Flamingo (Marschflugkörper)
ukrainischer Marschflugkörper
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Flamingo (ukrainisch FP-5 Flaminho []) ist ein bodengestützter schwerer Marschflugkörper aus der Ukraine.
| Flamingo | |
|---|---|
|
| |
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | Marschflugkörper |
| Heimische Bezeichnung | FP-5 «Фламінго» |
| Herkunftsland | |
| Hersteller | Fire Point |
| Entwicklung | 2025 |
| Technische Daten | |
| Länge | 12–14 m[1] |
| Gefechtsgewicht | 6000 kg[2] |
| Spannweite | 6,0 m[2] |
| Antrieb Erste Stufe Zweite Stufe |
Raketenbooster AI-25-Mantelstromtriebwerk |
| Geschwindigkeit | 950 km/h[1] |
| Reichweite | 3000 km[3] |
| Dienstgipfelhöhe | 5000 m[2] |
| Ausstattung | |
| Lenkung | GNSS / INS |
| Gefechtskopf | 1551 kg Splittergefechtskopf[4] |
| Listen zum Thema | |
Geschichte
Der Marschflugkörper wurde am 17. August 2025 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und die geplante Serienproduktion angekündigt.[5] Stand August 2025 soll die Produktionsrate bei einem Marschflugkörper pro Tag gelegen haben. Ziel war es jedoch, eine Produktion von etwa 2500 Stück pro Jahr bis Ende 2025 zu erreichen.[6][7] Im Sommer 2025 waren die ersten Exemplare einsatzbereit.[8] Am 3. September 2025 kündigte die dänische Regierung an, Treibstoff für den Flamingo zukünftig in Dänemark herstellen zu lassen.[9] Dies würde Fire Point zum ersten ukrainischen Rüstungsunternehmen mit Produktionsfertigkeiten außerhalb der Ukraine machen.[9] Im Oktober 2025 räumte Präsident Wolodymyr Selenskyj ein, dass es bei der Serienproduktion des Marschflugkörpers FP-5 „Flamingo“ zu einem „technischen Problem“ gekommen sei.[10] Selenskyj erklärte, das Problem betreffe einzelne Komponenten und habe zu kurzzeitigen Verzögerungen geführt.[11] Er betonte, dass die bereits eingesetzten Systeme funktionsfähig seien und die Serienfertigung fortgesetzt werde.[10] Militäranalysten werteten die Verzögerungen als typische Anlaufschwierigkeiten neuer Waffensysteme unter Kriegsbedingungen.[12]
Technische Daten
Die aerodynamische Auslegung des Marschflugkörpers entspricht der Tupolew M-141-Aufklärungsdrohne bzw. der eines Flugzeuges.[13] Der Marschflugkörper hat eine angestrebte Reichweite von bis zu 3000 km.[14][15] Als Gefechtskopf wird vermutlich eine Fliegerbombe vom Typ FAB-1500M-54 mit einem Gewicht von 1551 kg verwendet.[16] Der Streukreisradius (CEP) soll bei rund 14 m liegen.[17]
Transportiert und gestartet wird der Marschflugkörper von einem Sattelauflieger. Beim Start wird der Marschflugkörper von einem Raketenbooster beschleunigt, der nach dem Ausbrennen abgeworfen wird. Der Weiterflug geschieht mit dem Iwtschenko-AI-25TL-Mantelstromtriebwerk des ukrainischen Herstellers Motor Sitsch, welches bereits auf dem Trainingsflugzeug Aero L-39 Albatros verwendet wird.[7][18] Der Hersteller kauft so viele gebrauchte Triebwerke wie möglich auf dem Markt. Diese werden überholt, so dass sie für mindestens vier Stunden funktionieren, was für die Verwendung mit dem Marschflugkörper ausreicht.[19]
Vergleichbare Systeme
Der Flamingo-Marschflugkörper hat große Ähnlichkeit mit dem FP-5-Lenkflugkörper, der von der britischen Milanion Group entwickelt wird. Mit diesem Unternehmen arbeitet die Ukraine seit 2021 zusammen.[20]
Kriegseinsätze
