Svend Hardenberg
grönländischer Beamter, Unternehmer und Schauspieler
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Svend Hardenberg (* 26. Februar 1969 in Nuuk)[1] ist ein grönländischer Beamter, Unternehmer und Schauspieler.
Leben
Ausbildung und Karriereanfänge
Svend Hardenberg studierte von 1994 bis 1999 Organisation und Strategie an der Universität Aalborg, die er als cand. merc. verließ. Nach einer Fortbildung bei SAS Scandinavian Airlines 1999/2000 arbeitete er bei Air Greenland, wo er bis 2006 Personaldirektor war.[2] Von 2004 bis 2010 war er Aufsichtsratsmitglied bei TELE Greenland.[3]
Er ist mit der Künstlerin Julie Edel Hardenberg (* 1971) verheiratet.[4] Sein Bruder ist der Skisportler Arne Hardenberg (* 1973).
Am 1. Mai 2006 trat er die Stelle als Energiedirektor von Nukissiorfiit an.[5] Im selben Jahr wurde er vom Naalakkersuisut zum Mitglied des Alcoa-Ausschusses ernannt, der die Zusammenarbeit mit dem gleichnamigen US-amerikanischen Aluminiumproduzenten für eine mögliche Fabrik in Grönland leiten sollte.[6] Als im Oktober 2006 die Entwicklungsgesellschaft Greenland Development als Tochterunternehmen des staatlichen Greenland Tourism and Business Council (heute Visit Greenland) gegründet wurde, um die Errichtung der Fabrik zu fördern, wurde Svend Hardenberg in den Aufsichtsrat berufen. Im Dezember 2006 wurde er Vizevorsitzender und im Juli 2007 Aufsichtsratsvorsitzender, was er bis März 2010 blieb.[3]
Im März 2011 trat er mit augenblicklicher Wirkung als Energiedirektor zurück.[7] Er gab an, freiwillig zurückgetreten zu sein, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu widmen.[8] Als an dieser Erklärung zwei Jahre später im Herbst 2013 Zweifel aufkamen, baten die Medien um Akteneinsicht. Noch bevor diese gewährt war, ließ er bei Sermitsiaq.AG einen Artikel veröffentlichen, in dem er sich als Opfer politischer Beschlüsse darstellte. Da er als Anhänger der zu diesem Zeitpunkt oppositionellen Siumut galt, versuchten die Regierungspolitiker ihn zu behindern. Als man begann, laut ihm unbedenkliche finanzielle Ausgaben zu untersuchen, kündigte er aus Protest. In dem Artikel sprach er von einer mediengestützten Hetzkampagne.[9] Kurz darauf stellte sich heraus, dass er in Wahrheit zum Rücktritt gedrängt worden war, weil die Revisionsfirma seinen Geldverbrauch für Steuerverschwendung hielt. So hatte er 3000 kr. pro Monat für Autofahrten erhalten, obwohl er einen Firmenwagen besaß. Alleine 2010 verbrauchte er zudem über 130.000 kr. für Telefon- und Internetrechnungen.[10] Als dies drohte öffentlich bekannt zu werden, versuchte er über einen Anwalt die Akteneinsicht der Medien zu verhindern.[11] Für sein Verhalten, kritischen Medienberichten durch eigene Auslegungen vorauszukommen, wurde scharf kritisiert. Er hatte dieselbe Methode bereits im Sommer 2013 angewandt, nachdem die Berlingske ihn darüber informiert hatte, einen kritischen Artikel schreiben zu wollen.[12][13]
Nach seinem Rücktritt bei Nukissiorfiit betätigte er sich als freiwilliger Berater für die Siumut für die Folketingswahl 2011.[14]
Karriere als Departementschef
Am 1. März 2013 trat er die Stelle als Kommunaldirektor der Qaasuitsup Kommunia an,[15] wurde aber bereits am 1. Juli desselben Jahres Departementschef bei Regierungschefin Aleqa Hammond, die kurz zuvor die Regierungsmacht für die Siumut wiedergewonnen hatte.[16] Es stellte sich heraus, dass Aleqa Hammond ihn persönlich aufgefordert hatte, sich für die Stelle zu bewerben. Als sich vier Personen bewarben, favorisierte der vierköpfige Einstellungsausschuss zwei andere Kandidaten, woraufhin Aleqa Hammond persönlich durchsetzte, dass Svend Hardenberg angestellt werden sollte.[17]
