Institut für sozial-ökologische Forschung
Forschungseinrichtung mit Sitz in Frankfurt am Main
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Das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) GmbH ist eine national und international tätige, gemeinnützige Forschungseinrichtung mit Sitz in Frankfurt am Main. Das ISOE entwickelt als unabhängiges Forschungsinstitut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsweisende Konzepte für sozial-ökologische Transformationen – lokal, national und international. Gemeinsam mit seinen Partnern in Wissenschaft, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politikgestaltet das Institut Räume für einen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit.[3]
Im Zentrum der Forschung des ISOE steht die Frage, wie Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit gestaltet werden können. Mit seiner transdisziplinären Forschung will das Institut Möglichkeiten für einen nachhaltigen und gerechten Umgang mit Wasser, Land und Biodiversität sowie mit Siedlungsentwicklung, Mobilität und Konsum aufzeigen.[4] Grundlage der Forschung des ISOE ist die Soziale Ökologie. ISOE-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler gehören zu den Begründern dieses transdisziplinären Wissenschaftsgebiets. Ihre Kernkompetenz sind inter- und transdisziplinäre Forschungsmethoden und -designs.
| Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) | |
|---|---|
Logo des Instituts für sozial-ökologische Forschung | |
| Bestehen: | seit 1989 |
| Rechtsform des Trägers: | GmbH |
| Mitgliedschaft: | Ecological Research Network (Ecornet), Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (SBiK-F) |
| Standort der Einrichtung: | Frankfurt am Main |
| Art der Forschung: | Sozial-ökologische Forschung
Transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung |
| Fachgebiete: | Institutsbereiche:[1] Wissenschaftliche Bereiche
Forschungsfelder
|
| Leitung: | Flurina Schneider[2] |
| Mitarbeiter: | etwa 80 |
| Website: | www.isoe.de |
Das ISOE ist Mitbegründer des nationalen Forschungsnetzwerks Ecological Research Network (Ecornet) und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (SBiK-F).[5]
Fokus
Im Fokus der Forschungsarbeit stehen komplexe gesellschaftliche Probleme nachhaltiger Entwicklung, wie beispielsweise nicht-nachhaltiges Konsum- oder Mobilitätsverhalten, lokale und globale Wasserprobleme oder der Verlust von Biodiversität. Bei ihrer Untersuchung werden Perspektiven der Bevölkerungsentwicklung und der Geschlechtergerechtigkeit mitbehandelt. Ziel der Institutsarbeit ist es, zukunftsfähige Lösungskonzepte zu entwickeln, um praxisrelevante Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung und Nachhaltigkeitsforschung zu liefern. 2024 veröffentlichte das ISOE die „Institutsstrategie 2024 – 2030“[6]. Ausgangspunkt der Institutsstrategie ist die Frage, wie Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit angesichts sich zuspitzender Konflikte und Ungleichheiten gesellschaftlich verwirklicht werden können.[7]
Geschichte
Das Institut wurde 1989 als interdisziplinäre unabhängige Forschungseinrichtung gegründet. Die Basis für die Institutsgründung hat 1986 und 1987 die Forschungsgruppe Soziale Ökologie erarbeitet, die im Auftrag der Hessischen Landesregierung ein Gutachten zur sozial-ökologischen Forschung in Hessen erstellt hatte.[8] Der Wissenschaftsrat hob 1994 in seiner Stellungnahme zur Umweltforschung in Deutschland die „bedeutsame und förderungswürdige sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Grundlagenforschung“ des ISOE „im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie“ hervor.[9] Im Jahr 2000 wurde das ISOE für das Projekt „Nachhaltigkeit – ein fachübergreifendes Konzept für sozial-ökologische Transformationen“ mit dem zum ersten Mal vergebenen Schweizer Wissenschaftspreis für hervorragende transdisziplinäre Forschungsprojekte ausgezeichnet.[10] Das ISOE war maßgeblich an der Etablierung des BMBF-Förderschwerpunkts „Sozial-ökologische Forschung“ beteiligt.[11] Der Evaluierung durch den Wissenschaftsrat 2016 zufolge wird das vom ISOE mitgeprägte Konzept der Transdisziplinarität in seiner „Forschungspraxis überzeugend umgesetzt“.[12] Seit April 2021 ist Flurina Schneider wissenschaftliche Geschäftsführerin und Sprecherin der Institutsleitung[2]. Sie übernahm gleichzeitig eine Professur für Soziale Ökologie am Fachbereich Biowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Hier ist das ISOE seit 2008/09 mit dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften im Masterstudiengang Umweltwissenschaften verantwortlich für das Schwerpunktfach „Soziale Ökologie“.
Struktur
Derzeit arbeiten rund 80 Mitarbeitende in einer Vielzahl unterschiedlicher disziplinübergreifender Forschungsprojekte. Unterstützt wird das Institut durch einen Wissenschaftlichen Beirat.[13]
Das wissenschaftliche Team arbeitet in folgenden Forschungsschwerpunkten:[14]
Wissenschaftliche Bereiche
- Sozial-ökologische Systeme
- Praktiken und Infrastrukturen
- Wissensprozesse und Transformationen
Forschungsfelder
- Wasser und Landnutzung
- Biodiversität und Gesellschaft
- Gekoppelte Infrastrukturen
- Nachhaltige Gesellschaft
- Transdisziplinarität
Finanzierung
Als unabhängige und außeruniversitäre Forschungseinrichtung finanziert sich das Institut im Wesentlichen aus öffentlichen Projektmitteln und Aufträgen[15] und durch private Auftraggeber und Verbände. Darüber hinaus erhält es eine institutionelle Förderung durch das Land Hessen sowie eine Unterstützung durch die Stadt Frankfurt am Main.
