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Gmünd (Niederösterreich)

Bezirkshauptstadt in Niederösterreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Gmünd ist eine Stadt im nordwestlichen Waldviertel in Niederösterreich mit 5139 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2026). Sie ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirkes Gmünd. Mit rund 204 Einwohnern je Quadratkilometer (Stand 1. Jänner 2026) weist Gmünd eine für das Waldviertel vergleichsweise hohe Bevölkerungsdichte auf.[1] In Gmünd, České Velenice und den angrenzenden österreichischen Katastralgemeinden lebten Anfang 2025 über 13.000 Menschen.[2]

Schnelle Fakten Stadtgemeinde, Wappen ...
Stadtgemeinde
Gmünd
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Gmünd
Gmünd (Niederösterreich) (Österreich)
Gmünd (Niederösterreich) (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Niederösterreich Niederösterreich
Politischer Bezirk: Gmünd
Kfz-Kennzeichen: GD
Fläche: 25,11 km²
Koordinaten: 48° 46′ N, 14° 59′ O
Höhe: 485 m ü. A.
Einwohner: 5.139 (1. Jän. 2026)
Bevölkerungsdichte: 205 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3950
Vorwahl: 02852
Gemeindekennziffer: 3 09 08
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Schremser Straße 6
3950 Gmünd
Website: www.gmuend.at
Politik
Bürgermeisterin: Helga Rosenmayer (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2025)
(29 Mitglieder)
15
9
4
1
15 9 4 1 
Insgesamt 29 Sitze
Lage von Gmünd im Bezirk Gmünd
Lage der Gemeinde Gmünd (Niederösterreich) im Bezirk Gmünd (anklickbare Karte)Amaliendorf-AalfangBad GroßpertholzBrand-NagelbergEggernEisgarnGmündGroßdietmannsGroßschönauHaugschlagHeidenreichsteinHirschbachHoheneichKirchberg am WaldeLitschauMoorbad HarbachReingersSchremsSt. MartinUnserfrau-AltweitraWaldensteinWeitraNiederösterreich
Lage der Gemeinde Gmünd (Niederösterreich) im Bezirk Gmünd (anklickbare Karte)
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Stadtplatz Gmünd
Stadtplatz Gmünd
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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Geografie

Gmünd, das wirtschaftliche, kulturelle und touristische Zentrum des oberen Waldviertels, ist zugleich ein wichtiger Bahn- und Straßenübergang an der Grenze zu Tschechien. Auf dem Gebiet der Stadtgemeinde befindet sich der größte Teil des Naturparks Blockheide-Eibenstein.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasst fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2026[3]):

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Böhmzeil, Breitensee, Eibenstein, Gmünd und Grillenstein.

Südlich befindet sich der Asangwald.

Gmünd ist eine Mitgliedsgemeinde der Kleinregion Waldviertler StadtLand.

Nachbargemeinden

Rapšach (CZ), Nová Ves nad Lužnicí (CZ) Brand-Nagelberg Schrems
České Velenice (CZ) Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Hoheneich
Großdietmanns Waldenstein

Klima

Auch das raue Hochlandklima des Waldviertels verändert sich im Rahmen des Klimawandels, wie es die Diagramme bei KLAR verdeutlichen.[4]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Gmünd
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) −2,4 −1,6 2,3 6,2 11,8 14,9 16,6 15,9 11,8 6,7 1,8 −1,0 ⌀ 7
Mittl. Tagesmax. (°C) 1,4 2,9 7,6 12,3 18,0 20,8 22,8 22,8 18,2 12,4 5,6 2,4 ⌀ 12,3
Mittl. Tagesmin. (°C) −5,6 −5,0 −1,7 1,0 5,3 8,7 10,5 9,9 7,1 2,7 −1,2 −3,9 ⌀ 2,4
Niederschlag (mm) 31,0 30,6 45,8 54,4 74,3 87,3 103,6 76,5 52,8 37,5 43,0 41,8 Σ 678,6
Sonnenstunden (h/d) 1,2 2,4 3,3 5,0 6,1 5,8 6,7 6,8 4,7 3,3 1,0 0,3 ⌀ 3,9
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,4
−5,6
2,9
−5,0
7,6
−1,7
12,3
1,0
18,0
5,3
20,8
8,7
22,8
10,5
22,8
9,9
18,2
7,1
12,4
2,7
5,6
−1,2
2,4
−3,9
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
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s
c
h
l
a
g
31,0
30,6
45,8
54,4
74,3
87,3
103,6
76,5
52,8
37,5
43,0
41,8
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Wettermessstation Weitra bei Gmünd (580 m, 1971–2000)

Geschichte

Kupferstich von Gmünd 1672 (Georg Matthäus Vischer)

Der Name Gmünd leitet sich vom mittelhochdeutschen gemunde („Mündung“) ab und bezieht sich auf den Zusammenfluss von Lainsitz und Braunaubach. Dieser wurde 1179 in einer Grenzurkunde zwischen Österreich und Böhmen als concursus duorum rivulorum („Zusammenfluss zweier Flüsse“) bezeichnet. An dieser verkehrsgeografisch und strategisch günstigen Stelle ließ Hadmar II. von Kuenring im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert eine planmäßig angelegte Burgstadt errichten.

Die mittelalterliche Stadt entstand auf einer von Lainsitz und Braunaubach geschützten Terrasse. Ihr Grundriss wurde durch den langgestreckten Stadtplatz geprägt; die Stadtburg im Südwesten und die Pfarrkirche im Nordosten bildeten die beiden befestigten Eckpunkte der ummauerten Siedlung. 1278 ist Gmünd als Markt (forum Gemund) belegt, 1311 erstmals als Stadt (civitas).

