Joscha Bach
deutscher Kognitionswissenschaftler, KI-Forscher und Philosoph
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Joscha Bach (* 1973 in Weimar) ist ein deutscher Kognitionswissenschaftler, KI-Forscher und Philosoph. Bach forscht über kognitive Architekturen, künstliche Intelligenz, mentale Repräsentation, Emotionen, soziale Modellierung, Multiagentensysteme und die Philosophie des Geistes. Er untersucht, wie menschliche Intelligenz und Bewusstsein rechnerisch modelliert werden können.

Er stand zeitweise in engem Kontakt mit dem Financier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und wurde von diesem umfangreich finanziert.
Werdegang
Bach schloss im Jahr 2000 das Studium der Informatik an der Humboldt-Universität zu Berlin als Master of Arts ab und promovierte 2006 im Fach Kognitionswissenschaften an der Universität Osnabrück. Seine Forschung konzentrierte sich auf Modellierung von Emotionen und künstlichem Bewusstsein. Seine Doktorarbeit befasste sich mit der Entwicklung von Micropsi, einer kognitiven Architektur zur Modellierung und Simulation menschlicher Denk- und Entscheidungsprozesse.[1][2][3]
Nach Abschluss seiner Promotion beschäftigte sich Bach in der KI-Forschung insbesondere mit den kognitiven Architekturen und der Theorie des Geistes. Er hatte eine Reihe von Positionen in der akademischen und industriellen Forschung, so etwa bei Intel, inne.[4] Seine Arbeit befasst sich u. a. mit den Grenzen heutiger KI-Systeme, den Möglichkeiten und Grenzen maschineller Lernmethoden, sowie mit der Frage, wie zukünftige Systeme eine menschenähnliche, allgemeine Intelligenz erreichen können.[5][6] Seit den 2020er Jahren lebt er in Kalifornien und arbeitet für die KI-Firma Liquid AI.[7]
Forschung und Veröffentlichungen
Joscha Bachs Forschung konzentriert sich in erster Linie auf kognitive Architekturen – rechnerische Modelle, die versuchen, Aspekte der menschlichen Kognition nachzubilden.[8] Zu seinen Arbeiten zählen:
MicroPsi
Eine kognitive Architektur, die modelliert, wie Agenten basierend auf Wahrnehmung, Emotion und zielgerichtetem Verhalten denken und handeln.[9] Bach entwarf MicroPsi, um menschenähnliche Denk- und Entscheidungsprozesse zu simulieren und so KI-Systeme zu schaffen, die komplexe reale Umgebungen navigieren können.[10]
Theorie des Bewusstseins
Bach ist bekannt für seine Diskussionsbeiträge zur Natur des Bewusstseins und die rechnerische Modellierung subjektiver Erfahrungen.[11] Er argumentiert, dass Bewusstsein aus einem Informationsverarbeitungssystem entsteht, das in der Lage ist, interne Modelle von sich selbst und der Welt zu erstellen. Dabei betont er die Bedeutung von mentalen Modellen, emotionalen Rahmenwerken und Metakognition für die Konstruktion von bewusstem KI.[12]
Kognitive Grenzen der KI
Bach hinterfragt kritisch aktuelle Trends im maschinellen Lernen, insbesondere die Grenzen von Deep Learning. Er ist der Ansicht, dass heutige KI-Systeme nicht über ein echtes Verständnis von Zusammenhängen verfügen und mehr als „extrem leistungsfähige Maschinen zur Mustererkennung“ denn echte kognitive Agenten funktionieren.[13] Er fordert einen Wandel hin zu KI-Systemen, die abstraktes Denken, komplexe Entscheidungsfindung und interne Selbstreflexion ermöglichen.[14]
Bewusstsein und freier Wille
Neben seiner technischen Forschung befasst sich Bach intensiv mit philosophischen Fragen des Bewusstseins und des freien Willens. Er vertritt die These, dass Bewusstsein als natürliche Eigenschaft von Informationsverarbeitung in hochkomplexen Systemen entsteht, welche interne Modelle ihrer selbst und der Welt entwickeln.[15] Dabei diskutiert er häufig die Frage, ob freier Wille tatsächlich existiert oder lediglich ein Nebenprodukt von Vorhersagemodellen des Gehirns darstellt.