Der erste Einsatz erfolgte am 30. August 2025.[8] Ersten OSINT-Auswertungen zufolge wurden bei dem Einsatz drei Flamingo-Marschflugkörper gegen einen Außenposten des FSB nahe Armjansk auf der Krim gestartet.[8] Dabei sollen auch Luftkissenfahrzeuge der Grenztruppen beschädigt worden sein.[8] Ein Marschflugkörper traf das Ziel mit einer Abweichung von 15 bis 40 Meter.[21] Ein Zweiter verfehlte das Ziel um 80 bis 200 Meter.[21] Der dritte Flamingo erreicht das Zielgebiet nicht, da er bereits beim Anflug abstürzte.[21]
Am 11. November 2025 kam es im russischen Hafen Tuapse am Schwarzen Meer zu einer massiven Explosion, nachdem die ukrainische Seite nach eigenen Angaben einen Marschflugkörper des Typs Flamingo FP-5 eingesetzt hatte. Russischen Quellen zufolge wurde der Marschflugkörper von einer 9K37 Buk abgeschossen und stürzte danach in die Hafenanlage. Videoaufnahmen zeigten eine gewaltige Explosion und einen tiefen Krater.[22][23][24][25]
Am 13. November 2025 wurde die Stadt Orjol (Orel) Ziel eines weiteren ukrainischen Angriffs mit Flamingo-Marschflugkörpern. Alle vier Marschflugkörper sollen von der russischen Flugabwehr abgeschossen worden sein, wobei brennende Trümmer auf ein Wohngebiet niedergingen. Verletzte wurden dabei laut offiziellen Angaben nicht gemeldet.[23][24][25][26]
Am 8. Januar 2026 wurden vier Flamingos gegen das Testgelände Kapustin Jar gestartet. Alle Marschflugkörper stürzten ab oder wurden abgeschossen.[24][23][25]
Am 12. Februar 2026 wurde ein Angriff auf das Munitionsdepot Kotluban in der Oblast Wolgograd vom ukrainischen Generalstab bestätigt. Von den sechs gestarteten Flamingos stürzten fünf ab oder wurden abgeschossen. Ein Flamingo traf das Munitionsdepot und löste eine Serie von Explosionen aus.[23][25][27][28][29]
In der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 2026 startete die Ukraine drei Flamingos gegen das Maschinenbauwerk Wotkinsk. Zwei Flamingos stürzten ab oder wurden abgeschossen. Ein Flamingo traf das Maschinenbauwerk nach einem Flug von rund 1400 Kilometern.[24][25][30]
Gemäß OSINT-Analysen des ukrainischen Onlineportals Oboronka wurden bis April 2026 rund 23 Flamingo-Marschflugkörper gestartet. Von diesen sollen nur 6 das Zielgebiet erreicht haben und lediglich 2 erzielten Wirkungstreffer.[23]
Am 5. Mai 2026 startete die Ukraine Flamingos gegen das „VNIIR-Progress“-Werk bei Tscheboksary. In diesem werden Komponenten für Kampfpanzer, Kampfflugzeuge, Flugabwehrsysteme und U-Boote hergestellt. Von den sechs gestarteten Flamingos stürzten fünf ab oder wurden abgeschossen. Ein Flamingo traf eine Werkshalle. Weiter wurden bei dem Angriff auch zwei Einweg-Drohnen vom Typ An-196 „Ljutyj“ eingesetzt.[24][25]
Am 10. Mai 2026 wiederholte die Ukraine den Angriff auf das „VNIIR-Progress“-Werk bei Tscheboksary. Von den fünf gestarteten Flamingos erreichten zwei das Ziel. Nur ein Flamingo erzielte einen Wirkungstreffer und beschädigte eine Werkshalle schwer. Bei dem Angriff wurden zwei Menschen getötet und 35 verletzt.[24][25][31][32][33]
Am 27. Juni 2026 startete die Ukraine fünf Flamingos gegen die Rüstungsfabrik „Titan-Barrikady“ in Wolgograd. Von den fünf gestarteten Flamingos erreichten drei das Ziel und trafen die Fabrikhallen.[25][34][35]
Am 24. Juli 2026 traf eine Flamingo eine Werkhalle der „Avitek“-Fabrik in der Stadt Kirow.[36][37]
Weblinks
- Ukraine's ‘Flamingo’ is the FP-5 missile with 3000 km range and a one-ton warhead. Defense Express, 18. August 2025.
