Liste rechtsextremer Kampfbegriffe

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Diese Liste umfasst Begriffe der als Metapolitik bezeichneten Strategie, die genutzt wird, um rechtsextreme Positionen in einem gemäßigt akademisch anmutendem Vokabular in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren und sie dort diskursfähig zu machen[1] sowie:

  1. Begriffe und „Schlagwörter als notwendige politische Mittel zur Vereinfachung einer Ideologie“[2], die ausschließlich im populistischen und rechtsextremen Diskurs genutzt werden,
  2. Begriffe, die aus dem populistischen und rechtsextremen Milieu in den hegemonialen Diskurs gelangt sind
  3. Neutrale Begriffe, die im rechtsextremen Milieu eine andere Denotation oder Konnotation haben als im hegemonialen Diskurs oder gezielt gemäß der eigenen Ideologie umgedeutet werden.

Begriffe

  • 68er sind ein zentrales Feindbild im Rechtsextremismus. Damit werden Akteure und politische Projekte zumeist der 1960er Jahre bezeichnet, die autoritäre Strukturen in Gesellschaft, Staat und Familie aufbrechen und eine weitreichende Aufarbeitung der Verantwortung deutscher Eliten und Institutionen für den Nationalsozialismus und seine Verbrechen forderten. Damit führten sie einen Niedergang Deutschlands herbei. Der Antisemitismus kommt im expliziten Verweis auf die jüdische Abkunft einiger Protagonisten der Frankfurter Schule zum Ausdruck, in der zentrale theoretische Debatten der Studierendenbewegung geführt wurden.[3]
    Pegida-Demonstration mit Anspielung auf Wüstengebiete als Euphemismus auf islamische Zuwanderer, gerichtet gegen Bundeskanzlerin Merkel als Strippenzieherin der Umvolkung; Dresden 2016
  • Abendland als jüdisch-christliches, wahlweise pagan-heidnisches Siedlungsgebiet, das gegen eine gezielte Islamisierung verteidigt werden muss. Den einstweiligen Höhepunkt fand die Verwendung ab 2014 mit den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida).
  • Antisemitismuskeule bzw. Auschwitzkeule ist ein Motiv in verschiedenen politischen Gruppen und Strömungen. Dazu zählen Anhänger von Verschwörungserzählungen, linksautoritäre Strömungen und rechte Parteien. Auch antisemitische Ressentiments gegenüber Israel werden häufig mit einem Verweis auf die »Antisemitismuskeule« verteidigt. Wann der Begriff der Keule zuerst auftrat, ist unbekannt, aber die Formulierung erregte 1988 starke Aufmerksamkeit, als Martin Walser in einer Rede Auschwitz als »Moralkeule« bezeichnete. Er behauptete, dass ständig von der Shoah gesprochen und diese benutzt werde, um Deutschland moralisch abzuwerten. Dieser schuldabwehrende Antisemitismus ist heute vor allem in rechtsextremen Kreisen sehr verbreitet.[4]
  • Asylindustrie ist die abwertende Bezeichnung für Vereine und Organisationen, die Geflüchtete unterbringen, beraten und unterstützen und vom Staat finanziert werden. Die Wortschöpfung wurde erstmals 2014 in der Welt verwendet, um auf den Missstand der überhöhten Einnahmen von zweifelhaften Heimbetreibenden aufmerksam zu machen, die keine adäquaten Unterkünfte für die hohen Zuwendungen bereitstellen. Er wird nurmehr vor allem auf rechten Blogs genutzt, um das gesamte Spektrum der Geflüchtetenhilfe abzuwerten.[5]
  • Ausländerfrei war 1991 das erste deutsche Unwort des Jahres und bezieht sich auf den NS-Terminus judenfrei. Siehe auch LGBT-ideologiefreie Zone in Polen.
