Liste der Kulturdenkmale in Weinsberg

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In der Liste der Kulturdenkmale in Weinsberg sind die Kulturdenkmale der Stadt Weinsberg im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg aufgelistet.

Legende

Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.

  • Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen: Datei hochladen
  • Bezeichnung: Nennt den Namen, die Bezeichnung oder die Art des Kulturdenkmals.
  • Lage: Straßenname und Hausnummer oder Flurstücknummer des Kulturdenkmals, gegebenenfalls auch Gemarkung oder Ortsteil. Die Grundsortierung der Liste erfolgt nach dieser Adresse. Der Link (Karte) führt zu verschiedenen Kartendiensten mit der Position des Kulturdenkmals. In einem Tool mit Kartenansicht können die Koordinaten durch Verschieben korrigiert werden.
  • Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
  • Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
  • ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Abkürzungen

Kulturdenkmale nach Ortsteilen

Gellmersbach

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Historische Friedhofummauerung Eberstädter Straße 16
(Karte)
Die Friedhofsmauer in Gellmersbach bezeugt eine kleine ländliche Friedhofsanlage, die im 19. Jahrhundert entstand, einer Zeit, in der vielerorts die Begräbnisplätze um die Kirchen vor allem aus Platz- und hygienischen Gründen aufgelassen und zahlreiche neue Friedhöfe außerhalb der Ortskerne angelegt wurden. 98777225BW
Steinmauer mit Inschrift Kelterstraße 7
(Karte)
1730 (i)

Die Steinmauer wurde der Inschrift zufolge im Jahr 1730 errichtet. Sie bezeugt die Siedlungsentwicklung von Gellmersbach im 18. Jahrhundert.

98777232BW

Weitere Bilder
Ev. Kirche (St. Leonhard) Kirchplatz 1
(Karte)
Verputzter Saalbau mit Satteldach und Rundbogenfenstern, Chortum aus Sandsteinquadern mit Fachwerk-Glockengeschoss und Spitzhelm, niedrige dreiseitig geschlossene Apsis mit Rechteckfenstern, südlich angebaute Sakristei, anstelle eines 1525 zerstörten Vorgängerbaus aus dem 12./13. Jahrhundert errichtet, 1544, Turm von 1667, Kirche nach Norden erweitert und Turm erhöht 1749, Sakristeianbau 1892

Die spätgotische Kirche St. Leonhard, Filial der Pfarrei Eberstadt, wurde 1544 anstelle eines im Bauernkrieg 1525 zerstörten Vorgängerbaus aus dem 12./13. Jahrhundert errichtet. Unmittelbar nach dem Restitutionsedikt von 1629 versuchte der Deutsche Orden die 1535 durch Württemberg reformierte Kirche zu rekatholisieren, scheiterte jedoch an dessen Einspruch. Chor und Schiff sind von einer eisernen Kette umfangen, ebenso trägt das Holzbild des heiligen Leonhard in einer Chornische eine Kette mit Schloss. Die Kettenglieder entstanden vermutlich zu unterschiedlichen Zeiten, ein Teil von ihnen ist auf 1749 datiert und steht in Zusammenhang mit der damaligen Erweiterung der Kirche. Vermutlich musste damals die Kette nach der Kirchenerweiterung verlängert werden. Die Ketten sollen aus Hufeisen von Pferden geschmiedet worden sein, die durch das Wasser der unter dem Altar entspringenden Leonhardsquelle geheilt wurden. Damit gehört die Gellmersbacher Kirche zu den in Süddeutschland und Österreich heute nur noch vereinzelt anzutreffenden „Kettenkirchen“, die so auf die überlieferte Gefangenenfürsorge des Kirchenpatrons Leonhard verweist. Nach der Legende half er einer Königin in Geburtsnöten und erbat als Gegenleistung dafür die Freilassung von Gefangenen, wodurch er zum Schutzpatron aller Angeketteten wurde. Da die Kette auch als Viehkette gesehen wurde, wurde Leonhard auch als Schutzheiliger für Bauernanliegen wie Vieh und Wetter verehrt. Die Gellmersbacher Kirche besitzt als eine in Württemberg überaus seltene Kettenkirche besondere religions- und kulturgeschichtliche Bedeutung.

98777299
Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit Erweiterung für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs Kirchplatz 1
(Karte)
Sandstein, Bekrönung mit Eisernem Kreuz im Lorbeerkranz und Kugel

Das am Kirchplatz aufgestellte Denkmal ist ein charakteristisches Zeugnis des kommunalen Gedenkens an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit Erweiterung für die Toten des Zweiten Weltkriegs wie auch der Ortsgeschichte.

98777315BW
Schulhaus Ringstraße 6
(Karte)
Dreigeschossiger Massivbau aus Sandsteinquadern mit Eckquaderung und rustiziertem Sockel, flach geneigtes Satteldach mit Freigespärre, 1878 (i)

Das alte Schulhaus von Gellmersbach ist eines jener Volksschulgebäude, die entstanden, als der Schulhausbau abseits von großen Städten noch ein seltenes Ereignis war. Durch die zurückhaltend aber nobel gestaltete Werksteinfassade und das aufwendige Hauptportal mit der Inschrift „Schulhaus“ im Türsturz wird deutlich zum Ausdruck gebracht, einen wie hohen Stellenwert die Zeitgenossen dem Schulunterricht und damit der Bauaufgabe „Schule“ zumaßen, zumal in kleinen und mittleren Gemeinden das Schulhaus oft seit Jahrzehnten und für viele weitere Jahre der einzige wichtige öffentliche Bau war, dessen Ausgestaltung - so wie hier - häufig zur Selbstdarstellung der Gemeinde diente. Das Schulhaus hat als wichtiger Ort im Gemeindeleben hohe Bedeutung für die Ortsgeschichte von Gellmersbach und ist zugleich ein anschauliches Beispiel für die in Grund- und Aufriss klar gegliederten Schulbauten der 1870er-Jahre.

98777325BW

Haus Haug Ringstraße 18
(Karte)
Zweigeschossiges Wohnhaus mit Satteldach, Kellersockel und Erdgeschoss aus Sandsteinmauerwerk, darüber Fachwerk, an der Nordseite über hölzernen Stützen weit vorkragend, ornamentierte Kartuschen in den Fensterstürzen des Erdgeschosses, über dem rundbogigen Kellerabgang Inschrifttafel, 1780 (i)

Das stattliche Haus wurde einer Inschrift nach 1780 für Johann Philipp Haug und seine Frau errichtet. Die Reliefdarstellungen von Brot und Brezel weisen darauf hin, dass dieser eine Bäckerei betrieb. Das Anwesen mit Weinkeller und Stallungen im massiven Untergeschoss dokumentiert Wohn- und Wirtschaftsformen einer Handwerkerfamilie, die im Nebenerwerb eine Landwirtschaft betrieb. Damit veranschaulicht es vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse und hat sozial- und ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert für Gellmersbach.

98777333
Backhaus mit Remise Ringstraße
(Karte)
Bau aus Quadermauerwerk mit Satteldach, an der Straßenseite steinerne Pfeiler, Türen und Remisentor; Brunnenhaus, kleiner verputzter Bau mit Satteldach und eingemauertem Inschriftstein

Die anschaulich überlieferte Baugruppe mit Gemeindeback- und Brunnenhaus in Gellmersbach ist ein charakteristisches Zeugnis der dörflichen Arbeits- und Lebenswelt im 19. und 20. Jahrhundert. Diese öffentlichen Funktionsbauten wurden zum Zweck der Holzersparnis und der Verringerung der Feuergefahr durch private Öfen bzw. zur Brandbekämpfung an vielen Orten errichtet.

99213644BW
(an Hauswand eingemauerter) Wappenstein Weinsberger Straße 7
(Karte)
15?7 (i)

Der mit Fratzen und Tierköpfen aufwendig gestaltete Wappenstein ist ein anschauliches Beispiel eines charakteristischen historischen Baudetails und bezeugt die Bebauung in Gellmersbach im 16. Jahrhundert.

98777339BW

Haus Engelmann Weinsberger Straße 8
(Karte)
Zweigeschossiges Wohnhaus mit Satteldach, Kellersockel und Erdgeschoss massiv, darüber Fachwerk, an der Nordseite über hölzernen Stützen weit vorkragend, ornamentierte Kartuschen in den Stürzen der geohrten Erdgeschossfenster, rundbogiger Kellerabgang mit Handwerkszeichen im Keilstein, 18. Jahrhundert

Das Gebäude gehört zum ältesten Hausbestand von Gellmersbach. Mit seinem massiven Stallteil und Erdgeschoss erinnert es daran, dass die meisten Einwohner bis weit in das 19. Jahrhundert hinein zusätzlich zu ihrem Handwerk eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben. Der stattliche Bau mit den aufwendig gearbeiteten barocken Fensterrahmen vermittelt einen Eindruck von den Wohn- und Lebensverhältnissen eines wohlhabende Handwerkers im 18. Jahrhundert.

98777346
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Grantschen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Stall und Scheune (Sachgesamtheit) Bächlesgasse 4
(Karte)
98779438BW
Friedhofsumzäunung Hebelweg
(Karte)
Die Friedhofsmauer bezeugt den jüngeren im Süden vor dem alten Dorf angelegten Begräbnisplatz von Grantschen. Sie verdeutlicht einen für das 19. Jahrhundert typischen Vorgang, bei dem aus hygienischen und Platzgründen die Friedhöfe aus den Ortskernen an den Rand verlegt wurden, und ist damit ein Zeugnis der Ortsgeschichte und der Bestattungskultur. 98777352BW
Türgewände von 1800 Untere Gasse 1
(Karte)
98777360BW

Kelter und Schule Wimmentaler Straße 27
(Karte)
Zweigeschossiger Bau mit Satteldach, Erdgeschoss aus Sandsteinquadermauerwerk, darüber verputztes Fachwerk, von der Gemeinde erworben 1834

Die stattliche ehemalige Kelter ist wichtiges Zeugnis für die über Jahrhunderte zurückreichende Weinbautradition in Grantschen. Sie ist einer jener bis zur Ablösung der Rechte im 19. Jahrhundert zumeist in herrschaftlichem Besitz befindlichen, von der gesamten Dorfgemeinschaft genutzten großen Wirtschaftsbauten, die bis heute für die Weinbaudörfer der Region charakteristisch sind. Die Oberamtsbeschreibung berichtet „Die ziemlich große Ortskelter mit 3 Bäumen, früher Eigenthum des Staats, seit dem Jahr 1834 von der Gemeinde käuflich erworben, steht mitten im Orte in der Nähe des Rath- und Schulhauses auf dessen östlicher Seite.“ Nach dem Erwerb durch die Gemeinde diente der Bau später auch als Schule und heute als Veranstaltungsort und Feuerwehrmagazin.

98779431

Gemeindebackhaus Wimmentaler Straße 29
(Karte)
Kleiner Bau aus Sandsteinquadern, Satteldach mit hohem Kamin, axialsymmetrische Fassade mit Serlianamotiv im Giebel, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es Vorschriften im Königreich Württemberg, die das Backen in privaten Wohnhäusern aus feuerpolizeilichen Gründen verboten. Das Backhaus in Grantschen gehört zu den späteren Beispielen dieses Bautyps, vermerkt die Oberamtsbeschreibung des Jahres 1861 doch, ein „Gemeindebackhaus ist nicht vorhanden“. Der noch klassizistisch wirkende Bau stellt ein wichtiges Zeugnis der dörflichen Arbeits- und Lebenswelt des 19. Jahrhunderts dar und dokumentiert den Wandel von der Backstube im Privathaushalt zum Gemeindebackhaus.

98777369

Wohnhaus Wimmentaler Straße 41
(Karte)
Zweigeschossig, Satteldach mit Aufschiebling, massives, teilweise verputztes Erdgeschoss, darüber Fachwerk, Kellerhals mit Rundbogenportal, 1843 (i)

Das Haus wurde einer Inschrift zufolge 1843 errichtet. Der Kellerhals mit Rundbogenportal verweist auf die Bedeutung, die der Weinbau als wichtiger Erwerbszweig für das Dorf in vergangener Zeit spielte. Deutlich ablesbar am Außenbau ist durch die Fensteranordnung die Innenstruktur mit der charakteristischen Ecklage der Stube. Das Anwesen veranschaulicht Wohn- und Lebensverhältnisse in der Frühen Neuzeit auf dem Land.

98777377
Ehem. Friedhofsmauer Wimmentaler Straße
(Karte)
Grabmale

Die bei der Ev. Kirche stehende Mauer und die Grabmale sind die letzten Reste des alten Friedhofs am Südende des alten Dorfes. Sie sind Zeugnisse der Bestattungskultur im 18. und 19. Jahrhundert wie auch der Ortsgeschichte von Grantschen.

98779445BW
Grenzstein Wimmentaler Straße
(Karte)
Als charakteristischer Vertreter dieser ortsgebundenen Rechtsurkunden, die geschichtliche Herrschaftsgrenzen dokumentierten, ist der Grenzstein ein wichtiges Zeugnisse der Regionalgeschichte. 99936311BW
Rat- und Schulhaus Winzerstraße 1
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau, Satteldach mit Glockentürmchen, vorkragender Fachwerkgiebel mit Uhr, 1840

Die Oberamtsbeschreibung des Jahres 1861 berichtet: „Mitten im Dorfe an der Hauptstraße steht das im Jahr 1840 auf Kosten der Gemeinde neugebaute Schulhaus, das neben einem nicht sehr geräumigen Lehrzimmer für dermalen 43 Kinder die ziemlich beschränkte Wohnung des Lehrers, das Rathszimmer und parterre das Ortsgefängniß enthält. Auf dem Dache ist ein Thürmchen mit Uhr und Glocke.“ Der Bau ist ein für seine Entstehungszeit charakteristischer Kombinationsbau aus Schul- und Rathaus, wie er in vielen württembergischen Landgemeinden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu finden war. Die schlichte Architektur ist dabei ein anschauliches Beispiel für den sog. Kameralamtsstil, eine Spielart des württembergischen Klassizismus, die durch die strengen Vorgaben der Finanzbehörden bestimmt wurde.

