LYRM-Protein

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Proteine mit einem Leucin-Tyrosin-Arginin-Motiv, auch LYRM-Proteine oder kurz LYRMs genannt, sind eine Superfamilie kleiner (11–22 kDa), basischer, überwiegend mitochondrialer Proteine, die ausschließlich in Eukaryoten vorkommen und nach ihrem konservierten LYR-ähnlichen Motiv nahe dem N-Terminus benannt sind.[1][2] Sie fungieren als akzessorische Untereinheiten oder Assemblierungsfaktoren der OXPHOS-Komplexe I, II, III und V und spielen eine wesentliche Rolle bei der Biogenese von Eisen-Schwefel-(Fe–S)-Clustern, der mitochondrialen Translation, der Funktion des elektronentransferierenden Flavoproteins (ETF) sowie im Acetatstoffwechsel.[3][1] Die meisten LYRM-Proteine sind für ihre Funktion von der mitochondrialen Fettsäuresynthese (mtFAS) abhängig, da sie allosterisch aktiviert werden, wenn sie mit dem acylierten mitochondrialen Acyl-Carrier-Protein (Acyl-mtACP) binden.[4] Es wird vermutet, dass sich dieser Mechanismus evolutionär entwickelt hat, um Zellen vor den toxischen Wechselwirkungen von Eisen und Sauerstoff zu schützen.[5]

Beispiel eines LYRM-Proteins (humanes LYRM4/ISD11) mit Hervorhebung des konservierten LYR-Motivs (rot) und des konservierten Phenylalaninrests (magenta) vom Drei-α-Helix-Bündel.

Merkmale

LYRM-Proteine bilden eine konservierte Familie kleiner mitochondrialer Proteine, die durch ihre Sequenzhomologie zur Complex1_LYR-like-Superfamilie (Pfam-Clan CL0491[6]) definiert ist. Diese Superfamilie wurde durch bioinformatische Analysen identifiziert und von P. Coggill (EMBL-EBI) kuratiert.[2][7] Die Familie wurde ursprünglich anhand von LYRM4 definiert, das die Cystein-Desulfurase NFS1 innerhalb der mitochondrialen Eisen-Schwefel-Cluster-(ISC)-Assemblierungsmaschinerie stabilisiert.[8] Das alleinige Vorhandensein eines LYR-Tripeptids ist jedoch nicht ausreichend, um ein Protein als LYRM zu klassifizieren, da hierfür zusätzlich weitere konservierte Aminosäurereste vorhanden sein müssen.[2] Mitglieder dieser Proteinfamilie weisen folgende charakteristische Merkmale auf:

  • Sequenzmerkmale:
    • ein konserviertes LYR-ähnliches Motiv nahe dem N-Terminus (z. B. LYR, LYK, LFK, TFR),[2]
    • zusätzliche konservierte Aminosäurereste stromabwärts des Motivs:
  • Strukturmerkmale:
    • strukturelle Homologie, gekennzeichnet durch ein konserviertes Drei-α-Helix-Bündel,[1]
    • ein durch das Drei-α-Helix-Bündel gebildeter hydrophober Kanal, der die Fettsäurekette des acylierten mtACP aufnimmt (Ausnahme: FMC1)
  • Allgemeine Eigenschaften:
    • eine geringe Proteingröße (11–22 kDa),[2]
    • einen basischen isoelektrischen Punkt (pI ≈ 9–11),[2]
    • ein ausschließliches Vorkommen in Eukaryoten.[1]

Diese Eigenschaften unterscheiden LYRM-Proteine von dem weiter gefassten Begriff „LYR-Proteine“, der von einigen Autoren in der Vergangenheit für Proteine verwendet wurde, die ein LYR-Tripeptid enthalten—ein Motiv, das häufig in mitochondrialen Proteinen wie SDHB, NDUFAF3 oder mitochondrialen ribosomalen Proteinen vorkommt—jedoch nicht die zusätzlichen definierenden Merkmale der LYRM-Familie aufweisen.[2]

