Gary Bettenhausen

US-amerikanischer Automobilerennfahrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Gary Clyde Bettenhausen (* 18. November 1941 in Blue Island, Illinois; † 16. März 2014 in Monrovia, Indiana) war ein US-amerikanischer Automobilrennfahrer, der in verschiedenen nationalen Rennserien meist auf Ovalkursen startete.

Gary Bettenhausen, 1984

Er gehörte über dreißig Jahre zum Fahrerkader der US-amerikanischen Formel-Meisterschaft, zunächst in der USAC Championship Car Series und später in der Indy Car World Series, wo er insgesamt sechs Siege und 24 Podestplätze erreichen konnte. Der große Durchbruch blieb ihm allerdings versagt. Er betätigte sich weiter bei zahlreichen Sprint-Car- und Midget-Car-Rennen, gewann dort mehrere Meisterschaften und startete zu acht Läufen der NASCAR Grand National bzw. Winston Cup Series.

Persönliches

Gary Bettenhausen wurde 1941 als ältester Sohn von Tony Bettenhausen sr. und seiner Frau Valerie Mae (geb. Rice) geboren und wuchs in Tinley Park im Großraum von Chicago auf.[1] Sowohl sein Vater als auch seine beiden jüngeren Brüder Tony Bettenhausen jr. und Merle Bettenhausen waren ebenfalls motorsportlich aktiv. Nach seinem High-School-Abschluss an der Bremen High School im benachbarten Midlothian begann er im Kartsport und entschloss sich anschließend selbst zu einer Motorsportkarriere. Aus seiner 1964 geschlossenen Ehe mit Wavelyn Bettenhausen gingen die Zwillingssöhne Todd und Cary hervor.[2] Zuvor hatte er bereits mit Patricia McBurney einen Sohn, Gary Bettenhausen, Jr.[3]

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere zog sich Bettenhausen ins Privatleben zurück und trat zuletzt im Rahmenprogramm des Indianapolis 500 2011 öffentlich in Erscheinung.[4] Er war zuvor 1993 in die National Sprint Car Hall of Fame (Ruhmeshalle) und anschließend 1998 in die National Midget Auto Racing Hall of Fame aufgenommen worden.[5] Im Jahr 2013 folgte zudem seine Ernennung zum Mitglied der USAC Hall of Fame.[6]

Bettenhausen starb im März 2014 im Alter von 72 Jahren in seiner Wahlheimat Monrovia nahe Indianapolis.[7]

Karriere

Stock-Car-Anfänge und Midget-Cars

A. J. Foyt in einem Midget-Car, denen Bettenhausen lange Jahre verbunden war

Als erster Schritt seiner professionellen Laufbahn stieg Bettenhausen 1963 in die vom United States Auto Club (USAC) ausgetragene USAC Stock Car Series ein, die in dieser Zeit in direkter Konkurrenz zu den von der NASCAR sanktionierten Stockcar-Meisterschaften stand.[8] Er startete mit Fahrzeugen von Dodge, Plymouth, Ford und Chevrolet, die besten Ergebnisse waren zwei zweite Plätze auf den Indiana State Fairgrounds im September gleichen Jahres sowie beim Rennen auf den Brown Country Fairgrounds im Juli 1966.[9] Erste größere Erfolge feierte er ab 1967 bei den Midget-Cars, die als Einsteigerklasse für Rennen auf Ovalkursen gilt und sowohl auf asphaltierten als auch Schotterrennbahnen gefahren werden. Bettenhausen wurde Dritter in der ebenfalls vom USAC veranstalteten National Midget Car Series Central und sammelte über seine Karriere insgesamt 27 Siege bei USAC-Rennen dieser Klasse, unter anderem mit einem selbst gebauten Wagen in damals fortschrittlicher Monocoque-Auslegung.[10][11] Den Turkey Night Grand Prix, der als Saisonhöhepunkt der Midget-Cars gilt und das drittälteste bis heute wiederkehrend ausgetragene Rennen der USA ist, konnte er 1967 und 1970 gewinnen.[12]