98777384BW
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Weinsberg

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID

Oberamtsgebäude Haller Straße 5, 17; Öhringer Straße 2
(Karte)
Bestehend aus:
  • Oberamts-Verwaltungsgebäude (Haller Straße 17), dreigeschossiger, verputzter Bau mit Walmdach, Sockel und Architekturglieder in Sandstein, Schaufassade mit Kolossalpilastern, geschweifter Eingangs- und Zwerchgiebelbekrönung, nach Entwürfen des Königlichen Bezirksbauamtes in Heilbronn errichtet, 1909
  • Oberamts-Gerichtsgebäude (Öhringer Straße 2), dreigeschossiger, verputzter Bau mit Walmdach, Sockel und Erdgeschoss in Sandstein, abgerundete Ecke, als Wohnhaus (Sektkellerei) Mall errichtet, 1837, Oberamtsgericht ab 1855
  • Oberamtsgefängnis (Haller Straße 5), dreigeschossiger Bau mit Walmddach, Werksteinquadermauerwerk, Lisenengliederung, axiale Fensteranordnung, Zwerchhaus, erbaut kurz nach 1865
Oberamtsgericht
Oberamtsgefängnis

Die drei Gebäude erinnern an eine bedeutende Periode in der Geschichte Weinsbergs: Die Stadt ist von 1755 bis 1926 Sitz eines Oberamts gewesen, hervorgegangen aus der früheren Obervogtei. Die Oberamtsverwaltung residierte zunächst in bereits bestehenden älteren Häusern, die in der Altstadt weit auseinander lagen. In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man – initiiert u. a. durch die 1818 vollzogene Trennung von Rechtspflege und Exekutive – mit der Bildung eines Verwaltungszentrums vor dem Oberen Tor. Als erste Behörde zog das 1818 neu gebildete Oberamtsgericht im Jahr 1855 in das Wohnhaus der Sektkellerei Mall (Öhringer Straße 2, 4), einen dreigeschossigen klassizistischen Putzbau aus dem Jahr 1837. Unmittelbar neben dem Oberamtsgericht entstand kurz danach, 1865, das Amtsgerichtsgefängnis (Haller Straße 5): ebenfalls ein klassizistischer Bau. Im Inneren sind u. a. die früheren Gefängniszellen mit ihren Sanitärvorräumen ablesbar, erhalten sind das Treppenhaus mit bewusst schlichtem Treppengeländer, Eingangstür, Teile der Gefängnishofmauer, Löcher der Fenstergitter usw. Im Jahre 1909 schließlich ist auch die Oberamtsverwaltung (Haller Straße 17) aus dem zu klein gewordenen Altbau am Marktplatz vor die Stadt, in die Nähe des Gerichts und des Gefängnisses, verlegt worden. Der nach Entwürfen des Königlichen Bezirksbauamtes in Heilbronn errichtete Neubau dokumentiert in exemplarischer Weise die für die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert typische württembergische Verwaltungsarchitektur mit einer barockisierenden, an die Schlossbaukunst angelehnte Formensprache mit Detailbildung in den Formen des süddeutschen barockisierenden Jugendstils. Die Bauten besitzen Bedeutung sowohl für die Geschichte Weinsbergs als auch für die Architektur königlich württembergischer Oberamtsgebäude im mittleren 19. Jahrhundert bzw. um die Wende zum 20. Jahrhundert.

98772216

Haus Trost Bahnhofstraße 25
(Karte)
Wohn- und Geschäftshaus, zweigeschossiger Ziegel- und Werksteinbau mit ausgebautem Mansarddach, für S. Trost nach Entwürfen des Weinsberger Oberamtsbaumeisters Schmauck errichtet, 1911

Das Gebäude ist ein charakteristisches Beispiel für gestalterische Bestrebungen im Wohnhausbau der Zeit kurz nach 1900. Es zeichnet sich durch eine anspruchsvoll gestaltete historistische Schaufassade in einer auf Gotik und Renaissance zurückgreifenden Formensprache aus. Im Erdgeschoss war ein Laden mit Wohnung untergebracht, im Ober- und Dachgeschoss je eine großzügige Vierzimmerwohnung mit eigenem Bad – ein Hinweis auf gut situierte Bewohner. Damit ist das Gebäude ein anschaulicher Beleg für die Architektur eines kleinstädtischen Wohn- und Geschäftshauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

98776060

Haus Schenk Bahnhofstraße 27
(Karte)
Zweigeschossiges, z. T. verklinkertes Sichtziegelgebäude mit Stuttgarter Dach und übergiebeltem Risalit, für W. Schenk und W. Schumacher nach Entwürfen des Weinsberger Bauwerkmeisters Ganzenmüller erbaut, 1907 (i)

Das im Jahre 1907 nach Entwürfen des Weinsberger Bauwerkmeisters Ganzenmüller erbaute Wohn- und Geschäftshaus zeigt eine für die Erbauungszeit charakteristische gestalterische Hervorhebung der straßenseitigen Schaufassade mit kontrastreicher, farbiger Wirkung. Der hier ablesbare allmähliche Verzicht auf die aufwendige historistische Ornamentik ist ein charakteristisches Merkmal des beginnenden 20. Jahrhunderts. Das außen wie innen anschaulich überlieferte Haus dokumentiert die Bauaufgabe „Mehrfamilienhaus des frühen 20. Jahrhunderts“ und die jüngere städtebauliche Entwicklung von Weinsberg.

98776067

Stadtbefestigung bestehend aus: Stadtmauer mit Stadtmauertürmen und Tortürmen Wachturmgasse 8
(Karte)
Mit sämtlichen sichtbaren, in die Bebauung integrierten oder im Boden befindlichen Resten sowie Grabenbereichen, 13. - 16. Jahrhundert
Geisterturm
Wachturm

Der im Jahre 1140 erstmals urkundlich bezeugte Ort Weinsberg wird in der Reichssteuerliste von 1240/41 als Stadt bezeichnet, 1254 ist er bereits Mitglied im Rheinischen Städtebund, 1287 wird er als Vorbild für die Stadterhebung Löwensteins herangezogen. Die Gründung der Stadt – und somit auch der Beginn der Stadtbefestigung – kann somit in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert werden. Nach der Zerstörung im Bauernkrieg bzw. durch den Truchsess von Waldburg erfolgte der Wiederaufbau 1534. Bis um 1800 ist die mittelalterliche Stadtbefestigung weitgehend original vorhanden gewesen. Nach den Abbrüchen im 19. Jahrhundert und den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sind bedeutende Reste heute insbesondere im Norden der Altstadt, entlang des Grasigen Hags, erhalten: Zur Burg hin, nördlich des Westportals der Johanneskirche, steht der sog. Wolfsturm, der 1805 nur in Teilen abgetragen wurde und seit ca. 1860 von einem kleinen Rundbogentor in die Weinberge flankiert wird. Östlich vom Turm schließt der intakteste Teil der Stadtmauer an, mit dem oberem Feuertor von 1811 unweit des Kirchenchores. Unmittelbar am ehemaligen Bandhaus (heute Schule) stand der 1806 abgetragene Turm mit Weibergefängnis und Wohnung des Schweinehirten. Vom Geisterturm (bis 1813 Gefängnis) zweigt nach Süden ein weiteres Stück der Stadtmauer ab; das an der Hauptstraße stehende Obere Tor wurde 1809 abgetragen, ebenso die gesamte östliche Stadtmauer mit dem 1810 eröffneten Staketentor an der Dornfeldstraße und die südliche Stadtmauer mit dem Graben entlang des Saubaches. Hier im Süden steht noch der sog. Wachturm, 1853 nach Brand erneuert. Das Untere Feuertor von 1783 befand sich im Bereich der Backhausgasse. Vom 1805 abgetragenen Unteren Tor können Überbleibsel in den Gebäuden Nr. 5 und 8 angenommen werden. Die bis heute erhaltenen Reste der Stadtbefestigung sind ein bedeutendes bauliches Zeugnis der Stadtgründung im 13. Jahrhundert und damit der Stadtgeschichte von Weinsberg. Sie sind prägende Elemente sowohl des historischen Stadtgrundrisses als auch des Stadtbildes und belegen zudem auch den romantischen dokumentarischen Umgang des 19. Jahrhunderts mit den Baudenkmalen des Mittelalters.

113184042
Inschriftstein Dornfeldstraße
(Karte)
1528 (i)

Bei dem Inschriftstein von 1528 handelt es sich um einen der ältesten noch erhaltenen, profanen Inschriftensteine in Weinsberg. Er ist ein Zeugnis der Ortsbaugeschichte, da er die frühere Bebauung an dieser Stelle dokumentiert, die 1945 zerstört wurde.

98776074BW

Handwerkerhaus Entengasse 6
(Karte)
Zweigeschossiger Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss, darüber konstruktives Fachwerk, 1906

Das Handwerkerhaus am Südrand der Altstadt ist im Jahre 1906 nach Entwürfen des Amtsbaumeisters Ganzenmüller für den Schmiedemeister Ernst Grimm gebaut worden. Im Erdgeschoss ist noch heute weitgehend original, mit zahlreichen technischen Ausstattungsgegenständen, die alte Schmiede überliefert – sie dokumentiert sowohl den technikgeschichtlichen Stand eines solchen Handwerksbetriebs um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als auch, anhand einiger jüngerer Maschinen und Werkzeuge, die technische Weiterentwicklung. Das Gebäude ist zudem von baugeschichtlicher Bedeutung, zeigt es doch die zeittypische Architektur des Heimatstils, die gerade bei kleinstädtischen Handwerkerhäusern häufige Verwendung fand.

98776088

Keller und Erdgeschoss des Kameralamts-Bandhauses Grasiger Hag 3
(Karte)
Gewölbekeller und Erdgeschoss-Umfassungswände in behauenem Werkstein, Torgewände an der Westseite, bezeichnet 1527 und 1755

Der stattliche Gewölbekeller und das Erdgeschoss des heutigen Schulhauses stammen vom ehemaligen Kameralamts-Bandhaus, d. h. dem Weinkeller mit Küferei und Fruchtkasten der Herrschaft, und datieren im Wesentlichen in das Jahr 1527. Damals wurde das Bandhaus der württembergischen Herrschaft für ihre in Weinsberg produzierten Naturalien (vor allem Wein) nach der Zerstörung im Bauernkrieg neu erbaut. Insbesondere der gotische Torbogen, das Einfahrtstor in die damals dreischiffige Küferei im Erdgeschoss, weist deutlich in diese Bauzeit hin. Das über diesem massiven Erdgeschoss sich erhebende stattliche Walmdach barg die Fruchtböden für andere landwirtschaftliche Produkte. 1707 und 1725 ausgebrannt, ist das Bandhaus erst 1755 wiederaufgebaut worden – hieran erinnert die im Torbogen eingemeißelte Jahreszahl. 1860 erwarb die Stadt das Gebäude aus Staatsbesitz, um hier ein Schulhaus mit Turnhalle und Lehrerwohnungen einzurichten – zu diesem Zweck ist das ehemalige eingeschossige Bandhaus aufgestockt und innen umgebaut worden. Die architektonischen Reste des herrschaftlichen Speicherbaus sind wichtige Dokumente zur Geschichte Weinsbergs wie auch der spätgotischen Profanarchitektur in Württemberg.

98776095

Marktbrunnen Hauptstraße 8
(Karte)
Polygonaler gusseiserner Wasserkasten mit Wappen und Inschriften, Brunnensäule mit Urnenbekrönung, 1803

Der Brunnen wurde am Südrand des Marktplatzes im Jahre 1803 als ein Endpunkt der gleichzeitig angelegten Wasserleitung vom Stämmlesbrunnen am Rappenhof in die Stadt aufgestellt. Der ursprünglich unter dem Straßenniveau vertieft stehend und durch Ketten umzäunte Trog ist mit Wappen und Inschriften (u. a. Namen der städtischen Beamten der Erbauungszeit) geschmückt. Ebenso wie die klassizistische Brunnensäule wurde er in Königsbronn unter Beteiligung des bedeutenden Stuttgarter Wasserbautechnikers Karl A. von Duttenhofer angefertigt. Der Brunnen ist ein Zeugnis der historischen Wasserversorgung von Weinsberg vor Einführung des Wasserleitungsnetzes.

98771724
Gewölbekeller mit leicht vorkragendem Kellerhals Heilbronner Straße 11
(Karte)
Wohl spätmittelalterlich

Im dritten Untergeschoss des ehemaligen Gasthauses, von der Sterngasse her durch einen leicht vorkragenden Kellerhals erschlossen, befindet sich ein stattlicher Gewölbekeller, datierbar wohl in das Spätmittelalter: Kleinformatige unregelmäßige Steinquader mit Bearbeitungsspuren vom Scharriereisen und andere Merkmale legen diese Datierung nahe. Mehrere noch sichtbare Verbindungen zu Nachbarkellern (Heilbronner Straße 9, Sterngasse 10) weisen auf vergangene gemeinschaftliche Nutzung hin. Diese hielt mindestens bis ins 19. Jahrhundert hinein an, als der bekannte Weinsberger Stadtrat, Hauptmann der Bürgergarde und Traubenwirt Jakob Mall hier eine Sektkellerei und Kelter unterhielt – eine der ersten deutschen Sektkellereien. Später ist hier eine Brauerei mit Gastwirtschaft untergebracht gewesen. Die großen Kelleranlagen stellen eine Weinsberger Besonderheit dar. Sie sind – bedingt durch Kriegszerstörungen der Altstadt – baugeschichtliche Dokumente von hohem Stellenwert, da sie vielfach die einzigen baulichen Zeugnisse der historischen Bebauung darstellen. Dieser Stellenwert wird ergänzt durch die Bedeutung der Keller für die Wirtschaftsgeschichte des Weinbauortes Weinsberg.

98776118BW
Inschriftsteine in den historischen Weinbergstützmauern Vorderer Burgberg
(Karte)
17./18. Jahrhundert

Entlang des Burgweges, des Aufstieges zur Burg und des höhenparallel um die Burgruine geführten Weges sind mehrere Inschriftsteine mit Jahreszahlen, Eigentümernamen, Berufszeichen etc. eingelassen. Die im 17. und 18. Jahrhundert entstandenen Steine - der älteste bekannte stammt aus dem Jahr 1628 - stellen wichtige Dokumente der Ortsgeschichte wie auch des Weinbaus am Burgberg dar.

