aus TNT, RDX und Aluminiumpulver) ersetzt wurde. Der Bombenkörper hat entweder einen feldgrauen oder schwarzen Anstrich. Bezündert sind die Bomben mit einem Kopf- und/oder Heckzünder. Dafür sind an der Bombenspitze und am Heck Vertiefungen angebracht. Darin können verschiedene Aufschlagzünder oder Verzögerungszünder eingesetzt werden. Letztere werden nur im Bombenheck eingesetzt. Die Bombenschlösser zur Befestigung am Flugzeug haben einen Abstand von 250 mm. Viele Kampfflugzeuge, Bomber und Kampfhubschrauber sowjetischer und russischer Bauart können die FAB-250-Bomben einsetzen. Die Bomben können je nach Modell aus großer und mittlerer Flughöhe sowie aus dem Tiefflug abgeworfen werden. Weiter kann an die FAB-250-Bomben der UMPK-Rüstsatz montiert werden, um sie als präzisionsgelenkte Gleitbomben einzusetzen.[1][2][5]

Varianten

FAB-250SW

FAB-250SW

Das Ursprungsmodell FAB-250SW (Modell 1931) wurde zwischen 1929 und 1931 entwickelt. Der Bombenkörper ist aus Gussstahl gefertigt und hat eine Wanddicke von 6,35 bis 11 mm. Befüllt ist die Bombe mit TNT. Bezündert ist die Bombe mit zwei APUW, AW-1 oder APG-Zündern, die beim Aufschlag oder mit 0,15 bis 0,3 Sekunden Verzögerung zünden. Zwischen 1933 und 1935 wurde der Entwurf der FAB-250SW minimal angepasst. Unter anderem wurden die Bombenspitzen, die Heckflossen sowie die Bombenschlösser modifiziert, welche später zwei Ösen verwendeten. Es entstanden die folgenden Modelle: FAB-250SW (Modell 1932), FAB-250SW (Modell 1933) sowie FAB-250SW (Modell 1934).[3][6][7]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-250SW 2,163–2,173 m 318–323 mm unbek. 122,3 kg TNT 213–253 kg

FAB-250M-43

Dieses Modell entstand 1943 im Konstruktionsbüro-35. Im Zuge der sowjetischen Kriegswirtschaft wurde die FAB-250SW auf eine kostengünstige und effiziente Fertigung optimiert. Dieses Bombenmodell wurde während des Zweiten Weltkriegs von Erdkampfflugzeugen und Bombern der Roten Armee in großer Anzahl eingesetzt. Der Bombenkörper hat eine längere Ogive und die Heckflossen wurden angepasst. Befüllt ist die Bombe mit Amatol oder TNT und es wird der APUW-Zünder verwendet.[6]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-250M-43 2,16 m 320 mm unbek. 114 kg Amatol 237 kg

FAB-250M-46

FAB-250M-46

Die Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte FAB-250M-46 wurde für den Abwurf ab Strahlflugzeugen entwickelt. An der ogiven Spitze ist ein schmaler Kopfring angebracht, um ein Wegrutschen auf der Erd- oder Wasseroberfläche zu verhindern. Weiter wurde die Wanddicke vergrößert und es werden die Zünder der Serie WDU und APUW verwendet. Die FAB-250M-46 kann aus einer Flughöhe von bis zu 10.000 m sowie mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1.000 km/h abgeworfen werden.[1][2][8][9][10]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-250M-46 1,50 m 325 mm 325 mm 102 kg TNT 221 kg

FAB-250-230

Über dieses Bombenmodell ist wenig bekannt. An der abgeflachten Bombenspitze ist ein breiter Kopfring angebracht. Am Heck sind vier langgezogene Stabilisierungsflügel mit einem Boxwing montiert. Verwendet werden die Zünder der Serie WDU und APUW.[11]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-250-230 1,50 m 325 mm unbek. 108 kg TNT 230 kg

FAB-250M-54

Blindgänger einer FAB-250M-54 mit beschädigtem Heckteil

Dieses Modell war 1954 einsatzbereit und ist für den Transport und Abwurf aus dem Waffenschacht von Bombern vorgesehen. Der Aufbau ähnelt dem Vorgängermodell mit einer flachen Bombenspitze. Dort ist ein breiter Kopfring angebracht, um ein Wegrutschen auf der Erd- oder Wasseroberfläche zu verhindern und die Bombe während dem Fall in Drehung um die Längsachse zu versetzen. Verwendet werden die Zünder der Serie WDU und APUW. Weiter wurde auch eine Version mit TU-250M-54-Bremsschirm für den Abwurf aus dem Tiefflug entwickelt. Die FAB-250M-54 kann aus einer Flughöhe von 500 bis 12.000 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 500 bis 1.200 km/h abgeworfen werden. Die Ausführung mit Bremsschirm kann aus Flughöhen von 50 bis 500 m und bei einer Geschwindigkeit von 500 bis 1.000 km/h abgeworfen werden. Der Splitterwirkungsradius gegen ungepanzerte Fahrzeuge und lebende Ziele beträgt bis zu 115 m und auf eine Distanz von bis zu 50 m können die Splitter die Fahrzeughülle leicht gepanzerter Fahrzeuge durchschlagen.[5][12][13][14]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-250M-54 1,50–1,79 m 325 mm 325 mm 94 kg TNT 230–268 kg