Sprint-Cars und NASCAR

Die größten Erfolge seiner Karriere feierte Bettenhausen bei den Sprint-Cars, von denen die für Nachwuchsfahrer konzipierten Midget-Cars verkleinert abgeleitet wurden und deren zentrale Meisterschaft die USAC National Sprint Car Series war. Er lieferte sich dort von Ende der 1960er-Jahre bis Anfang der 1970er-Jahre enge Duelle mit Larry Dickson und wechselte sich mit ihm sowohl bei Siegen als auch Titeln wiederholt ab,[13] wodurch diese Ära später scherzhaft als "The Larry and Gary Show" bezeichnet wurde.[14][15] Das persönliche Verhältnis der beiden Rivalen war allerdings entgegen der von Medien und Fans kolportierten und gelebten scharfen Abneigung stets von Herzlichkeit und Respekt geprägt.[16] Einen großen Einschnitt bildete ein Unfall bei einem Lauf in Syracuse, New York im Jahr 1974, bei dem sich Bettenhausen eine schwere Verletzung am linken Arm zuzog, die ihn zeitlebens körperlich einschränkte.[17] Nachdem die auf asphaltierten Ovalkursen ausgetragenen Sprint-Car-Rennen von den traditionellen Dirt-Track-Läufen auf Schlammpisten getrennt wurden, fuhr Bettenhausen bis Mitte der 1990er-Jahre bei letzteren Rennen weiter, gewann 1980 die USAC National Dirt Car Championship sowie 1983 die als Nachfolger ausgetragene USAC Silver Crown Series.[18]

Bettenhausen fuhr zudem einige Rennen der höchsten Liga der NASCAR, die heute die NASCAR Cup Series ist. Er nahm in der als NASCAR Grand National Series bezeichneten Saison 1967 an allen drei Rennen auf dem Daytona International Speedway teil, darunter das Daytona 500, das er als Rookie auf dem 31. Rang beendete. Bei der Qualifikationsveranstaltung, den 100 Mile Qualifying Races, hatte er zuvor den 10. Platz erreichen können. Er kehrte mit Penske Racing sieben Jahre später in die mittlerweile als NASCAR Winston Cup bezeichnete Meisterschaft zurück und fuhr 1974 mit einem AMC insgesamt fünf Rennen für das Team, darunter erneut das Daytona 500, bei dem er sich dieses Mal auf den zwölften Platz verbessern konnte. Das beste Saisonergebnis war ein vierter Platz auf dem Michigan International Speedway. Anschließend kehrte Bettenhausen der NASCAR lange Zeit den Rücken, bevor er 1994 zur erstmaligen Veranstaltung des Brickyard 400 auf dem Indianapolis Motor Speedway ein letztes Mal die Qualifikation versuchte, die ihm nicht mehr gelang.[19]

USAC/CART

Mark Donohue im Penske-McLaren M16; Mit einem vergleichbaren Fahrzeug verlor Bettenhausen das Indy 500 1972 nur knapp durch Motorschaden
Bettenhausen im March 84C auf dem Pocono Raceway, 1984

In der Saison 1966 der USAC Championship Car Series, die zu dieser Zeit die oberste Liga der US-amerikanischen Formel-Meisterschaft war, versuche Bettenhausen mit Fahrzeugen von Meskowski und Halibrand erstmals Rennteilnahmen, scheiterte allerdings mit Ausnahme des Laufs auf dem Phoenix Raceway, bei dem er debütierte und als 19. ins Ziel kam, bei allen anderen Veranstaltungen an der Qualifikation.[20] Im Folgejahr gelangen ihm mehr Qualifikationen, aber nur zwei elfte Plätze als beste Ergebnisse, wodurch er mit 60 Punkten als 47. im Gesamtklassement gewertet wurde. In der USAC-Saison 1968 konnte Bettenhausen erstmals größere Erfolge in dieser Meisterschaft erzielen. Das Rennen auf dem Langhorne Speedway beendete er auf dem dritten Rang und auf vier weitere Platzierungen unter den ersten Fünf folgte zum Saisonende zunächst ein zweiter Platz auf den California State Fairgrounds in Sacramento und anschließend beim Bobby Ball 200 in Phoenix, wo er zwei Jahre zuvor sein erstes USAC-Championship-Car-Rennen gefahren war, der erste Sieg.[21] Er beendete die Saison mit 1595 Punkten auf dem achten Rang. Über die folgenden Jahre fuhr er mit wenigen Ausnahmen alle Championship-Car-Rennen und erzielte weitere Podestplätze sowie 1970 den Sieg beim Lauf auf dem Michigan International Speedway, konnte aber außer einigen Achtungserfolge nicht ernsthaft um den Titel mitkämpfen.

