Gruppe GT4
Motorsportrennklasse
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Die Gruppe GT4 ist eine im Jahre 2006 von der SRO Motorsports Group (SRO) initiierte Fahrzeugkategorie im Motorsport. Sie ist gering modifizierten Gran-Turismo-Fahrzeugen vorbehalten, die einen relativ kostengünstigen Einstieg in den GT-Rennsport unterhalb der leistungsstärkeren Kategorien GT1, GT2 und GT3 ermöglichen sollen. Die Entscheidungshoheit über die Klasse liegt nicht beim Automobilweltverband FIA, sondern bei der SRO. Diese stuft die Fahrzeuge bei Balance-of-Performance-Tests mit Handicap-Maßnahmen auf annähernd gleichem Leistungsniveaus ein, um eine Chancengleichheit der unterschiedlichen Konstruktionen zu gewährleisten.

Die Gruppe GT4 ist technisch nicht identisch mit der Kategorie GT4, die in der Global GT Series zwischen 1994 und 1995 verwendet wurde.
Geschichte
Die Kategorie wurde zum Jahr 2007 eingeführt, nachdem die SRO Motorsports Group zuvor bereits die Klasseneinteilung der FIA-GT-Meisterschaft neu geregelt und die FIA GT3-Europameisterschaft initiiert hatte. Wegen der geringen Modifikationen an den Fahrzeugen sollte die GT4 von den Anschaffungs- und Einsatzkosten, sowie der vergleichsweise geringen Fahrleistungen, die Einstiegsklasse für Amateurfahrer in den GT-Sport bilden.[1] 2007 wurde daher auch der GT4 Europacup ausgeschrieben, um der Fahrzeugkategorie eine entsprechende Meisterschaft geben zu können.
2008 führten die Britische GT-Meisterschaft und die Italienische GT-Meisterschaft als erste nationale Rennserien die Kategorie GT4 ein. 2008 wurde ebenfalls die Unterkategorie Sports Light für Roadster eingeführt, die im Jahr 2009 in Supersport umbenannt wurde.[2] Neben dem GT4-Europacup wurde 2009 mit der Dutch GT4 Championship eine weitere Serie von der SRO initiiert, die ausschließlich GT4-Fahrzeugen vorbehalten war. Im gleichen Jahr ist die Gruppe GT4 auch in der VLN Langstreckenmeisterschaft und dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring als Kategorie offiziell zugelassen worden. 2010 schrieb die brasilianische GT-Serie eine Meisterschaft für die Kategorie GT4 neben der GT3 aus. Die neu gegründete GT Asia führte ebenfalls 2010 die Klassenstruktur GT3 und GT4 ein.
Trotz der Expansion in unterschiedliche nationale Meisterschaften und der Austragung des GT4 Europacups, konnte sich die Gruppe GT4 – im Gegensatz etwa zur Gruppe GT3 im Zeitraum von 2006 bis 2012 – nicht nachhaltig etablieren: So waren selbst im Europacup selten mehr als 20 Fahrzeuge, einschließlich der Unterkategorie Supersport, gemeldet. 2012 wurde der Europacup sogar abgesagt.[3]
Obwohl das Konzept der Gruppe GT4 auf den Einsatz durch Privatfahrer und -teams ausgelegt ist, so nutzten Automobilhersteller ihre GT4-Fahrzeuge mehr oder minder direkt. Aston Martin entwickelte den Vantage regelmäßig weiter und betrieb so nicht nur extensiv Kundensport, wie etwa einen eigenen Markenpokal im asiatischen Raum und in Großbritannien, sondern unternahm auch werksunterstütze Einsätze. Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring z. B. wurde schon ab 2006 – noch vor der Einführung der Gruppe GT4 – teilgenommen. Nissan verwendete die GT4-Modelle des 350Z und 370Z für die gemeinsam mit Sony durchgeführte GT Academy und ermöglichte den Gewinnern – Lucas Ordoñez[4], Jordan Tresson[5] und Jann Mardenborough[5] – internationale Renneinsätze mit diesen Fahrzeugen.
