Kwietniewo

Siedlung in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Kwietniewo (deutsch Königsblumenau, bis 9. Juli 1931 Königlich Blumenau,[2] früher auch Blumenau[3]) ist ein Dorf im Powiat Elbląski (Kreis Elbing) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Das Dorf gehört zur Landgemeinde Rychliki (Reichenbach).

Kirche in Kwietniewo
Schnelle Fakten Basisdaten, Wirtschaft und Verkehr ...
Kwietniewo
?
Kwietniewo (Polen)
Kwietniewo (Polen)
Kwietniewo
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Elbląg
Gmina: Rychliki
Geographische Lage: 53° 58′ N, 19° 27′ O
Einwohner: 213 (2021[1])
Postleitzahl: 14-411
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NEB
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 527: DzierzgońRychlikiPasłękMorągOlsztyn
Święty Gaj → Kwietniewo
Eisenbahn: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Schließen

Geographische Lage

Das Kirchdorf liegt im ehemaligen Ostpreußen, etwa 17 Kilometer südwestlich von Pasłęk (Preußisch Holland), zehn Kilometer nordöstlich von Dzierzgoń (Christburg) und fünf Kilometer südwestlich von Rychliki (Reichenbach).

Geschichte

Königsblumenau, vor 1931 Blumenau oder Königlich Blumenau, auf einer historischen Landkarte aus der Zeit um 1900

Ortsname

Ältere Ortsbezeichnungen sind „Blumenberg“, „Blumenau“ und – nach 1785 – „Königlich Blumenau“, denn es gab im Kreisgebiet Preußisch Holland noch einen weiteren Ort gleichen Namens: Adlig Blumenau (nördlich von Preußisch Holland). Dieser nannte sich ab 1928 „Blumenau“ (ohne Zusatz), weshalb 1931 Königlich Blumenau die Namensänderung in „Königsblumenau“ vornahm.

Ortsgeschichte

Der seinerzeit „Blumenberg“ genannte Ort war ein Kirchdorf und wurde im Jahre 1299 gegründet.[4] Es wurde berichtet, dass Heinrich, der Komtur von Christburg am 28. September 1299 dem Ort die Handfeste erteilte.[5] Im Jahre 1437 taucht der Ortsname auch im Zinsbuch des Deutschen Ordens auf.

Blumenberg resp. Blumenau war im Jahre 1785 ein cöllmisches Dorf mit 49 Feuerstellen.[5] Es war Eigentum des Königs, hatte eine lutherische Pfarrkirche, deren Filialkirche die in Heiligenwalde war, und gehörte zum Domänen-Amtsbezirk Dollstädt[3] im neunten Distrikt des Königsberger Departements.[6]

35 Feuerstellen bei 131 Einwohnern gab es im Jahre 1820 in Königlich Blumenau.[5] Die Zahl der Einwohner stieg bis 1885 auf 320 und belief sich im Jahre 1910 auf 285.

Am 30. September 1928 vergrößerte sich Königlich Blumenau um die Nachbarorte Mehlend und Stein, die eingemeindet wurden. Die Einwohnerzahlen dieser neu formierten Gemeinde beliefen sich im Jahre 1933 auf 648 und im Jahre 1939 auf 725.[7]

Das Dorf Königsblumenau gehörte im Jahre 1945 zum Kreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs. Bis 1945 war es Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Königsblumenau seitens der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die einheimischen Dorfbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben oder an der Rückkehr gehindert.

Seit 1945 trägt Königsblumenau die polnische Namensform „Kwietniewo“. Das Dorf gehört jetzt zur Gmina Rychliki im Powiat Elbląski, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Elbląg, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 zählte Kwietniewo 213 Einwohner.[1]

Amtsbezirk Königlich Blumenau/Königsblumenau (1874–1945)

Am 28. Mai 1874 wurde im Kreis Preußisch Holland der Amtsbezirk Königlich Blumenau errichtet, der ab 9. Juli 1931 in „Königsblumenau“ umbenannt wurde:[2]

