Khanjari

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Khanjari (Hindi खँजड़ी, Nepali खैजडी, kaijadi), auch khanjri, khaṃjari, khanjeri, khenjir, ist in Pakistan, Nordindien und Nepal ein Typus von einfelligen kleinen Rahmentrommeln mit einem relativ hohen runden Rahmen, der teilweise mehrere Schellen (klingende Metallscheiben) enthält. Die khanjani (bengalisch খঞ্জনি) genannten Rahmentrommeln in den ostindischen Bundesstaaten Odisha und Westbengalen sowie in Bangladesch besitzen einen sehr kleinen, aber schweren Holzrahmen und häufig Schellen. Diese seit Anfang des 16. Jahrhunderts bekannten, in der indischen Volksmusik und gelegentlich in der religiösen Musik (zur Begleitung von Bhajan-Gesängen) verwendeten Rahmentrommeln breiteten sich von Nordindien in den Süden aus, wo sie kanjira (ganjira) und ähnlich genannt werden. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der Musiker Manpoondia Pillai die heutige Form der südindischen kanjira mit einer Schelle und führte sie in die südindische klassische Musik ein.

Khanjari mit einer Schelle wahrscheinlich aus Westbengalen. Metropolitan Museum of Art, um 1885[1]

Herkunft

Ein Spieler schlägt mit beiden Händen die Rahmentrommel tammate. Relief an einem Pfeiler im Vittala-Tempel von Hampi, der ehemaligen Hauptstadt des südindischen Vijayanagar-Reichs, Ende 15. – Anfang 16. Jahrhundert

Den Trommeln kommt in Indien seit frühesten Zeiten eine besondere Bedeutung in der Musik und in mythischen Vorstellungen zu. Deshalb finden sich in der auf Sanskrit und Tamil verfassten altindischen Literatur Hunderte Trommelnamen, die sich auf die Form eines der zahlreichen Trommeltypen, auf die Funktion einer Trommel oder allgemein auf die ihr zugedachten Eigenschaften beziehen. Ein funktioneller Name für eine Kriegstrommel und Ritualtrommel war dundubhi, vermutlich eine hölzerne Kesseltrommel oder eine Röhrentrommel. Der dritte hauptsächliche Trommeltyp, die Rahmentrommel, ist aus dem alten Indien nur vereinzelt überliefert. Abbildungen aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in der antiken Region Gandhara im äußersten Nordwesten Südasiens zeigen einfellige Rahmentrommeln, die mit Riemen sternförmig an der Unterseite verspannt werden. Vermutlich gelangten die Rahmentrommeln aus Vorderasien nach Gandhara, von wo sie sich später bis nach Zentral- und Südindien ausbreiteten.[2]

Für die Typologie der Rahmentrommeln wurde eine eigene Systematik nach Formkriterien eingeführt, die sich auf der ersten Gliederungsebene an den drei Elementen Membran, Korpus und Technik der Membranspannung orientieren. Für die an den frühen indischen Rahmentrommeln in Gandhara beobachtete Membranbefestigung wurde die Bezeichnung „Riemenstern“ geprägt. Dabei verlaufen Hautstreifen oder Schnüre vom Fellrand im Zickzack sternförmig bis zu einem Schnurring in der Mitte der Unterseite. Diese Verschnürung ist nicht wie bei den Innengrifftrommeln (sibirische Schamanentrommeln) dazu geeignet, um die Trommel mit einer Hand an der Unterseite zu halten. Sie kommt überwiegend an einigen indischen Rahmentrommeln vor, etwa bei der südindischen tambattam (Tamil, tammittam, tambotta auf Malayalam, tammate, halige auf Kannada).[3] Curt Sachs (1940) vermutet, dass diese Rahmentrommel (mit einem Durchmesser von 35 bis 38 Zentimetern)[4] und ihr Name aus Babylonien, von wo die akkadische Bezeichnung timbutu für eine Rahmentrommel überliefert ist, nach Südindien und bis nach Sri Lanka gelangt sein könnten.[5] Die in Sri Lanka singhalesisch temmettama genannte Trommel hat einen Durchmesser von bis zu 125 Zentimetern.[6] Die Beschreibungen von tambattam und ähnlich genannten Rahmentrommeln in Südindien und Sri Lanka gehen auf Curt Sachs (1913, 1923, 1940) zurück. In neuerer Literatur steht tammata in Sri Lanka für ein kleines Kesseltrommelpaar. Die in Sri Lanka gespielten Rahmentrommeln heißen rabana und sind sprachverwandt mit vom Indischen Ozean (ravanne) bis Südostasien (rebana) bekannten Rahmentrommeln.

