Jørgen Wæver Johansen
grönländischer Politiker (Siumut)
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Jørgen Wæver Johansen (* 21. September 1972 in Esbjerg, Dänemark)[1] ist ein grönländischer Politiker (Siumut) und Unternehmer.
Leben
Familie und Ausbildung
Jørgen Wæver Johansen wurde 1972 in Esbjerg geboren, wo sein Vater Hans Lars Johansen sich zum Fischereiskipper ausbilden ließ. Seine Mutter Nina Sørine Nielsen war bei seiner Geburt erst 17 Jahre alt. 1978 zog die Familie zurück nach Grönland nach Sisimiut. 1981 zogen sie weiter nach Attu, das Heimatdorf seines Vaters. Jørgen Wæver Johansen wuchs mit Dänisch als Muttersprache auf und lernte erst in Attu Grönländisch.[2]
Er besuchte von 1989 bis 1990 das GUX in Aasiaat und studierte anschließend von 1990 bis 1992 am Lester B. Pearson United World College of the Pacific in Victoria Wirtschaft, Geschichte und Englisch. Von 1992 bis 1993 studierte er Politikwissenschaft an der Carleton University in Ottawa und anschließend an der McGill University in Montreal,[3] bevor er das Studium 1994 abbrach.[2]
1995 lernte er Vivian Motzfeldt (* 1972) kennen,[2] die er am 25. Juli 1998 heiratete und mit der er vier Kinder hat.[4]
Politische Karriere
Von 1994 bis 1995 war Jørgen Wæver Johansen ein Jahr lang als Berater für die Inuit Circumpolar Conference tätig. Von 1994 bis 1998 war er auch Vorsitzender der Jugendorganisation der ICC[3] und 1995 wurde er in den Aufsichtsrat der ICC gewählt.[5] Von 1995 bis 1996 war er Organisationssekretär der Siumut und dann von 1996 bis 1998 Parteisekretär der Siumut. Von 1998 bis 1999 war er Vizevorsitzender der Jugendorganisation der Siumut (SIS) und ab 1998 Organisatorischer Vizevorsitzender der Partei. Nebenher war er von 1998 bis 1999 auch IT-politischer Koordinator der Regierung.[3]
Jørgen Wæver Johansen kandidierte mit 22 Jahren als Stellvertreter bei der Parlamentswahl 1995.[6] Drei Jahre später nahm er an der Folketingswahl 1998 teil und erhielt 2087 Stimmen, womit er einen Sitz im Folketing verpasste.[7]
Bei der Parlamentswahl in Grönland 1999 kandidierte er erstmals selbst und wurde ins Inatsisartut gewählt. Gerade einmal 26-jährig erhielt er die zweitmeisten Stimmen der Siumut-Kandidaten hinter Jonathan Motzfeldt.[8] Im November 1999 wurde er anstelle des zurückgetretenen Mikael Petersen zum Minister für Soziales und Arbeitsmarkt im Kabinett Motzfeldt VII ernannt. Im September 2001 wurde er Minister für Wohnwesen und Infrastruktur anstelle von Steffen Ulrich-Lynge. Dasselbe Ministerium hatte er auch von Dezember 2001 bis Dezember 2002 im Kabinett Motzfeldt VIII inne.[9]
Bei der Parlamentswahl 2002 wurde er mit 580 Stimmen wiedergewählt.[10] Im September 2003 wurde er Minister für Selvstyre, Rohstoffe und Justiz im Kabinett Enoksen III.[9] Von diesem Amt trat er im April 2005 zurück, nachdem er den Kampf um den Parteivorsitz gegen Hans Enoksen verloren hatte.[11]
Bei der Parlamentswahl 2005 wurde er zum dritten Mal in Folge ins Parlament gewählt[10] und zudem erneut zum Minister für Wohnwesen, Infrastruktur und Rohstoffe im Kabinett Enoksen IV ernannt.[9] Im Januar 2007 trat er zurück, um Vorsitzender der Unternehmensgesellschaft Greenland Venture zu werden.[12] Im September 2008 gab er auch seinen Parlamentssitz zurück.[13]
Wirtschaftskarriere als Investor