Weitere Informationen Deutscher Name, Polnischer Name ...
Deutscher NamePolnischer NameAnmerkungen
Königlich Blumenau, 1931–45:
Königsblumenau
Kwietniewo
MehlendNielęgowo1928 nach Königlich Blumenau eingemeindet
SteinDymnik1928 nach Königlich Blumenau eingemeindet
ab 1937:
JankendorfJankowobis 1937 zum Amtsbezirk Jankendorf zugehörig
KrapenKrupinbis 1937 zum Amtsbezirk Jankendorf zugehörig
Schließen

Religion

Kirchengebäude

Die Kirche im damaligen Blumenberg wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut.[8][9] Es handelt sich um einen chorlosen Feldstein- und Ziegelbau mit einem Staffelgiebel im Osten.[10] Der vorgelegte westliche Holzturm ruht auf massivem Fundament und stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Der Innenraum der Kirche hat eine gewölbte Holzdecke.[10] Der barocke Altar mit reichem Schnitzwerk entstand im Jahre 1685. Er wurde mit der mit bemalten Füllungen versehenen Kanzel vom Anfang des 17. Jahrhunderts zum Kanzelaltar vereinigt. Beiderseits des Altars befinden sich Stände und Emporen.

Von der ein gotischen Ausstattung blieb ein Schnitzaltar von 1510 mit einer stehenden Madonna mit Jesuskind erhalten. Aber auch ein Altarleuchter aus Messing von 1649 sowie ein Messingskronleuchter mit Doppeladler blieben erhalten.[9] Der Taufstein ist reich vergoldet, die Orgel steht im Osten und stammt von 1819, und das Geläut besteht aus zwei Glocken.[8]

Bis 1945 war das Gotteshaus eine evangelische Pfarrkirche. Bereits in den ersten Nachkriegsjahren wurde sie von den vielen polnischen Neusiedlern meist römisch-katholischer Konfession genutzt. Sie erhielt den Namen der Erhöhung des Heiligen Kreuzes (polnisch Podwyźszenia Krzyźa Świętego) und ist seit 1971 wieder eine Pfarrkirche.[11]

Kirchengeschichte

Die Kirche im damals Blumenberg genannten Dorf wurde 1299 von der Komturei Christburg gegründet.[8] Im Jahre 1321 wurde hier ein Pfarrer Hermannus genannt, im Jahre 1324 ein Pfarrer Hinrich, und im Jahre 1408 der Name des Pfarrer Andris.[5] Im Zuge der Reformation nahm die Gemeinde um 1525 das lutherische Bekenntnis an.

Evangelische Kirche

Blumenau gehörte in den Jahren 1720/25 zum Amt Liebemühl, Königlich Blumenau war 1789 in die Inspektion Saalfeld eingegliedert. Zur Inspektion Preußisch Holland gehörte das Kirchdorf in den Jahren 1854 und 1916, und schließlich bis 1945 zum Kirchenkreis (auch: Diözese) Prueßisch Holland.[12]

Die Kirche war königlichen Patronats.[8] Königsblumenau war und blieb Pfarrsitz auch als die Kirchengemeinde mit der des Nachbardorfs Heiligenwalde zur Vereinigten Kirchengemeinde zusammengeschlossen wurde.[13] Im Jahre 1925 zählte das vereinigte Kirchspiel Blumenau-Heiligenwalde 3.708 Gemeindeglieder, von den 2.806 zum Sprengel Blumenau (Königsblumenau) und 902 zum Sprengel Heiligenwalde gehörten.

Flucht und Vertreibung der einheimischen meist evangelischen Bevölkerung setzten der Kirchengemeinde in Königsblumenau ein Ende. Nach 2945 gehören hier lebende evangelische Einwohner zur St.-Georgs-Kirche in der Stadt Pasłęk. Sie ist eine Filialkirche der Pfarrei in Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspiel:
Zum Sprengel Königsblumenau im Kirchspiel Blumenau-Heiligenwalde gehörten die Orte:[13]

Weitere Informationen Deutscher Name, Polnischer Name ...
Deutscher NamePolnischer NameDeutscher NamePolnischer Name
Alt DollstädtStare DolnoNeu DollstädtNowe Dolno
(Alt) PowundenPowodowo(Neu) PowundenPowodowo
(Königlich) Blumenau
1931–1945: Königsblumenau
mit Heinrichsdorf
Kwietniewo

mit Włosieniec
(Ober) KrapenKrupin
Groß BrodsendeBrudzędyOpittenWopity
Hohendorf-WaldWysoki BórPetersdorfWójtowa Góra
(Hohendorfer) GrundmühleGrądowy MłynRossittenRejsyt<
KerschittenKiersitySteinDymnik
MehlendNielęgowo(Unter) KrapenKrupin
Schließen