Steinreliefs an den buddhistischen Stupas von Bharhut (2.–1. Jahrhundert v. Chr.) und Sanchi (1. Jahrhundert v. Chr.) im zentralen Nordindien zeigen große Rahmentrommeln, die mit einem am Ende umgebogenen Stock geschlagen werden. Auf einem Relief in Sanchi setzt der Trommler einen Stock in jeder Hand für die wohl an einem Gurt um seinen Hals hängende Rahmentrommel ein.[7] Auf einer Wandmalerei in Höhle 10 der buddhistischen Felshöhlen von Ajanta aus dem 6. Jahrhundert ist ein großes Ensemble von Musikerinnen zu sehen, die vermutlich bei einer religiösen Prozession Trompeten blasen, Rahmentrommeln schlagen, klatschen und tanzen.[8]

Die am weitesten in Indien verbreiteten Bezeichnungen für Rahmentrommeln gehören zum Wortumfeld von daf, das auf das hebräische tof im Alten Testament für von Frauen gespielte Rahmentrommeln zurückgeht und sich als duff im vorislamischen Arabien und später mit der muslimischen Kultur über Vorderasien bis Indien verbreitete. So bezeichnete Rahmentrommeln waren zu Beginn des Sultanats von Delhi in Nordindien bekannt, denn sie werden im 13. Jahrhundert in den Werken des Dichters Amir Chusrau erwähnt.[9] Mit dem Wortumfeld daf benannte Rahmentrommeln werden üblicherweise in einer Hand am Rahmen gehalten und mit Fingern und Ballen der anderen Hand geschlagen.[10] Von der zeitlichen Einführung eines Instrumentennamens lässt sich nicht zwangsläufig auf das Alter des Instrumententyps schließen. So ist das von daf abgeleitete dappu in Südindien ein anderer Name für die teilweise mit zwei Stöcken geschlagene parai.

Auf eine arabische Herkunft lässt sich das Wort khanjari ebenso wenig wie auf Sanskrit zurückführen. Dafür bezeichnet Abu 'l-Fazl in seiner 1598 vollendeten persischen Geschichtschronik Āʾīn-i Akbarī über die Mogulzeit eine mit Zimbeln besetzte kleine Rahmentrommel als khenjir (khanjari) und als eine Variante der daf.[11]

Musikerinnen mit Rahmentrommeln – einer großen daf mit Schellen unten und einer kleinen khanjari ohne Schellen darüber – spielen bei der Hochzeit des Mogulherrschers Aurangzeb. Linke Hälfte aus einer indischen Miniatur von 1636[12]
„Allegorie der diesseitigen und jenseitigen Trunkenheit“. Safawidische Malerei aus Täbris, 1531–1533. Zum höfischen Musikensemble gehören neben der Spießgeige kamantsche drei Rahmentrommeln daira mit Schellen und eine lange Rohrflöte nay

Der persische Name khanjari verbreitete sich mit dem Rahmentrommeltyp von den urdu- und hindisprachigen Gebieten Nordindiens in zahlreichen Aussprachevarianten regionaler Sprachen bis nach Nepal und Südindien. Eine dravidische (südindische) Sprachwurzel von khanjari gibt es nicht. In der tamilischen Schrift fehlt ein Zeichen, mit dem die Aussprachen von k, g und kh unterschieden werden. In der lateinischen Umschrift wird diese Rahmentrommel in Tamil Nadu daher als kanjira oder ganjira wiedergegeben. Für die südindischen Sprachen Malayalam und Telugu lautet die gebräuchliche Umschrift kanjira und für Kannada khanjira. Der Lautübergang von khanjari zu kanjira in Tamil könnte unter dem Einfluss des tamilischen Wortes kanja („Haut“) und der onomatopoetischen Silbe jira („Glöckchen, Zimbeln“, also „Membran mit Zimbeln“) erfolgt sein.[13]

Unter dem Titel Mīrzānāma („Buch des Mirza“) wird im British Museum in London ein 1739 abgeschriebenes Manuskript aufbewahrt, das um 1660 von einem unbekannten Autor verfasst wurde und von den Aufgaben und Pflichten eines mogulzeitlichen Fürsten (mīrzā) handelt.[14] Darin wird der klassische höfische Gesangsstil dhrupad gewürdigt, während die Spieler der kleinen Fasstrommeln dholak oder dholki und der Rahmentrommel khanjari diskreditiert werden. Beide Trommler gelten demnach als Straßenmusiker, die auf Märkten auftreten, und als dem Bereich der Frauenmusik zugehörig, das heißt als vulgär und effeminiert. Die einzigen (männlichen) Musiker, die laut dem Mīrzānāma im 17. Jahrhundert etwa bei Hochzeiten die beiden Trommeltypen spielten, waren die dhadhis (heute im Punjab Spieler der kleinen Sanduhrtrommel dhadd). Demgegenüber wird die zweifellige Doppelkonustrommel pakhawaj als edles, dem höfischen/klassischen Bereich zugeordnetes Musikinstrument gepriesen. Die stete Beidnennung von dholak/dholki und khanjari lässt vermuten, dass Fasstrommeln und Rahmentrommeln zusammen gespielt wurden.[15]