Aus der mittelalterlichen Stadtburg entwickelte sich das heutige Schloss Gmünd. Die Anlage besitzt einen romanischen Kern, wurde im 15. und 16. Jahrhundert wesentlich umgebaut und im 17. Jahrhundert zu einer geschlossenen Vierflügelanlage erweitert. Das Schloss ist von einem englischen Landschaftspark umgeben.[5]

Der Stadtbrand in Gmünd im Jahre 1763, Votivbild im Stadtmuseum Gmünd

In den folgenden Jahrhunderten war die Entwicklung Gmünds von wechselnden Herrschaftsverhältnissen, kriegerischen Ereignissen und mehreren Stadtbränden geprägt; besonders schwere Schäden verursachten die Hussiteneinfälle von 1426 und ein Brand im Jahr 1473. Landwirtschaft, Handwerk, Mühlen und der regionale Handel bildeten lange die wirtschaftliche Grundlage, wobei die Verleihung eines Wochenmarktes und zweier Jahrmärkte im Jahr 1535 die Bedeutung Gmünds als Marktort stärkte. 1810 löste sich die Stadt aus dem Untertänigkeitsverhältnis zur Grundherrschaft, bevor die Eröffnung der Franz-Josefs-Bahn 1869 einen grundlegenden wirtschaftlichen und städtebaulichen Wandel einleitete.

Aufstieg

Eine wichtige Wende in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt war die Eröffnung der Franz-Josefs-Bahn. 1869 wurde die Strecke von Wien über Gmünd nach Budweis eröffnet, 1871 war auch die durchgehende Verbindung nach Prag hergestellt.

Der rund zweieinhalb Kilometer nordwestlich der Altstadt gelegene Bahnhof entwickelte sich zu einem bedeutenden Bahnknotenpunkt. Er befand sich ebenso wie die 1872 errichtete und später zur Zentralwerkstätte ausgebaute Eisenbahnwerkstätte auf dem Gebiet der damals selbstständigen Gemeinden Böhmzeil und Wielands beziehungsweise Unter-Wielands. Um 1900 beschäftigte die Werkstätte rund 800 Arbeiter. In dieser Zeit wurde das Stadtgebiet mehrfach erweitert, wobei sich ein Teil der Aktivitäten auf das neue Areal um den Bahnhof konzentrierte. In Gmünd selbst wurde für die neu hinzugezogenen Eisenbahner die Mexikosiedlung errichtet, die nach dem 1867 hingerichteten Maximilian von Mexiko benannt wurde.[6]

Der Bahnhof Gmünd um 1909

Bei Gmünd verzweigte sich die Strecke in einen Ast über Tábor nach Prag und einen weiteren über Budweis nach Pilsen und Eger. Ab 1900 erschlossen die Waldviertler Schmalspurbahnen das Gmünder Umland. In diesem Jahr wurden die Strecken nach Litschau und Heidenreichstein eröffnet; die Verbindung über Weitra nach Groß Gerungs folgte bis 1903.

Durch Gmünd verläuft der 15. Längengrad östlich von Greenwich, dessen mittlere Ortszeit der Mitteleuropäischen Zeit entspricht.[7] Vor deren Einführung mussten Bahnreisende etwa zwischen Wien und Prag unterschiedliche Ortszeiten berücksichtigen. Mit der Einführung der auf dem 15. Längengrad beruhenden Normalzeit bei den österreichischen Staatsbahnen am 1. Oktober 1891 wurde eine einheitliche Zeit geschaffen. In Gmünd entsprach die Ortszeit bereits der neuen Normalzeit. Der 15. Meridian wurde in der Öffentlichkeit auch als „Zeitmeridian von Gmünd“ bezeichnet.[8]

Zwischen 1907 und 1909 entstand ein neues repräsentatives historistisches Bahnhofsgebäude, welches allerdings am 23. März 1945 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt wurde.[9]

Seit 1899 war Gmünd Sitz des neu geschaffenen politischen Bezirks, 1909 wurde die Stadt auch Sitz des Gerichtsbezirks Gmünd.

Von 1907 bis 1916 verkehrte in Gmünd außerdem die Oberleitungs-Automobillinie Gmünd, der erste Oberleitungsbus Österreichs. Sie hatte insbesondere den Zweck, den Bahnhof mit dem zwei Kilometer entfernten Stadtzentrum zu verbinden. Am 1. Oktober 1908 wurde die Haltestelle Gmünd-Stadt eröffnet, die nach der Abtretung des bisherigen Bahnhofsgebietes an die Tschechoslowakei zum neuen österreichischen Bahnhof ausgebaut wurde.

Haupteingangstor des Gmünder Flüchtlingslagers

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde südlich der Stadt das Flüchtlingslager Gmünd für Flüchtlinge aus Bukowina und Galizien errichtet.[10] Mit dem Kriegseintritt Italiens wurden auch 15.000 Menschen aus Istrien evakuiert und im Gmünder Flüchtlingslager untergebracht.[11] Das für 30.000 Personen ausgelegte Lager bildete ein weitgehend eigenständig verwaltetes Gemeinwesen mit eigener Wasser- und Stromversorgung sowie Bahnanschluss. Zur umfangreichen Infrastruktur gehörten unter anderem Großküchen und Einrichtungen zur Lebensmittelversorgung, ein Lagerspital, eine Schule, eine griechisch-katholische Kirche, Waisenhäuser, Werkstätten, Feuerwehr, Post- und Telegraphenamt sowie ein Theater. Zwischen 1914 und 1918 waren insgesamt rund 200.000 Menschen im Lager untergebracht.