98772183BW

Weitere Bilder
Burg Weibertreu Schloßberg
(Karte)
Ruine der Höhenburg in weithin sichtbarer Gipfellage über Weinsberg mit Resten des Palas, des Bergfrieds und der Schildmauer, der Türme und der Tore sowie der Ring- und Schenkelmauern, im Kern wohl 11. Jahrhundert, Zwingeranlagen und Türme errichtet unter Konrad IX. von Weinsberg und der Kurpfalz im 1. Viertel 15. Jahrhundert bzw. nach 1450, Teilzerstörung im Landshuter Erbfolgekrieg, 1504 (a), Wiederauf- und Ausbau mit großem Geschützturm, sog. Äolsharfenturm, unter Herzog Ulrich von Württemberg, um 1514 bis 1519, Zerstörung im Bauernkrieg 1525 (a), Ausbesserungen wohl im Rahmen eines Wiederaufbauprojekts unter Herzog Johann Friedrich, Anfang 17. Jahrhundert (i), Erneuerungen und Instandsetzungen mit Bau der sog. Kapelle, angeregt u. a. durch Justinus Kerner und nach Entwürfen von Nikolaus Friedrich von Thouret, ab 1824 (a); Weinberg-Kranz

Die Ursprünge der Burg über der Stadt Weinsberg werden in der ottonischen Zeit vermutet. Sie erscheint 1020 als Besitz der Grafen von Calw; 1140 wird sie durch Konrad III. erobert. Kurz nach ihrem Ausbau im frühen 15. Jahrhundert wurde die ehemalige Reichsburg kurpfälzisch. Nach weiteren Ausbauten durch Herzog Ulrich von Württemberg, der die Burg 1504 erobert hatte, wurde die Anlage im Bauernkrieg 1525 weitgehend zerstört. Sowohl Herzog Christoph als auch Johann Friedrich trugen sich zeitweise mit dem Gedanken eines Wiederaufbaus, doch blieb Weibertreu weiterhin Ruine. Erst 1824 erfolgte auf Initiative von Justinus Kerner bzw. des Frauenvereins unter Beteiligung des prominenten Stuttgarter Hofbaumeisters Prof. Nikolaus von Thouret die noch heute prägende Burgrestaurierung – hierzu entwarf Thouret u. a. die noch stehende sog. Kapelle, neu angelegt bzw. renoviert wurden der Burgweg mit Allee und der Aufstieg durch die Weinberge. Seit 1824 bildet auch der obere Kranz der Weinberge mit der Burgruine eine Einheit. Der Weinbau an den Hängen des Burgbergs ist sicherlich mittelalterlichen, wenn nicht römerzeitlichen Ursprungs. Urkundliche Belege sind seit 1467 vorhanden. Um 1610 ist der Burgberg Kammergut, und auf seiner Südseite werden neue Weinbergterrassen mit Steinen der Burgruine geschaffen. Die Neuanlage des Weinbergs an der Nordseite erfolgte 1712, 1769 dann links vom alten Burgtor (ebenfalls mit Steinen der Burgruine). Hierdurch angeregt legten auch benachbarte Weingärtner noch im 17. und 18. Jahrhundert neue Weinbergterrassen an. Die Anlage hat damit wichtige Bedeutung für die Geschichte des mittelalterlichen Burgenbaus, des Weinbaus zu Beginn der Neuzeit wie auch der Denkmalpflege in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vor allem aber belegt sie die Weinsberger Ortsgeschichte. Besondere Berühmtheit erlangte die Burg durch die „Weiber von Weinsberg“: König Konrad III. eroberte 1140 Weinsberg von den Welfen. Er erlaubte den Frauen auf der Burg freien Abzug und dass jede soviel mit sich nehmen durfte, was sie auf ihren Schultern fortzutragen vermöchte. Die Frauen nahmen den König beim Wort und trugen ihre Männer, denen die Hinrichtung drohte, auf dem Rücken hinab. Nach diesen „treuen Weibern von Weinsberg“ erhielt die Burg vermutlich im Lauf des 18. Jahrhunderts den Namen Weibertreu. Die landeshistorisch hochbedeutende Anlage ist mit ihrer Gipfellage ein weithin sichtbares, prägnantes und wahrzeichenhaftes Bauwerk in der Kulturlandschaft rund um Weinsberg. Burg Weinsberg ist damit ein in höchstem Maße raumwirksames Kulturdenkmal.

1208793

Weitere Bilder
Villenanwesen mit Garten und Einfriedung Hildtstraße 1
(Karte)
Villa Hildt, zweigeschossiger, weitgehend verputzter Bau mit Walmdach, Sockel aus Quadermauerwerk, turmartiger Mittelrisalit, Ecklisenen, 1866

Die Villa der Weinsberger Familie Hildt wurde im Jahre 1866 nach Entwürfen des Architekten Christian Hildt (1814 bis 1909) erbaut. Sie ist der Nachfolgebau des im Baujahr an die königliche Weinbauschule verkauften Wohnhauses der Familie an der Haller Straße, das der Vater von Christian, ebenfalls Architekt, entwarf. Außer diesen Villen sind zu den Werken der Baumeisterfamilie in Weinsberg u. a. das Kernerhaus und die Restaurierung der Burgruine Weibertreu sowie die Beteiligung am Bau des Ludwigkanals in Bayern, am Bau rumänischer Eisenbahnen sowie an Brücken und Kanalbauten des Inlandes zu zählen. Die Villa Hildt ist ein Beispiel spätklassizistischer Villenarchitektur, die sich mit Vorliebe an die toskanische Landhausarchitektur der Renaissance anlehnte. Sie ist aber nicht nur von Bedeutung für die Architekturgeschichte, sondern als Wohnhaus einer bedeutenden Weinsberger Familie auch für die Stadtgeschichte.

98776126

Sühnekreuz Hintere Lindach
(Karte)
Wohl 16./17. Jahrhundert

Das Sandsteinkreuz steht unweit der Stadtgrenze zu Heilbronn auf dem Schnarrenberg. Die eine Seite ziert das Reliefbild eines Rebmessers oder einer Sichel, die andere soll früher die Jahreszahl 1625 gezeigt haben. Das Reliefbild und die Bearbeitung der abgeschrägten Kanten würden eine Datierung in das Jahr 1625 rechtfertigen, jedoch soll das Kreuz in einem Marksteinbuch von 1556 bereits verzeichnet sein. Der Überlieferung zufolge soll hier im Pestjahr 1625 ein tödlicher Streit stattgefunden haben, und das Kreuz als Zeichen der Sühne von den Eltern der Täterin aufgestellt worden sein. Dies steht in Übereinstimmung mit dem auch noch im 17. Jahrhundert seit dem Mittelalter praktizierten Rechtsbrauch der Totschlagsühne – der Aufstellung von Sühnekreuzen an der Stätte der Tat. Das Kreuz ist ein Beleg der württembergische Rechtsgeschichte im 16./17. Jahrhundert wie auch der Ortsgeschichte.

98776134

Stadtmühle Kanalstraße 37
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau, Satteldach mit Zwerchhaus, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, im Kern zumindest 1528 (a), Umbau 2. Hälfte 18. Jahrhundert und vor 1894

Die am Südostrand der Altstadt ehemals unmittelbar an der Stadtmauer und an einem Kanal des Stadtseebaches stehende frühere Weinsberger Stadtmühle ist die Nachfolgerin der ersten, bereits im 15. Jahrhundert urkundlich fassbaren Stadtmühle, die sich in der Stadtmühlgasse (Nr. 7) befand. Zwischen 1834 und 1882 wurde der Mühlbetrieb in diesem Gebäude aufgegeben und in das im Südosten stehende, nur durch den Mühlkanal von ihm getrennte Gebäude Kanalstraße 37 verlegt. Vor 1894 ist auch dieser Obergeschossteil zu Wohnzwecken ausgebaut und in dem Zusammenhang der mittige Zwerchgiebel aufgesetzt worden. Die Mühlenfunktion hat man 1905 aufgegeben, danach ist das Gebäude das Wohnhaus des Tabakfabrikanten Eichert und ab 1919 ein bäuerliches Anwesen mit Stall und Tenne im Mühlenraum geworden. Als ehemaliger Mühlenstandort ist das Anwesen von Bedeutung für die Weinsberger Stadtbau- und Wirtschaftsgeschichte.

98776142

Lateinschule und Präzeptorat Kirchstaffel 3
(Karte)
Zweigeschossiger, weitgehend verputzter Bau, Satteldach mit Aufschiebling, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, an Obergeschoss und Giebel über Knaggen vorkragend, 16. Jahrhundert

Der Fachwerkbau ist Bestandteil eines ortsgeschichtlich bedeutenden Ensembles von Gebäuden in zentraler Lage, die mit Blick auf die starken Zerstörungen Weinsbergs im 18. Jahrhundert und im Zweiten Weltkrieg als historische Bausubstanz inzwischen Seltenheitswert besitzen. Der prominenten Lage entsprechend ist auch die Funktion der Gebäude über Jahrhunderte hinweg immer stadtgeschichtlich herausragend gewesen. Beim Haus Kirchstaffel 3 handelt es sich um einen Bau des 16. Jahrhunderts, der um 1540 an der Stelle des im Bauernkrieg zerstörten alten Rathauses errichtet wurde und die Weinsberger Lateinschule beherbergte. Zugleich wohnte auch der Präzeptor, der Lateinschullehrer, hier. Sowohl die Funktion als Schulhaus sowie die des Präzeptorats wurden bis in das 20. Jahrhundert (1926) beibehalten. Als Beispiel einer anspruchsvollen Schulhausarchitektur des 16. Jahrhunderts mit barocken kunsthandwerklichen Ausstattungsdetails ist das Gebäude von Bedeutung für die Weinsberger Stadt(bau)geschichte.

98776151

Kollaboratur Kirchstaffel 5
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Krüppelwalmdach, massives Erdgeschoss mit Eckquaderung und rundbogigem Kellerabgang, darüber Fachwerk, unter Einbeziehung älterer Teile neu aufgebaut 1770 bis 1774; Vorgarten;

s. Stadtbefestigung, Beim Geisterturm 8

Der hinter einem kleinen Vorgarten (mit historischen Stützmauern) sich erhebende giebelständige Bau steht an der zur Johanneskirche vom Marktplatz hinaufführenden Staffel. Er ist Bestandteil eines ortsgeschichtlich bedeutenden Ensembles von historischen Bauten in zentraler Lage, die – bedingt durch mehrere Zerstörungen Weinsbergs im 18. und 20. Jahrhundert – Seltenheitswert besitzen. Der prominenten Lage entsprechend ist auch die Funktion der Gebäude über Jahrhunderte hinweg immer stadtgeschichtlich herausragend gewesen. Das Haus Kirchstaffel 5 ist die ehemalige Kollaboratur (zweite Schulmeisterstelle) gewesen, die aus dem Heiligkreuz-Pfründhaus des 16. Jahrhunderts hervorging: Im Jahre 1554 ging dieses in das Eigentum der Stadt über, die es für die Wohnung des Kollaborators verwendete. In den Jahren 1770 bis 1774 ist das baufällig gewordene Haus des Spätmittelalters neu erbaut worden, wobei zumindest der Gewölbekeller und massive Erdgeschossteile vom spätmittelalterlichen Bau weiterverwendet sind. Im Jahre 1840 ist dann im Erdgeschoss des Hauses ein zusätzlicher Unterrichtsraum für die benachbarte Schule eingerichtet worden. Die Schul- und Lehrerwohnhaus-Funktion behielt der Bau bis Ende der 1920er-Jahre. Der Vorgarten lässt den ehemaligen Küchengarten des Kollaborators erkennen. Das auch im Inneren anschaulich erhaltene Gebäude ist von Bedeutung sowohl für die Weinsberger Geschichte als auch für die kleinstädtische Wohnhausarchitektur des 18. Jahrhunderts.

98775442

Kellerei (heute Dekanat) Kirchstaffel 6
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau, Walmdach mit mittigem Zwerchhaus, massives Erdgeschoss mit reich profilierten Fenster- und Türgewänden, darüber Fachwerk, im Kern 16. Jahrhundert, Wiederaufbau nach Brand 1707

Der Barockbau steht in ortsbildprägender Hanglage oberhalb des Marktplatzes als wichtiger Bestandteil der historischen Bausubstanz Weinsbergs. Aus einer Kellereirechnung von 1663/64 geht hervor, dass das Gebäude im 17. Jahrhundert bis zum Verkauf in Privathand 1660 als Kellerei genutzt wurde. Im Jahre 1707 abgebrannt, ist das Haus bereits ein Jahr später im Stil des Barock wieder aufgebaut worden – dies bezeugt die Wappentafel über dem Hauseingang mit Inschrift und Herrschaftswappen. Seit 1987 ist hier das Dekanat untergebracht. Das Gebäude belegt die barocke Profanbaukunst ebenso wie die Weinsberger Stadt(bau)geschichte.

98775461

Knaben- und Mädchenschule Kirchstaffel 7; Ökolampadiusplatz 2
(Karte)
Aus zwei Gebäudeteilen bestehende winkelförmige Anlage mit Satteldächern, Erdgeschoss massiv, darüber Fachwerk mit Zierformen, an Obergeschoss und Giebel über Balkenköpfen und Knaggen vorkragend, verblattetes Fachwerk am Nordgiebel, im Inneren Bohlenstube mit Balkendecke, im Kern 15. Jahrhundert, erweitert 1615 (i), erneuert 1766
Ansicht vom Ökolampadiusplatz

Das aus zwei Gebäudeteilen bestehende winkelförmige Anwesen steht unmittelbar an der Johanneskirche, am Ende der vom Marktplatz hinaufführenden Staffel. Es ist wesentlicher Bestandteil eines ortsgeschichtlich bedeutenden Ensembles von historischen Bauten in zentraler Lage, die – bedingt durch die Zerstörungen der Altstadt im frühen 18. und mittleren 20. Jahrhundert – mit Blick auf überlieferte Altbausubstanz Seltenheitswert besitzen. Der herausragenden städtebaulichen Lage entsprechend ist auch die Funktion der Gebäude über Jahrhunderte hinweg immer stadtgeschichtlich bedeutend gewesen. Es handelt sich um die ehemalige Knaben- und die angebaute Mädchenschule, die geschichtlich und substanziell bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht: Der Gebäudeteil Kirchstaffel 7 birgt im Kern die spätmittelalterliche Deutsche Schule, die bereits im Jahre 1499 erstmals urkundlich bezeugt wird. Sie ist aus der Frühmesspfründe hervorgegangen und war mit dem Mesneramt verbunden – daher auch die Lage in Kirchennähe, die auch im Jahre 1511 urkundliche Bestätigung findet. Verblattetes Fachwerk am Nordgiebel des Hauses und eine Bohlenstube mit Balkendecke im Inneren bestätigen das Vorhandensein von Bausubstanz aus dem 15. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert, 1615 datiert an einem Fenstergewände, ist das alte Schulhaus erweitert worden in Richtung Marktplatz: Außer den kunstvoll profilierten Fenstergewänden im massiven Erdgeschoss dokumentiert auch das Zierfachwerk des Südgiebels diese wichtige Bauphase. Eine Erneuerung des Hauses fand 1766 statt. Mit seinem hohen Alter und seiner wichtigen Funktion ist das Gebäude ein Dokument der Weinsberger Stadtbau- und Schulgeschichte in Mittelalter und Früher Neuzeit.

