KNI
grönländischer Groß- und Einzelhandels- sowie Versorgungskonzern mit Sitz in Sisimiut
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KNI A/S ist ein staatlicher grönländischer Groß- und Einzelhandels- sowie Versorgungskonzern mit Sitz in Sisimiut.
| KNI A/S | |
|---|---|
| Rechtsform | A/S |
| Gründung | 1. Januar 1986 |
| Sitz | Sisimiut, |
| Leitung | Jeppe Jensen (Direktor) Inger Eriksen (Aufsichtsratsvorsitzende)[1] |
| Mitarbeiterzahl | 828[2] |
| Umsatz | 2,63 Mrd. DKK (ca. 352 Mio. €)[2] |
| Branche | Groß- und Einzelhandel und Versorgung |
| Website | www.kni.gl |
| Stand: 2025 | |
Geschichte
KNI geht auf Den Kongelige Grønlandske Handel (KGH) zurück, der 1774 gegründet wurde, um den Handel und die Verwaltung der damaligen dänischen Kolonie wahrzunehmen. 1950 verlor der dänische Staat das Handelsmonopol über Grönland in Form des KGH und im Laufe der folgenden Jahre wurden mehr und mehr Verantwortungsbereiche des KGH ausgegliedert. Nach der Einführung der Hjemmestyre im Jahr 1979 begann Grönland verschiedene Verantwortungsbereiche, die noch vom KGH unter dänischer Regie geleitet wurden, selbst zu übernehmen. 1985 wurde mit Royal Greenland (damals noch Proeks) der Fischereibetrieb vom KGH übernommen[3] und im Jahr darauf wurde am 1. Januar 1986 auch der Rest des KGH vom grönländischen Staat übernommen und in Kalaallit Niuerfiat (KNI) („Handelsort der Grönländer“) umgewandelt. Das Unternehmen wurde gesetzlich mit der Versorgung, dem Schiffsverkehr, dem Betrieb von Häfen, Flughäfen und Heliports, dem Betrieb von Hotels, dem Zollkontrollwesen und dem Postwesen beauftragt.[4]
Zum 1. Januar 1993 wurde Kalaallit Niuerfiat aufgelöst und stattdessen vier neue Unternehmen gegründet. Die Holdinggesellschaft Kalaallit Niuerfiat Piginnittut/Holding in Nuuk wurde Eignerin der Unternehmen Kalaallit Niuerfiat Detail in Sisimiut und Kalaallit Niuerfiat Service in Maniitsoq. Kalaallit Niuerfiat Detail sollte in den größeren Städten im Einzel- und Großhandel auf dem freien Markt konkurrieren. Kalaallit Niuerfiat Service sollte in den kleineren Städten und Dörfern den Einzelhandel sicherstellen, wo der Betrieb von Läden ansonsten wirtschaftlich nicht rentabel war, und erhielt zudem die Aufgabe des Schiffverkehrs, der Ölversorgung und des Postwesens. Der internationale Schiffsfrachtverkehr sowie der Schiffsverkehr zwischen Städten wurde hingegen in die Royal Arctic Line ausgegliedert, die zu einem Drittel dem grönländischen Staat und zu zwei Dritteln der dänischen Reederei J. Lauritzen gehörte.[5] Nachdem sich die Abkürzung KNI bereits durchgesetzt hatte, wurden die Unternehmen 1994 auch offiziell in KNI Holding, KNI Pisiffik (Detail) und KNI Pilersuisoq (Service) umbenannt.
