Holy Meat

Film von Alison Kuhn (2025) From Wikipedia, the free encyclopedia

Holy Meat ist eine deutsche Filmkomödie von Alison Kuhn aus dem Jahr 2025. Sie erzählt in drei Kapiteln mit unterschiedlichen Hauptfiguren von der Gründung einer Laientheatergruppe in einer schwäbischen Kirchengemeinde. Kuhn ließ sich für den Film unter anderem von ihrer eigenen Kindheit in einem katholischen Dorf im Saarland inspirieren. Die ungewöhnliche Struktur des auf dem Filmfest München 2025 uraufgeführten Films wurde von der Kritik unterschiedlich bewertet, während Ensemble und Figurenzeichnung größtenteils gelobt wurden.

TitelHoly Meat
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2025
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Holy Meat
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 122 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen Niama Film, Domar Film
Stab
Regie Alison Kuhn
Drehbuch Alison Kuhn
Produktion
  • Thomas Reisser
  • Marcus Machura
Kamera Matthias Reisser
Schnitt Christian Zipfel
Besetzung
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Handlung

Nach einem Prolog, in dem der Pfarrer Oskar Iversen entgeistert einer provokanten Theater-Interpretation der Passion Jesu beiwohnt, wird die Geschichte in drei Kapiteln aus jeweils einer anderen Perspektive erzählt.

Oskar – Die Kirche

Der dänische Pfarrer Oskar Iversen will einen Vorfall bei seinem Vorsteher melden, entscheidet jedoch spontan, stattdessen um eine Versetzung nach Deutschland zu bitten, der Heimat seiner Mutter. Um in der kleinen schwäbischen Gemeinde Winteringen bleiben zu dürfen, muss er jedoch verhindern, dass diese wegen zu wenigen Mitgliedern eingemeindet wird. Weil er behauptet hat, die Zahl der Kirchenmitglieder durch ein spendenfinanziertes Theaterstück steigern zu wollen, überredet er eine an einem Hirntumor erkrankte Patientin im nahegelegenen Krankenhaus zur Spende ihres Erbes. Er muss ihr jedoch versprechen, sich um ihre Tochter Merle zu kümmern, die das Down-Syndrom hat. Von dem Erbe kauft Oskar eine Scheune und lässt diese als Theater herrichten. Außerdem engagiert er den Theaterregisseur Roberto aus Berlin. Unerwartet wird Oskar von der Metzgerin des Ortes geohrfeigt und findet in der Kirche ein gekreuzigtes Schwein mit einem Drohbrief, der ihn auffordert, das Erbe auszuschlagen.

Mia – Die Familie

In Stuttgart erhält Mia einen Anruf aus dem Krankenhaus, dass ihre Mutter an einem Hirntumor gestorben ist. Sie fährt in ihr Heimatdorf Winteringen, um sich dort um ihre Schwester Merle zu kümmern. Merle macht Mia deutlich, dass sie nicht in ein Heim gehen, sondern weiter in der Metzgerei ihrer Mutter arbeiten will. Mia übernimmt widerwillig die Metzgerei, erfährt dann jedoch von der Spende des eigentlich ihr zustehenden Erbes. Daraufhin ohrfeigt und bedroht sie Oskar. Als dies nicht zu dem gewünschten Ziel führt, ermutigt sie Regisseur Roberto dazu, das Stück möglichst provokativ zu inszenieren. Sie hofft, dass der zur Premiere eingeladene Bischof dann die Gemeinde schließen und das Erbe doch ihr zufließen würde.

Roberto – Die Kunst

Nachdem die Presse ein von ihm inszeniertes Stück wegen angeblich ableistischer Inhalte verrissen hat, verliert Roberto seine Anstellung an einem Berliner Theater und wird von seinem Freund verlassen. In seiner Not stimmt er zu, in Winteringen das Theaterstück zu inszenieren, erfährt jedoch erst vor Ort, dass er ausschließlich mit Laien arbeiten wird. Er wird bei der verwitweten Kirchenmusikerin Anita einquartiert, die sichtlich froh ist, wieder Gesellschaft zu haben. Nachdem Roberto Mia kennen gelernt hat und sie seine Regieassistentin geworden ist, verliebt er sich in sie. Die Änderungen am Stück werden gegenüber Iversen geheim gehalten. Eines Abends besucht der Messdiener Niklas betrunken Pfarrer Iversen, dem er schon zuvor seine Liebe gestanden hatte, und versucht ihn zu verführen. Dies wird von Mias Freundin Nadine beobachtet.

Der Tag der Premiere ist gekommen und Publikum und Presse sind begeistert. Nadine erklärt jedoch dem Publikum, dass Oskar Niklas missbraucht hätte, was dieser erst nach einigem Zögern abstreitet. Der Bischof beschließt das Ende der Gemeinde. Oskar erzählt Roberto, dass er einen Fall von sexuellem Missbrauch in seiner dänischen Gemeinde verschwiegen hat, und dieser folgert aus seinen Äußerungen, dass er als Kind selbst Opfer eines solchen gewesen ist. Oskar gibt Mia das Erbe zurück, das sonst – entgegen ihrer Annahme – bei der Eingemeindung an die größere Nachbargemeinde übergegangen wäre. Er ruft in Dänemark an, um endlich reinen Tisch zu machen, und arbeitet von nun an mit Merle in der Metzgerei.

