Holloway-Brosche
Brosche, die von der National Union of Women’s Suffrage Societies an die Mitglieder vergeben wurde, die im Frauengefängnis Holloway nach militanten Suffragetten Aktivitäten inhaftiert waren
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Die Holloway-Brosche (englisch Holloway brooch) auch Holloway-Gefängnisbrosche ist eine Brosche, die durch die National Union of Women’s Suffrage Societies (WSPU) an ihre Mitglieder vergeben wurde, die im Frauengefängnis Holloway Prison nach militanten Suffragetten Aktivitäten inhaftiert worden waren. Sie wird auch als „Portcullis badge“[1], „Holloway Prison brooch“ und „Victoria-Kreuz der Union“[2] bezeichnet.

Beschreibung
Die Holloway-Gefängnisbrosche wurde von Sylvia Pankhurst gestaltet. Das Design stellt das Fallgattersymbol des britischen Unterhauses dar. Das gestaltete Fallgatter und die seitlich daran hängenden Sträflingsketten wurden aus Silber gefertigt. Darüber befindet sich ein Pfeil, er stellt das Symbol des Konflikts dar[2] und ist den Farben der Suffragettenbewegung: Lila für königliche Würde, Grün für Hoffnung und Weiß für Reinheit emailliert.
Die Holloway-Gefängnisbrosche wurde von Toye & Co. gefertigt, sie misst 2,5 × 1,9 cm und wurde in einer von Toye & Co. gefertigten Schachtel geliefert.[3]
Geschichtlicher Hintergrund

Im März 1912 erreichte in London der militante Kampf für das Frauenwahlrecht im Vereinigten Königreich seinen Höhepunkt, als von der National Union of Women’s Suffrage Societies (WSPU) Schaufenster-Demonstrationen organisiert wurden. Dabei wurden zahlreiche Fensterscheiben von den Suffragetten eingeschlagen oder eingeworfen. Bereits im November 1911 waren 223 Frauen inhaftiert worden, weil sie Schaufenster von Geschäften und Fensterscheiben von Regierungsgebäuden in Whitehall eingeschlagen hatten. Daraufhin organisierten sich die Frauen neu, es kam zu größeren Protesten, die zeitlich auf die Debatten im Parlament abgestimmt waren. Im Land breitete sich eine militante Stimmung aus, nachdem klar wurde, dass friedliche Proteste niemals zu einem Erfolg führen würden. So zogen am Abend des 1. März, einem Freitag und am darauffolgenden Montag WSPU-Anhängerinnen in die Einkaufsstraßen des West End, Knightsbridge, Kensington und Chelsea. Mit Hämmern oder Steinen begannen sie gleichzeitig zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt, die Fenster der dortigen Geschäfte und Büros einzuschlagen. Es kam zu Verhaftungen von mehr als 200 Frauen. Ihre Anführerinnen Emmeline Pankhurst und das Ehepaar Pethick-Lawrence wurden danach zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Christabel Pankhurst floh jedoch nach Paris, wo sie bis zum Ersten Weltkrieg im Exil blieb. Zumeist wurden die teilnehmenden Frauen zu zwei Monaten Haft verurteilt, weil sie sich weigerten, eine Geldstrafe zu bezahlen und eine Friedensverpflichtung abzugeben. Viele wurden auch zu sechs Monaten Haft verurteilt. Das hatte zur Folge, dass die Gefängnisse rasch überfüllt waren. Den Frauen wurde der Status „politischer Gefangener“ verweigert. Bei den daraufhin aufkommenden Hungerstreiks wurden viele der Frauen brutal zwangsernährt.[4]
Verleihung

Die Holloway-Gefängnisbrosche wurde von der National Union of Women’s Suffrage Societies in einer Form der soldatischen Tradition für Tapferkeit vergeben. Die geehrten Frauen waren Kämpferinnen ihrer Sache. Sie erhielten sie, weil sie aufgrund ihres Engagements im Kampf für das Frauenwahlrecht im Londoner Gefängnis Holloway inhaftiert gewesen waren. Sie wurde erstmals am 29. April 1909 bei einer Massendemonstration in der Royal Albert Hall in London verliehen und auch als das „Victoria-Kreuz der Union“ bezeichnet, was ihre hohe Wertschätzung unter den Mitgliedern der Union unterstreicht.[5] Die ersten Broschen wurden Christabel Pankhurst, Emmeline Pankhurst, Annie Kenney und Emmeline Pethick-Lawrence überreicht.[6] Einige Broschen trugen die Daten der Inhaftierung. In der Royal Albert Hall fand zeitgleich das Treffen der Internationalen Frauenwahlrechtsallianz statt. Als WSPU-Gefangene begannen, in den Hungerstreik zu treten, führte die WSPU die Hungerstreik-Medaille ein, deren erstes Exemplar vier Monate nach der ersten Holloway-Gefängnisbrosche verliehen wurde.[7]
Geehrte Personen
- Dora Beedham (1879–1969), englisch-britische Krankenschwester, Hebamme und Suffragette
- Sarah Benett (1850–1924), englisch-britische Sozialreformerin und Suffragette
- Violet Bland (1863–1940), englisch-britische Suffragette und Hotelbesitzerin
- Constance Bulwer-Lytton (1869–1923), Suffragette und Schriftstellerin
- Mabel Capper (1888–1966), Suffragette
- Joan Cather (1882–1967), Suffragette
- Leonora Cohen (1873–1978), Suffragette und Gewerkschafterin
- Louie Cullen (1876–1960), Suffragette
- Emily Davison (1872–1913), Suffragette
- Kate Williams Evans (1866–1961), walisisch-britische Suffragette
- Theresa Garnett (1888–1966), Suffragette
- Clara Giveen (1887–1967), nordirisch-britische Suffragette und Brandstifterin
- Katie Edith Gliddon (1883–1967), Suffragette und Aquarellmalerin
- Laura Geraldine Lennox (1883–1958), irisch-britische Suffragette
- Anna Lewis (1889–1976), Suffragette
- Selina Martin (1882–1972), Suffragette
- Edith New (1877–1951), Suffragette
- Annie Seymour Pearson (1873–1956), Suffragette
- Grace Roe (1885–1979), Suffragette
- Amy Sanderson (1876–1931), schottisch-britische Suffragette
- Janie Terrero (1858–1944), Suffragette
- Minnie Turner (1866–1948), Suffragette
- Julia Varley (1871–1952), Gewerkschafterin und Suffragette