  • Boogaloo als Synonym für Bürgerkrieg ist das aus den USA stammende Ziel von weltweit verbundenen, in Europa besonders in Ostdeutschland und den Niederlanden gängiger „Terrorgram“ genannten Chatgruppen auf einem Messengerdienst. Das lose Netzwerk vor allem vereinzelter männlicher Individuen ab 12 Jahren zielt mit einer als „Militanter Akzelerationismus“ bezeichneten Ideologie auf eine Beschleunigung der Zerstörung des im Abstieg empfundenen Westens durch Anschläge auf LGBTQ, Muslime und Juden. Die Mitte der 2020er Jahre dominanteste Strömung des Rechtsterrorismus zielt mit ihren Attacken nicht unbedingt auf besonders hohe Opferzahlen, sondern hohe mediale Aufmerksamkeit. Vorbilder sind Personen wie Timothy McVeigh, Stephan Balliet und Anders Breivik.[6]
    Dresdner Neonazidemonstration im Februar 2020. Das Fronttransparent lautet: „Kein Opfer ist vergessen. 75 Jahre alliierter Bombenterror. 13. Februar 1945“
  • Bombenholocaust von David Irving verbreiteter Begriff aus dem Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg. Er wird oft in Verbindung mit „Luftkriegsterror“ genutzt und unterstellt bei Negation vorhergehender deutscher Bombenangriffe einen lange geplante Vernichtung bei gleichzeitiger Relativierung der Shoah.
    In vielen osteuropäischen Ländern versammeln sich Rechte, um die in ihren Augen dekadenten Pride-Umzüge zu stören oder zu verhindern. Hier zeigt ein russischer Neonazi den sog. Deutschen Gruß beim schwulenfeindlichen Aufmarsch in Moskau 2010.
  • Dekadenz ist das in einer Theorie angelegte Dogma vom Verfall aller Wertordnungen durch Überfluss und Luxus. Auf der als Gegenentwurf dienenden männerbündischen Entschlossenheit beruht der Gewaltkult des Rechtsextremismus und die Ansicht, dass Gewalt, die Rückwendung zum fiktiven Ursprung, zur Reinheit und Einheit alle politischen und sozialen Konflikte löst. Dies geschieht durch Wahrmachen durch die Tat und die radikale Negation der Geschichte.[7]
  • Demokratie ist immer Bezugspunkt, aber uneinheitlich verwendeter Kampfbegriff der extremen Rechten. Von der kompletten Ablehnung der parlamentarischen Demokratie in Neonazi-Strukturen reicht er bis zu einer völkisch-nationalistischen Demokratiekonzeption der Heimat. Dieses Konzept widerspricht der demokratischen Grundlage des Pluralismus, betont eine rassistisch begründete Ungleichwertigkeit, verlangt eine politische Elite und letztlich einen autoritären Staat mit homogenem Volk als Voraussetzung. Dabei dient die Forderung nach direkter Demokratie der Durchsetzung des eigentlichen Volkswillens gegen einen schädlichen Einfluss der liberalen Demokratie und ihrer Parteien.[8]
  • Demokröte dient als Dehumanisierungsmetaphorik für gemäßigte Gegner der Rechten, um Ekel zu erzeugen und Vernichtungshemmungen zu senken.[9]
  • Deus vult (mittellateinisch für „Gott will es“) ist mindestens seit 2014 eine Losung rechtsextremistischer Kreise in den Vereinigten Staaten und wurde durch eine entsprechende Tätowierung Pete Hegseths in die Öffentlichkeit gerückt. Er führt sie in lateinischer Schrift auf seinem Bizeps. Die durch 4Chan als Meme in der Alt-Right-Szene verbreitete Losung steht für ein ahistorisch rein weiß imaginiertes europäisches Mittelalter und dessen Kreuzzüge als islamfeindliche Fantasie[10][11].
