Halloween-Katastrophe in Seoul 2022

Massenandrang während Halloween 2022 in Seoul, Südkorea From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Halloween-Katastrophe in Seoul ereignete sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 2022 bei Feierlichkeiten zu Halloween im Ausgehviertel Itaewon der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, an denen schätzungsweise rund 100.000 Menschen teilnahmen. Zu dem Unglück kam es, als sich Menschenmengen aus entgegengesetzten Richtungen durch eine enge und kurze Gasse bewegten. Mindestens 159 Menschen starben und weitere 196 wurden verletzt.

Die überfüllte Gasse in Seoul kurz vor der Katastrophe (Blick von Süden)

Es handelt sich bei dem Unglück um das Massengedränge mit den meisten Todesopfern in der Geschichte Südkoreas und um eine der größten Katastrophen des Landes nach dem Untergang des Fährschiffs Sewol 2014.

Die verspäteten Maßnahmen von Polizei, Feuerwehr und örtlichem Bezirksamt gerieten bald in die Kritik. Ein polizeiliches Sonderteam kam nach Abschluss wochenlanger Ermittlungen zum Schluss, dass fehlende Sicherheitsvorkehrungen und andere Versäumnisse wie verspätete Weitergabe von Informationen und mangelnde Kooperation zwischen den zuständigen Stellen zur hohen Anzahl von Todesfällen beigetragen haben. Die Polizei hat den Fall an die Staatsanwaltschaft zu weiteren Ermittlungen gegen 23 Beamte übergeben. Innenminister Lee Sang-min, der Seouler Bürgermeister Oh Se-hoon sowie Polizeichef Yoon Hee-keun sollen laut dem polizeilichen Sonderteam nicht für die Katastrophe zur Verantwortung gezogen werden können.

Hintergrund

Vorgeschichte des Stadtteils

Die jüngste Geschichte des zum Seouler Bezirk Yongsan gehörenden Stadtteils Itaewon ist eng mit der 1945 gegründeten Yongsan-Garnison im westlich angrenzenden Stadtteil verbunden.[1] Die Angehörigen dieser Militärbasis haben Itaewon laut dem Seoul Museum of History maßgeblich geprägt.[2] Seit US-Soldaten ab 1957 Vergnügungsurlaub erhielten, entstanden in Itaewon Bordelle[2] (siehe auch Prostitution in Südkorea). Itaewon mit seiner großen Anzahl von Bars und Bordellen galt somit schon seit langem als Vergnügungsviertel für ausländische, insbesondere US-amerikanische Militärangehörige und Expatriates und wurde daher ursprünglich von vielen Koreanern als für sie gefährlicher Ort eingestuft[1] und meist gemieden.[3]

„Foreigners only“-Hinweis am Hamilton-Hotel in Itaewon (Foto: 2007)
Indisches Halal-Restaurant (Taj Palace) und Transgender-Bar (Money Money) im selben Gebäude in Itaewon (Foto: 2008)

Die zeitgemäßen Bars und Restaurants in alten Gebäuden und engen Gassen zogen seit Ende der 1990er Jahre auch junge Besucher an. 2013 begann die Verlegung des US-Stützpunkts mit seinen 17.000 Soldaten in den Süden Seouls; bis 2017 wurden über 90 Prozent an Personal und Material aus der der Yongsan-Garnison abgezogen und in das Camp Humphreys verlegt.[2][1][4] Mit dem Umzug des US-amerikanischen Militärs musste der Stadtteil Itaewon eine neue Klientel finden. Er wandelte sich von einem „Klein-Amerika“ zu einem Ort multikulturellen Konsums für Koreaner. Er sprach nun Menschen an, die dem Druck der durch konfuzianische Hierarchien und konformistische Ansichten geprägten Gesellschaft Südkoreas entfliehen wollten.[3] Itaewon wurde auch zu einer Art Heimstatt der Queer-Bewegung und galt als ebenso offen für Ausländer wie für Koreaner.[1] Die veränderte Kundendemografie förderte die Etablierung von Restaurants, die soziale Medien nutzen und bei der jungen Bevölkerung und Touristen angesagt sind.[2] Itaewon entwickelte sich bei der jungen Bevölkerung Südkoreas zu einem Symbol für eine freie Lebensart, Hedonismus und Multikulturalismus und erwarb sich international den Ruf eines besonderen Vergnügungsviertels mit einer hohen Dichte an Bars, Clubs und Restaurants, gekennzeichnet durch ein enges Nebeneinander auch von Schwulenkneipen, Rotlichtsalons und Halall-Lokalen.[5] Das Stadtviertel etablierte sich als eines der beliebtesten Ausgehviertel in Seoul.[1][6][7]

Vorgeschichte des Halloweenfests in Südkorea

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich das jährliche Halloweenfest, das in Südkorea erst seit den 2000er Jahren populär wurde,[8] in Itaewon zum größten Südkoreas und trug zum Image von Itaewon als Bühne der gesellschaftlichen Präsentation in Südkorea bei.[1]

Bis etwa 2010 handelte es sich beim Halloweenfest in Südkorea fast ausschließlich um US-amerikanische Bräuche, die von US-Amerikanern und mit ihnen in Verbindung stehen Personen ins Land eingeführt wurden und lediglich auf Partys in Seouls Bezirken mit hohem Ausländeranteil wie Itaewon, Hongdae und Gangnam zu beobachten waren. Halloween in Südkorea blieb zu dieser Zeit physisch und kulturell ausländisch, indem es sich auf ausländische Teilnehmer stützte und auch importierte Vorstellungen wie beispielsweise Ausdrucksformen der LGBT-Identität transportierte.[9]

Ab etwa 2010 entwickelte das an den Feiertag in den USA angelehnte Halloween-Konzept dann aber in Südkorea ein Eigenleben und wurde dort weiterentwickelt, wobei Konsum- und Marketingmuster für Einzelhändler eine wichtige Rolle spielen und der speziellen Bekleidung oder Kostümierung Bedeutung zukommt. Der Halloween-Tag erlangte weite Verbreitung in Südkorea, bindet vielfältige heimische gesellschaftliche Ideen und Trends ein und bietet den Beteiligten die Gelegenheit, eine hohe Aufmerksamkeit zu erlangen.[9]

Als einer der angesagtesten Orte in Seoul für die Halloweenfeierlichkeiten war Itaewon etwa seit Anfang der 2010er Jahre bekannt.[10][1] Halloween wurde in Itaewon seit dieser Zeit ohne formelle Organisation oder Koordinierungsstelle gefeiert.[1] Die jährlichen Halloween-Feierlichkeiten entwickelten sich zu einer der geschäftigsten Nächte des Jahres im Stadtteil Itaewon,[3] der nächtlich zu keiner Zeit des Jahres mehr junge Bevölkerung anzog als zum Halloween-Wochenende.[5] Währenddessen wurde Itaewon weiterhin bei konservativ eingestellten Koreanern als Symbol für schädlichen ausländischen Einfluss und – insbesondere auch bei älteren Konservativen – als eine Art Sündenpfuhl wahrgenommen.[3][5]

Der Hauptteil der Halloween-Feierlichkeiten in Itaewon findet entlang der „World Food Street“ und in den Seitengassen statt, die sie mit einer der Hauptverkehrsstraßen von Itaewon – der Itaewon-ro – verbinden.[11] Berichten zufolge sollen im Jahr 2017 etwa 200.000 Menschen zum Halloweenfest nach Itaewon gekommen sein.[1] Aufgrund der wachsenden Popularität der Halloweenfeiern und der Möglichkeit von daraus resultierenden Unfällen waren die Behörden bereits Jahre vor der Katastrophe beunruhigt. In einem internen Dokument aus dem Jahr 2020, das über oppositionelle Abgeordnete bekannt wurde, warnte die Polizei vor möglichen Todesfällen durch drohende Gedrängesituationen.[12]

Vorgeschichte von Massengedränge-Vorfällen mit Todesfolge in Südkorea

Südkorea weist eine lange Geschichte von Massengedrängen und menschlichen Stampeden mit Todesfolge auf.[13] Am 26. Januar 1960 starben bei der bis dahin schlimmsten Eisenbahnkatastrophe in der Geschichte Südkoreas 31 Menschen, darunter 11 Kinder, bei einem als Stampede beschriebenen Vorfall, als große Menschenmengen im Bahnhof von Seoul während des Mond-Neujahrsfestes bei dem Versuch, einen auf die Abfahrt wartenden Zug zu erreichen, auf der steilen, zum Bahnsteig führenden und schneebedeckten Treppe erdrückt worden waren, nachdem eine Person ausgerutscht war.[13][14][15] Weitere ähnliche Vorfälle ereigneten sich am 11. Februar 1980 (5 Tote) auf einer Treppe einer Grundschule in Busan, am 17. Februar 1992 (1 Toter) bei einem Musikkonzert in Seoul und am 16. Dezember 1996 (2 Tote) beim Zugang zu einem Live-Show-Programm in einer Konzertarena in Daegu.[15] Am 3. Oktober 2005 wurden in Sangju 11 Menschen in einem Massengedränge bei einem Musikkonzert getötet,[13] worauf der damalige Bürgermeister von Sangju aufgrund des Vorfalls wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von 1½ Jahren verurteilt wurde.[15]

Ausgangssituation 2022

2020
Die „World Food Street“ im November 2020 (Blick ostwärts)

Die COVID-19-Pandemie führte in Korea zu einer Wiederbelebung dort bereits verankerter sozialer Stigmata wie Fremdenfeindlichkeit und die vornehmlich von religiös Konservativen (christlich-protestantisch Rechte) ausgehende Homophobie.[10][16] Ausgehend von einem am 7. Mai 2020 bekannt gewordenen Nachtclub-Besuch eines SARS-CoV-2-Infizierten war es zu einem COVID-19-Cluster-Ausbruch mit mindestens 100 Infektionen in den drei vom mutmaßlichen Superverbreiter in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 2020 besuchten Nachtclubs gekommen,[16][17][10][18] der Sorge vor dem Aufkommen einer zweiten Infektionswelle in Südkorea geschürt hatte,[19][18] das mit seiner ersten Infektionswelle zu den ersten Staaten nach China gehört hatte, die mit einem großflächigen COVID-19-Ausbruch zu kämpfen gehabt hatten[19], und das dann aber international als vorbildliches Beispiel gepriesen worden war, wie es seinen ersten COVID-19-Ausbruch durch aggressive Corona-Test-, Quarantäne- und Maßnahmen zur Kontaktpersonennachverfolgung weitgehend eingedämmt hatte.[19] Nachdem die südkoreanischen Behörden in den letzten Wochen vor dem Itaewon-COVID-19-Ausbruch aufgrund sinkender SARS-CoV-2-Fallzahlen wieder begonnen hatten, die COVID-19-Beschränkungen zu lockern[18] und am 6. Mai 2020 die strikten Regeln zur räumlichen Distanzierung aufgehoben hatten,[18] hatte die Seuchenbekämpfung der Stadtverwaltung nach dem Itaewon-COVID-19-Ausbruch Clubs, Bars und andere Etablissements des Nachtlebens in Itaewon faktisch für Besucher gesperrt und die Touristen- sowie andere Kundschaft war auch in Restaurants Itaewons ausgeblieben,[17][10] so dass Geschäfte zur Schließung gezwungen waren.[3] Konservative koreanische Medien betonten stark die sexuelle Identität des Superverbreiters, der den Itaewon-COVID-19-Ausbruch mutmaßlich ausgelöst hatte,[10][18] outeten die von ihm besuchten Clubs als Schwulenclubs[18][20] und trugen zu einer Atmosphäre bei, in der weit verbreitete homophobe Stimmungen über die Stigmatisierung von Schwulen hinaus auch zu einer Stigmatisierung des Itaewon-Viertels als eines der Zentren der Seouler Schwulenszene führte.[10]

Zu den Halloweenfeierlichkeiten im Jahr 2020 kamen in Itaewon trotz anhaltender Warnungen der Behörden vor dem Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2-Viren Menschenmengen zusammen und strömten in die Bars,[10] während die großen Clubs zumeist im Rahmen von Vorsichtsmaßnahmen für das Wochenende geschlossen geblieben waren.[21][10] Zwar war die Anzahl der Halloweenfeiernden im Jahr 2020 Medienangaben zufolge etwas geringer als im Jahr 2019, führte aber in Itaewon dennoch zu überfüllten Gassen[10] und die Überfüllung stieß aufgrund der möglichen COVID-19-Clusterübertragungen auf Kritik und Bedenken.[21] Viele koreanische Medien stellten die Menschen, die 2020 zu Halloween Itaewon besuchten, als Dummköpfe oder im weiteren Sinne als „irrationale Staatsfeinde“ dar, „die die rationalen Warnungen der Regierung ignorieren“.[10]

2021

Die Halloweenfeierlichkeiten im Jahr 2021 fielen in die Zeit, in der sich Südkorea in Bezug auf die COVID-19-Lage auf eine „Rückkehr zur Normalität“ vorbereitete. Die Behörden drohten den Teilnehmern der Halloweenfeierlichkeiten mit harten Strafen, falls sie gegen die COVID-19-Regeln zur räumlichen Distanzierung verstießen. Dem Gesundheitsministerium wurde daraufhin vorgeworfen, den Fokus seiner Überprüfung auf mögliche Sicherheitsverstöße in diskriminierender Weise auf Ausländer gesetzt zu haben.[22]

2022

2022 wurden die COVID-19-Beschränkungen gelockert und Itaewon begann wieder den Geschäftsbetrieb in gewohnter Form aufzunehmen.[3] Nachdem die Halloween-Feierlichkeiten durch die COVID-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 nicht ohne COVID-19-Beschränkungen stattgefunden hatten, versammelten sich am 29. Oktober 2022 etwa 100.000 Menschen in den Straßen und Clubs.[6][7][23]

Bei den Halloweenfeierlichkeiten im Jahr 2022 handelte sich um eine der größten inoffiziellen öffentlichen Veranstaltungen in Seoul.[6] Einige Medien berichteten nach der Katastrophe vom 29. Oktober 2022, Berichten zufolge sei der Besucherandrang zur Halloweenfeier 2022 unerwartet hoch ausgefallen.[24] Anderen Angaben zufolge dagegen hatte es Vorhersagen für bis zu 130.000 Besucher im Itaewon-Viertel gegeben, die aber offensichtlich von den Behörden ignoriert worden seien.[25][1] Die Polizei räumte schließlich nach der Katastrophe ein, dass sie mit einem großen Besucherandrang gerechnet hatte und die Menge nicht viel größer gewesen war als in den vorangegangenen Jahren.[26] Auch die örtliche Geschäftswelt hatte aufgrund der gelockerten COVID-19-Beschränkungen für 2022 mit einer größeren Menge feiernder Menschen gerechnet.[11]

Noch während die Untersuchungen zu dem Unglück liefen, gestand die Polizei ein, dass ihre Maßnahmen vor dem Massengedränge unzureichend waren.[11] Laut Polizeiangaben wurden für die Halloween feiernde Menschenmenge im Jahr 2022 lediglich 58 uniformierte Polizisten eingesetzt. Insgesamt 6000 Polizisten wurden dagegen am selben Tag zu einer regierungskritischen Protestveranstaltung in Seouls Innenstadt und zum Schutz des Staatspräsidenten zum unweit Itaewons gelegenen Präsidialamt entsendet.[1]

Ort und Hergang des Unglücks

Der Tod Dutzender Menschen ereignete sich, als sich Menschenmengen aus zwei entgegengesetzten Richtungen durch eine besonders enge, rund 45 Meter lange und abschüssige Seitengasse bewegten, aus der sie keine Fluchtwege fanden, so dass die Menschen hauptsächlich an einer Engstelle der Gasse am dortigen Hamilton-Hotel gefangen blieben.[23][27] Die große Anzahl der sich ansammelnden Besucher der Feierlichkeiten und ihre Versammlung in engen Gassen mit beschränkten Zugangs- und Ausgangsstellen erzeugten eine Kombination von Faktoren, die zu den Todesfällen führte. In der Nacht der Katastrophe aufgenommene Videos zeigen, dass Menschen gefangen waren, eingequetscht wurden und unfähig blieben, sich zu bewegen oder zu atmen, was zur Verschlimmerung der Lage führte, die schnell außer Kontrolle geriet.[28]

Während die spezifischen zugrunde liegenden Faktoren, die zur Katastrophe führen, noch ermittelt wurden, wiesen erste Berichte auf Unzulänglichkeiten bei der Planung vor und während des Ereignisses hin, sowie bei der Risikobewertung, bei den erwarteten Gefahren und bei der Reaktion der Polizei, sowie auf den Mangel an wirksamen Mechanismen für schnelle Notfallmaßnahmen, an Strategien zum Management von Menschenmengen und von nichtbaulichen Maßnahmen zur Risikominderung.[28]

Hauptschauplatz

Karte des Areals
Im Süden: die Straße Itaewon-ro mit U-Bahn-Station Itaewon.
Im Norden: die „World Food Street“ (in der Karte: „crowded street with nightlife“).
Dazwischen: Seitengasse. Rot: Hauptschauplatz des Unglücks am Hamilton-Hotel.

