Katharina Schulze
deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen), MdL
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Katharina Elisabeth „Katha“ Schulze (* 20. Juni 1985 in Freiburg im Breisgau) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) und seit 2013 Mitglied des Bayerischen Landtags. Sie war bei den Landtagswahlen 2018[1] und 2023 gemeinsam mit Ludwig Hartmann Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen. Sie war bis 2023 zusammen mit Hartmann Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag und ist es seit 2023 alleine. In der 18. Wahlperiode (2018–2023) war sie zusammen mit Hartmann Oppositionsführer im Bayerischen Landtag.

Leben und Beruf
Schulze wuchs in Herrsching am Ammersee auf und schloss 2005 ihr Abitur am Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching ab, wo sie auch Schülersprecherin war. Sie war in ihrer Jugend Handballspielerin auf der Position der Kreisläuferin.[2] Sie studierte von Oktober 2005 bis 2011 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Interkulturelle Kommunikation, Politikwissenschaft und Psychologie. Von August bis Dezember 2008 absolvierte sie ein Auslandstrimester an der University of California, San Diego, und machte ein Praktikum bei der Demokratischen Partei in Michigan.[3] Ihr Studium schloss sie 2011 mit dem Titel Magister artium der Politikwissenschaft ab.[4] Sie arbeitete während ihres Studiums für verschiedene Unternehmen und gemeinnützige Organisationen, u. a. Siemens, Kienbaum, Ärzte der Welt, InWEnt – Internationale Weiterbildung.
Von Februar 2012 bis September 2013 war sie bei der Gesellschaft für ökologische Forschung (GöF) in München für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Zudem arbeitete sie in der Zeit auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Teilzeit für die Grüne-Landtagsabgeordnete Theresa Schopper und als interkulturelle Trainerin.[5][6] In der Zeit von 2016 bis 2019 absolvierte sie neben ihrer Abgeordnetentätigkeit den Studiengang Executive Master of Business Administration an der Technischen Universität München.[7]
Im Jahr 2020 absolvierte Katharina Schulze das Leadership Program der Obama Foundation.[8]
Politische Tätigkeit
Parteilaufbahn

Schulze trat 2008 der Grünen Jugend bei. Dort engagierte sie sich insbesondere in den Bereichen Umweltschutz und Klimaschutz und in der Genderpolitik. Sie war von Januar 2009 bis Januar 2011 Sprecherin der Grünen Jugend München.
Von November 2009 bis Oktober 2014 war sie Mitglied im Parteirat der bayerischen Grünen und gestaltete dort anstehende Wahlkämpfe und die Strukturreform der Landespartei mit. Von November 2010 bis Mai 2015 war sie Vorsitzende der Grünen in München und konzentrierte sich dabei insbesondere auf die Strukturreform des grünen Kreisverbandes, die Organisation von sechs Wahlkämpfen, die Münchner Stadtpolitik und die Organisation und Teilnahme an den Bürgerentscheiden zur 3. Startbahn und NOlympia.[9]
Als Fraktionssitzende im Bayerischen Landtag ist sie qua Amt Mitglied im Landesausschuss des bayerischen Landesverbandes der Grünen. Dieses Gremium koordiniert die politischen Aktivitäten des Landesverbandes und berät und unterstützt den Landesvorstand der Partei.[10] Im November 2019 wurde Schulze in den bundesweiten Parteirat der Grünen gewählt, dieses Amt hatte sie bis November 2023 inne.[11]
Bayerischer Landtag
Bei der bayerischen Landtagswahl am 15. September 2013 wurde sie erstmals in den Landtag gewählt. Sie erreichte als Direktkandidatin im Stimmkreis München-Milbertshofen 13,6 % der Erststimmen und lag damit hinter den Kandidatinnen Mechthilde Wittmann (CSU, 32,3 %) und Ruth Waldmann (SPD, 33,8 %).[12] Nach dem fünften Platz auf der grünen Liste für den Wahlkreis Oberbayern landete sie mit den Gesamtstimmen schließlich auf dem siebten Platz, womit sie den Einzug in den Landtag schaffte.[13] Katharina Schulze war bei der konstituierenden Sitzung des 17. Bayerischen Landtags am 7. Oktober 2013 zusammen mit Judith Gerlach (CSU) als eine der beiden jüngsten Abgeordneten Schriftführerin.[14] Im 17. Bayerischen Landtag war sie stellvertretende Vorsitzende und Fraktionssprecherin für Inneres, Sport und Strategien gegen Rechtsextremismus.[15] Sie war Mitglied im Ausschuss für kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport sowie im Ausschuss für Verfassung, Recht und Parlamentsfragen, außerdem im Kuratorium der Hochschule für Politik München (HfP), im HfP Reformbeirat, im Beirat der Stiftung Bayerisches Amerikahaus gGmbH und im Landessportbeirat sowie dem Parlamentarischen Kontrollgremium.[5] Zudem war sie stellvertretendes Mitglied der Richter-Wahl-Kommission und im IuK-Beirat.
Seit Februar 2017 ist Schulze Vorsitzende der Landtagsfraktion als Nachfolgerin von Margarete Bause,[16] bis 2023 mit Ludwig Hartmann als Co-Vorsitzendem. Schulze wurde Anfang 2018 von ihrer Partei in einer landesweiten Urwahl ohne Gegenkandidatin mit 89,25 % zur Spitzenkandidatin neben Hartmann für die bayerischen Landtagswahl 2018 gewählt.[1] Sie war auf der grünen Liste für den Wahlkreis Oberbayern auf Platz Nr. 1. Bei der Wahl am 14. Oktober 2018 errang sie in ihrem Stimmkreis München-Milbertshofen mit 34,9 % das Direktmandat.[17] Im 18. Bayerischen Landtag war sie Mitglied des Ausschusses für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport sowie im Reformbeirat der Hochschule für Politik München und im Beirat der Stiftung Bayerisches Amerikahaus gGmbH. Zudem war sie stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums und der G 10-Kommission und stellvertretendes Mitglied im Stiftungsrat der Bayerischen Forschungsstiftung.
Im Januar 2020 hob der Landtag Schulzes Immunität auf, weil sie im September 2018 gegenüber Demonstranten einer NPD-Veranstaltung den „Stinkefinger“ gezeigt hatte. Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation ihrer Wahl eingestellt.[18] Im Monat darauf erhielt sie für die Bezeichnung der AfD als faschistische Partei und deren Fraktion im Thüringer Landtag als Neonazis vom Präsidium des Bayerischen Landtags eine Rüge.[19]
Bei der Landtagswahl in Bayern 2023 gewann Schulze in München-Milbertshofen mit 35,3 % der Stimmen erneut das Direktmandat.[20]
Politische Positionen
Innenpolitik
Schulze war in der Landtagsfraktion langjährig für die Innenpolitik zuständig – ein Thema, „das nicht zum Markenkern ihrer Partei gehört, das aber in der Sorgenliste der Bevölkerung ganz oben steht“[21] und stellt die Wahrung der Bürgerrechte und den Kampf gegen Rechts in den Mittelpunkt. Sie fordert beispielsweise die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Gleichzeitig sei bei staatlichem Handeln auch in Bayern mehr Transparenz nötig, z. B. durch ein Transparenzgesetz, das sie in der 17. Legislaturperiode in den Landtag einbrachte.[22]
Sie fuhr Nachtschichten mit Streifenpolizisten[23] und organisierte die ersten grünen Polizeikongresse.[21][24][25]
Engagement gegen die dritte Start- und Landebahn am Münchner Flughafen

