Giuseppe Foglia
Schweizer Bildhauer, Maler und Journalist
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Giuseppe Foglia (* 3. April 1888 in Lugano; † 16. Dezember 1950 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer, Maler und Journalist. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das Rinaldo-Simen-Denkmal in Bellinzona (1923) und die Plastik Der Stumme (1913).

Leben
Giuseppe Foglia wurde 1888 in Lugano im Kanton Tessin geboren. Sein Vater war der Postbeamte Giuseppe Foglia, seine Mutter die Italienerin Giuseppina Anesi aus Orzinuovi. Angeregt vom Maler Pietro Anastasio, wandte er sich nach einer turbulenten Jugend der Kunst zu. Seine erste Ausbildung erhielt er an der Gewerbeschule in Lugano bei Luigi Vassalli, für weitere Studien begab er sich an die Accademia di Belle Arti in Rom, wo er mit den Futuristen Umberto Boccioni, Giacomo Balla, Gino Severini und Mario Sironi Bekanntschaft schloss. Letzterer wurde zusammen mit dem Schweizer Ferdinand Hodler zu seinem prägendsten Vorbild. Er unternahm mehrere Reisen, unter anderem nach Mailand und Paris.[1]
Seinen Durchbruch hatte Foglia 1913 mit der Plastik Der Stumme, die er zunächst in Lugano und 1914 an der Nationalen Kunstausstellung in Bern zeigte. Ebenfalls 1913 debütierte er im Corriere del Ticino als Kunstjournalist.[1] Im Mai 1914 gehörte er – zusammen mit Giuseppe Chiattone, Pietro Chiesa, Giovanni Giacometti und anderen Künstlern der italienischen Schweiz – zu den Unterzeichnern einer Erklärung zur Ehrenrettung seines engen Freundes Edoardo Berta.[2] Zwischen 1919 und 1925 schrieb er unter dem Pseudonym Sagittario («Schütze») polemische Artikel für die Libera Stampa.[1]

1920 und 1926 stellte er an der Biennale di Venezia aus.[1] 1921 gewann er mit seinem Entwurf Seme («Same») den Wettbewerb für das Rinaldo-Simen-Denkmal in Bellinzona, das am 6. Mai 1923 eingeweiht wurde. Mit einer monumentalen Exedra erweiterte Foglia damit das Personendenkmal architektonisch in die Horizontale.[3] Höchst innovativ war auch sein Beitrag zur Grabkunst. Während hier in der Zwischenkriegszeit pathetisch-kitschige Frauenfiguren mit erotischer Konnotation dominierten, bringt Foglias junge Frau in seinem Werk Silenzio (Stille) die Trauer durch «eine Pose stiller Gelassenheit und innerer Sammlung» zum Ausdruck.[4]
In den 1930er Jahren widmete sich Foglia hauptsächlich der Malerei. 1932 erhielt er seine erste persönliche Ausstellung im Castello Visconteo in Locarno.[1] 1938 sass er in der Jury für die Auswahl von Bildhauerarbeiten für die Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich. Anstelle eines Honorars erhielt er einen direkten Auftrag.[5] Seine beiden Monumentalplastiken Der Bocciaspieler und Der Weinleser zierten die drei grossen Bocciaspielplätze in der Tessiner Sektion der Ausstellung, dem «Grottino Ticinese».[6]
1939 heiratete er Germana Natale-Barzaghi. Der Ehe entsprang eine Tochter. In den 1940er Jahren nahm seine Popularität ab, gleichwohl war er immer noch regelmässig an Ausstellungen vertreten. Foglia starb 1950 im Alter von 62 Jahren.[1] Sein Nachlass wird im Museo Villa dei Cedri in Bellinzona aufbewahrt.
Werke
Bildhauerei
- 1905–1910: Atleta (Athlet), Bronzestatue, MASILugano
- 1913: Il muto (Der Stumme), Bronzebrustbild, MASILugano
- 1922: Fecondatrice (Befruchterin), Villa dei Cedri, Bellinzona
- 1923: Rinaldo-Simen-Denkmal, Bellinzona
- 1923/24: Silenzio (Stille)
- Gipsmodell des Kopfes, Museo Villa dei Cedri, Bellinzona
- Bronze mit grüner Patina, Grab der Familie Salvioni, Gemeindefriedhof, Bellinzona
- Bronze mit schwarzer Patina, Grab der Familie Carmine, Monumentalfriedhof, Mailand
- 1924/25: Grabmal der Familie Ender, Bronzefigur auf Granitsockel, Friedhof Castagnola[7]
- 1926: Bildnis von Paul Burkhard, 1926, Bronzebüste, MASILugano
- vor 1938: Frauenfigur für die Grabnische Vedani, Monumentalfriedhof, Lugano (Sud 14)[8]
- Reproduktion für das Grab Bortoluzzi-Medolago, Monumentalfriedhof, Lugano, um 1939 (20-62)[8]
- 1939: Il giocatore di bocce (Der Bocciaspieler) und Il Vendemmiatore (Der Weinleser), Plastiken, in der Landesausstellung in Zürich gezeigt
- 1948: Risveglio (Erwachen), Grabmal der Familie Vicari, Friedhof Castagnola[7]
- Grab der Familie Vedani (vor 1938), Friedhof Lugano
Malerei
- 1915–1920: Pensierosa (Die Nachdenkliche), Öl auf Karton, 49 × 69 cm, MASILugano
- 1920–1922: Sera (Abend), Öl auf Leinwand, 30 × 20,5 cm, Villa dei Cedri, Bellinzona
- 1930–1934: Vecchio patrizio luganese (Alter Luganer Patrizier), Villa dei Cedri, Bellinzona
- 1930–1940: Testa d'uomo (Kopf eines Mannes), Villa dei Cedri, Bellinzona
- 1930–1940: Bildnis von Pino Bernasconi, Öl auf Leinwand, 50,2 × 50,4 cm, MASILugano
- 1932–1939: Selbstbildnis, Öl auf Holz, 48,5 × 45,3 cm, MASILugano
- 1935: Il fattorino – Mustafà (Der Laufbursche – Mustafà), Öl auf Leinwand, 127 × 116 cm, MASILugano
- 1935–1940: Primo, Villa dei Cedri, Bellinzona
- 1939–1940: Studie (Studio), Villa dei Cedri, Bellinzona
- Abend (1920–22)
Ausstellungen
- Civica galleria d'arte Villa dei Cedri, Bellinzona, 1993
- Pinacoteca comunale Casa Rusca, Locarno, 2000
Literatur
- Matteo Bianchi, Maria Will (Hrsg.): Giuseppe Foglia, 1888–1950. Sculture, dipinti e disegni. Civica galleria d'arte Villa dei Cedri, Bellinzona 1993 (Ausstellungskatalog).
- Simona Martinoli (Hrsg.): Giuseppe Foglia. Banca dello Stato del Cantone Ticino, Bellinzona 1999.
- Luigi Cavadini (Hrsg.): Giuseppe Foglia, 1888–1950. Città di Locarno, Locarno 2000 (Ausstellungskatalog).
- Simona Martinoli, Cristina Palma, Lucia Pedrini-Stanga, Diana Rizzi: Il cimitero di Bellinzona (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 857). GSK, Bern 2009.
- Simona Martinoli: Giuseppe Foglia. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. Juni 2005.
Weblinks
- Matteo Bianchi, Simona Martinoli: Giuseppe Foglia. In: Sikart (Stand: 2017)
- Giuseppe Foglia auf Museo Villa dei Cedri