Vivian Motzfeldt
grönländische Politikerin (Siumut) und Lehrerin
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Dorthe Kathrine Vivian Motzfeldt (* 10. Juni 1972 in Qaqortoq)[1] ist eine grönländische Politikerin. Sie ist seit 2026 Mitglied der Demokraatit und war zuvor mehr als 20 Jahre Mitglied der Siumut.[2]

Leben
Frühe Jahre
Vivian Motzfeldt ist die Tochter des Schäfers Christian Motzfeldt († 2021) und seiner Frau Ruth Nielsen († 2014).[3] Ihr Vater war der jüngere Bruder von Josef Motzfeldt (* 1941) und sie somit eine Enkelin von Peter Motzfeldt (1910–1971) und eine Cousine von Nukâka Coster-Waldau (* 1971). Sie wuchs in einer südgrönländischen Schäferfamilie in Upernaviarsuk auf,[4] die aus der grönländischen Linie des skandinavischen Zweigs des rheinischen Adelsgeschlechts derer von Motzfeld stammt.[5]
Sie besuchte von 1989 bis 1993 das Gymnasium in Qaqortoq, unterbrochen durch ein Auslandsjahr in den Vereinigten Staaten. Von 1994 bis 1997 ließ sie sich am Ilinniarfissuaq zur Lehrerin ausbilden und arbeitete dann ein Jahr an der Nuussuup Atuarfia in Nuuk, bevor sie von 1998 bis 2000 zudem Kultur- und Gesellschaftsgeschichte an der Universität von Grönland studierte. Später schloss sie ein Bachelorstudium in Kultur- und Gesellschaftsgeschichte an der Universität von Grönland ab.[2] Von 2002 bis 2003 war sie Lehrerin am GUX in Nuuk und dann bis 2005 beim Pädagogikprojekt Matu, das der Resozialisierung gewaltbereiter Jugendlicher dient. Anschließend lehrte sie bis 2007 an der Ukaliusaq in Nuuk. Von 2010 bis 2014 war sie schließlich Lehrerin am Campus Kujalleq in Qaqortoq.[6]
Vivian Motzfeldt ist seit dem 25. Juli 1998 mit dem Politiker Jørgen Wæver Johansen (* 1972) verheiratet, mit dem sie vier Kinder hat.[3]
Politikkarriere
Sie kandidierte erstmals bei der Parlamentswahl 2005 für einen Platz im Inatsisartut, erhielt aber nur 57 Stimmen. Bei der Folketingswahl 2007 verpasste sie mit 263 Stimmen auch einen Platz im Folketing. Das nächste Mal trat sie erst 2014 wieder bei einer Wahl an. Mit 153 Stimmen gelangte sie auf den zweiten Nachrückerplatz.[7] Da mehrere gewählte Politiker der Siumut ins Naalakkersuisut aufrückten, rückte Vivian Motzfeldt ins Parlament nach.[8] 2017 wurde sie Vorstands- und Geschäftsausschussmitglied der Siumut ernannt.[9] Von 2017 bis 2018 war sie Vorsitzende der Verfassungskommission.[10]
Bei der Parlamentswahl 2018 erhielt sie 206 Stimmen und konnte somit erneut ins Parlament einziehen.[7] Anschließend wurde sie zur Ministerin für Äußeres, Bildung, Kultur und Kirche im Kabinett Kielsen III ernannt.[9] Nachdem das Kabinett noch im selben Jahr wieder zerbrach, wurde sie am 3. Oktober 2018 zur Vorsitzenden des Inatsisartut ernannt, wo sie Hans Enoksen nachfolgte.[11] Vivian Motzfeldt trat am 29. November 2020 beim Parteitag der Siumut gegen Kim Kielsen und Erik Jensen an, schied aber im ersten Wahlgang mit 7 von 71 Stimmen aus und musste sich Erik Jensen geschlagen geben. Allerdings wurde sie zur Vizeparteivorsitzenden ernannt.[12][13]