Kurz darauf war Svend Hardenberg für die Einstellung eines neuen Departementschefs für das Finanzministerium zuständig. Hier wurde Carsten Frank Hansen gewählt, ein Freund Hardenbergs.[17] Als sich zeigte, dass gegen diesen ein Strafverfahren wegen wirtschaftlicher Kriminalität in Dänemark lief, wurde er nur zwei Tage später wieder entlassen.[18] Svend Hardenberg ließ verlauten, dass er sich bei früheren Arbeitgebern erkundigt hatte und nichts Negatives gehört hatte, weswegen er Carsten Frank Hansen eingestellt hatte. Dies wies der Aufsichtsratsvorsitzende eines der Unternehmen zurück und gab an nie kontaktiert worden zu sein und zudem von einer Einstellung als Departementschef wegen fehlender Qualifikationen abgeraten hätte.[19] Daraufhin meinte Svend Hardenberg, nie gesagt zu haben, mit dem Unternehmen gesprochen zu haben, wofür er wiederum Kritik erhielt, da dies bei einem Anstellungsprozess von großer Bedeutung ist.[20] Es stellte sich heraus, dass Svend Hardenberg persönlich das Rekrutierungsunternehmen beauftragt hatte, Carsten Frank Hansen zu kontaktieren und einzustellen, und dass man sich bewusst war, dass der letzte Arbeitgeber nicht kontaktiert worden war, obwohl er dort Direktor gewesen war.[21][22]
In einer anderen Personalangelegenheit ließ er eine Anwaltskanzlei beauftragen, den Fall zu untersuchen, wobei er sowohl für die damit verbundenen hohen Steuergeldausgaben als auch von der grönländischen Abteilung von Transparency International für die fehlende Neutralität eines selbst bestellten Anwaltsuntersuchung kritisiert wurde.[23]
Als das Departement ordnungswidrig eine private Rechnung von Aleqa Hammond übernahm, wurde Svend Hardenberg eine beschützende Rolle und damit Mitverantwortung zugesprochen. Daneben hatte er im Laufe seiner Amtszeit Kritik für mehrere andere Angelegenheiten erhalten.[24]
Nur wenige Wochen nachdem Kim Kielsen anstelle der zurückgetretenen Aleqa Hammond zum Regierungschef gewählt worden war, wurde Svend Hardenberg im Februar 2015 als Departementschef freigestellt.[25] Nach der Aufhebung des Arbeitskontrakts erhielt er jedoch noch eine Abfindung, die seinem Lohn bis September 2016 entsprach.[26]
Von 2013 bis 2015 war er Aufsichtsratsmitglied des staatlichen Wohnungsunternehmens Illuut, davon die meiste Zeit als Vizevorsitzender.[3]
Karriere als Investor
Svend Hardenberg gründete 2010 gemeinsam mit Jørgen Wæver Johansen und Rasmus Christian Rasmussen das Investmentunternehmen Greenland Invest, das sie 2013 wegen seiner Ernennung zum Departementschef auflösen ließen.[27] Dies geschah jedoch gezwungenermaßen, weil die dänische Zeitung Berlingske gedroht hatte, einen Artikel darüber zu veröffentlichen, dass Svend Hardenberg als Regierungsvertreter mit seiner privaten Firma ein Wirtschaftstreffen organisiert hatte.[28] Bereits im Januar 2014 gründeten Jørgen Wæver Johansen und Rasmus Christian Rasmussen das Unternehmen unter demselben Namen erneut und im April 2015 übernahm Svend Hardenberg den Unternehmensanteil von Rasmus Christian Rasmussen und wurde Aufsichtsratsvorsitzender.[3]
Von 2015 bis zur Auflösung 2020 war er Gründungsdirektor des Ingenieurberatungsunternehmens Mannvit, dessen einziger Mitarbeiter er war, und das zu zwei Dritteln dem gleichnamigen isländischen Unternehmen gehörte.[3]
2016 gründete er gemeinsam mit Jørgen Wæver Johansen das Unternehmen Nanoq Power, das ein Wasserkraftwerk bei Nanortalik errichten wollten, wofür sie vom Energieministerium jedoch keine Genehmigung erhielten. Eine Klage bei der grönländischen Ombudsschaft wurde Ende 2018 abgewiesen.[29]