Die nördlich des Hamilton-Hotels gelegene schmale Straße Itaewon-ro 27-ga-gil ist als „World Food Street“ bekannt.[29][30] Mit ihren Restaurants und Bars wird sie auch an gewöhnlichen Samstagen stark frequentiert. Am Halloweenabend wurde sie von einem großen Besucherstrom angesteuert.[30]

Einer der kürzesten Wege vom U-Bahnhof Itaewon zur „World Food Street“,[29] und somit eine beliebte Abkürzung zu vielen Bars und Clubs,[3] ist eine über keinen eigenen Straßennamen verfügende,[29] noch engere Seitengasse,[30] die im Osten an der hohen westlichen Außenwand des Hamilton-Hotels entlangführt[30] und an deren Westseite sich Bars befinden. In dieser 36 Meter langen[29] Seitengasse, bei der es sich um eine Fußgängerzone handelt, kam es am Abend der Halloweenfeier zu den meisten Opfern.[30] Die Gasse ist offiziell 4 Meter breit.[29][31][32] Die Seitengasse verläuft zudem mit einem angegebenen Gefälle von 10 Prozent abschüssig.[33] An ihrem nördlichen Ende ist die Seitengasse 5,5 Meter breit.[32][29] Die aus Gründen der Fußgängersicherheit in Südkorea vorgeschriebene Mindeststraßenbreite von vier Metern wurde Medienangaben zufolge im unteren Bereich der Seitengasse an der Stelle, wo sich die spätere Katastrophe ereignet hat, unterschritten, nachdem das Hamilton-Hotel bauliche Erweiterungen (eine provisorische Metallwand, eine Terrasse, eine Kabine) laut Polizei illegal vorgenommen hat, die die Straßenbreite dort auf lediglich 3,2 Meter verengten[30][33][32][34] und wegen der die Eigentümer des Hamilton-Hotels von der Polizei beschuldigt werden, mitverantwortlich für die Katastrophe zu sein.[34] Aus dieser Verengung der Seitengasse von 5 auf 3,2 Meter Breite resultiert Experten zufolge eine Art „Flaschenhals“.[32][29] Kurz vor Einmündung in die bergab gelegene Hauptstraße von Itaewon weitet sich die Seitengasse auf 4 Meter Breite.[32]

Auch einige andere Geschäfte auf der anderen Seite der Seitengasse hatten in den Verkehrsweg hineinragende Terrassen errichtet, die zur Unterschreitung der vorgeschriebene Breite beitrugen.[1][32] Laut Baubuch sind einige Geschäfte auf der gegenüberliegenden Seite der Seitengasse als illegale Bauten gekennzeichnet.[29]

Hergang

Frühe lokale Berichte gaben an, dass Feuerwehr und Polizei erst ab etwa 22.15 Uhr Ortszeit Berichte über das Unglück erhalten hätten.[35] Späteren Angaben zufolge hatte bereits um 20:09 Uhr Ortszeit ein Anrufer der Polizei den genauen Ort des etwa zwei Stunden später eskalierenden Unglücks mitgeteilt und dabei darauf hingewiesen, dass es bereits Verletzte gebe.[36][30] Insgesamt wurden vor dem tödlichen Gedränge elf solcher Anrufe getätigt. Die Polizei gab später an, sie habe lediglich auf vier der Anrufe hin Polizisten entsandt und in der Stunde vor dem Gedränge niemanden mehr geschickt.[30]

Eine von der Washington Post erstellte Untersuchung auf Basis von Notrufprotokollen und Zeugenbefragungen kam zu dem Ergebnis, dass die Gasse bereits um 18:28 Uhr gefährlich überfüllt gewesen sei. Wenige Minuten später ging der erste von mindestens 13 Notrufen ein, um vor einem eskalierenden Chaos zu warnen, da Menschen so fest eingeklemmt seien, dass es bereits zu Verletzungen gekommen sei.[11] Einer von der New York Times durchgeführten Analyse zufolge soll der erste Notruf bei der 112-Hotline um 18:34 Uhr eingegangen sein und bereits beschrieben haben, dass Menschenmengen von beiden Enden in die Gasse drängten und es den Anschein erwecke, „als würden Menschen zu Tode gedrückt werden“. Von 18:34 Uhr bis 22:11 Uhr gingen laut der Analyse über 10 Notrufe ein, die auf eine crowd surge hingedeutet hätten.[12] Laut den Ergebnissen der mehrwöchigen Ermittlungen eines polizeilichen Sonderteams wuchs die sich in der korridorartigen Gasse zwischen dem Hotel und einer dichten Reihe von Geschäften drängende Menschenmenge gegen 21:00 Uhr zu einer Welle an, in der die Menschen bereits eine Stunde vor der eigentlichen Katastrophe nicht mehr in der Lage waren, ihre Bewegungen zu kontrollieren, wenn sie erst von der Menge erfasst wurden.[37]

Entstehung und Eskalation des Massenunglücks

Die Seitengasse nach dem Unglück, Blick von Süden (2. November 2022)
Die Seitengasse einen Monat nach dem Unglück, Blick von Norden. Links: Wände am Hamilton-Hotel sind mit Folie abgedeckt (1. Dezember 2022).

Das tödlich verlaufende Gedränge begann gegen 22:15 Uhr Ortszeit mit einem sogenannten crowd collapse auf halber Höhe der Gasse begann, nachdem vermutlich einige Menschen gestürzt waren[30][38] und wie Dominosteine zu fallen begannen, was in die Katastrophe eskalierte.[37] Die Analyse von Aufnahmen der Sicherheitskameras sowie Simulationen des Nationalen Gerichtsmedizinischen Dienstes zeigen, dass die Dichte der Menschenmenge in der Gasse um 22:15 Uhr bei etwa 8 Personen pro Quadratmeter lag.[37]

Um 22:08 Uhr begannen Menschen in der Menge zu schreien. Experten zufolge sind durch Videoanalysen zwischen 22:08 Uhr und 22:18 bereits frühe Anzeichen oder Belege von crowd crush festzustellen.[11] Um 22:17 Uhr hatte sich der crowd crush Experten zufolge bereits ausgeweitet und die Lage wurde durch zusätzlichen Druck aus Richtung beider Gassenenden noch verschärft.[11] Nach Angaben der Polizei stieg die Dichte der Menschenmenge in der Seitengasse um 22:20 Uhr auf 8 bis 9 Personen pro Quadratmeter und erreichte um 22:25 Uhr 9 bis 11 Personen pro Quadratmeter.[37]

Medienangaben zufolge bewirkte die Dichte der Menschenmenge offenbar, dass andere Menschen wie in einer Wellenbewegung über die Gestürzten zu Fall kamen,[30] in einem an den Dominoeffekt erinnernden Phänomen, das von Experten als crowd collapse bezeichnet wird.[11] Die Menschen in der Menge schrien um Hilfe und konnten sich nicht aus der Situation befreien.[30] Bereits um 22.22 Uhr türmten sich die Menschen an einer besonders verstopften Stelle der Gasse übereinander. Die fünf vor Ort befindlichen Polizisten hatten jedoch aufgrund des auf den Menschen lastenden Gewichts der Menschenmenge Schwierigkeiten, die hilflosen Menschen zu erreichen und herauszuziehen.[11] Schließlich bildeten in diesem verengten Teil der Gasse mindestens 50 Menschen eine Art menschlichen „Haufen“.[30] Laut dem KNPA-Bericht vom 13. Januar 2023 starben viele, nachdem sie umgestürzt waren und andere Menschen aus der Menge sich auf ihnen gestapelt hatten.[37]

Am nördlichen Ende der Gasse bogen Leute abwärts in die abschüssige Seitengasse ein.[30][11] Zusätzlich bogen auch am südlichen Ende der Gasse Feiernde in die Gasse ein.[11] Überlebende sagten in ihren Zeugenberichten aus, dass ihre Füße den Boden nicht berührt hätten und sie hin und her geschoben und zur Stelle des Massengedränges getragen worden seien.[37]

Die meisten der 158 Todesfälle sollen sich konzentriert auf einem etwa 7 Meter langen Abschnitt der Seitengasse ereignet haben, der an ihrer Engstelle am Hamilton-Hotel lag.[39]

Ein Ersthelfer berichtete gegenüber Medien, es seien in dem „Haufen“ von menschlichen Körpern bis zu „10 Reihen von Gesichtern“ zu sehen gewesen, ohne dass man die zugehörigen Beine hätte sehen können.[40] Während die am Boden des menschlichen „Haufens“ Liegenden das Bewusstsein zu verlieren begannen, konnten trotz der Bemühungen durch Retter, die sie an ihren Gliedmaßen herauszuzerren versuchten, insgesamt nur wenige Menschen aus dem „Haufen“ befreit werden.[30]

Entlastungs- und Rettungsmaßnahmen

Polizei, Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge in der Straße Itaewon-ro, nach dem Beginn der Katastrophe

Das Bezirksamt Yongsan (Yongan-gu) verschickte am 30. Oktober 2022 um 00:11 Uhr und 01:38 Uhr zweimal eine Notfall-SMS, in der die Bürger gebeten werden, aufgrund eines „Sicherheitsunfalls“ in der Nähe der U-Bahn-Station Itaewon schnellstmöglich nach Hause zurückzukehren und von einem Besuch abzusehen, da Bedenken hinsichtlich zusätzlicher Schäden bestünden.[41]
Die Regierung der Metropolregion Seoul verschickte am 30. Oktober 2022 gegen 1 Uhr eine Notfallnachricht, in der die Bürger gebeten werden, aufgrund von Sorgen über zusätzliche Schäden im Zuge des Unfalls in der Nähe des Hamilton-Hotels in Itaewon schnellstmöglich nach Hause zurückzukehren.[42] Diese Notfallmeldung soll an jedes Mobiltelefon im Bezirk Yongsan gesendet worden sein.[43]

Die Führung der südkoreanischen Polizei gestand im Nachhinein ein, dass sie weder vor dem Massengedränge noch während dessen Entfaltung angemessene Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen[11] und in der Nacht des Unglücks keine adäquate Crowd control stattgefunden habe.[30] Für den 29. Oktober 2022 hatten die Strafverfolgungsbehörden 137 uniformierte und zivil gekleidete Mitarbeiter zur Kriminalprävention (zur Begegnung von Drogenkonsum, sexueller Gewalt und Kleinkriminalität) abgestellt. Lediglich 32 Polizisten waren laut Nationaler Polizeibehörde für den Einsatz bei Notfällen vor Ort beordert.[11]

Laut einer Analyse der Washington Post kam es bei den Rettungsmaßnahmen zu Verzögerungen mit katastrophalen Folgen für die Opfer.[11] Vom Beginn des tödlichen Massengedränges (22:08 Uhr) bis zum Beginn der effektiven Evakuierung durch die Rettungskräfte verstrichen demnach mindestens 26 Minuten.[11] Nach Aussage von Kim Baek-gyeom, einem Polizisten vom Polizeirevier Itaewon, wurden er und zwei seiner Kollegen etwa um 22 Uhr zur Überprüfung eines möglichen Straßenkampfes in die Nähe der Gasse entsendet, wo sie dann das Massengedränge gesehen hätten, von dem sie jedoch nicht unterrichtet gewesen seien. Kim zufolge sah er dort Menschen unter einer „Welle menschlicher Körper“ gedrückt, ihre Hände herausstreckend um Hilfe bittend. Durch einen Notruf bei der Hotline 119 um 22:15 Uhr wurden die Behörden erstmals auf die Situation aufmerksam.[12] Frühestens um 22:39 Uhr sperrten Rettungskräfte die beiden Enden der Gasse ab. Daher hatten Fußgänger noch eine halbe Stunde nach Beginn der Katastrophe in die Gasse einströmen können, was nach Ansicht von Experten die Bemühungen der Rettungskräfte erschwerte und die Anzahl der Todesopfer erhöhte.[11] Den Ermittlungen der Polizei zufolge hatten die Sanitäter aufgrund der dichten Menschenmenge im Gebiet Mühe, den Schauplatz zu erreichen. Die eintreffenden Sanitäter seien von der großen Zahl der regungslos am Boden liegenden Menschen so überfordert gewesen, dass sie Passanten um Hilfe bei den Wiederbelebungsmaßnahmen baten.[37]

Um 22:42 Uhr meldeten Feuerwehrleute ihren ersten offiziellen Kontakt mit Opfern und baten dringend um Unterstützung.[12] Breiter angelegte polizeiliche Maßnahmen erfolgten ab 22:50 Uhr.[11] Um 22:48 Uhr wurden laut Polizei die Drogenfahnder, die in der Nacht Drogenkonsumenten nachgehen sollten, für Rettungsmaßnahmen abgestellt.[12] Um 23:22 Uhr war es den Rettern gelungen, alle Verletzten und Bewusstlosen aus der Gasse zu ziehen und mit dem triagieren für die Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beginnen. Somit waren einige Opfer über eine Stunde lang nach dem Beginn des tödlichen Massengedränges unbefreit geblieben, bevor die Retter zu ihnen vorgedrungen waren.[11] Um 23:40 Uhr wurde schließlich auch die Bereitschaftspolizei, die für die drei Stunden zuvor zu Ende gegangenen politischen Kundgebungen in Seoul eingesetzt worden war, nach Itaewon abkommandiert.[12]

Die Feuerwehr berichtete, dass bei dutzenden Menschen, die im Gedränge einen Herzstillstand erlitten hatten, Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden mussten.[44][45] Ein Raum wurde eingerichtet, um verletzte Personen zu versorgen, Dutzende von Bewusstlosen wurden gefunden. Sanitäter, die Polizei, Zuschauer und Überlebende führten eine Herz-Lungen-Wiederbelebung bei den Verunglückten durch und schützten sie mit Decken und Kleidung.[46][47]

Nach Aussagen der Nationalen Feuerwehr und des Innenministeriums waren 142 Rettungsfahrzeuge im Einsatz, um Verletzte in umliegende Krankenhäuser zu bringen, insbesondere in das Soonchunhyang-Universitätsklinikum.[6][48] Insgesamt waren 848 Rettungssanitäter und Feuerwehrleute vor Ort.[49] Zusätzliche 83 Krankenwagen erreichten den Unglücksort nach 23:45 Uhr. Die Mobilfunk- und Internetnetze waren aufgrund des Unglücks zwischenzeitlich überlastet.[50]

Auch nachdem das Areal der Katastrophe von der Polizei abgeriegelt wurde, gingen einige Bars in der Nähe weiter in Betrieb. Viele Menschen waren sich der anhaltenden Krise nicht bewusst.[51]

Am 9. November 2022 wurde ein „One-Stop“-Unterstützungszentrum für vom Vorfall Betroffene eröffnet.[52]

Opfer

Tote und Verletzte

Seit dem Untergang des Fährschiffs Sewol im Jahr 2014 mit 304 Toten hat keine Katastrophe in Südkorea so viele Todesopfer gefordert wie die Halloweenkatastrophe in Itaewon.[23] In Seoul selbst hatte es seit dem Einsturz des Sampoong-Gebäudes im Jahr 1995, bei dem 502 Menschen getötet und 937 verletzt wurden, kein einzelnes Ereignis mit höherer Opferzahl mehr gegeben.[53] Die Zahl der Todesopfer der Halloweenkatastrophe vom 29. Oktober 2022 überschreitet zudem die des Massenunglücks vom 17. Juli 1959, als im Busan-Gudeok-Stadion in Busan 67 Menschen zu Tode gekommen waren, und ist damit die höchste aller Massengedränge in der Geschichte Südkoreas.[15]

