Fischbach (Glatt)
Bach in der Schweiz
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Der Fischbach ist ein fast sieben Kilometer langer linker Nebenbach der Glatt im Schweizer Kanton Zürich und ein indirekter Zufluss des Rheins. Über seine weitverzweigten Nebenbäche entwässert er eine ausgedehnte Landschaft im unteren Glatttal.
| Fischbach Pflasterbach/Tälibach (Oberlauf) | ||
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Der Fischbach (links) neben dem Neeracher Ried | ||
| Daten | ||
| Gewässerkennzahl | CH: 11042 | |
| Lage | Schweizer Mittelland
| |
| Flusssystem | Rhein | |
| Abfluss über | Glatt → Rhein → Nordsee | |
| Quelle | südwestlich von Sünikon am Nordhang der Lägern 47° 29′ 8″ N, 8° 25′ 26″ O | |
| Quellhöhe | 595 m ü. M. | |
| Mündung | bei Oberhöri in die Glatt 47° 30′ 8″ N, 8° 29′ 48″ O | |
| Mündungshöhe | ca. 406 m ü. M. | |
| Höhenunterschied | ca. 189 m | |
| Sohlgefälle | ca. 28 ‰ | |
| Länge | 6,7 km[1] | |
| Einzugsgebiet | 37,19 km²[1] | |
| Abfluss[2] AEo: 37,19 km² an der Mündung |
MQ Mq |
550 l/s 14,8 l/(s km²) |
| Linke Nebenflüsse | Räzbach, Chefibach, Dorfbach, Tolbrunnenbach, Salenbach, Saumbach | |
| Rechte Nebenflüsse | Frauwisenbach, Rorbach, Weierbrunnenbach, Hinterdorfbach, Scheidbach (mit Haslibach), Haslibach, | |
| Gemeinden | Steinmaur, Dielsdorf, Niederhasli, Niederglatt, Höri | |
Geographie
Quellgebiet
Der Oberlauf des Fischbachs entspringt als Pflasterbach mit einer ergiebigen Karstquelle aus dem Felsmassiv des Malmkalks am Nordhang der Lägeren.[3] Die Quelle liegt in einem Waldstück an der Pflasterwisenstrasse neben der Waldlichtung Lägerenacher, westlich von Regensberg im Gemeindegebiet von Steinmaur auf 595 m ü. M. Der Anfang des Pflasterbachs ist die am weitesten im Westen gelegene Quelle eines Baches im Einzugsgebiet der Glatt.[4]
Der Berghang mit dem Quellbach befindet sich im Naturraum «Lägerngebiet», der als geschützte Landschaft im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung ausgewiesen ist.[5]
Unmittelbar westlich der Pflasterbachquelle zieht sich die aktuelle, topografisch wenig ausgeprägte Wasserscheide zwischen dem Flussgebiet der Glatt im Osten und der Aare im Westen über den Nordhang des Berges in das Wehntal hinunter. Nicht weit von der Quelle des Pflasterbachs entspringt der Bachtobelbach, der ein Quellbach der Surb im Einzugsgebiet der Aare ist. Im Talboden, rund 100 Meter tiefer als das Quellgebiet des Pflasterbachs, wird die Wasserscheide in der Landschaft deutlich erkennbar durch eine Endmoräne vom letzten Maximalstand des eiszeitlichen Linthgletschers fortgesetzt.[6][7] Über einen Teil dieses Hügelzugs verläuft die Gemeindegrenze zwischen Steinmaur auf der Ostseite und Schöfflisdorf im Westen. Nun legt es die Lage der Gletschermoräne im Tal nahe, dass der Pflasterbach genau genommen in einer ehemaligen Schmelzwasserrinne auf der Aussenseite des Walles in der Richtung des Gattikerwegs und zum Bachtobelbach hin, also gegen Westen zur Surb hin abfliessen sollte. Doch nimmt er tatsächlich seinen Weg gegen Norden über die Scheidelinie hinweg und fliesst in einem künstlich geschaffenen Bachgraben durch eine Lücke im Moränenwall in das Flussgebiet der Glatt hinüber. Schon der Quellbereich des Pflasterbachs liegt am Berghang nahe am Bachtobelbach. Der Pflasterbach wäre somit aufgrund der Topografie eigentlich ein Quellbach der Surb im Flussgebiet der Aare.
