Jazzkeller Sauschdall
Jazzclub in Ulm, Deutschland
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Der Ulmer Jazzkeller Sauschdall (schwäbisch für „Schweinestall“) wurde 1963 eröffnet und ist damit eine der traditionsreichsten[1] Einrichtungen dieser Art. Der Club in der Prittwitzstrasse 36 fasst etwa 100 Gäste sitzend und etwa 200 stehend.

Geschichte
Als immer wieder Konzerte in der Aula der Ingenieurschule Ulm stattgefunden hatten, gründeten 1963 Studenten wie Dieter Dannenmann, Hartmut Karm, Eberhard Lorenz (Jazzreferent des AStA) und Gerhard Vetter (Namensgeber „Sauschdall“) eben diesen Sauschdall. Dieser ist nach dem Verbot der verfassten Studierendenschaft in Baden-Württemberg formal ein Referat des UStA e. V., der unabhängigen Studierendenschaft der Hochschule Ulm. Faktisch ist die ehrenamtliche Mitarbeit unabhängig von einer Zugehörigkeit zur Hochschulstudierendenschaft. Der Name geht auf die erste Örtlichkeit zurück, die sich im historischen Stadtzentrum am Saumarkt befand. Doch drang dort bei jedem heftigen Regen Wasser ein; daher wechselte die Studenteninitiative in die heutigen Räumlichkeiten. Diese befinden sich in einem Teil der ehemaligen Bundesfestung Ulm, dem Festungswerk XX, in der Nähe der THU Ulm.
Seinen Höhepunkt als reiner Jazzkeller hatte der Club nach etwa 15 Jahren erreicht. Schon damals gastierten Musiker, die im europäischen und teilweise internationalen Jazz Rang und Namen hatten, teils bevor sie nur noch in großen Konzertsälen zu erleben waren. Zu den aufgetretenen Künstlern zählten unter anderem Charlie Antolini, Chet Baker, Jiggs Brandenburg, Werner Brendel, Dollar Brand (Abdullah Ibrahim), Inge Brandenburg, Peter Brötzmann, Wolfgang Dauner, Bob Degen, Barbara Dennerlein, Gerd Dudek, Isla Eckinger, Harald Eckstein, Joki Freund, Jan Garbarek, Günter Hampel, Joe Haider, Lee Konitz, Volker Kriegel, Joachim Kühn, Steve Lacy, Paul Lovens, John McLaughlin, Günter Lenz, Albert Mangelsdorff, Emil Mangelsdorff, Charlie Mariano, Don Menza, Tete Montoliu, Evan Parker, Dave Pike, Aladár Pege, Jean-Luc Ponty, Frédéric Rabold, Max Roach, Alexander von Schlippenbach, Manfred Schoof, Archie Shepp, Irene Schweizer, Tomasz Stańko, Michał Urbaniak, Joe Viera, Klaus Wagenleiter, Mal Waldron, Eberhard Weber, Leszek Żądło und Attila Zoller.
In den Anfangszeiten gab es auch Rundfunkübertragungen des Süddeutschen Rundfunks und des Bayerischen Rundfunks.
Ab 1973 wurde auch viel Folkmusik gespielt.
Bekannt war der Club auch schon früh für seine Tanzveranstaltungen. Ende der 1980er Jahre fand ein größerer Umbau statt und es eröffnete 1988 das CAT-Cafe als weiteres Kulturreferat des UStA im ebenerdig gelegenen Teil des Gebäudes. Ab den 1990er Jahren bekam der Sauschdall zunehmend Konkurrenz durch andere Veranstaltungsorte in Ulm.
Anfang der 1990er Jahre stellte der Club seine Folkreihe ein. Im Programm der frühen 1990er Jahre hielt zunehmend Hip-Hop Einzug. Mitte der 1990er gehörten die damaligen Sauschdall-Macher, allen voran Merlin Bauer, zu den Mitbegründern von Radio freeFM, des freien Radios in Ulm. 1996 versammelte sich um die späteren Labelmacher von Heimelktro Ulm die Bewegungsgruppe und es spielten im Jazzkeller Sauschdall etliche der wichtigsten Vertreter der damaligen Elektro- und Post-Rock-Szene.[2] Zu einem Finanzcrash kam es 1998/99, der Jazzkeller musste vorübergehend geschlossen werden.
Der Initiative einiger Fachhochschulstudenten und des Vereins der Freunde und Förderer des Jazzkeller Sauschdall war es zu verdanken, dass im Herbst 1999 eine Wiedereröffnung stattfinden konnte. Eine tragende Rolle spielte dabei der Ulmer Musiker Reinhard Köhler, der als Programmverantwortlicher für die nächsten zwei Jahre den Jazzkeller wieder auf die Beine stellte. Sein Nachfolger Fred Wiegräfe, ebenfalls Musiker, trat bereits nach kurzer Zeit krankheitsbedingt zurück. Als Programmgestalter folgten Markus Grospietsch, Oliver Staub, Robin Schmidt, Johannes Tysiak und Jörg Emmert. Bis Sommer 2012 war Florian Weiland für das Programm verantwortlich, der mit den Schwerpunkten Avantgarde-Jazz, Modern Creative, Contemporary Jazz und Randgebiete derselben arbeitete. Eine seit Sommer 2012 arbeitende Programmgruppe um Philipp Zey und Uwe Duckgeischel widmet sich dem traditionellen Jazz.
Seit dem Herbstprogramm 2011 wurde mit den sogenannten Sonntagskonzerten eine zuvor einige Jahre im benachbarten CAT-Cafe unter dem Namen Sofakonzerte beheimatete Songwriter- und Popkonzertserie als regelmäßig stattfindende Reihe ins Programm aufgenommen.
Organisation und Programm
Der Jazzkeller wird seit seiner Gründung ausschließlich von ehrenamtlich-unbezahlt arbeitenden, größtenteils jungen Leuten betrieben, unter denen allerdings seit vielen Jahren die Studenten in der Minderzahl sind. Das Programm mit regelmäßigen Konzerten und Veranstaltungen mehrmals pro Woche im Frühjahr und Herbst konzentriert sich auf modernen, zeitgenössischen Jazz und Randgebiete desselben.