Mitte November 2022 waren 158 Todesopfer bekannt.[54] Im Januar 2023 wurde außerdem ein Schüler, der im Dezember 2022 Suizid begangen hatte (siehe unten), als Todesopfer anerkannt. Damit erhöhte sich die offizielle Zahl der Todesopfer auf 159.[55] Nach Angaben der Polizei wurden die meisten Todesfälle durch Ersticken oder Hirnschäden verursacht.[37]

Unter den Todesopfern befanden sich mindestens 26 Ausländer.[54] Ende Oktober wurden 26 ausländische Todesopfer gezählt, die aus 14 Ländern stammten: Iran (5), China (4), Russland (4), Japan (2), Vereinigte Staaten (2), Australien, Frankreich, Kasachstan, Norwegen, Österreich, Sri Lanka, Thailand, Usbekistan und Vietnam.[56] Mitte November starb eine Frau aus Australien an ihren Verletzungen, so dass sich die Zahl der Todesopfer aus Australien auf zwei erhöhte.[57]

Von den 158 Todesopfern war eine deutliche Mehrheit (102) weiblich.[23] Weibliche Körper sind weniger resistent gegenüber Druck als männliche, sodass die Überlebenschancen von Frauen tendenziell geringer sind.[58] Frauen sind im Schnitt kleiner und haben allgemein weniger Kraft im Oberkörper als Männer. Ein Notfallmediziner erklärte, dass Menschen instinktiv die Arme verschränken, um Platz zum Atmen zu schaffen, wenn ihre Brustregion in einer Menschenmenge unter Druck steht, und dass dies für schwächere Menschen schwieriger sei.[59] Viele der weiblichen Opfer verloren in dem Gedränge ihre Schuhe.[60]

Die zu Tode Verunglückten waren überwiegend jung: Über 100 waren zwischen 20 und 29 Jahre alt,[8] 11 waren Teenager.[23]

196 Menschen wurden verletzt. 10 davon wurden auch rund zwei Wochen nach dem Unglück noch im Krankenhaus behandelt.[61]

Viele Überlebende litten in der Folge an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).[62][23] Das National Center for Disaster and Trauma und die örtlichen Wohlfahrtszentren für psychische Gesundheit behandelten bis Mitte Dezember 2022 mehr als 1300 Fälle von überlebenden Opfern und Hinterbliebenen der Todesopfer.[62]

Identifizierung der Todesopfer

In den Morgenstunden wurden die Leichname in eine Sporthalle transportiert, um Identifizierungen durch Angehörige zu ermöglichen. Die südkoreanischen Behörden teilten mit, es sei anfänglich schwierig gewesen, die Verstorbenen aufgrund ihrer Halloween-Kostüme, oder weil sie keinen Ausweis bei sich trugen, zu identifizieren. Das Hannam-dong-Gemeindedienstzentrum schuf ein temporäres Vermisstenzentrum.[63][64] Beamte, die normalerweise Geburtsurkunden oder Hausregistrierungen bearbeiten, halfen bei der Identifizierung von Verunglückten.[65] Das Wonhyoro-Sportzentrum, eines der provisorischen Leichenhäuser, wurde in ein Fundbüro für die Identifizierung von Kleidung und anderen Gegenständen der Opfer umgewandelt. Es wurden über 800 Gegenstände geborgen. Mobiltelefone und Personalausweise wurden bei einer örtlichen Polizeistation aufbewahrt.[66]

Namentliche Veröffentlichung der Todesopfer

Es wurde keine offizielle Liste der Verstorbenen veröffentlicht. Am 14. November 2022 veröffentlichten koreanische Online-Medien eine Liste mit den Namen von 155 Todesopfern.[54][67] Die Identität einiger Opfer war schon zuvor bekannt, doch nun wurde erstmals eine nahezu vollständige Liste veröffentlicht. Die beteiligten Online-Medien erklärten, die Bekanntgabe der Namen sei nötig, um echte Trauer zu ermöglichen;[67] die bisherige Geheimhaltung sei politisch motiviert.[54]

Die Veröffentlichung der Namen löste eine Kontroverse aus. Sie war gesetzeswidrig, da die Zustimmung der Angehörigen der Opfer fehlte. Außerdem wurde argumentiert, dass trauernde Hinterbliebene dadurch weiteren Schaden erleiden könnten.[54] Laut dem Außenministerium hatten sich bei 25 von 26 ausländischen Opfern die Familien gegen die Bekanntgabe des Namens ausgesprochen.[54] Über die Veröffentlichung der Namen beschwerten sich unter anderem Premierminister Han Duck-soo und andere Politiker,[54] der russische Botschafter in Südkorea[68] und der Großvater eines Todesopfers. Es gab aber auch Zustimmung zu der Aktion, so von der Catholic Priests’ Association for Justice. Diese veranstaltete, ebenfalls am 14. November, einen Open-Air-Gedenkgottesdienst in der Innenstadt, bei dem die Namen aller 158 Todesopfer in alphabetischer Reihenfolge verlesen wurden.[54]

Am 16. November begannen Ermittlungen der Polizei gegen zwei Online-Medien wegen der unrechtmäßigen Veröffentlichung der Namen.[68] Am 26. Januar 2023 folgte eine Durchsuchung des Büros eines anderen Online-Mediums auf Basis eines Durchsuchungsbefehls.[69]

Suizide

Am 11. November 2022 wurden zwei Beamte tot aufgefunden, die im Zusammenhang mit der Halloween-Katastrophe wahrscheinlich Suizid begangen hatten.[70] Einer von ihnen war ein ranghoher Polizist, gegen den Ermittlungen wegen einer Vertuschung liefen. Er soll den Auftrag eines Vorgesetzten weitergegeben haben, einen internen Bericht zu löschen. Der Bericht wurde wenige Tage vor der Katastrophe geschrieben und warnte vor der drohenden Gefahr.[71][72] Der andere Beamte war für Sicherheitsmaßnahmen bei Festivals in Seoul zuständig gewesen. Gegen ihn liefen keine Ermittlungen. Laut Kollegen soll er darunter gelitten haben, dass er beruflich mit der Katastrophe zu tun hatte.[73]

Am 12. Dezember 2022 wurde ein 17-jähriger Schüler tot in Seoul aufgefunden, der an Halloween mit zwei Freunden nach Itaewon gegangen war; beide Freunde starben. Man ging von einem Suizid aus, weil auf seinem Mobiltelefon die Nachricht „Ich werde bald meine Freunde sehen“ gefunden wurde.[62] Der Suizid löste eine Kontroverse über eine mangelnde Behandlung der psychischen Gesundheit der Überlebenden der Katastrophe aus.[55] Eine Gruppe von Hinterbliebenenfamilien kritisierte öffentlich, es fehle an Unterstützung für die traumatisch Belasteten.[74] Am 3. Januar 2023 erkannte das Ministerium für Inneres und Sicherheit den durch Suizid verstorbenen Schüler offiziell als das 159. Todesopfer an.[55]

Reaktionen

National

Staatstrauer
Trauerflor, wie er während der Staatstrauer entweder mit Aufschrift (links) oder ohne Aufschrift (rechts) an der Kleidung getragen wurde[75]

Südkoreas Staatspräsident

Der Präsident Südkoreas, Yoon Suk-yeol, leitete in der Nacht zum 30. Oktober 2022 eine Notfallsitzung. Zuvor ordnete er an, weiteres Notfallpersonal in das Areal zu entsenden und Krankenhausbetten vorzubereiten.[44] Am Morgen des 30. Oktober besuchte Yoon die Unglücksstelle in Itaewon.[76]

In einer Fernsehansprache an die Nation sprach Yoon von einer „Tragödie und Katastrophe“, die „nicht hätte passieren dürfen“.[77][76] Während Yoon den hinterbliebenen Familien sein „Beileid“ aussprach, vermied er eine ausdrückliche Entschuldigung und erklärte, dass „Personen, die besonders verantwortlich sind“, zur Rechenschaft gezogen werden sollten.[40] Wörtlich kondolierte Yoon: „Ich spreche den Opfern des Unglücks mein Beileid aus und hoffe, dass die Verletzten bald wieder gesund werden. Mein Mitgefühl gilt den Familienangehörigen der Opfer, die unter dem Verlust eines geliebten Menschen zu leiden haben“.[76] Yoon kündigte bereits kurz nach der Katastrophe an, den Vorfall gründlich untersuchen zu lassen[78][77] und Sorge dafür zu tragen, dass ein solches Unglück nie wieder geschehen werde.[77]

Yoon ordnete eine einwöchige Staatstrauer an.[44][76] Am 31. Oktober 2022 besuchte Yoon einen Gedenkaltar für die Verunglückten in der Innenstadt von Seoul.[78]

Seouls Bürgermeister

Der Bürgermeister von Seoul, Oh Se-hoon, der zum Zeitpunkt des Unglücks auf Besuch in Europa war, kündigte seine sofortige Rückkehr an.[79]

Staatstrauer

Bis zum Ende der vom Staatspräsidenten verhängten[44][76] Staatstrauer am 5. November 2022 sollten Flaggen auf halbmast gesetzt werden und Angestellte im öffentlichen Dienst sowie Beamte Trauerflor tragen.[76] Während einige das schwarze Band, das auch bei anderen Anlässen verwendet wird, mit der Aufschrift „謹弔“ (Geunjo) offen zeigten, trugen andere es mit der Rückseite nach oben gewendet und damit ohne lesbare Aufschrift.[75] Veranstaltungen, darunter auch Sportveranstaltungen, wurden auf die Zeit nach der Staatstrauer verschoben.[23]

Offizielle Gedenkstätten (während der Staatstrauer)

Offizielle Traueraltäre in Seoul
Gedenkaltar auf der Seoul Plaza vor der Stadthalle (31. Oktober 2022)
Gedenkstätte in der Nähe der U-Bahn-Station Noksapyeong, eingerichtet vom Bezirk Yongsan (1. November 2022)
Insadong, eingerichtet vom Bezirk Jongno-gu, mit Gaben der Bürgermeister von Seoul und Jongno und des Sicherheitsbeirats des Polizeireviers Jongno (5. November 2022)
Inoffizielle Gedenkstätte am Exit 1 der U-Bahn-Station Itaewon
Besuch buddhistischer Priester (1. November 2022)
Besuch des deutschen Staatspräsidenten Steinmeier (4. November 2022)

Das Bezirksamt von Yongsan-gu errichtete am 31. Oktober einen Gedenkaltar in der Nähe der U-Bahn-Station Noksapyeong[80][81] für die Nutzung in der Zeit vom 31. Oktober bis zum 5. November 2022.[82]

Traueraltäre wurden bis zum 31. Oktober auch in 17 weiteren südkoreanischen Städten errichtet, inklusive Busan, Daegu und Incheon. Das südkoreanische Gesundheitsministerium bot an verschiedenen Traueraltären und in einer mobilen Einrichtung psychologische Unterstützung an.[83]

Die offiziell errichteten Traueraltäre wurden nach Ende der bis zum 5. November 2022 verhängten Staatstrauer geschlossen.

Inoffizielle Gedenkstätte (an der U-Bahn-Station Itaewon)

Vor dem direkt zur Seitengasse des Massenunglücks führenden Ausgang 1 (Exit 1) der U-Bahn-Station Itaewon wurde von Bürgern eine provisorische Gedenkstätte errichtet.[80] Medienangaben zufolge hatte zunächst eine Person einen Strauß weißer Chrysanthemen neben dem Ausgang zurückgelassen, worauf die Anzahl der dort abgelegten Blumensträuße zunächst auf vier (um 15 Uhr am 30. Oktober) und dann innerhalb von fünf weiteren Stunden auf Hunderte angestiegen war, so dass die Blumen bereits eine Seite eines Geländers am Exit 1 ausfüllten.[81] Insbesondere dieser Ausgang wurde in der Folge ausgewählt, um dort durch Hinterlassen von weißen Blumen, handgeschriebenen Haftnotizen oder alkoholgefüllten Tassen der Opfer zu gedenken.[80][84] An den Wänden der Treppen in der U-Bahn-Station wurden von Trauernden hinterlassene Briefe befestigt.[81] Nach koreanischem Bestattungsbrauch wurden mit der Zeit auch viele verschiedene andere Lebensmittel als Opfergaben hinterlassen.[84]

Während die von der Zentralregierung oder von lokalen Regierungsstellen für die Itaewon-Katastrophe errichteten Traueraltäre mit Beendigung der Staatstrauer wieder geschlossen worden waren, nahm die provisorische Gedenkstätte am Exit 1 der U-Bahn-Station Itaewon weiterhin an Umfang zu.[81] Ehrenamtliche Helfer kümmerten sich – teils in organisierten Gruppen – um die Pflege und Instandhaltung der improvisierten Gedenkstätte[84][81] und deckten diese beispielsweise an Regentagen mit Plastikfolien ab.[81] Die von den Bürgern am Exit 1 der U-Bahn-Station Itaewon hinterlassenen, handbeschriebenen Gedenknotizen wurden von einem Team der Zeitung Hankyoreh zwischen dem 30. Oktober und 7. November 2022 fotografisch dokumentiert und über 3500 dieser Gedenknotizen für Auswertungen transkribiert.[85] Auch noch nach Mitte Dezember 2022 würdigten rund um die U-Bahn-Station Itaewon weiterhin Trauernde die Opfer der Halloweenkatastrophe durch Hinterlassen von Blumen und Beileidsbekundungen.[74]

Buddhistische Orden

Am 1. November 2022 versammelten sich buddhistische Mönche und Sangha-Mitglieder im Zentrum von Seoul unter Vertretern der sieben großen religiösen Orden Südkoreas, um der Menschen zu gedenken. Der Präsident von Südkoreas größtem buddhistischen Orden, dem Jogye-Orden, Ven. Jinwoo sagte, „Eine solche Katastrophe sollte nie wieder passieren, und wir beten für die Wiedergeburt der Opfer im Paradies“. Die Delegierten kamen von der Korean Conference of Religions for Peace, einem beratenden Gremium, das die wichtigsten Religionsgemeinschaften in Südkorea vertritt.[86]

Nach Ende der Staatstrauer und Schließung der offiziellen Traueraltäre führte ein Ausschuss des Jogye-Ordens vom 9. bis 11. November 2022 buddhistische Riten an der von Bürgern improvisierten Gedenkstätte an Exit 1 der U-Bahn-Station Itaewon durch und forderte neben einer zügigen Untersuchung der Itaewon-Katastrophe auch die Einrichtung einer Gedenkstätte als Raum für hinterbliebene Familien, um sich gegenseitig zu trösten und zu unterstützen.[81]

Oppositionelle Mahnwache

Oppositionelle Mahnwache
Mahnwache der oppositionellen Gruppe Candlelight Action in der Nähe des Rathauses von Seoul (5. November 2022)

Am 5. November 2022 fand in Seoul eine Mahnwache für die Verunglückten in Seoul statt. Die Mahnwache wurde von einer Bürger-Organisation organisiert, die der größten Oppositionspartei in Südkorea nahesteht. Viele der Teilnehmenden riefen die Regierung von Präsident Yoon Suk-yeol dazu auf, die Verantwortung für die Katastrophe zu übernehmen. In der Nähe wurde von progressiven Jugendgruppen eine eigene Kerzenlicht-Mahnwache organisiert.[87][88]

Gedenkstätte der Bürgervereinigung (auf dem Itaewon-Platz)

In Daejeon gründeten 47 bürgerliche, soziale und religiöse Gruppen und Parteien die Oct. 29 Itaewon Disaster Countermeasures Organization of Daejeon. Diese hielt am 12. Dezember zusammen mit 97 Angehörigen von Todesopfern der Halloween-Katastrophe eine Pressekonferenz vor dem Rathaus von Daejeon ab. Sie forderten die südkoreanische Regierung auf, die Verantwortlichen zu ermitteln und die Ehre der Todesopfer wiederherzustellen.[89]

