Fachzentrum Trauerseelsorge des Bistums Limburg
Profilkirche des Bistums Limburg in Frankfurt am Main (gegründet 2007)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Fachzentrum Trauerseelsorge des Bistums Limburg ist eine sogenannte Profilkirche des Bistums Limburg. Das zentrale Ziel der Arbeit des Zentrums ist ein versöhnter Umgang mit Abschied, Sterben und Tod auf der Grundlage christlicher Hoffnung auf Auferstehung.[1] Darüber hinaus wurden in der Kirche des Zentrums bis zum Beginn des Umbaus in eine Begräbniskirche auch regelmäßige Gottesdienste gefeiert. Auch nach dem Umbau sollen noch Gottesdienste zusätzlich zu den Trauerfeiern in der Kirche stattfinden, regelmäßige Eucharistiefeiern kann es jedoch nicht geben, da das Zentrum keinen eigenen Priester mehr hat. Während des Umbaus findet Freitags ein Wortgottesdienst für Trauernde in der Kapelle des Zentrums statt. Das Zentrum befindet sich in Frankfurt-Nordend in einem Wohngebiet.




Geschichte
2004 führte der damalige Bischof des Bistums Limburg Franz Kamphaus eine Visitationsreise durch die Kirchengemeinden in Frankfurt am Main durch. Ein Ergebnis war mit Blick auf die Großstadt Frankfurt, wie eine Metropole mit dem Sterben und dem Tod umgeht und wie Christen besondere Zeichen setzen können.[2] Am 15. Januar 2007 unterzeichnete Bischof Franz Kamphaus die Urkunde über die Errichtung eines Zentrums für Trauerseelsorge in der ehemaligen Pfarrkirche St. Michael im Frankfurter Stadtteil Nordend. Diese Urkunde wurde zum 1. Juli 2007 wirksam.[3]
Das Zentrum ist eine pastorale Einrichtung des Bistums[3] in Verantwortung des Bereiches Pastoral und Bildung (Stand: 12/2025).[4] Verantwortet wurde das Angebot bis 2019 von einem Pfarrer der Priestergemeinschaft Oratorium des Heiligen Philipp Neri und einer Ordensschwester der Congregatio Jesu und seit dem 1. Januar 2020 von der Pastoralreferentin Verena Maria Kitz. 2020 begann ein Transformationsprozesses zur Umstrukturierung in dem Bistum Limburg. Im August 2024 erfolgte die Umbenennung des „Zentrums für Trauerseelsorge“ in „Fachzentrum Trauerseelsorge“. Die inhaltliche Ausrichtung blieb jedoch unverändert. Es erfolgte eine Anpassung an neue Begrifflichkeiten in Folge des Transformationsprozesses. Frau Kitz begleitet die Planungen für die erste Urnenbegräbniskirche im Bistum Limburg und arbeitete in Kooperation mit der Stadtkirche an der Neuformatierung des Konzeptes des Zentrums für Trauerpastoral.[5] Es war die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland.
Zum 28. Juli 2023 wurde durch den Bischof von Limburg Georg Bätzing die Kirche St. Michael und ihr Hauptaltar profaniert.[6] Damit sollte die Möglichkeit geschaffen werden die Kirche zu einem Friedhof umzuwidmen, damit in dieser Bestattungen vorgenommen werden können. Der Altar in der Krypta wurde nicht profaniert. Im Laufe des Jahres 2025 begann die bauliche Umgestaltung der Kirche zu der ersten Begräbniskirche für Urnen in Hessen mit 2500 Begräbnisplätzen.[7][8][9]
Am 16. Juni 2026 fand in der umgebauten Kirche St. Michael eine Präsentation unter dem Titel Begräbniskirche St. Michael – Offen für Alle[10] im Rahmen des Programms der World Design Capital 2026 der World Design Organization (WDO) statt. Hauptthema war die Vorstellung der Umgestaltung des Kirchengebäudes und des umliegenden Grundstücks in eine Begräbniskirche mit Plätzen für 2500 Urnen und einem Ewigkeitsgrab im Außenbereich durch die Architektin Claudia Meixner[11][12] mit einer Einführung in die Einrichtung durch die Leiterin der Einrichtung Verena Maria Kitz.[13]
Programm
Das Angebot des Hauses ist christlich geprägt, richtet sich jedoch an Menschen aller Konfessionen, Weltanschauungen und Kulturen. Das Team veröffentlicht halbjährlich ein Programm. Das Zentrum bietet Seelsorge und Beistand im Sterben und bei Todesfällen; Sterbebegleitung; Begleitung für Hinterbliebene in Einzel- oder Gruppengesprächen; Informationsveranstaltungen über Abschied, Vergänglichkeit, Sterben und Tod und die Qualifizierung ehrenamtlicher Mitarbeiter. Es ist ein Ort des Totengedenkens im persönlichen Gebet oder der Fürbitte in Gemeinschaft im Gottesdienst. Intern und extern werden Vorträge und Seminare zu Themen wie der Bestattungskultur, Patientenverfügung oder Klagelieder angeboten. Es gibt Rundgänge über Friedhöfe in Frankfurt und Umgebung. Als Fachstelle des Dezernats Pastorale Dienste im Bischöflichen Ordinariat des Bistums Limburg werden kirchliche Interessen und Positionen im Bereich der Trauerpastoral formuliert. Das Zentrum besitzt eine kleine Kapelle als Raum zur Abschiedsnahme, in dem auch Aufbahrungen möglich sind. Für Beerdigungsveranstaltungen steht ein Saal zur Verfügung. Eine Fachbibliothek umfasst die Themengebiete Trauerpastoral mit dem Schwerpunkt Trauerbegleitung und Bestattungskultur. Die Kirche ist an Nachmittagen stundenweise zur Andacht geöffnet.