Beide Trommelkategorien (namentlich dhol, dholak oder dholki und daf, daira oder khanjari) werden häufig in der indischen Mogulmalerei abgebildet, gespielt von Musikerinnen im höfischen Bereich der Frauen. Bei den gemäß islamischer Tradition nach Geschlechtern getrennt durchgeführten Hochzeitsfeiern sollten der strengen Moralauffassung des Mīrzānāma zufolge dholak und khanjari zur Unterhaltung der Frauen und die pakhawaj zur Unterhaltung der Männer gespielt werden. Auf mogulindischen Miniaturen sind hingegen häufig Trommel spielende Musikerinnen und Sängerinnen zu sehen, die bei Hochzeitsfeiern vor der höfischen Männergesellschaft auftreten. Spieler von dholak und khanjari wurden, ob männlich oder weiblich, im 17. Jahrhundert generell den unteren Sozialschichten zugerechnet. Katherine Schofield (2003) zufolge dürfte die Zuordnung dieser beiden Trommeln im Mīrzānāma zum weiblichen Bereich hauptsächlich dazu gedient haben, ihren niedrigen Status festzuschreiben, um die Musiker von der Patronage durch die Fürsten auszuschließen. Eine 1636 datierte Miniatur zeigt hingegen Großmogul Aurangzeb bei seiner Hochzeit umgeben von Musikerinnen und Sängerinnen, die dem Herrscher Glück und Erfolg bringen sollten. Außer bei Festen und Familienfeiern war die Hauptaufgabe der Musikerinnen die Unterhaltung der Frauen im Frauenbereich (Harem) am Hofe.[16]

Auf mindestens einer weiteren Miniatur aus Aurangzebs Regierungszeit sind männliche Musiker (dhadhis) zu sehen, die khanjari bei einem Zusammentreffen (madschlis) der Sufis spielen. Mutmaßlich begleiteten die dhadhis daher im 17. Jahrhundert den religiösen Gesangsstil der Sufis qawwali mit dholak, daf und khanjari. Eine der Miniaturen, die Dara Shikohs (1615–1659) Hochzeit illustriert, zeigt männliche dhadhis mit dholak und khanjari, die weibliche dhadhis begleiten. Fasstrommeln (dhol, dholak) und unterschiedlich große Rahmentrommeln (daf und khanjira) lassen sich auch auf anderen Miniaturen erkennen. Die männlichen Trommler waren in den Ensembles der höfischen Festmusik offenbar als Begleiter den Frauen untergeordnet.[17]

Beschneidungszeremonie für die Söhne Akbars. Miniatur im Akbar-nāma, um 1602. Die beiden Tänzerinnen unterhalb Akbars Thron werden rechts von einem Musiker begleitet, der eine Rahmentrommel mit fünf Schellen spielt. Mutmaßlich unabhängig agieren links unten Musiker mit zwei Kesseltrommelpaaren naqqara und zwei Langtrompeten karna.
Ausschnitt aus einer Miniatur im Padshahnama, 1640er Jahre. Hochzeitsfeier von Dara Shikoh. Musikerinnen mit großen persischen Rahmentrommeln auf den Elefanten, links davon Musiker mit indischen Instrumenten, darunter am äußersten linken Rand neben der dickbauchigen Langhalslaute eine kleine khanjira

Auf den mogulzeitlichen Miniaturen vom Anfang des 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erscheinen Rahmentrommeln, die sich außer in der Größe auch darin unterscheiden, ob sie Zimbeln (drei, vier oder fünf Zimbelpaare) oder keine besitzen und ob sie mit den Händen oder mit gebogenen Stöcken geschlagen werden. Die Zahl der Zimbeln und die Handhabung sind ein Indiz für die Herkunft der Rahmentrommel. Wie zur frühen Mogulzeit die Rahmentrommel in der persischen höfischen Musik aussah, zeigt eine 1531–1533 während der Herrschaft der Safawiden in der iranischen Stadt Täbris entstandene Illustration zur Gedichtsammlung „Diwan des Hafis“. Auf dem mit „Allegorie der diesseitigen und jenseitigen Trunkenheit“ überschriebenen Aquarell sind drei Rahmentrommler um einen Spieler der Spießgeige kamantsche in der Mitte gruppiert. Bei einer Rahmentrommel ist das Fell von oben zu sehen, bei den beiden anderen sind die Unterseite mit vier Zimbelpaaren erkennbar. Die in senkrechter Position unten am Rahmen gehaltenen Rahmentrommeln entsprechen der heutigen iranischen daira. Solche Rahmentrommeln mit vier oder fünf Schellen (persisch dāyera zangī, mit zang, „Glöckchen, Zimbeln, Schellen“), die Mitte des 16. Jahrhunderts in indischen Miniaturen erscheinen, sind demnach als Importe aus der persischen Musikkultur identifizierbar.[18]

Eine Miniatur um 1602 hält die 1573 durchgeführte Beschneidungszeremonie für die drei Söhne Akbars in seinem Palast in Fatehpur Sikri fest. Eine Rahmentrommel mit fünf Schellen begleitet zwei Tänzerinnen, die ihrer Kleidung zufolge aus dem zentralasiatischen Tschagatai-Khanat stammen. Andere Darstellungen ab Anfang des 17. Jahrhunderts zeigen dagegen Musikinstrumente aus der indischen Tradition. Hierzu gehört eine Miniatur in der vom Mogulkaiser Shah Jahan beauftragten Chronik Padshahnama aus den 1640er Jahren, die die Übergabe von Geschenken bei der Hochzeit des Prinzen Dara Shikoh illustriert. Während auf einer Reihe von Elefanten sitzende Frauen große persische Rahmentrommel daf mit fünf Zimbelpaaren und dholak schlagen, ist links davon eine Gruppe indischer Musiker darstellt, die unter anderem indische Langhalslauten seni rabāb (vom Typ der späteren sursingar) und eine kleine khanjari spielen. Möglicherweise ist diese typisch indische khanjari nicht mit flachen Zimbelpaaren, sondern mit runden Schellen ausgestattet.[19]

