ICE Felix

rumänische Organisation From Wikipedia, the free encyclopedia

ICE Felix (vollständig Fabrica de Calculatoare Electronice FELIX, deutsch Fabrik für Elektronische Rechenmaschinen FELIX) war ein 1970 gegründeter rumänischer Computerhersteller mit Sitz in Bukarest. Das Unternehmen war über mehrere Jahrzehnte der zentrale Computerhersteller Rumäniens und produzierte eigene Rechnerfamilien, von Großrechnern über Minicomputer und Mikrocomputer bis zu Heimcomputern und IBM-PC-kompatiblen Systemen – eine Produktbandbreite, die unter den Computerherstellern der sozialistischen Staaten ihresgleichen suchte. In den 1980er-Jahren war Rumänien nach der Sowjetunion der zweitgrößte Produzent elektronischer Rechensysteme im Ostblock.[1] 2018 stellte die Firma einen Insolvenzantrag.

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Geschichte

Gründung und Lizenzfertigung

ICE Felix wurde 1970 gegründet und konzentrierte sich zunächst auf die Implementierung elektronischer Systeme auf Basis zugekaufter Lizenzen. Bereits im Gründungsjahr wurden Lizenzen von der niederländischen Firma Friden und der französischen Compagnie internationale pour l’informatique (CII) erworben.[2] Daneben bestanden langfristige Kooperationsverträge mit US-amerikanischen Unternehmen wie Ampex, Pertec, Data Products und Centronics.

Sonderrolle Rumäniens im Ostblock

Anders als die übrigen RGW-Staaten verfolgte Rumänien unter Nicolae Ceaușescu eine weitgehend eigenständige Technologiepolitik.[3] Die Zusammenarbeit mit den anderen Comecon-Ländern im Bereich der Rechentechnik blieb begrenzt.[3] Rumänien trat dem Einheitlichen System (ESER) zwar 1973 bei,[4] setzte jedoch mit ICE Felix parallel auf eine eigene, von westlichen Lizenzen abgeleitete Rechnerfamilie. Die Felix-C-Großrechner basierten architektonisch auf den französischen IRIS-Rechnern der CII und damit letztlich auf der SDS Sigma 7,[5][6] nicht auf der IBM System/360, die den ESER-Rechnern der übrigen sozialistischen Länder zugrunde lag.

Expansion

Ab Mitte der 1970er-Jahre begann ICE Felix mit der Fertigung von Mini- und Mikrorechnern. Der Felix MC, ein 1974 vorgestellter Mikrocomputer auf Basis des Intel 8008, war einer der frühesten Mikrocomputer im gesamten Ostblock. Die CORAL-Minicomputerreihe basierte auf der PDP-11-Architektur.

Ab Mitte der 1980er-Jahre kamen Heimcomputer der HC-Serie hinzu, die auf dem Sinclair ZX Spectrum basierten und etwa zehn Jahre lang produziert wurden.[7] Parallel dazu fertigte ICE Felix IBM-PC-kompatible Rechner (Felix PC) sowie den CoBra, einen weiteren ZX-Spectrum-kompatiblen Rechner.

Nach 1989

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entstanden Kooperationen mit internationalen Unternehmen wie IBM, Advantech, Sun Microsystems, DEC, Logitech und Hewlett-Packard. Wie die gesamte osteuropäische Computerindustrie konnte auch ICE Felix mit westlichen Herstellern nicht konkurrieren.[8]

Im März 2008 veräußerte das Unternehmen mehrere Grundstücke und Gebäude im Bukarester Stadtteil Pipera für 6 Millionen Euro.[9] Das Unternehmen befand sich zu 45,68 % im Besitz der staatlichen Autorität für Verwertung staatlicher Aktiva (AVAS), 23,58 % hielt die Felix IT, und 12,23 % gehörten der Investitionsgesellschaft SIF Oltenia.[9] Im Jahr 2004 beschäftigte ICE Felix rund 200 Mitarbeiter;[10] der Umsatz betrug 2006 rund 3,1 Millionen Lei.[9]

2018 stellte die Firma einen Insolvenzantrag.[11]

Produkte

Weitere Informationen Rechnerfamilie, Typ ...
RechnerfamilieTypZeitraumArchitektur/Basis
Felix CGroßrechnerab 1970erCII IRIS / SDS Sigma 7
Felix MCMikrocomputerab 1974Intel 8008
Felix FCFakturier-/Buchhaltungsrechner
Felix MMikrorechner
CORALMinicomputerPDP-11-Architektur
HC-SerieHeimcomputerab ca. 1985ZX-Spectrum-kompatibel
CoBraHeimcomputerZX-Spectrum-kompatibel
CUB / CUB-ZBürorechnerIntel 8080 / Z80
Felix PCPersonal Computerab 1985IBM-PC-kompatibel
PC-SeriePersonal Computerab Ende 1980erx286, x386, Pentium
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Siehe auch

Commons: ICE Felix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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