Johann II. von Montfort-Rothenfels
deutscher Adliger und Richter
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Johann II. von Montfort-Rothenfels (* 1490 oder etwas später[2]; † 1547[Anm. 1] in Neufra[3]) war von 1541 bis 1547 Kammerrichter des Reichskammergerichts.

Herkunft und Familie
Johann II. von Montfort-Rothenfels war der Sohn von Graf Hugo XV. von Rothenfels († 1519) und Anna von Zweibrücken-Bitsch († 1531), einer Tochter des Grafen Simon IV. Wecker, die 1487 geheiratet hatten.[4]
Aus der Ehe gingen weitere Kinder hervor, so hatte Johann II. von Montfort mindestens zwei Brüder und drei Schwestern, die das Erwachsenenalter erreichten, darunter Johann II. († 1560) und Wolfgang I. († 1540). Beide wurden hohe Militärs in habsburgischen Diensten. Hugo XVI. übernahm die Regierung der Erblande. Die Schwester Margarethe trat in das Damenstift Buchau ein und wurde dort 1540 zur Äbtissin gewählt, die Schwester Sibylla trat in das Stift Essen ein und wurde dort 1534 Äbtissin.[5]
Verheiratet war Johann II. mit Gräfin Johanna, Tochter des Grafen Eberhard von Marck-Arenberg und Eleonora, geborene Gräfin von Kirchberg.[6] Sie war Witwe und es war für sie die zweite Ehe. Aus dieser ging ein Sohn hervor, Georg, der aber bereits im Alter von zwei Jahren verstarb.[7]
Johann II. hatte aber mindestens vier außereheliche Kinder, die das Wappen des Vaters mit Bastardbalken führten:[8]
- Hugo Bastard von Montfort zu Speyer. Er war Rentmeister, dann Rat seiner Tante, der Äbtissin Sibylla in Essen.
- Hans (Johannes) Bastard von Montfort zu Speyer.
- Jakob Montforter
- Bartholomäus Montforter, verheiratet mit einer Elsbeth, wohnhaft in Langenargen.
Nach dem Tod des Vaters 1519 überließen die Geschwister die Herrschaft zum größten Teil dem jüngsten Bruder, Hugo XVI., die beiden älteren befanden sich schon in militärischen Diensten der Habsburger und teilten sich mit Johann II. Rothenfels.[9]
Ausbildung
Über die Kindheit von Johann II. von Montfort ist nichts bekannt. Ende 1507 begann er ein Studium an der Universität Freiburg, wo er 1508/09 auch Schüler von Ulrich Zasius war.[10] Sein öffentliches Wirken ist ab 1523 fassbar.
Wirken
1523 hielt er sich bei Kaiser Karl V. in Valladolid auf. Der Kaiser schickte ihn von dort mit einem Schreiben zu dem Söldnerführer Marx Sittich von Ems und dem Auftrag, Truppen zu rekrutieren. 1526 hielt er sich erneut in Spanien auf. Der Kaiser bezeichnet ihn damals als seinen Rat und obersten Mustermeister des deutschen Kriegsvolks in Hispanien. Er hielt sich dort einige Zeit am Hof auf, ist in Burgos und Bilbao nachgewiesen und freundete sich mit dem polnischen Botschafter am Hof Karl V., Johannes Dantiscus, an[11], der in seiner umfangreichen Korrespondenz auch über Johann II. berichtet.[12] Johann hatte in dieser Zeit eine Geliebte in Spanien, Helena de la Cruz.[13]