  • Deutschenfeindlichkeit: Nach langer Verortung der Deutschenfeindlichkeit aufseiten der anderen europäischen Großmächte wie Frankreich und dem Vereinigten Königreich, später auch den Vereinigten Staaten verschob sich die Bedeutung hin zu einer revisionistischen und antisemitischen Bedeutung. In den letzten Jahren erlebte der Begriff eine erneute Verschiebung in den Kontext antimuslimischen Rassismus.[12]
  • Einheitspartei. Im Gegensatz zu tatsächlichen existenten Staatsparteien wie etwa in kommunistisch geprägten Ländern bezeichnet dieser Begriff und der verwandte Altpartei im rechtsextremen Kontext einen Block von Parteien, die dieselben Ziele verfolgten und gegen Willen und Interesse des Volkes arbeiteten. Der Begriff impliziert, dass die Zusammenarbeit demokratischer Parteien, etwa in Koalitionen, zu einer Diktatur führe.[13]
    Björn Höcke von der AfD hinter Rednerpult mit Slogan „Kein Bock auf Blockparteien“. Hinter ihm ein Oxymoron „Friedliche Revolution mit dem Stimmzettel“. 2019
  • Elite. Dazu zählen sämtliche Angehörigen des Systems. In Deutschland sind es Politiker der „Konsensparteien“ CDUSPDGrüne, abgehobene Funktionsträger, unverständliche Wissenschaftler, liberale Protestanten, Katholiken und Medienschaffende. Die Elite hat sich der Erzählung nach 1968 an die Macht geputscht und durch kulturfremde Umerziehung den Deutschen das Deutsche und die nationale Selbstbestimmung im Tausch gegen eine übergestülpte europäische Integration ausgetrieben. Oppositionelle Kräfte können sich gegen den Zusammenhalt der Elite und der „Systemparteien“ nicht bilden und der Widerstand gegen die herrschende Klasse kann nur in einer Revolte von rechts kommen. Nach der Machtübernahme werden die falschen Eliten durch richtige ersetzt, die organisch im Volk wurzeln und durch natürliche Auslese von diesem hervorgebracht worden sind. An der Spitze steht ein Herrscher als leibgewordener Wille des Volkes. Wer diesen Mann attackiert, meint das Volk.[14]
  • Establishment, ursprünglich „linke“ Prägung durch die „68er“ der Nachkriegszeit und gemünzt auf die rechtskonservative Schicht, wird von der neuen Rechten zunehmend zur Bezeichnung traditioneller liberaler Demokraten verwendet.
  • Ethnopluralismus ist ein Euphemismus der Neuen Rechten für Rassismus, bei dem der negativ besetzte Begriff der Rasse durch die unverfänglich klingende Ethnie und den positiv konnotierten Pluralismus ersetzt wurde. Diese „Völkervielfalt“ wurde von Henning Eichberg erdacht.[15]
  • Fachkräfte, auch das „Goldstück“, dient als sarkastische Chiffre, die genutzt wird, wenn eine kriminelle Tat durch einen Menschen mit Migrationshintergrund begangen wurde. Hintergrund ist die Politik, Fachkräfte zur Einwanderung zu bewegen, um der Überalterung Deutschlands zu begegnen. Es handelt sich deshalb um eine rassistische Floskel, da trotz erhöhter Zuwanderung ein Kriminalitätsrückgang stattfindet.[16]
  • Feminazi ist ein vom ultrachristlichen Radiomoderator Rush Limbaugh verbreitetes, mit Babycaust verknüpfbares Kofferwort, das Limbaugh seinem Freund, dem Ökonomen Thomas Hazlett von der Clemson University zuschrieb.[17] Es drückt tiefe Feindschaft gegen den Feminismus aus, insbesondere die von ihm geforderte körperliche Selbstbestimmung der Frauen.
  • Festung Europa ist ein Begriff, der sich nur im Kontext eröffnet.
    Demonstration gegen Morten Kjærum, damals Direktor der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, mit Identitären und Spruchband Festung Europa
    Für Liberale und Linke schwingt die Kritik an der Abschottung Europas und ihrer teils rechtlich fragwürdigen Migrationspolitik mit[18], während die Rechte genau diese Abschottung fordert.
  • Flüchtling, im Ursprung und immer noch die korrekte Bezeichnung für Menschen, die ihre Heimat oder ihren Wohnort verlassen mussten, wird als ein permanente Identität suggerierender Diminutiv inzwischen häufig durch das performative Geflüchtete ersetzt.[19] Diesem Begriff verweigert sich die Rechte.