Zuerst verläuft der Bach über eine kleine Geländestufe schräg zum Berghang gegen Nordosten und erreicht die Umgebung der mittelalterlichen Burg Sünikon bzw. der dort auf der Pflasterwise in der Frühen Neuzeit bestehenden Pilgerherberge.[8] Im Tobel unter dieser abgegangenen Siedlung vereinigt er sich mit dem kleinen Karstbach aus der Pflasterwisen und erreicht über einen Bachschuttkegel das offene Land im Tal und die Moränenzone.[9] Die offenbar künstlich geschaffene Ableitung des Baches ist wohl am ehesten mit der Wasserzufuhr zur Mühle von Steinmaur zu erklären.
Weiterer Verlauf
Im offenen Kulturland westlich von Sünikon, einem Dorf im Gebiet der Gemeinde Steinmaur, nimmt der Bachlauf von rechts den auf einer längeren Strecke eingedolten Frauwisenbach auf, der früher Fuchsbach hiess, und hat nun selbst den Namen Tälibach. Nach der Passage durch den ersten Moränenzug unterquert er westlich von Sünikon die Regensbergerstrasse, dann die Wehntalerstrasse (Hauptstrasse 17) und den Bahndamm der Wehntalbahn. Die Niederung ist bei Steinmaur durch weitere Moränenhügel im einstigen Zungenbecken des Linthgletschers in verschiedene Räume gegliedert, durch welche der Tälibach mit weiten Bögen gegen Norden und danach gegen Osten abfliesst. Bei der Grosswisen nimmt er von links den Räzbach, seinen zweiten Nebenbach, auf, der von Norden aus dem Gebiet Ankenland kommt.
Östlich von Sünikon fliesst der Tälibach auf der Nordseite am Müliweier vorbei. Früher speiste er diesen grossen Weiher, der die Wasserkraft für die historische, seit dem 14. Jahrhundert bezeugte Mühle von Steinmaur lieferte. Heute fliessen nur noch der Rorbach und der eingedolte Tüfibach in den Weiher, dessen Ausfluss östlich davon in den Tälibach mündet. Die alte Wassermühle am Fischbach wurde im 19. und 20. Jahrhundert zu einer grossen, modernen Mühlenanlage ausgebaut, die seit 1927 auch die Migros belieferte. Der für das Zürcher Unterland bedeutende Müllereibetrieb wurde 1986 stillgelegt; seither dauern Auseinandersetzungen um die Schutzwürdigkeit des Gebäudeensembles an, die bis vor das Bundesgericht gezogen wurden.[10][11]

Das Gewässer hat nun vom Müliweier an den Namen Fischbach. Dieser durchquert die Ortschaft Niedersteinmaur, teilweise eingedolt, in östlicher Richtung und nimmt dabei von links den Chefibach auf. In der Ebene östlich von Niedersteinmaur münden weitere, kanalisierte Nebenbäche in den Fischbach, so der Dorfbach von Obersteinmaur und der Weierbrunnen. Danach durchquert der Fischbach mit geringem Sohlgefälle die weite, sumpfige Fläche zwischen Niederhasli und Neerach (414 m ü. M.), in der sich noch heute mehrere grosse Feuchtgebiete als Reste der ehemaligen zusammenhängenden Sumpflandschaft ausbreiten. An der Gemeindegrenze zwischen Steinmaur und Dielsdorf befinden sich die nach der Flurmelioration übrig gebliebenen Moore mit dem Rütiwisenweier, die als «Steinmaurer Riet» durch das Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung geschützt sind.[12][13]
