Henrike Naumann

deutsche Installationskünstlerin (1984-2026) From Wikipedia, the free encyclopedia

Henrike Naumann (* 1984 in Zwickau; † 14. Februar 2026 in Berlin[1][2]) war eine deutsche Installationskünstlerin. In ihren Arbeiten thematisierte sie den Zusammenhang von Möbeln und Inneneinrichtung mit politischen und gesellschaftlichen Themen.

Henrike Naumann in grauem Anzug. Sie steht auf einer Marmortreppe in der Villa Massimo und blickt ernst und direkt in die Kamera. Im Hintergrund eine Bronze-Büste und graugemusterter Marmor
Henrike Naumann (2025)

Leben

Naumann war die Enkelin des Künstlers Karl Heinz Jakob. Sie studierte Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und Szenografie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.

Als Schlüsselerlebnis für ihren künstlerischen Werdegang nannte sie die Brandstiftung durch und anschließende Festnahme von Beate Zschäpe am 4. November 2011 im Zuge der Enttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Naumann befand sich zu diesem Zeitpunkt nur wenige hundert Meter entfernt, bei ihrer Großmutter im Zwickauer Stadtteil Weißenborn. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse setzte sie sich in ihrer Diplomarbeit Triangular Stories[3] mit der Vorgeschichte des NSU in der ostdeutschen Nachwendezeit auseinander.[4] Naumanns erste internationale Ausstellung war zur Ghetto-Biennale 2015 in Port-au-Prince, Haiti, mit einem gemeinsam mit Bastian Hagedorn realisierten fiktiven Museum of Trance zur Geschichte der elektronischen Musik in Deutschland.[5]

In der Arbeit Das Reich stellte sie 2017 im Berliner Kronprinzenpalais Stonehenge aus Schrankwänden nach, um sich am Ort der Unterzeichnung des Einigungsvertrags mit der Reichsbürgerbewegung auseinanderzusetzen.[6] In ihrer Ausstellung „Ostalgie“ (2019) reflektierte Naumann das Nachleben der DDR in den 1990er Jahren und zeigte ihre radikale Arbeitsweise mit Architektur, indem sie die Wände der Galerie mit Teppichboden bezog und als Boden für ihre Möbel um 90 Grad gekippt benutzte.[7]

2021 waren mehrere Werke von Henrike Naumann zeitgleich in der Ukraine und in Russland ausgestellt, unter anderem im PinchukArtCentre in Kiew und in der Tretjakow-Galerie in Moskau. Beim russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurden die Ausstellungen geschlossen. Eine Arbeit wurde aus Kiew durch das Kriegsgebiet evakuiert.[8] Im selben Jahr fand Naumanns erste US-Einzelausstellung statt im SculptureCenter in New York. Darin untersuchte sie die Rolle, die Möbel beim Sturm aufs Kapitol in Washington 2021 gespielt haben.[9]

Ihre künstlerische Arbeit verband Naumann mit Vortrags- und Lehrtätigkeiten. Als Mitglied des Deutschen Künstlerbundes war sie 2022 Speakerin auf dem Symposium Kunst und Freiheit. Unter Druck.[10] Mit dem Vortrag „What comes after Postmodernism“[11] in der Bundeskunsthalle Bonn reflektierte sie über ihre Arbeit auf der Kyiv Biennale 2023 und das Thema Kunst und Krieg.

Für die Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der 61. Biennale in Venedig, die von Mai bis November 2026 stattfindet, wurden Henrike Naumann und Sung Tieu von der Kuratorin Kathleen Reinhardt benannt.[12] Ihre Arbeit dafür entwickelte sie 2025 in der Villa Massimo in Rom.[13]

Mitte Februar 2026 teilte die Familie der Künstlerin mit, dass Naumann einer zu spät diagnostizierten Krebserkrankung in Berlin erlegen sei.[14] Das Institut für Auslandsbeziehungen, zuständig für den Deutschen Pavillon, teilte mit: „Mit Henrike Naumann verlieren wir nicht nur eine bedeutende Vertreterin der deutschen Gegenwartskunst, sondern auch eine warmherzige, wache und hoch engagierte Persönlichkeit.“[15] Im Nachruf in Texte zur Kunst beschreibt Marietta Kesting ihre Arbeitsweise und Eigenwilligkeit als Künstlerin.[16]

Ausstellungen

Henrike Naumann (2019)

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Publikationen

  • Henrike Naumann – Concepts. Bierke Books, Berlin 2024, ISBN 978-3-948546-18-2.[48]
  • Henrike Naumann, Angela Schönberger, Andreas Brandolini (Autoren), Matthias Kliefoth (Hrsg.): Einstürzende Reichsbauten. DISTANZ Verlag, 2021, ISBN 978-3-95476-358-0.[49]
  • Henrike Naumann – 2000. Spector Books, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95905-357-0.[50]
  • Texte zur Kunst #105. 2017.[51]
  • Henrike Naumann – The Effects Can Last Forever. Goldrausch, Berlin 2014.[52]
  • Henrike Naumann – Triangular Stories. Diplomarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“. Potsdam-Babelsberg 2012.[53]

Preise, Stipendien und Residenzen (Auswahl)

Commons: Henrike Naumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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