98772749

zwei Steinkreuze Lindenstraße 20
(Karte)
Schilfsandstein, wohl 15./16. Jahrhundert, bei Bauarbeiten aufgefunden und neu aufgerichtet, 1948

Die heute in einer kleinen öffentlichen Grünanlage, wo sie 1948 aufgefunden wurden, stehenden Steinkreuze werden in der ortsgeschichtlicher Überlieferung mit dem im 14. Jahrhundert hier urkundlich bezeugten Leprosenhaus in Verbindung gebracht und sollen Grabkreuze der verstorbenen Aussätzigen darstellen. Tatsächlich dürfte es sich um Sühnekreuze handeln. Diese sind charakteristische Zeugnisse spätmittelalterlicher Rechtskultur. Im Falle eines Totschlags musste zur Sühne ein Kreuzstein als Mahnmal gestiftet werden. Da der Erschlagene ohne Empfang der heiligen Sterbesakramente aus dem Leben geschieden war, stellte man den Kreuzstein als Symbol für Tod und Auferstehung am Ort des Geschehens auf. Im 15. und 16. Jahrhundert erreichte diese Art der Totschlagsühne eine außerordentliche Entfaltung, wodurch der Großteil der erhaltenen Kreuze aus dieser Zeit stammt.

98775468

Bauten der Eisenbahn Bahnhofplatz 1, 7, 8; Linsenberg; Stadtseestraße 1
(Karte)
Bahnmeisterei (Weinsberg, Bahnhof 7), Güterschuppen (Weinsberg, Bahnhof 8), Stellwerk Nr. 1 (Weinsberg, Bahnhof 23), Eisenbahntunnel (Weinsberg, Gewann Schnarrenberg, Flst. Nr. 3672)
Güterschuppen
Stellwerk
Tunnel

Der Weinsberger Bahnhof samt der dazu gehörigen Bauten und technischen Einrichtungen entstand in der zweiten bedeutenden Phase des Eisenbahnbaus in Württemberg, die in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts Heilbronn mit Schwäbisch Hall, Crailsheim und dem Königreich Bayern verbinden sollte. Die unter der Leitung des Oberbaurats C. Julius Abel im Jahre 1859 begonnene Eisenbahnlinie wies mit dem Weinsberger Schnarrenberg-Tunnel das erste Großprojekt und zugleich das größte, aufwändigste und umstrittenste Bauwerk auf dem ganzen Abschnitt zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall auf. Der fast 900 m lange, noch heute original überlieferte Tunnel ist damals der größte in ganz Württemberg gewesen. Die Gliederung der Tunnelportale in Anlehnung an die Triumphbogenarchitektur verdeutlicht den hohen Stellenwert, den man damals der Eisenbahn beimaß. Das im Stil des Spätklassizismus gestaltete Empfangsgebäude in Weinsberg ist ebenfalls auf Entwürfe J. Abels zurückzuführen. Eine reizvolle Baugruppe und aufschlussreiche funktionale Einheit mit dem Empfangsgebäude bilden der gleichzeitig im dekorativen Stil der alpenländischen Holzbauweise errichtete Güterschuppen und die Bahnmeisterei von 1909, die mit ihrer Rustikaquaderung ihre Zugehörigkeit zu den Bahnbauten deutlich macht. Eine andere aufschlussreiche Baugruppe von hohem Originalitäts- und Anschauungswert steht am schienengleichen Bahnübergang: Mit dem 1909 erbauten Stellwerk und dem offenbar um 1862 erbauten Bahnwärterhaus wird die bauliche und funktionale Ausstattung eines Bahnhofes um 1900 in inzwischen seltener Weise dokumentiert. Der Weinsberger Bahnhof ist ein wichtiger Beleg der Architektur- und Eisenbahngeschichte in Württemberg im 19. bis frühen 20. Jahrhundert. Darüber hinaus hat das Gebäude stadt- und verkehrsgeschichtliche Bedeutung, erfuhr doch Weinsberg durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.

98772055
Wohnhaus und ehemalige Buchdruckerei Marktplatz 2
(Karte)
Zweigeschossiger, teilweise verputzter Bau mit Satteldach, massives Sockelgeschoss mit rundbogigem Kellerabgang, darüber Fachwerk, einläufige Außentreppe, über älterem Keller erbaut, 17. Jahrhundert

Das in zentraler Lage gegenüber vom Rathaus stehende Fachwerkhaus ist wichtiger Bestandteil eines ortsgeschichtlich bedeutsamen Ensembles von historischen Gebäuden, die – weitgehend original überliefert – mit Blick auf die starken Zerstörungen Weinsbergs im 18. und 20. Jahrhundert als Altbausubstanz Seltenheitswert besitzen. Der prominenten Lage entsprechend ist auch die Funktion dieser Häuser über Jahrhunderte hinweg immer stadtgeschichtlich herausragend gewesen. Das Haus Marktplatz 2 reicht im Kern in das Spätmittelalter zurück. Hiervon zeugt der Gewölbekeller mit seiner unregelmäßigen Quaderstruktur. Die Fachwerksubstanz ist im Kern in das 17. Jahrhundert zu datieren, prägende Neugestaltung erfuhr das Haus im 19. Jahrhundert, damals als Wohnhaus des Stadtpflegers Stücklen und Gründungsort der Weinsberger Zeitung – hervorgegangen aus der Buchdruckerei von G. Köhler. Die im Jahre 1875 hier gegründete Zeitung ist zugleich Amtsblatt der Stadt und später auch des ganzen Oberamts gewesen. An diese besondere Funktion des Gebäudes erinnert im Inneren der saalartige Erdgeschossraum mit auf geschnitzten Konsolen ruhenden Deckenbalken. Das Gebäude besitzt Bedeutung sowohl für die Ortsgeschichte (insbesondere als Gründungsort der Weinsberger Zeitung) als auch für die Baukunst vom Spätmittelalter (Keller) bis ins 19. Jahrhundert.

98775510BW

Gasthof Zur Sonne Marktplatz 3, 4, 5
(Karte)
Bestehend aus: zweigeschossiges verputztes Gasthaus mit Mansardwalmdach in Hanglage, hohes Sockelgeschoss mit rundbogigem Kellerabgang, große Torfahrt, reich profilierte Fenstergewände, unter Verwendung älterer Keller wiederaufgebaut, 1708 (i); unterkellerter Stall im rückwärtigen Hofbereich; Gewölbekeller unter Marktplatz 4

Der einstige Gasthof in zentraler Lage ist wichtiger Bestandteil eines ortsgeschichtlich bedeutenden Ensembles von historischen Bauten, die mit Blick auf die starken Zerstörungen Weinsbergs im 18. und 20. Jahrhundert als Altbausubstanz hier Seltenheitswert besitzen. Der herausragenden Lage im Stadtkern entsprechend ist auch die Funktion dieser Häuser über Jahrhunderte hinweg immer stadtgeschichtlich bedeutsam gewesen. Es handelt sich um den nach dem großen Stadtbrand von 1707 wieder aufgebauten Gasthof Zur Sonne, wobei die Gewölbekeller noch von den Vorgängerbauten des Mittelalters überliefert sind. Der Ober- oder Sonnenwirt Jerg Rey wird 1569/70 in den Akten fassbar. Die älteste urkundliche Überlieferung der Sonnenwirtschaft stammt aus dem Jahre 1639. Als einer der beiden ältesten Gasthöfe am Ort dürfte seine Geschichte jedoch weiter zurückreichen. Er war als Herrenwirtschaft nicht nur Gaststätte für die Ratsherren, sondern auch Quartier für die württembergischen Gesandten aus Stuttgart, Ludwigsburg und Neuenstadt am Kocher. Zusätzliche ortsgeschichtliche Bedeutung erhielt das bis ca. 1870 als Gasthaus betriebene Gebäude im Jahr 1895, als hier die Weinsberger Zeitung mit Druckerei einzog (Amtsblatt der Stadt und des Oberamtes, bis 1934 erscheinend).

98775477
Alter Pfarrhof Kirchstaffel 1
(Karte)
Bestehend aus: Pfarrhaus, zweigeschossiger verputzter Fachwerkbau mit rückwärtig angebauter Scheune bzw. Atelier und Ausstattung, im Kern 16. Jahrhundert, Neuaufbau nach Brand im 18. Jahrhundert; Garten einschließlich historischer Einfriedung

[s. Stadtbefestigung, Beim Geisterturm 8]

Das Areal gehört zu einem ortsgeschichtlich bedeutenden Ensemble von Gebäuden in zentraler Lage am Marktplatz, die mit Blick auf die starken Zerstörungen Weinsbergs im Zweiten Weltkrieg als historische Bausubstanz Seltenheitswert besitzen. Dieser prominenten Lage entsprechend ist auch die Funktion der Gebäude über Jahrhunderte hinweg immer stadtgeschichtlich herausragend gewesen. Beim Haus Kirchstaffel 1 handelt es sich um einen im Kern sogar bis in das 16. Jahrhundert zurückreichenden Bau, dessen heutiges Erscheinungsbild durch die Neugestaltung als Pfarrhaus in der Barockzeit geprägt ist. Das Gebäude wurde nach den zum gegenwärtigen Zeitpunkt vorhandenen Archivalien spätestens seit dem 16. Jahrhundert als Pfarrhaus der Weinsberger Kirchengemeinde genutzt. Im Bauernkrieg wie alle Häuser der Stadt zerstört, ist es 1539 bis 1540 wieder aufgebaut worden. Bereits während der Reformation erlangte das alte Pfarrhaus als Wirkungsstätte des bekannten Reformators und Luther-Freundes Johann Geyling überregionale Bedeutung – Geyling wirkte hier von 1534 bis 1547. Pfarrhaus ist das Gebäude bis ins 18. Jahrhundert geblieben. Die noch heute in hohem Maße überlieferte historische Substanz des Gebäudes stammt im Wesentlichen aus dem mittleren 18. Jahrhundert: Ein Brand von 1744 machte einen Neuaufbau notwendig, wobei die Bausubstanz des 16. Jahrhunderts im Bereich des Gewölbekellers und des massiv gebauten Erdgeschosses in bedeutenden Teilen mit übernommen wurde. Das Dachgeschoss der Stallscheune ist im 19. Jahrhundert zu einem Künstleratelier mit großem Nordfenster ausgebaut worden. Dieser Raum erinnert an die zweite überregional bedeutende Phase des Gebäudes. Ab 1899 besaß die Familie des Bürgermeisters Karl Seufferheld das Haus, dessen Sohn der bekannte württembergische Maler Professor Heinrich Seufferheld (1866 bis 1940) war. In Weinsberg geboren, ist er ab 1909 Universitätsprofessor in Tübingen geworden und mit seinem Werk (u. a. der Grablegung in der Ulmer Martinskirche und dem Mappenwerk „Des Todes Lied“) eine feste Größe württembergischer Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Die Tradition des Künstlerhauses setzte sich auch nach Seufferheld fort: Ein Schwiegersohn des Bürgermeisters, der ebenfalls wichtige Künstler Albert Volk (1882 bis 1982) wirkte als Maler und Bildhauer im gartenseitigen Atelier. Er ist 1928 bis 1944 Professor der Stuttgarter Kunstakademie gewesen, langjährig Ausstellungsleiter des Künstlerbundes und des Kunstvereins Heilbronn. In Weinsberg erinnern an ihn das Gefallenendenkmal an der Johanneskirche und zahlreiche Zeichnungen von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Als anschauliches Beispiel barocker Pfarrhausarchitektur und als Wirkungsstätte bedeutender Künstler hat das Anwesen Bedeutung für die Geschichte Weinsbergs wie auch für die Kunst- und Architekturgeschichte.

98775427BW

Wohnhaus mit Kellern Marktplatz 7, 9
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Krüppelwalmdach, hohes Sockelgeschoss mit rundbogigem Kellerabgang, zweitteilige Kelleranlage, rückwärtig angebautes ehemaliges Ökonomiegebäude, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Das Anwesen stellt im Kern das frühere Wohnhaus des Weinsberger geistlichen Verwalters Fulda dar. Von der bis ins Mittelalter zurückreichenden Bausubstanz dieses ortsgeschichtlich gewichtigen Gebäudes ist der platzseitige Gewölbekeller mit seiner unregelmäßigen, grob verputzten Quaderung überliefert. Das Fuldaische Haus fiel 1707 gemeinsam mit der Nachbarbebauung dem großen Stadtbrand zum Opfer. Ein Lageplan von 1716 dokumentiert den damals noch unbebauten Hausplatz. Ein Stadtplan von 1761 belegt dann das Vorhandensein des Neubaus. Wohl 1808 ist die Umgestaltung des Barockbaus und Erweiterung des alten Gewölbekellers (unter die Nr. 9) erfolgt. 1814 begann die Stadt, das Haus – damals als „neuer Bau“ bezeichnet und offenbar Bestandteil des ehemaligen Pfarrhofes (Kirchstaffel 1) – zu einem Wohnstallhaus für die Witwe des Stadtschreibers Zeller herzurichten. 1818 kam es in Privatbesitz, spätestens 1834 ist es zweigeteilt in die heutigen Haushälften Nr. 7 und 9 und wird von Handwerkern bewohnt (Küfer und Schuhmacher). Der barocke Torbogen, der das Haus mit dem Nachbargebäude Nr. 8 verband und die ursprüngliche Einheit des Pfarrhofes um 1814 optisch zum Ausdruck brachte, ist erst in jüngerer Zeit abgetragen worden. Mit seiner langen wechselhaften Bau- und Ausstattungsgeschichte ist das Anwesen ein wichtiges Zeugnis der Weinsberger Stadtgeschichte.

