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Kastell Burgheim

Kastell der späten Römischen Kaiserzeit (Kastell Parrodunum). From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Kastell Burgheim, identisch mit dem spätantiken Parrodunum, ist der Name eines ehemaligen römischen, frühkaiserzeitlichen Militärlagers an der älteren Donaulinie des Raetischen Limes und eines spätantiken Kastells. Die heutigen Bodendenkmale liegen auf dem Gebiet von Burgheim, einem Markt im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.

Schnelle Fakten
Kastell Burgheim
Alternativname Parrodunum
Limes Raetischer Limes,
ältere Donaulinie
Datierung (Belegung) A) claudisch-neronisch
bis frühes 2. Jahrh.
B) Tetrarchie
Einheit A) unbekannt
B) Cohors I Herculea Raetorum
Größe A) ≤ 2,1 ha
B) ≤ 0,4 ha
Bauweise A) Holz-Erde-Lager (?)
B) Steinkastell
Erhaltungszustand Bodendenkmal
Ort Burgheim
Geographische Lage 48° 42′ 3,5″ N, 11° 0′ 55,5″ O
Höhe 400 m ü. NHN
Vorhergehend Kastell Burghöfe
(südwestlich)
Anschließend Kastell Ingolstadt-Zuchering I
(östlich)
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Römische Befunde um das Kastell Burgheim

Quellen, Lage und Forschungsgeschichte

Die ehemaligen römischen Kastelle und heutigen Bodendenkmale befinden sich topographisch auf der mit Schottern bedeckten Flussterrasse am südlichen Donauufer zwischen Donauwörth und Neuburg an der Donau. Der Name Parrodunum wird in der Notitia dignitatum erwähnt und wurde von dem Lehrer, ehrenamtlichen Heimatpfleger und Archäologen Michael Eckstein in den 1950er Jahren, nach entsprechenden Befunden mit einer spätiken Besiedlung Burgheims gleichgesetzt.[1] Weitere archäologische Untersuchungen ab Beginn des 21. Jahrhunderts, insbesondere durch Claus-Michael Hüssen,[2] erbrachten sukzessive zusätzliche Befunde, die auch eine bereits frühkaiserzeitliche Besiedlung belegten. In der antiken Verkehrsgeographie befanden sich die römischen Siedlungen an der Donausüdstraße zwischen dem Kastell Burghöfe und dem Kastell Ingolstadt-Zuchering I. Im heutigen siedlungsgeographischen Bild liegen die Befunde im größtenteils dicht überbauten Stadtgebiet von Burgheim.[3]

Archäologische Befunde

Früh- / mittelkaiserzeitliches Kastell, Vicus und Gräberfeld

Das frühkaiserzeitliche Kastell manifestierte sich erst spät (2003) durch einen doppelten Spitzgraben in der „Schulgasse“.[4] Die beiden Gräben lagen durchschnittlich rund vier Meter voneinander entfernt. Von dem drei bis vier Meter breiten inneren Graben konnten rund 23 m, von dem 1,5 m breiten äußeren Graben 35 m freigelegt werden. Mittels geophysikalischer Messungen konnte der äußere Graben noch auf 30 m Länge weiterverfolgt werden. Die Befunde waren jedoch nicht umfangreich genug, um die tatsächliche Größe des Kastells zu ermitteln. Aufgrund der Topographie des Geländes kann seine maximale Größe rund zwei Hektar betragen haben, was für ein Auxiliarkastell ausreichend wäre. Aber auch über die dort stationierte Truppe ist nichts bekannt. Für die Errichtung nahm der Ausgräber eine Gleichzeitigkeit mit dem Kastell Burghöfe, also eine Gründung in tiberisch-claudischer Zeit an. Im ersten Viertel des zweiten Jahrhunderts wurden die Soldaten vermutlich nördlich der Donau stationiert, das Kastell aufgelassen, die Gräben verfüllt und die Anlage planiert. Im Folgenden übersiedelte der weiterbestehende Kastellvicus dieses Gelände und entwickelte sich zu einer rein zivilen Siedlung, die schließlich eine Ausdehnung von rund 500 Metern erreichte. Befunde von Streifenhäusern in der „Bahnhofstraße“ und in der „Schulgasse“ belegen den Vicus und seine Entwicklung. Darunter war ein Streifenhaus, in dessen Garten sich ein kleinerer Pfostenbau, eine Darre und zwei Brunnen befanden. Die Darre hatte eine 2,70 m mal 2,50 m messende und mit Leistenziegeln ausgelegte Heizungsanlage, die von einer Arbeitsgrube aus durch einen 1,5 m langen Heizkanal befeuert wurde. Das Fundmaterial stammt zum größten Teil aus den Verfüllungen der Gräben und der Brunnen.[3][5]

