Lindhorst-Gruppe
Firmen-Konglomerat des Unternehmers Jürgen Lindhorst aus Winsen an der Aller in Niedersachsen
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Die Lindhorst-Gruppe (Eigenschreibweise: Lindhorst Gruppe) ist eine Unternehmensgruppe, die in der Bau- und Immobilienwirtschaft, dem Betrieb von Pflegeheimen, der Energiewirtschaft, der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft tätig ist. Die land- und forstwirtschaftlichen Tochterunternehmen bewirtschaften nach eigenen Angaben rund 18.000 Hektar land- und forstwirtschaftlicher Flächen.[1] Sitz der Unternehmensgruppe ist Winsen (Aller).
Geschichte
Die Ursprünge der Lindhorst-Gruppe gehen nach Unternehmensangaben zurück auf Ernst Lindhorst senior, der 1931 ein Fuhrunternehmen gründete, dessen Geschäftstätigkeit 1940 durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm Lindhorst 1947 das Geschäft wieder auf und weitete es auf den Viehhandel aus. 1954 stieg der Sohn Ernst Lindhorst junior in das Unternehmen ein und übernahm nach dem Tod seines Vaters 1969 die alleinige Geschäftsleitung.
Der gelernte Steuerfachgehilfe Jürgen Lindhorst trat 1978 im Alter von 21 Jahren in das Unternehmen seines Vaters ein und übernahm 1981 die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Firmenverbund nach eigenen Angaben zum größten privaten Fleisch- und Viehhändler in Norddeutschland. Zudem wurden erste Aktivitäten im Geschäftsfeld Immobilienwirtschaft aufgenommen. 1990 wurden die Viehhandelsunternehmen zur JLW Holding GmbH zusammengefasst.[2][3]
Einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zufolge exportierte Lindhorst in den 1990er Jahren über Italien Rinder in den Nahen Osten, für die er pro Tier umgerechnet rund 500 Euro Prämie erhielt.[4] Gleichzeitig kaufte er landwirtschaftliche Betriebe in Ostdeutschland auf. Im Jahr 1994 begann er mit der Baulandentwicklung und dem Aufbau gruppeneigener Liegenschaften.[2][3] Im Jahr 2000 wurde die JLW Holding GmbH in die JLW Holding AG umgewandelt.[2]
Im Jahr 2005 traten Jürgen Lindhorst junior, Alexander und Nina Lindhorst als vierte Generation in die Unternehmensgruppe ein. Ab 2006 erfolgte der Einstieg in den Bau von Seniorenresidenzen. 2007 wurden die Geschäftsaktivitäten der Unternehmen der Familienmitglieder unter dem Namen Lindhorst Gruppe zusammengefasst. Alexander Lindhorst gründete 2008 die Aureus Holding GmbH, die Wohn- und Seniorenimmobilien baut und betreibt. Seit 2014 wurden weitere Firmen im Geschäftsbereich Seniorenresidenzen gegründet. 2015 erfolgte die Erweiterung auf das Geschäftsfeld Erneuerbare Energien. Im Jahr 2020 wurde die Tochtergesellschaft generation3 GmbH zur „Entwicklung von Immobilienprojekten und forst- und landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland und Kanada“ gegründet.
Gruppenstruktur
Die Unternehmensgruppe bezeichnet den gemeinsamen Namen als „Dachmarke unter der drei Gesellschaftskreise juristisch unabhängig voneinander und ohne gegenseitige wirtschaftliche Verflechtungen [...] agieren“.[5] Den drei Hauptunternehmen Alexander Lindhorst Verwaltungs GmbH, Aureus Holding GmbH und JLW Holding AG ist jedoch gemein, dass Mitglieder der Familie Lindhorst alleinige Gesellschafter sind[5]. Außerdem sind die Hauptunternehmen alle an derselben Adresse in Winsen (Aller) ansässig.