98776223

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Rathaus Marktplatz 11
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Eckquaderung und Sockelgeschoss aus Werksteinquadern in leichter Hanglage, Satteldach mit Glockentürmchen, doppelläufige Außentreppe und darüber Zwerchhaus mit Uhr, nach Entwürfen des Weinsberger Architekten Imanuel Braun errichtet, 1951

Das Weinsberger Rathaus war im Zweiten Weltkrieg mit Ausnahme der Treppenanlage, der Umfassungswände im dahinter liegenden Untergeschoss und der Außenwände im darüber befindlichen Erdgeschoss zerstört worden – diese Reste wurden später auch beseitigt. Die Architektur des Neubaus lehnt sich an die Formensprache des barocken Vorgängerbaus an und dokumentiert damit in exemplarischer Weise den durch Prof. Schmitthenner in Stuttgart begründeten, auch nach dem Zweiten Weltkrieg durch ihn repräsentierten sog. Heimatstil. Charakteristisch sind u.a. der von Säulen getragene erkerartige Überbau der Außentreppe, der Motive des turmbekrönten barocken Zwerchhauses variiert, ebenso wie die barockisierende Fassung der Gebäudekanten durch Eckpilaster, die Rahmung und Verteilung der Fensteröffnungen, Türen und Türgewände. Ein einfühlsam eingefügtes Element des Organischen Bauens stellt der Parabolbogen im Untergeschoss dar, bekrönt vom figürlichen Keilstein des bekannten einheimischen Bildhauers A. Volk. Auch im Inneren des Gebäudes setzen einige Räume und Ausstattungsdetails die Formensprache der Architektur fort: Zu nennen sind insbesondere der Sitzungssaal, das Bürgermeisterzimmer und das Trauzimmer. Bedeutendes Ausstattungsstück ist das farbige Treppenhausfenster des prominenten Glasmalers H. G. von Stockhausen mit Szenen aus der Weinsberger Geschichte. Mit seiner Architektur und Ausstattung ist das Weinsberger Rathaus ein bau- und kunsthistorisch bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsmoderne in der Region.

98776158

Schöntaler Pfleghof und württ. Kellerei Mönchhausgasse 2
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit asymmetrischem, teilweise abgewalmten Dach, massives Sockel- und Erdgeschoss mit rundbogigem Kellerabgang, darüber Fachwerk, als Pfleghof des Klosters Schöntal erbaut, Dachwerk 1526/27 (d), Wapenstein 1562 (i)

Der im Erdgeschoss eingelassene Wappenstein belegt, dass der stattliche, einer dendrochronologischen Untersuchung zufolge 1526/27 errichtete Bau als Pfleghof des Klosters Schöntal diente. Die Anfangsworte aus dem Psalm 127 („Wo nicht der Herr das Haus behütet, so arbeiten umsonst, die daran bauen“) stellen ein aufschlussreiches zeitgeschichtliches Zeugnis dar. Kloster Schöntal besaß in Weinsberg bereits seit dem frühen Mittelalter als Stiftung der Herren von Weinsberg bedeutende Güter hier (u. a. den Weißenhof); der Pfleghof diente der Verwaltung und Lagerung, aber zugleich auch als Herberge durchreisender Klosterangehöriger. Als Pfleghof diente das Gebäude bis 1692, danach erwarb Württemberg das Haus und richtete die Kellerei ein. 1743 ist der Bau – einschließlich der dazugehörigen Keltergerechtigkeit – an den Bäcker Ziegler veräußert worden, seitdem ist er in Privatbesitz. Als ehemaliger Klosterhof und württembergische Kellerei ist das Anwesen ein wichtiges Zeugnis früherer Besitz- und Herrschaftsverhältnisse und belegt als einer der ältesten Bauten in Weinsberg eindrucksvoll die Stadtbaugeschichte.

98776251
Gewölbekelleranlage Nagelgasse 4
(Karte)
Bestehend aus: hoher, früher zweigeschossiger Keller zur Straße, wohl 15./16. Jahrhundert; Gewölbekeller mit flacherem Gewölbe zum Hof hin, 1699 (i)

Die stattliche Gewölbekelleranlage unter dem Wohnhaus und dem rückwärtigen Hof weist mindestens zwei ablesbare Bauphasen auf: der ältere straßenseitige Teil stammt wohl aus dem 15. bis 16. Jahrhundert, die daran anschließende hofseitige Erweiterung, ein fast doppelt so breiter und längerer Gewölbekeller, ist im Gewölbescheitel in das Jahr 1699 datiert. Die Datierung ist auf einer Wappenkartusche mit Küferzunftzeichen angebracht, die von dem Bauherrennamen Johannes Georg Scheuermann gerahmt wird. Der Küfermeister Scheuermann ist mit dem Pfleger des Lichtensterner Klosterhofes in Heilbronn verwandt gewesen. Auch für sein Haus in Weinsberg wird angenommen, dass sich hier der Lichtensterner Pfleghof befand – diese Annahme wird durch die stattliche Kelleranlage und das auffallend große frühere Haus darüber gestützt. Lichtenstern besaß als Weinsberger Stiftung sicherlich Güter auf der städtischen Gemarkung. Nach der Aufhebung des Klosters ist im Hause Nagelgasse 4 u. a. das Amtsgericht untergebracht gewesen, im 19. Jahrhundert ist es ein bäuerliches Gehöft. Die Kelleranlage dokumentiert die Wirtschafts- und Stadt(bau)geschichte Weinsbergs vom Mittelalter bis in das 17. Jahrhundert.

98776165BW

Kerner-Denkmal Öhringer Straße 3
(Karte)
Sandsteinstele mit Triumphbogenmotiv, Dreiecksgiebel, Bronzeplatten mit Inschriften und Reliefporträt, 1865

Das Denkmal wurde 1865 unmittelbar neben dem früheren Wohnhaus der Familie Kerner, in der ehemaligen städtischen Grünanlage am Grasigen Hag, für den bedeutenden Weinsberger Dichter, Arzt und Heimatpfleger Justinus Kerner (1786 bis 1862) errichtet. Das im aufwendigen spätklassizistischen Stil gestaltete Denkmal stifteten die Freunde Kerners, den architektonischen Entwurf lieferte Prof. A. Beyer, das Reliefportrait modellierte Prof. E. Herdtle, beide aus Stuttgart. Den Sockel des Denkmals ziert eine Bronzeplatte mit dem Gedicht, das August Köstlin bei der Einweihung vortrug, darüber der Text der Auszeichnung, die Justinus Kerner 1858 von der medizinischen Fakultät der Tübinger Universität erhielt („Tröster der Kranken und Schrecken der Geister, Vaterlands Zierde, der Dichtkunst Meister“). Ursprünglich ist das Denkmal erhöht gestanden, über eine Freitreppe erschlossen und von einer kunstvollen Umzäunung umgeben gewesen. Es ist ein anschauliches Beispiel der Denkmalskunst des Spätklassizismus in Württemberg und besitzt zudem Bedeutung für die Ortsgeschichte von Weinsberg und die württembergische Literaturgeschichte.

98776102

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Kernerhaus Öhringer Straße 3
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Satteldach, Erdgeschoss massiv, darüber Fachwerk, Sockel, Eckquaderung und Gewände in Sandstein, nach Entwürfen von J. G. Hildt für Justinus Kerner erbaut 1822, durch Treppenturm und Anbau erweitert, 1827 und 1879

1822 wandte sich der schwäbische Dichter und damalige Oberamtsarzt Justinus Kerner (1786–1862) an die Stadt Weinsberg und bat um Unterstützung bei der Verbesserung seiner bisherigen unangenehmen Wohnverhältnisse. Die Stadt überließ ihm unentgeltlich ein Baugrundstück auf einer durch die Verfüllung der Stadtgräben entstandenen Grünfläche außerhalb der Stadtmauer, zu Füßen des Weinsberger Burgberges. Das nach Entwürfen eines Freundes, des Werkmeisters und Architekten Johann Georg Hildt, erbaute klassizistische Haus wurde bereits wenige Jahre später, 1827, nach einem Entwurf des Malers Wagner aus Heilbronn um einen hölzernen Anbau im Schweizerhausstil erweitert. Nach Kerners Tod wurde das Haus von dessen Sohn, dem Arzt und Schriftsteller Theobald Kerner, übernommen, der es um 1880 umbauen und den markanten (Treppen-)Turm anfügen ließ. Mit seinem Erinnerungsbuch „Das Kernerhaus und seine Gäste“ (1894) hat Theobald Kerner dem Anwesen ein literarisches Denkmal gesetzt. Als einer der zentralen Treffpunkte der schwäbischen Romantiker und als Begegnungsstätte bedeutender Persönlichkeiten aus aller Welt ist das Kernerhaus ein literaturgeschichtlich bedeutsamer Ort. Das Kernerhaus, 1908 zu einer Gedenkstätte eingerichtet, ist eine der bedeutendsten Gedenkstätten der schwäbischen Romantik und gehört neben dem Marbacher Schiller-Nationalmuseum zu den wichtigsten Literaturmuseen in Baden-Württemberg.

98771851

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Alexanderhäusle Öhringer Straße 8
(Karte)
Eingeschossiger verputzter Massiv- und Fachwerkbau mit hohem Mansarddach und Treppenturm, im Kern wohl Friedhofskapelle aus der Zeit um 1600, von der Familie Kerner als Wohnhaus bzw. Gästehaus genutzt seit 1844, Umbau 1907; Garten u. a. mit dem steinernen Tisch des sog. Dichterhains

Das in der Nachbarschaft des Kernerhauses stehende Alexanderhäusle wurde nach Graf Alexander von Württemberg benannt, der sich als Gast des Arztes und Dichters Justinus Kerners häufig in Weinsberg aufhielt. Es wird vermutet, dass das 1828 von Kerner erworbene und als Gartenhaus bzw. Gästehaus für seine Besucher genutzte Gebäude ursprünglich in Zusammenhang mit dem um 1600 hier befindlichen Friedhof stand und vielleicht als Totenhaus oder Friedhofskapelle diente. Neben Graf Alexander von Württemberg zählten auch Ludwig Uhland, Nikolaus Lenau, Eduard Mörike und Matthias Rybinski zu Kerners Gästen. 1886 plante Kerners Sohn Theobald eine Erweiterung des Häuschens zu einer Villa, die aber aus finanziellen Gründen nicht über einen einstöckigen Anbau hinaus kam und erst 1907 von seiner Witwe weiter betrieben wurde. Damals baute der Heilbronner Architekt Theodor Moosbrugger das Gebäude zu einer kleinen Villa mit Elementen des Jugendstils um. Nach längerem Leerstand gelang es dem Justinus-Kerner-Verein 1985, das Gebäude zu erwerben und schließlich zu sanieren und im Jahr 2000 als Teil des Justinus-Kerner-Museums der Öffentlichkeit zu öffnen. Zusammen mit dem benachbarten Wohnhaus von Justinus Kerner ist das Alexanderhäusle als einer der zentralen Treffpunkte der schwäbischen Romantiker von hoher Bedeutung für die Stadt- und Literaturgeschichte.

98771861

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Ev. Stadtkirche (St. Johannes d. T.) Ökolampadiusplatz 1
(Karte)
Dreischiffige Basilika aus Großquadermauerwerk, eingezogener Langchor mit 5/8-Schluss, Strebepfeilern und schmalen Maßwerkfenstern, dreigeschossiger, vom Quadrat ins Oktogon übergehender Ostturm mit Spitzhelm, im Winkel von Langhaus und Chor Sakristei, Fassadengliederung mit Rundbogenfriesen, Stufenportal mit eingestellten ornamentierten Säulen und Bogenfeld mit Kreuz- und Lilienmuster, im Inneren flachgedecktes dreischiffiges Langhaus mit sieben Jochen, Arkadenreihe im Wechsel aus Pfeiler und Säule, um mehrere Stufen erhöhter Chorraum mit Rippengewölbe, an der Langhausnordwand Wandmalereifragmente mit Passionsszenen Christi, wohl 14. Jahrhundert, Langhaus errichtet 1. Hälfte 13. Jahrhundert, Chor und Sakristei angebaut um 1350, Umbau und Einbau Empore im 16. Jahrhundert

Die besondere Bedeutung der Ev. Johanneskirche kommt schon in ihrer erhöhten Lage zwischen Burg und Weinsberger Altstadt zum Ausdruck. Die in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaute romanische Basilika diente bis zur Einführung der Reformation nicht nur als Weinsberger Pfarrkirche, sondern war auch Hauptkirche des 1291 erstmals erwähnten Landkapitels Weinsberg des Bistums Würzburg. Nachdem die Stadt 1440 und die Burg 1450 kurpfälzisch geworden waren, ging das Patronatsrecht an die pfälzischen Kurfürsten über, ab 1504 an die Herzöge von Württemberg. Bei der Zerstörung der Stadt im Bauernkrieg 1525 brannte die Kirche aus und wurde danach wieder aufgebaut. Die späteren Zerstörungen der Stadt durch Brände 1707 und 1945 überstand sie jedoch unversehrt. Die Kirche ist aber nicht nur ein anschauliches Dokument der Sakralbaugeschichte in Romanik und Gotik, sondern durch ihre Ausstattungsstücke ebenfalls ein viele Jahrhunderte illustrierendes kunstgeschichtliches Zeugnis: Das romanische Kruzifix, die Wandmalereien mit der Leidensgeschichte Jesu aus dem 14. Jahrhundert, das Weinsberger Andachtsbild mit der Darstellung des wandernden Gottesvolks aus Juden und Christen in heimischer Landschaft von 1680/90, die Orgel von 1823 und die Glasfenster aus dem 20. Jahrhundert sind charakteristische Beispiele ihrer jeweiligen Gattung und Epoche. Auch die kirchliche und konfessionelle Geschichte von Weinsberg, in dem eine Pfarrei und ein Dekanat bereits im 13. Jahrhundert nachweisbar sind und das nach Herrschaftswechseln zum Herzogtum Württemberg im 16. Jahrhundert reformiert wurde, werden in dem Gotteshaus gegenwärtig.

1208789

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Friedhof Friedhofstraße 7; Rossäckerstraße 5/1, 6
(Karte)
Historische Umfriedung des alten Friedhofsteils mit Toren und Inschriftsteinen, historische Grabmale, Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege, angelegt 1612

Die Anfänge des Friedhofs reichen in die Zeit der Pestepidemien zurück. Im Jahre 1612 fanden hier die ersten seuchenbedingten Bestattungen statt. Kurz darauf, 1617, wurde der alte Begräbnisplatz um die Johanneskirche aufgehoben (mit Ausnahme der Familiengräber) und der Friedhof endgültig hierhin, weit außerhalb der Stadt, hinausverlegt. An diese Verlegung erinnert heute der ehemalige Türsturz des alten Friedhofstores, seit der Anlage der Eisenbahn in Sekundärverwendung an der Geschirrhütte in die Mauer eingelassen: Neben der Jahreszahl 1617 erinnern die Initialen an den damaligen Heiligenpfleger und den Spitalmeister, die für die Friedhofsanlage verantwortlich zeichneten. Die erste Friedhofserweiterung fand 1794 infolge der hohen Sterberate des in Weinsberg befindlichen österreichischen Lazaretts statt, weitere Erweiterungen folgten 1811, 1840 und 1863. Der Friedhof ist ein frühes Beispiel für die Verlegung der Begräbnisplätze weg von den innerörtlichen Kirchen an die Peripherie der Dörfer und Städte, die ihre Gründe in den geringen Dimensionen und der problematischen Hygiene der innerörtlichen Kirchplätze hatte. Damit ist er ein Zeugnis der Bestattungskultur wie auch der Weinsberger Ortsgeschichte.