Zur USAC-Saison 1972 wurde Bettenhausen in den Fahrerkader von Penske Racing berufen, die moderne McLaren M16 einsetzten. Er bildete mit seinem ungestümen Fahrstil einen Gegenpol zum sehr kühl und kalkuliert auftretenden Penske-Führungsfahrer Mark Donohue, der fortan sein Mentor wurde und ihn förderte.[22] Bettenhausen gewann das Rennen auf dem Trenton Speedway und wurde Dritter auf der Milwaukee Mile, geriet allerdings wiederholt mit Teambesitzer Roger Penske aneinander und ein Vertragsstreit mit Patrick Racing brachte weitere Unruhe in die Partnerschaft.[22] Beim Indianapolis 500 sah er lange Zeit wie der sichere Sieger aus, verlor das Rennen aber wenige Runden vor dem Ziel durch Motorschaden. 1973 und 1974 blieb er vertragsgemäß bei Penske und erzielte weitere Podestplätze sowie einen Sieg auf dem Texas World Speedway. Der Meisterschaftskampf zwischen den Spitzenfahrern wie Roger McCluskey, Gordon Johncock, Wally Dallenbach, Bobby Unser und Johnny Rutherford blieb für Bettenhausen mangels Konsistenz und durch seine Sprint-Car-Armverletzung verpasste Rennen weiter unerreichbar. Nachdem er keine Vertragsverlängerung mit Penske erhalten hatte, startete Bettenhausen ab 1975 für verschiedene Teams und erzielte noch vereinzelte Podestplätze in der aufgrund von Streitigkeiten zwischen Veranstalter und Teilnehmern immer weiter zusammenschrumpfenden Meisterschaft. Mit zwei Siegen in Folge auf den DuQuoin State Fairgrounds 1982 und 1983 gewann er einige der letzten Rennen der USAC Championship Car Series, scheiterte aber in beiden Jahren in der Qualifikation des für die Meisterschaft wichtigen Indianapolis 500 und konnte die Chance auf den Titel in der 1983 nur noch zwei Rennen umfassenden Saison entsprechend nicht nutzen.

Ab der CART-Saison 1980 wechselte Bettenhausen wie die Majorität der Konkurrenz in die von den Championship Auto Racing Teams (CART) neu gegründete Indy Car World Series. Hier gelang ihm mit dem dritten Rang beim Indianapolis 500 1980 das beste Ergebnis seiner Karriere bei dieser prestigeträchtigen Veranstaltung. Den Zenit seiner Karriere mit Formelwagen hatte er aber mittlerweile überschritten, scheiterte immer öfter an der Qualifikation und beschränkte sich nach einer letzten Saison mit vereinzelten Rennteilnahmen ab 1988 nur noch auf den Saisonhöhepunkt in Indianapolis, wo er aber auch keine Rennerfolge mehr erreichte. Ein letztes Ausrufezeichen war die schnellste Qualifikationsgeschwindigkeit beim Indianapolis 500 1991, die aufgrund des Qualifikationsmodus nicht für die Pole-Position zählte. Seine letzte Teilnahme im Jahr 1994 versuchte er für das Team Bettenhausen Motorsports seines Bruders Tony, jr., konnte sich allerdings mit seinem Penske PC-22 nicht mehr qualifizieren.

Literatur

  • Rick Popely: Indianapolis 500 Chronicle. Publications International Ltd., Lincolnwood, IL, 1998, ISBN 0-7853-2798-3.
  • Hungness, Carl: GO! The Bettenhausen Story: The Race Against A Dream. Carl Hungness Publishing, Speedway, IN, 1982, ISBN 0-915088-33-9.
Commons: Gary Bettenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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