Gobicerops
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Gobicerops ist eine ausgestorbene Gattung der Unpaarhufer aus der Familie der Forstercooperiidae. Sie lebte im Unteren Eozän vor rund 54 bis 53 Millionen Jahren. Fossilreste sind bisher lediglich aus der Arshanto-Formation in der Inneren Mongolei bekannt und liegen in Form von Unterkieferfragmenten und Einzelzähnen vor. Sie verweisen auf einen kleinen und sehr urtümlichen Vertreter aus der weiteren Verwandtschaft der Nashörner. Die Gattung wurde im Jahr 2021 wissenschaftlich eingeführt. Es ist eine Art anerkannt.
| Gobicerops | ||||||||||||
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Unterkiefer und Zähne von Gobicerops | ||||||||||||
| Zeitliches Auftreten | ||||||||||||
| Unteres bis Unteres Eozän (Ypresium) | ||||||||||||
| 56 bis 52 Mio. Jahre | ||||||||||||
| Fundorte | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Gobicerops | ||||||||||||
| Bai, Meng, Zhang, Gong & Wang, 2021 | ||||||||||||
Merkmale
Gobicerops ist ein ursprünglicher Vertreter der Forstercooperiidae, allerdings liegen bisher nur einzelne Unterkieferfragmente und isolierte Zähne vor. Im Vergleich zum nahe verwandten, jedoch stammesgeschichtlich jüngeren Pappaceras war er deutlich kleiner. Wie dieser besaß er jedoch den typischen Aufbau der Mahlzähne der Paraceratherien. Die gegenüber Pappaceras niedrigeren Zahnkronen kennzeichnen Gobicerops wiederum als urtümlicher. Der hinterste obere Molar besaß eine grobe dreieckige Gestalt, die aber nicht ganz so eindeutig war wie bei Pappaceras oder bei Forstercooperia. Letzterem fehlte auf dem dritten Oberkiefermahlzahn der Metaconus, der bei ersteren beiden noch vorkam. Die unteren Molaren zeichneten sich durch ein U-förmiges Trigonid aus. Zudem wiesen sie zwei querverlaufende und parallel zueinander stehende Schmelzleisten auf (Protolophid und Hypolophid), die den Zähnen einen lophodonten Charakter verliehen. Die drei unteren Mahlzähne zusammen erstreckten sich über eine Länge von 6,3 cm, wobei die Länge der Einzelzähne von vorn mit 1,8 cm nach hinten mit 2,4 cm zunahm.[1]
Fossilfunde
Die bekannten Fossilreste von Gobicerops bestehen aus mehreren Unterkieferfragmenten, darunter sowohl von ausgewachsenen Individuen als auch von Jungtieren, und isolierten Backenzähnen der oberen und unteren Gebisshälfte. Die Kollektion stammt aus Ostasien und wurde im Erlian-Becken im Autonomen Gebiet Innere Mongolei im Norden von China entdeckt. Das spezifische Fundgebiet liegt bei Nuhetingboerhe südlich der Stadt Erlian. Die Funde kamen aus den basalen Abschnitten der Arshanto-Formation zu Tage, die exakte stratigraphische Position wird mit dem Schichtbereich AS-1 angegeben. Das sich nur wenige Kilometer weiter südlich befindliche Gebiet von Huheboerhe erbrachte zudem Reste des nahe verwandten Pappaceras, allerdings fanden sich diese mit der Position im Schichtbereich AS-5 in höheren Lagen innerhalb der gleichen Gesteinseinheit.[2] Die Arshanto-Formation besteht aus Mudde- und Schluffsteinen, die sich durch ihre eher rötliche Farbgebung von den helleren Gesteinslagen der hangend folgenden und gleichfalls fossilreichen Irdin-Manha-Formation abheben. Allgemein entstand sie im Unteren Eozän. Der größte Teil gehört lokalstratigraphisch dem Arshantum an, einer Stufe der asiatischen Landsäugetier-Biostratigraphie (ALMA = Asian Land Mammal Ages). Allerdings datiert der unterste Abschnitt noch in das vorangehende Bumbanium, was in etwa der ersten Hälfte des Ypresium entspricht. Absolutchronologisch dürften die Reste von Gobicerops damit rund 54 bis 53 Millionen Jahre alt sein.[3][1]