Jørgen Wæver Johansen war von 2007 bis 2010 Direktor der staatlichen Risikokapitalgesellschaft Greenland Venture.[14] Damit einher ging die Aufsichtsratsmitgliedschaft in zahlreichen kleineren Unternehmen.[15] Er war jedoch auch von 2007 bis 2008 Aufsichtsratsmitglied bei Pisiffik. Zu den Start-ups, bei denen er im Aufsichtsrat saß, gehörte auch das Unternehmen Igloo Mountain, das in Sisimiut die Skianlage betrieb. Aufsichtsratsvorsitzender war Larseeraq Skifte, Gründer des Arctic Circle Race, und Direktor war Klavs Sefeld Møller. 2009 übernahm er den Aufsichtsratsvorsitz.[4][16] Nachdem er als Direktor von Greenland Venture zurückgetreten war, war er von 2010 bis 2013 Direktor bei WR Invest Greenland / Arctic Export Greenland und von 2011 bis 2013 zudem bei Greenland Seafood Production.[4]
2004 hatte Salik Hard gemeinsam mit Steen Outzen die Mikrobrauerei Greenland Brewhouse in Narsaq gegründet, die ab 2006/07 grönländisches Bier produzierte. Nachdem die Flensburger Brauerei versehentlich zwei Biersorten vermischt hatte, ging das Unternehmen konkurs, wobei Greenland Venture versuchte, es zu retten. 2010 gründeten Gerhardt Petersen und Kalistat Lund, beide Politiker aus Narsaq, gemeinsam mit einigen anderen das Unternehmen Polar Beer Greenland 2010, das die Nachfolge von Greenland Brewhouse übernehmen sollte.[17] Jørgen Wæver Johansen wurde hierbei zum Direktor ernannt. Das Unternehmen änderte kurz darauf den Namen zu Nanoq Beer Greenland. 2011 tauschten Jørgen Wæver Johansen und Gerhardt Petersen die Rollen, sodass ersterer Aufsichtsratsvorsitzender und letzterer Direktor wurde.[18] Kurz nachdem er 2013 zum Bürgermeister gewählt worden war, wurde das Unternehmen wegen fehlender Jahresberichte von der dänischen Wirtschaftsbehörde zwangsaufgelöst.[19] Kurz darauf wurde bekannt, dass Nanoq Beer damit geworben hatte, grönländisches Bier aus Gletscherwasser zu produzieren, in Wahrheit aber in Wales brauen ließ und dafür grönländisches Leitungswasser exportierte.[20][21][22] Für den Export hatte es das Unternehmen zudem versäumt, Abgaben in Höhe von 24.000 kr. zu zahlen.[23] Der Mitinvestor Kalistat Lund drohte Gerhardt Petersen und Jørgen Wæver Johansen mit einer Anklage.[24] Im Herbst 2014 wurde auch bekannt, dass das Unternehmen keine Alkoholabgabe an den Staat bezahlt hatte.[25] Im Januar 2015 zeigte der frühere Sozialchef der Kommune Kujalleq Bürgermeister Jørgen Wæver Johansen und Kommunaldirektor Frank Hedegaard Jørgensen wegen Bestechung an, da er behauptete, dass er gefeuert worden sei, nachdem er sich geweigert hatte für 100.000 kr. und eine Beförderung den fehlenden Jahresbericht zu verfassen.[26] 2016 wurde konkludiert, dass das Unternehmen über 320.000 kr. Steuern und Abgaben nicht bezahlt hatte und zudem knapp 1,3 Mio. kr. staatlicher Investitionen verloren gegangen waren. Wegen Unrentabilität hatte die Steuerbehörde jedoch auf ein Rechtsverfahren verzichtet.[27]
Ebenfalls 2010 gründete er gemeinsam mit Svend Hardenberg und Rasmus Christian Rasmussen das Investmentunternehmen Greenland Invest. Als Svend Hardenberg 2013 zum Departementschef für Regierungschefin Aleqa Hammond ernannt wurde, gab er an, sich aus dem Investmentunternehmen zurückzuziehen, woraufhin Jørgen Wæver Johansen dasselbe tat und es aufgelöst wurde.[28] Dies geschah jedoch gezwungenermaßen, weil die dänische Zeitung Berlingske gedroht hatte, einen Artikel darüber zu veröffentlichen, dass Svend Hardenberg als Regierungsvertreter mit seiner privaten Firma ein Wirtschaftstreffen organisiert hatte.[29] Bereits im Januar 2014 gründeten Jørgen Wæver Johansen und Rasmus Christian Rasmussen das Unternehmen unter demselben Namen erneut und im April 2015 übernahm Svend Hardenberg den Unternehmensanteil von Rasmus Christian Rasmussen.[30]
Politisches Comeback