Schulze ist seit 2011 die Sprecherin der Initiative München gegen die dritte Startbahn, die sich erfolgreich mit einem Bürgerentscheid am 17. Juni 2012 gegen die dritte Startbahn am Flughafen München einsetzte.[26]
Münchner Olympia-Bewerbung
Schulze war seit 2010 die Sprecherin von NOlympia München, einem Aktionsbündnis, das sich gegen die Olympiabewerbung Münchens 2018 und 2022 engagierte. Sie kritisierte dabei insbesondere die Intransparenz des IOC und das Streben nach Profit anstatt eines Fokus auf den Menschen und den Sport. In einem Bürgerentscheid 2013 sprachen sich sowohl in München als auch den drei weiteren betroffenen Kommunen Mehrheiten gegen eine erneute Bewerbung aus.[27][28]
Allerdings sprach sich Schulze im Jahr 2025 zusammen mit dem Großteil der Grünen-Landtagsfraktion positiv gegenüber einer Bewerbung der Stadt München als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 aus.[29]
Kontroversen
„Trümmerfrauen“-Debatte in München 2013
Im Dezember 2013 verhüllte Katharina Schulze zusammen mit ihrem Kollegen Sepp Dürr temporär einen Gedenkstein für die Trümmerfrauen und die Aufbaugeneration am Marstallplatz in München mit einem braunen Tuch, bedruckt mit der Aussage „Den Richtigen ein Denkmal, nicht den Alt-Nazis. Gegen Spaenles Geschichtsklitterung“. Die Aktion befeuerte eine heftige Debatte über die Aufbaugeneration in München.[30][31]
Mitgliedschaften
Schulze ist Mitglied im Bund Naturschutz und Fördermitglied der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e. V. (a.i.d.a.), des Handballsports Herrsching e. V., der Obama Foundation Alumni und des Kuratorium Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München. Sie ist auch Mitglied im Kuratorium von Mehr Demokratie e.V.
Auszeichnungen
Im Oktober 2018 wurde sie vom Verband der Redenschreiber als „Beste Rednerin im Landtagswahlkampf“ ausgezeichnet. Im Januar 2019 gewann sie den Politikaward „Politische Kampagnen 2018“. Im Februar 2026 wurde ihr der Schlappmaulorden verliehen.[32]
Privates
Schulze ist seit 2019 mit Danyal Bayaz (Bündnis 90/Die Grünen) liiert,[33] der seit Mai 2021 Finanzminister von Baden-Württemberg ist.[34] Im Juni 2021 wurden Schulze und Bayaz Eltern eines Sohnes,[35] im Juli 2022 heirateten sie.[36] Im September 2024 folgte der zweite Sohn.[37][38]
Publikationen
- Mut geben, statt Angst machen. Droemer Knaur, München 2020, ISBN 978-3-426-27813-0.
Weblinks
- Biographie beim Bayerischen Landtag
- Katharina Schulze im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Internetseite von Katharina Schulze
- Katharina Schulze auf abgeordnetenwatch.de
- Silke Lode: Machtzentrum am Küchentisch, Porträt über Katharina Schulze, in: Süddeutsche.de, 14. März 2011.
- Benjamin von Brackel: Unter den Wolken, Porträt über Katharina Schulze, in: der freitag online, 24. Juni 2012.
- Felix Müller: Noch lange nicht am Ziel, Porträt über Katharina Schulze, in: merkur online, 13. August 2014.
- Felix Müller: Grünen-Chefin hört auf, Katharina Schulze: auf dem Weg nach oben, Porträt über Katharina Schulze in: merkur online, 11. Mai 2015.