Umgekehrt wurden persische Rahmentrommeln in traditionell indische Bildmotive übernommen. Einige Miniaturen der Ragamala-Malerei, die sich mit der bildhaften Umsetzung des musikalischen Gefühlsausdrucks eines Ragas beschäftigt, enthalten Musikinstrumente. In manchen Szenen der zu diesem Genre gehörenden Pahari-Schule, die im 18. Jahrhundert blühte, schlagen Musikerinnen auf einer Palastterrasse oder in einem Garten große Rahmentrommeln zur Tanzbegleitung.[20] Als khanjari zu benennen ist eine Rahmentrommel mit nur einer Schelle, die eine Langhalslaute seni rabāb begleitet. Die beiden Musikerinnen auf der Pahari-Malerei von 1790 mit dem Titel Ragini Karnati tragen auf einem luxuriösen Teppich vor einem Palast sitzend nordindische klassische Musik vor, was durch die am Boden liegende, für den klassischen Stil Dhrupad gebrauchte Doppelkonustrommel pakhawaj angedeutet wird. In anderen Ragamalas zum Ragini Karnati spielen pakhawaj und die Laute zusammen. Die Verwendung der khanjari für die nordindische klassische Musik ist ungewöhnlich.[21]

Das zur islamischen Sira-Literatur Bengalens gehörende devotionale Werk Rasul Vijaya der Sufi-Autoren Saiyad Sultan (1550–1648) und Shekh Chand (1650–1725)[22] benennt eine Reihe von Musikinstrumenten, die bei der mittelalterlichen Kriegsführung in Bengalen verwendet wurden. Dazu gehören die Namen dhak (große Fasstrommel), dhol, (große Röhrentrommel), mridanga (Doppelkonustrommel), tabla (Kesseltrommelpaar), dagara (große Trommel), dundubhi (altindische Trommel), khanjari, vina (Langhalslaute), venu (Bambusflöte) und shankha (Schneckenhorn).[23]

In Beschreibungen britischer Kolonialbeamter aus dem 19. Jahrhundert von nordindischen Musikinstrumenten werden die in der Volksmusik gebräuchlichen Rahmentrommeln namentlich unterschieden. In einem Vortrag vor der Royal Irish Academy in den 1860er Jahren erwähnt Oberst Meadows Tylor auch eine – wahrscheinlich große – Rahmentrommel duff, die an einem Gurt um die Schulter gehängt und mit zwei Stöcken bei militärischen Anlässen geschlagen wurde. Der britische Verwaltungsbeamte Baden Henry Baden-Powell veröffentlichte 1872 ein Verzeichnis der handwerklich hergestellten Produkte des Punjab, worin er vier Rahmentrommeln erwähnt: Die tasha aus einem mit Ziegenhaut bespannten Tonkorpus zählt er dazu, obwohl es sich bei diesem Namen um eine flache schalenförmige Kesseltrommel handelt. Die daira als eine große Rahmentrommel ohne Schellen unterscheidet er von der daf, deren Membran an der Unterseite mit vielen Hautstreifen an einem Ring in der Mitte verspannt ist. Nur Mitglieder der niedrigstehenden Dalit-Kaste Chuhra oder Bhanghi (traditionell Straßenkehrer) spielten daf. Die kleine khanjari (khanjri) mit Schellen vergleicht Baden-Powell mit dem europäischen Tamburin. Außerdem erwähnt er eine kleine Rahmentrommel mit Schellen und einem hohen Rahmen als dafli.[24]

In seinem Aufsatz A Treatise on the Music of Hindoostan von 1882 ordnet Captain N. Augustus Willard die Doppelkonustrommel pakhawaj („mridung“), die Fasstrommel dholki und das Kesseltrommelpaar tabla den professionellen Spielern anspruchsvoller Musik zu, die Rahmentrommeln duff („duph“) und daira („daera“) hingegen den Amateurmusikern. Die duff beschreibt er als oktogonale einfellige Rahmentrommel mit 90 Zentimetern Durchmesser und 15 Zentimetern Rahmenhöhe, deren Membran mit vielen Hautstreifen an der Unterseite verspannt ist. Die daira hat einen runden Rahmen aus Holz oder Metall von etwa 30 Zentimetern Durchmesser.[25] Den Namen khanjira erwähnt Willard nicht.