Vorkommen und Synthese

LYRM-Proteine kommen ausschließlich in Eukaryoten vor, unterscheiden sich jedoch zwischen den Spezies.[1] Während LYRM-Proteine bei anaeroben Eukaryoten verloren gegangen sind oder nur in Form von LYRM4 erhalten sind, kommen beim Menschen zwölf LYRM-Proteine vor.[1] Mit Ausnahme von LYRM3 und LYRM6, die in den mitochondrialen Komplex I integriert sind, handelt es sich bei LYRM-Proteinen um lösliche, in der Matrix lokalisierte Proteine.[9] Allen LYRM-Proteinen ist gemeinsam, dass sie bei mitochondrialen Zielkomplexen vorkommen, die Eisen-Schwefel-Cluster enthalten, synthetisieren oder funktionell mit ihnen verbunden sind, wie dem elektronentransferierenden Flavoprotein und dem Mitoribosom.[5] Einzig FMC1 kommt bei einem Zielkomplex ohne Eisen-Schwefel-Cluster vor, Komplex V, der jedoch mit der mitochondrialen Eisenaufnahme in Verbindung gebracht wird.[5]

LYRM-Proteine werden im Cytosol durch Ribosomen synthetisiert, nachdem sie aus nukleärer DNA transkribiert wurden, und anschließend in die Mitochondrien importiert.[1] Einige Mitglieder wurden aber auch im Cytosol und im Zellkern identifiziert.[2]

Interaktion mit mitochondrialem Acyl-Carrier-Protein

Humanes LYRM4/ISD11 (grün; LYR-Motiv in Rot, Phenylalaninrest in Magenta) im Komplex mit Cystein-Desulfurase NFS1 (grau) und acyliertem E. coli Acyl-Carrier-Protein (Acyl-ACP; Protein in Dunkelblau, 4'-Phosphopantethein-Gruppe in Hellblau und C12-Fettsäurekette in Gelb). Das Drei-α-Helix-Bündel von LYRM4 bildet einen hydrophoben Kanal, in den die ACP-gebundene Fettsäurekette eingebettet ist. Diese Interaktion stabilisiert NFS1 innerhalb der mitochondrialen Eisen-Schwefel-Cluster-Assemblierungsmaschinerie.

Mit Ausnahme von FMC1 hängt die Funktion von LYRM-Proteinen von ihrer Interaktion mit dem acylierten mitochondrialen Acyl-Carrier-Protein (Acyl-mtACP) ab, das seine Fettsäurekette in den hydrophoben Kanal des LYRM-Proteins einführt, der durch drei α-Helices gebildet wird.[1] Bei der Bindung klappt die an den flexiblen 4'-Phosphopantethein-Arm von mtACP gebundene Fettsäurekette aus der hydrophoben Tasche von mtACP in die des LYRM-Proteins um.[10] Diese Interaktion erfordert außerdem das LYR-ähnliche Motiv sowie den hochkonservierten, stromabwärts gelegenen Phenylalaninrest, welche zusammen als LYR–F-Motiv bezeichnet werden.[1] Obwohl LYRM-Proteine mit 4'-Phosphopantethein-modifiziertem mtACP (Holo-mtACP) sowohl in seiner unacylierten als auch in acylierten Form interagieren können, zeigen sie eine klare Präferenz und höhere Affinität für die acylierte Form.[4] Die acylierte Form von Holo-mtACP wird durch die mitochondriale Fettsäuresynthese (mtFAS) in Reaktion auf die Verfügbarkeit von Acetyl-CoA gebildet.[11][4] Für eine effektive Bindung an LYRM-Proteine sind Fettsäureketten mit einer Länge von 10–16 Kohlenstoffatomen erforderlich.[12]

Die Acylierung von mtACP stellt eine Acetyl-CoA-abhängige posttranslationale Modifikation dar, die empfindlich auf Störungen der mitochondrialen Acetyl-CoA-Synthese reagiert und die diejenigen LYRM-Proteine, die als Assemblierungsfaktoren für OXPHOS-Komplexe fungieren, allosterisch aktiviert.[4] Es wird vermutet, dass dieser Mechanismus eine Rückkopplungsschleife bildet, in der die Verfügbarkeit von Acetyl-CoA die Acylierung von mtACP und die LYRM-vermittelte OXPHOS-Assemblierung reguliert, wodurch die NADH- und FADH2-Oxidation sowie die Aktivität des Citratzyklus gesteigert wird, was wiederum den Verbrauch von Acetyl-CoA fördert.[11] Dies würde es Zellen ermöglichen, die oxidative Kapazität zu steigern, wenn Substrate reichlich vorhanden sind, während gleichzeitig die Aktivität der Elektronentransportkette unter substratlimitierten Bedingungen verhindert wird, wodurch die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) reduziert wird.[11]