Produktion

Autorin und Regisseurin Alison Kuhn verarbeitete in dem Stoff ihre Kindheit, die sie in einem kleinen, katholischen Dorf im Saarland und an einer katholischen Privatschule verbrachte, an der noch während ihrer Schulzeit ein jahrelanger sexueller Missbrauch an Schülern aufgedeckt wurde.[2] Statt dieses Thema naheliegenderweise als Dokumentarfilm oder Drama zu bearbeiten, entschied sie sich stattdessen für eine Komödie, als Herausforderung und da man ihrer Meinung nach bei so einem Thema mit Humor mehr Menschen abhole.[2][3] Sie bezeichnet den Film wegen seiner ungewöhnlichen Erzählstruktur aus drei Perspektiven als Triptychon und sieht darin eine Metapher für Empathie.[3]

Bei der Inszenierung des im Film gezeigten Theaterstücks ließ Kuhn sich von den provokanten Werken von Hermann Nitsch und Florentina Holzinger inspirieren.[3] Choreografiert wurde die skandalöse Aufführung von Eric Gauthier.[4] Als Vorbilder für den Film selbst nannte Kuhn die Coen Brothers, Martin McDonagh, Anders Thomas Jensen und Giorgos Lanthimos.[3]

Gefördert wurde Holy Meat unter anderem von der MFG Filmförderung, als Produktionsunternehmen fungierten Niama-Film und Domar Film.[5] Die Dreharbeiten fanden unter dem Arbeitstitel Herrgottscheißerchen[6] an 22,5 Drehtagen[2] im Oktober und November 2023 statt[7][6], laut Heilbronner Stimme wurde bis Februar 2024 gedreht.[2] Die Drehorte waren in und um Heilbronn, in Stuttgart (z. B. am Theaterhaus[5]), Berlin und Dänemark.[2][7]

Holy Meat hatte seine Weltpremiere auf dem Filmfest München 2025[8] und kam im Vertrieb des Camino Filmverleih ab 1. Januar 2026 in die deutschen Kinos.

Rezeption

Holy Meat erhielt gemischte Kritiken.

Marie-Luise Goldmann hob Holy Meat in der Welt als „die große Entdeckung“ des Filmfests München hervor und bezeichnete den Film durch seine gekonnte „Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor, zwischen Empathie und Satire“ als „Hoffnungsschimmer für den deutschen Film und die deutsche Komödie im Besonderen“.[9]

Jannek Suhr schrieb in der epd Film, Holy Meat changiere zwischen „grotesker, dunkler Komödie und realistischem, melancholischem Drama“. Die Erzählstruktur aus drei Perspektiven bringe „den Erzählrhythmus etwas ins Stocken“ und erzeuge Redundanzen, schaffe es jedoch, „unterschiedliche Blickwinkel zur Geltung zu bringen und mit Erwartungen zu brechen“. Der Film zeige, dass Dorfgemeinschaften, Kirchen und Kulturbetrieb durch den „Wunsch nach Orten der Zusammenkunft und der Gemeinschaft“ verbunden seien, es dafür aber nötig sei, dass „strukturelle Probleme offen angegangen werden“.[10]

Auch Irene Genhart bemängelte im Filmdienst die aus den drei Akten resultierenden „Überschneidungen und Wiederholungen, die ‚Holy Meat‘ auf Dauer etwas schmalbrüstig erscheinen lassen.“ Doch wage sich Alison Kuhn „mit ihrer ziemlich überdrehten Dorf- und Kirchenkomödie unerschrocken an Themen heran, die viel zu selten den Weg auf die Leinwand finden.“ Genhart lobte die Spielfreude des Ensembles und hob insbesondere Jens Albinus, Homa Faghiri und Jeremias Meyer positiv hervor. Der Film verliere mit der Zeit jedoch an satirischem Biss und leide an zu starken Überzeichnungen, denn „wenn man genauer hinschaut, funktioniert ‚Holy Meat‘ auf einer sehr feinfühligen, zwischenmenschlichen Ebene, die im Klamauk der Ereignisse unterzugehen droht.“[11]

Auch Julia Haungs vom Südwestrundfunk lobte das „großartige Ensemble“, dank dessen der Film trotz seiner Absurdität nicht klamaukig werde. Haungs hob den formalen und inhaltlichen Mut von Kuhn hervor, die ernste Themen mit „schwarzem Humor und einem guten Gespür für ihre Figuren“ bearbeite. Die Fülle an Themen und die ambitionierte Erzählstruktur machten es dem Film jedoch schwer, „wirklich Fahrt aufzunehmen“.[12]

Lara Pleyer und Axel Timo Purr von artechock hingegen lobten ebendiese parallele Erzähltechnik, durch die es dem Film gelinge, „unsere ganze fragmentierte Gegenwart in einem kleinen schwäbischen Dorf zu bündeln und so berührend wie klug und komisch davon zu erzählen, was es braucht, um sich bei all dem Irrsinn, den unsere Welt heute ausmacht, zu emanzipieren und neu zu erfinden“ und zeige damit, „wie politisches Kino heute aussehen kann.“[13][14]

Die Redaktion von Filmstarts bezeichnete Holy Meat als eine „freche, christlich angehauchte Provinzkomödie“. Der Weg zum im Prolog gezeigten Theaterstück mache „unglaublich viel Spaß“ und es gehe um „viel mehr als eine Persiflage des Theaterbetriebs.“ Kuhn zeichne „ein liebevolles Bild der Dorfgemeinschaft“, leiste sich aber auch Überzeichnungen.[4]

Deutlich kritischer äußerte sich die Redaktion der Cinema. Sie bezeichnete Holy Meat als „[k]rude Provinzposse mit zu wenig zündenden Pointen“. Der Film sei eine „umständlich in Szene gesetzte Groteske“, die „weder formal noch inhaltlich zu überzeugen weiß“.[15]

Einzelnachweise

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