Rund 30.000 Flüchtlinge starben zwischen 1914 und 1918 infolge von Infektionskrankheiten (z. B. Masern, Fleckfieber oder Typhus), Mangelernährung und schlechten hygienischen Bedingungen und wurden auf dem Lagerfriedhof bestattet.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges verlor das Lager seine ursprüngliche Funktion. Nach Kriegsende kehrten die meisten Flüchtlinge in ihre Herkunftsgebiete zurück. Teile der Lagergebäude wurden verkauft oder umgenutzt, während sich auf dem Gelände der neue Stadtteil Gmünd-Neustadt entwickelte. Die rasterförmige Anlage des rund 55 Hektar großen ehemaligen Lagers ist noch heute in den Straßenzügen des Stadtteils erkennbar. In der ehemaligen Auskunftsstelle des Haupteingangstores des Flüchtlingslagers wurde 2019 das „Haus der Gmünder Zeitgeschichte“ eröffnet.[12][13]

Grenzziehung

Infolge des Vertrags von Saint-Germain (1919) musste Österreich nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie einen Teil seines Territoriums an die Tschechoslowakei abtreten, darunter auch die für Gmünd wichtigen Vororte Unterwielands und große Teile der Böhmzeil, in denen sich der Bahnhof Gmünds sowie die Eisenbahnwerkstätten befanden. Die Zugehörigkeit des Bahnhofs war während der Friedensverhandlungen umstritten. Während Österreich für dessen Verbleib eintrat, maß die tschechoslowakische Seite dem Eisenbahnknoten aufgrund seiner Bedeutung für die Verkehrsverbindungen nach Südböhmen besondere Bedeutung bei. Die Alliierten entschieden schließlich, die Stadt Gmünd bei Österreich zu belassen, den Bahnhof und die zugehörigen Betriebsanlagen jedoch der Tschechoslowakei zuzuteilen.[14] Aus den beiden Vororten, in denen sich Bahnhof und Eisenbahnwerkstätte befanden, entstand 1922 die tschechoslowakische Gemeinde České Velenice.[15] Der Name bedeutet „Tschechisch Wielands“ und setzte sich aus Česká Cejle („Böhmzeil“) und Dolní Velenice („Unterwielands“) zusammen. Die Staatsgrenze zwischen den beiden Städten bildet großteils die Lainsitz.

Durch den Verlust des Bahnhofes der Franz-Josefs-Bahn und der Bahnwerkstätten wurde bis 1922 die in Österreich verbliebene Haltestelle Gmünd Stadt zu einem Bahnhof ausgebaut. Der zunächst provisorische Bahnhof übernahm den österreichischen Personenverkehr und wurde zugleich neuer Ausgangspunkt der Waldviertler Schmalspurbahnen. Deren nördlicher Streckenast verlief in den Folgejahren noch über tschechoslowakisches Staatsgebiet; im Jahr 1950 wurde die Strecke vollständig auf österreichisches Gebiet verlegt.

Nach der Grenzziehung wanderten zahlreiche österreichische Eisenbahnbedienstete nach Linz, St. Pölten und Wien ab, während sich Gmünd verstärkt zu einer Industriestadt und České Velenice durch die Beschäftigung tschechischer Zuwanderer in den Bahnwerkstätten zu einer Eisenbahnerstadt entwickelte. Durch den Zuzug aus den abgetretenen Gebieten stieg die Einwohnerzahl Gmünds 1923 auf über 5.000 und 1934 auf über 6.000, was zu Wohnungsmangel, Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen führte.[16]

Auf dem Gelände des ehemaligen Flüchtlingslagers entstanden Wohnungen und Betriebe, darunter die Spulenfabrik „Bobbin“ oder die spätere Baufirma Leyrer + Graf. In zwei früheren Waisenhäusern des Flüchtlingslagers wurde das 1925 eröffnete erste Krankenhaus des Bezirks eingerichtet.[17]

Die neue Staatsgrenze blieb im Alltag durchlässig, zudem bestanden gemeinsame Versorgungsstrukturen fort, da České Velenice weiterhin Wasser und Strom von der österreichischen Seite bezog.[18]

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg 1938–1945

Durch die im Rahmen des Münchner Abkommens erfolgte Besetzung der tschechoslowakischen Grenzgebiete wurde České Velenice im Oktober 1938 dem deutschen Verwaltungsgebiet zugeschlagen und der Verwaltung der Stadt Gmünd unterstellt. Einer damaligen Volkszählung zufolge waren mehr als 400 Menschen in das Gebiet des früheren Gmünd-Bahnhofs zurückgekehrt. Ab 1938 bestand in Gmünd ein Lager des Reichsarbeitsdienstes.

Am 1. April 1942 verfügte der Reichsstatthalter des Reichsgaus Niederdonau Hugo Jury die Eingemeindung von Gmünd-Bahnhof.

Gedenkstein für die 485 Opfer des Gmünder Judenlagers

Am 22. Dezember 1944 traf in Gmünd ein Transport mit etwa 1.700 aus Budapest deportierten Jüdinnen und Juden ein, die in einem Getreidespeicher interniert wurden. Bis zum 16. Februar 1945 starben dort 485 Menschen, die im heutigen České Velenice bestattet wurden. Der Gmünder Amtsarzt Arthur Lanc und seine Frau Maria unterstützten die Gefangenen und bewahrten drei von ihnen vor der weiteren Deportation. Beim ehemaligen Getreidespeicher wurde 1970 ein Gedenkstein errichtet, seit 2019 erinnert dort außerdem die Dr.-Arthur-Lanc-Straße an den später als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichneten Arzt.[19]

Am 23. März 1945 wurden der Bahnhof und die Eisenbahnwerkstätten bei einem amerikanischen Luftangriff schwer zerstört.[20]

Nach der Kapitulation des NS-Regimes im Mai 1945 wurde dieses Gebiet mit der Wiederherstellung der Staatsgrenzen von 1920 wieder tschechoslowakisches Territorium. Damit verlor die Gemeinde ihren gesamten in České Velenice gelegenen Besitz, vor allem die Grundstücke und die Anlagen des Wasserwerkes. Die Lainsitz und der Fischbach waren wieder die Grenze zwischen Tschechien und Österreich.

Die jüdische Gemeinde von Gmünd

Eine jüdische Gemeinschaft entwickelte sich in Gmünd und den benachbarten Orten Böhmzeil und Unterwielands vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Eröffnung der Franz-Josefs-Bahn.[21] Zu den prägenden Familien gehörten Schwarz, Gold, Pollak, Reich und Münz. 1910 wurde ein israelitischer Bethausverein für Gmünd und Umgebung gegründet. Im Jahr 1930 bildete Gmünd die drittgrößte jüdische Gemeinschaft im Waldviertel.

Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 wurden die jüdischen Einwohner entrechtet, enteignet und aus Gmünd vertrieben. Ihre Geschäfte wurden boykottiert, beschlagnahmt oder arisiert. Einige Betroffene konnten ins Ausland fliehen, andere wurden nach Wien zwangsübersiedelt und später in Ghettos oder Konzentrationslagern ermordet. Für die Stadt Gmünd sind insgesamt 17 Opfer des Holocaust dokumentiert.

Gmünd nach 1945

Am 9. Mai 1945 besetzten sowjetische Truppen die Stadt. Die sowjetische Kommandantur im Gebäude der Bezirkshauptmannschaft bestand bis zum Ende der Besatzungszeit 1955. Nach Kriegsende nahm Gmünd zahlreiche deutschsprachige Vertriebene auf. Nach der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei 1948 wurde die Grenze zunehmend abgeriegelt.

Während der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 wurden auch in der Nähe von Gmünd sowjetische Panzer beobachtet; zugleich gelangten Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei über die Grenzregion nach Österreich. Zu einem schweren Grenzzwischenfall kam es 1984, als der Flüchtende František Faktor bei Gmünd von tschechoslowakischen Grenzsoldaten auf österreichischem Staatsgebiet erschossen wurde.[22]

In der Nachkriegszeit entstanden zahlreiche neue Wohngebiete, die Stadt Gmünd errichtete nach 1945 über 450 Gemeindewohnungen. Im Jahr 1972 wurde die Gemeinde Eibenstein mit den Ortschaften Eibenstein, Grillenstein und Breitensee im Zuge der NÖ. Kommunalstrukturverbesserung eingemeindet. Mit der Gründung des Naturparks Blockheide im Jahr 1964 gewann auch der Tourismus an Bedeutung.

Am 4. Dezember 1989 wurde die Grenze bei Gmünd geöffnet.[23] Bereits in den ersten Monaten nach der Öffnung fanden zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen mit České Velenice statt. Seit dem Schuljahr 1991/92 können tschechische Schüler das Gmünder Schulzentrum besuchen. Im Jahr 1994 wurde ein zusätzlicher Fußgängergrenzübergang eröffnet, der heute eine direkte Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen den beiden Städten bildet.

Warnschild an der österreich-tschechischen Grenze in Gmünd

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Zusammenarbeit weiter ausgebaut.[24] Dazu zählen der grenzüberschreitende Access Industrial Park, das seit 2004 veranstaltete Kulturfestival Übergänge/Přechody und ein 2013 geschlossenes Abkommen zur gegenseitigen Trinkwassernotversorgung. Mit dem EU-Beitritt Tschechiens 2004 und dem Beitritt zum Schengen-Raum 2007 entfielen die stationären Grenzkontrollen.

Der grenzüberschreitende ACCESS Industrial Park Gmünd–České Velenice wurde Anfang der 1990er Jahre als erster grenzüberschreitender Wirtschaftspark Europas gegründet.[25] Der rund 83 Hektar große Wirtschaftspark umfasste 2025 auf österreichischer und tschechischer Seite insgesamt 58 Betriebe mit rund 1.700 Beschäftigten.[26]

Die Geschichte der Stadt Gmünd wurde in der historischen Dokumentation Gmünd – Die bewegende Geschichte einer Stadt[27] und einer Folge von Universum History (Niederösterreich – Leben am Eisernen Vorhang)[28] festgehalten. Seit 2019 wird im „Haus der Gmünder Zeitgeschichte“ die jüngere Geschichte der Bezirkshauptstadt dargestellt.

Im November 2024 wurde bekanntgegeben, dass die Niederösterreichische Landesausstellung 2028 rund um die Wasserwelt des Waldviertels in Gmünd stattfinden soll. Die Ausstellung soll im Palmenhaus Gmünd eingerichtet werden, das einen Zubau erhalten soll.[29]

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Gmünd bildet heute gemeinsam mit České Velenice ein grenzüberschreitendes Doppelzentrum mit insgesamt rund 9.000 Einwohnern. Im österreichisch-tschechischen Raum Waldviertel/Südböhmen übernehmen beide Städte zentrale Versorgungsfunktionen. Nach einer 2026 veröffentlichten Fallstudie des europäischen Raumbeobachtungsprogramms ESPON bestehen grenzüberschreitende Verflechtungen insbesondere in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Bildung, Verkehr, Wirtschaft, Kultur und Tourismus. Die in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Freizeit grenzüberschreitend erbrachten öffentlichen Dienstleistungen besitzen demnach ein Einzugsgebiet von annähernd 60.000 Einwohnern.[30]

Bevölkerungsentwicklung

Gmünd: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2026
Jahr  Einwohner
1869
  
2.855
1880
  
3.392
1890
  
3.368
1900
  
3.381
1910
  
4.469
1923
  
5.276
1934
  
6.074
1939
  
5.727
1951
  
7.388
1961
  
7.377
1971
  
7.243
1981
  
6.417
1991
  
6.028
2001
  
5.861
2011
  
5.371
2021
  
5.225
2026
  
5.139
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Der Stadtplatz von Gmünd

Altstadt

Die Stadt Gmünd hat einige historische und architektonische Sehenswürdigkeiten aufzuweisen. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Gmünder Altstadt.