Neben ihrer Rolle bei der Assemblierung der OXPHOS-Komplexe wurden mtACP und LYRM-Proteine auch mit der mitochondrialen Translation in Verbindung gebracht.[1] Obwohl die Rolle der mtFAS bei der Mitoribosomen-Assemblierung in Säugetieren und der mitochondrialen Translation bislang nicht experimentell untersucht wurde, zeigten strukturelle Analysen, dass das LYRM-Protein L0R8F8 und unacyliertes mtACP an den Mitoribosomen-Assemblierungsfaktor MALSU1 gebunden sind.[13] Dieser Befund deutet auf einen alternativen mtACP–LYRM-Bindungsmodus hin, bei dem die Acylierung von mtACP die Freisetzung des Komplexes fördern könnte, sodass die Assemblierung des Mitoribosoms fortschreiten kann.[13] Darüber hinaus wird vorhergesagt, dass LYRM1 mit dem mitochondrialen Translations-Release-Faktor-1-ähnlichen Protein (MTRF1L) interagiert, während LYRM9 vermutlich mit dem mitochondrialen ribosomalen Protein L57 (MRPL57) interagiert.[1]

Überblick über Mitglieder

Mindestens zwölf LYRM-Proteine wurden beim Menschen identifiziert (Stand 2019):[10]

Weitere Informationen LYR-ähnliches Motiv, m (kDa) ...
Überblick über humane LYRM-Proteine
LYRM-Protein LYR-ähnliches Motiv m (kDa) pI Zielort Funktion Interaktionspartner
LYRM1[10] LYR[2] 14[2] 10[2] Mitoribosom (vorhergesagt)[1] Insulinsignalübertragung[10] Acyl-mtACP[1], MTRF1L (vorausgesagt)[1]
LYRM2[10] LYR[2] 11[2] 11[2] Komplex I steht in Zusammenhang mit der Aktivität von Komplex I[10] Acyl-mtACP[10]
LYRM3/NDUFB9[10] LYK[2] 22[2] 9[2] Komplex I Strukturelle Untereinheit[10] Acyl-mtACP[10]
LYRM4/ISD11[10] LYR[2] 11[2] 11[2] Cystein-Desulfurase NFS1 Eisen-Schwefel-Cluster-Biogenese[2] Acyl-mtACP,[10] NFS1[2]
LYRM5[10] LYK[2] 11[2] 10[2] Elektronentransferierendes Flavoprotein Hilfsfaktor (accessory factor) Acyl-mtACP[10]
LYRM6/NDUFA6[10] LYR[2] 18[2] 10[2] Komplex I Strukturelle Untereinheit[10] Acyl-mtACP,[10] NDUFS3[2]
LYRM7/MZM1L[10] LFK[2] 12[2] 10[2] Komplex III Assemblierungsfaktor[14] Acyl-mtACP,[10] UQCRFS1, HSC20[2]
LYRM8/SDHAF1[10] LYR[2] 13[2] 11[2] Komplex II Assemblierungsfaktor[10] Acyl-mtACP,[10] SDHB, HSC20[2]
LYRM9/C17orf108[10] LYR[2] 10[2] 9[2] Mitoribosom (vorhergesagt)[1] Unbekannt[15] Acyl-mtACP[10], MRPL57 (vorhergesagt)[1]
LYRM10[16]/ACN9/SDHAF3/[10] LYK[2] 15[2] 9[2] Komplex II Assemblierungsfaktor[10] Acyl-mtACP,[10] SDHB[2]
FMC1/C7orf55[10] TFR[2] 13[2] 10[2] Komplex V Assemblierungsfaktor[2] Unacyliertes Holo-mtACP,[1] ATP12[2]
L0R8F8[10]/AltMiD51[17]/MIEF1-MP[1] Mitoribosom[17] Assemblierungsfaktor[18] Unacyliertes Holo-ACP[10]
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Funktion