Wegen schlechter wirtschaftlicher Ergebnisse wurden die getrennten Unternehmen 1997 wieder in einem Staatskonzern vereinigt, der den Namen KNI und seinen Sitz in Sisimiut erhielt. KNI Pisiffik und KNI Pilersuisoq wurden zu Tochterunternehmen. Der Postbetrieb wurde dabei an TELE Greenland überführt, woraus TELE-POST, das heutige Tusass, entstand.[6] Auch der Schiffsverkehr in den Dörfern wurde 1998 an die Royal Arctic Line übergeben.[7]
Zum Jahresbeginn 2001 wurde das dritte Tochterunternehmen KNI Pisiniartarfipput gegründet, das sich mit Einkauf, Logistik und IT beschäftigen sollte.[8] Am 1. November 2001 wurde KNI Pisiffik privatisiert, wobei KNI jedoch knapp ein Drittel der Aktien behielt.[9] Die Pisiffik-Filialen in den kleineren Städten Nanortalik, Narsaq, Paamiut und Qasigiannguit wurden von KNI behalten und in Pilersuisoq-Filialen umgewandelt.[3] Zum Jahresbeginn 2002 wurden die Tochterunternehmen mit dem Mutterkonzern fusioniert.[10] Im Laufe des Jahres 2005 verkaufte KNI seine restlichen Aktien von Pisiffik, kaufte zugleich aber das 1998 gegründete Fischerei- und Fleischproduktionsunternehmen Nuka aus Maniitsoq, das hierbei in Arctic Green Food umbenannt wurde, und die 1995 gegründete Schlachterei Neqi aus Narsaq.[11] Zum Jahresbeginn 2006 kaufte KNI das Tochternehmen der Royal Arctic Line, Royal Arctic Bygdeservice und benannte es in Assartuivik um. 2006 endete mit starken Verlusten, weswegen Assartuivik wieder aufgelöst und dessen Aufgaben an die Royal Arctic Line zurückgegeben wurden. Auch Arctic Green Food wurde aufgelöst bzw. abgestoßen.[12] Kurz darauf verbesserte sich die wirtschaftliche Lage.[13]
2010 wurde die Ölversorgungsabteilung Polaroil von Maniitsoq nach Sisimiut versetzt. 2012 wurde der Onlineshop pisisa.gl („Lass uns kaufen!“) gegründet. Seit 2016 produziert KNI seine eigene Outdoorkleidung unter dem Markennamen Meqqusaalik. 2017 wurde das Kochrezepteportal Mamarisavut („Was wir lecker finden“) lanciert. Seit 2019 produziert das Unternehmen auch Gebrauchskunst, die bei Pilersuisoq vertrieben wird. 2020 gewann KNI für das neue Ladendesign bei Pilersuisoq den Red Dot Award und den Moebius Award.[3]
Konzernstruktur
Der Konzern besteht aus zwei Geschäftsbereichen, der Energieabteilung und der Warenabteilung. Daneben hat KNI drei Tochterunternehmen, nämlich die Schlachterei Neqi (100 %) und die beiden Immobilienunternehmen KNI Ejendomme (100 %) und Akia Sisimiut (82,5 %), die Wohnungen an die Mitarbeiter in Sisimiut vermieten.[14][2]
Die Energieabteilung besteht aus dem Ölversorger Polaroil. Das Unternehmen betreibt insgesamt 70 Öltankanlagen mit insgesamt rund 450 Tanks in allen Städten und Dörfern des Landes. Es ist hauptsächlich für die Versorgung von Gasöl, Kerosin, Petroleum und Benzin zuständig und gewährleistet zudem eine stabile Preislage in Grönland. Polaroil wurde 1950 unter dem Namen Det Grønlandske Olieselskab als Tochterunternehmen des KGH gegründet.[15][2]
Die Warenabteilung besteht aus der Ladenkette Pilersuisoq, dem heutzutage einzigen staatlichen Einzelhandelsunternehmen Grönlands. Die Handelskette hat 67 Filialen und damit den Hauptteil der Läden des Landes, die hauptsächlich in den Dörfern stehen und dort meist die einzige Warenversorgungsmöglichkeit darstellen. In den meisten Dörfern obliegt Pilersuisoq zudem die Hafenleitung und in einigen zudem der Bank-, Post- und Heliportbetrieb.[2] KNI Engros ist ebenfalls der Warenabteilung zugeordnet und ist für den grönländischen Großhandel zuständig, bei dem sämtliche Warengruppen an andere Unternehmen und Institutionen verkauft werden.[16]
Das Schlachtereiunternehmens Neqi ist für die Verarbeitung von Waren aus der südgrönländischen Landwirtschaft zuständig. Jährlich werden rund 20.000 Lämmer, 1.900 Schafe, 150 Rentiere, 100 Rinder und 7 Tonnen Kartoffeln verarbeitet.[17]
Leitung
Quelle:[18]
| Direktoren | Aufsichtsratsvorsitzende |
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