  • Altes Rathaus, die ehemalige Schranne aus dem 16. Jahrhundert, früherer Sitz der städtischen Verwaltung und Gerichtsbarkeit; beherbergt heute das Stadtmuseum, eine Tabak-Trafik und ein Eiscafé
  • Stadtbefestigung Gmünd, historische Befestigungsanlage der Stadt
  • Schloss Gmünd, aus einer mittelalterlichen Stadtburg hervorgegangene Schlossanlage mit romanischem Kern und gotischem Torturm
  • Sgraffitohäuser am Stadtplatz, Bürgerhäuser des späten 16. beziehungsweise frühen 17. Jahrhunderts mit Darstellungen aus der antiken Mythologie und der Bibel
  • Alte Schmiede, 1569 erstmals erwähntes und vollständig erhaltenes Handwerksgebäude mit zwei historischen Blasebälgen und einem Eisenringstein, heute als Schauschmiede genutzt
  • Palmenhaus Gmünd, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Erzherzog Sigismund von Österreich (1826–1891) errichtetes frühhistoristisches Gewächshaus; wurde in den 1980er-Jahren saniert und wird als Veranstaltungsort genutzt
  • Schlosspark Gmünd, als englischer Landschaftsgarten angelegter Park mit teilweise erhaltenem historischem Baumbestand
Schloss Gmünd

Sakralbauten und Friedhof

Die Stadt Gmünd ist reich an religiösen Denkmälern. Da die Stadt Sitz dreier Pfarren ist, sind auch ebenso viele Pfarrkirchen vorhanden.

  • Katholische Pfarrkirche St. Stephan, im Kern um 1200 entstandene Kirche mit romanischen, gotischen und neugotischen Bauteilen; 1981/82 nach Plänen von Clemens Holzmeister erweitert
  • Evangelische Friedenskirche, 1910/11 errichtete Pfarrkirche
  • Katholische Pfarrkirche Herz Jesu, 1953 fertiggestellte Kirche, die auch als Dom des Waldviertels bezeichnet wird
  • Friedhof Gmünd, Friedhof mit dem Mausoleum Erzherzog Sigismunds

Profanbauten

  • Gebäude des Arbeitsmarktservice Gmünd, Frühwerk des Architekten Ernst Plischke und eines der denkmalgeschützten Gebäude der Altstadt
  • Wohnanlage „Neubau“ in Gmünd-Neustadt, 1926/27 nach Plänen von Gustav Schläfrig und Hans Reiser errichteter Wohnkomplex mit ursprünglich 130 Wohnungen; seine Architektur ist vom kommunalen Wohnbau des „Roten Wien“ beeinflusst
Herz-Jesu-Kirche in Gmünd

Museen

  • Altes Rathaus Gmünd, heute Stadtmuseum, Stadtplatz 26
  • Haus der Gmünder Zeitgeschichte, Weitraer Straße 107
  • Glas- und Steinmuseum, Stadtplatz 34
  • Alte Schmiede, Stadtplatz 11

Denkmäler

  • Flüchtlingsdenkmal: Das von Gregor Kruk entworfene und unter Mitwirkung des Gmünder Künstlers Carl Hermann 1964 ausgeführte Denkmal befindet sich auf dem ehemaligen Friedhof des Flüchtlingslagers Gmünd und zeigt eine Flüchtlingsfamilie. Es erinnert an die rund 30.000 Menschen, die dort während des Ersten Weltkriegs bestattet wurden.
  • Kriegerdenkmal „Die Trauernde“: Die 1966 in Gmünd-Neustadt aufgestellte Plastik des Bildhauers Carl Hermann entstand ursprünglich als Entwurf für ein Denkmal für den 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy und wurde schließlich als Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege ausgeführt.[31]
  • Franz-Kafka-Denkmal: Die Installation „Freiheit – Svoboda“ von Brigitte Temper-Samhaber wurde 2024 anlässlich des 100. Todestages Franz Kafkas beim ehemaligen Fußgängergrenzübergang Bleyleben enthüllt. Sie erinnert auch an die Begegnung Kafkas mit Milena Jesenská in Gmünd.

Themenwege

  • Themenweg „Zeitge(h)schichten zweier Städte“: Der grenzüberschreitende Themenweg durch Gmünd und České Velenice gliedert sich in drei Abschnitte und behandelt die Geschichte der Staatsgrenze, des Flüchtlingslagers Gmünd und des daraus hervorgegangenen Stadtteils Gmünd-Neustadt.
  • Friedensweg „Dr. Arthur und Maria Lanc“: Der 9,5 Kilometer lange grenzüberschreitende Weg verbindet Gmünd und České Velenice. Seine neun Stationen erinnern insbesondere an das Schicksal jüdischer Zwangsarbeiter und der jüdischen Bevölkerung beider Städte sowie an weitere Ereignisse der gemeinsamen Zeitgeschichte.
  • Infopoint „Eiserner Vorhang“: Beim ehemaligen Grenzübergang Bleyleben erinnern auf tschechischer Seite ein rekonstruierter Abschnitt des Eisernen Vorhangs und das historische Gleisdreieck der Waldviertelbahn an die jahrzehntelange Trennung von Gmünd und České Velenice.
  • NatURknallweg, Rundweg ab dem Palmenhaus durch Gmünder Naturräume wie Auwaldzellen und Storchenwiesen; Informationstafeln behandeln Natur, Kosmologie, Paläontologie und Geologie.

Natur und Freizeit

Naturdenkmäler und Landschaft

  • Gmünder Sandeiche, rund 240 Jahre alte Eiche, die um 650 n. Chr. abstarb und 2002 in der Lainsitzniederung bei Breitensee entdeckt wurde
  • Teichlandschaft Gmünd, rund um Gmünd erstreckt sich eine historisch gewachsene Teichlandschaft mit insgesamt 17 Teichen im Stadtgebiet. Die Gmünder Teichwirtschaft ist seit dem 16. Jahrhundert urkundlich belegt und dient bis heute unter anderem der Karpfenzucht
  • Teichkettenweg, zehn naturnahe, teilweise von Schilfgürteln umgebene Teiche sind durch den Teichkettenweg miteinander verbunden
  • Malerwinkel, gebirgsbachartige Flusslandschaft am Braunaubach, die seit 1930 als Naturdenkmal geschützt ist und einen artenreichen Lebensraum bildet
  • Naturpark Blockheide-Eibenstein, 1964 begründeter Naturpark mit charakteristischen Granitformationen, Aussichtsturm mit etwa 30 Metern Höhe
  • Wasserbüffelweide, naturnah bewirtschaftete Fläche im Naturschutzgebiet Lainsitzniederung in unmittelbarer Nähe zum Naturpark Blockheide