Alexander Lindhorst Verwaltungs GmbH (Seniorenpflege, Wohnquartiere)
In der Alexander Lindhorst Verwaltungs GmbH sind die Aktivitäten im Bereich Pflege und Senioren sowie Quartiersentwicklungen gebündelt. Alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer ist Alexander Lindhorst.[6]
Tochterunternehmen der Alexander Lindhorst Verwaltungs GmbH
| Unternehmen | Tätigkeitsfeld |
|---|---|
| Belia Seniorenresidenzen GmbH | Altenheime an 21 Standorten[7] |
| Insanto Seniorenresidenzen GmbH | Altenheime an 6 Standorten[8] |
| Pflegemotive GmbH mit Amando Seniorenresidenzen GmbH, Curavie Seniorenresidenzen GmbH, Lavendio Seniorenresidenzen GmbH, Libento Seniorenresidenzen GmbH |
Altenheime an 13 Standorten[9] |
| Wohncarrée Allertower GmbH & Co. KG | Wohnquartier für Studenten, Celle[10] |
| Wohncarrée am Nordanger GmbH | Wohnquartier für Studenten, Braunschweig[11] |
Aureus Holding GmbH (Wohn- und Pflegeimmobilien)
Die Aureus Holding GmbH bündelt Aktivitäten im Bereich Wohn- und Pflegeimmobilien. Alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer ist Alexander Lindhorst.[12]
Tochterunternehmen der Aureus Holding GmbH
| Unternehmen | Tätigkeitsfeld |
|---|---|
| Cureus GmbH | Projektentwickler und Bestandshalter von Pflegeimmobilien[13] |
| Kiel-Wik Grundstücks-GmbH | Wohnquartier „Wycker Höfe“, Kiel[14] |
| Wohncarrée Hannover-Leinhausen II GmbH | Wohnquartier „Weichenviertel“, Hannover[15] |
| WC Industriedenkmal Salzmann Kassel GmbH | Wohnquartier „Salzmann“, Kassel[16] |
JLW Holding AG (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bioenergie)
Die JLW Holding AG vereint vor allem die landwirtschaftlichen Aktivitäten der Lindhorst Gruppe, hat aber auch ein Tochterunternehmen im Bereich Wohn- und Gewerbeimmobilien (generation 3 GmbH) und ist mit der Visiolar GmbH in Planung und Bau von Photovoltaikanlagen tätig.[5] Vorstände sind Thomas Kirschner, Dirk Ruhe und Janis Meyerhof. Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Jürgen Lindhorst senior.[17]
Tochterunternehmen der JLW Holding AG (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bioenergie)
| Standort | Unternehmen | Anzahl |
|---|---|---|
| Bantikow (Wusterhausen/Dosse) | Bio Energie Rhinow GmbH, Horstberger Mutterkuh GmbH Bantikow, LHK Landbau Havelland Kotzen GmbH, Milchhof Wusterhausen GmbH, PVA Landwirtschaftliche Produktion und Vertrieb GmbH | 4 |
| Gielsdorf (Altlandsberg) | Agrargenossenschaft eG Gielsdorf | 1 |
| Rankwitz | Usedomer Hof Agrar GmbH & Co. KG, Usedomer Hof Agrarverwaltung GmbH | 2 |
| Reichenow-Möglin | Landwirtschaftsgesellschaft Reichenow mbH, Thaer’sche Gutsverwaltung Möglin GmbH | 2 |
| Reppinichen (Wiesenburg/Mark) | Agrargesellschaft Werbig mbH, Agrar- und Naturschutz Rhinow GmbH, AHL Altengrabower Heide Landbau GmbH, ALF Ackerbau und Landschaftsschutz Fläming GmbH, Brandenburger Lebensmittel Potsdam-Mittelmark GmbH, FAG Fläming Agrar Görzke GmbH, Landgut Reppinichen GmbH | 7 |
| Roßdorf (Jerichow) | Landgut Reetz GmbH | 1 |
| Schulzendorf (Wriezen) | Agrarbeteiligungsgesellschaft Schulzendorf mbH, Agraraktiengesellschaft Albrecht Daniel Thaer, Agro Tierzucht und Pflanzenproduktion GmbH, Agroverbund Schulzendorf GmbH, BBLM Märkisch-Oderland GmbH, Schöneberger Agrar-GmbH, Uckermärker Fleischrind Zucht Betriebs GmbH | 7 |
| Stechow-Ferchesar | Ackerbau-GmbH Stechow, ANW Acker und Natur Wiesenburg GmbH, Landgut Rhinow GmbH | 3 |
| Winsen (Aller) | Agrar AG Rhinow, Agro Invest GmbH, Bioenergie Dargun Verwaltungs GmbH, BIO Energie Niederndorf GmbH, Forstgut Schmalhorn GmbH & Co. KG | 3 |
| Betriebe insgesamt | 30 |