Die Oct. 29 Itaewon Disaster Countermeasures Organization of Daejeon bildete zusammen mit Hinterbliebenen von Todesopfern eine Bürgervereinigung, die in Seoul einen Gedenkaltar auf dem Itaewon-Platz in Seoul errichtete. Der Gedenkaltar wurde am 14. Dezember 2022 eröffnet.[90] Der Gedenkaltar stellte die Fotos und Gedenktafeln nicht aller, sondern von 76 oder 77 der 158 Todesopfer aus, während andere Hinterbliebenenfamilien darum gebeten hatten, dass ihre Verstorbenen von dem Gedenkaltar ausgenommen werden.[90][91] Die von der Regierung betriebenen Gedenkaltäre, die unmittelbar nach der Katastrophe in ganz Südkorea errichtet worden waren, um der Öffentlichkeit während der Staatstrauer ein Gedenken an die Todesopfer zu ermöglichen, hatten weder Porträtbilder noch Namensschilder der Opfer enthalten.[91] The Oct. 29 Itaewon Disaster Countermeasures Organization of Daejeon kritisierte, dass die von der Regierung installierte gemeinsame Gedenkstätte alle Todesopfer umschlossen hatte, ohne dass zuvor die Zustimmung der Hinterbliebenen eingeholt worden war.[90] Bei der Eröffnung des Gedenkaltars beschuldigten die Hinterbliebenen die südkoreanische Regierung es versäumt zu haben, angemessene Maßnahmen zur Ehrung der Todesopfer zu ergreifen, wie etwa durch Einrichtung eines Denkmals. Sie warfen der Regierung vor, sie habe stattdessen versucht zu verhindern, dass die Familien der Todesopfer zusammenkommen.[91]

Mögliche Entschädigungen

Am 31. Oktober 2022 kündigte die südkoreanische Regierung an, dass die hinterbliebenen Familien unabhängig von einer möglichen Entschädigung je Todesopfer 20 Millionen KRW als „Trostgeld“ erhalten können sowie zusätzlich bis zu 15 Millionen KRW zur Deckung von Bestattungsgebühren und anderen Nebenkosten.[92][93] Überlebende Opfer der Katastrophe sollten zudem, je nach der Schwere ihrer Verletzungen, eine Entschädigung zwischen 5 und 10 Millionen KRW erhalten. Für die ausländischen Opfer sollten die gleichen Summen für die Deckung von Bestattungskosten und als Entschädigungen geleistet werden.[93]

Hinterbliebene der Opfer

Am 22. November 2022 hielten Hinterbliebene von einigen Opfern der Katastrophe eine Pressekonferenz ab. In einem Sechs-Punkte-Vorschlag wurde unter anderem eine gründliche Untersuchung der Verantwortlichen und die Vermeidung von Folgeschäden gefordert.[94] Die Pressekonferenz wurde von der gemeinnützigen Interessenvertretung Lawyers for a Democratic Society oder „Minbyun“ organisiert.[95]

Am 21. Dezember 2022 forderten die Hinterbliebenen vieler Opfer der Halloweenkatastrophe mehr und schnellere Gerechtigkeit und beklagten das Anhalten eines weit verbreiteten „Rechenschaftsversagens“. Der Vertreter einer Gruppe der Familien, Lee Jeong-min, bemängelte, die am 20. Dezember vom polizeilichen Sonderermittlungsteam beantragte Verhaftung der beiden Polizeibeamten Lee Im-jae Song Byung-joo hätte schon „vor langer Zeit“ vollzogen werden sollen. Die Gruppe der Hinterbliebenenfamilien forderte eine „rigorose und gründliche Untersuchung“ von Spitzenbeamten. Die Gruppe verlangte zudem „aktive Unterstützungsmaßnahmen“ für hinterbliebene Familien und für die nahezu 200 verletzten Überlebenden der Halloweenkatastrophe. Zudem erwartete die Gruppe eine „aufrichtige Entschuldigung“ durch Staatspräsident Yoon.[74]

Vonseiten Hinterbliebener kam es auch zu Protesten gegen und Kritik an Ministerpräsident Han Duck-soo, dessen Regierung ein Mangel an Kommunikation mit den Hinterbliebenen vorgeworfen wurde.[96]

Am 6. Januar 2023 kam es zu einem Treffen des Führers einer Gruppe der Hinterbliebenen, Lee Jong-chul, mit dem Sprecher der Nationalversammlung, Kim Jin-pyo, im Parlamentsgebäude in Seoul.[97] Die polizeilichen Ermittlungen wurden von den Hinterbliebenen hinter Lee Jong-chul dafür kritisiert, dass sie es versäumt hätten, Spitzenbeamte zur Rechenschaft zu ziehen.[98]

Der Experte für Konfliktbewältigung Cha Ji-ho (Korea Advanced Institute of Science and Technology) kritisierte am 10. Januar 2023 auf einer öffentlichen Anhörung im Rahmen der parlamentarischen Untersuchung zur Itaewonkastrophe, die Opfer und Hinterbliebenen seien zu wenig in die Diskussionen nach der Katastrophe einbezogen wurden. Er bezeichnete es als „verwunderlich“ und als Hauptunterschied zwischen dem koreanischen Katastrophenschutzsystem und dem einiger anderer Länder, dass die Opfer und Hinterbliebenen der Opfer nicht einbezogen worden seien und dass ihnen keine Gelegenheit gegeben worden sei, den Experten und Abgeordneten der parlamentarischen Untersuchung Fragen zu stellen.[99]

Entschuldigung der Regierung

Kein offizieller Vertreter war bereit, Verantwortung für die Katastrophe auf sich zu nehmen.[100] Erst am 6. Januar 2023 bot Innenminister Lee Sang-min im Namen der Regierung eine Entschuldigung an.[101]

Kommerziell

Südkoreas Unterhaltungsbereich zog alle Halloween-Produkte aus den Verkaufsregalen zurück und sagte alle Veranstaltungen ab. Es wurden alle Freizeitparks geschlossen, inklusive Everland in Yongin und Lotte World in Jamsil-dong. Starbucks-Verkaufsstellen beendeten Halloween-Werbeaktionen und stoppten den Verkauf von Halloween-Themen-Getränken.[102][103] In der Musikindustrie wurden Konzerte abgesagt, und Albumveröffentlichungspläne einiger Künstler vorübergehend verschoben.[104]

Auch in der Weihnachtszeit 2022 litten die Geschäfte um die U-Bahn-Station Itaewon wie auch die umliegenden Geschäftsviertel noch immer wirtschaftlich unter den Folgen der Halloweenkatastrophe, da es dort selbst während der Urlaubszeit kaum Kunden gab. Berichten zufolge soll in Itaewon zur Weihnachtszeit 2023 lediglich 10 Prozent des Kundenaufkommens der vorjährigen Weihnachtszeit verzeichnet worden sein, während zur gleichen Zeit in anderen beliebten Seouler Ausgehvierteln wie Hongdae und Myeongdong große Besuchermengen zu beobachten waren und die Polizei dorthin zusätzliches Personal entsandte, um mögliche „Unfälle“ zu verhindern.[105]

International

Verschiedene Staats- und Regierungschefs kondolierten innerhalb des ersten Tages nach der Katastrophe den Angehörigen der Opfer und erklärten der südkoreanischen Bevölkerung ihr Mitgefühl.[77]

Frank-Walter Steinmeier mit seiner Ehefrau am Gedenkort U-Bahn-Station Itaewon (4. November 2022)
  • China Volksrepublik Volksrepublik China – Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping sandte eine Botschaft an Präsident Yoon Suk Yeol, um den Familien der Todesopfer und den Verletzten sein aufrichtiges Mitgefühl auszusprechen.[106]
  • Deutschland Deutschland – Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz drückte sein Beileid aus, die Ereignisse seien erschütternd und Deutschland stehe an der Seite Südkoreas.[107] Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legte zum Auftakt eines Korea-Besuches in Begleitung seiner Ehefrau am Gedenkort am Rathaus von Seoul zum Gedenken an die Opfer der Halloween-Katastrophe Blumen nieder und sagte: „Wir trauern mit dem koreanischen Volk“.[108] Er besuchte auch die inoffizielle Gedenkstätte an der U-Bahn-Station Itaewon.
  • Japan Japan – Japans Ministerpräsident Fumio Kishida kondolierte im Namen des japanischen Volkes. Er sei tief traurig und bete für die schnelle Erholung der Verletzten.[109]
Polizei auf erhöhter Fahrzeug-Plattform und auf der Straße mit Megaphon
Polizisten inmitten der Menge auf der Shibuya Crossing
Polizeipräsenz bei den Halloween-Feierlichkeiten in Shibuya am 29. Oktober 2022
In Japan war nach der Itaewon-Katastrophe die Polizei am 31. Oktober 2022 auf den breiten Alleen und in den engen Gassen von Tokios berühmtem Stadtviertel Shibuya stark präsent und forderte auf der weltbekannten „Alle-gehen-Kreuzung“ in Shibuya ständig die Menschen auf in Bewegung zu bleiben, während sie zugleich den Strom der Menschenmenge dirigierte, indem sie Polizeiketten entlang des Zebrastreifens bildete. Die oft „DJ-Polizei“ genannten Polizisten auf erhöhten Plattformen gaben fortlaufend Ankündigungen heraus, um beispielsweise die Menschen in der Menge aufzufordern, während der Straßenüberquerung nicht anzuhalten um Fotos zu machen. Obwohl die Halloween-Feierlichkeiten auf einen ruhigeren Wochentag fielen, schien die Größe der Menschenmenge in Shibuya infolge der gelockerten COVID-19-Beschränkungen und am 11. Oktober 2022 vollzogenen vollständigen Wiedereröffnung Japans für ausländische Touristen etwa auf dem Niveau vor der COVID-19-Pandemie (über 40.000 Besucher im Bezirk Shibuya in der Halloween-Nacht 2019) zu liegen.[110]
  • Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten – US-Präsident Joe Biden sagte, er und seine Frau Jill trauerten mit den Menschen in Südkorea. „Die Allianz zwischen unseren Ländern war niemals pulsierender und lebendiger – und die Beziehungen zwischen unseren Bürgern so stark wie nie.“[107]

Kritik

Bei den Halloween-Feierlichkeiten in Itaewon gab es keine offiziellen Veranstaltungssponsoren oder Organisatoren.[111] Die zur Katastrophe führenden Ereignisse wiesen auf Mängel in der staatlichen Beaufsichtigung wie etwa Fehler der Polizeibehörde hin.[111] Mehrere Behörden wurden beschuldigt, in Bezug auf Crowd-control-Maßnahmen versagt zu haben.[112] Investigativberichte der The Washington Post beispielsweise ergaben, dass beim Massengedränge in Itaewon[113][11] schwerwiegende Fehler vonseiten der Behörden zu der hohen Anzahl an Todesopfern beigetragen hatten, im Falle Itaewons durch eine langsame Reaktion der Polizei und mangelnde Steuerung der Menschenmenge.[113][11] Neben der verspäteten Reaktion der Polizei gerieten auch die verspäteten Reaktionen der Feuerwehr und des Bezirksamts Yongsan in die Kritik und wurden Gegenstand von Ermittlungen.[23] In der Folge nahm der Diskurs um die Itaewon-Katastrophe einen zunehmend politischen Charakter an[112] und es wuchs der Druck seitens der Bevölkerung, dass die südkoreanische Regierung und Staatspräsident Yoon die Verantwortung für inkompetente Behandlung der Ereignisse übernehmen sollten.[111] Oppositionspolitiker forderten, dass der die Polizei beaufsichtigende Innenminister die Verantwortung übernimmt und zurücktritt, fanden aber darin zunächst keine Unterstützung durch den Staatspräsidenten.[112]

Kritik an der Behandlung der Notrufe

Anschließende Untersuchungen ergaben, dass es bereits Stunden vor dem Unglück mehrere Telefonanrufe bei der Polizei gegeben hatte, in denen besorgte Personen auf die Menschenmassen, die immer weiter zunahmen und in die engen Gassen strömten, hinwiesen. Anwohner der Gegend berichteten, dass die Straßen so dicht mit Menschen gefüllt waren, dass man kaum das Haus verlassen konnte. Die Polizei hatte zuerst erklärt, dass der erste Notruf am Samstag um 22.15 Uhr Ortszeit bei der Feuerwehr eingegangen sei. Transkripte von Notrufen belegen aber, dass bereits um 18.34 Uhr ein Anrufer um Hilfe bat. Bei einem Notruf um 20.09 Uhr hieß es, „Hier sind zu viele Menschen, sie werden geschoben, niedergetrampelt, verletzt. Es ist chaotisch. Sie müssen das unter Kontrolle bringen.“ Ministerpräsident Han Duck-soo sagte, die Anrufer hätten „furchtbar dringend Hilfe oder ein Einschreiten der Polizei gebraucht“. Das südkoreanische Innenministerium kündigte daraufhin eine Reform der Notrufzentralen an.[114][115]

Kritik an Prävention und Reaktion des Bevölkerungsschutzes

Es gab Kritik, die Behörden hätten die Menschenmassen nicht kontrolliert, was der südkoreanische Innenminister Lee Sang min jedoch zurückwies. Da die Halloween-Party keine angemeldete Veranstaltung gewesen war, hätten die Massen auch nicht durch mehr Polizei verhindert werden können.[116] Die Behauptung des Innenministers, dass eine höhere Anzahl eingesetzter Polizisten und Feuerwehrleute die Katastrophe nicht hätte verhindern können, löste eine öffentliche Gegenreaktion aus.[74]

Nachdem die Polizei erklärt hatte, dass 137 Beamte in Itaewon im Einsatz gewesen seien und damit deutlich mehr als bei den Halloween-Feiern in den Jahren zuvor, wiesen südkoreanische Medien darauf hin, dass sich der Einsatz der meisten Polizisten jedoch auf die Unterbindung von Drogenkonsum und Sexualdelikten der Feiernden fokussierte, statt auf die Lenkung und Kontrolle der Menschenmenge.[117][118]

Direkt nach dem Unglück äußerten Augenzeugen die Ansicht, dass die Maßnahmen und das Verhalten der Polizei inadäquat gewesen seien. Dies wurde in einer Pressekonferenz am 1. November 2022 vom Leiter der südkoreanischen Polizei offiziell eingeräumt. In Vorbereitung auf die Halloween-Feiern hatte es mehrere Treffen zwischen Vertretern des Stadtbezirks, der örtlichen Polizei, örtlichen Geschäftsleuten und dem Aufseher der örtlichen U-Bahn-Station gegeben, in denen verschiedene Problemfelder besprochen worden waren, so z. B. Minimierung des SARS-CoV-2-Infektionsrisikos, Vorgehen gegen Drogenhandel etc. Die Möglichkeit einer Überfüllung durch zu viele Besucher war dabei offenkundig nicht thematisiert worden. Ein Grund für den Massenandrang war die Nähe der U-Bahn-Station Itaewon. Polizeivertreter warfen der U-Bahn-Direktion vor, nicht einem Polizeivorschlag gefolgt zu sein, den Ausstieg an der Station Itaewon zu unterbinden. Vertreter der U-Bahn Seoul widersprachen dem und erklärten, dass ein entsprechendes offizielles Ersuchen der Polizei erst eine Stunde nach dem Unglück eingegangen sei. Polizeivertreter äußerten auch, dass sie von Geschäftsleuten gebeten worden seien, die Polizeipräsenz zu reduzieren, da sich diese negativ auf die Geschäftserwartungen auswirke. Dies wurde von der örtlichen Vereinigung der Geschäftsleute dementiert.[119] Der Generalkommissar der Koreanischen Nationalen Polizeibehörde Yoon Hee-keun, der sich am Tag des Unglücks nicht im Dienst befand,[120] wusste nichts über die Situation in Itaewon, bis er schlafen ging.[121] Yoon Hee-keun räumte eine „schwere Verantwortung“ ein. Er sagte, Beamte hätten am Samstag früh eingehende Notrufe über das sich anbahnende Desaster nicht effektiv behandelt. Die Polizei habe bereits vor dem Unglück von einer „großen Menschenmenge“ erfahren, was ein „dringender Hinweis auf Gefahr“ gewesen sei. Präsident Yoon Suk Yeol sagte, dass es in Südkorea an Forschung zu Massenkontrolle ein Defizit gebe. Unbemannte Luftfahrzeuge und andere High-Tech-Ressourcen müssten dafür entwickelt werden. „Die Sicherheit der Menschen ist wichtig, unabhängig davon, ob es einen Veranstalter gibt oder nicht“. Ein Echtzeit-Überwachungssystem für Menschenansammlungen auf Basis von Handydaten war laut Medienberichten am Unglückstag inaktiv.[122]

Young-ook Kim, Experte für Massenbewegungen und räumliche Anordnung und Verhalten an der Sejong-Universität in Seoul, sagte: „Wenn man nur den Ort begutachtet und mögliche Gegenmaßnahmen besprochen hätte, hätte jeder, der über Instinkt und Erfahrung verfügt, die Situation vorhersehen können.“[11][123]