Freizeiteinrichtungen

  • Sole-Felsen-Bad, 2006 eröffnete Bade- und Freizeitanlage
  • Bahnhof der Waldviertelbahn, 2014 eröffnetes, 120 Meter langes Betriebsgebäude mit Schmalspurbahnhof, Kundenzentrum, Werkstätte und Remise
  • Gmünder Strandbad, Naturbad in einer ehemaligen Sandgrube
  • Sport- und Freizeitzentrum mit Basketball- und Eislaufplatz, Tischtennistisch sowie Tennisplätzen des 1. SVg Gmünd

Kultur

Gmünd verfügt über ein ganzjähriges Kulturangebot mit Konzerten, Theater, Ausstellungen und Festivals. Die Stadtgemeinde bündelt gemeinsam mit lokalen Vereinen und Veranstaltern einen Teil des Angebots im Kulturprogramm Mit der Kultur verbunden. Eine Besonderheit bildet die grenzüberschreitende Kulturarbeit mit der unmittelbar benachbarten tschechischen Stadt České Velenice.

Kultureinrichtungen

Das historische Palmenhaus, das seit den 1980er-Jahren als Veranstaltungsort dient, wird für die Niederösterreichische Landesausstellung 2028 saniert und erweitert. Gmünd ist deren zentraler Ausstellungsort; ab 2029 soll das Palmenhaus als multifunktionales Veranstaltungszentrum genutzt werden.

Zu den weiteren Kultur- und Veranstaltungsstätten zählen das Kulturhaus, die Eisenberger-Fabrik, der Schlosspark sowie seit 2026 die Freiluftbühne Altstadt.Bühne.Gmünd am Stadtplatz. Die 2007 gegründete Kulturinitiative Subetasch betreibt in der ehemaligen Bobbin-Fabrik einen Kulturort mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst, Performance und experimenteller Musik. Zu Ausstellungsstätten gehört auch das Carl-Hermann-Haus, das an den in Gmünd tätigen Bildhauer Carl Hermann erinnert.

Zum Musikleben tragen unter anderem die Stadtkapelle Gmünd, der Männergesangverein Gmünd und die Kirchenmusik bei. In Gmünd besteht ein Verein zur Förderung der Kirchenmusik; die Pfarrkirchen dienen regelmäßig als Konzertorte. Die Herz-Jesu-Kirche ist unter anderem Spielstätte des Kammermusikfestivals Allegro Vivo. Das 1992 gegründete Filmforum Gmünd widmet sich der Vermittlung von Filmkunst abseits des Mainstreams.

Festivals und regelmäßige Veranstaltungen

  • Übergänge–Přechody, grenzüberschreitende Kulturbiennale in Gmünd und České Velenice mit Musik, Theater, Ausstellungen und Performances. Bei der Ausgabe 2026 wurden rund 7.000 Besucher gezählt.[32]
  • Blockheide leuchtet, seit 2018 im Naturpark Blockheide veranstaltetes Lichtkunstfestival mit Installationen, Projektionen, Musik und Performances; 2019 wurden rund 6.000 Besucher gezählt.[33]
  • Allegro Vivo, internationales Kammermusikfestival im Waldviertel; in Gmünd finden der Festivalauftakt und weitere Konzerte statt.
  • Zu den weiteren wiederkehrenden Veranstaltungen zählen die Gmünder Faschingsrallye, das Sonnwendfeuer im Naturpark Blockheide sowie das Blockheidefest, der Museumsfrühling und der Tag des Denkmals, die Gmünder Schlagernacht, der Gmünder Adventmarkt, der Moonlight Run und der jährlich am 31. Dezember veranstaltete Gmünder Silvesterlauf. Zum Jahreswechsel verkehrt außerdem der Silvesterzug der Waldviertelbahn.

Wirtschaft und Infrastruktur

Biomasse-Fernheizwerk in Gmünd

Gmünd ist ein bedeutendes Wirtschafts- und Arbeitsplatzzentrum des oberen Waldviertels. Zu den größten Unternehmen zählen die österreichweit einzige Kartoffelstärkefabrik von Agrana[34] sowie der Hauptsitz des Baukonzerns Leyrer + Graf. Daneben entwickelte sich mit Unternehmen wie RZA, T-Systems und Internex ein regionaler Schwerpunkt der Informations- und Kommunikationstechnik. Im Jahr 2021 bestanden in Gmünd 633 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten mit insgesamt 5.115 Beschäftigten; 3.966 Personen pendelten zur Arbeit in die Stadt ein. Damit verfügt Gmünd über wesentlich mehr Arbeitsplätze als beschäftigte Einwohner.

Die 1995 gegründete Interessengemeinschaft „Echt Gmünd“ vertritt rund 70 Gewerbetreibende, organisiert gemeinsame Werbeaktionen und Veranstaltungen und gibt den bei teilnehmenden Betrieben einlösbaren Gmünder Einkaufsscheck heraus.[35] Seit 2015 findet in Gmünd ein Wochenmarkt mit regionalen und saisonalen Produkten aus dem oberen Waldviertel statt, der von „Echt Gmünd“ veranstaltet wird.[36]

Tourismus

Seit der Eröffnung des Sole-Felsen-Bades im Jahr 2006 wurde die touristische Infrastruktur Gmünds deutlich ausgebaut, unter anderem durch die Errichtung eines benachbarten Hotels im Jahr 2010. Es bietet rund 1.000 m² Wasserfläche mit Bad Ischler Heilsole. Die Sole Felsen Welt in Gmünd gehört regelmäßig zu den beliebtesten Thermen Österreichs.[37] Im Jahr 2025 wurden in Gmünd 47.474 Gästeankünfte und 94.258 Übernachtungen verzeichnet. Damit wies Gmünd innerhalb der Tourismusdestination Waldviertel die höchste Zahl an Ankünften auf.[38]

Ein bedeutendes Ausflugsziel ist der Naturpark Blockheide. Der seit 1964 bestehende Naturpark ist vor allem für seine Granitformationen und Wackelsteine bekannt und wird jährlich von etwa 120.000 Personen besucht.[39]

Von Gmünd aus verkehrt die Waldviertelbahn auf den Schmalspurstrecken nach Groß Gerungs und Litschau. Die touristisch betriebene Bahn wird mit historischen Diesel- und Dampfzügen befahren und bietet auch Sonderfahrten an.