Forschungsprogramm
Ausgangspunkt der Forschungsarbeit des ISOE ist die Erkenntnis, dass sich in ökologischen Problemlagen gesellschaftliche Handlungsmuster und natürliche Wirkungszusammenhänge wechselseitig durchdringen und eine sozial-ökologische Krisendynamik auslösen. Aus dieser Erkenntnis folgt ein spezifischer sozial-ökologischer Forschungszugang: Natur und Gesellschaft werden gleichzeitig in den Blick genommen und deren wechselseitige Beziehungen untersucht. Im Begriff der gesellschaftlichen Naturverhältnisse wird diese Verflechtung deutlich. Soziale Ökologie als Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen bewegt sich damitzwischen den beiden Polen Lösungen für lebenspraktische Probleme als praxisbezogene, transdisziplinäre Forschung zu erarbeiten und methodisch erzeugtes neues Wissen als theorieorientierte Wissenschaft begrifflich zu ordnen.
Literatur (Auswahl)
- Egon Becker, Thomas Jahn (Hrsg.): Soziale Ökologie. Grundzüge einer Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen. Frankfurt a. M., New York: Campus 2006.
- Matthias Bergmann, Engelbert Schramm (Hrsg.): Transdisziplinäre Forschung – Integrative Forschungsprozesse verstehen und bewerten Frankfurt a. M., New York: Campus 2008.
- Diana Hummel (Hrsg.): Population Dynamics and Supply Systems – A Transdisciplinary Approach Frankfurt a. M., New York: Campus 2008.
- Matthias Bergmann, Thomas Jahn, Tobias Knobloch, Wolfgang Krohn, Christian Pohl, Engelbert Schramm (Hrsg.): Methoden transdisziplinärer Forschung – Ein Überblick mit Anwendungsbeispielen Frankfurt a. M., New York: Campus 2010.
- Thomas Jahn (2013): Wissenschaft für eine Nachhaltige Entwicklung braucht eine kritische Orientierung. GAIA 1, 29–33.
- Irmgard Schultz, Engelbert Schramm, Diana Hummel (2015): Gender als Integrationsdimension in der transdisziplinären SÖF (sozial-ökologischen Forschung). In: Christine Katz, Sebastian Heilmann, Anja Thiem, Lea M. Koch, Katharina Moths, Sabine Hofmeister (Hg.): Nachhaltigkeit anders denken. Veränderungspotenziale durch Geschlechterperspektiven. Wiesbaden: Springer VS, 217–230
- Thomas Jahn, Diana Hummel, Engelbert Schramm (2015): Nachhaltige Wissenschaft im Anthropozän. GAIA 24 (2), 92–95.
- Johanna Kramm, Melanie Pichler, Anke Schaffartzik, Martin Zimmermann (Hrsg.): Social Ecology: State of the Art and Future Prospects. Printed Edition of the Special Issue Published in Sustainability. MDPI, Basel u. a. 2017.
- Thomas Jahn, Diana Hummel, Lukas Drees, Stefan Liehr, Alexandra Lux, Marion Mehring, Immanuel Stieß, Carolin Völker, Martina Winker, Martin Zimmermann (2020): Sozial-ökologische Gestaltung im Anthropozän. GAIA 29 (2), 93–97.
- Flurina Schneider, Zarina Patel, Katsia Paulavets, Tobias Buser, Jacqueline Kado, Stefanie Burkhart (2023): Fostering transdisciplinary research for sustainability in the Global South: Pathways to impact for funding programmes. Humanities and Social Sciences Communications 10 (620).
- Theiler, Lena, Alexandra Lux, Michael Kreß-Ludwig, Flurina Schneider (2024): Schlüsselkonzepte und Umsetzung transdisziplinärer Forschung. Forschung 17 (1+2), 3–8.
- Kreß-Ludwig, Michael, Oskar Marg, Rieke Schneider, Alexandra Lux (2024): Lessons from transdisciplinary urban research to promote sustainability transformation in real-world labs. Categories, pathways, and key principles for generating societal impact. GAIA S1, 10–17.
- Lux, Alexandra, Michael Kreß-Ludwig, Flurina Schneider (2024): Transdisciplinary Research Process. In: Darbellay, Frédéric (Hg.): Elgar Encyclopedias in the Social Sciences series. Edward Elgar Publishing, 553–557
- Mehring, Marion, Anna S. Brietzke, Janina Kleemann, Stefan Knauβ, Christian Poβer, Vera Schreiner, Heidi Wittmer, Christian Albert, Christine Fürst, Karsten Grunewald, Michael Kolkmann, Ludwig Lettenmaier, Tanja G. M. Sanders, Christian Schleyer, Josef Settele, Tanja M. Straka, Jennifer Hauck (2024): Multiple ways to bend the curve of biodiversity loss: An analytical framework to support transformative change. People and Nature.
- Frick-Trzebitzky, Fanny, Robert Lütkemeier, Dženeta Hodžić, David Kuhn, Linda Söller, Anne Jäger (2025): Groundwater in Europe: Cornerstone for Resilience. ISOE Policy Brief 12. Frankfurt am Main.
- Mehring, Marion, Diana Hummel, Lukas Sattlegger, Immanuel Stieß, Flurina Schneider (2025): Trendwende zur Erhaltung der Biodiversität: Dimensionen einer sozial-ökologischen Transformation. Bending the curve of biodiversity loss: Dimensions of a social-ecological transformation. Natur und Landschaft 100 (6), 234–239.