Harald Hampel
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Harald J. Hampel (* 1962 in Singen/Hohentwiel) ist ein deutscher Neurowissenschaftler und Psychiater. Seine Forschung umfasst die Früherkennung und die Entwicklung genetischer Faktoren, biologischer, neurophysiologischer und bildgebender Marker sowie pharmakologischer Therapien. Seine wissenschaftliche Forschung dient der Entwicklung einer Präzisionsmedizin für neurologische und psychiatrische Erkrankungen, insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit und anderen neurodegenerativen Erkrankungen.

Leben und Ausbildung
Hampel wurde in Singen/Hohentwiel geboren. Er studierte Humanmedizin an der Universität Witten/Herdecke und an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er promoviert wurde und sich habilitierte.[1] Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.[2] Ab 1995 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt an den National Institutes of Health (NIH), National Institute on Aging (NIA), Laboratory of Neurosciences, in Bethesda, Maryland. Im Jahr 1997 wurde er Gründungsdirektor des Alzheimer-Gedächtnis-Zentrums (Alzheimer Memorial Center) an der Ludwig-Maximilians-Universität München.[3][4] 2002 erhielt er die Anerkennung als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.[5] 2005 wurde er auf eine W2-Professur für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München berufen,[3][4] zudem erhielt er in diesem Jahr die fakultative Weiterbildung für klinische Geriatrie.[5] 2006 erwarb er den Abschluss Master of Science (M.Sc.) an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen in Köln.[4]
Akademische Laufbahn
Nach der Approbation als Arzt im Jahr 1994 war Hampel zunächst als Assistenzarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig.[5]
Hampel wurde anschließend auf leitende Funktionen an mehreren internationalen Institutionen berufen. 2006 wurde er zum Professor und Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie am Trinity College der Universität Dublin, Irland, ernannt. Dort war er leitender Wissenschaftler (Principal Investigator) am Trinity College Institute of Neuroscience (TCIN). Für seine akademischen und wissenschaftlichen Leistungen ernannte ihn das Trinity College Dublin 2008 zum Professorial Fellow.[6] 2010 wurde er zum Professor, Lehrstuhlinhaber und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatische Medizin sowie zum Co-Direktor des Brain Imaging Center (BIC) an der Goethe-Universität Frankfurt ernannt[1][4][7], dort jedoch im März 2012 fristlos entlassen, begründet mit „unüberbrückbaren Differenzen“.[8][9] 2013 wurde Hampel an die Sorbonne-Universität in Paris berufen, wo er bis 2019 als Professor und Inhaber des Exzellenz-Lehrstuhls, gefördert durch den AXA Research Fund, an der Sorbonne Universität an der Klinik für Neurologie[3][10] sowie am Paris Brain Institute (ICM – Institut du Cerveau et de la Moelle épinière) tätig war.[11] Anschließend wechselte er in die biopharmazeutische Industrie und übernahm die leitende Position des Chief Medical Officer und Senior Vice President für den Bereich Neurologie bei Eisai Inc. (Nutley, New Jersey).[4][10] Während seiner Tätigkeit bei Eisai Inc. wurde die Alzheimer-Therapie Leqembi (Lecanemab) entwickelt, zugelassen und weltweit eingeführt.[12] Im Januar 2026 nahm Hampel die leitende Position des Senior Vice President und Worldwide Head of Medical Affairs im Fachbereich Neuroscience (Neurologie und Psychiatrie) bei dem biopharmazeutischen Unternehmen bei Bristol-Myers Squibb (Princeton, New Jersey) ein.[13] Hampel ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Sinaptica Therapeutics (Cambridge, Massachusetts).[14] Er war Gründungspräsident der Alzheimer Precision Medicine Initiative (APMI) sowie der Cholinergic System Working Group und war Senior Associate Editor und Reviewing Editor der Zeitschrift Alzheimer’s & Dementia, dem Journal der Alzheimer Gesellschaft der USA (Alzheimer’s Association), (Chicago, Illinois).[4][15]
Forschungsbeiträge