2013 gab Jørgen Wæver Johansen ein politisches Comeback, als er bei der Kommunalwahl kandidierte.[31] Er erhielt überraschend mit 297 Stimmen die meisten aller Kandidaten in der Kommune Kujalleq, wodurch er Simon Simonsen als Bürgermeister ablöste.[32] 2014 wurde er Politischer Vizevorsitzender der Siumut.[33] Zur Kommunalwahl 2017 trat er nicht mehr an. Im selben Jahr trat er auch als Parteivize zurück.[34]
2024 wurde er zum Lokalvorsitzenden der Siumut in Nuuk ernannt.[35]
Karrierefortführung als Unternehmer und Investor
2016 gründete er gemeinsam mit Svend Hardenberg das Unternehmen Nanoq Power, das ein Wasserkraftwerk bei Nanortalik errichten wollten, wofür sie vom Energieministerium jedoch keine Genehmigung erhielten. Eine Klage bei der grönländischen Ombudsschaft wurde Ende 2018 abgewiesen.[36]
2016 gründeten Jørgen Wæver Johansen und Svend Hardenberg das Unternehmen Greenland Water Bank, das plante, in Qeqertarsuaq Trinkwasser für den Export zu produzieren.[37][38] Im Aufsichtsrat saßen zudem anfangs beider Ehefrauen Vivian Motzfeldt und Julie Edel Hardenberg.[39] Bereits kurz darauf wurde das Imivik („echtes Wasser“) genannte Wasser in Grönland in den Handel gebracht.[40] Erst 2019 erhielt das Unternehmen jedoch eine Exportgenehmigung, da das konkurrierende Unternehmen Greenland Spring Water bisher das Monopol hierfür hatte.[41] 2023 wurde das separate Unternehmen Imivik of Greenland gegründet, das für den Export stehen soll.[42] 2024 wurde das Wasser (für Transportkosten in Höhe von 111 kr. pro Flasche) auf einer Messe in Washington, D.C. angeboten, was Aqqalu C. Jerimiassen dazu brachte, der Regierung einen Interessenkonflikt vorzuwerfen, da Jørgen Wæver Johansens Ehefrau Vivian Motzfeldt zu diesem Zeitpunkt Außenministerin war.[43] Seit 2024 verkauft das Unternehmen auch Kuulavik („echte Cola“) und Kondivik („echtes Kondi“) in Grönland.[44] 2025 war jedoch noch kein Export begonnen worden.[45]
2018 gründete er gemeinsam mit Robert Møller und Svend Hardenberg das Kaffeproduktionsunternehmen Kaffivik („echter Kaffee“), wo Svend Hardenberg bis 2021 Direktor und Jørgen Wæver Johansen Aufsichtsratsvorsitzender war, anschließend in vertauschten Rollen.[46] 2021 gründete er das Wirtschaftsberatungsunternehmen Attu.[47] Ab 2018 war er Aufsichtsratsvorsitzender des Trawlerunternehmens Arctic Prime Fisheries, wobei er gemeinsam mit Robert Møller dem Aufsichtsrat beitrat, wurde aber 2021 wegen schlechter wirtschaftlicher Ergebnisse entlassen.[48][49] Von 2017 bis 2018 war er Mitgründer und Direktor des 2022 zwangsaufgelösten Photovoltaikunternehmens PV Green.[50][4]
2022 gründete er gemeinsam mit Klavs Sefeld Møller, mit dem er bereits bei Igloo Mountain zusammengearbeitet hatte, das Unternehmen Greenland Investment Group, das in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Energiekonzern Statkraft ein Wasserwerk am See Tasersiaq bei Maniitsoq errichten will, um damit ein potentielles Aluminiumschmelzwerk zu versorgen. Diese Pläne waren bereits rund zehn Jahre zuvor von Alcoa geschaffen worden, aber dann aus wirtschaftlichen Gründen verworfen worden.[51]
Im selben Jahr kaufte die US-amerikanische ehemalige Direktorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, Josette Sheeran, über das Investmentunternehmen Greenland Development Partners einen Unternehmensanteil bei Greenland Water Bank und Greenland Investment Group.[52] Es wurde jedoch bekannt, dass hinter dem Investmentunternehmen angeblich der Milliardär Ronald Lauder steht, der Donald Trump 2019 dazu überredet haben soll, Grönland erwerben zu wollen.[53] Jørgen Wæver Johansen und Wirtschaftsministerin Naaja H. Nathanielsen stritten ab, dass dies ein Problem darstelle.[54][55] Experten mahnten zu Vorsicht, sahen in dem Fall aber keine akute Gefahr.[56]