Zeitleiste
| Internationale GT-Klassen[6] | 1990er | 2000er | 2010er | 2020er | ||||||||||||||||||||||||||||
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| GTP | GT1 | |||||||||||||||||||||||||||||||
| GT1 | GTP | |||||||||||||||||||||||||||||||
| GT1 | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| GT1 | GT2 | GT | GT1 | |||||||||||||||||||||||||||||
| GT2 | GTS | GT1 | ||||||||||||||||||||||||||||||
| GT2 | GT | GT1 | ||||||||||||||||||||||||||||||
| GT Supreme | GT1 | |||||||||||||||||||||||||||||||
| GT2 | N-GT | GT2 | GTE | |||||||||||||||||||||||||||||
| GT | GT2 | GTE | ||||||||||||||||||||||||||||||
| N-GT | GT2 | |||||||||||||||||||||||||||||||
| GT | GT2 | GT | GTLM | |||||||||||||||||||||||||||||
| GT3 | GT3 | |||||||||||||||||||||||||||||||
| GTC | GT3 | |||||||||||||||||||||||||||||||
| GT3 | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| GTD | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| GT4 | GT4 | |||||||||||||||||||||||||||||||
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Technisches Reglement
Das technische Reglement der GT4 wird durch das „Règlement Technique pour Voitures de Grand Tourisme de type GT4“ und das „Règlement d’homologation pour voitures de type GT4“ der SRO bestimmt. Das SRO GT4 Bureau genehmigt die Fahrzeuge, während der Royal Automobile Club de Belgique (RACB) diese homologiert.[7]
Grundlage müssen Serienfahrzeuge mit einer jährlichen Produktionsmenge von mindestens 300 Einheiten sein, die durch geringe Modifikationen renntauglich gemacht und durch Vergleichstests mit anschließenden Nivellierungsmaßnahmen auf eine annähernd ähnliche Fahrleistung gebracht werden. Das Mindestgewicht beträgt 1000 kg.[7] Neben der Entfernung der Innenraumverkleidungen und dem Einbau von Sportsitzen, dürfen die Veränderungen lediglich den Einbau neuer Bremsanlagen, Dämpfersysteme und Sicherheitsausstattung wie etwa Überrollkäfige oder Renntanks umfassen.[8] Der Motor und die Motorposition im Fahrzeug dürfen nicht ohne Sonderfreigabe („waiver“) der SRO verändert werden, wobei ein Masse-Leistungs-Verhältnis von 3,5 kg/PS als Richtwert angestrebt werden soll.[8] Die Karosserie darf nicht verändert und aerodynamische Vorrichtungen wie Flügel oder Spoiler nur verwendet werden, wenn sie bereits Teil des Serienfahrzeugs sind oder wenn sie durch eine Sonderfreigabe genehmigt werden.[8]
Für die Roadster der Unterkategorie Sports Light bzw. ab 2009 Supersport besteht keine Mindestanzahl an jährlich produzierten Fahrzeugen. Ihr Mindestgewicht ist auf 750 kg festgelegt.
Infolge der Vergleichstests der Balance of Performance können Modifikationen an Fahrzeuggewicht und Bodenfreiheit, sowie zusätzlich oder alternativ an der Air-Restriktorengröße oder den Drehzahlgrenzen festgelegt werden, um die Chancengleichheit zu wahren bzw. diese bei neu homologierten Fahrzeugen sicherzustellen.
Fahrzeugmodelle
Folgende Fahrzeugmodelle sind von der SRO für die Gruppe GT4 zugelassen oder zugelassen gewesen. Der Neupreis für ein GT4-Fahrzeug beträgt ca. 120.000 Euro.[3]


Zugelassene Fahrzeugmodelle für die Unterkategorie Sports Light (2008) bzw. Supersport (ab 2009) für Roadster.

| Marke | Fahrzeug | Anbieter/Tuner | Eingesetzt seit |
|---|---|---|---|
| Donkervoort | D8GT[37] | Donkervoort[37] | 2008[37] |
| Donkervoort | D8GT[38] | Donkervoort[38] | 2010[38] |
| KTM | X-Bow[39] | Reiter Engineering[39] | 2008[39] |
| KTM | X-Bow[40] | ABG Motorsport[40] | 2011[40](geplant für 2011, wegen Einstellung der Kategorie jedoch nicht realisiert) |
| Lotus | 2-Eleven[41] | Lotus Cars[41] | 2009[41] |
| Peugeot | 207 THP Spider[42] | Peugeot[42] | 2009[42] |
| YES! | Roadster[43] | Young Engineers Sportscar[43] | 2008 (Einsatz nur im Training und Qualifying des GT4-Europacup-Rennwochenendes in Nogaro)[44] |
Einige Fahrzeuge wurden als Umbauten oder Neuentwicklungen für die Gruppe GT4 angekündigt, aber nicht als solche eingesetzt.
| Marke | Fahrzeug | Anbieter/Tuner | Ankündigung |
|---|---|---|---|
| Audi | TT[45] | JvO Autosport[45] | 2008 vorgestellt und im Training der Rennwochenenden GT4 Europacups in Oschersleben und Spa-Francorchamps eingesetzt[46], aber nicht als GT4 klassifiziert.[45] |
| Audi | TT[47] | quattro GmbH[47] | 2010 vorgestellt, aber nicht als GT4 eingesetzt.[47] |
| Gillet | Vertigo[48] | Belgian Racing[49] | 2008 für das Rennwochenende des GT4 Europacups in Monza in der Kategorie Sports Light angekündigt, aber nicht als GT4 eingesetzt.[50] |
| Jaguar | XKR[51] | Triple Eight Race Engineering[51] | 2009 vorgestellt, aber nicht eingesetzt.[51] |
| Opel | GT[52] | Tork Engineering[52] | 2007 vorgestellt, aber nicht eingesetzt.[53] |
| Toyota | GT86 GT4[54] | GPRM[54] | 2013 vorgestellt, aber nicht eingesetzt[54] |
Darüber hinaus wurden in der Pressemitteilung der SRO für den FIA GT4 Europacup 2008 auch Alfa Romeo Brera, Mazda RX-8 und Mercedes SLK als zukünftige GT4-Fahrzeuge vorgestellt, allerdings wurde keines von diesen bis zur Rennreife entwickelt.[55]
Der Ginetta G50 wurde für die Saison 2008 als Sports Light angekündigt, aber nur als GT4 eingesetzt.[56]
Rennserien
SRO-GT4-Fahrzeuge sind entweder exklusiv vertreten oder bilden eine eigene Klasse in den folgenden Rennserien.
Als Hauptklasse
- ADAC GT4 Germany
- FFSA GT Championship
- GTC Endurance Challenge
- GT4 America Series
- GT4 Australia Series
- GT4 European Series
- GT4 Italy
- GT4 Russia
- GT4 Winter Series
- Michelin Pilot Challenge
- SRO GT Cup
- Supercars Endurance Series
- Summerset GT New Zealand Championship
Als unterstützende Klasse
- 24H Series
- 24H Series Middle East
- APEX One
- Austrian GT
- Baltic Touring Car Championship
- Belcar
- Britcar
- British GT Championship
- Campeonato de España de GT
- China Endurance Championship
- China GT Championship
- CEZ Circuit Endurance
- Danish Endurance Championship
- DMV Super Touring & GT Cup
- Império Endurance Brasil
- Gulf ProCar
- GT America Series
- GT Cup Championship
- GT Cup Open Europe
- GT Cup Series
- GT Series Cup Brasil
- GT Summer Series
- GT Winter Series
- IMSA VP Racing SportsCar Challenge
- International GT
- Nürburgring Langstrecken-Serie
- Pikes Peak International Hill Climb
- SRO Japan Cup
- Supercar Challenge
- Superrace Championship
- Super Taikyu Series
- Thailand Super Series
- Ultimate Cup Series
- World Racing League
Galerie
Weblinks
- Technisches Reglement der Gruppe GT4 2011 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2018. Suche im Internet Archive )
- Homologationsreglment der Gruppe GT4 2010 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2018. Suche im Internet Archive )
- Technisches Reglement der Gruppe GT4 Supersport 2011 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2018. Suche im Internet Archive )
- Homologationsreglement der Gruppe GT4 Supersport 2010 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2018. Suche im Internet Archive )