Dass die in Indien verbreiteten Rahmentrommeln im 19. Jahrhundert nur selten von professionellen Musikern gespielt wurden, bestätigt auch Major Charles Russel Day (1891). Seine Beschreibungen der oktogonalen duff und der kleineren daira entsprechen denjenigen von Willard. Außerdem erwähnt er die 90 bis 120 Zentimeter große südindische tamatte (tambattam, „thambatté“), die nur von den niedrigsten Kasten und meist zusammen mit der gebogenen Trompete kombu gespielt wird, und die südindische kanjira („khanjeri“) mit einem Durchmesser zwischen 20 und 23 Zentimeter und einer Rahmenhöhe zwischen 8 und 10 Zentimeter. In den Rahmen der kanjira waren drei oder vier Schlitze für Zimbeln eingeschnitten. Zur Zeit von Day war die kanjira wie die kleinen Rahmentrommeln im Norden ein einfaches Instrument für die Volksmusik. Sie wurde zusammen mit dem als Borduninstrument gebrauchten Dudelsack sruti upanga zur Begleitung religiöser Lieder (bhajans, bei Day „bhazana“, hiervon abgeleitet lautet der alte Name für den Dudelsack „bhazana-sruti“) und zur Begleitung von Nautch-Tänzen eingesetzt.[26] Nautch waren schöne Mädchen, die anfangs zur Unterhaltung an Mogulhöfen tanzten. Die kleine Rahmentrommel gelangte also mitsamt ihrer musikalischen Verwendung aus dem Norden in den Süden. Die Übernahme der kanjira als zweites rhythmisches Begleitinstrument in die klassische südindische Musik begann erst Ende des 19. Jahrhunderts und ist das Verdienst von Manpoondia Pillai (1859–1922), dem Begründer der Pudukkottai-Schule des Trommelspiels.[27]

Die Panan sind eine gesellschaftlich am untersten Rand stehende Kaste in Südindien, die zu den Paraiyar gehört (deren Name auf die Sozialgruppe Paria überging). Mit ihrer mit zwei Stöckchen geschlagenen kleinen Rahmentrommel parai, die auf eine alte südindische Tradition zurückgeht, treten sie bei magisch-religiösen Ritualen und bei Begräbnisfeiern auf. Auf einer 1914 von Arthur Henry Fox Strangways veröffentlichten Fotografie sind zwei Panan im Norden Keralas zu sehen, die den Angaben zufolge bei einem Besessenheitsritual teyyam auftreten. Einer von beiden schlägt mit der rechten Hand eine kleine Rahmentrommel, die Strangways mit dem umschreibenden Namen chakravadya bezeichnet (aus Sanskrit chakra, „Scheibe, Kreis, Diskus“, und vadya, „Musikinstrument“) und die seiner Erklärung zufolge und nach der Spielweise einer kanjira entspricht.[28]

Bauform

Khaijadi in Nepal

Trommeln werden in der indischen Musikinstrumentenklassifikation den avanaddha vadya („mit Haut bedecktes Musikinstrument“) zugeordnet. K. S. Kothari (1968) unterscheidet in seiner nur für indische Musikinstrumente gedachten Einteilung bei den Rahmentrommeln einen „Khanjari-Typ“ von einem „Duff-Typ“. Die Gemeinsamkeiten beider Typen sind: Alle haben nur eine Membran. Diese ist mit Schnüren verspannt oder am Rahmen festgeklebt. Sie werden mit einer Hand gehalten und mit der anderen geschlagen. Beide Typen sind in ganz Indien verbreitet. Als Unterschied nennt Kothari nur die bei khanjari häufig angebrachten Zimbeln. Falls vorhanden, sind in drei oder vier Schlitze im Rahmen zwei oder mehrere runde Metallscheiben (Zimbeln) beweglich eingesetzt, sodass sie beim Schütteln gegeneinanderschlagen. P. Sambamurthy (1952) erwähnt außerdem am Rahmen der kanjira befestigte Bündel von kleinen Fußschellen gejjai.[29] Heutige südindische kanjira besitzen nur einen Schlitz für Zimbeln.

Von den in der Sammlung der Sangeet Natak Akademi in Neu-Delhi befindlichen khanjari listet Kothari einige in der nordindischen Volksmusik von Dalits und niedrigstehenden Kasten gespielte Exemplare mit Durchmessern von 13, 16 (mit Schellen), 17, 20 und 25 Zentimetern (mit Schellen) auf. Allgemein beträgt der Durchmesser der khanjari zwischen 13 und 25 Zentimetern. Die Durchmesser der gelisteten größeren duff in Nordindien betragen 35, 36 und 52 Zentimeter (alle drei ohne Schellen).[30] Ungeachtet regionaler Unterschiede gibt S. Krishnaswami (1971) den Durchmesser einer typischen khanjari mit etwa 25 Zentimetern und die Höhe des hölzernen Rahmens mit etwa 7 Zentimetern an.[31]

Der Rahmen wird dickwandig und an der Außenseite leicht gewölbt aus einem Stück Holz des Jackfruchtbaums hergestellt. Die früher in Handarbeit herausgeschälten Rahmen waren nicht genau kreisrund, heute werden sie immer noch von Hand, aber gleichmäßig mit einer Drechselbank angefertigt. Das relativ leichte, mittelharte und formbeständige Jackfruchtbaumholz wird auch für die Herstellung von größeren Röhrentrommeln bevorzugt. Heute gibt es auch industriell hergestellte Rahmen aus anderen Materialien und mit Metallspannringen.