98771578
( Wikidata)

Wohnhaus Götz Schillerstraße 1
(Karte)
Zweigeschossiger, überwiegend verputzter Bau mit Halbwalmdach, Sockel und Architekturglieder am Erdgeschoss aus Sandstein, Kniestock und Giebel in Fachwerk, vom Weinsberger Bauwerkmeister Ganzenmüller für Karl Götz erbaut, 1906

Das im Jahre 1906 für den in Heilbronn-Böckingen arbeitenden Steinhauer Karl Götz erbaute Gebäude wurde als Dreifamilienhaus mit je einer Dreizimmerwohnung pro Stockwerk errichtet, im Erdgeschoss zusätzlich mit einem an die Küche angebauten Kleintierstall, im Keller mit gemeinsamer Waschküche. Mit seinem Wechselspiel historistischer Architektur mit dekorativen kunsthandwerklichen Details des Jugendstils - hierbei kann angenommen werden, dass die steinhauerischen Arbeiten der Bauherr selbst ausführte und er sich dabei von Heilbronner Villen inspirieren ließ - ist der Bau ein anschaulich überliefertes Beispiel eines Wohnhauses an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. In der Vollständigkeit der Überlieferung und dem kunsthandwerklichen Anspruch der Ausstattung besitzt das Wohnhaus in Weinsberg Seltenheitswert.

98776172

Ofentragstein Secklergasse 7
(Karte)
1775

Ofensteine dienten im 18. und 19. Jahrhundert als Füße von meist gusseisernen Stubenöfen, die zur Ausstattung reicherer Bauern- und Weingärtnerhäuser in der Region gehörten. Von den Ofensteinen sind viele und oft formal ausgefallene Beispiele erhalten. Sie wurden später häufig als eine Art Hauszeichen in die Außenwände von Gebäuden eingelassen. Dieses Beispiel ist aufwendig bildhauerisch gearbeitet und stellt zwei Löwen, die in einem Mörser rühren, dar. Das Reliefbild weist auf die Herkunft des Steins aus der Weinsberger Apotheke hin, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die Jahreszahl erinnert an den 1775 erfolgten Übergang der Apotheke von Johann Friedrich Irnsinger auf seinen Nachfolger Karl Christian Salzer, der die Apotheke bis 1796 inne hatte. Das Reliefbild mit dem allegorischen Bild der Apotheke und dem architektonischen Rahmenwerk aus Schneckenvoluten stellt ein qualitätvolles Zeugnis barocker Bildhauerei in Weinsberg dar.

98776204

Herzogliche Amtskellerei bzw. Oberamtspflege (heute Wohnhaus) Seufferheldstraße 7
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau in Hanglage, Satteldach mit Aufschiebling, Sockelgeschoss aus Bossenquadern mit rundboggigem Kellerabgang, übergiebelter Hauseingang, im Kern spätes 18. Jahrhundert, erneuert 1890

Bei dem Gebäude handelt es sich um die Herzoglich Württembergische Amtskellerei, die im 18. Jahrhundert von der Familie von Olnhausen bekleidet wurde. Auch nach der Verwaltungsreform im 19. Jahrhundert blieb das Haus zumindest bis 1834 Verwaltungssitz (Oberamtspflege), ebenfalls von der Familie von Olnhausen ausgeübt. Später kam es in den Besitz der Apothekerfamilie Schnizer, die 1890 die noch heute das Erscheinungsbild des Gebäudes prägende Erneuerung mit den historistischen Fensterverdachungen und dem übergiebeltem Hauseingang durchführte. Als ehemaliger herrschaftlicher Verwaltungssitz besitzt das Gebäude Bedeutung für die Weinsberger Stadt(bau)geschichte.

98776312

Weitere Bilder
Baukelter Seufferheldstraße 14
(Karte)
Zweigeschossiger Steinbau mit Halbwalmdach, großer Gewölbekeller, anstelle eines älteren Vorgängerbaus wiederaufgebaut nach dem Stadtbrand von 1707 unter Mitverwendung von Steinen der Burgruine Weibertreu

Die sog. Baukelter ist bereits im 16. Jahrhundert urkundlich belegt: 1528 scheint sie als Brandruine der Oberen Kelter im Besitz der Herrschaft Württemberg erstmals in den Quellen auf. Drei Jahre zuvor war sie von Truppen des Schwäbischen Bundes bei der Niederbrennung der Stadt als Strafe für die Unterstützung der Aufständischen im Bauernkrieg zum Opfer gefallen. Die bis 1531 wiederhergestellte Kelter wurde im frühen 17. Jahrhundert umfassend umgebaut und wurde nun als „Neuer Bau“ (daher Baukelter) bezeichnet. Beim großen Stadtbrand 1707 und am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 ausgebrannt, konnte der stattliche Bau seiner starken Mauern wegen stets restauriert werden. Das ursprünglich als herrschaftlicher Fruchtkasten und Kelter des Weinzehnten genutzte Gebäude wurde im Zuge der Ablösung der herrschaftlichen Feudallasten 1826 und 1859 durch die Stadt Weinsberg erworben. Nachdem ein geplanter Umbau zur Schule nicht zustande kam, wurde die Kelter 1868 der örtlichen Weingärtnergenossenschaft überlassen. Mitte der 1990er-Jahre restauriert, beherbergt die Kelter heute die städtische Musikschule und einen Veranstaltungssaal. Der stadtbildprägende Bau ist ein wichtiges Zeugnis für die über Jahrhunderte zurückreichende Weinbautradition in Weinsberg.

98771743
( Wikidata)

Alte Schmiede Spitalgasse 2
(Karte)
Dreigeschossiger Bau mit einseitigem Halbwalmdach, massives Erdgeschoss mit Eckquaderung, darüber Fachwerk, an der Giebelseite über Holzständern weit vorkragend, wohl 1729 (i), erweitert 1931

Einer Überlieferung zufolge war die alte Schmiede im Inneren mit der Jahreszahl 1729 und mit den Bauherreninitialen LWM (Müller) versehen. 1931 wurde über den barocken Holzständern vor der Schmiede traufseitig ein erkerartiger Fachwerkvorbau angefügt. Als Schmiede wurde das Gebäude mindestens seit dem 18. Jahrhundert bis in die 1950er-Jahre hinein genutzt. Die alte Schmiede ist ein anschauliches bauliches Zeugnis für einen Handwerkszweig, der früher im Wirtschaftsleben der Stadt eine wichtige Rolle spielte.

98771755

Villa des Fabrikanten Eichert (Nr. 32) Stadtseestraße 23, 32
(Karte)
Zweigeschossiger, teils werksteinsichtiger, teils verputzter Bau mit flachem Walmdach, Loggia; Wohnhaus des Prokuristen der Fabrik (Nr. 23), eingeschossiger, teils werksteinsichtiger, teils verputzter Bau, Satteldach mit Giebelgaube; beide errichtet nach Entwürfen des Ludwigsburger Architekten Otto Eichert, 1920
Prokuristenwohnhaus

Die aus der Villa des Fabrikanten Eichert und dem benachbart stehenden Wohnhaus des Prokuristen bestehende Baugruppe entstand im Jahre 1920 nach Entwürfen des Ludwigsburger Architekten Otto Eichert - wahrscheinlich ein Verwandter des Fabrikanten, der in Ludwigsburg durch mehrere Villenbauten, aber auch Kirchen und Fabrikgebäude, bekannt geworden war. Beide Wohnhäuser zeichnet die Anlehnung an die Formensprache der italienischen Renaissance bzw. des von ihr abgeleiteten Neuklassizismus aus – eine für die Villenbaukunst um 1920 in Württemberg charakteristische Formensprache. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich die Fabrikantenvilla mit ihrer Loggia in unverputztem Werkstein-Erdgeschoss, mit den von figürlicher Bildhauerei bekrönten Fenstern und Türen daselbst sowie mit den Tondi und den symmetrisch gruppierten Fenstern im verputzten Obergeschoss. Als anschaulich überlieferte Zeugnisse des Wohnkultur der 1920er-Jahre sind die beiden Gebäude von Bedeutung für die jüngere Stadtbaugeschichte von Weinsberg.

98776179

Ziegelhütte (heute Wohnhaus) Steinbruchweg 5
(Karte)
Eingeschossiger Bau aus Sandsteinquadern, mächtiges Walmdach, 1799 (i)
Rückseite

Außerhalb der Altstadt, an einem historischen Weg zu den herrschaftlichen Äckern bzw. weiter zu den Steinbrüchen (im Wald) – daher auch Schleifweg und heute Steinbruchweg genannt – wurde 1799 der von dem markanten Walmdach bekrönte Bau errichtet. Es handelt sich um die 1799 erbaute Ziegelhütte des Josef Weymajer, zwischen den herrschaftlichen und bürgerlichen Äckern auf der Allmande errichtet. Der ursprüngliche Bau ist noch gut ablesbar: Das gemauerte Erdgeschoss beherbergte schon 1799 die Wohnung. Der Brennofen zur Ziegelherstellung befand sich außerhalb des Hauses, wahrscheinlich im Bereich der vor dem Haus westlich sich erstreckenden Lehmgrube zur Gewinnung des Rohmaterials. Im Inneren der Zieglerwerkstatt ist u. a. die barocke rautenförmig verzierte Lehmdecke überliefert. Die Weinsberger Ziegelhütte dokumentiert in inzwischen seltener Weise eine vorindustrielle Stätte der Ziegelherstellung. Genau in das Jahr 1799 sind die Anfänge der maschinellen Aufbereitung des Rohstoffs in den USA durch den Göpelantrieb und erste Pressen zu datieren, bis dahin ist ausschließlich – die auch hier praktizierte – Handarbeit üblich gewesen. Die Ablösung der Feldziegelei durch den Ringofen erfolgte dann Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Bau ist ein wichtiger Beleg der Weinsberger (Wirtschafts-)Geschichte und besitzt als barocke Ziegelhütte Seltenheitswert.

98776322
Gewölbekeller mit vorkragendem Kellerhals und Kellerabgang mit leicht abgefastem Rundbogentor Sterngasse 7
(Karte)
16. Jahrhundert

Unter dem Gebäude Heilbronner Straße 9 befindet sich ein Gewölbekeller, der aufgrund seiner baulichen Merkmale aus dem 16. Jahrhundert stammen dürfte. Die noch ablesbare Verbindung zum Gewölbekeller unter dem Nachbarhaus Heilbronner Straße 11 weist auf mögliche gemeinschaftliche Nutzung durch den dortigen Sekthersteller Mall hin. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Seifensieder Gottlob Artzt der Eigentümer des Kellers gewesen. Stattliche Gewölbekeller sind ein besonders prägendes Merkmal der historischen Bausubstanz Weinsbergs, deren Stellenwert als baugeschichtliche Dokumente durch die umfangreichen Zerstörungen der über ihnen stehenden Häuser noch erhöht wird: Sie sind vielfach die einzigen Zeugnisse der historischen Altstadtbebauung. Zusätzlich stellen sie für bedeutende Weinbauorte – zu denen Weinsberg seit alters her zu zählen ist – in hohem Maße typische Baudokumente dar.

98776110BW

Handwerkerhaus Sterngasse 12, 14
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, am Giebel über langen beschnitzten Knaggen vorkragend, spätes 16./frühes 17. Jahrhundert

Der stattliche Fachwerkbau ist ein wichtiger Bestandteil eines für Weinsberg vergleichsweise intakten, von Stadtbränden und Kriegszerstörungen verschont gebliebenen Viertels. Die Vorkragungen des Fachwerks, der ältere bruchsteingewölbte Keller sowie das im Dachgeschoss sichtbare Fachwerk legen eine Datierung des Gebäudes in das späte 16./frühe 17. Jahrhundert nahe. Das Gebäude hatte noch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Backgerechtigkeit inne – dies ist ein deutlicher Hinweis auf ein traditionsreiches Bäckerhaus. Möglicherweise im Zusammenhang mit dem Erwerb des unmittelbar benachbarten ehemaligen Schöntaler Pfleghofes im Jahre 1743 durch den Bäcker Ziegler dürfte die Zweiteilung des Hauses und die Aufgabe der Bäckerei erfolgt sein: Das Haus Nr. 12 erhielt einen eigenen, zusätzlichen Gewölbekeller, im Erdgeschoss der Nr. 14 wurde eine Tenne eingerichtet. Die neuen Eigentümer – offenbar Weingärtner mit Landwirtschaft zur Selbstversorgung – besaßen eine gemeinsame Stallscheune auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Als Beleg für die Weinsberger Fachwerkbaukunst des späten 16., frühen 17. Jahrhunderts hat das traditionsreiches Bäckerhaus Bedeutung für die Stadtbau- und Wirtschaftsgeschichte von Weinsberg.

98776348

Küferei und Bäckerei (heute Wohnhaus) Sterngasse 17
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau, Satteldach mit Aufschiebling, massiver Sockel, darüber Fachwerk, am Giebel zweifach vorkragend, frühes 18. Jahrhundert

Die Vorkragungen und das im Dachgeschoss innen sichtbare Fachwerk mit Andreaskreuzen und die qualitätvoll profilierte Stuckkehle im Wohngeschoss legen die Datierung des Gebäudes in das beginnende 18. Jahrhundert, in die Wiederaufbauphase der Stadt nach dem großen Brand des Jahres 1707, nahe. Für das frühe 19. Jahrhundert ist als Eigentümer der Kameralküfer Holzwarth bezeugt, der die Werkstatt offenbar im erhöhten, giebelseitig erschlossenen Kellergeschoss unterhielt. Ablesbar ist auch die spätere Nutzung als Bäckerei mit Laden im Erdgeschoss, eine eiserne Wendeltreppe verbindet noch heute die Backstube im Kellergeschoss mit dem ehemaligen Verkaufsraum darüber. Das traditionsreiche Handwerkerhaus belegt die Wirtschaftsgeschichte von Weinsberg ebenso wie die Fachwerkbaukunst der Wiederaufbauphase nach dem Stadtbrand von 1707 und die Architektur eines kleinstädtischen Handwerkerhauses in der Frühen Neuzeit.