Der Iron Curtain Trail (EuroVelo 13) verläuft entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs durch Gmünd. Der Abschnitt von Gmünd nach Bratislava wurde 2021 als „Fahrradroute des Jahres“ ausgezeichnet.[40]

Die regionale Gastronomie ist ein Bestandteil des touristischen Angebots; die Stadtgemeinde führt über 30 Gastronomiebetriebe.[41] Eine lokale Besonderheit ist die Verbindung der Waldviertler Küche mit der traditionellen Gmünder Teichwirtschaft und Karpfenzucht. Zu den regionaltypischen Produkten und Speisen zählen außerdem Erdäpfel, Mohn und Wild sowie die für das Waldviertel typischen Mohnzelten.


 Entwicklung der Nächtigungen 
020.00040.00060.00080.000100.00019601970198019902000201020202030Nächtigungen

Verkehr

Gmünd liegt an der Franz-Josefs-Bahn und ist mit dem Bahnhof Gmünd NÖ an Wien angebunden. Zudem ist die Stadt Ausgangspunkt der touristisch betriebenen Waldviertler Schmalspurbahnen nach Groß Gerungs und Litschau sowie über Alt-Nagelberg nach Heidenreichstein. Im Stadtgebiet liegt außerdem die Haltestelle Gmünd Böhmzeil. Der ursprüngliche Gmünder Hauptbahnhof befindet sich infolge der Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg im heutigen České Velenice in Tschechien. Dort bestehen die Bahnverbindungen České Velenice–České Budějovice und die Bahnstrecke České Velenice–Praha.

Die wichtigste Straßenverbindung ist die Gmünder Straße B41, die von Schrems über Gmünd und Weitra nach Karlstift führt. Gmünd ist regionaler Knotenpunkt mehrerer Buslinien, unter anderem mit Verbindungen nach Zwettl, Krems, St. Pölten, Freistadt und Linz. Es gibt mehrere Grenzübergänge. Nahe Neu-Nagelberg, aber noch auf dem Stadtgebiet von Gmünd besteht ein Grenzübergang der Europastraße 49 ins tschechische Halámky.

Durch Gmünd führen der Eisenwurzenweg, der Ostösterreichische Grenzlandweg sowie der entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs verlaufende Iron Curtain Trail EuroVelo 13.

Bildung

Neben einer Volksschule bestehen in Gmünd zwei Mittelschulen, darunter eine Musikmittelschule, eine Kleingruppenschule als Allgemeine Sonderschule und eine Polytechnische Schule. Das weiterführende Bildungsangebot umfasst das Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium sowie das Schulzentrum mit Handelsakademie, Handelsschule, Fachschule für wirtschaftliche Berufe, Aufbaulehrgang für wirtschaftliche Berufe und Schule für Sozialbetreuungsberufe.

Darüber hinaus befindet sich in Gmünd der Sitz des Gemeindeverbands der Musikschule Oberes Waldviertel. Angebote der Erwachsenenbildung bestehen unter anderem durch WIFI und BFI sowie die Volkshochschule Gmünd.

Politik

Das Stadtamt Gmünd.

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 29 Mitglieder.

Bürgermeister

  • 1894–1901: Alexander Eggerth
  • 1901–1905: Alois Nigisch
  • 1905–1908: Emerich Berger
  • 1908–1911: Johann Hinek
  • 1911–1919: Alois Ullrich
  • 1919–1920: Anton Libowitzky
  • 1920: Lambert Pöschl
  • 1920–1922: Ladislaus Bakalar
  • 1922–1924: Hans Michale
  • 1924: Rudolf Nowotny
  • 1924: Hans Hyllan
  • 1924–1933: Ignaz Pilz
  • 1933: Karl Pany
  • 1933–1934: Hans Reither
  • 1934–1938: Karl Henebichler
  • 1938–1939: Karl Pany
  • 1939–1940: Nikolaus Riedl
  • 1940–1944: Hans Retinger
  • 1944–1945: Josef Zabka
  • 1945–1946: Franz Fuchs (KPÖ)
  • 1946–1955: Otto Wilhartitz (SPÖ)
  • 1955–1958: Alois Schwarzmüller (SPÖ)
  • 1958–1975: Franz Chaloupek (SPÖ)
  • 1975–1987: Johann Schaffer (SPÖ)
  • 1988–1995: Alfred Drach (SPÖ)
  • 1995–2012: Otto Opelka (SPÖ)
  • 2012–2015: Andreas Beer (SPÖ)
  • seit 2015: Helga Rosenmayer (ÖVP)

Wappen

Das Gmünder Stadtwappen geht in seinen Grundzügen auf das Wappen der steirischen Linie der Liechtensteiner zurück, die lange Zeit Herrschaftsbesitzer in Gmünd waren. Im Jahr 1852 erhielt die Stadt Gmünd das Stadtwappen offiziell verliehen. Die offizielle Beschreibung lautet: Das Wappen der Stadt Gmünd ist ein schwarzer, mit einer schmalen blauen und mit goldenen aneinander gereihten Sternchen belegten Einfassung versehener Schild. Diesen Schild durchziehen zwei goldene rechte Schrägbalken, in welchen in dem oberen eine, in dem unteren zwei Lerchen schräg nach oben fliegen. Den Schild umgibt eine goldene, aus Arabeskenverzierungen gebildete Einfassung.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

