Lilli Arp
deutsche Bäuerin und NS-Widerstandskämpferin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Lilli Arp, geboren als Anna Elisabeth Havemeister (* 7. Oktober 1889 in Prasdorf, Kreis Plön; † 30. Juni 1965 ebenda), war eine deutsche Bäuerin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.
Lebensweg
Lilli Arp wuchs als Tochter des Landwirts Ferdinand Havemeister und seiner Frau Margaretha im holsteinischen Prasdorf auf. Sie hatte eine Schwester (Else) und zwei Brüder (Hans und Hugo). Kurz nach ihrem 18. Geburtstag heiratete sie den Hufner und Landwirt Claudius Arp (1884–1914) und zog zu ihm nach Gut Hohenstein in Stein (Probstei). Die Eheleute bekamen zwei Kinder, Tochter Käthe (1908–1989) und Sohn Hans-Joachim (1909–1944, gefallen im Zweiten Weltkrieg). Da Lilli Arp sich von ihrem Mann unterdrückt fühlte und es zu Handgreiflichkeiten kam, reichte sie die Scheidung ein. Kurz nach der Scheidung im Juni 1914, bei der ihr nach dem damals geltenden Schuldprinzip das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen wurde, fiel Claudius Arp im Ersten Weltkrieg. Durch die Manipulation eines Immobilienmaklers ging Gut Hohenstein im Oktober 1914 für die Familie Arp verloren.
Nach der Scheidung und dem Verlust von Gut Hohenstein lebte Lilli Arp zunächst an wechselnden Orten. Sie schloss sich Kreisen an, deren freiere Moralvorstellungen sich von denen der damaligen bürgerlichen Gesellschaften auf dem Land unterschieden. Es entstanden Kontakte zu Künstlern und zu Männern und Frauen, die zu den Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands gehörten, wobei Arp selbst nie Parteimitglied wurde. Wichtige Weggefährten wurden der KPD-Reichstagsabgeordnete Christian Heuck, die Regisseurin und Theaterintendantin Eva Fritzsche sowie die Künstlerin Helen Ernst. Auf die Verbindung Letzterer mit Lilli Arp nimmt der Kulturwissenschaftler Hans Hübner in seinem Werk Helen Ernst. Ein zerbrechliches Menschenkind (1904–1948) Bezug.
Um 1919 fand Lilli Arp mit ihren Kindern eine neue Heimat in der Lüneburger Heide. Sie wurde Hausdame bei dem Industriellen Wilhelm Linnmann auf dem Lindenhof in Drögennindorf (seit 1974 eingemeindet in Betzendorf). Um den elterlichen Hof in Prasdorf – der Hof war zwischenzeitlich an einen anderen Besitzer übergegangen – für sie zu sichern, kaufte Linnmann ihn 1929. Im Jahr 1931 konnte Lilli Arp ihn zurückerwerben. Sie übersiedelte wieder nach Prasdorf und bewirtschaftete den Hof.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 stellte Lilli Arp sich mit Worten und Handlungen gegen die, wie sie es nannte, „Nazi-Pest“. Sie machte aus ihrer Gesinnung keinen Hehl, half beim Drucken von Flugblättern, versteckte Menschen jüdischer Abstammung und andere Verfolgte und war ihnen bei der Flucht behilflich. So beschreibt Ruth Liepman in ihrer 1993 erschienenen Autobiografie Vielleicht ist Glück nur ein Zufall, wie Lilli Arp im Frühjahr 1933 die vierjährige Tochter des führenden KPD-Funktionärs und Reichstagabgeordneten Hans Kippenberger und seiner geschiedenen Frau Thea für mehrere Monate bei sich aufnahm, als diese untertauchen mussten.
Wegen ihrer Haltung und Handlungen war Lilli Arp Repressalien ausgesetzt. Nachdem eine Bäuerin aus dem Dorf sie angezeigt hatte, wurde sie am 13. Juni 1933 wegen „kommunistischer Propaganda“ und des Aufenthalts „linksradikaler Elemente“ auf dem Hof verhaftet. Da man ihr keine Vergehen nachweisen konnte, wurde sie nach drei Monaten aus der Haft entlassen. In der Zeit ihrer Abwesenheit – der Ehemann der Frau, die sie angezeigt hatte, war als Treuhänder für sie eingesetzt worden – waren dem Hof Tiere und Ernteerzeugnisse entzogen worden. Eine eingeleitete Zwangsversteigerung konnte Anfang 1934 abgewendet werden.
Nach der Haftentlassung wurde Lilli Arp im Dorf gemieden und aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen. Sie verlor ihre Zugehörigkeit zur landwirtschaftlichen Genossenschaft und ihre Mitgliedschaften bei landwirtschaftlichen Vereinen, sodass sie von Zuteilungen an Saatgut, Futter- und Düngemitteln sowie Maschinen ausgeschlossen war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg führte sie ein zurückgezogenes Leben, engagierte sich aber weiterhin sozial. Im Jahr 1947 verpachtete sie den Betrieb an Helmut Harms, den ihre Schwiegertochter Paula nach dem Tod von Hans-Joachim Arp geheiratet hatte. Auch als Altenteilerin blieb sie auf dem Hof wohnen. Für die erlittene Haftzeit erstritt sie in ihren späten Lebensjahren eine Entschädigung von 450,– DM. Lilli Arp starb nach langer Krankheit am 30. Juni 1965.[1][2]
Familiäre Verbindungen
Durch die Ehe ihrer Tochter Käthe mit Rudolf Bockelmann (1904–1984) wurde Lilli Arp Großmutter der drei Enkelsöhne John (1931–2006), Jürgen Udo (1934–2014) und Manfred (* 1943). Vom 1. Oktober 1945 bis zum 9. August 1946 lebten die Jungen mit ihrer Mutter auf dem Hof in Prasdorf.[1][2] Ihr Ehemann Claudius war weitläufig mit dem Dadaisten Hans Arp verwandt.[3]
Ehrung
Anlässlich ihres 50. Todestages wurde 2015 für Lilli Arp in Prasdorf ein Gedenkstein enthüllt.[4]
Literatur
- Hans Hübner: Als Gast bei der Bäuerin Lilli Arp auf der Laboe in Schleswig-Holstein. In: Helen Ernst. Ein zerbrechliches Menschenkind (1904–1948). Trafo Verlagsgruppe, Berlin 2002, ISBN 3-89626-147-9.
- Ruth Liepman: Vielleicht ist Glück nicht nur Zufall – Erinnerungen. Verlag Silke Weniger, Gräfeling 2011, ISBN 978-3-942374-13-2; Online-Ausgabe 2016, ISBN 978-3-942374-81-1.
- Fritz Breitfelder: Lilli Arp (1889–1965) – Eine Prasdorfer Bäuerin im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Eigenverlag, Prasdorf 2014, ISBN 978-3-00-043855-4.