Principles of Synthetic Cognition
In diesem grundlegenden Werk beschreibt Bach die Grundprinzipien der synthetischen Kognition und diskutiert, wie kognitive Architekturen gestaltet werden könnten, um menschliche Denkprozesse nachzubilden.[16]
Micropsi Cognitive Architecture
Eine detaillierte Darstellung des Micropsi-Systems, Bachs Arbeit in diesem Bereich hat die Forschung in den Bereichen agentenbasiertes Modellieren und KI-Entscheidungsrahmen maßgeblich beeinflusst.[17][18]
Philosophische Ansichten
Bachs Interessen und öffentlichen Beiträge gehen weit über KI und Kognitionswissenschaft hinaus und berühren tiefgreifende philosophische Fragen zu Bewusstsein, freiem Willen, das Wesen der Realität sowie die Zukunft der Menschheit im Zeitalter intelligenter Maschinen.[19] Seine Betrachtungen sind außerdem stark von den philosophischen Disziplinen der Phänomenologie und Erkenntnistheorie beeinflusst.[20] Er beteiligt sich häufig an öffentlichen Debatten über das Wesen des Selbst und argumentiert, dass das, was wir als „Selbst“ betrachten, eine Illusion ist – ein mentales Modell, welches vom Gehirn zu praktischen Zwecken konstruiert wird.[21]
Er zeichnet das Bild einer Zukunft, in der KI über Meta-Kognition verfügt – die Fähigkeit, sich ihrer eigenen Funktionsweise und Denkprozessen bewusst zu werden und Überlegungen dazu anzustellen.[22] Maschinen könnten zwar ein gewisses Maß an subjektivem Bewusstsein erlangen, Bewusstsein im menschlichen Sinne entwickelt sich in KI jedoch möglicherweise erst dann, wenn diese Systeme ihre eigenen Erfahrungen in eine kontinuierliche und konsistente Erzählung integrieren können, ähnlich wie es beim Menschen der Fall ist.[23]
Er behauptet, dass die heutigen KI-Systeme zwar leistungsfähig, aber weit entfernt von allgemeiner Intelligenz sind.[24] Bach spricht oft über die Grenzen der KI und betont, dass die heutige KI keine wirkliche Vorstellung von ihrer Umwelt hat.[25] Er nimmt eine kritische Haltung zur übertriebenen Attribution von Fähigkeiten von Deep-Learning-Modellen ein und plädiert stattdessen für eine ausgewogenere Betrachtung, die kognitive Modelle, Modellierung von Emotionen und ethische Überlegungen in die KI-Forschung integrieren.[26]
Öffentliche Auftritte
Neben seiner akademischen Arbeit ist Bach ein aktiver Redner und Wissenschaftskommunikator, der regelmäßig seine Einsichten zu Kognitionswissenschaft, KI und Philosophie öffentlich teilt.[27] Er hat zahlreiche Vorträge auf Konferenzen (u. a. auf der TEDx und dem Chaos Communication Congress) gehalten, in denen er Themen wie das Wesen der Intelligenz, die Zukunft der KI und die Möglichkeit, bewusste Maschinen zu erschaffen, behandelt.[28]
Bach beteiligt sich ebenfalls häufig an Online-Diskussionen über KI und Bewusstsein und tritt in Podcasts, Interviews und öffentlichen Vorträgen auf. Im Juni 2020 trat er z. B. erstmals im Podcast von Lex Fridman auf.[29] Er gibt Interviews auf Englisch und Deutsch.[30][31]
Kontakt zu Jeffrey Epstein
Die Fachzeitschrift Science berichtete im Jahr 2019, dass Bach von Jeffrey Epstein noch nach dessen erster Verurteilung im Jahr 2008 finanziell unterstützt worden sei.[32] Unter anderem zitiert der Beitrag eine akademische Publikation, in der für die Finanzierung gedankt wird.[33] Dies bestätigte auch ein im Januar 2020 im Auftrag des Massachusetts Institute of Technology (MIT) veröffentlichter Bericht der Anwaltskanzlei Goodwin Procter.[34] Dort heißt es, Bachs Anstellung am MIT Media Lab verdanke sich zum Teil Epsteins Spenden, insbesondere einer Zuwendung Epsteins im November 2013 sowie im Juli und September 2014 in Höhe von insgesamt 300.000 US-Dollar (was 40 % der von Epstein seit seiner ersten Verurteilung an das MIT gespendeten Gesamtsumme entspricht).