Waranhaut einer khanjani aus Odisha

Die allgemein traditionell aus Waranhaut bestehende Membran wird über den Rahmen gespannt und am Rand angeklebt oder genagelt. Verwendet wird die glatte Bauchhaut der Tiere. Indien ist die Heimat von vier Waranarten. Von diesen ist der Bengalenwaran in ganz Südasien am weitesten verbreitet, während der Gelbwaran das gesamte nordindische Verbreitungsgebiet der khanjari vom Punjab bis Bangladesch bewohnt. Die Haut beider Arten steht damit am ehesten zur Verfügung. Der Verzehr von Waranfleisch bei manchen Sozialgruppen und der Gebrauch von Teilen der Warane für die Unani-Medizin haben eine lange Tradition. Seit 1972 stehen Warane jedoch im indischen Wild Life (Protection) Act, 1972 auf der Liste der geschützten Tierarten. Die Jagd auf Warane ist seitdem illegal, ebenso der Handel mit allen vier Arten.[32] Dennoch wird die Jagd auf Warane von einigen Dorfbewohnern hauptsächlich wegen des Fleisches weiterhin betrieben. Als Folge dieses Gesetzes ist offiziell auch der Handel von mit Waranhaut bespannten khanjari verboten, was den Händlern in städtischen Musikgeschäften eine gewisse Diskretion auferlegt.[33] Wie die indische Tageszeitung The Tribune unter Berufung auf Umweltschützer meldet, wurden im Jahr 2004 bei einem fünftägigen religiösen Fest der hinduistischen Sekte Mahima Dharma in Joranda im Bundesstaat Odisha mindestens 5000 khanjani an die Teilnehmer verkauft. Die Rahmentrommeln waren demnach mit Häuten vom Bengalenwaran oder Gelbwaran bespannt.[34]

Die Verwendung von Waranhaut als Membran für die khanjari wird mit deren besonderen Eigenschaften begründet. Bei zweifelligen Röhrentrommeln und Kesseltrommeln, die mit Ziegen-, Reh- oder Rindshaut bespannt sind, komprimiert die Membranschwingung periodisch die Luft im Innern des Korpus zur Klangverstärkung. Die Membran einer Rahmentrommel gibt ihre Schwingungen direkt an die Umgebungsluft ab. Bei der an der Unterseite offenen khanjari sorgt die besondere Faserstruktur der Waranhaut für den mit einer anderen Membran nicht erreichbaren voluminösen Klang. Erwünscht ist außerdem ein möglichst geringer Nachklang (trockener Schlag) der mit einem tiefen, dumpfen Ton klingenden Membran, denn die Schläge sollen dennoch in schneller Folge klar zu hören sein. Damit ist ein guter Spieler in der Lage, mit einer Hand auf der khanjari dieselben Schlagfolgen zu produzieren, für die bei anderen Trommeln beide Hände eingesetzt werden. Seit den 1990er Jahren fertigt das US-amerikanische Unternehmen Remo Kunststoffmembranen für die kanjira, die von westlichen Musikern bevorzugt werden. Im Jahr 2010 führte Remo eine Mylar-Membran ein, die mit der Struktur einer Waranhaut bedruckt ist.[35] Den klanglichen Gegensatz zu den relativ zu ihrer geringen Größe tief tönenden khanjari bilden kleine Rahmentrommeln ohne Schellen, die dem Klangideal der orientalischen tar entsprechend hoch und hart tönen und nach einem aus Maharashtra stammenden Volksmusikinstrument dimdi genannt werden.[36]

Die in die Schlitze im Rahmen eingesetzten Zimbeln sind runde Metallscheiben mit einem Loch in der Mitte. Der Schlitz muss so breit sein, dass sich zwei auf einen Metallstift aufgespießte Scheiben frei bewegen können. Verwendbar für die Zimbeln sind Abschnitte von Fahrradspeichen als Achse und abgesehen von anderen Metallscheiben alte indische Paise-Münzen mit einer geeigneten Kupfer-Nickel-Legierung.[37] Eine im Museum der Sangeet Natak Akademi aufbewahrte khanjari aus dem Bundesstaat Gujarat besitzt eine aufgenagelte Membran und 13 in den Rahmen eingesetzte Scheibenpaare aus Messing.[38]

Verbreitung und Spielweise

Rajasthan

Im nordwestindischen Bundesstaat Rajasthan sind die Kalbelia, eine in der Wüste Thar umherziehende Stammesgruppe, als Volkstänzer und Schlangenbeschwörer bekannt. Zur Begleitung ihrer Aufführungen verwenden sie die Schlangenbeschwörertröte pungi (been) und eine khanjari mit einem hölzernen Rahmen, der mit Waranhaut beklebt ist. Als weiteres Utensil benötigen die Kalbelia für ihre Schlangenbeschwörer-Aufführungen einen geflochtenen Korb als Transportbehälter für die Schlangen, aus dem sie, wenn er angestoßen wird, hervorkommen und sich frei in der Umgebung aufhalten. Die Schlangen bewegen sich den optischen Reizen folgend, nicht nach der Musik. Bei einer Been Party treten üblicherweise sieben Schlangenbeschwörer (sapera) zusammen auf, jeder mit einem eigenen Musikinstrument. Sie werden zur Unterhaltung bei Hochzeiten und anderen festlichen Anlässen eingeladen. Zu ihren Musikinstrumenten gehören pungi, die große Fasstrommel dhol, die Zupftrommel tumba und khanjari.[39]