2016 gründete er gemeinsam mit Jørgen Wæver Johansen und Svend Hardenberg das Unternehmen Greenland Water Bank, das plante, in Qeqertarsuaq Trinkwasser für den Export zu produzieren.[30][31] Im Aufsichtsrat saßen zudem anfangs beider Ehefrauen Vivian Motzfeldt und Julie Edel Hardenberg.[32] Bereits kurz darauf wurde das Imivik („echtes Wasser“) genannte Wasser in Grönland in den Handel gebracht.[33] Erst 2019 erhielt das Unternehmen jedoch eine Exportgenehmigung, da das konkurrierende Unternehmen Greenland Spring Water bisher das Monopol hierfür hatte.[34] 2023 wurde das separate Unternehmen Imivik of Greenland gegründet, das für den Export stehen soll.[35] 2024 wurde das Wasser (für Transportkosten in Höhe von 111 kr. pro Flasche) auf einer Messe in Washington, D.C. angeboten, was Aqqalu C. Jerimiassen dazu brachte, der Regierung einen Interessenkonflikt vorzuwerfen, da Jørgen Wæver Johansens Ehefrau Vivian Motzfeldt zu diesem Zeitpunkt Außenministerin war.[36] Seit 2024 verkauft das Unternehmen auch Kuulavik („echte Cola“) und Kondivik („echtes Kondi“) in Grönland.[37] 2025 war jedoch noch kein Export begonnen worden.[38]
2017 waren er und Jørgen Wæver Johansen Mitgründer des Photovoltaikunternehmens PV Green, wo er von 2018 bis 2020 Aufsichtsratsvorsitzender war. Im Juli 2018 gründete er gemeinsam mit dem österreichischen Kryptounternehmer Daniel Peis das Unternehmen Arctic Exchange, das aber nie wirklich aktiv wurde und 2020 aufgelöst wurde. Im August 2018 gründete er gemeinsam mit Henrik Müller und Igloo Mountain unter Klavs Sefeld Møller das Tourismusentwicklungsunternehmens Sikumiut, das 2021 aufgelöst wurde. Im Oktober 2018 gründeten er, Daniel Peis und Peter Wasupit Wises das soziale Handelsnetzwerk Arctic Trust Group, das 2020 wieder aufgelöst wurde. Im Dezember 2018 gründete er mit Jørgen Wæver Johansen und Robert Møller die Kaffeerösterei Kaffivik, bei der er Direktor und Johansen Aufsichtsratsvorsitzender wurde, bevor beide im September 2021 die Rollen tauschten. Im Dezember 2021 verließ er das Unternehmen zugunsten seiner Tochter. Im Dezember 2018 gründete er zudem mit Jørgen Wæver Johansen, Robert Møller, Morten Jørgen Heilmann und Pierre Minik Lynge den Alkoholproduzenten Immiaq, wo er Aufsichtsratsvorsitzender wurde, aber auch dieses Unternehmen wurde bereits 2020 wieder aufgelöst. Von Dezember 2019 bis 2023 beteiligte er und Jørgen Wæver Johansen sich an der Unternehmensgründung Massakkut von dessen Sohn. Im März 2021 gründete er gemeinsam mit dem US-amerikanischen Investor Eric Howard Greenberg das Entwicklungsunternehmen Inuit Development Company und dessen Tochterfirma Amaroq, die er beide 2024 gänzlich übernahm, aber die nicht aktiv sind. Im Februar 2025 gründete er das Unternehmen Qappik.[3]
Seit 2020 ist er Aufsichtsratsmitglied des Ilisimatusarfik. Von 2021 bis 2022 war er Aufsichtsratsvorsitzender bei KNI. Seit 2022 ist er Vorsitzender des Vestnordenfondens.[2]
2022 spielte er die Rolle des grönländischen Außen- und Rohstoffministers Hans Eliassen in der dänischen Fernsehserie Borgen – Macht und Ruhm.[39][1]
2024 wurde er als Berater des australischen Bergbauunternehmens Energy Transition Minerals angestellt, das den grönländischen und dänischen Staat wegen des gescheiterten Kuannersuit-Projekts auf 80 Milliarden Kronen Schadenersatz verklagt hat.[40] Im Mai 2025 wurde er zum Aufsichtsvorsitzenden der neugründeten grönländischen Tochterfirma.[3]
Ende 2025 kaufte die US-amerikanische ehemalige Direktorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, Josette Sheeran, über das Investmentunternehmen Greenland Development Partners einen Unternehmensanteil bei Greenland Water Bank und Greenland Investment Group und übernahm den Aufsichtsratsvorsitz.[41] Es wurde jedoch bekannt, dass hinter dem Investmentunternehmen angeblich der Milliardär Ronald Lauder steht, der Donald Trump 2019 dazu überredet haben soll, Grönland erwerben zu wollen.[42] Jørgen Wæver Johansen und Wirtschaftsministerin Naaja H. Nathanielsen stritten ab, dass dies ein Problem darstelle.[43][44] Experten mahnten zu Vorsicht, sahen in dem Fall aber keine akute Gefahr.[45]