Kritik am Sprachgebrauch zum Unglück

„Unfall“

In den Notrufen, die am Tag der Katastrophe bei der Hotline 112 eingingen, wurde speziell der Begriff crowd crush zur Beschreibung der Situation verwendet. Auf einer Notfallsitzung, die am nächsten Tag unter dem Vorsitz von Staatspräsident Yoon stattfand, wurde den Teilnehmern geraten, statt des Begriffs crowd crush den Ausdruck accident („Unfall“) zu verwenden. Am 7. Dezember 2022 forderte ein Mitglied des parlamentarischen Sonderausschusses die Klärung der Frage, ob die Regierung damit versucht habe, die Katastrophe verzerrt darzustellen.[124]

Der südkoreanische Staat kündigte Anfang November an, das Ereignis nicht als disaster („Katastrophe“) zu bezeichnen, sondern als accident („Unfall“), um den Ruf Itaewons als beliebtes Touristenziel nicht zu beschädigen. Die Ankündigung rief zunehmende Empörung hervor, insbesondere in der jungen Bevölkerung. Die Bezeichnung „Unfall“ wurde als verfälschend empfunden, da es bald viele Hinweise darauf gab, dass Versäumnisse der Behörden zu der Katastrophe geführt hatten.[8]

Vermeidung von „Opfer“

Am 31. Oktober ordnete das Ministerium für Inneres und Sicherheit in einem offiziellen Dokument an, den Begriff „Opfer“ zu meiden. Stattdessen sollten andere Begriffe verwendet werden, denen im Englischen die Wörter casualties und deceased entsprechen (deutsch: „Verluste“ oder „Verstorbene“). Auch diese Sprachregelung löste nach dem Bekanntwerden eine Kontroverse aus.[124]

„Massenpanik“ bzw. englisch „stampede“

„Flaschenhals“-Situation bei einer Evakuierung: Eine Engstelle verursacht einen Stau (Simulation am Computer)[125]
Schematische Darstellung des Dominoeffekts

Experten wie beispielsweise Milad Haghani (School of Civil and Environmental Engineering an der University of New South Wales), Edwin Galea (University of Greenwich) oder John Drury (University of Sussex) vertraten bereits wenige Tage nach dem Unglück die Ansicht, dass die in den Medien vorherrschenden Bezeichnungen wie „Massenpanik“ (im Englischen: stampede oder crowd surge) inkorrekt seien,[126][127] da sie voraussetzen würden, dass den Menschen in der Menge Platz zur Bewegung zur Verfügung gestanden hätte.[126] Der Experte G. Keith Still (University of Suffolk) lehnte mit dem gleichen Argument den Begriff stampede als inkorrekt ab, hielt aber crowd crush oder crowd surge für geeignete Bezeichnungen.[128] Auch bei der deutschen Bezeichnung „Massenpanik“ für eine zunehmend gefährliche Ansammlung von Menschen handelt es sich nach Ansicht von Forschern um eine Fehlbezeichnung.[129] Laut Experten wie Haghani hatte die Seitengasse, in der sich das Massenunglück in Itaewon ereignet hatte, durch eine Verengung am Hamilton-Hotel auf lediglich 3,2 Meter die Charakteristik eines „Flaschenhalses“ erhalten.[32] Bei dem Phänomen, das sich auch auf der Halloween-Katastrophe in Seoul zugetragen hat, können die Menschen in der Menge nach Ansicht von Experten wie Still, begünstigt von der Geometrie des Schauplatzes des Unglücks, wie in einem „Dominoeffekt“ umfallen und dann nicht mehr aufstehen.[128][130]

Experten wie Haghani, Galea, Drury oder Still hoben zudem hervor, dass ein solch inkorrekter Sprachgebrauch rechtliche Konsequenzen implementierte, irreführend sei und die Schuld an dem Unglück von den Organisatoren und Behörden auf die betroffenen Opfer in der Menschenmenge verschiebe.[126][127] Haghani zufolge suggerierte der inkorrekte Sprachgebrauch fälschlicherweise, dass die in das Ereignis involvierten Menschen eine Art Fehl- oder regelwidriges Verhalten gezeigt hätten.[126] Der Experte Armin Seyfried (Forschungszentrum Jülich) stellt die Bezeichnung „Massenpanik“ infrage, weil dieser impliziere, dass Menschen in solchen Situationen irrational handeln und eine Mitschuld tragen.[131] Experten wie Still hoben hervor, der in den Medien verwendete Sprachgebrauch verkehre die Kausalität, da die Menschen bei solchen Ereignissen nicht sterben würden, weil sie in Panik geraten, sondern sie würden in Panik geraten, weil sie zu sterben beginnen.[127][126][130]

Überfüllter Zugangsbereich bei der Loveparade 2010, kurz vor dem Unglück

Nach Ansicht Haghanis war eine solch inkorrekte Bezeichnung entsprechender Ereignisse in der Vergangenheit eine der Ursachen dafür, dass aus vergleichbaren Ereignissen nicht die richtigen Lehren gezogen und bei der Organisation von Veranstaltungen keine ausreichenden Anstrengungen unternommen wurden, um die bestehenden Risiken zu minimieren. Der Vorfall in Itaewon hätte nach Ansicht Haghanis aufgrund dessen, dass vergleichbare Ereignisse der Vergangenheit bereits wissenschaftlich untersucht worden waren und man daraus hätte lernen müssen, verhindert werden sollen. So weise laut Haghani etwa das Unglück bei der Loveparade 2010 die gleiche Charakteristik auf wie das Ereignis in Itaewon 2022, indem unter anderem bei beiden Ereignissen Zustrom und Dichte der betroffenen Menschenmenge nicht gesteuert und beobachtet worden seien.[126][132] Die Experten Anna Sieben (Universität St. Gallen) und Dirk Helbing (ETH Zürich) vertraten die Ansicht, bei dem Unglück auf der Loveparade 2010 und wahrscheinlich auch bei jenem in Itaewon 2022 habe es sich wahrscheinlich nicht um das Ergebnis einer „Massenpanik“ gehandelt, auch wenn man dies angesichts der Berichterstattung über die Situation vielleicht vermuten könnte.[133] Da Panik oder Hysterie oft nicht der Auslöser für Massenunglücke in einer beengenden Menschenmasse sind, halten Forscher wie Helbing den Begriff „Massenpanik“ für missverständlich.[134] Helbing wies darauf hin, dass die meisten Katastrophen in Menschenmengen mit Todesfolge nicht durch einen psychologischen Effekt verursacht werden, der auf einem Zustand psychologischer „Panik“ beruhen würde, sondern durch einen physikalischen Effekt, bei dem physikalische Kräfte wirken, die als „Massenturbulenz“ oder „Massenturbulenzen“ (englisch: crowd turbulences) bezeichnet werden.[133][134][135]

Dieses Phänomen der „Massenturbulenzen“ war laut Helbing, der die Katastrophe auf der Loveparade 2010 in Duisburg eingehend untersucht hatte, „auch eindeutig die Ursache für das Unglück in Duisburg“.[135][136] Um den Panikbegriff nicht zu überdehnen, verwenden Panikforscher deshalb bevorzugt die Bezeichnung „Massenunglück“ (englisch: crowd disaster).[134][135] Helbing zufolge wies das Unglück in Itaewon 2022 „auffällige Ähnlichkeiten“ zu jenem auf der Loveparade 2010 in Duisburg auf, bei der Menschen aus einer „Massenturbulenz“-Situation heraus gestorben waren.[136] Helbing war durch qualitative Analyse bereits im Fall des Unglücks auf der Loveparade 2010 zu dem Ergebnis gekommen, dass die in den Medien verbreiteten Mutmaßungen, dass entweder eine durch Alkohol oder Drogen begünstigten Massenpanik oder Stampede oder aber von einer Treppe auf die Menge herabstürzende Menschen die Katastrophe verursacht hätten, widerlegt und stattdessen das Unglück dadurch verursacht worden sei, dass die Menschenmenge in einem bestimmten Bereich eine kritische Dichte überschritten habe.[137] Bei einer Dichte, die so groß ist, dass es zu unbeabsichtigten Körperkontakten kommt, werden laut Helbing Kräfte übertragen, die sich aufsummieren können.[130] Laut Helbing kann es zu einer „Massenturbulenz“ (englisch: crowd turbulence) oder „Massenbeben“ (englisch: crowd quake) genannten, natürlichen Bewegung der Menschenmasse kommen, da die Menschen so eng aneinandergedrückt stehen, dass sie keine Kontrolle mehr über ihre Bewegungen haben und bei der der Sturz einer Person einen „Dominoeffekt“ auslösen kann, durch den Menschen sich übereinander aufhäufen können.[130][138] Diese „Massenbeben“ sind nach Helbing und Mukerji (2012) eine typische Ursache für Massenunglücke (englisch: crowd disasters), die von solchen Massenunglücken zu unterscheiden sind, die aus mass panic oder crowd crushes resultieren.[138]

Laut Helbing besteht in einer Menschenansammlung ab einer Dichte von etwa fünf Personen pro Quadratmeter erhebliche Gefahr. Videoanalysen zufolge soll die Menschenmenge bei der Halloweenfeier in Itaewon im Jahr 2022 im Epizentrum eine Dichte von rund zehn Personen pro Quadratmeter gehabt haben.[130] Der Experte Mehdi Moussaïd (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) hob als Unterschied zu Massengedrängen bei Musikfestivals oder religiösen Pilgerfahrten hervor, dass die Menschen „in einer Stadt sind und es sich nicht um eine geplante Veranstaltung mit Eintrittskarten handelt, die es ermöglichen, die Menge zu leiten und zu wissen, wie viele Menschen ankommen werden usw.“. Es sei daher in Itaewon nicht bekannt gewesen, auf welche Straße und in welche Richtung die Menschen gehen würden.[139]

Fußgängerbrücke in Akashi, wo im Jahr 2001 elf Menschen starben[140]

Der Experte Toshihiro Kawaguchi (Kansai-Universität) beschrieb das Ereignis in Itaewon 2022 mit dem Begriff „crowd avalanche“ (deutsch etwa: „Menschenmassenlawine“) und verglich eine sechs Meter breite Fußgängerbrücke in Akashi in der japanischen Präfektur Hyōgo, auf der sich ein Massenunglück bei einem Feuerwerksfest im Jahr 2001 mit 11 Toten ereignet hatte, mit der schmalen und abschüssigen Gasse in Itaewon, in der es am 29. Oktober 2022 zur Katastrophe gekommen war. Laut Kawaguchi tritt eine crowd avalanche typischerweise nach Erreichen einer Dichte von 10 oder mehr Menschen pro Quadratmeter auf, da umfallende Menschen bei diesem Schwellenwert keine Möglichkeit mehr haben, den Körpern anderer Menschen auszuweichen, die sich auf ihnen stapeln, so dass die unten liegenden unter dem großen Druck sterben können.[140]

Treppe zur Londoner U-Bahn-Station Bethnal Green, Ort der Katastrophe am 3. März 1943

Nach Ansicht von Juliette Kayyem, Expertin für Katastrophenschutz und Dozentin für internationale Sicherheit an der John F. Kennedy School of Government (Harvard University), muss kein bestimmtes auslösendes Ereignis geschehen sein, um das Unglück bei der Halloweenfeier in Itaewon zu erklären. Ihrer Einschätzung nach reichten die ihrer Meinung nach gegebenen Faktoren wie die große Menschenmenge, die engen Gassen und der Mangel an öffentlicher Sicherheit und Einsatzkräften zur Lenkung des Besucherstroms zur Erklärung des Massengedränges in Itaewon aus. Kayyem zog Parallelen zwischen der Halloweenkatastrophe in Itaewon und der Katastrophe von Bethnal Green im Jahr 1943, bei der während eines Luftangriffs in London 174 Menschen auf den Stufen zum Eingang der U-Bahn-Station Bethnal Green ums Leben gekommen waren. Ein Katastrophenuntersuchungsbericht hatte die genaueren Umstände behandelt, doch waren die für die Aufsicht im unterirdischen Bunker zuständigen Behörden nie bestraft worden, sondern es war stattdessen den Opfern die Schuld für den „Verlust der Selbstbeherrschung“ gegeben worden, der nach dieser Sichtweise zu einer Stampede geführt habe.[141]

In ähnlicher Weise bezeichnete Toby Butler, der für den Heritage Lottery Fund (HLF) am Bethnal Green Disaster Memorial Project und für den Economic and Social Research Council (ESRC) als Berater für das Stampedes Project der University of Sussex gearbeitet hatte, die Katastrophe von Bethnal Green als einen Präzedenzfall für die Halloweenkatastrophe in Itaewon 2022. Bei der Katastrophe von Bethnal Green, bei der Menschen ineinander gefallen waren und nicht mehr aufstehen konnten, habe es wie bei der Halloweenkatastrophe in Itaewon über eine Stunde gedauert, bis Opfer und Überlebende aus der ineinander liegenden Menge gezogen werden konnten. Butler warnte, dass die Geschichte von Massenunglücken wie im Fall der Katastrophe von Bethnal Greender darauf hindeute, dass die Behörden auch im Fall der Halloweenkatastrophe in Itaewon versuchen könnten, den Opfern die Schuld an der Katastrophe zu geben, statt die mangelnde Kontrolle der Menschenmenge durch die zuständigen Behörden als verantwortlich anzuerkennen. Butler wies darauf hin, dass einige Presseberichte im Fall der Halloweenkatastrophe von Itaewon die Verantwortung in Richtung der Opfer gelenkt hatten, indem sie spekulierten, dass das Massengedränge möglicherweise durch eine stampede verursacht worden sei, als die Menschen einen Prominenten hätten sehen wollen. Butler erinnerte daran, dass auch im Fall der Hillsborough-Katastrophe, bei der in Sheffield 96 Menschen auf überfüllten Fußballtribünen zu Tode gedrückt worden waren, sowohl die Boulevardzeitung The Sun als auch hochrangige Polizeivertreter behauptet hatten, betrunkene Fußballfans seien durch widerspenstiges Verhalten für das Gedränge verantwortlich, während eine Untersuchung ergeben hatte, dass hauptsächlich die mangelnde Lenkung der Menge durch die Polizei und die unzureichende Beschaffenheit der Barrieren vor Ort verantwortlich für die Todesfälle gewesen waren. Butler appellierte an Reporter und Verantwortliche, auch in ihrem Sprachgebrauch zur Katastrophe präzise zu sein und Mutmaßungen über das Verhalten der Menge zu vermeiden.[142]

Martyn Amos, Professor für Computer- und Informationswissenschaften an der Northumbria University, sagte, dass stampede ein äußerst problematischer Begriff sei, weil er ungenau ist und eine Schuld der Opfer impliziert. Laut Amos ist aufgrund des zunehmend urbanisierten Charakters der Gesellschaft ein besseres Verständnis von Menschenmengen notwendig. Amos forderte weiter, man müsse Menschengruppen als komplexe, dynamische Systeme aus menschlichen „Teilen“ begreifen, die miteinander und mit ihrer Umwelt interagieren und über die „unglücklicherweise“ immer noch dominierenden „müden“ Narrative von „Mob“, „Stampede“ und „Panik“ hinausgehen. Dazu sei eine weitere Förderung für einen interdisziplinären Ansatz notwendig, der sich auf Physik, Informatik, Sozialpsychologie, Soziologie, Kriminologie, Polizei und Politik stütze.[143]

Offizielle Untersuchungen

Am 1. November 2022 wurde von der National Police Agency (KNPA) eine Sondereinheit der Polizei für polizeiliche Ermittlungen zur Katastrophe aufgestellt.[144][145] Gleichzeitig erfolgte getrennt von den polizeilichen Ermittlungen eine Untersuchung des Massengedränges in Itaewon,[146][147] die ein im November 2022 gegründeter[145] parlamentarischer Sonderausschuss bis zum 17. Januar 2023 durchführen kann.[146]

Während die internen Sonderermittlungen durch die National Police Agency (KNPA) bald in Gang kamen, lief eine parlamentarische Untersuchung aufgrund politischer Machtkämpfe zunächst noch nicht an.[40] Ende Dezember 2022 hatte noch kein einziger der für das Katastrophenmanagement zuständigen Regierungsvertreter für die mangelnden Maßnahmen zur Vorsorge oder Abwendung der Katastrophe, vor der sie im Vorfeld gewarnt worden waren, die Verantwortung übernommen oder war zurückgetreten.[148]

Während sich die erste Frist für die parlamentarische Untersuchung am 7. Januar 2023 näherte[148] und nachdem die parlamentarische Untersuchungssitzung am 29. Dezember 2022 ausgesetzt wurde, weil die Abgeordneten der PPP sie boykottierten, forderte der Fraktionsvorsitzende der DPK, Park Hong-geun, am 30. Dezember 2022 eine Verlängerung der laufenden parlamentarische Untersuchung, da es nicht möglich sei, die Katastrophe bis zur gesetzten Frist am 7. Januar 2023 ordnungsmäßig zu untersuchen und Maßnahmen zur Verhinderung ähnlicher „Unfälle“ auszuarbeiten. Der PPP warf Park gezielte Behinderung und Verschleppung der parlamentarischen Untersuchung vor. Park forderte zur Wahrheitsfindung Anhörungen mit dem Innen- und Sicherheitsminister Lee Sang-min, mit den Hinterbliebenen der Todesopfer, mit Experten sowie mit Überlebenden.[149] Die DPK forderte eine Verlängerung der parlamentarischen Untersuchung um mindestens 10 Tage und zusätzliche Anhörungen.[150] Am 6. Januar 2023 genehmigte das Parlament per Abstimmung eine Verlängerung der Amtszeit des parlamentarischen Sonderausschusses zur Untersuchung des Massengedränges in Itaewon um weitere zehn Tage bis zum 17. Januar 2023.[146]

Gleichzeitig bestanden große Zweifel an den Ermittlungen der Polizei, in deren Folge zu diesem Zeitpunkt noch keine hochrangigen Beamten bestraft worden waren.[148] Die DPK stellte die polizeilichen Ermittlungen mit dem Argument in Frage, dass sie nur gegen gewöhnliche oder niederrangige Beamte ermittelten, hochrangige Beamte jedoch ausschlössen. Die Polizei hatte in ihre Ermittlungen zu den Ereignissen weder das Innenministerium noch die Stadtverwaltung von Seoul einbezogen. Die DPK forderte dagegen die Entlassung des Innenministers und eine Änderung des Ermittlungsverlaufs der Polizei.[151] Das polizeiliche Ermittlungsteam war zu dem Schluss gekommen, dass Polizei, Feuerwehr und Bezirksregierung von Yongsan eine „konkrete“ Verantwortung für die Katastrophe tragen.[152]

Das Sonderermittlungsteam der KNPA wiederum beschuldigte Ende 2022 die Staatsanwälte, die Ermittlungen und Strafverfolgung vom Personal der Feuerwehr zu behindern und fortzulenken, um damit der Darstellung des Staatspräsidenten Yoon zu entsprechen, der öffentlich die Polizei beschuldigt hatte, verantwortlich für die verpfuschten Rettungsmaßnahmen zu sein.[153]

Nach fast zweimonatiger Untersuchung überwies das Sonderermittlungsteam der Polizei den Leiter der Bezirkspolizei und den Leiter des Bezirksamts von Yongsan an die Staatsanwaltschaft.[145] Der parlamentarische Ausschuss zur Untersuchung der Katastrophe hatte zu diesem Zeitpunkt die Polizei wegen unzureichender Vorsichtsmaßnahmen im Vorfeld der Halloween-Feierlichkeiten und der laxen Reaktion in den Stunden vor der Katastrophe getadelt[154] und die Polizei wegen ihres Versagens beim Umgang mit Menschenmengen und wegen ihrer langsamen Reaktion zum Zeitpunkt der Katastrophe unter Druck gesetzt.[145]

Im Januar 2023 parallel zu den polizeilichen Ermittlungen eingeleitete obligatorische Ermittlungen der Seouler Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Halloweenkatastrophe von Itaewon[155][145] wurden aufmerksam im Hinblick auf die Frage verfolgt, ob sie letztlich darauf abzielen, höhere Funktionsträger zur Rechenschaft zu ziehen. Die Entscheidung der Ermittlungsbehörde, die Fälle des Innenministers Lee Sang-min und des Kommissars der KNPA ohne weitere Nachforschungen abzuschließen, führte zu dem Vorwurf, damit die Hauptlast der Verantwortung den während der Katastrophe vor Ort eingesetzten Beamten aufzubürden.[155]

Forderungen und Schritte politischer Funktionsträger und Gruppen

Yoon Suk-yeol (Foto: Vereidigung als Staatspräsident Südkoreas, 10. Mai 2022)
Han Duck-soo, Ministerpräsident Südkoreas (Foto: September 2022)

Südkoreas Ministerpräsident Han Duck-soo kündigte bei einer Krisensitzung in Seoul eine eingehende Untersuchung der Vorgänge an.[156][157] Südkoreas Staatspräsident Yoon Suk-yeol versprach am 7. November 2022, dass diejenigen, die als verantwortlich ermittelt werden, zur Rechenschaft gezogen werden.[158] Neben Yoon versicherten auch Lee Sang-min als Innenminister sowie Yoon Hee-keun als Generalkommissar der Koreanischen Nationalen Polizeibehörde, eine transparente Untersuchung durchzuführen und nach deren Abschluss das Notwendige zu unternehmen.[159] Die Regierung unter Yoon geriet jedoch bald in Kritik, da niemand die Verantwortung für die Katastrophe übernahm, die als das Ergebnis von Verfehlungen angesehen wurde.[160]

Die Opposition argumentierte, die Polizei könne keine faire und objektive Untersuchung durchführen, da diese selbst beschuldigt wurde, trotz zahlreicher Notrufe die öffentliche Sicherheit nicht gewährleistet und nicht angemessen auf die Katastrophe reagiert zu haben.[160] Daher forderte die DPK eine parlamentarische Untersuchung,[160][161] die schließlich von der regierenden PPP akzeptiert wurde.[160] Die PPP, die darauf bestanden hatte, dass laufende polizeiliche Ermittlungen der parlamentarischen Untersuchung vorangehen sollten, erklärte sich schließlich bereit, sich an der parlamentarischen Untersuchung unter der Bedingung zu beteiligen, dass der Haushaltsplan für das Jahr 2023 erarbeitet wird.[161] Die Einigung der Parteien weckte Hoffnung auf ein überparteiliches Untersuchungsgremium.[160] Die DPK, die als wichtigste Oppositionspartei über die Hälfte der Abgeordneten im Parlament stellte,[160] argumentierte, eine ordnungsgemäße Untersuchung der Polizei und anderer Spitzenbeamter in Hinblick auf die Halloweenkatastrophe sei nicht durchführbar, solange Innen- und Sicherheitsminister Lee Sang-min, der die Polizei beaufsichtigt, im Amt bleibt.[162] Der Fraktionsvorsitzende der DPK, Park Hong-keun, forderte dementsprechend am 25. November 2022 Präsident Yoon auf, den Innenminister zu entlassen und ihn für die Halloweenkatastrophe zur Rechenschaft zu ziehen.[162] Die DPK stellte am 30. November 2022 einen parlamentarischen Antrag, mit dem Staatspräsident Yoon aufgefordert wurde, Lee aufgrund der Halloweenkatastrophe aus seiner Position als Innen- und Sicherheitsminister zu entlassen[160][163][164] und ihn dafür zur Verantwortung zu ziehen, dass er keine Vorkehrungen gegen das Massengedränge getroffen hatte.[160][163] Für den Fall, dass Staatspräsident Yoon von seinem Veto-Recht Gebrauch machen würde, hatte die DPK gedroht, auf einen Misstrauensantrag gegen Lee oder auf seine Amtsenthebung hinzuwirken.[162][160][161] Der Fraktionsvorsitzende der regierenden PPP, Joo Ho-young, verurteilte ein entsprechend von der DPK gestelltes Ultimatum und argumentierte dagegen, die Absetzung Lees würde die parteiübergreifende parlamentarische Untersuchung untergraben, mit deren Hilfe die für die Katastrophe Verantwortlichen herausgefunden werden sollten.[165] Das Präsidialamt und die Regierungspartei PPP deuteten an, dass die parlamentarische Untersuchung boykottiert werden könnte, falls die DPK versuche, den Antrag zur Entlassung von Innenminister Lee mit ihrer Mehrheit im Parlament durchzusetzen.[161] Die rivalisierenden Parteien wurden wegen „Politisierung“ der Katastrophe kritisiert. Die Zeitung The Korea Times urteilte in einem Kommentarbeitrag, die Fact-finding-Mission der parlamentarischen Untersuchung drohe wegen des sich abzeichnenden Streits um die Forderung der DPK nach Absetzung Lees zu scheitern.[160]

Am 8. Dezember 2022 stellte die DPK aufgrund der Itaewonkatastrophe einen Misstrauensantrag gegen Innenminister Lee.[166][167] Am 11. Dezember 2022 verabschiedete die von den Oppositionsparteien dominierte Nationalversammlung Südkoreas den Antrag auf Entlassung Lees wegen der verpfuschten Reaktion der Regierung auf die Halloweenkatastrophe von Itaewon ohne Gegenstimme, während die Abgeordneten der regierenden PPP der Abstimmung fernblieben, um sie zu boykottieren.[167] Am 12. Dezember erklärte Staatspräsident Yoon, dass er erwägen werde, Innenminister Lee zu entlassen, nachdem eine Untersuchung des Massengedränges in Itaewon abgeschlossen ist.[100]

Am 8. Februar 2023 nahm die südkoreanische Nationalversammlung auf das Betreiben der Oppositionsparteien hin einen Antrag an, der die Amtsenthebung von Innen- und Sicherheitsminister Lee Sang-min forderte, um ihn für die mutmaßlich verpfuschte Reaktion der Regierung auf die Halloween-Katastrophe zur Verantwortung zu ziehen.[168][169] Damit wurde die Entscheidung über die Frage, ob Lee die Verantwortung für die Halloween-Katastrophe trägt, auf das Verfassungsgericht übertragen.[169] Am 9. Februar 2023 wurde Lee daher von seinem Amt suspendiert, bis das Verfassungsgericht entscheidet, ob es den Antrag billigt oder ablehnt.[168]

Erste Untersuchungen

Am 31. Oktober 2022 sagte der leitende Ermittler der nationalen Polizeibehörde, Nam Gu Jun, es sei ein Sonderteam aus 475 Personen gebildet worden, um die Ursachen der Katastrophe zu untersuchen. Ermittler untersuchten an diesem Tag den Ort des Unglücks.[170] Aufnahmen von über 50 Überwachungskameras und aus sozialen Medien wurden überprüft.[157]

Sonderermittlungsteam der KNPA

Untersuchungen

Am 1. November 2022 stellte die nationale Polizeibehörde KNPA ein unabhängiges Sonderermittlungsteam für eine Untersuchung zusammen,[144][145] um zu überprüfen, ob die Behörden vor und während des Massengedränges adäquate Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung durchgeführt haben.[144] Das Sonderermittlungsteam umfasste 501 Mitarbeiter.[34][171] Bis zum Abschluss der Ermittlungen befragte das Sonderermittlungsteam nach Angaben dessen Leiters, Son Je-han, nahezu 540 Personen und sammelte 14.000 Beweisstücke von zentralen und kommunalen Regierungsstellen und Verkehrsbehörden. Zudem habe es über 180 von Sicherheitskameras, Journalisten oder Passanten aufgenommene Videodateien, auch aus sozialen Medien, studiert und den Tatort gemeinsam mit forensischen Experten zur Analyse der Dichte der Menschenmenge untersucht.[37]

Das Hamilton-Hotel (2016)

Am 9. November 2022 durchsuchte das Sonderermittlungsteam mit 14 Ermittlern das dem Ort des Massenunglücks angrenzende Hamilton-Hotel, das Haus des Hotelchefs sowie einen weiteren Standort wegen des Verdachts, dass illegal bauliche Erweiterungen durchgeführt wurden, die die enge Seitengasse des Massenunglücks noch weiter eingeengt hatten. Medienangaben zufolge hatte das Bezirksamt Yongsan um das Jahr 2014 das Hamilton-Hotel aufgefordert, diese baulichen Erweiterungen wieder abzureißen, doch sei das Hotel dem nicht nachgekommen, sondern habe stattdessen eine Geldstrafe gezahlt.[172]

Nachdem das Untersuchungsteam Dutzende Einrichtungen und Büros durchsucht hatte, darunter Polizeistationen, eine Feuerwehr, das Bezirksamt und die Zentrale der U-Bahn von Seoul, während im Innenministerium und in der Stadtregierung von Seoul keine derartige Durchsuchung durchgeführt wurde, geriet die polizeiliche Untersuchung bereits in den ersten Wochen zunehmend in Kritik. Dem Ermittlungsteam wurden „selektive“ Ermittlungen vorgeworfen, da diese vorrangig auf niederrangige Organisationen und vor Ort eingesetzte Beamte abzielen würden und nicht auf hochrangige Entscheidungsträger wie Polizeichefs oder den Innenminister.[144]

Eine Gewerkschaft von Feuerwehrangestellten, erstatte eine Anzeige gegen Innenminister Lee Sang-min, wegen des Verdachts auf Pflichtverletzung, bezüglich der Katastrophe. Kim Dong-wook, Sprecherin des Ermittlungsteams sagte am 15. November, „Wenn eine Beschwerde eingereicht wird, wird die Person zu einem Verdächtigen“. Lee hatte gesagt, dass er nicht das Recht hat, die Polizei zu befehlen oder zu überwachen.[173]

Am 17. November 2022 durchsuchte das Sonderermittlungsteam mit 65 Personen 22 Standorte, darunter das Innenministerium und die Regierung der Metropolregion Seoul, um entsprechende Beweismittel sicherzustellen.[174] Bis zum 23. November 2022 stieg die Gesamtzahl der Verdächtigen, die im Zusammenhang mit der Halloweenkastrophe Vergehen beschuldigt wurden, auf 17.[175] Insgesamt neun Polizisten und Regierungsbeamte wurden an diesem Tag für eine Befragung vor das Sonderermittlungsteam geladen.[176] Mit Stand vom 6. Dezember 2022 wurden 16 von 21 Personen, die von der Sonderermittlungseinheit befragt wurden, der Verletzung beruflicher Sorgfaltspflichten beschuldigt.[177]

Die Polizei leitete auch Ermittlungen zur Frage der Verantwortung der U-Bahn von Seoul ein.[177] Zudem begann die Polizei in den letzten Tagen des Dezember 2022 damit, ihre Ermittlungen auf Feuerwehrleute zu konzentrieren.[153] Das Sonderermittlungsteam warf Beamten der Feuerwehr von Yongsan und der U-Bahn von Seoul vor, Notsignale ignoriert zu haben.[178]

Abschlussbericht

Das polizeiliche Sonderteam ging nach Abschluss seiner 74-tägigen Ermittlungen am 13. Januar 2023 mit seinen Ergebnissen an die Öffentlichkeit[179][37] und die KNPA veröffentlichte einen Bericht über die Situation an der Ort des Massengedränges und die Ursachen der Katastrophe. Laut dem Bericht betrug die Menschendichte in der abfallenden Seitengasse zeitweise mehr als 10 Personen pro Quadratmeter. Die Menschen konnten sich bereits mehr als eine Stunde vor der Katastrophe nicht mehr frei bewegen. Dem KNPA-Bericht zufolge starben viele, nachdem sie umgestürzt waren und andere Menschen aus der Menge sich auf ihnen gestapelt hatten.[37]

Laut dem Bericht trugen fehlende Sicherheitsvorkehrungen und andere Versäumnisse zu der hohen Opferzahl bei.[179] Nach Ansicht der Polizei waren die mangelnde Präventivmaßnahmen und eine unzureichende Reaktion auf den Notfall durch das Massengedränge die Hauptursachen für die Katastrophe,[37][98][34] so dass es sich um von den Versäumnissen der Behörden verursachte, „menschengemachte“ Katastrophe handle.[34] Obwohl dichte Menschenmengen einen Unfall wahrscheinlich gemacht hätten, seien keine Sicherheitsmaßnahmen entwickelt worden.[98] Das polizeiliche Sonderermittlungsteam kam zu dem Schluss, dass auch nach Ausbruch der Katastrophe keine angemessenen Maßnahmen gemäß den Handbüchern für den Umgang mit Katastrophen ergriffen worden seien.[34] Auch nachdem Notrufe eingingen, seien keine geeigneten Schritte unternommen worden.[98]