Weitere Siedlungsabschnitte sind westlich der Kastelle identifiziert worden,[6] wo sich im Bereich des heutigen Sportplatzes auch ein Gräberfeld erstreckte, dass von mittelkaiserzeitlichen Brandbestattungen dominiert wurde, in dem sich aber auch spätantike Körpergräber befanden.[7] Im Bereich des westlich benachbarten Staudheims schließlich wurde eine weitere römische Siedlung[8] und ein längerer Abschnitt der Donausüdstraße identifiziert.[9]

Kastell der Spätantike

Das spätantike Kastell steht vermutlich im Kontext des Bauprogramms der Tetrarchie zur Sicherung der Grenzen und wurde vermutlich um das Jahr 300 als steinerne Befestigungsanlage des spätantiken Donau-Iller-Rhein-Limes errichtet. Befunde von Mauern und eines Turmfundaments unter bis zu zwei Meter mächtigen Schuttschichten belegen seine Existenz. Datiert werden konnte die Anlage aufgrund von Fragmenten glasierter Mortaria und von beim Mauerbau sekundär verwendeter Spolien, wie seinerseits Spolien der Befestigung beim Bau der Ortskirche St. Cosmas und Damian verwendet wurden, wo insgesamt acht römische Steinblöcke identifiziert werden konnten. Die Größe der spätantiken Befestigung wird auf maximal 0,4 ha geschätzt, als ihre Besatzung wird die durch die Notitia dignitatum überlieferte Cohors I Herculea Raetorum angenommen.[10][3]

Präsentation und Denkmalschutz

Funde aus Burgheim befinden sich im Archäologischen Museum im Rathauskeller,[11] Reste des spätantiken Kastells sind am „Burgberg“ im Aufgangsbereich zur Kirche St. Cosmas und Damian sichtbar.

Das Kastell und ein Teil des Vicus ist mit dem Aktenzeichen D-1-7232-0281,[12] das Gräberfeld mit dem Aktenzeichen D-1-7232-0280[13] und weitere Siedlungsabschnitte sind mit den Aktenzeichen D-1-7232-0303[14] und D-1-7232-0279[15] registrierte Bodendenkmale nach dem Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler (Bayerisches Denkmalschutzgesetz – BayDSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind dort erlaubnispflichtig, Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden anzuzeigen. Im westlich benachbarten Staudheim sind zudem eine weitere römische Siedlung (D-7-7331-0072)[8] und ein langgestreckter Straßenabschnitt der Donausüdstraße (D-7-7331-0157)[9] geschützt.

Literatur

  • Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Veronika Fischer: Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7917-3520-7, S. 372.
  • István Gergő Farkas: The Dislocation of the Roman Army in Raetia. (= BAR International Series 2723). BAR Publishing, Oxford 2016, ISBN 978-1-4073-1378-8, S. 20.
  • Claus-Michael Hüssen: Das Donaukastell Burgheim. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 2003, 2004, S. 76–78.
  • Claus-Michael Hüssen: Kösching, Burgheim, Nassenfels. Grenzsicherung in Raetien im 1. und frühen 2. Jahrhundert n. Chr. In: Á. Morillo et al. (Hrsg.): LIMES XX. 20th International Limes Congress of Roman Frontier Studies. Polifemo, Madrid 2009, ISBN 978-84-96813-25-0, S. 965–975.
  • Karl-Heinz Rieder: Burgheim. Vorgeschichte, Römerzeit und Mittelalter. In: Ingolstadt und der oberbayerische Donauraum. Führer zu Archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 42, 2003, ISBN 978-3-8062-1716-2, S. 183 f.

Einzelnachweise

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