98776332

Königliche Weinbauschule Haller Straße 6; Traubenplatz; Urbanstraße 9
(Karte)
Bestehend aus:
  • Kellerei, Kelter, Schule und Internat (Haller Straße 6), dreigeschossiger, weitgehend verputzter Bau mit Krüppelwalmdach, Erdgeschoss in Werkstein, leicht überhöhter Mittelrisalit, im Osten Kopfbau mit Rundbogenfenstern, Mitte 19. Jahrhundert, nach Westen erweitert 1897;
  • Weinbau-Versuchsanstalt (Urbanstraße 9), zweigeschossiger verputzter Bau mit Mansarddach, genutete Ecklisenen, geschweifte Zwerchgiebel, 1899

Die Weinsberger Weinbauschule ist als erste Anstalt dieser Art in Deutschland im Jahre 1868 eröffnet worden. Sowohl bei der Ausbildung von Weingärtnern als auch in der Grundlagenarbeit auf dem Gebiet des Weinbaus nimmt sie noch immer eine der führenden Positionen in Deutschland ein. Für die Unterbringung der Weinbauschule wurde das bereits vorhandene Wohn- und Keltergebäude des Weinsberger Werkmeisters Hildt erworben, erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts nach dessen eigenen Entwürfen. Dieses Gebäude bildet den Kern des Schul- und Kellereigebäudes, in seinem östlichen Teil an der neuromanisch-klassizistischen Architektur des drei Fensterachsen einnehmenden Kopfbaus erkennbar. Die westlich anschließende Erweiterung entstand 1897 nach Entwürfen des Königlichen Bezirksbauamtes in Heilbronn. Für die Architektur dieses symmetrischen Anbaus wurde am Mittelrisalit in Fensterbrüstungsfeldern die neuromanische Formensprache des Hildt’schen Hauses adaptiert und im Dachgeschoss und in den Giebeln um Elemente des Schweizerhausstils bereichert. Gleichzeitig mit diesem Erweiterungsbau, 1899, ebenfalls nach Entwürfen des Königlichen Bezirksbauamtes, entstand das Gebäude der Weinbauversuchsanstalt im Stil des Neubarocks. Die Baugruppe ist wichtiges Zeugnis der Ortsgeschichte wie auch der Geschichte des Weinbaus in Württemberg und belegt die Architektur königlich-württembergischer Institutionsgebäude am Ende des 19. Jahrhunderts.

98772238
Haus Seufferheld Urbanstraße 5
(Karte)
Eineinhalbgeschossiger Ziegelbau über hohem Kellergeschoss aus bossierten Werksteinquadern in Hanglage, Satteldach mit Fachwerkgiebeln und spitzgiebligem Zwerchhaus, nach Entwürfen des Oberamtsbaumeisters Wagner für die Familie Seufferheld errichtet, 1885

Das Gebäude wurde 1885 nach Entwürfen des Oberamtsbaumeisters Wagner als das Wohnhaus der bekannten Weinsberger Familie Seufferheld erbaut. Der Bauherr, Karl Seufferheld, fungierte lange Zeit als Stadtschultheiss der Stadt Weinsberg und als Leiter der Weingärtnergesellschaft und war Vater bzw. Schwiegervater der prominenten Künstler Prof. Heinrich Seufferheld und A. Volk. Das Wohnhaus wurde im östlichen Vorfeld der Altstadt, auf einem bereits im frühen 19. Jahrhundert von bürgerlichen parkartigen Ziergärten geprägten Gelände erbaut. Hier entstanden die ersten Weinsberger Vorstadtvillen des 19. Jahrhunderts für bedeutende Familien wie Kerner, Hildt und eben Seufferheld. Das 1885 erbaute Haus Seufferheld dokumentiert diese städtebauliche Entwicklung Weinsbergs und die historische kleinstädtische Villenarchitektur in den 1880er-Jahren. Charakteristische gründerzeitlichen Architekturmerkmale in Verbindung mit Elementen des Schweizerhausstils sind für die Bauaufgabe „Landhaus“ im 19. Jahrhundert kennzeichnend gewesen und hier beispielhaft ablesbar. Damit besitzt der Bau Bedeutung sowohl für die Weinsberger Geschichte als auch für die Villenarchitektur in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

98776186BW

Weitere Bilder
Grenzsteine entlang der westlichen bis südwestlichen Stadtgrenze Paradies; Stadtsee
(Karte)
Wohl 16. Jahrhundert und später

Die historischen Grenzsteine markieren die westliche und südwestliche Stadtgrenze von Weinsberg, insbesondere im Wald zu Heilbronn hin. Die ältesten datierten Grenzsteine dieser Stadtgrenze (im Bereich Hintere Lindach) und zugleich auch die älteste genaue Markierung der Steinsetzung in kartografischer Form sind aus dem 16. Jahrhundert überliefert. Aus dieser Zeit stammen mehrere heute noch stehende Grenzsteine im Flurstück Steinbruch bzw. entlang des Alten Salzweges im Süden. Bei diesem soll es sich um einen historischen Hällischen Salztransportweg handeln, der als ehemalige Reichsstraße mit besonderen Privilegien und Geleitrechten ausgestattet war. Der besonderen Bedeutung der Straße entsprechend sind hier die Steine entlang des Weges doppelt aufgestellt. Die Grenzsteine sind nummeriert, mit dem Wappen der benachbarten Reichsstadt Heilbronn und dem Buchstaben W für Weinsberg versehen, der Grenzverlauf ist eingekerbt. Als charakteristische Vertreter dieser ortsgebundenen Rechtsurkunden, die geschichtliche Herrschaftsgrenzen dokumentierten, sind die Grenzsteine wichtige Zeugnisse der Orts- und Regionalgeschichte.

98771763

Landeskrankenhaus Weißenhof Weißenhof 1, 1/1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 30, 32, 36, 40, 41, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 98
(Karte)
Bestehend aus:
  • herrschaftlicher Gutshof Weißenhof mit Meiereigebäude (Nr. 1) und angebautem Schlösschen (Nr. 1/1), Massiv- und Fachwerkbau mit Halbwalm- und Mansarddach; Stallscheune (Nr. 1a, nur massive Teile); Scheune, Schäferwohnhaus und Kuhstall (Nr. 1b); historische Grundstücksmauer und Brunnen, Wiederaufbau nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg, Neubauten des 17. Jahrhunderts, durchgreifende Neugestaltung des Schlösschens 1904;
  • Königliche Heilanstalt (heute Psychiatrisches Landeskrankenhaus, Nr. 14), zentrales Verwaltungsgebäude und symmetrisch gruppierte Pavillonbauten für die Patienten; Gartenanlage mit z. T. historischer Wegeführung und Bepflanzung, aus dem Gutshof mit seinen landschaftlichen Flächen hervorgegangen, 1901 bis 1904, Kirche 1915;
  • Friedhof mit zentraler Kapelle, auf der Gemarkung Gellmersbach unmittelbar nördlich anschließend;
  • Pumpwerk zur Selbstversorgung des Krankenhauses mit Wasser (Nr. 40 – 40a), hervorgegangen aus der Mühle des Gutshofes Weißenhof;
  • historische Allee in Richtung Weinsberg, die als südliche Verlängerung der Mittelachse des Krankenhausareals den Weißenhofbach überquert

Die Keimzelle der umfangreichen Anlage des Psychiatrischen Krankenhauses bildet die Domäne Weißenhof im Süden des Areals. Im Jahre 1508 als Hardthof erstmals urkundlich bezeugt und dem Kloster Schöntal gehörig, erhielt das Anwesen seine heutige Benennung nach einem um 1530 hier ansässigen Bauern namens Weiß (1605 erstmals Weißenhof genannt). Nach der Zerstörung des Hofes im Dreißigjährigen Krieg kamen die Herzöge von Württemberg-Neuenstadt in den Genuss des Anwesens (zunächst als Pächter, seit 1699 als Eigentümer), für 1695 sind Neubauten nachweisbar, für die Steine der Weinsberger Burgruine verwendet sein sollen. Von der Neubautätigkeit des 17. Jahrhunderts – damals ist der Weißenhof zu einem Witwensitz eingerichtet worden – zeugen noch heute das sog. Meiereigebäude mit seiner qualitätvollen Innenausstattung aus dem Jahre 1720, das parallel daneben stehende, ehemals durch einen monumentalen Torbau mit der Meierei verbundene sog. Schlösschen und zwei Ökonomiegebäude. 1781/82 fiel Weißenhof der Stuttgarter Linie des Hauses Württemberg zu und wurde Staatsdomäne. Im Jahre 1899 ist der Beschluss gefasst worden, den Weißenhof mit dazugehörigen Gütern, der Mühle etc., zur Errichtung einer Königlichen psychiatrischen Heilanstalt zu verwenden. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstand nach Entwürfen des prominenten Stuttgarter Architekten Prof. Fr. Gebhardt (mit Gsell und Schmöger) sowie des ebenfalls Stuttgarter Landschaftsgärtners Lilienfein die damals modernste Heilanstalt des Landes. Sie ist der erste eigenständige Anstaltsneubau Württembergs gewesen, da bis dahin die Heilanstalten in bereits bestehenden Bauten wie alte Schlösser, Klöster etc. untergebracht wurden. Das überregional Bedeutende des Weinsberger Neubaus ist die Unterbringung auf einem äußerst großzügigen, landschaftlich reizvollen Gelände in locker verteilten Pavillonbauten. Um eine Mittelachse mit dem Verwaltungsgebäude symmetrisch gruppiert sind östlich dieser Achse die weiblichen Patientinnen, westlich die männlichen Patienten, nördlich die Aufnahme und die Überwachungshäuser untergebracht; krönender Abschluss der Achse ist die Kirche mit Friedhof. Für die Architektur der Gebäude ist die der landschaftlichen Einbindung adäquate Landhausarchitektur des Späthistorismus mit Motiven des Schweizerhausstils charakteristisch. Ein herausragendes Merkmal der Anstalt ist auch die weitgehende Autarkie in der Versorgung durch Strom und Wärme (eigenes Kraftwerk), Wasser (Pumpstation), Lebensmittel (Gutshof) sowie die Entsorgung durch eigene Kläranlage. Zahlreiche Publikationen in zeitgenössischen Fachzeitschriften und viele ausländische Besucher aus Fachkreisen unterstreichen den bereits zur Erbauungszeit hohen Stellenwert der Anstalt. Als erste moderne psychiatrische Heilanstalt in Württemberg unter Einbeziehung eines regional bedeutsamen traditionsreichen Gutshofes ist die Anlage von hoher Wichtigkeit für die Entwicklung dieser Bauaufgabe und die Medizingeschichte in Württemberg.

98771590

Städtisches Backhaus mit Eich- und Waschlokal Welfengasse 2
(Karte)
Eingeschossiger Bau aus Quadermauerwerk mit flach geneigtem Satteldach, Fenster mit Segmentbodensturz, Okuli im Giebel, im Verbund mit der mittelalterlichen Stadtmauer, 1837

Das städtische Backhaus wurde 1837 vor der mittelalterlichen Stadtmauer in typischer Stadtrandlage erbaut. Der in eine Backstube mit zwei Backöfen und eine Backküche unterteilte Bau beherbergte im Mezzaningeschoss auch eine kleine Wohnung. Im Jahre 1936 ist das Backhaus um das angebaute Eich-, Lager- und Waschhaus erweitert worden, entworfen von dem Weinsberger Architekten H. Leisterer. Der klassizistische Bau stellt ein wichtiges Zeugnis der Arbeits- und Lebenswelt des 19. Jahrhunderts dar und dokumentiert den Wandel von der Backstube im Privathaushalt zum Gemeindebackhaus. Aus Gründen des Brandschutzes und der Holzersparnis wurden seit einer Verfügung von König Wilhelm I. nach 1835 überall in Württemberg öffentliche Backhäuser errichtet, die sich zu wichtigen Zentren des öffentlichen Lebens entwickelten.

98776374

Gewölbekeller der ehemaligen Zehntscheune Seufferheldstraße
(Karte)
1558

Bei dem von der Größe und Gestaltung her eindrucksvollen Gewölbekeller unter dem Gebäude Zehntgasse 10 handelt es sich um den archivalisch belegten, 1558 erbauten Keller der damaligen herrschaftlichen Zehntscheune. Als baulicher Rest dieses Lagerhauses für die von der Bevölkerung an die Grundherren abzuliefernden Naturalabgaben dokumentiert der Keller frühere Eigentums- bzw. Wirtschaftsformen.

98776393

Haus Goldner Zehntgasse 11
(Karte)
Dreigeschossiger verputzter Bau mit Krüppelwalmdach, Erd- und 1. Obergeschoss massiv, darüber Fachwerk, oberlichtbekrönter Hauseingang, im Keilstein 1805 (i)

s. Stadtbefestigung, Beim Geisterturm 8

Das recht stattliche Wohnhaus ist im Keilstein des Eingangs in das Jahr 1805 datiert und mit den Initialen des Bauherrn JLG (Johann Leonhard Goldner) versehen. Dieser ist von Beruf Maurer gewesen und siedelte von Murrhardt nach Weinsberg über. Sein Wohnhausneubau – sicherlich im massiven Teil von ihm selbst errichtet – erinnert an die um 1800 vollzogene Aufgabe der fortifikatorischen Funktion der mittelalterlichen Stadtbefestigung und die Umwidmung des so neu gewonnenen Geländes in Bauland. Das anschaulich überlieferte Gebäude dokumentiert in exemplarischer Weise den Typus des kleinstädtischen Handwerkerwohnhauses um 1800, das sich durch die Fortführung der barocken Architekturtradition auszeichnet. An die zur Erbauungszeit übliche Selbstversorgung der Handwerkerfamilien durch eigene kleinere Landwirtschaft erinnern der im Souterrain noch vorhandene Stallbereich und auch der gewölbte Keller.

98776193
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Wimmental

Weitere Informationen Bild, Bezeichnung ...
Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Bildstock Am Freudenberg
(Karte)
Sandstein, Stele bekrönt von Inschriftmedaillon und Pietà in Rocaillerahmen, 18. Jahrhundert

Der nordöstlich von Wimmental aufgestellte Bildstock ist ein bildlicher Ausdruck der Frömmigkeit und ein charakteristischer Vertreter einer Gruppe religiöser Kleindenkmale, die die Kulturlandschaft in katholischen Gebieten in besonderer Weise prägen. Bei diesem Exemplar handelt es sich um ein qualitätvolles Beispiel des 18. Jahrhunderts, dessen Reliefdarstellung - eine Pietà - inhaltlich zu einem der am häufigsten vertretenen Motive zählt. Das Motiv der trauernden Gottesmutter mit dem vom Kreuz abgenommenen toten Sohn auf dem Schoß sollte die vorbeigehenden Gläubigen zur Andacht und Kontemplation einladen.

