Joop Huisken
niederländischer Dokumentarfilmer
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Joop Huisken (* 30. April 1901 in Amsterdam; † 1. April 1979 in Ost-Berlin) war ein niederländischer Dokumentarfilmer in der DDR und Hochschullehrer an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg.
Leben und Wirken
Niederlande 1901–1940
Joop Huisken wuchs in einer niederländischen Arbeiterfamilie in Amsterdam auf, sein Vater war Viehhofarbeiter, seine Mutter war Näherin.[1] Er arbeitete in verschiedenen Firmen, später auch im kaufmännischen Bereich. 1926 lernte er den Geschäftsführer Joris Ivens kennen, der ihn lehrte, mit der Kamera umzugehen und gute Filme zu machen, und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Joop Huisken wurde 1937 Mitglied der Kommunistischen Partei der Niederlande, er war Mitbegründer der niederländischen Vereinigung der Freunde der Sowjetunion und führte einen Filmverleih für Arbeiter.[2]
Deutsches Reich 1940–1945
Nach der deutschen Besetzung der Niederlande 1940 kam Joop Huisken nach Deutschland und arbeite ab 1941 bei der UFA in Potsdam-Babelsberg in der Trick- und Rückpro-Abteilung. 1942 wurde er Mitglied der Reichsfilmkammer und wirkte danach in vielen wichtigen Spielfilmproduktionen dieser Zeit als Trickkameramann mit, wie Münchhausen und Kolberg. Für jeden Drehtag erhielt er 25 Reichsmark, was für Fremdarbeiter in dieser Zeit ungewöhnlich war.[3] Er konnte sich frei bewegen und wohnte bei seiner späteren Frau.[4] Nach eigenen Aussagen unterstützte er aber auch das Verbreiten von antifaschistischen Flugblättern.
SBZ und DDR 1945–1979
Nach 1945 blieb Joop Huisken in Potsdam, er wurde Produktionsleiter der neu gegründeten DEFA und SED-Mitglied. Ab 1946 drehte er Kurzdokumentarfilme, die den Aufbau in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR darstellten. Sein Film Nach 900 Tagen (1953) bestand vor allem aus stalinistischen Huldigungen.[5] Der Film Das neue Deutschland (später Daß ein neues Deutschland blühe) zum 10. Jahrestag der DDR 1959 wurde zunächst nicht wie vorgesehen gezeigt, da der poetische Text von Stephan Hermlin nicht den Erwartungen der politischen Verantwortlichen entsprach.[6] Dieser wurde durch einen neuen Begleittext von dem Chef-Propagandisten Karl-Eduard von Schnitzler ersetzt, der aber nicht mehr zu den Filmaufnahmen passte, der Film wurde erst im Februar 1960 gezeigt.
In den folgenden Jahren wandte sich Joop Huisken zunehmend unpolitischeren Themen wie Kunst und Landschaften zu. Er war auch Professor an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg, der viele junge ostdeutsche Filmemacher durch seine internationalere Sicht mitprägte. 1978 berichtete er in einem Filmporträt für die Staatliche Filmdokumentation durch Veronika Otten aus seinem Leben. 1979 starb er in Ost-Berlin im Alter von fast 78 Jahren.
Nachwirkungen
Einige seiner Filme wurden auch nach 1990 mehrfach gezeigt, 2004 gab es eine Vorführung seiner wichtigsten Werke im Berliner Kino Arsenal.[7] Ein Teil seines Nachlasses befindet sich im Filmmuseum Potsdam.[8]
Filmografie
Regie
- 1946 Potsdam baut auf
- 1947 Junkerland in Bauernhand
- 1948 Aus eigener Kraft
- 1948 Sachsen-Anhalt am Werk
- 1950 HO – Helferin zum besseren Leben
- 1950 Der Weg zum Frieden
- 1950 Stahl
- 1950 Rückblick 1950
- 1952 1952 – Das entscheidende Jahr
- 1953 Nach 900 Tagen
- 1953 Turbine I
- 1956 Glück auf!
- 1956 Eine UN-Delegation besucht die DDR
- 1956 Uruguay – Fernes Land nah gesehen
- 1957 Bilder aus Uruguay
- 1957 China – Land zwischen gestern und morgen
- 1957 Weißes Gold seit 1710
- 1957 Kumpel und Giganten
- 1960 Daß ein gutes Deutschland blühe
- 1960 Lebendige Tradition
- 1961 Frans Masereel
- 1962 Schweißerbrigade
- 1962 Gerhart Hauptmann zum 100. Geburtstag
- 1963 Arnold Zweig
- 1963 Fremdarbeiter
- 1964 Schönes Land Deutsche Demokratische Republik
- 1965 Freie Bauern
- 1966 Die Alliierten
- 1966 Die Schöpfung
- 1967 Der Darß
- 1967 Notizen aus Berlstedt
- 1968 Frauen in Ravensbrück
- 1972 Die Albrechtsburg in Meißen
- 1973 Mit Kerstin und Silke in der Galerie
- 1977 Bewahrt und aufgehoben
- 1979 Kleinplastik
Regieassistenz
- 1952 Freundschaft siegt
- 1954 Lied der Ströme, Regie Joris Ivens
Produktion
- 1961 Drei von vielen, Regie Jürgen Böttcher
Kamera
(Auswahl)
- 1946 Einheit SPD – KPD
- 1946 1. Mai 1946
- 1950 Von Hamburg bis Stralsund
- 1956 Die Windrose
Literatur
- Günter Agde: Joop Huisken. In: Filmblatt. Nr. 25, 2004, S. 9–20 (mediarep.org [PDF; 4,2 MB]).
- Erike Wottrich, Swenja Schiemann (Hrsg.): Grenzüberschreitende Licht-Spiele. Deutsch-niederländische Filmbeziehungen. Edition text + kritik, München 2021, S. 131–135 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Weblinks
- Joop Huisken Filmportal
- Joop Huisken bei IMDb
- Suche nach Joop Huisken. In: Deutsche Digitale Bibliothek