Im Mai 2020 veröffentlichte die Harvard University einen Bericht über eigene Ermittlungen zu dem Fall.[35] Darin wird festgestellt, dass der in Harvard lehrende österreichisch-amerikanische Mathematiker und Biologe Martin Nowak Bach zwischen 2014 und 2019 Zugang zu seinen Büros gewährte, dass aber „Harvard niemals Gelder zur Unterstützung“ von Bachs Forschung zahlte oder erhielt. Der Harvard-Bericht legt jedoch auch dar, dass Bach zwischen 2014 und 2019 als Forschungsmitarbeiter an dem von Nowak geleiteten Program for Evolutionary Dynamics (PED) in Harvard beteiligt war und zwei nach Bachs Weggang vom MIT veröffentlichte Studien eine finanzielle Unterstützung durch Epstein und das PED ausweisen. Insgesamt soll Bach über eine Million Euro von Epstein für seine Forschungen erhalten haben.[36] In den beiden Abschlussberichten der Untersuchungen ihrer Epstein-Beziehungen, die sowohl das MIT als auch Harvard nach dem Tod Epsteins 2019 in Auftrag gaben, ist in Fußnoten vermerkt, dass Bach seine Mithilfe bei der Aufklärung abgelehnt habe.[37]
Im Zuge der Veröffentlichung von Teilen der Epstein-Akten durch Mitglieder des House Oversight Committee wurde bekannt, dass Bach im Oktober ausführlich die finanziellen Bedürfnisse seiner Familie schilderte und Epstein um entsprechende Unterstützung für seinen Umzug nach Boston bat. Bach verfügte später über ein Bankkonto, das von Epstein gefüllt wurde.
Im Jahr 2017 verfasste Bach im Austausch mit Epstein eine umfassende Betrachtung über dessen öffentliche und private Persönlichkeit.[38]
Der E-Mail-Verkehr zwischen Epstein und Bach enthielt auch rassistische Bemerkungen über Afroamerikaner und Überlegungen zu angeblichen Möglichkeiten der Eugenik, „um Schwarze vielleicht schlauer zu machen“. Darüber hinaus stellt er Frauen als minderwertig dar: „Frauen neigen dazu, abstrakte Systeme, Konflikte und Mechanismen intrinsisch langweilig zu finden“; „Die meisten Frauen in der Computerwissenschaft schreiben Programme nicht, weil sie gerne Probleme lösen, sondern weil sie anderen helfen wollen, Beifall suchen etc. Es gibt fast keine Frauen in der Mathematik, weil sie mit Mathe niemandem helfen können oder soziale Anerkennung finden“[39].
Epstein zufolge sei der Klimawandel „vielleicht ein guter Weg, um Überbevölkerung zu bewältigen“. Bach entgegnet darauf, das Aufziehen von Kindern zu verteuern – wie es im Westen der Fall ist – sei ein humanerer Weg.[40][41] Weitere im Januar 2026 veröffentlichte Mail-Korrespondenz mit Epstein belege darüber hinaus, dass sie auch privat in Beziehung standen und ihr Kontakt bis 2019 anhielt, dass Bach finanziell von Epstein unterstützt wurde und diesen 2015 auf seiner Insel besucht hat.[36][42]
Im November 2025 veröffentlichte Joscha Bach auf seinem Substack einen Artikel, in dem er seine Haltung zu Epstein zu erklären versucht:[43] Dieser hatte „sein Leben [...] [zum Zeitpunkt des Kennenlernens] geändert“. Bach habe trotz offensichtlichen Fehlverhaltens und wieder aufkommender Vorwürfe den Kontakt gehalten, „um einen Einblick in die Welt der Mächtigen zu erhaschen“.[44]
Auszeichnungen
- 2024: Ehrendoktor der Universität Oulu[7]
Weblinks
- bach.ai
- The Wizard of Consciousness – Porträt bei Psychology Today (2018)
- Vortrag bei den Petersberger Gesprächen 2024