Hampels Arbeit ist der Entwicklung moderner wissenschaftlicher Forschungsansätze, medizin-theoretischer Konzepte sowie neuer Technologien zur Früherkennung, Diagnostik, Prävention und Therapie neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit gewidmet. Wissenschaftliche Leistungen sind unter anderem:
- Entwicklung und Erforschung biologischer Marker (Biomarker): Entwicklung und Validierung genetischer Faktoren sowie von Biomarkern in Liquor (CSF) und Blut, darunter Amyloid-Beta-Spezies sowie Tau- und neuroimmunologische Proteine.[16][17][18]
- Entwicklung und Erforschung bildgebender Verfahren des Gehirns: Entwicklung, Anwendung und Integration morphologischer, struktureller und funktioneller Kernspin-Tomographie (MRT) sowie molekular und metabolischer Positronen-Emissions-Tomographie (PET)-Bildgebung in der Gehirnforschung zur Nachverfolgung anatomischer und funktioneller Gehirnveränderungen sowie mithilfe Daten-Analyse-Verfahren die Erforschung komplexer Gehirnstrukturen, wie Veränderungen neuronaler Netzwerke über alle Stadien der Alzheimer-Krankheit hinweg.[4][19]
- Theoretische Konzeptionalisierung, Erforschung und Entwicklung einer personalisierten und individualisierten Präzisionsmedizin für Gehirnerkrankungen: Forschung mithilfe multimodaler Langzeit-, Beobachtungs- und Diagnosestudien, unter Einbeziehung psychometrischer und genetischer Testungen, biologischer Marker, multimodaler Gehirnbildgebung, neurophysiologischer Methoden, digitaler Bioindikatoren und Daten-analytischer maschineller und erweiterter Lernverfahren aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Erfahrungen und Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungen wurden für die klinische Entwicklung neuer symptomatischer und krankheitsmodifizierender pharmakologischer Therapien für Patienten von präklinischen bis zu den symptomatischen Stadien der Alzheimer-Krankheit eingesetzt.[4][20][21]
Hampel hält zwölf Patente im Zusammenhang mit seiner Forschung[22] und erhielt mehrere wissenschaftliche Auszeichnungen, darunter den Forschungspreis der Deutschen Hirnstiftung (Hirnliga e.V.), den Alois-Alzheimer-Forschungspreis der Goethe-Universität Frankfurt sowie den Katharina-Hardt-Forschungspreis der Katharina-Hardt-Stiftung.[17][23][24]
Stand 2026 sind mehr als 900 Publikationen von Harald Hampel als Autor oder Koautor in PubMed verzeichnet; sein h-Index beträgt 156.[25][26] Seine Veröffentlichungen wurden über 124.000-mal zitiert,[25] zu den Werken gehören unter anderem Publikationen in wissenschaftlichen Journalen sowie Lehrbüchern.
Publikationen (Auswahl)
- Harald Hampel, Maria C. Carrillo (Hrsg.): Alzheimer's disease: modernizing concept, biological diagnosis and therapy (= Advances in Biological Psychiatry. Band 28). Karger, Basel; New York 2012, ISBN 978-3-8055-9802-6, S. 1–193.
- Freitag, Barocka, Fehr, Grube, Hampel (Hrsg.): Depressive Störungen über die Lebensspanne: Ätiologie, Diagnostik und Therapie. Kohlhammer, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-17-023557-1, S. 1–218.
- Neurodegenerative disease biomarkers: Guideposts for disease prevention through early diagnosis and intervention. In: John Q. Trojanowski, Harald Hampel (Hrsg.): Progress in Neurobiology. Band 95, Nr. 4, Dezember 2011, S. 491–728, doi:10.1016/j.pneurobio.2011.07.004, PMID 21821094, PMC 3575085 (freier Volltext) – (elsevier.com).
- Rainer Rupprecht, Harald Hampel: Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie: Ihr roter Faden durchs Studium nach der ÄAppO. 1. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2006, ISBN 978-3-8047-3001-4, S. 1–640, doi:10.52778/9783804730014 (biblioscout.net).
- Manfred Bergener, Harald Hampel, Hans-Jürgen Möller u. a. (Hrsg.): Gerontopsychiatrie: Grundlagen, Klinik und Praxis; mit 122 Tabellen. WVG, Wiss. Verl.-Ges, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2068-8, S. 1–790.
- Harald Hampel, Frank Padberg, Hans Juergen Möller (Hrsg.): Alzheimer – Demenz. Buch. Wiss. Verl.-Ges, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-8047-1928-6, S. 1–503.
Weblinks
- Publikationen auf PubMed
- Profil auf Google Scholar
- Profil auf ORCID