Biogenese von Eisen-Schwefel-Clustern

In Eukaryoten dienen Eisen-Schwefel-(Fe–S)-Cluster als vielseitige Cofaktoren bei Redoxreaktionen, Elektronentransport, Enzymkatalyse, Genexpressionsregulation und DNA-Reparatur.[19] Sie werden auf dem Gerüstprotein ISCU assembliert, wobei das Eisen durch Frataxin bereitgestellt wird und der Schwefel durch den NFS1–LYRM4-Komplex geliefert wird.[12] Dieser Komplex bindet über LYRM4 an acyliertes mtACP, was zur Stabilisierung des sonst abbauanfälligen Komplexes führt.[12] Nach der Bildung werden die Fe–S-Cluster durch einen Fe–S-Transferkomplex, bestehend aus ISCU, dem Co-Chaperon HSC20 und dem Chaperon HSPA9, an Zielproteine übertragen.[12]

Der Einbau der Eisen-Schwefel-Cluster in Atmungskomplexe II und III mit Hilfe anderer LYRM-Proteine wird weiter unten im Abschnitt zur „Assemblierung der oxidativen Phosphorylierungskomplexe“ behandelt.

Assemblierung der Komplexe der oxidativen Phosphorylierung

Die Assemblierung dieser Komplexe beruht auf einem streng regulierten und koordinierten Prozess, der die Transkription und Translation von sowohl nukleär als auch mitochondrial codierten Untereinheiten, den Import und die Assemblierung einzelner Untereinheiten sowie die Reifung durch den Einbau essenzieller Cofaktoren, wie Eisen-Schwefel-Cluster umfasst.[9] OXPHOS-Komplexe können sich weiter zu höhergeordneten Strukturen, sogenannten Superkomplexen, zusammenlagern, deren Bildung und Stabilität durch Interaktionen zwischen acyliertem mtACP und LYRM-Proteinen beeinflusst werden.[5]

Komplex I (NADH:Ubichinon-Oxidoreduktase)

Drei LYRM-Proteine – LYRM3, LYRM6 und LYRM2 – sind mit Komplex I verbunden. Der erste Komplex der Atmungskette koppelt die Oxidation von NADH und die Reduktion von Ubichinon mit dem Protonentransport über die innere mitochondriale Membran und leistet den größten Einzelbeitrag zur protonenmotorischen Kraft, die die ATP-Synthese antreibt.[20] Unter bestimmten Bedingungen kann diese Reaktion auch rückwärts ablaufen und zur Reduktion von NAD+ führen.[20]

LYRM3 ist eine integrale akzessorische Untereinheit von Komplex I, die im distalen, protonentransportierenden Modul PD des Membranarms positioniert ist.[9] Es bildet mit dem benachbarten mtACP ein stabiles Heterodimer und trägt zur Stabilität sowie zum Zusammenbau von Komplex I bei.[9]

LYRM6 ist ebenfalls eine integrale akzessorische Untereinheit von Komplex I. Es bindet nahe der zentralen Schnittstelle zwischen dem Matrixarm (Q-Modul) und dem Membranarm (P-Modul) des Komplexes und bildet ein Heterodimer mit mtACP.[21] Zwei benachbarte Schleifen von LYRM6 interagieren direkt mit zentralen Untereinheiten des Komplexes und tragen zur Stabilisierung dieser Schnittstelle bei.[21] Insbesondere spielt LYRM6 eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung der TMH1-2-Schleife der Untereinheit ND3, eines strukturellen Elements, das für den Protonentransportmechanismus essenziell ist.[21]

LYRM2 ist in den Mitochondrien lokalisiert, interagiert direkt mit Komplex I und erhöht dessen Aktivität.[14]

Komplex II (Succinat-Dehydrogenase)

LYRM8 und ACN9 sind erforderlich für die Assemblierung der Eisen-Schwefel-Cluster-haltigen Untereinheit SDHB in Komplex II.[2] Als Bestandteil des Citratzyklus koppelt Komplex II die Oxidation von Succinat zu Fumarat mit der Reduktion von Ubichinon.[22] Die Funktionen von LYRM8 und ACN9 beinhalten Interaktionen mit Acyl-mtACP.[10]

