Gewerkschaften in Peru
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Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen für gewerkschaftliche Arbeit in Peru sind schwierig. Das Land befindet sich in einer tiefen politischen Krise. Seit 2016 wechselten sich sieben Staatsoberhäupter mit zum Teil stark divergierenden Programmen ab. Ab Juli 2026 steht Keiko Fujimori an der Spitze des Staates. Sie gewann die Wahl knapp mit einem neoliberalen Wirtschaftsprogramm und Forderungen nach Recht und Ordnung. Die bereits bestehende Tendenz zu einem Rechtsstaatsabbau kann sich so eher verstärken.
Aufgrund gestiegener Weltmarktpreise für Rohstoffe blieb die peruanische Wirtschaft trotz internationaler Krisen stabil. Trotzdem nehmen die soziale Ungleichheit und die Armut zu. Laut ILOSTAT-Statistik beträgt der Anteil informeller Arbeit in Peru 70,5 % (Männer 68,2 %, Frauen 73,3 %)[1] Damit hat Peru die höchste Zahl informell Beschäftigter in ganz Lateinamerika. Für diese Menschen bedeutet dies einen Ausschluss von Sozialleistungen und Rentenansprüchen. Durch eine kontinuierliche Zuwanderung vom Land in die Stadt wird informelle Arbeit eher zunehmen. Generell gibt es in Peru kein staatliches Arbeitslosenversicherungssystem.
Die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren in diesem Bereich ist allgegenwärtig. Die Beschäftigungsrate liegt bei etwa 25 %.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat mehrmals festgestellt, dass internationale Standards, z.B ILO-Übereinkommen wie das Recht auf Vereinigungsfreiheit und indigene Rechte nicht gewährleistet sind.
Geschichte
Gewerkschaften bestehen in Peru seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit der Durchsetzung des 8-Stunden-Tages 1919 setzte eine erste Hochphase gewerkschaftlicher Arbeit ein, die u. a. dazu führte, dass 1933 das Recht auf Gründung einer Gewerkschaft Verfassungsrang bekam. Zwischen 1940 und den 1960er Jahren konnten peruanische Gewerkschaften wichtige Reformen und Rechte durchsetzen, z. B. den Aufbau einer Sozialversicherung.
Unter der autoritären Regierung Alberto Fujimoris, des Vaters der 2026 gewählten Präsidentin, ging in den 1990er Jahren die Zahl der gewerkschaftlich Organisierten von 21 % auf heute nur etwa 8 % zurück. In der Privatwirtschaft liegt er unter 5 %.[2]
Aktuelle Situation
Zurzeit sind die peruanischen Gewerkschaften in vier nationalen Verbänden organisiert. Sie orientieren sich jeweils an verschiedenen Parteien und politischen Strömungen. Die wichtigsten sind CGTG und CUT, die politisch mit linken Parteien verbunden sind. Nur die größte Dachorganisation CGTB ist dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen. Insgesamt stehen alle Verbände vor der Herausforderung, ihre Mitgliederzahlen zu erhalten und zu erhöhen.
Gewerkschaftsbünde
Die Gewerkschaften in Peru gehören zum größten Teil einem der folgenden Gewerkschaftsbünde an:[3]
| Name des Gewerkschaftsbunds | Mitglieder | Zugehörigkeit zu einem Internationalen Gewerkschaftsverband |
|---|---|---|
| Confederación General de Trabajadores del Perú, CGTP (Allgemeines Bündnis der Arbeiter_innen Perus) |
ca. 1.200 Mitgliedsgewerkschaften |
WGB |
| Central Unitaria de Trabajadores del Perú, CUT (Einheitliche Zentrale der Arbeiter_innen Perus) |
k. A. | CSA[4] |
| Central Autónoma de Trabajadores del Perú, CATP (Autonome Zentrale der Arbeiter_innen Perus) |
k. A. | CSA |
| Confederación de Trabajadores del Perú, CTP (Verband der Arbeiter_innen Perus) |
k. A. | Alternativa Democrática Sindical de las Américas (ADS) |
Einzelgewerkschaften, Branchenverbände
Einzelgewerkschaften / Branchenverbände sind u. a.:[5]
| Name der Gewerkschaft | Mitgliedschaft in Dachverband |
Mitglieder | Zugehörigkeit zu Globalen Gewerkschaftsföderationen |
|---|---|---|---|
| Federación Nacional de Trabajadores en Construcción Civil del Perú, FTCCP (Nationaler Bund der peruanischen Bauarbeiter_innen) |
CGTP | k. A. | BWI |
| Sindicato Unitario de Trabajadores de la Educación Peruana, SUTEP (Einheitsgewerkschaft der perua-nischen Bildungsarbeiter_innen) |
CGTP | k. A. | EI |
| Federación de Trabajadores de la Industria Manufacturera y Afines del Perú, FETRIMAP (Bund der Arbeiter_innen der verarbeitenden und verwandten Industrie Perus) |
CGTP | k. A. | IndustriALL |
| Sindicato Único de Inspectores del Trabajo de la Superintendencia Nacional de Fiscalización Laboral, SUIT SUNAFIL (Einheitsgewerkschaft der Arbeitsinspektor_innen der Nationalen Arbeitsaufsichtsbehörde) |
CATP | k. A. | - |
| Federación Nacional de Trabajadores Textiles, Confecciones y Afines del Perú, FNTTP (Nationaler Bund der Arbeiter_innen der Textil-, Bekleidungs- und verwandten Industrie Perus) |
CGTP | k. A. | IndustriALL |
| Federación Nacional de Trabajadores y Trabajadoras del Hogar del Perú, FENTTRAHOP (Nationaler Bund der Hausangestellten Perus) |
CGTP | k. A. | - |
Literatur
- Daniel Blackburn (Hrsg.), Trade unions of the world, London (The International Centre for Trade Union Rights), 8th edition, 2021, ISBN 978-0-9933556-2-2, S. 478–483 , Inhaltsverzeichnis, PDF
- Friedrich-Ebert-Stiftung, Peru Gewerkschaftsmonitor 2025 (Oktober), PDF, 8 S., abgerufen am 22. Juli 2026
Weblinks
- Homepage Central Autónoma de Trabajadores del Perú, abgerufen am 22. Juli 2026
- Homepage Central Unitaria de Trabajadores del Perú, abgerufen am 22. Juli 2026
- Übersicht zu Seiten zu Peru auf der Seite des IGB, abgerufen am 22. Juli 2026
- Peru: Gewerkschaftsmonitor; FES Briefing, Seite der Friedrich-Ebert-Stiftung mit Ausgaben des Monitors für 2024 und 2025 (s. o.), abgerufen am 22. Juli 2026
- "Gewerkschaften in Peru" auf der Seite "Internationales" von labournet, abgerufen am 22. Juli 2026