Neben der JLW Holding AG führen die Vorstände auch die Lindhorst Familienstiftung Naturerbe. Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stiftung ist Jürgen Lindhorst senior.[18] Die Stiftung verwaltet nach eigenen Angaben 250 Hektar Wald im 3.500 Hektar umfassenden Naturschutzgebiet Hohe Schrecke in Thüringen, die aus der Bewirtschaftung genommen wurden. Die Flächen im Besitz der Stiftung waren Teil eines 1.050 Hektar Wald umfassenden Flächenerwerbs von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen durch die Familie Lindhorst im Jahr 2014. Die verbleibenden 800 Hektar werden laut Eigendarstellung „durch die Naturerbe Hohe Schrecke GmbH besonders naturnah bewirtschaftet.“[19] Im Winter 2021/2022 hatte die Naturerbe Hohe Schrecke GmbH in stiftungseigenem Waldbestand entgegen den gesetzlichen Naturschutzbestimmungen in großem Umfang alte Buchen und Eichen gefällt. Die Lindhorst-Gruppe musste nach mehrjährigen juristischen Auseinandersetzungen im Februar 2026 eine vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz verhängte Geldbuße von mehr als 130.000 Euro zahlen. Nach Informationen des MDR hatte die Lindhorst-Gruppe die Waldflächen infolge des Rechtsstreits seit Frühjahr 2025 mehreren Stiftungen und Naturschutzorganisationen für 22 Mio. Euro zum Kauf angeboten.[20]
Kontroversen
Kontroversen um Jürgen Lindhorst senior
Jürgen Lindhorst senior geriet mehrfach wegen seiner politischen Kontakte und Aktivitäten in die Kritik. Im Sommer 2018 lud er den thüringischen AfD-Fraktions- und Landesvorsitzenden Björn Höcke zu einem politischen Gesprächsabend auf sein Privatanwesen in Winsen (Aller) ein. Gegenüber der Celleschen Zeitung gab er an, er „habe Björn Höcke im Thüringer Landtag kennengelernt und fand ihn sympathisch und sehr intelligent.“ Höckes „Vita und seine Einstellungen zu Familie und traditionell deutschen Werten“ hätten ihn beeindruckt und neugierig gemacht.[21] Die Lindhorst-Gruppe bestätigte die Einladung und erklärte, Jürgen Lindhorst senior habe im Rahmen desselben Formats auch Politikerinnen und Politiker anderer Parteien empfangen, darunter Wolfgang Bosbach (CDU), Boris Palmer (damals Bündnis/Die Grünen) und Sahra Wagenknecht (damals Die Linke), und distanziere sich von vielen Aussagen Höckes.[22]
Im August 2018 gründete Jürgen Lindhorst gemeinsam mit dem AfD-Landesverband Thüringen die Alternative Service GmbH Thüringen, entschied sich aber noch vor Eintragung der GmbH ins Handelsregister für einen Ausstieg als Gesellschafter. Lindhorst begründete seinen Ausstieg damit, dass seine Kinder ihm „von einer Zusammenarbeit mit Politikern aller Parteien abgeraten“ hätten.[23] Für Aufsehen sorgte ferner ein Findling auf dem Privatgrundstück von Lindhorst, das an einer Zufahrtsstraße zur KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen liegt. In den Stein sind eine sogenannte Wolfsangel – ein im Nationalsozialismus verwendetes Symbol – sowie der Familienname eingraviert. Lindhorst erklärte, sein Großvater habe schon weit vor dem Krieg einen Hofstein mit Angel besessen. „Dass das Naziregime sich dieses Symbol zu eigen gemacht“ habe, sei schlimm, aber für ihn nicht relevant, weil er „damit gar nichts verbinde.“[23]
Projekte im Bereich Erneuerbare Energien
Konflikt mit der Regionalplanung in der Region Havelland-Fläming
Die JLW Holding AG plant als Eigentümerin der in Reppinichen ansässigen Landgut Reppinichen GmbH auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen den Windpark Reetz im Landschaftsschutzgebiet Naturpark Hoher Fläming. Die Planung befindet sich außerhalb der im „Sachlichen Teilregionalplan Windenergienutzung 2027 der Region Havelland-Fläming“ für eine Windenergienutzung in der Region ausgewiesenen Flächen.[24] Bürgerinitiativen und der NABU Regionalverband Belzig kritisieren, dass „die natürlichen Gegebenheiten und die bisherige naturschutzrelevante Entwicklung zerstört“ würden und „dem gesellschaftlichen Konsens deutlicher Schaden zufügt“ würde. Kritik und Bedenken bestehen auch hinsichtlich des Landschaftsbildes, der Artenvielfalt und des über Jahrzehnte im Hohen Fläming entwickelten sanften Tourismus.[25] Die Standortwahl wird als konfliktträchtig hinsichtlich Landschafts- und Artenschutz bewertet.[24]
Der Windpark liegt zwischen zwei Vogelschutzgebieten. Das Vorhaben sei als reine Kapitalanlage des Investors konzipiert. Kommunale Mitgestaltungs- oder Beteiligungsmöglichkeiten seien nicht erkennbar, während die Gemeinde die langfristigen ökologischen und sozialen Folgen tragen müsste. Nach verwaltungs- und naturschutzrechtlicher Einschätzung bestünden erhebliche Gründe, das Vorhaben kritisch zu prüfen und abzulehnen.[26] Projektiert wird das Vorhaben von der Kinesis Erneuerbare Energie GmbH, einer Tochtergesellschaft der Kinesis GmbH, die als Vertragspartner mit der Gemeinde Wiesenburg/Mark vorgesehen ist und personell mit der Geschäftsführung der Kinesis GmbH und deren Tochtergesellschaften mit einem Vorstandsmitglied der JLW Holding AG übereinstimmt. Der Reingewinn des Investors wird mit 194 Mio.€ innerhalb 20 Jahren veranschlagt, während gesetzliche Pflichtabgaben und Gewerbesteuereinnahmen zugunsten der betroffenen Gemeinde bei lediglich rund 4,7 % des Reingewinns lägen.[27] Bei einer rechtlich nicht bindenden Einwohnerbefragung durch die Gemeinde Wiesenburg/Mark wurde der geplante Windpark zwischen Reetz und Reppinichen im März 2026 abgelehnt.[28] Jedoch hat die Gemeindevertretung Wiesenburg/ Mark Mitte April 2026 mit deutlicher Mehrheit grünes Licht für die Erstellung eines Bebauungsplanes gegeben. Die derzeitigen Pläne umfassen elf Anlagen[29].
Planung Industrie- und Solarpark Hohensaaten
Bei Hohensaaten plante Lindhorst auf Waldflächen einen 350 Hektar großen Gewerbe- und Industriepark für Firmen, mit hohem Bedarf an Elektroenergie, einschließlich einer rund 250 Hektar großen Solaranlage. Das Vorhaben war größer als die Tesla Gigafactory in Grünheide. Planungsbüro war die Gicon Grossmann Ingenieur Consult GmbH, deren Inhaber, Jochen Großmann, ehemaliger Technikchef des Flughafens BER, 2014 wegen Bestechlichkeit und Betrugs rechtskräftig verurteilt wurde.[30]
Aus einer Präsentation des Vorhabens ging hervor, dass die Ansiedlung von Betrieben der Wasserstoffbranche geplant war. Anfang des Jahres 2022 stieß die Landesforstbehörde auf unerlaubten Kahlschlag und erstattete Anzeige. Offenbar sollten Fakten geschaffen werden.[30] Die für Hohensaaten zuständige Gemeindevertretung in Bad Freienwalde unterstützte das Vorhaben von Lindhorst. Auf Fragen von CORRECTIV und dem RBB verwies der Bürgermeister auf das Planungsbüro Gicon Großmann Ingenieur Consult, als sei eine Privatfirma für Hoheitsaufgaben der Kommune zuständig. Der Ortsvorsteher von Hohensaaten lehnt ein Interview ebenfalls ab und verwies auf den Vorhabenträger Jürgen Lindhorst junior. Lindhorst und das Planungsbüro reagierten auf Anfrage von CORRECTIV und dem RBB nicht.[30] Im Februar 2024 teilte Lindhorst den Rückzug von dem Vorhaben mit.[31]
Rodung von Bäumen
Beim Bau einer Solaranlage in Frankenfelde in der Märkischen Schweiz sollen mehr als 1.000 Bäume gefällt worden sein, obwohl es laut Bebauungsplan keine Rodung geben sollte.[30]