Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik
Spezifische Pädagogische Hochschule in Zürich mit Studiengängen
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Die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) ist eine Pädagogische Hochschule in Zürich.[3] Sie erfüllt den vierfachen Leistungsauftrag in den Bereichen Ausbildung, Weiterbildung, Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen auf dem Gebiet der Heil- und Sonderpädagogik.[3.1]
| Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik | |
|---|---|
| Motto | Bildung für Alle – damit Partizipation am gesellschaftlichen Leben für alle Realität wird |
| Gründung | 1924 |
| Trägerschaft | 12 Schweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein |
| Ort | Zürich |
| Kanton | Kanton Zürich |
| Land | Schweiz |
| Rektorin | Barbara Fäh |
| Studierende | ca. 2000[1] |
| Mitarbeiter | 250[2] |
| Website | www.hfh.ch |
Die HfH ist Nachfolgerin des Heilpädagogischen Seminars (HPS) in Zürich und feierte 2024 ihr 100-Jahr-Jubiläum.[3.2]
Geschichte

Die Anfänge der Hochschule gehen auf das Jahr 1924 zurück, als in Zürich das Heilpädagogische Seminar (HPS) gegründet wurde.[3.3]
Die Initiative dazu ging von Pädagogen und Sozialreformern wie Heinrich Hanselmann, Johannes Hepp, Karl Jauch, Paul Beglinger und Moritz Tramer aus, die eine Ausbildungsstätte für Lehrpersonen schaffen wollten, die mit Kindern mit besonderen Bildungsbedürfnissen arbeiten.[3.4] Das Seminar nahm im April 1924 den Betrieb mit acht Studierenden auf; erster Leiter war Heinrich Hanselmann (1885–1960), der zugleich an der Universität Zürich lehrte.[3.5][4] An der Universität Zürich wurde 1931 die erste Professur für Heilpädagogik in Europa eingerichtet.[4]
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Seminar unter der Leitung von Paul Moor (1899–1977) zu einer der bedeutendsten Einrichtungen für heilpädagogische Ausbildung in der Schweiz.[3.6] Das HPS wurde schrittweise ausgebaut und erhielt eine überregionale Bedeutung. Das Ausbildungsangebot wurde um Fachrichtungen wie Logopädie, Gebärdensprachdolmetschen[3.6] und Psychomotoriktherapie ergänzt.[3.7]
Ab den 1970er-Jahren nahmen vermehrt Studierende aus anderen Kantonen ein Studium am HPS auf, was 1986 zur Einführung einer interkantonalen Trägerschaft führte. Damit wurde die rechtliche Grundlage für den späteren Hochschulstatus geschaffen.[3.8][5]
Am 1. September 2001 nahm die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) als Nachfolgeinstitution des HPS offiziell den Betrieb auf.[3.9][4] Sie wurde Teil der neu entstandenen Pädagogischen Hochschullandschaft der Schweiz und ist auf Heil- und Sonderpädagogik ausgerichtet.[3.9] In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur schrittweise ausgebaut. Räume für Lehre und Verwaltung wurden in der Überbauung City Bernina in Zürich eingerichtet.[3.10]
2017 wurde die Organisationsstruktur der Hochschule angepasst. Der Hochschulrat beschloss die Etablierung von fünf thematisch ausgerichteten Instituten: Das Institut für Lernen unter erschwerten Bedingungen, das Institut für Verhalten, sozioemotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung, das Institut für Behinderung und Partizipation, das Institut für Sprache und Kommunikation sowie das Institut für Professionalisierung und Systementwicklung.[3.11]
2017 wurde die HfH vom Schweizerischen Akkreditierungsrat institutionell als Pädagogische Hochschule akkreditiert.[6] 2023 wurde die HfH ohne Auflagen reakkreditiert. Die Reakkreditierung erfolgte gestützt auf das Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) und gilt für sieben Jahre bis zum Dezember 2030.[7]
Im Jahr 2025 kam es zu Diskussionen über die zukünftige Trägerschaft der Hochschule. Laut einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung prüft der Kanton Zürich eine Neuorganisation der heil- und sonderpädagogischen Ausbildung. Dem Bericht zufolge will der Regierungsrat abklären lassen, in welcher Form der Kanton Zürich die Ausbildung künftig eigenständig organisieren kann. Fachleute warnen, dass eine kantonale Neuausrichtung zu einer Zersplitterung der heilpädagogischen Ausbildung und Forschung in der Schweiz führen könnte.[1]
Trägerschaft