Eine andere, etwas kleinere Rahmentrommel der Kalbelia, die ebenfalls aus Jackfruchtbaumholz besteht und mit Waranhaut bespannt ist, heißt dafli (daphli). Wenn die Frauen und Männer Volkslieder und devotionale Lieder singen, werden sie von Männern mit pungi, khanjari, dafli, Bronzezimbeln manjira und Holzklappern kartal begleitet. Bei Tanzdarbietungen spielen die Kalbelia neben pungi, khanjari und dafli auch die Fasstrommel dholak und Harmonium.[40] Die Volkslieder und Tänze der Kalbelia wurden 2010 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.[41]

Laut Dick/Dournon (2014) werden beide Trommeln als khanjari bezeichnet. Eine besteht demnach aus einem hölzernen Rahmen mit 22 Zentimetern Durchmesser und einer Höhe von 5 Zentimetern, der mit Zimbeln ausgestattet und auf den eine Membran aus Schafs- oder Rindshaut aufgenagelt ist. Die andere Trommel besitzt einen schweren, leicht konischen Korpus mit einer aufgeklebten Membran aus Schlangenhaut.[42]

Nepal

Gurung in Nepal spielen die Rahmentrommel khaijadi

Eine der regional in Volksmusikstilen vorkommenden Rahmentrommeln in Nepal ist die in unterschiedlichen Größen hergestellte khanjari, nepalesisch auch khaijadi. Die khaijadi besteht aus einem hohen hölzernen Rahmen, der sich zur Unterseite konisch verjüngt und der mit einer Membran aus Waranhaut bespannt ist. Die Membran wird über den Rahmen gespannt und mit einer dichten Reihe von Holzstiften entlang der oberen Kante fixiert. Teilweise sind kleine Schellen oder Metallscheiben (Bronzezimbeln, jhilke) in mehreren Schlitzen am Rahmen befestigt. Die khaijadi wird wie die indischen khanjari mit der linken Hand gehalten und mit den Fingern der rechten Hand geschlagen. Weit verbreitet ist ihr Einsatz für die Begleitung devotionaler Lieder (bhajans) bei Dorffesten.[43]

Bei bhajans kann die khaijadi Ballingen/Bajracharya (1960) zufolge die Fasstrommel dholak und die Bambusquerflöte basuri (entsprechend der indischen bansuri, auch murali oder baye) begleiten. Ansonsten wird sie solistisch gespielt. Die beiden Autoren beschreiben eine besondere Spielweise einer Variante der khanjari, deren Rahmen mit einer dicken Wachsschicht überzogen ist. Der Musiker schlägt die Trommel nicht, sondern presst eine Hand auf die Membran und streicht mit dem Daumen über die durch das aufgetragene Wachs rau gewordene Oberfläche des Rahmens. Damit produziert er ein schrapendes Geräusch und mit den Vibrationen bringt er die Zimbelscheiben zum Klingen.[44]

Hauptsächlich verbreitet ist die khanjari bei den Gurung, Magar und weiteren Ethnien im mittleren Westen Nepals. Mit größeren khanjari begleiten diese Ethnien bei Festveranstaltungen vor allem die Volkstänze chudka und kauda. Für ihre devotionalen Lieder verwenden die Mitglieder der Brahmanen- und Kshatriya-Kaste kleinere khanjari.[45]

Eine andere Rahmentrommel der Gurung, die mit der tibetischen Musikkultur in Verbindung steht, ist die zu den Stieltrommeln gehörende zweifellige rnga (nah, auch ngaa), die in religiösen Ritualen verwendet wird.[46] Ngaa heißt bei den Gurung auch eine einfellige, mit Ziegenhaut bespannte Rahmentrommel ohne Stiel mit 45 Zentimetern Durchmesser.[47]

Ähnlich wie bei der khaijadi wird die Membran der von den Tamang gespielten Rahmentrommel dambaa (damphu) mit Bambusstiften am Rand befestigt. Ihr Durchmesser beträgt 45 Zentimeter.[48] Denselben Durchmesser besitzt die kinnari baja der Kingari-Kaste im Terai. Ihre Membran ist am Rand aufgeklebt. An einer Stelle des Rahmens, die beim Spiel nach unten gehalten wird, hängen einige Schellen (ghungru) herab.[49] Weitere Rahmentrommeln in Nepal haben eine genagelte oder gegen die Unterseite verschnürte Membran.

