Grace Chappelow

englisch-britische Suffragette From Wikipedia, the free encyclopedia

Grace Chappelow (* 3. Februar 1884 in Islington, London; † 1971 in Ramsden Heath, Essex) war eine englisch-britische Suffragette.[1]

Grace Chappelow beim Zeitungsverkauf, 1910er Jahre
The Suffragette Handkerchief, März 1912, Chappelows genau in der Mitte in Blau

Leben

Chappelow war die Tochter von John Stephen Chappelow, einem vereidigten Buchprüfer, und Emily Mary Elizabeth Chappelow. Sie wuchs in relativ wohlhabenden Verhältnissen auf. Sie wurde auf die North London Collegiate School geschickt, sang gern[2] und erhielt Gesangsunterricht bei Lucinda Elizabeth Shaw, der Mutter von George Bernard Shaw, einer versierten Musikerin, die im Januar 1886 Gesangslehrerin der Schule geworden war.[3] Während Chappelows Zeit an der North London Collegiate School war Sophie Bryant die Schulleiterin,[4] sodass es möglich ist, dass Chappelow schon früh ein Interesse an der Suffragettenbewegung entwickelte. Sie hatte außerdem einen Bruder namens Claude, der vier Jahre älter war als sie.

Als Chappelow siebzehn Jahre alt war, trennten sich die Eltern, blieben aber trotz der Trennung verheiratet. Chappelow wohnte mindestens bis 1910 in Islington; erst als sie und ihre Mutter in den Weiler Nounsley nahe Hatfield Peverel in Essex zogen, trat Chappelows Engagement in der Frauenwahlrechtsbewegung sichtbar hervor.

Bis spätestens 1909 hatte sie sich Women’s Social and Political Union (WSPU) angeschlossen, da sie im September desselben Jahres in Leicester an der Störung einer Versammlung beteiligt war, die vom damaligen Innenminister Winston Churchill im Palace Theatre geleitet wurde. Sie Suffragetten belagterten die Türen, nachdem Alfred Hawkins, der Ehemann der Suffragette Alice Hawkins, aus der Versammlung hinausgeworfen worden war, nachdem er Churchill mit der Frage konfrontiert hatte: „Warum verschaffen Sie den Frauen im Land nicht das Wahlrecht? Wie wagen Sie es, auf einer demokratischen Plattform zu stehen?“[5] Chappelow wurde für fünf Tage inhaftiert.[6] Möglicherweise hielt sich Chappelow auch im Auftrag der WSPU in Leicester auf, da sie außerdem die Zeitung Votes for Women verkaufte.

Im November 1910 war Chappelow an den Demonstrationen an und um den sogenannten Schwarzen Freitag beteiligt. In der Ausgabe der Essex Weekly News vom 25. November 1910 wird sie im Zusammenhang mit einer geplanten Aktion am House of Commons erwähnt als „Miss G. Chappelow, Hatfield Peverel“ genannt: 119 Suffragetten, darunter Chappelow, wurden verhaftet, aber nach ihrem Erscheinen vor dem Bow Street Magistrates’ Court nicht angeklagt und konnten daher wieder gehen.[7] 1911 wurde sie erneut verhaftet, diesmal bei einem weiteren versuchten Eindringen in das House of Commons, zusammen mit 223 weiteren Frauen. Im selben Jahr weigerte sich ihre Mutter, mit der sie lebte, an der Volkszählung teilzunehmen, indem sie „no vote, no census“ auf den Erfassungsbogen schrieb.

1912 nahm Chappelow an einer Reihe von Versammlungen in der Shire Hall in Chelmsford teil und leitete eine davon, bei der sie über das „Wachstum der Frauenwahlrechtsbewegung“ sprach:

Miss Chappelow spoke of the growth of the suffrage movement, and stated that the militant methods were more on the side the Government than on the part of the women. It was pitiable to see the number of people who said it did not matter about votes. There were many social and industrial plagues that women were suffering from, and Suffragists realised that there was a cure for these ailments, and that sure was the vote.