Die HfH ist eine interkantonale öffentlich-rechtliche Institution, getragen von zwölf Schweizer Kantonen[8] (Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Glarus, Graubünden, Obwalden, St. Gallen, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Thurgau und Zürich) und dem Fürstentum Liechtenstein.[1] Die Vertreter der Träger bilden gemeinsam den Hochschulrat, der die strategische Leitung der Hochschule wahrnimmt und deren Entwicklung bestimmt.[3.12] Die operative Leitung liegt bei der Hochschulleitung.[3.13] Dorothea Christ präsidiert den Hochschulrat,[2] Barbara Fäh besetzt die Position der Rektorin.[9]
Lehre
Die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) vermittelt Fachwissen und praktische Kompetenzen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen mit unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsbedürfnissen.[10] Die Ausbildung berücksichtigt unterschiedliche Strukturen in den Kantonen; sie umfasst Frühförderung,[11] integrative Regelklassen, Schulinseln, Klein- und Förderklassen sowie Sonderklassen und Sonderschulen mit spezifischen Ausrichtungen sowie den Erwachsenenbereich.[12] Der Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit herausforderndem Verhalten ist Bestandteil aller Studiengänge.[8]
Die HfH bietet dazu Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen Heil- und Sonderpädagogik an. Die Ausbildung verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit praxisorientierten Lernformen und qualifiziert für Tätigkeiten in Unterricht, Förderung und Therapie.[3.14][13]
Seit dem Studienjahr 2023 ist die Kontingentierung der Studienplätze für die Trägerkantone aufgehoben, wodurch sich die Zahl der verfügbaren Studienplätze erhöhte.[14] Stand 2025 studieren über 2000 Studierende an der HfH.[1] Folgende Studiengänge können an der HfH absolviert werden:[15]
- Bachelor Logopädie
- Bachelor Psychomotoriktherapie
- Bachelor Gebärdensprachdolmetschen
- Master Logopädie
- Master Psychomotoriktherapie
- Master Gebärdensprachdolmetschen (ab Frühling 2027)
- Master Schulische Heilpädagogik
- Master Heilpädagogische Früherziehung
- Lehrgang Gebärdensprachlehrer
Ausgewählte Pflicht- und Wahlpflichtmodule im Masterstudiengang Schulische Heilpädagogik können auch an den Pädagogischen Hochschulen St. Gallen (PHSG, Standort Rorschach),[16] Graubünden (PHGR, Standort Chur),[17] Schaffhausen (PHSH, Standort Schaffhausen)[18] und Wallis (PHVS, Standort Brig) absolviert werden.[19] Seit September 2022 bietet die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Luzern (PHLU) erstmals einen Bachelorstudiengang Logopädie in der Zentralschweiz an.[20]
Weiterbildung
Neben den Studiengängen bietet die Hochschule auch ein Weiterbildungsangebot an,[5] das Kurse, Tagungen und Zertifikatslehrgänge umfasst. Neben der Weiterentwicklung dienen diese auch zur Vernetzung von Fachpersonen.[3.15][21] Die HfH bietet dabei verschiedene berufsbegleitende Certificate of Advanced Studies (CAS) an, die sich mit Themen der schulischen und heilpädagogischen Förderung befassen. Ein Beispiel ist die Weiterbildung Einführung in die Integrative Förderung (CAS EIF), die gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Schwyz (PHSZ) durchgeführt wird[22] oder der CAS Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum.[23][24]
Forschung und Entwicklung
In Forschungs- und Entwicklungsprojekten befasst sich die HfH mit Fragen der Praxis und Profession der Heil- und Sonderpädagogik. Untersucht werden die Entwicklungs- und Lebensbedingungen von Menschen mit besonderem Bildungsbedarf sowie deren Umwelt im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen. Dazu zählen Studien zu Organisationsformen von Unterricht und Förderung, zur Wirksamkeit integrativer und separativer Bildungsmodelle, zum sozial-emotionalen Lernen sowie zur Prävention schulischer Ausgrenzung. Ziel dieser Arbeiten ist es, Ansätze zu entwickeln, die den Bildungserfolg und die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern mit besonderen Bedürfnissen unterstützen.[8][10] Ein zentrales Forschungsprojekt ist Zeppelin. Es wird vom Schweizerischen Nationalfonds sowie von Stiftungen und dem Sitz- und Trägerkanton Zürich finanziell unterstützt. Im Rahmen einer Langzeitstudie untersucht das Projekt Aspekte der frühen Förderung, insbesondere die Wirksamkeit des Programms Parents as Teachers (PAT) in psychosozial belasteten Familien.[3.16]
Dienstleistungen
Im Rahmen ihres Leistungsauftrags erbringt die HfH Dienstleistungen für Praxis, Schulen, Institutionen und Behörden. Dazu gehören Beratungen, Weiterbildungen[25] und Fachangebote, die zur Entwicklung und Qualitätssicherung in heilpädagogischen Praxisfeldern beitragen.[3.17][26]