LYRM8 fungiert als Assemblierungsfaktor für Komplex II, indem es eine Brücke bildet zwischen HSC20 (als Bestandteil des Fe–S-Cluster-Transferkomplexes) und der SDHB-Untereinheit.[23] Als eine von vier Untereinheiten von Komplex II spielt SDHB eine zentrale Rolle bei der Elektronenübertragung von SDHA zu Ubichinon über seine drei Eisen-Schwefel-Cluster. HSC20 erkennt und bindet mit hoher Affinität an LYR-Motive; SDHB selbst enthält jedoch nur zwei L(I)YR-Motive: ein IYR-Motiv am N-Terminus und ein LYR-Motiv näher am C-Terminus.[23][24][22] Trotzdem gehört SDHB nicht zu den LYRM-Proteinen.[2] Zusätzlich ermöglichen mehrere aromatische Aminosäurensequenzen innerhalb von SDHB eine vorübergehende Bindung eines LYRM8-Proteins über dessen argininreiche C-terminale Domäne, was eine LYR-Bindungsstelle für HSC20 schafft und somit zum Einbau der Fe–S-Cluster in SDHB beiträgt.[23] Bemerkenswert ist, dass LYRM8 selbst auch zwei LYR-Motive enthält, eines am N-Terminus und eines in der zentralen Region, jedoch bindet HSC20 ausschließlich an das N-terminale Motiv.[23]

ACN9 fungiert als Assemblierungsfaktor, der an der Reifung von Komplex II beteiligt ist.[22] Genauer gesagt trägt es zum Einbau von Eisen-Schwefel-Clustern in die SDHB-Untereinheit bei, was für die Aktivität von Komplex II unerlässlich ist.[22] Die genaue molekulare Rolle von ACN9 ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.[22] Daten aus Hefemodellen deuten darauf hin, dass ACN9 auch eine Rolle bei der Gluconeogenese und bei der Umwandlung von Ethanol oder Acetat in Kohlenhydrate spielt.[25]

Komplex III (Coenzym Q : Cytochrom c – Oxidoreduktase)

LYRM7 fungiert als Assemblierungsfaktor für Komplex III, indem es als Chaperon für das Rieske-Protein wirkt.[26] Die Aufgabe von Komplex III besteht darin, Elektronen vom Zwei-Elektronen-Träger Ubichinon auf den Ein-Elektronen-Träger Cytochrom c über den sogenannten Q-Zyklus zu übertragen, während gleichzeitig Protonen gepumpt werden, um einen Gradienten aufzubauen. Der Komplex arbeitet als Dimer (CIII2), wobei jedes Monomer aus elf Untereinheiten besteht. Drei davon sind katalytisch aktiv: Cytochrom b, Cytochrom c1 und das Rieske-Protein, das ein [2Fe–2S]-Cluster (Rieske-Zentrum) enthält.[27] Während der Assemblierung bildet sich zunächst ein stabiler, aber nicht-funktioneller Vorkomplex III, der alle Untereinheiten enthält außer dem Rieske-Protein und Qcr10.[27] Um die Assemblierung abzuschließen, bindet LYRM7 an das Rieske-Protein in der mitochondrialen Matrix und stabilisiert es vor dessen Translokation in die innere Membran und anschließendem Einbau in den Vorkomplex.[26] Dadurch wird das Rieske-Protein vor proteolytischem Abbau oder temperaturbedingter Aggregation geschützt.[28] Der endgültige Einbau sowohl des Rieske-Proteins als auch von Qcr10 in den Vorkomplex wird durch die AAA-ATPase BCS1L vermittelt und schließt die Assemblierung von Komplex III ab.[29][27]

Komplex V (ATP-Synthase)