Die südkoreanische Polizei beschuldigte 23 Beamte, etwa die Hälfte davon Strafverfolgungsbeamte, der fahrlässigen Tötung und Fahrlässigkeit.[37] Das polizeiliche Sonderteam teilte zudem mit, man habe den Fall zu weiteren Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft übergeben.[179][37] Von den 23 Beamten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermitteln sollte, befanden sich bereits 6 in Untersuchungshaft (siehe unten). Die Polizei beschuldigte auch die Eigentümer des Hamilton-Hotels, dass sie neben der engen Stelle, an der sich die Katastrophe ereignet hatte, zuvor illegale bauliche Erweiterungen vorgenommen hatten.[34]

Das polizeiliche Sonderteam gab zudem an zum Schluss gekommen zu sein, dass Innenminister Lee Sang-min, der Seouler Bürgermeister Oh Se-hoon sowie Polizeichef Yoon Hee-keun für die Tragödie nicht zur Verantwortung gezogen werden könnten.[179] Son sagte, das Sonderermittlungsteam werde seine Untersuchungen des Innen- und Sicherheitsministeriums, der KNPA und der Stadtverwaltung von Seoul einstellen, es sei schwierig, ihre direkte Verantwortung festzustellen.[37]

Parlamentarische Untersuchung

Initiative zur Untersuchung

Der Leiter des parlamentarischen Sonderausschusses zum Massengedränge von Itaewon, Woo Sang-ho[180]

Am 9. November 2022 reichten die oppositionelle Demokratische Partei Koreas (DPK), die Gerechtigkeitspartei und die Grundeinkommenspartei förmliche Anträge auf eine Untersuchung ein.[144] Diese drei Parteien reichten einige Tage später einen Entwurf für eine parlamentarische Untersuchung des Massengedränges in Itaewon vom 29. Oktober ein, um gegen den heftigen Widerstand der regierenden Partei Gungminui-him (PPP) die 60-tägige Untersuchung einzuleiten, durch die dem Entwurf zufolge die Ursache des Vorfalls ermittelt und festgestellt werden soll, ob die zuständigen Regierungsinstitutionen wie das Präsidialamt, das Büro des Premierministers, das Innen- und Sicherheitsministerium und die nationale Polizeibehörde die notwendigen Maßnahmen ergriffen haben. Mit der Untersuchung sollte vom 24. November 2022 bis zum 22. Januar 2023 ein 18-köpfiger Sonderausschuss betraut werden, der sich aus neun Abgeordneten der DPK, sieben Abgeordneten der Gungminui-him und jeweils einem Abgeordneten der Gerechtigkeits- und der Grundeinkommenspartei zusammengesetzt und vom DPK-Abgeordnete Woo Sang-ho geleitet werden sollte.[181]

Einigung auf Untersuchung und Bildung eines Sonderausschusses

Am 23. November 2022 gab die regierende Partei PPP ihren vorherigen Widerstand gegen eine parlamentarische Untersuchung auf[182] und Regierungs- und Oppositionsparteien einigten sich darauf, eine parlamentarische Untersuchung der Halloweenkatastrophe in Itaewon einzuleiten.[175][148] Sie verkündeten den Beginn einer 45-tägigen Untersuchung für den 24. November 2022.[175] Die Vereinbarungen bestätigten die Bildung des 18-köpfigen Untersuchungsausschusses aus neun DKP- und sieben PPP-Abgeordneten sowie zwei weiteren Mandatsträger.[182] Nach dieser Einigung der Parteien gab die Nationalversammlung Südkoreas am 24. November 2022 ihre Zustimmung für den Plan zur parlamentarischen Untersuchung der Halloweenkatastrophe, womit die Untersuchung, deren Abschluss für den 7. Januar 2023 erwartet wurde, an diesem Tag begann.[183]

Die Abgeordneten sollten im Rahmen der Untersuchung eine Reihe von Regierungsbehörden[183] wie den Lagebesprechungsraum im Präsidialamt, das National Center for Crisis Management des National Security Office, das Büro des Premierministers, das Innen- und das Gesundheitsministerium.[175][183] Dass auch der Lagebesprechungsraum im Präsidialamt zu den Zielen der Untersuchungen gehören sollte, war Medienangaben zufolge nach der Einigung der Parteien zunächst noch strittig gewesen.[182]

Die Untersuchungen sollten auch die Oberste Staatsanwaltschaft (대한민국 검찰청) Südkoreas umfassen, nachdem sich die regierende Partei Gungminui-him, die zunächst gefordert hatte die Oberste Staatsanwaltschaft von der Untersuchung auszuschließen, abrupt aus der Plenarsitzung der Nationalversammlung zurückgezogen hatte.[183][184] Die Nationalversammlung hatte daraufhin für den Plan gestimmt, die Abteilungen für Drogenkriminalität der Obersten Staatsanwaltschaft zu untersuchen.[184] Hintergrund ist der von der regierenden Partei abgelehnte Vorwurf der DPK, der Fokus der Staatsanwaltschaft auf den kurz zuvor von Südkorea erklärten „Krieg gegen Drogen“ könnte die Polizei davon abgehalten haben, sich auf die öffentliche Sicherheit zu konzentrieren.[184][183]

Zu den zu untersuchenden Objekten zählen zudem die National Police Agency, die Stadtregierung von Seoul und dem Bezirksamt Yongsan.[175]

Am 1. Dezember 2022 erschienen die DKP-Mitglieder des Sonderausschusses zur parlamentarischen Untersuchung des Massengedränges von Itaewon zu einem ersten Treffen mit einigen Familienangehörigen der Opfer der Katastrophe, während die Abgeordneten der PPP aufgrund ihres Streits mit der DKP über die Einreichung eines Entlassungsantrags gegen Innenminister Lee Sang-min dem Treffen fernblieben. Die Familien baten den Ausschuss bei dem Treffen, einen geeigneten Raum für die Trauer und ein Instrument der Kommunikation zwischen den Hinterbliebenen zu schaffen. Darüber hinaus baten sie darum, dass Experten ihrer Wahl in die parlamentarische Untersuchung einbezogen werden.[185]

Förmliche Einleitung der Untersuchung

Am 19. Dezember 2022 wurde die Untersuchung des parlamentarischen Sonderausschusses zum Massengedränge in Itaewon vom Leiter des Sonderausschusses, dem Abgeordneten Woo Sang-ho, in der Nationalversammlung förmlich eingeleitet,[180] vorangetrieben von der DPK und den beiden mit ihr verbündeten liberalen Parteien,[186] während die Abgeordneten der regierenden PPP der Sitzung fernblieben und die parlamentarische Untersuchung boykottierten.[180] Woo kündigte an, durch die Untersuchung des parlamentarischen Sonderausschusses werde gründlich ermittelt werden, warum der „Unfall“ nicht hatte verhindert werden können und wo die Verantwortung liege.[74] Die liberalen Parteien einigten sich am 19. Dezember darauf, an zwei Tagen Vor-Ort-Inspektionen in Itaewon zu genehmigen, die am 21. Dezember durch die Polizei und Vertreter der Stadt Seoul und am 23. Dezember durch Vertreter des Bezirks Yongsan und durch das Innenministerium durchgeführt werden sollten. Zudem wurde beschlossen, dass bis Anfang Januar 2023 Anhörungen mit diesen die Vor-Ort-Inspektionen durchführenden Organisationen abgehalten werden. Daraufhin sollte die Nationalversammlung das Büro des Premierministers, das Präsidialamt, das Innenministerium, die SMPA und das Polizeirevier Yongsan auffordern, Bericht darüber zu erstatten, was sie während der des Massengedränges in Itaewon unternommen hatten. Zu den Befragten sollten auch Innenminister Lee Sang-min, der Generalkommissar der National Police Agency, Yoon Hee-keun, sowie hochrangige Beamte des Präsidialamts und Staatsanwälte gehören.[186]

Am 21. Dezember 2022 führte der parlamentarische Sonderausschuss seine – wiederholt durch politische Streitigkeiten verzögerte – erste Inspektion der Seitengasse durch, in der sich die Todesfälle der Halloweenkatastrophe ereignet hatten.[148] Es handelte sich um die tatsächliche Aktion zur Untersuchung der Halloweenkatastrophe durch den parlamentarischen Sonderausschuss.[148]

Im Rahmen der Untersuchung des parlamentarischen Sonderausschusses zum Massengedränge in Itaewon wurde am 27. Dezember 2022 Yoon Hee-keun, Chef der National Police Agency, von der Nationalversammlung zur Befragung durch den parlamentarischen Sonderausschuss vorgeladen,[187][153] ebenso wie am 29. Dezember 2022 der Seouler Bürgermeister Oh Se-hoon,[188] der neue Chef des Polizeireviers Yongsan und der Leiter der Feuerwache Yongsan.[153]

Anhörungen

Für seine erste Anhörung am 4. Januar 2023 lud der Sonderausschuss für die parlamentarische Untersuchung wichtige Polizeibeamte und andere Zeugen zur Befragung vor, unter anderem den Generalkommissar der KNPA, Yoon Hee-keun, den Chef der SMPA, Kim Kwang-ho, den ehemaligen Chef der Polizeiwache Yongsan, Lee Im-jae, den Chef der Feuerwache Yongsan, Choi Seong-beom.[150] Yoon Hee-keun, dem vorgeworfen wird, seine Stellvertreter ignoriert zu haben, als diese ihn mehrfach am 29. Oktober 2022 angerufen hatten, während er 120 km von Seoul entfernt mit Freunden campte,[147] gestand als Generalkommissar der KNPA im Rahmen der Befragung vor der Nationalversammlung am 4. Januar 2023 als Teil der parlamentarischen Untersuchung des Vorfalls ein, dass er in der Nacht des 29. Oktober 2022 an einem privaten Treffen außerhalb Seouls teilgenommen und dabei Alkohol konsumiert und dass er Seoul verlassen habe, ohne seiner Verpflichtung nachzukommen, darüber im Intranet der Polizei für mögliche Notfälle eine Benachrichtigung abzugeben. Es handelte sich bei diesen Aussagen um das erste offizielle Eingeständnis Yoons, dass er in der Nacht der Katastrophe Alkohol zu sich genommen und seinen Zuständigkeitsbereich verlassen hatte. Seine Aussagen wurden als erneuter Hinweis auf eine mögliche Nachlässigkeit des Innenministers gedeutet, der für die Leitung und Überwachung der KNPA die Verantwortung trug.[151] Der parlamentarische Ausschuss rügte die Polizei für unzureichende Vorsichtsmaßnahmen im Vorfeld der Halloween-Feierlichkeiten und die lasche Reaktion in den Stunden vor der Katastrophe. Die PPP tadelte Lee Im-jae dafür, dass er es versäumt habe, zusätzliches Personal von der SMPA anzufordern, um Sicherheit und Ordnung im Gebiet aufrechtzuerhalten, und dass er zu spät am Einsatzort eingetroffen sei. Die DPK und die Gerechtigkeitspartei beschuldigten die Polizei, es versäumt zu haben, sich auf die erwartete Menschenmenge vorzubereiten, und stattdessen Ressourcen für ein Vorgehen gegen Drogenmissbrauch mobilisiert zu haben.[154]

Für seine zweite Anhörung am 6. Januar 2023 lud der Sonderausschuss Regierungsbeamte ein, darunter Innenminister Lee Sang-min und Gesundheitsminister Cho Kyoo-hong sowie den Bürgermeister von Seoul, Oh Se-hoon, und den Leiter des Bezirksamts Yongsan, Park Hee-young.[150]

Eine dritte Anhörung wurde für den 12. Januar 2023 angesetzt.[155] Die rivalisierenden Parteien blieben sich jedoch uneins über die Zeugenliste für diese Anhörung.[189]

Öffentliche Foren

Am 10. Januar 2023 hielt der parlamentarische Sonderausschuss zur Untersuchung der Itaewon-Katastrophe ein erstes öffentliches Forum in der Nationalversammlung ab, um dort Experten zu Wort kommen zu lassen.[189][99] Experten riefen auf dem Forum dazu auf, dass den Notärzten am Ort größerer Katastrophen mehr Befugnisse und der Regierung mehr Verantwortung übertragen werden.[99]

Für den 12. Januar wurde ein zweites und letztes öffentliches Forum angesetzt, um dort acht Hinterbliebene, zwei Überlebende und zwei Geschäftsinhaber aus Itaewon anzuhören und zur Itaewon-Katastrophe zu befragen.[189] Damit sollte erstmals seit Beginn der parlamentarischen Untersuchung Hinterbliebenen der Todesopfer der Itaewon-Katastrophe die Gelegenheit gegeben werden, als Zeugen aufzutreten.[99]

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Im Januar 2023 leitete die Seouler Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Halloweenkatastrophe von Itaewon parallel zu den polizeilichen Ermittlungen obligatorische Ermittlungen zur Anklage von Verletzung beruflicher Sorgfaltspflichten, die zu Todesfällen und Verletzungen führte, sowie zu anderen Anklagepunkten wie Beweismittelvernichtung ein.[155][145]

Am 10. Januar 2013 führte die Staatsanwaltschaft des westlichen Bezirks von Seoul im Rahmen ihrer Untersuchung der Halloween-Katastrophe in Itaewon Durchsuchungen und Beschlagnahme durch und entsandte dazu Staatsanwälte und Ermittler an zehn Orte, darunter die KNPA, die SMPA (Hauptquartier), das Bezirkspolizeiamt Yongsan, das Bezirksamt Yongsan und die Untersuchungshaftanstalt Seoul Nambu, in der einige der Hauptverdächtigen festgehalten wurden.[145][155] Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollten die Durchsuchungen und Beschlagnahme die Beweislage für die Anschuldigungen gegen die Hauptverdächtigen (darunter Berichten zufolge angeblich Lee Im-jae und Park Hee-hyeong) verbessern, während weitere Anschuldigungen erst noch überprüft werden sollten. Seit der Fall der Itaewon-Katastrophe an das Sonderermittlungshauptquartier der KNPA zurückverwiesen worden war, stellte dies das erste Mal dar, dass die Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung und Beschlagnahme des Falls durchführte.[155]

In Bezug auf den Minister für Inneres und Sicherheit, Lee Sang-min, und den Kommissar der KNPA, Yoon Hee-keun, sah die Ermittlungszentrale einen Abschluss der Fälle ohne weitere Nachforschungen vor und berief sich dafür auf Schwierigkeiten beim Nachweis strafrechtlicher Verantwortlichkeiten.[155]

Weitere Untersuchungen

Das Tauziehen um offizielle Untersuchungen ging weiter. Im Januar 2024 blockierte Staatspräsident Yoon Suk-yeol mit seinem Veto ein Gesetz, das eine erneute Untersuchung der Katastrophe forderte. Zuvor hatte der Ministerpräsident diese Initiative der Opposition als „Politisierung“ zurückgewiesen.[190]

Im Mai 2024 beschloss jedoch die Nationalversammlung einstimmig ein Gesetz, das eine erneute Untersuchung ermöglichen sollte. Es sah einen unabhängigen Sonderausschuss mit neun Mitgliedern vor, der maximal 15 Monate lang arbeiten sollte.[191] Der Sonderausschuss nahm im Juni 2025 seine Arbeit auf. Er sollte sich mit den Ursachen der Katastrophe, Entschädigungsfragen und Maßnahmen zur künftigen Vorbeugung befassen. An der ersten Sitzung nahmen auch 36 hinterbliebene Angehörige teil.[192]

Im Juli 2025 ordnete der neue Staatspräsident Lee Jae-myung die Einrichtung eines weiteren Untersuchungsgremiums an, in dem die Polizei und Staatsanwälte zusammenarbeiten sollten. Dieses Team sollte nun parallel zu dem Sonderausschuss arbeiten. Lee hatte zuvor Angehörige der Opfer getroffen. Dabei hatte ihm ein Vertreter der Angehörigen gesagt, dem Sonderausschuss seien Polizeiakten und andere Informationen vorenthalten worden.[193]

Beschuldigte Funktionsträger

Verhaftungen

Im Dezember 2022 wurden sechs Personen verhaftet. Am 1. Dezember beantragte das Sonderermittlungsteam der National Police Agency erstmals Haftbefehle, betroffen waren vier hochrangige Beamte. Am 5. Dezember erließ das westliche Bezirksgericht von Seoul Haftbefehle gegen zwei der vier Verdächtigen:[194][177]