Systematik
Innere Systematik der Forstercooperiidae nach Bai et al. 2020[1]
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Gobicerops ist eine Gattung aus der ausgestorbenen Familie der Forstercooperiidae. Diese gehört wiederum innerhalb der Überfamilie der Rhinocerotoidea zur Nahverwandtschaft der heutigen Nashörner (Rhinocerotidae). Ursprünglich waren die Forstercooperiidae als Unterfamilie den Paraceratheriidae (auch Indricotheriidae genannt) zugeordnet, welche einige extrem große Formen einschließen, darunter mit dem namensgebenden Paraceratherium auch eines der größten bekannten Landsäugetiere der Erdgeschichte überhaupt.[2] Generell wiesen die Vertreter der „Paraceratherien im weiteren Sinne“ abweichend von den Nashörnern keine Hornbildung auf der Nase auf. Des Weiteren können sie anhand des vorderen Gebisses von letzteren unterschieden werden. So besaßen die Paraceratherien kurze, konische Schneidezähne, aus denen sich bei späteren Angehörigen je ein dolchartiges Paar im Ober- und Unterkiefer entwickelte. Die Nashörner hingegen verfügen nur über ein dolchartig geformtes Paar im Unterkiefer, während im Oberkiefer ein meißelartiges Schneidezahnpaar auftritt.[4][5] Die Entdeckung von Gobicerops als sehr urtümliche Form führte jedoch in phylogenetischen Studien zu einem paraphyletischen Ursprung der Paeaceratherien. Dadurch erwiesen sich die jüngeren Vertreter wie Paraceratherium, Urtinotherium oder Juxia als Schwestergruppe der eigentlichen Nashörner, während ältere Angehörige wie Pappaceras und Forstercooperia gemeinsam mit Gobicerops eine basalere Position im Stammbaum einnehmen. Aus diesem Grund wurde die Unterfamilie der Forstercooperiinae von den Paraceratheriidae abgetrennt und als eigenständige Familie anerkannt.[1]
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Gobicerops wurde im Jahr 2020 durch ein Wissenschaftlerteam um Bai Bin veröffentlicht. Sie basiert auf den Funden aus der Arshanto-Formation im Erlian-Becken in der Inneren Mongolei. Als Holotyp wählten die Forscher einen rechten Unterkiefer mit den drei erhaltenen Molaren aus (Exemplarnummer IVPP V 26249). Der ursprünglich vorgeschlagene Gattungsname lautete Gobioceras, was sich von der Wüste Gobi als Fundregion und dem griechischen Wort κέρας (kéras für „Horn“) ableitete. Er war aber bereits seit dem Jahr 1988 für eine Gattung der Ammoniten vergeben worden und somit präokkupiert. Bai und Kollegen änderten den Namen daher Im Folgejahr in Gobicerops ab. Das neu hinzugefügte griechische Wort ὤψ (ōps) steht für „Gesicht“ oder „Antlitz“. Als Nominatform benannten sie die Art G. wangi. Das Artepitheton ehrt den Wissenschaftler Wang Jin-Wen für seine Verdienste um die Erforschung fossiler Unpaarhufer in China.[1][6]
Literatur
- Bin Bai, Jin Meng, Chi Zhang, Yan-Zin Gong und Yuan-Qing Wang: The origin of Rhinocerotoidea and the phylogeny of Ceratomorpha (Mammalia, Perissodactyla). Communications Biology 3, 2020, S. 509, doi:10.1038/s42003-020-01205-8