Judith Schalansky

deutsche Schriftstellerin und Buchgestalterin From Wikipedia, the free encyclopedia

Judith Schalansky (* 20. September 1980 in Greifswald) ist eine deutsche Schriftstellerin, Buchgestalterin und Herausgeberin.

Judith Schalansky (2026)

Leben und Werk

Judith Schalansky entstammt einer Lehrerfamilie und wuchs zeitweise in Behrenhoff bei Greifswald auf.[1] Sie studierte Kunstgeschichte an der FU Berlin und Kommunikationsdesign an der FH Potsdam. Nach dem Abschluss ihres Studiums 2007 unterrichtete sie bis 2009 Typografische Grundlagen an der Fachhochschule Potsdam.

Schalansky begann ihre publizistische Tätigkeit 2006 mit dem typografischen Kompendium Fraktur mon Amour, ehe sie zwei Jahre später ihr literarisches Debüt Blau steht dir nicht vorlegte. Sie hat mehrere ihrer Bücher selbst gestaltet und dafür Designpreise erhalten. So wurde sowohl ihr Atlas der abgelegenen Inseln als auch ihr zwei Jahre später erschienener Bildungsroman Der Hals der Giraffe mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst bedacht. Schalanskys Bücher sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. 2021 stand ihr Buch Verzeichnis einiger Verluste (An Inventory of Losses) auf der Longlist für den International Booker Prize sowie auf der Longlist für den National Book Award.

2011 wurde der Asteroid (95247) Schalansky nach ihr benannt.

Seit dem Frühjahr 2013 gibt sie bei Matthes & Seitz Berlin die Buchreihe Naturkunden heraus.[2]

Schalansky war zusammen mit Karl Ove Knausgård 2019 Poetik-Dozentin an der Universität Tübingen im Rahmen der Tübinger Poetik-Dozentur[3]. Sie wurde im selben Jahr in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz gewählt und in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen.

2023 wurde sie für ihren Essay „Schwankende Kanarien“ mit dem Wortmeldungen-Literaturpreis ausgezeichnet.[4] Der Essay erschien auch als Buch und in englischer Übersetzung in der Paris Review.[5]

Schalansky ist Mitgründerin des PEN Berlin.[6]

Im Juni 2023 übergab sie als neunte Autorin ein neu geschaffenes Werk an die Future Library der Deichmanske bibliotek in Oslo.[7] Am 11. Oktober 2025 moderierte sie die Sendung Klassik-Pop-et cetera im Deutschlandfunk.

Aus ihren 2025 gehaltenen Frankfurter Poetikvorlesungen ging das 2026 erschienene Buch Marmor, Quecksilber, Nebel hervor, dessen drei Kapitel zwischen Essay und Erzählung angesiedelt sind und den titelgebenden Stoffen Marmor, Quecksilber und Nebel folgen.[8] Ausgangspunkt ist die Frage, ob sich Weltgeschichte aus einem einzelnen Gegenstand entfalten lasse; im ersten Kapitel geht sie von einem Marmorblock auf einem Lastwagen aus, den Schalansky während einer Fährfahrt durch das Thrakische Meer gesehen hatte.[8] In dem Buch verknüpft sie Materialgeschichte, Reisen und Reflexionen über Wissensordnungen, etwa über Steinbrüche auf Thassos, eine Vortragsreise nach Guadalajara und einen Besuch auf dem Brocken.[8] Der Abschnitt zum Nebel stellt eine Verbindung zwischen historischen Formen der Welterschließung wie Orakelsprüche und neuzeitliche Enzyklopädien und der Geschichte rechnergestützten Sprachmodelle und einer Skepsis gegenüber künstlicher Intelligenz her.[8]

Im Januar 2025 fand an der Pariser Hochschule École normale supérieure eine Tagung unter dem Titel Judith Schlanasky oder das Buch als Gedächtnis der Welt statt. Die Beiträge sind in dem gleichnamigen Band versammelt, dessen Gestaltung auch von Judith Schalansky verantwortet wird.[9]

Schalansky ist mit der Schauspielerin Bettina Hoppe liiert. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter.[10][11]

Werke

Bücher

Hörbücher

Untersuchungen zum Werk

  • Judith Schalansky oder Das Buch als Gedächtnis der Welt. Herausgegeben von Mandana Covindassamy, Agathe Mareuge und Bénédicte Terrisse, März Verlag, Berlin, 2025, ISBN 978-3-7550-0049-5
  • Text + Kritik, Zeitschrift für Literatur, Heft 244: Judith Schalansky, Herausgegeben von Meike Feßmann, Axel Ruckaberle, Michael Scheffel und Peer Trilcke, edition text+kritik, München, 2024, ISBN 978-3-96707-975-3

Theateradaptionen

Der Hals der Giraffe
  • Schauspiel Frankfurt, Uraufführung am 8. Dezember 2012, Regie: Florian Fiedler.
  • Maxim-Gorki-Theater Berlin, 2013, Regie: Armin Petras.
  • Schauspiel Hannover, 2013, Regie: Helen Danner.
  • Theater am Alten Markt, Bielefeld, 2013, Regie: Ronny Jakubaschk.
  • Junges Theater Göttingen, 2014, Regie: Götz Lautenbach.
  • Theater Münster, 2014, Regie: Oliver D. Endress.
  • Schauspielhaus Graz, 2014, Regie: Judith Wille.
  • Nationaltheater Weimar, 2016, Regie: Hasko Weber.
  • Deutsches Theater, 2019, Regie: Philipp Arnold.
Atlas der abgelegenen Inseln
  • Staatstheater Hannover, Uraufführung am 21. September 2014, Regie: Thom Luz.
  • Theater Waidspeicher Erfurt, Premiere am 21. Februar 2021, Regie: Christian Georg Fuchs.
  • Theater Chemnitz, Premiere am 23. Oktober 2021, Regie: Karoline Hoffmann.

Auszeichnungen (Auswahl)

Einzelnachweise

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