„Miss Chappelow sprach vom Wachstum der Suffragettenbewegung und erklärte, dass die militanten Methoden eher auf Seiten der Regierung lägen als auf Seiten der Frauen. Es sei erbärmlich zu sehen, wie viele Menschen sagten, das Wahlrecht spiele keine Rolle. Es gebe viele soziale und industrielle Übel, unter denen Frauen litten, und die Suffragetten hätten erkannt, dass es für diese Missstände ein Heilmittel gebe – und dieses sei das Wahlrecht.“

Essex County Chronicle, 16. Februar 1912

Diese Versammlungen wurden organisiert, damit die WSPU ihren Standpunkt darlegen und erklären konnte, warum sie Taktiken wie das Einschlagen von Fensterscheiben anwandte. Nach den großen Aktionen im März wurden jedoch viele dieser Treffen abgesagt, da man Befürchtungen hatte, die Shire Hall könne beschädigt werden.

Anfang März 1912 beteiligte sich Casey zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Chappelow wurde zusammen mit ihren Freundinnen Madeline und Dorothea Rock sowie Fanny Pease, wegen des Einschlagens von Fensterscheiben am Mansion House, dem Amtssitz des Lord Mayor of London, verhaftet. Alle vier wurden zu zwei Monaten Haft mit Zwangsarbeit im Holloway Prison verurteilt und trat dort wie alle Verurteilten in den Hungerstreik.[8] Der verurteilende Alderman erklärte, er „bedaure, diese Frauen auf diese Weise bestrafen zu müssen, doch sie handelten aus einer völlig verfehlten Auffassung der Sache heraus. Ihr Verhalten sei gewalttätig gegenüber der Öffentlichkeit, und das müsse zwangsläufig eine Bestrafung nach sich ziehen. Er müsse sie ebenso bestrafen, wie er es bei einem armen umherziehenden Mann, der Fensterscheiben einschlage, tun würde, und sie müssten daher für zwei Monate mit Zwangsarbeit ins Gefängnis.“[9]

Chappelow war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten.[10] Ebenfalls in 1912 wurde Chappelow wie andere Suffragetten mit der sogenannten „Hungerstreik-MedailleFor Valour und der sogenannten „Holloway-Brosche“ ausgezeichnet.[11] Zudem schmuggelte bei ihrer Entlassung einen Gefängnisbecher und ein Messer aus dem Gefängnis hinaus. Die Gegenstände sind heute im Museum of Chelmford.[12]

Im November 1912 wurde Chappelow von der Polizei in Witham festgenommen, nachdem ihr Hund einen politischen Agenten angegriffen hatte, wobei nicht sicher ist, ob er ein Provokateur war. Sie weigerte sich, die Geldstrafe von 14 Shilling zu zahlen, und wurde daraufhin für vierzehn Tage inhaftiert.[13] Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs gab Chappelow wie die meisten Suffragetten den militanten Aktivismus auf.

Im August 1928 zogen Chappelow und ihre Mutter, möglicherweise gemeinsam mit ihrem Bruder Claude, nach Ramsden Heath in Essex. Eine Freundin Chappelows, Mrs. Konter, zog später ebenfalls ein und lebte über 30 Jahre mit Chappelow zusammen. Ihr Haus verfügte über keinen Wasseranschluss, sodass sie einen Brunnen nutzten; sie besaßen ein Radio, jedoch keinen Fernseher. Chappelow liebte zudem die Natur und Tiere, war strenge Vegetarierin, verkaufte Ziegenmilch und hielt dreizehn Katzen.[14]

Im späteren Leben verkaufte Chappelow weiterhin Ziegenmilch.[1] Sie vertrieb diese mit einem Dreirad mit einer Kiste am Heck, da sie nicht mehr Fahrrad fahren konnte. Lokal bekannt als „The Goat Lady“, kümmerte sie sich wenig um ihr äußeres Erscheinungsbild und wusch ihr Haar nur selten. Nachdem sie beim Tod ihrer Mutter eine beträchtliche Geldsumme geerbt hatte, verwendete sie diese für Tierschutzanliegen.

Sie starb 1971.[1]

Der Historiker Brian Harrison führte ein Oral-History-Interview mit Konter und Mrs. Hunter, einer weiteren Freundin, im Rahmen des Suffrage-Interviews-Projekts Oral evidence on the suffragette and suffragist movements: the Brian Harrison interviews.[15] Es wurde im Oktober 1976 aufgenommen. Konter und Hunter sprechen über die Frauenwahlrechtsbewegung, Chappelows Rolle darin, ihre Familie und ihr späteres Leben.[14]

Commons: Grace Chappelow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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