Pfarrer:
An der Pfarrkirche Blumenau mit der Filialkirche Heiligenwalde waren als evangelische Geistliche tätig:[14]

  • Georg Henserat, 1542/1554
  • Michael Trischelius, 1600
  • Michael Meltzer, 1604–1619
  • Michael Wannowius, 1621–1626
  • Ambrosius Doblin, 1635/1658
  • Johann Wilckowius, ab 1660
  • Christian Wilckowius, 1690–1727
  • Levon Jonathan Gensmer, 1729–1734
  • Christian Kern, 1734–1750
  • Georg Schwidder, 1751
  • Johann Corsepius, 1751–1685
  • Christoph Hompe, 1766–1787
  • Samuel Chr. Dittmann, 1787–1824
  • Karl August Schubert, ab 1824
  • Eduard Wilhelm Anderson, 1837–1870
  • Gustav David Nitze, 1843–1847
  • Johann Gottfr. Im. Schäfer, 1870–1890
  • Julius Fr. W.A. Meinhold, 1890–1913
  • Reinhold Theo. Dembowski, 1914–1928
  • Wolfgang Toepel, 1929–1945

Römisch-katholische Kirche

Bis 1945 gehörten die römisch-katholischen Einwohner in Königsblumenau zur Pfarrei in Christburg im Dekanat Elbing im damaligen Bistum Ermland.

Nach 1945 wurde die bisher evangelische Pfarrkirche ein römisch-katholisches Gotteshaus, das der Erhönung des Hl. Kreuzes geweiht wurde. Am 15. Juli 1971 errichtete hier das Bistum Elbląg eine eigene Pfarrei innerhalb des Dekanats Dzierzgoń.[11] Der Pfarrkirche in Kwietniewo ar nun auch wie früher die Filialkirche in Święty Gaj zugeordnet.

Pfarrei:
Zur Pfarrei Kwietniewo gehören die Orte:[11]

Weitere Informationen Polnischer Name, Deutscher Name ...
Polnischer NameDeutscher NamePolnischer NameDeutscher Name
DymnikSteinPowodowoPowunden
JankowoJankendorfProtowoProthen
KiersityKerschittenSójkiKöxten
KrupinKrapen
(Ober-/Unter Krapen)
Stare DolnoAlt Dollstädt
Kwieniewo(Königlich) Blumenau
1931–45: Königsblumenau
ŚwidySchweide
mit Milcherei
Nowe DolnoNeu DollstädtŚwięty GajHeiligenwalde
Schließen

Pfarrer:
Katholische Geistliche an der Kirche in Kwietniewo:

  • Jan Suwała, bis 1958
  • Jan Grądzki, 1958–1963
  • Witold von Gott, 1963–1973
  • Adam Tylutki, 1974–1983
  • Ryszard Szramka, 1983–1990
  • Janusz Kilian, 1990–1995
  • Jacek Neumann, 1995–1999
  • Mirosław Masztalerek, 1999–2005
  • Mirosław Bułecki, 2005–2015
  • Piotr Łatacz, seit 2015

Verkehr

Kwietniewo liegt an der verkehrsreichen Woiwodschaftsstraße 527, die die Städte Dzierzgoń, Pasłęk, Morąg und Olsztyn miteinander verbindet. Eine vom Nachbarort Święty Gaj kommende Nebenstraße endet in Kwietniewo.

Für Kwietniewo besteht kein Anschluss mehr an den Bahnverkehr. Von 1893 bis 1945 war Blumenau resp. Königsblumenau Bahnstation am Abschnitt Elbing–Miswalde der Bahnstrecke von Elbing über Osterode (Ostpr.) nach Hohenstein.[15][16] Die Bahnstrecke existiert nicht mehr, die Bahnanlagen wurden zwischenzeitlich demontiert.

Persönlichkeit

  • Gustav Hübner (1920–?), deutscher Bergmann und Politiker, wurde in Königlich Blumenau geboren und wuchs hier auf

Literatur

  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 445 (Google Books).
Commons: Kwietniewo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI