HSD10-Mangel
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Der HSD10-Mangel (oder -Krankheit) ist eine sehr seltene angeborene, zu den Mitochondriopathien zählende Neurodegenerative Erkrankung mit den Hauptmerkmalen X-chromosomaler Vererbung, Manifestation während des Neugeborenen-, Kinder- oder Jugendalters. Das Ausmaß und der Zeitpunkt des Krankheitsbeginns sind sehr variabel.[1]
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| E72.8 | Sonstige näher bezeichnete Störungen des Aminosäurestoffwechsels |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
Synonyme sind: 2-Methyl-3-Hydroxybutyrazidurie; 2-Methyl-3-Hydroxybutyryl-CoA Dehydrogenase-Mangel; HSD10-Krankheit; MHBD-Mangel; englisch HSD10 Mitochondrial Disease; HSD10MD; HSD17B10 Deficiency; 17beta-hydroxysteroid-dehydrogenase Type 10 Deficiency
Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 2000 durch eine Arbeitsgruppe aus Heidelberg, Amsterdam und Sankt Augustin.[2]
Verbreitung
Die Häufigkeit ist nicht bekannt, die Vererbung erfolgt X-chromosomal dominant, das männliche Geschlecht ist hauptsächlich betroffen.[1]
Ursache
Der Erkrankung liegen – zumindest teilweise – Mutationen im HSD17B10-Gen auf dem X-Chromosom Genort p11.22 zugrunde, welches für das Enzym HSD10 (17beta-hydroxysteroid-dehydrogenase Typ 10) kodiert.[3]
Dieses Enzym findet sich in den Mitochondrien und ist beim Abbau von Isoleucin, branched-chain fatty acids, der Herstellung von Androgenen, Östrogenen und Neurosteroiden beteiligt.[4]
Einteilung
Folgende Formen können unterschieden werden:
- Infantiler Typ, Synonym: HSD10-Mangel, klassischer Typ[5]
- Neonataler Typ[6]
- Atypische Form, Synonym: X-chromosomale syndromale Intelligenzminderung Typ 10[7]
Klinische Erscheinungen
Klinische Kriterien sind:[3]
- Die Veränderungen betreffen mehrere Organsysteme (multisystemisch)
- Bei der infantilen Form kann eine mitunter zum frühen Ableben führende Kardiomyopathie assoziiert sein.
- Formen mit Veränderungen erst im Jugendlichenalter oder Erkrankungen ohne neurologische Auffälligkeiten können vorkommen.
- In schwereren Fällen kann ein Entwicklungsrückschritt, oft mit Krampfanfällen, Choreoathetose, spastische Tetraplegie, Optikusatrophie oder Degeneration der Retina und geistige Behinderung auftreten.
- Bei weiblichen Betroffenen kann eine nicht fortschreitende Entwicklungsverzögerung und geistige Beeinträchtigung oder eine normale Entwicklung vorliegen.
Diagnose
Im Urin können erhöhtes 2-Methyl-3-Hydroxybutyrat und Tiglylglyzin nachgewiesen werden, im Blutserum kann eine Laktatazidose vorliegen.[8]
Literatur
- S. Akagawa, T. Fukao, Y. Akagawa, H. Sasai, U. Kohdera, M. Kino, Y. Shigematsu, Y. Aoyama, K. Kaneko: Japanese Male Siblings with 2-Methyl-3-Hydroxybutyryl-CoA Dehydrogenase Deficiency (HSD10 Disease) Without Neurological Regression. In: JIMD reports, 2017, Band 32, S. 81–85; doi:10.1007/8904_2016_570, PMID 27306202, PMC 5362553 (freier Volltext).
- E. Vilardo, W. Rossmanith: Molecular insights into HSD10 disease: impact of SDR5C1 mutations on the human mitochondrial RNase P complex. In: Nucleic acids research, Juli 2015, Band 43, Nr. 13, S. 6649; doi:10.1093/nar/gkv658, PMID 26092698, PMC 4513883 (freier Volltext).
- K. C. Chatfield, C. R. Coughlin, M. W. Friederich, R. C. Gallagher, J. R. Hesselberth, M. A. Lovell, R. Ofman, M. A. Swanson, J. A. Thomas, R. J. Wanders, E. P. Wartchow, J. L. Van Hove: Mitochondrial energy failure in HSD10 disease is due to defective mtDNA transcript processing. In: Mitochondrion, März 2015, Band 21, S. 1–10; doi:10.1016/j.mito.2014.12.005, PMID 25575635, PMC 4355277 (freier Volltext)