  • Park Sung-min, als Superintendent General[176][194] ein hochrangiger Polizeibeamter, wurde im November wegen seiner Behandlung des Itaewon-Vorfalls von seinem Posten entlassen.[195][194] Park wurde vom Sonderermittlungsteam verdächtigt, zur mutmaßlichen Vertuschung von behördlicher Tatenlosigkeit[195][194] die Löschung eines internen Berichts aus einem Gruppenchat angeordnet zu haben. Der Bericht hatte vor einem Sicherheitsproblem in der Halloween-Zeit gewarnt.[176][195][194][177]
  • Kim Jin-ho vom Polizeirevier Yongsan wurde beschuldigt, eine Anordnung von Park Sung-min zur Vernichtung eines Berichts an seine Untergebenen weitergegeben und sie mit der Ausführung beauftragt zu haben.[194][177] Kim wurde im November wegen seiner Behandlung des Itaewon-Vorfalls von seinem Posten entlassen.[196]

Bei den beiden anderen Beschuldigten – Lee Im-jae und Song Byung-joo – hielt das Gericht eine Verhaftung zunächst nicht für notwendig.[177][197] In einem zweiten Anlauf fügte das polizeiliche Sonderermittlungsteam die Beschuldigung gegen Lee hinzu, dass dieser einen offiziellen Frühwarnbericht fingiert habe,[197] und beantragte am 20. Dezember 2022 nochmals Haftbefehle gegen Lee und Song.[74] Daraufhin erließ das westliche Bezirksgericht von Seoul am 23. Dezember 2022 Haftbefehle gegen Lee und Song.[197][178]

  • Lee Im-jae, der ehemalige Leiter des auch für den Stadtteil Itaewon zuständigen Polizeireviers Yongsan,[198] war am 2. November 2022 aufgrund seiner verspäteten Reaktion vorübergehend seines Postens enthoben worden.[120][158][199] Lee wurde der Verletzung beruflicher Sorgfaltspflichten beschuldigt, die zu Todesfällen und Verletzungen geführt habe.[197][198][199] Er wurde verdächtigt, trotz Erwartung einer großen Menschenmenge in Itaewon keine Präventivmaßnahmen getroffen und nicht angemessen auf das Massengedränge reagiert zu haben.[177][199] Lee wurde auch verdächtigt, zu spät am Einsatzort eingetroffen zu sein,[194][199] falsche Angaben zu seinem Aufenthaltsort gemacht zu haben[158] und einen Polizeibericht gefälscht zu haben, um sein spätes Eintreffen am Ort der Katastrophe zu vertuschen.[37] Das polizeiliche Sonderermittlungsteam beschuldigte Lee nach weiteren Ermittlungen, einen offiziellen Frühwarnbericht gefälscht zu haben.[197]
  • Song Byung-joo war in der Nacht der Katastrophe als Superintendent für die Notrufe bei der Nummer 112 in Yongsan und damit auch im Gebiet Itaewon verantwortlich. Song wurde verdächtigt, nach Erhalt von 112-Notrufen, die vor einem Massengedränge warnten, geeignete Maßnahmen versäumt zu haben.[197][200][194]

Am 26. Dezember 2022 erließ das westliche Bezirksgericht von Seoul Haftbefehle gegen zwei weitere Beamte. Zur Begründung verwies das Gericht auf die Möglichkeit, dass die beiden Verdächtigen Beweise vernichten könnten.[178] Beide wurden am 26. Dezember 2022 verhaftet.[153]

  • Park Hee-young, die Leiterin des Bezirksamts Yongsan, wurde der Verletzung beruflicher Sorgfaltspflichten beschuldigt, die zu Todesfällen und Verletzungen geführt habe.[201][200][202] Sie soll es versäumt haben, ausreichende Unfallverhütungsmaßnahmen für die Halloween-Feiernden auszuarbeiten, und zu spät auf das Massengedränge reagiert haben.[202] Park war erst gegen 23 Uhr in der Nähe des Massenunglücks angekommen.[178] Ihr wurde vorgeworfen, am Tag der Katastrophe abwesend geblieben zu sein.[203] Zudem wurde sie beschuldigt, über ihren Aufenthalt am Tag des Massengedränges die Unwahrheit gesagt zu haben.[178] Sie soll versucht haben, Beweismittel zu vernichten und ihren tatsächlichen Aufenthaltsort am Tag der Katastrophe zu vertuschen.[203] Mit Lee Im-jae zählt sie zu den ranghöchsten Beamten, die nach der Katastrophe verhaftet wurden.[55]
  • Cho Won-jun war als Abteilungsleiter im Bezirksamt von Yongsan für die Sicherheit der Bürger und für Katastrophenmanagement verantwortlich. Er wurde wegen Fahrlässigkeit mit Todesfolge und zusätzlich wegen Pflichtverletzung beschuldigt.[204][202][178] Am 29. Oktober 2022 soll er bei einem Umtrunk mit Bekannten gewesen sein, als er mehrere Benachrichtigungen über den Ausbruch des Gedränges erhielt. Daraufhin soll er nicht zum Ort des Unglücks gekommen sein. Stattdessen fuhr er später per Taxi zur U-Bahn-Station Itaewon und von dort direkt nach Hause.[202][178]

Weitere Beschuldigte (Auswahl)

  • Kim Kwang-ho, Leiter der Seoul Metropolitan Police Agency (SMPA) und somit Polizeichef der Stadt, wurde der Verletzung beruflicher Sorgfaltspflichten mit Todesfolge beschuldigt.[205][147] Er wurde am 2. Dezember 2022 als Verdächtigter zur Befragung in das Hauptquartier des Sonderermittlungsteam vorgeladen und war der ranghöchste Polizeibeamte, der zur Befragung vorgeladen wurde, nachdem das Team einen Tag zuvor Haftbefehle gegen vier hochrangige Beamte beantragt hatte.[205] Am 5. Januar 2023 wurde Kim ohne Inhaftierung zur Anklageerhebung an die Staatsanwaltschaft verwiesen.[147]
  • Ryu Mi-jin war als Superintendent bei der SMPA für Notfallmanangement zuständig.[120][200] Ryu wurde beschuldigt, sich in der Nacht der Katastrophe nicht an ihrem Platz befunden zu haben. Laut Protokoll hätte sie von 18.00 Uhr bis um 1.00 Uhr am nächsten Morgen im Lageraum des Hauptsitzes der SMPA sein müssen. Stattdessen hatte sie sich in ihrem eigenen Büro in einem anderen Stockwerk des Gebäudes aufgehalten.[120]
  • Choi Seong-beom, der Chef der Feuerwache Yongsan,[198][206] wurde der Untätigkeit beschuldigt.[206] Die Polizei warf Choi zum einen vor, keine vorbeugenden Maßnahmen ergriffen zu haben, und zum anderen, Zeit vergeudet zu haben, weil er nach seiner Ankunft am Unglücksort 40 Minuten lang keine Befehle erteilt habe. Als das KNPA-Sonderermittlungsteam die Staatsanwälte dazu bringen wollte, beim Bezirksgericht einen Haftbefehl gegen Choi zu beantragen, wiesen die Staatsanwälte dies am 28. Dezember 2022 zurück. Sie forderten, erst noch mehr zu ermitteln und im Antrag die genaue Todeszeit aller 158 Todesopfer anzugeben. Das Sonderermittlungsteam warf daraufhin der Staatsanwaltschaft vor, absichtlich eine nicht erfüllbare Bedingung zu stellen, um die Strafverfolgung in den Reihen der Feuerwehr zu behindern.[153]
  • Der Leiter der U-Bahn-Dienste und des Sicherheitszentrums von Dongmyo wurde verdächtigt, die Anweisung eines Vorgesetzten ignoriert zu haben, nach der U-Bahn-Züge am 29. Oktober keinen Halt in der U-Bahn-Station Itaewon machen sollten.[177]

Wissenschaftliche Erkenntnisse und Experten-Meinungen

Menschengedränge-Unfälle gehören zu den urbanen Katastrophenereignissen mit besonders desaströsen Auswirkungen und sind aufgrund des städtischen Wachstums inzwischen häufig geworden. Zur Verringerung ihrer potenziellen Risiken ist über die Kenntnis der Eigenschaften von Fußgängerströmen auch die Bereitstellung eines adäquaten Crowd Managements entscheidend.[207]

Die Halloween-Katastrophe in Itaewon ereignete sich, obwohl die Gefährlichkeit von Massenveranstaltungen im Prizip schon lang bekannt war. Dies verdeutlichte die Notwendigkeit, die Ursachen und Mechanismen solcher Katastrophen noch besser zu verstehen.[28]

Einige Experten haben das Massengedränge in Itaewon als „menschengemachte Katastrophe“ bezeichnet, die mit recht simplen Methoden hätte abgewendet werden können.[37][13] So hätte die Gefahr reduziert werden können, wenn Engpässe für den Besucherstrom intensiver überwacht, gesperrt oder als Einbahnstraßen deklariert worden wären.[37] Eine wissenschaftliche Studie, die mithilfe von Agentenbasierten Modellierung (ABM) untersuchte, auf welche Weise die Dichte der Menschenmenge von verschiedenen Variablen abhängt, die mit Fußgängerströmen (wie Wegbreite) und Crowd Management-Maßnahmen (wie Rechtsverkehr) in Verbindung stehen, kam bei der Untersuchung der Itaewon-Katastrophe durch Simulation zum Ergebnis, dass die Dichte der Menschenmenge unter den für Menschengedränge kritischen Schwellenwert von sechs Personen pro Quadratmeter gesenkt worden wäre, wenn die seitlichen Hindernisse in der Seitengasse entfernt und dort der Rechtsverkehr als Fußgängerregel eingeführt worden wäre.[207] Auch eine vorübergehende Schließung der U-Bahn-Station Itaewon wurde als mögliche Maßnahme angeführt, um einen starken Menschenstrom auf ein gemeinsames Ziel zu verhindern.[37]

Ein weiteres Mittel zur Verhinderung der Katastrophe wäre nach Ansicht von Experten gewesen, eine höhere Anzahl von Polizeikräften und öffentlichen Mitarbeitern für die Kontrolle der Menschenmengen einzusetzen. Obwohl am Wochenende mit mehr als 100.000 Zuschauern gerechnet worden war, seien von den 137 Polizisten, die nach Itaewon abgestellt worden waren, zudem nur wenige Ressourcen für die Sicherheit von Fußgängern verblieben, während sich die übrigen Polizisten auf die Überwachung von Drogenkonsums und Gewaltverbrechen konzentriert hätten.[37]

Auf einer öffentlichen Anhörung im Rahmen der parlamentarischen Untersuchung forderte der Experte Lee Kyung-won, Professor für Notfallmedizin an der Yonsei University, dass ein Notfallmediziner zur Unterstützung als Experte vor Ort sein sollte, um den Einsatzkräften Anweisungen zu geben. Nach Ansicht Lees hätten mehr Patienten die erforderliche Erste Hilfe erhalten können, wenn die Notärzte zum Zeitpunkt der Katastrophe in Itaewon die entsprechenden Befugnisse gehabt hätten. Lee führte aus, dass bei großen Unglücksfällen wie der Itaewon-Katastrophe der Leiter des Bezirksgesundheitsamtes die Rettungsmaßnahmen leite, oftmals aber kein Spezialist für Notfall- oder Katastrophenmedizin sei. Lee hob zudem hervor, dass den meisten Krankenhäusern die finanziellen Mittel für ein eigenes medizinisches Katastrophenhilfeteam fehlen würden und sie stattdessen Verträge mit privaten Krankenwagenanbietern schlössen und daher ihre Notärzte nicht sofort zum Einsatzort schicken könnten, weil sie erst auf das Eintreffen des Krankenwagens warten müssten.[99]

Darstellung in den Medien

Soziale Medien und Onlineseiten in Südkorea appellierten an Benutzer, keine Videos der Katastrophe zu verbreiten. Die in Südkorea weit verbreitete Messenger-App KakaoTalk rief ihre Benutzer über eine Mitteilung dazu auf, verantwortungsvoll mit Informationen der Katastrophe umzugehen und keine Falschinformationen zu verbreiten.[208] Ministerpräsident Han Duck-soo sagte, dass keine Diffamierungen und Falschinformationen verbreitet werden sollen, „Im Internet und in den sozialen Medien posten einige Nutzer Hasskommentare über die Opfer oder verbreiten Bildmaterial und nicht bestätigte Informationen zu dem plötzlichen Massenandrang.“[209]

Inländische und internationale mediale Präsenz

Die Bezeichnung „Itaewon crush“ für die Itaewon-Katastrophe belegte nach Auskunft des US-amerikanischen Technologieunternehmens Google vom 7. Dezember 2022 im Suchtrend-Ranking für die gleichnamige Suchmaschine Google im Jahr 2022 den fünften Platz der meistgesuchten Suchwörter unter südkoreanischen Google-Nutzern in der Kategorie Nachrichten und Gesellschaft,[210][211] nach den Suchwörtern für die Klimaveränderung, für Extraordinary Attorney Woo, für kurzfristige Niederschlagsprognose und für die Fußball-WM 2022 in Katar.[211]

Leitende Redakteure der japanischen Nachrichtenagentur Kyōdō Tsūshinsha (englisch: Kyodo News) und ihren Mitglieds- oder Abonnentenzeitungen und -sendern wählten die Halloweenmassengedrängekatastrophe in Itaewon als eine der internationalen Top-Nachrichtenmeldungen des Jahres 2022 aus, auf Rang 6 hinter dem Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 (Rang 1), dem Anstieg der Energiepreise infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine (Rang 2), der Sicherung einer noch nie dagewesenen dritten Amtszeit als Parteichef Chinas durch Xi Jinping (Rang 3), der Fortsetzung von Nuklearwaffentestsängsten schürenden Raketenstarts durch Nordkorea (Rang 4) und dem Tod der britischen Monarchin Elisabeth II. im Alter von 96 Jahren (Rang 5).[212]

Katastrophenbezogene Ethikrichtlinien

Die südkoreanische Neuropsychiatrische Vereinigung erklärte, belastende Videos und Bilder der Katastrophe sollten nicht ungefiltert gezeigt werden, da dies zu Traumata führen kann. Es wurde empfohlen, „ähnliche Videos oder Nachrichtenberichte sollten nicht übermäßig und wiederholt angesehen werden.“[208][213]

Chae Jeong-ho, Professor für Psychiatrie am College of Medicine der Katholischen Universität von Korea und Präsident der Koreanischen Gesellschaft für Studien zu traumatischem Stress, sagte, „Man musste nicht dort sein, um ein Trauma zu erleben“. Laut der Zeitschrift Frontiers wird „Massentrauma oder kollektives Trauma als die psychologische Reaktion einer ganzen Gruppe auf ein traumatisches Ereignis definiert, das die Gesellschaft als Ganzes betrifft“. Am 2. November 2022 gab es auf Google Korea eine Verzehnfachung der Suchanfragen nach Trauma und Zentrum für Katastrophenmanagement im Vergleich zur Vorwoche. Außerdem hatten sich die Suchanfragen im Zusammenhang mit Traumazentren versechsfacht und traumatischen Symptomen vervierfacht.[214]

Am 7. November erklärte die Südkoreanische Kommission für Kommunikationsstandards, dass viele Videos der Katastrophe aus ethischen Gründen gelöscht werden mussten. Koo Jeong-woo, Professor für Soziologie an der Sungkyunkwan-Universität in Seoul, sagte, „Zur Zeit gibt es fast keine Richtlinien zum Posten und Teilen für Filmaufnahmen von Katastrophen bei Onlineplattformen. In Anbetracht der weitreichenden Energie und Beeinflussungen, die diese Plattformen in ihrer Verantwortung tragen, müssen diese in ihrem Handbuch definiert werden.“ Des Weiteren sagte er, „Diejenigen, die solche Inhalte hochladen, sowie diejenigen, die sie konsumieren, sollten sich auch bemühen, einen Sinn für Ethik zu bewahren und digitale Inhalte verantwortungsbewusst zu konsumieren.“[215]

Nach der Kritik wurden von Online-Plattformen Gegenmaßnahmen ergriffen, um die Verbreitung unangemessenen Filmmaterials zu kontrollieren. YouTube priorisierte zuverlässige Nachrichtenkanäle in verwandten Suchergebnissen und Videoempfehlungen. YouTube gab an, dass einige Videos entfernt wurden und eine erhöhte Altersgrenze veranlasst wurde. Twitter forderte seine Nutzer auf, keine Beiträge zu posten oder zu teilen und sensible Inhalte im Zusammenhang mit der Katastrophe von Itaewon zu melden.[216]

Dokumentationen

Einzelnachweise

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