Zurück im Reich ernannte ihn Georg von Österreich, seit 1526 Bischof von Brixen, den er in Spanien kennengelernt hatte, 1527 zum Hauptmann des Hochstifts Brixen in Bruneck im Pustertal, wo er auf Schloss Bruneck residierte.[14] Nach nur kurzer Amtszeit für das Hochstift Brixen wechselte Graf Johann von Montfort zum 7. Januar 1528 als Assessor (Richter) an das Reichskammergericht – ohne je eine juristische Prüfung abgelegt zu haben.[15] Das Reichskammergericht hatte seinen Sitz damals in Speyer. Fast zeitgleich trat Graf Wilhelm Werner von Zimmern als Assessor in das Gericht ein. Sie kannten sich vom Studium, aber waren in späterer Zeit stark verfeindet.[16] Gleichwohl sagt die Zimmerische Chronik Johanna, der Ehefrau von Johann, nach, sie habe als Witwe eine Ehe mit Wilhelm Werner von Zimmern angestrebt.[17] Sowohl Johann von Montfort als auch Wilhelm Werner von Zimmern vertraten den Kammerrichter in seinen Funktionen, wenn er abwesend war.[18] Aber schon nach eineinhalb Jahren wechselte Johann zurück nach Brixen.[19] Angaben, dass er von dort 1532 an dem Feldzug gegen die Türken teilgenommen habe, treffen wohl nicht zu. Bereits 1534 wechselte er wieder als Assessor zurück an das Reichskammergericht in Speyer.[20]
Zwischen Graf Johann von Montfort und Graf Wilhelm Werner von Zimmern entstand sehr bald Streit, weil beide sich langfristig Hoffnungen auf das Amt des Kammerrichters machten. Zunächst aber war die Position des Amtsverwalters des Kammerrichters zu besetzen, der den Kammerrichter vertrat, wenn dieser abwesend war oder aus anderen Gründen seine Aufgaben nicht wahrnehmen konnte. Die Wahl fiel auf Graf Wilhelm Werner von Zimmern. Daraufhin trat Graf Johann von Montfort als Assessor zurück, blieb aber gleichwohl in Speyer und bereitete sich auf die Übernahme des Amtes des Kammerrichters vor.[21] 1540 begab er sich an den Hof von Kaiser Karl V. in Brüssel. Mit seinen immer noch guten Kontakten aus der spanischen Zeit gelang es ihm, seine Ernennung zum Kammerrichter zu erreichen.[22] Am 22. April 1541 wurde Graf Johann von Montfort als Kammerrichter eingesetzt. Jetzt trat Graf Wilhelm Werner von Zimmern als Assessor zurück und warf Graf Johann von Montfort vor, eine Fehlbesetzung zu sein und das Amt nur durch Bestechung erlangt zu haben.[23]
Die Amtszeit von Johann als Kammerrichter war von zunehmender Dysfunktionalität des Gerichts geprägt. Da Karl V. auf ausschließlich römisch-katholischer Besetzung bestanden hatte, verweigerten sich die evangelischen Reichsstände zunehmend der Rechtsprechung des Reichskammergerichts und stellten ihre Zahlungen zum Unterhalt des Gerichts ein. Das führte dazu, dass das Gericht sich ab 1544 faktisch auflöste und mit vier Assessoren und dem Kammerrichter nur noch einen „Notbetrieb“ aufrechterhielt.[24] Erst nach der Schlacht bei Mühlberg, als am 24. April 1547 Kaiser Karl V. über den protestantischen Schmalkaldischen Bund siegte, und er sich mit dem Geharnischten Reichstag 1547/48 politisch vorläufig durchsetzte, konnte auch das Reichskammergericht seine Arbeit zum 1. Oktober 1548 wieder aufnehmen. Das erlebte Graf Johann von Montfort aber nicht mehr – auch nicht, dass sein Gegner, Graf Wilhelm Werner von Zimmern, nun sein Nachfolger wurde.[25]
Tod
Graf Johann von Montfort befand sich auf der Rückreise von seiner Residenz, Burg Rothenfels, nach Speyer und besuchte dabei unterwegs seine Schwester Elisabeth in Neufra. Dort verstarb er an brustenge, genannt asthma.[26] Seine Schwester setzte ihn in der Pfarrkirche von Neufra bei. Grab und Grabdenkmal sind nicht erhalten.[27]
Weblinks
Anmerkungen
- Der Todestag ist nicht genau bekannt. Aufgrund nachfolgenden Schriftverkehrs bei der Regelung des Erbes ist davon auszugehen, dass Johann zwischen April und Juli 1547 verstarb (Burmeister, S. 51).