FMC1 wirkt als Assemblierungsfaktor für Komplex V, indem es das Chaperon ATP12 stabilisiert, das für die ordnungsgemäße Assemblierung der F1-Domäne, insbesondere bei erhöhten Temperaturen, erforderlich ist.[1] Komplex V synthetisiert ATP aus ADP und anorganischem Phosphat, indem er die durch die Elektronentransportkette erzeugte protonenmotorische Kraft mittels eines rotierenden katalytischen Mechanismus nutzt.[30] Er besteht aus einer in der inneren mitochondrialen Membran verankerten Fo-Domäne, die Protonen überführt, und einer in die Matrix ragenden F1-Domäne, in der die ATP-Synthese stattfindet.[30] Innerhalb der F1-Domäne ist der katalytische hexamere Ring aus abwechselnden α- und β-Untereinheiten für die Assemblierung auf ATP12 angewiesen, wobei FMC1 ATP12 bei erhöhten Temperaturen unterstützt; ohne dies werden die Untereinheiten nicht korrekt eingebaut und aggregieren in der mitochondrialen Matrix.[31] Obwohl FMC1 zur LYRM-Proteinfamilie gehört, ist seine Funktion unabhängig von Acyl-mtACP, was mit dem Fehlen zentraler Aminosäurereste des LYR-Motivs sowie seinem durch drei α-Helices gebildeten, nicht ausreichend hydrophoben Kanal zusammenhängt.[1] Dennoch interagiert FMC1 mit nicht-acyliertem mtACP, was die Assemblierung der F1-Domäne auch dann ermöglicht, wenn Acetyl-CoA knapp ist.[1] Dies stellt sicher, dass Komplex V auch unter metabolischem Stress funktionsfähig bleibt und gegebenenfalls auch in umgekehrte Richtung arbeiten kann, indem er ATP hydrolysiert, um den Protonengradienten aufrechtzuerhalten, der für den Proteinimport und andere Transportprozesse erforderlich ist.[1]

Funktion des elektronentransferierenden Flavoproteins

LYRM5 interagiert mit den beiden Untereinheiten ETFA und ETFB des elektronentransferierenden Flavoproteins (ETF), wodurch die FAD-Bindungsstelle destabilisiert wird, was zur Freisetzung von FAD führt und somit zu einer Unterbrechung des normalen Elektronentransfers.[32] ETF fungiert als Elektronenträger, der vorübergehend an mitochondriale Flavoproteine andockt, die an der Oxidation von Fettsäuren und Aminosäuren beteiligt sind (z.B. Acyl-CoA-Dehydrogenasen, Isovaleryl-CoA-Dehydrogenase), und Elektronen aufnimmt, während sein eigenes FAD zu FADH2 reduziert wird.[33] Das reduzierte ETF löst sich anschließend und überträgt die Elektronen an die ETF:Ubichinon-Oxidoreduktase (ETF:QO), ein Enzym, das in der inneren Mitochondrienmembran verankert ist und ebenfalls FAD enthält.[33] ETF:QO wird dadurch reduziert und leitet die Elektronen an Ubichinon (CoQ10) in der Atmungskette weiter.[32] Im Gegensatz zu anderen LYRM-Familienmitgliedern besitzt LYRM5 nicht das charakteristische Leucin–Tyrosin–Arginin-Motiv, sondern stattdessen ein Leucin–Tyrosin–Lysin-Motiv.[1]

Assemblierung des Mitoribosoms

Das LYRM-Protein L0R8F8 und mtACP fungieren als Assemblierungsfaktoren für das menschliche Mitoribosom.[18] Mitoribosomen übersetzen mitochondriale mRNAs in 13 spezifische Proteine, die ausschließlich als strukturelle Untereinheiten in die Komplexe I, III, IV und V der mitochondrialen Atmungskette eingebaut werden.[34] In den späten Phasen der Reifung der großen Untereinheit des menschlichen Mitoribosoms (mt-LSU) lagert sich ein Komplex aus MALSU1, L0R8F8 und ACP an die mt-LSU an.[18] Dieser Komplex verhindert sterisch eine verfrühte Bindung mit der kleinen Untereinheit (mt-SSU) und reguliert somit den zeitlichen Ablauf des Zusammenfügens der Ribosomenuntereinheiten.[18] Strukturanalysen zeigten, dass die Interaktion zwischen L0R8F8 und mtACP durch das LYR-Motiv von L0R8F8 und die 4'-Phosphopantethein-Gruppe von mtACP vermittelt wird.[18] Bemerkenswerterweise liegt mtACP in diesem Zusammenhang in seiner unacylierten Form (Holo-mtACP) vor, und es wurde in den Strukturdaten keine Dichte für eine Acylkette beobachtet.[18][13]

Klinische Relevanz

Defekte bei menschlichen LYRM-Proteinen stehen aufgrund ihrer entscheidenden Rolle in der mitochondrialen Funktion mit schweren Erkrankungen in Verbindung:[1]

Einzelnachweise

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