(Quelle: [49][50])

Söhne und Töchter der Stadt

Politik und Gesellschaft

Wissenschaft, Technik und Wirtschaft

Kunst, Kultur und Medien

Sport

Personen mit Bezug zur Stadt

Im 19. Jahrhundert geboren

  • Alois Joseph Schrenck von Notzing (* 1802; † 1849), Weihbischof in Olmütz und Erzbischof von Prag, war 1826–1832 Pfarrer und Dechant in Gmünd
  • Eduard Warrens (1820–1872), erstes Redaktionsmitglied der Zeitung „Neue Freie Presse“ und Besitzer von Schloss Gmünd
  • Sigismund von Österreich (1826–1891), Erzherzog von Österreich; lebte zwischen 1859 und 1891 in Gmünd und engagierte sich als Wohltäter für zahlreiche Organisationen zugunsten der Bevölkerung der Region. Er ist im Mausoleum am Gmünder Friedhof begraben
  • Rainer von Österreich (1827–1913), Erzherzog, verbrachte nach dem Tod Erzherzog Sigismunds zusammen mit seiner Frau Maria Karolina von Österreich (1825–1915) viele Sommer auf Schloss Gmünd, das er zuvor von seinem Bruder Sigismund geerbt hatte
  • Johann Brotan (1843–1918), war Maschinenbauingenieur und Vorstand der Eisenbahnwerkstätte in Gmünd, Erfinder des Brotankessels
  • Sofia Okunewska (1865–1926), erste weibliche Medizinerin der Ukraine, wirkte zwischen 1915 und 1918 im Gmünder Flüchtlingslager
  • Franz Kafka (1883–1924), Schriftsteller; traf sich im August 1920 mit Milena Jesenska in Gmünd. Die Vorbereitung auf diese Begegnung sowie seine Wahrnehmungen zur neu gezogenen Grenze sind in den „Briefen an Milena“ dokumentiert. In Gmünd erinnert die Franz-Kafka-Gasse an diese Begebenheit
  • Andreas Zettel (1886–1957), Politiker (SPÖ) und Landtagsabgeordneter; Amtsleiter der Arbeiterkammer Gmünd und Gmünder Gemeinderat
  • Clemens Holzmeister (1886–1983), Architekt, die 1981/82 nach seinen Plänen ausgeführte Chorerweiterung der Pfarrkirche St. Stephan zählt zu seinen letzten Werken
  • Alois Junker (1893–1967), Politiker (SDAP), wurde am Gmünder Friedhof bestattet
  • Hubert Salvator Habsburg-Lothringen (1894–1971), Erzherzog und Besitzer des Schlosses Gmünd
  • Theodor Cerny (1898–1981), Politiker (ÖVP) und Steinmetzmeister in Gmünd

Im 20. Jahrhundert geboren

Partnergemeinden

Literatur

  • Franz Patznick: Die Stadt Gmünd in Nieder-Österreich. Eine Darstellung derselben in topographischer, statistischer und historischer Beziehung. Gmünd 1874.
  • Friedrich Dwirka: Die Stadt Gmünd in Niederösterreich. Ein Beitrag zur geschichtlichen Ortskunde. Krems 1905.
  • Ignaz Pilz: Die Stadt Gmünd in Niederdonau. Gmünd 1938.
  • Karl Dienstl: 750 Jahre Gmünd – Die geschichtliche Entwicklung der Stadt von ihrer Entstehung bis zur Gegenwart. In: Bezirks- und Grenzstadt Gmünd in Vergangenheit und Gegenwart. Festschrift anlässlich der 750-Jahrfeier und Grenzlandschau vom 2. bis 5. August 1962. Gmünd 1962.
  • Ignaz Pilz: Stadtgeschichte von Gmünd. Gmünd 1975.
  • Manfred Dacho: Gmünd anno dazumal. 1980.
  • Walter Pongratz, Paula Tomaschek: Heimatkunde des Bezirkes Gmünd. Gmünd 1986.
  • Manfred Dacho, Franz Drach: Gmünd. Randbedingungen. Aus den Aufzeichnungen einer Grenzstadt. Eine Nachschrift. Weitra–Linz 1988.
  • Karl Dienstl: Gmünd – Politischer Bezirk Gmünd. In: Othmar Pickl (Hrsg.): Österreichisches Städtebuch. Wien 1988.
  • Manfred Dacho: Gmünd in alten Ansichten. Zaltbommel 2000.
  • Maria Theresia Litschauer: 6/44–5/45. Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiterinnen. Wien 2006.
  • Manfred Dacho: Die Stadt Gmünd in der Zweiten Republik. Weitra 2008.
  • Manfred Dacho, Franz Kölner: Gmünd – Zeitvergleich. 1208–2008. 800 Jahre. Weitra 2008.
  • Daniel Lohninger (Hrsg.), Martina Hermann, Viktoria Neunteufel, Harald Winkler: Gmünd. Chronik einer Stadt. Gmünd 2008.
  • Manfred Dacho, Franz Drach, Harald Winkler: Gmünd-Neustadt. Am Anfang war das Lager. Weitra 2014.
  • Martina Viktoria Hermann: Die hölzerne Stadt. Das Barackenlager Gmünd 1914–1918. Dissertation, Universität Graz 2017.
  • Harald Winkler: Die jüdische Gemeinde von Gmünd. In: Friedrich Polleroß (Hrsg.): Jüdische Familien im Waldviertel und ihr Schicksal. Horn–Waidhofen an der Thaya 2018.
  • Thomas Samhaber (Hrsg.): Begegnung an der Grenze. Milena Jesenská und Franz Kafka in Gmünd. Weitra 2020.
  • Peter Erhart: Beiträge zur Musikpflege in Gmünd. Horn 2024.
  • Harald Winkler: Gmünd - Geschichte(n) einer Stadt in Bildern. Gmünd 2025.
Commons: Gmünd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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