Ostindien, Nordostindien

Bengalischer Musiker mit einer khanjani. Abbildung in François Balthazar Solvyns, 1799
Khanjani-Spieler beim jährlichen hinduistischen Ratha Yatra-Fest vor dem Lingaraja-Tempel in Bhubaneswar, Odisha

Die in Bengalen und Odisha khanjani genannte kleine Rahmentrommel misst nur etwa 13 Zentimeter im Durchmesser bei einer Rahmenhöhe von 8 Zentimetern. Im schweren Korpus aus Jackfruchtbaum- oder Neembaumholz sind mehrere Zimbeln eingesetzt.[50] In Odisha begleitet diese Rahmentrommel einen Typus von devotionalen Liedern, die als khanjani bhajans bekannt sind. Sie gehören zur Kultpraxis der von Mahima Gosain in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründeten hinduistischen Sekte Mahima Dharma, deren religiöses Zentrum sich in Joranda im Distrikt Dhenkanal befindet.[51] Die Sänger begleiten diese Form der gemeinschaftlich gesungenen bhajan rhythmisch mit mehreren khanjani und kleinen Handzimbeln manjira. Für die Liedgattung khanjani bhajan oder odia kirtan in Odisha unter der Leitung eines Vorsängers werden Doppelkonustrommeln (pung, khol) und Kesseltrommeln verwendet.[52]

Dem flämischen Maler und Ethnographen François Balthazar Solvyns (1760–1824), der von 1791 bis 1803 in Calcutta lebte, ist die erste systematische Darstellung der bengalischen Alltagskultur zu verdanken, die er in zahlreichen farbigen Zeichnungen festhielt. Die Musiker mit ihrer als exotisch empfundenen Musik stellte er mehrheitlich als Mitglieder der unteren Kasten dar. Unter den 35 Tafeln zu Musikinstrumenten in seinem 1799 veröffentlichen Werk[53] zeigt er in Tafel 170 eine „Khunjery“.[54] Dazu schreibt Solvyns, das Musikinstrument werde vor allem von Fakiren verwendet, von vishnuistischen Gruppen und von „Kawns“. Eine mit diesem Namen bezeichnete Gruppe ist unbekannt, vielleicht war Hindi gayan („Sänger“) gemeint. Solvyns zufolge handelte es sich um Gruppen von Erwachsenen und Kindern, die als Straßenmusiker mit der khanjari oder mit der Doppelkonustrommel khol in einem ländlichen Dialekt Lieder sangen. Sie hätten eine gewisse Affinität zu Muslimen und unterschieden sich von den Hindus.[55]

Die Bauls sind eine religiöse Gemeinschaft und Musikerkaste in Ostindien, die einen eigenen Gesangsstil und eine eigene religiöse Tradition pflegen. Solvyns Beschreibung passt auf sie. Neben ihren typischen Musikinstrumenten, der Zupftrommel ektara, der Zupflaute dotara, der Bambusquerflöte banshi, der kleinen Kesseltrommel duggi und der khol verwenden sie als kleinere Perkussionsinstrumente die Zimbeln manjira, die Klapper kartal, die khanjari und bei Tänzen die Fußschellen ghungru.[56]

In Nordostindien gibt es zahlreiche Arten von Zylindertrommeln und Doppelkonustrommeln wie die pung, wenige kleine schalenförmige Kesseltrommeln, aber kaum Rahmentrommeln. Eine Ausnahme stellt eine große zweifellige, mit Stöcken geschlagene Rahmentrommel im Bundesstaat Manipur dar, die ihrer Spielweise und Verwendung nach eher zur Gruppe der zylindrischen großen Trommeln gehört.[57] Außerdem wird aus Manipur über eine runde einfellige Rahmentrommel dafat und eine oktogonale einfellige Rahmentrommel khanjari (khanjuri) berichtet. Die khanjari ist mit Schellen behängt. Beide Rahmentrommeln werden etwa beim Frühlingsfest Holi für den Gesang von sankirtan und zur Begleitung von klassischen Meitei-Tänzen (cholom) verwendet.[58] Je nach Trommel, mit der die Tänzer ihre Bewegungen ausführen und sie zugleich schlagen, heißen die Tänze pung cholom (bekanntester, expressiver Tanzstil), seltener dafat cholom oder khanjari cholom.[59]

In der in den Bundesstaaten Bihar und Uttar Pradesh gelegenen Sprach- und Kulturregion Bhojpuri wird das Volksliedgenre chowtal gepflegt, bei dem der Wechselgesang des sich jeweils in einer Reihe gegenübersitzenden Chors von einer Fasstrommel dholak und den Zimbeln jhal begleitet wird. In diesem Stil wird etwa das epische Gedicht Ramcharitmanas des Dichters Tulsidas (um 1532–1623) gesungen. Im verwandten Stil khajri git (auch khanjari git, „Rahmentrommel-Gesang“) tragen die Sänger bhajans des Mystikers Kabir (1440–1518) vor und begleiten sich auf Rahmentrommeln khajri (khanjari). Wie die aus dieser Region stammende flache Kesseltrommel tasha und der als Idiophon verwendete Eisenstange dhantal gelangte die khanjari zusammen mit den musikalischen Genres aus dieser Region im 19. Jahrhundert in die Karibik und in den Nordosten Südamerikas, wo der Stil khanjari git bei der indischen Bevölkerung in Suriname bekannt ist.[60] Die khanjari (khandjari) gehört in Suriname zur Gruppe der aus Indien stammenden Musikinstrumente.[61]

Literatur

Commons: Khanjani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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