FAB-250M-62

FAB-250M-62

Die FAB-250M-62 ist seit 1962 bereit und stellt das heutige Standardmodell der FAB-250-Bomben dar. Der Bombenkörper hat einen geringen Strömungswiderstand, um von überschallschnellen Kampfflugzeugen eingesetzt werden zu können. Befüllt ist die Bombe mit den Sprengstoffen TNT oder TGAG. Verwendet werden die Zünder der Serie AWU, WDU und APUW. Die FAB-250M-62 kann aus einer Flughöhe von 500 bis 12.000 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 500 bis 2.200 km/h abgeworfen werden. Der Splitterwirkungsradius gegen ungepanzerte Fahrzeuge und lebende Ziele beträgt bis zu 100 m. Auf eine Distanz von 30 bis 35 m können die Splitter die Fahrzeughülle leicht gepanzerter Fahrzeuge durchschlagen.[2][5][12][13]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-250M-62 1,92 m 300 mm 370 mm 149 kg TGAG 227–229 kg

FAB-250TS

Dieses Modell entstand in den 1970er-Jahren zur Verwendung als Panzersprengbombe. Die FAB-250TS ist dickwandig und mit einem schmalen Kopfring ausgeführt, um in Gebäudestrukturen oder Erdreich einzudringen, bevor sie gezündet wird. Verwendet wird der AW-139-Verzögerungszünder, der im Heck eingesetzt wird. Die FAB-250TS kann aus einer Flughöhe von 500 bis 15.000 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 500 bis 1.500 km/h abgeworfen werden. Aus mittlerer und großer Höhe abgeworfen kann die Bombe rund 1 m Stahlbeton durchschlagen bevor sie explodiert. Weiter wurden die Modelle FAB-250TS I (mit Bodenzünder) und FAB-250TS II (mit Kopf- und Bodenzünder) entwickelt. Diese Bomben gingen aber nicht in Serie.[5][12][13][15][16]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-250TS 1,50 m 300 mm 378 mm 61,4 kg TGAF-5M 260 kg

FAB-250SchN

Die FAB-250SchN wurde für den Einsatz im Tiefflug entwickelt und wurde 1976 bei den Luftstreitkräften der Sowjetunion eingeführt. Die Bombe hat einen komplett neuen Bombenkörper mit einer abgerundeten Bombenspitze. Die Bombe wird ab Werk mit eingebautem AWU-526-Zünder geliefert. Dieser zündet wahlweise beim Auftreffen auf der Erdoberfläche oder mit einer Verzögerung von 20 bis 32 Sekunden. Das Heckteil mit vier Heckflossen und einem Boxwing ist an den Bombenkörper angeschraubt. Im hohlen Heckteil ist ein Bremsschirm untergebracht, der sich 1 bis 1,4 Sekunden nach dem Abwurf öffnet. Durch diesen wird der Fall der Bombe abgebremst, so dass sich bei deren Explosion das Flugzeug nicht mehr im Gefahrenbereich befindet. Dieses Bombenmodell ist nicht sehr verbreitet, da die Produktion auf die Splitter-Sprengbombe OFAB-250SchN umgestellt wurde, welche der FAB-250SchN entstammt. Die FAB-250SchN kann aus einer Flughöhe von 30 bis 500 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 525 bis 1.200 km/h abgeworfen werden.[2][17]

Bombe Länge Durchmesser Spannweite Sprengstofffüllung Gewicht
FAB-250ShN 1,97 m 325 mm 410 mm 137 kg TGAF-5M 275 kg

Verbreitung

Die FAB-250-Bomben befinden sich bei den Streitkräften Russlands im Dienst. Daneben wird die Bombe weltweit exportiert. Sie ist die am weitesten verbreitete Fliegerbombe aus sowjetischer/russischer Produktion.[2]

Siehe auch

Literatur

  • Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publishing, 2004, ISBN 978-1-85780-188-0.
  • Nikolay Spassky: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 10 – Aircraft armament and avionics. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2004, ISBN 978-5-93799-016-7.
  • Nikolay Svertilov: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 12 – Ordnance and Munitions. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2006, ISBN 978-5-93799-023-5.
  • Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
  • SPRE Basalt: Unguided Air Bombs. Offizieller Produktekatalog der Federal State Unitary Enterprise Basalt, Moskau, Russland, 2008.

Einzelnachweise

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