Bei der Parlamentswahl 2021 konnte sie erneut einen Platz im Inatsisartut erzielen.[7] Anschließend wurde sie als Parlamentsvorsitzende von ihrem Vorgänger Hans Enoksen abgelöst.[14] Als die Siumut am 5. April 2022 wieder Teil der Regierung wurde, wurde Vivian Motzfeldt zur Ministerin für Äußeres, Erwerb und Handel im Kabinett Egede II ernannt.[15] Am 25. September 2023 gab sie die Ressorts Erwerb und Handel an Naaja H. Nathanielsen ab und erhielt zudem das neugeschaffene Ressort für Unabhängigkeit.[16]
Bei der Parlamentswahl 2025 erhielt sie eines der vier Mandate der Siumut, die damit mehr als die Hälfte ihrer Sitze verlor.[7] Nach der Wahl beteiligte sich die Siumut dennoch an einer breiten Koalition aller im Inatsisartut vertretenen Parteien mit Ausnahme der Naleraq. Diese Regierungsbildung stand auch im Zusammenhang mit den Übernahmedrohungen, die US-Präsident Donald Trump im Vorfeld der Wahl gegenüber Grönland geäußert und danach bekräftigt hatte.[17] Infolgedessen trat Erik Jensen als Parteivorsitzender zurück und Vivian Motzfeldt wurde neue kommissarische Parteivorsitzende.[18] Sie wurde anschließend am 7. April 2025 zur Ministerin für Äußeres und Forschung im Kabinett Nielsen I ernannt.[19] Ende Juni 2025 musste sie sich bei der Wahl zum Parteivorsitz mit 19 zu 23 Stimmen der früheren Regierungschefin Aleqa Hammond geschlagen geben.[20] Als Außenministerin spielte sie eine wichtige Rolle in den diplomatischen Bemühungen, das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten wieder zu verbessern. Im Januar 2026 reiste sie gemeinsam mit dem dänischen Außenminister Lars Løkke Rasmussen nach Washington, D.C., wo beide unter anderem den US-Vizepräsidenten J. D. Vance und Außenminister Marco Rubio trafen.[17] Im Vorfeld der Folketingswahl 2026 zog Aleqa Hammond am 13. März 2026 ihre Partei aus Protest über die Kandidatur der Ministerinnen Anna Wangenheim und Naaja H. Nathanielsen aus der Koalition zurück.[21] Da der Bruch der Koalition unter anderem nicht mit Vivian Motzfeldt abgesprochen worden war, musste diese unfreiwillig ihren Ministerposten räumen[22] und trat daraufhin am 17. März aus Protest aus der Siumut aus.[23] Ihren Austritt begründete sie damit, dass sich die Partei mit dem Verlassen der Regierung selbst ausschließe und sie keinen Sinn darin sehe, eine politische Linie ohne Einfluss weiter mitzutragen. Gleichzeitig trat auch Inatsisartut-Vorsitzender Kim Kielsen aus denselben Gründen aus der Siumut aus. Dadurch sank die Stärke der Siumut im Inatsisartut auf nur noch zwei Abgeordnete, während die Regierung aus Demokraatit, Inuit Ataqatigiit und Atassut mit 19 von 31 Sitzen weiterhin über eine Mehrheit verfügte.[17] Motzfeldt behielt ihr Parlamentsmandat und gehörte dem Inatsisartut nach ihrem Austritt aus der Siumut zunächst als parteilose Abgeordnete an.[2] Am 8. Mai 2026 trat sie in die Demokraatit ein.[24][2] Dort wurde sie Parteikollegin des Regierungschefs Jens-Frederik Nielsen.[2] Im Mai 2026 war sie stellvertretende Vorsitzende des Inatsisartut.[2]
Für ihren Dienst als Parlamentsvorsitzende wurde sie am 23. September 2021 mit dem Nersornaat in Gold ausgezeichnet.[25]