Umgestaltung
Umgestaltung der Gemeindekirche zur Kirche des Trauerzentrums ab 2007
Die Umwandlung der Gemeindekirche in die Kirche des Zentrums für Trauerseelsorge führte zunächst in ihrem Inneren zu zwei liturgischen Akzentsetzungen: Es wurden ein Ort des Taufgedenkens und ein Ort des Totengedenkens eingerichtet. Der Ort des Taufgedenkens umfasste einen Taufbrunnen, der am Schnittpunkt der Laufachsen der beiden Eingänge aufgestellt wurde. Dieser wurde durch eine Stele aus Stein ergänzt, die als Kerzenständer für die Osterkerze diente und an der Stelle des alten Taufbeckens aufgestellt wurde. Das Bodenmosaik von Ludwig Becker wurde von der Kirche in den Eingangsbereich des Zentrums transferiert. Der Ort des Totengedenkens lag vor dem Altarraum zwischen den ersten Bankreihen und bestand aus einer in den mit Schiefer belegten Boden eingefügten und von vier Kerzenleuchtern umstandenen Platte aus Sandstein. Auf dieser lag das Totenbuch mit den Namen der Verstorbenen aus der Pfarrei St. Michael (bis 2007) bzw. St. Josef. Bei Requien oder Abschiedsfeiern konnte hier der Sarg bzw. Blumen und Kerzen platziert werden. Ein von Georg Meistermann für die 2005 abgerissene Kirche St. Raphael in Berlin-Gatow geschaffenes Glasfenster wurde 2012 in der Kapelle des Zentrums für Trauerseelsorge neben der Kirche eingebaut.
Umbau zur Begräbniskirche ab 2025
Bei dem Umbau zur Begräbniskirche im Jahr 2025 und 2026 für 2500 Urnen[14] erfolgte eine Umgestaltung des Innenraums in zwölf als offene Kreise gestalteten Urnenwände, die sich in dem langgezogenen Raum verteilen. Darüber hinaus entstanden runde Sitzbereiche auf dem Vorplatz der Kirche und zwei kreisförmige Urnenwände sowie das „Ewigkeitsgrab“ im Trauergarten. Dieses soll die Asche der Urnen nach Ablauf der jeweiligen 15-jährigen Ruhezeit aufnehmen. Der Entwurf für die gesamte Umgestaltung stammt von dem Architektenbüro Meixner, Schlüter und Wendt.[15] Bei der Umgestaltung blieb der lichterfüllte hohe Kirchenraum erhalten. Die Urnenplätze wurden in 2,50 Meter hohen offenen Ringen angelegt, die ein Motiv des ursprünglichen Architekten der Kirche Rudolf Schwarz aufgreift. Die Öffnung stellt eine Schwelle vom Weltlichen zum Ewigen, zwischen Diesseits und Jenseits dar. Die unterschiedlich weiten Zylinderfragmente sind entlang der von dem Taufbrunnen und dem Altar bestimmten Längsachse angeordnet. Die Figur von Kreis und Zylinder taucht auch in den Außenbereichen in den kreisförmigen Sitzbereichen auf.[11] In den Urnenwänden aus Beton werden die Urnen in beleuchteten Kammern aus Holz bestattet und mit speziellen geriffelten Glasscheiben verschlossen, die die Umrisse der Urnen von außen erkennen lassen. Davor wird eine Plakette mit dem Namen und den Lebensdaten der verstorbenen Person angebracht. in einer Art Reagenzgläschen kann eine einzelne Blume angebracht werden. Gegenüber dem Eingangsbereich wird sich ein neu gestalteter Gesprächsraum befinden. Angemessene Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen sind geplant.[16] Im Außenbereich wurde der Garten bepflanzt, Wege angelegt und eine Beleuchtung installiert. Innen wurde im erhöhten Altarbereich eine zweite Sitzreihe installiert und die Sitzflächen wurden mit einer Sitzheizung versehen.