Hans Grohmann
deutscher Künstler und Bohemien
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Hans Grohmann (* 15. Oktober 1897 in Bremen; † 26. Mai 1933 im Kalkumer Wald) war ein deutscher Künstler und Bohemien. Er wurde im Jahr 1933 Opfer des nationalsozialistischen Terrors.
Leben
Hans Grohmann wurde am 15. Oktober 1897 in der Hansestadt Bremen geboren. Die Familie zog nach wenigen Jahren nach Duisburg um. Grohmanns jüngerer Bruder Kurt wurde am 1. März 1899 bereits in der preußischen Stadt geboren. Der Vater Hans Grohmann senior wirkte als Stadtbaurat in Duisburg und starb am 2. November 1912. Der Sohn Hans Grohmann junior kann um 1910 erstmals als Mitglied der Wandervogelbewegung in Duisburg fassbar gemacht werden. Hans Grohmann kämpfte im Ersten Weltkrieg und wurde im Range eines Leutnants mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er blieb bis Ende 1918 in Marburg einquartiert.
Im Jahr 1921 kann er als Spender für die Aktion „Volksspende für die vertriebenen Auslandsdeutschen“ fassbar gemacht werden. Er gehörte in dieser Zeit zur gehobenen Duisburger Gesellschaft, so waren auch der Rabbiner Manass Neumark sowie der Generalmusikdirektor Paul Scheinpflug unter den Spendern. Während der Weltwirtschaftskrise betrieb Hans Grohmann in Duisburg einen Buch- und Kunstladen, der vor allem von Offizieren der Besatzungsmächte während der Ruhrbesetzung besucht wurde. 1925 könnte Grohmann zum Geschäftsführer eines Werbedienstleisters bestellt worden sein.[1]

Er gilt im Jahr 1923 zusammen mit Hermann Bänder, Marianne Nieten-Overbeck, Will Kelter, Werner Kreuzhage, Volkram Anton Scharf, Julius Schmitz-Bous, Heinrich Seepolt, Peter Stermann und Artur Zahn als Gründungsmitglied des Duisburger Künstlerbundes, wobei er an keiner der gemeinsamen Ausstellungen teilnahm. Erste eigenständige, künstlerische Arbeiten datieren auf die frühen 1920er Jahre. Damals arbeitete Grohmann als Grafiker und Fotograf. So ist 1922 eine Ausstellung in der Kunsthandlung Genner in der Gutenbergstraße nachweisbar, bei der Grohmann vor allem Porträt-Zeichnungen von Duisburger Persönlichkeiten präsentierte.
Zwischen 1924 und 1925 teilte sich Grohmann ein Atelier mit dem Maler Eduard Wienskowski. 1927 besuchte er zusammen mit Walter Lemke die Essener Kunstgewerbeschule, die im gleichen Jahr Teil der Folkwangschule wurde. In den folgenden Jahren zierten die Porträt-Arbeiten Grohmanns immer wieder Besprechungen von Theateraufführungen. Hans Grohmann brach im Oktober 1928 zu einer Reise mit seinem Motorrad auf, die ihn vom Brandenburger Tor in Berlin über den Balkan, die Türkei, Ägypten, Nordafrika, Spanien und Frankreich zurück nach Deutschland führte, wobei er vom Regisseur Arthur Wellin begleitet wurde.
Im Jahr 1929 wurde Hans Grohmann vom Chemiekonzern Bayer in die Türkei geschickt, um hier Reklamezeichnungen für das Arzneimittel Aspirin zu entwerfen. In dieser Zeit betätigte er sich auch als Korrespondent für die Braunschweigische Landeszeitung. Ein einzelnes Bild wurde auch vom Industrie-Verlag in Düsseldorf abgedruckt. Der Name Hans Grohmanns tauchte im Frühjahr 1930 im Zusammenhang mit der Gründung der Assoziation revolutionärer bildender Künstler in Dresden auf, wobei ein weitergehendes Engagement des eher unpolitischen Künstlers in dieser Gruppierung als unwahrscheinlich erscheint.
Kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Hans Grohmann am 23. Mai 1933 von einem sich als Vertreter der IG Farben ausgebenden Mann besucht. Beide unternahmen einen Spaziergang durch das Duisburger Wasserviertel, wo sie von einer Schlägertruppe überfallen wurden. Um Grohmann zu schützen, wurde er von der Schutzpolizei in das Polizeipräsidium Düsseldorfer Straße gebracht. Nach drei Tagen, am 26. Mai 1933, wurde er entlassen und auf dem Weg von einigen Männern, die wohl der SS zuzurechnen sind, entführt. Diese brachten ihn in den im Norden Düsseldorfs gelegenen Kalkumer Wald, wo er erschossen wurde.[2]
Die Umstände, die zum Tod Hans Grohmanns führten, sind bis heute ungeklärt. Bereits in der zeitgenössischen Publizistik wurden Vermutungen geäußert, die sich teilweise widersprachen. So äußerte Eduard Wienskowski, dass möglicherweise der Künstler Max Schewe als einer der Mörder Grohmanns anzusprechen ist. Nach offiziellen Verlautbarungen wurde Grohmann seine Kooperation mit den Besatzungsbehörden während der Ruhrbesetzung zum Verhängnis. Der US-amerikanische Journalist Pete Vanlaw sammelte 2017 die Informationen zum Fall Grohmann. Danach gehörte Grohmann zu einem deutsch-jüdischen Freundeskreis, dem auch der Filmschauspieler Conrad Veidt angehörte. Vanlaw vermutet eine homoerotische Beziehung zwischen Grohmann und Veidt.[3] Am Duisburger Ludgeriplatz erinnert ein Stolperstein an Hans Grohmann.
Werke (Auswahl)
Hans Grohmann wirkte vor allem als Porträtzeichner, Werbegrafiker und Fotograf. Zu den von ihm porträtierten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Duisburg gehören der Theatermann Paul Scheinpflug, der Cellist Emanuel Feuermann, der Komponist Walter Jesinghaus, der Komponist Franz Schreker, der Tenor Walter Krause, der Kapellmeister Wilhelm Grümmer, der Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der Intendant Saladin Schmitt, der Kapellmeister Emil Peeters, der Tänzer Joachim von Brüsewitz, der Tänzerin Mary Wigman, der Galeristin Johanna Ey, der Komponist Hans Pfitzner, der Dichter Raden Mas Noto Soeroto, der Rabbiner Manass Neumark, der Philosoph Theodor Lessing, der Schriftsteller Alexander Roda Roda und viele weitere.[4]
Dabei erinnern die zumeist als Federzeichnungen ausgeführten Arbeiten an expressionistische Vorbilder von Hermann Finsterlin, Wenzel Hablik oder Max Taut. Daneben haben sich von Grohmann weitere Werk im Zusammenhang mit seiner Arbeit als Reporter und Korrespondent erhalten. Diese zeigen türkische Städte wie Adrianopel und Porträtskizzen, thematisieren aber auch Drogenkonsum. Die Werbereihe für Bayer lehnte sich an die Figuren des türkischen Schattentheaters Karagöz an.
Literatur
- Burkhard Biella, Sabine Haustein: Spuren der Anfänge. Die Gründungsmitglieder des Bundes Duisburger Künstler (= Museum St. Laurentius. Schriftenreihe Bd. 10). Albula-Verlag, Duisburg 2023, ISBN 978-3-948281-05-2.