98777393BW

Kelter Am Kelterplatz 2
(Karte)
Langgestreckter Bau aus Sandsteinquadermauerwerk, Krüppelwalmdach, rundbogiger Kellerabgang, 1581 (i), später nach Norden erweitert

Die 1581 errichtete Kelter in Wimmental gehörte zum Kloster Schöntal, das seit 1487 im Besitz des gesamten Dorfes samt der Vogtei war. Nach der Aufhebung des Klosters in den Jahren 1802/03 erwarb Württemberg Wimmental und die dort befindliche Klosterpflege. 1828 wurde der größte Teil des ehemaligen Schöntaler Pfleghofs abgebrochen, die Kelter ging 1846 in den Besitz der Gemeinde über. Die stattliche Kelter ist wichtiges Zeugnis für die über Jahrhunderte zurückreichende Weinbautradition in Wimmental. Sie ist einer jener bis zur Ablösung der Rechte im 19. Jahrhundert zumeist in herrschaftlichem Besitz befindlichen, von der gesamten Dorfgemeinschaft genutzten großen Wirtschaftsbauten, die bis heute für die Weinbaudörfer der Region charakteristisch sind.

98779207

Weitere Bilder
Kath. Pfarrkirche St. Oswald Grantschener Straße 4
(Karte)
Einschiffiger Saalbau aus Sandsteinmauerwerk mit Rundbogenfenstern, rechteckiger ins Oktogon übergehender Chorturm mit Zeltdach, rundbogiges Eingangsportal mit Fronton, unter Einbeziehung der Turmuntergeschosse von 1453 neu errichtet 1845 bis 1849; Kirchhofmauer

Die katholische Pfarrkirche in Wimmental wurde 1845 bis 1849 von der königlich württembergischen Finanzverwaltung an Stelle einer kleineren baufälligen Kapelle erbaut, wobei der untere Teil des Chorturms von 1453 in den Neubau übernommen und mit einem neuen achteckigen Aufbau versehen wurde. Der Bau ist in zeittypischer Weise im Rundbogenstil, der sich an Vorbildern der byzantinischen und romanischen Baukunst wie auch der italienischen Frührenaissance orientierte, gestaltet. Als charakteristischer Vertreter eines Kirchenbaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Lande spiegelt die Oswaldkirche Entwicklungen im katholischen Sakralbau der damaligen Zeit wider und hat Bedeutung für die Orts- und Kirchengeschichte von Wimmental.

98779284
Rat- und Schulhaus Grantschener Straße 6
(Karte)
Zweigeschossiger Fachwerkbau mit Sockel aus Sandsteinquadern, traufseitig über Freitreppe erschlossen, 1839

Das 1839 von der Gemeinde neu erbaute Rat- und Schulhaus beherbergte der Oberamtsbeschreibung von 1851 zufolge folgende Funktionsräume: „Das geräumige und helle Lehrzimmer ist im Parterre; im zweiten Stock ist auf der vorderen Seite die Lehrerwohnung, auf der hinteren das helle Raths- und Registratur-Zimmer, unter Dach das heizbare Ortsgefängniß.“ Der ortsbildprägende Bau in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche stellt damit eine für viele Landgemeinden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts charakteristische Kombination aus Rat- und Schulhaus dar. Er hat wichtigen Zeugniswert für die Geschichte der bis 1975 selbstständigen Gemeinde Wimmental.

98779249BW
Statue des Hl. Nepomuk Grantschener Straße 7
(Karte)
Stein, farbig gefasst, am Sockel Inschriftkartusche mit Rocaillen und Engelsköpfen, 18. Jahrhundert

An der Ecke des Wohnhauses ist eine qualitätvolle Statue des Hl. Nepomuk, der vor allem in überwiegend katholischen Gebieten Süddeutschlands besondere Verehrung erlebte, angebracht. Sie ist nicht nur Zeugnis der Bildhauerkunst des 18. Jahrhunderts, sondern auch der katholischen Frömmigkeit und der sich rasch in Europa verbreitenden Nepomukverehrung, nachdem der im 14. Jahrhundert auf Befehl des böhmischen Königs in der Moldau ertränkte Priester 1729 heilig gesprochen und 1732 von den Jesuiten zu ihrem zweiten Ordenspatron erhoben worden war.

98779256BW
Bildstock Grantschener Straße 14
(Karte)
Sandsteinsäule mit Inschriftsockel, bekrönt von Darstellung des Hl. Wandels in reicher Putten- und Rocaillerahmung, 1725 (i)

Der aufwendig gestaltete Bildstock ist ein charakteristisches Zeugnis der Frömmigkeit. Er ist Vertreter einer Gruppe religiöser Kleindenkmale, die Kulturlandschaft in katholischen Gebieten in besonderer Weise prägen und auch innerörtlich Aufstellung fanden und so den Dorfraum quasi sakralisierten. Das Relief zeigt den Hl. Wandel, eine in den apokryphen Schriften beschriebene Szene aus der Kindheit Jesu, in der Jesus von seinen Eltern an der Hand geführt wird. Der Hl. Wandel, der auch als Rückkehr aus Ägypten, Rückkehr aus dem Tempel oder Gang der Heiligen Familie übers Gebirge bezeichnet wird, avancierte seit der Gegenreformation zu einem beliebten Bildmotiv.

98779304BW
Wirtshausausleger Grantschener Straße 16
(Karte)
Schmiedeeiserner Ausleger mit vergoldetem Blechschild in Form eines schreitenden Löwen

Der Wirtshausausleger erinnert an das einstige Gasthauses Zum Löwen (nach dem Besitzern auch “Beim Grandi” genannt). Er bezeugt nicht nur eine alte Gasthaustradition, sondern stellt auch ein charakteristisches Beispiel kunstgewerblich-industrieller Produktion im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert dar.

98779275BW
Zehntscheune Grantschener Straße 23
(Karte)
Teilweise verputzter Bau aus Sandsteinmauerwerk, Satteldach, rundbogige Torfahrt

In seiner Funktion als Zehntscheuer, also als Lagerhaus für die von der bäuerlichen Bevölkerung an die Grundherren (Kloster Schöntal und später Württemberg) abzuliefernden Naturalabgaben, dokumentiert der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schöntaler Klosterhof stehende Bau frühere Eigentumsformen bzw. Wirtschaftsformen.

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Schöntaler Pfleghof Am Kapellenberg; Grantschener Straße 18, 20
(Karte)
Nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg neu errichtet 1678, erweitert 1748, zum Teil abgerissen 1828, bestehend aus:
  • Schöntaler Amtshaus (heute kath. Pfarramt) (Grantschener Straße 20), langgestreckter zweigeschossiger Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss aus Sandsteinquadermauerwerk mit Wappenreliefs, darüber Fachwerk mit reichen Zierformen im Giebel;
  • Schöntaler Pfleghof (Grantschener Straße 18), teilweise verputzter Massivbau mit Satteldach, zweigeschossiger Wohnteil mit geohrten Fenstern, daran anschließend Scheunenteil;
  • Pfarrhofmauer mit rundbogigem Tor, Wappen und Schutzengel;
  • Garten des Schöntaler Pfleghofs (Flst. Nr. 1483, 1483/1, 1484)

Nachdem Schöntal im Jahr 1317 von Konrad von Weinsberg schon den Hauptanteil an Wimmental erworben hatte, war das Kloster nach dem Kauf weiterer Anteile und Rechte 1487 im Besitz des gesamten Dorfes samt der Vogtei. Der Pfleghof des Klosters brannte im Dreißigjährigen Krieg ab und wurde unter Abt Franciscus im Jahr 1678 wieder aufgebaut. Durch den Handel mit Wein, der im großen Weinkeller des Pfleghofs gelagert wurde, verfügte das Kloster über bedeutende Einkünfte. Nachdem der Hof im 18. Jahrhundert durch eine Kapelle und weitere Gebäude erweitert worden war, kam er nach der Aufhebung des Klosters Schöntal 1802/03 an das Haus Württemberg. Der größte Teil der umfangreichen Hofanlage wurde in der Folge niedergelegt, das einstige Amtshaus zum katholischen Pfarrhaus umgewidmet. Die baulichen Reste und ehemaligen Gärten des Schöntaler Pfleghofs sind charakteristische Zeugnisse geistlicher Ökonomie und wichtige Dokumente der Ortsgeschichte von Wimmental.

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Bildstock Hölzerner Straße
(Karte)
Sandstein, Madonna mit Kind in Rundbogennische, 19. Jahrhundert

Der am nördlichen Ortsausgang aufgestellte Bildstock, bekrönt von einer Madonna mit Kind in einer im Stil der Renaissance gestalteten Nische, ist ein bildlicher Ausdruck der Frömmigkeit und ein charakteristischer Vertreter einer Gruppe religiöser Kleindenkmale, die die Kulturlandschaft in katholischen Gebieten in besonderer Weise prägen.

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Ave-Maria-Kapelle Hüttenberg
(Karte)
Kleiner Bau aus Sandsteinquadern mit polygonalem Chor, Strebepfeilern und Giebelreiter, 1854; Kreuzweg und Kreuzigungsgruppe, 1900

Die nordwestlich von Wimmental auf einer Anhöhe stehende Ave-Maria-Kapelle wurde im Jahre 1852 von dem Weingärtner Josef Sebastian Reistenbach gestiftet und konnte zwei Jahre später geweiht werde. Kreuzigungsgruppe und Kreuzweg wurde im Jahr 1900 durch eine weitere Stiftung hinzugefügt. Als Andachtsstätte mit der Darstellung der Stationen des Leidensweges Christi verkündet der Stationenweg, ebenso wie die neben der Kapelle aufgestellte Kreuzigungsgruppe mit Christus und den Schächern, dass der Sohn Gottes durch seinen Kreuzestod den Gläubigen den Weg zum Ewigen Leben erschlossen hat. Kapelle, Kreuzigungsgruppe und Kreuzweg sind charakteristische Vertreter religiöser Kleindenkmale, die die Kulturlandschaft in katholischen Gebieten in besonderer Weise prägen.

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Steinhaus Im Rauhberg 11
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Eckquaderung, Satteldach mit Aufschiebling, Giebel in ausgeriegeltem Fachwerk, dreifach schwach vorkragend, mehrere rundbogige Eingänge im Erdgeschoss, gefaste Fensterlaibungen

Bei dem mächtigen Massivbau am Südrand des Dorfes handelt es sich um den einstigen Sitz der Freiherren von Weinsberg. Diese ursprünglich staufische Ministerialenfamilie aus dem Gmünder Raum wurde von Konrad III. nach seinem Sieg über Welf VI. bei Weinsberg 1140 als Verwalter der Burg Weinsberg eingesetzt und benannte sich in der Folge nach ihrem Ansitz. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht besaßen die Weinsberger neben der Hälfte der Stadt Weinsberg etliche Orte in deren Umgebung und auch im weiteren süddeutschen Raum. Nach dem Aussterben des Geschlechts in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts ging das Steinhaus in Wimmental in Privatbesitz über. Nachdem bis 1625 die Reformation in Wimmental vollständig durchgeführt war, hielten hier die zum Schöntaler Besitz gehörigen Katholiken ihren Gottesdienst ab, bis das Kloster Schöntal im Jahr 1686 die Kapelle St. Oswald um 500 Goldgulden von Württemberg kaufte. Das Steinhaus hat damit hohe orts-, kirchen- und herrschaftsgeschichtliche Bedeutung und ist ein charakteristisches Zeugnis mittelalterlicher Adelskultur.

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Wappenstein Obere Gasse
(Karte)
An der rückwärtigen Scheune, ursprünglich von der Kelter, 1593 (i)

Der in das Jahr 1593 datierende Wappenstein stammt ursprünglich von der Kelter in Wimmental und hat ortsbau- sowie herrschaftsgeschichtliche Bedeutung.

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Statue des Hl. Nepomuk Raiffeisenstraße
(Karte)
Stein, farbig gefasst, am Sockel bezeichnet „renoviert 1895“

Die nahe eines alten Übergangs über den Sülzbach aufgestellte Statue stellt den Hl. Nepomuk dar, der vor allem in überwiegend katholischen Gebieten Süddeutschlands besondere Verehrung erlebte. Sie ist nicht nur ein qualitätvolles Zeugnis der Bildhauerkunst des 18. Jahrhunderts, sondern auch der katholischen Frömmigkeit und der sich rasch in Europa verbreitenden Nepomukverehrung, nachdem der im 14. Jahrhundert auf Befehl des böhmischen Königs in der Moldau ertränkte Priester 1729 heilig gesprochen und 1732 von den Jesuiten zu ihrem zweiten Ordenspatron erhoben worden war.

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Wegkreuz Schlegel
(Karte)
Sandsteinsockel mit Inschriftkartusche, 1725 (i), darüber Holzkreuz mit farbig gefasstem Korpus Christi

Das östlich von Wimmental in der Flur aufgestellte Kreuz ist ein sprechendes Zeugnis der in katholischen Gebieten weit verbreiteten Tradition des Wegkreuzes als Ausdruck der Frömmigkeit.

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Bildstock Trollingerstraße 4
(Karte)
Sandstein, bekrönt von Relief mit Kreuztragung, 19. Jahrhundert

Der an der Straße von Wimmental nach Dimbach aufgestellte Bildstock ist ein anschaulich überliefertes Zeugnis einer in ländlichen katholischen Gebieten weit verbreiteten Tradition und Dokument der Frömmigkeit. Das Sujet des kreuztragenden Christus gehört seit der Spätgotik zu den Stationen des Kreuzwegs, wurde aber auch immer wieder in Bildstöcken verarbeitet.

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Bildstock Hundsäcker
(Karte)
Sandstein, Sockel mit Engelskopf und Rocaillen, 1725 (i), darüber Säule, 1735 (i) mit jüngerer Madonnenstatue

Der Bildstock ist ein Vertreter einer Gruppe religiöser Kleindenkmale, die die Kulturlandschaft in katholischen Gebieten in besonderer Weise prägen. Eine beachtliche Anzahl der Bildstöcke - wie auch dieses Exemplar - belegt durch die Verwendung von älteren Einzelteilen die Kontinuität der von der Bevölkerung diesen Andachtsmalen entgegengebrachten Verehrung. Als anschauliches Beispiel dieses Vorgangs, bei dem eine barocke Säule in späterer Zeit durch eine neue Statue bekrönt wurde, besitzt der Bildstock kulturgeschichtlichen Aussagewert.

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Einzelnachweise

Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg. Geoportal Baden-Württemberg, abgerufen am 10. September 2025.

Commons: Kulturdenkmale in Weinsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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