Am Rand des Naturschutzgebiets unterquert der Fischbach die Neeracherstrasse (Hauptstrasse 348.1) und passiert das Areal der Pferderennbahn Zürich-Dielsdorf, die sich auf einem trockengelegten Riedgebiet befindet, auf der Nordseite. Dort münden der Dielsdorfer Hinterdorfbach und der Scheidbach, der auf den alten Furtbachkanal zurückgeht, in den Fischbach. Das Einzugsgebiet des Fischbachs weist im Naturschutzgebiet Mettmenhaslisee am Haslibach eines der letzten Hochmoore im Kanton Zürich auf.[14] Beim Rütihof mündet von links der Salenbach. Der weitere Lauf des Fischbachs führt als begradigter, tiefer Entwässerungskanal gegen Norden und dann gegen Nordosten zuerst noch durch das Gebiet von Niederhasli und später durch Niederglatt. Die eingreifende Bachkorrektion erfolgte im Rahmen der zweiten Glattkorrektion, die nach einem verheerenden Hochwasser im Jahr 1876 ausgeführt wurde. Nach dem Tieferlegen der Glatt bei Höri um 1,2 m konnte das Wasser aus dem Fischbachkanal und dem Furtbach besser abfliessen und dadurch die Ebene bei Steinmaur entwässert werden.[15]
Der Graben des Fischbachs bildet dabei die Südgrenze der weiten, ökologisch sehr wertvollen Sumpffläche «Naturschutzgebiet Neeracher Riet». Der ganze Naturraum ist mit den Namen «Neeracher Ried» als Moorlandschaft von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung eingestuft. An einigen Stellen der Moorlandschaft wurde noch im 20. Jahrhundert Torf abgebaut. Durch das Ried führen zwei Verkehrsachsen, die sich im Ried in einem grossen Verkehrskreisel kreuzen. Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons verlautete, dass die zwei Strassen aus dem Ried verlegt werden müssen, dies aufgrund der Volksabstimmung von 1987 zum Moorschutz.[16][17] Im Verlaufe dieser Arbeiten wird der Fischbach aufgewertet.[18]
Im Bereich Hechtteich mündet von rechts der Untere Haslibach in den Fischbachkanal, der danach die Fischbachbrücke der Kaiserstuhlstrasse (Hauptstrasse 348) unterquert, über den Saumbach die Entwässerungsgräben aus dem Neeracher Riet sammelt und kurz danach bei Oberhöri, im Gebiet der Gemeinde Höri, oberhalb der Wehntalerstrasse-Brücke, auf 406 m ü. M. von links in die Glatt mündet.
Einzugsgebiet
Das 37,19 km² grosse Einzugsgebiet des Fischbachs wird über die Glatt und den Rhein zur Nordsee entwässert.
Es besteht zu 23,4 % aus bestockter Fläche, zu 51,3 % aus Landwirtschaftsflächen, zu 20,6 % aus Siedlungsfläche und zu 4,6 % aus unproduktiven Flächen.
Flächenverteilung

Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt 469,9 m ü. M.[19]
Zuflüsse
Vom Zusammenfluss bis zur Mündung
- Tälibach (linker Quellbach, Hauptstrang), 2,3 km
- Rorbach (rechter Quellbach, Nebenstrang), 0,7 km
- Chefibach (links), 1,2 km, 1,09 km²
- Weierbrunnenbach (rechts), 0,3 km
- Dorfbach (links), 1,9 km
- Tolbrunnenbach (links), 1,3 km
- Hinterdorfbach (rechts), 3,2 km
- Furtbach (Scheidbach) (rechts), 4,1 km, 15,02 km², 0,21 m³/s
- Salenbach (links), 0,3 km
- Saumbach (links), 6,2 km, 9,17 km², 0,55 m³/s
- Haslibach (rechts), 1,4 km[20], 2,32 km²
Hydrologie
Bei der Mündung des Fischbachs in die Glatt beträgt seine modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 0,55 m³/s.[2] Sein Abflussregimetyp ist pluvial inférieur,[21] und seine Abflussvariabilität[22] beträgt 25.
| Der modellierte monatliche mittlere Abfluss (MQ) des Fischbachs in m³/s[2] |
|---|
0,9 0,8 0,7 0,6 0,5 0,4 0,3 0,2 0,1 0 0,55 0,70 Jan. 0,85 Feb. 0,76 März 0,69 Apr. 0,59 Mai 0,54 Juni 0,37 Juli 0,30 Aug. 0,29 Sep. 0,36 Okt. 0,50 Nov. 0,69 Dez. |
| Durchgehende Linie: Mittlerer Jahresabfluss (MQ) 0,55 m³/s |
Abwasser
1972 wurde der Zweckverband «Abwasserreinigung Fischbach-Glatt» gegründet, der in Niederglatt in der Nähe der Fischbachmündung eine Kläranlage für die angeschlossenen Gemeinden betreibt.[23]
Literatur
- Hans Suter: Glazialgeologische Studien im Gebiet zwischen Limmat, Glatt und Rhein. In: Eclogae Geologicae Helvetiae. Band 37, 1944, S. 83–97.
Weblinks
- Einzugsgebiet des Fischbachs. Geoportal des Kantons Zürich