[8] Die Kirche hat als Begräbniskirche eine eigene Friedhofssatzung und gilt damit offiziell als Friedhof.[17] Die Begräbniskirche soll feste Öffnungszeiten haben, bei denen immer eine Ansprechperson vor Ort ist. Im Juni 2026 war die endgültige Eröffnung der Begräbniskirche für den September 2026 geplant. Erste Bestattungen waren zu diesem Zeitpunkt ab Juli oder August geplant. Die Trauerfeiern sollen hinter dem höhergelegenen Altar stattfinden. Der Altarbereich wurde bei dem Umbau mit einer Rampe ausgestattet und wurde so barrierefrei zugänglich gemacht. Die Trauergesellschaft soll dabei auf zwei halbrunden Bänken sitzen. Als Kosten wurden für die Reservierung eines Urnenplatzes jährlich 195 € und als Bestattungskosten 2900 € für die 15-jährigen Ruhezeit genannt.[13]
Nach Angaben der Architektin Claudia Meixner versuchte das Architekten-Team einen „Gleichklang“ mit den runden Formen der Kirche zu finden. Daraus entstanden fließende Übergänge, nicht nur in der Kirche, sondern auch auf dem Vorplatz und dem Garten.[13]
Kirche und Pfarrgemeinde
Das Zentrum befindet sich auf dem Gemeindegebiet der Pfarrei St. Josef Frankfurt am Main, die seit dem 1. Januar 2015 eine Pfarrei neuen Typs ist, in deren Gemeindegebiet sich vier Kirchen als sogenannte Kirchorte und zwei Kirchen als sogenannte Profilkirchen befinden. Eine dieser Profilkirchen ist die zum Zentrum gehörende Kirche St. Michael, die für die Veranstaltungen und Gottesdienste des Zentrums genutzt wurde. Die Gebäude wurden bis 2019 von der Stadtkirche Frankfurt am Main verwaltet. Die Kirche und das Fachzentrum sind seit der Umstrukturierung zu dem Fachzentrum Trauerseelsorge zum 1. Januar 2020 in der Zuständigkeit und Verwaltung des Bistums.
Die Kirche war darüber hinaus Filialkirche der Pfarrei St. Josef mit noch rege Zusammenarbeit besteht. Jetzt befindet sie sich in direkter Trägerschaft des Bistums Limburg. Zu der Pfarrgemeinde St. Josef gehören seit 2020 nur noch der Philipp Neri Saal, die Bücherei der Pfarrei und eine kleine Küche.
Verkehrsanbindung
Die Kirche St. Michael ist von den Haltestellen Nibelungenplatz/FH und Münzenberger Straße der Linie 18 in der Friedberger Landstraße und von der Haltestelle Nibelungenplatz/FH der Omnibus-Linien 30 und 32 in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen.
Siehe auch
Weblinks
- Fachzentrum Trauerseelsorge. Katholische Kirche - Bistum Limburg. Bistum Limburg Bischöfliches Ordinariat, 2024, abgerufen am 19. Juni 2025 (deutsch, Website der Trauerkirche St. Michael Frankfurt am Main).
- Urnenbeisetzungen: Begräbniskirche St. Michael Frankfurt am Main. Katholische Kirche - Bistum Limburg. Bistum Limburg Bischöfliches Ordinariat, 2024, abgerufen am 3. November 2025 (deutsch, Website der Begräbniskirche St. Michael Frankfurt am Main).
- Nachbarn im Jenseits – Die Begräbniskirche in Frankfurt. In: hr2-Kultur. Hessischer Rundfunk, 2. November 2025, abgerufen am 3. November 2025 (deutsch, Podcast aus der Reihe hr2 Camino). Download. (MP3; 23,9 MB; 26:10 min.) In: https://hrardmediathek-a.akamaihd.net. 2. November 2025, abgerufen am 3. November 2025 (deutsch).
- St. Josef Frankfurt. Katholische Kirche - Bistum Limburg. Katholische Kirchengemeinde St. Josef Frankfurt am Main, 2025, abgerufen am 19. Juni 2025 (deutsch, Website der Pfarrei St. Josef Frankfurt am Main).