  • Freiheit ist ein zentraler Bestandteil der Programme rechtsextremer Parteien seit 1945. In Abgrenzung zum „totalitären Kommunismus“ wird die Befreiung Deutschlands durch die Alliierten als Beginn einer geistigen Besatzung und Entfremdung vom „deutschen Wesen“ interpretiert, dem ein positiver Entwurf eines völkischen, souveränen Nationalstaats mit ihm dienenden Individuen steht. Vorwiegend Medien nutzen das Wort frei oder Freiheit im Titel, etwa Deutsche Freiheit, Freie Nation, Das Freie Deutsche Wort oder Junge Freiheit. Gerhard Frey prägte für die DVU den Begriff nationalfreiheitlich. Organisationen sind etwa die Deutsche Freiheitspartei und die Freie Sozialistische Partei[20] sowie Freiheitliche Deutsche Volkspartei und Freie Sachsen.
  • Frühsexualisierung ist ein Kampfbegriff von Konservativen und Rechten, die sich vor sexueller Vielfalt, Freiheit und Aufklärung ängstigen.[21]
  • Gemeinschaft, insbesondere die spezifisch rechte Volksgemeinschaft, sind Umschreibungen einer gewünschten Gesellschaft innerhalb der rechtsextremen Ideologien. Auf Grundlage rassischer Kriterien und der Identifikation mit der völkischen Lehre wird so eine Bluts- und Gesinnungsgemeinschaft definiert und die Basis für die praktische Ausgrenzung artfremder und anders denkender Menschen gelegt.[22]
  • Gender-Ideologie, auch Gender-Mainstreaming, Geschlechtergleichschaltung als starker antifeministischer Standpunkt. Gefürchtet wird eine ‚widernatürliche‘ Umerziehungsmaßnahme. Das dichotome Geschlechtermodell mit der Frau übergeordnetem Mann als Basis der nationalen Einheit solle so in der Tradition marxistischer Gesellschaftsmodelle zerstört werden.[23]
  • Geschichte dient als Hüllwort für Nationalsozialismus, um nicht mehr nur über ihn zu sprechen. Der Begriff dient als identitätsstiftende Beschwörungsformel und bezieht sich zumeist auf eine halluzinierte deutsch-germanische Vergangenheit, die teilweise auf Gustaf Kossinna bezugnehmend bis in die Urgeschichte zurückreichen soll und teilweise auch von audiovisuellen Medien in Narrativen aufgegriffen wird.[24]
  • Gewerkschaft und ihre als „Gewerkschaftsbonzen“ verunglimpften Funktionäre wurden im NS zerschlagen und in die Deutsche Arbeitsfront überführt. Ein Grund ist der sozialdemokratische Ursprung. Ein anderer Grund ist, dass Personen, die sich Betrieb durch die Gewerkschaftsmitgliedschaft gehört fühlen und als demokratisch handlungsfähig erleben, seltener rechtsextrem eingestellt sind.[25]
  • Globalisten zeichnet sich für den Rechtsextremismus durch die Zerstörung nationaler, politischer und kultureller Identitäten aus. Migration, weltweite Finanztransaktionen und die Internationalisierung der Warenproduktion und des Handels entzieht den Staaten als natürliche Gesellschaft autochthoner Völker ihre Souveränität und ziele auf einen standardisierten, heimatlosen „Welteinheitsmenschen“ ab, der als „Konsumidiot“ die Gewinne transnationaler Konzerne mehren solle. Der Begriff wird auch verhüllend für Juden genutzt.[26]
  • Gore-Effekt ist ein diffamierender Begriff von Leugnern der Erderhitzung, die behaupten, dass immer dort, wo der Politiker und Klimaaktivist Al Gore aufgetreten ist, Wetterphänomene ein stabiles Klima induziert hätten. Tatsächlich ist dagegen selbst ein direkter Zusammenhang zwischen seinen Auftritten und Bewusstsein für den Klimawandel wahrscheinlich.[27]
  • Gutmensch wurde 2015 Unwort des Jahres und dient als Bezeichnung für Personen, die Altruismus, Politische Korrektheit, Betroffenheitssprache, Toleranz, Hilfsbereitschaft und Fremdenfreundlichkeit üben und überzeugt davon sind, dass eine bessere und gerechtere Welt möglich ist. Sie werden damit als naiv, dumm und weltfremd markiert.[28]
    Propagandapostkarte der Arbeitsgemeinschaft der Optanten, Text: Heimat und Front 1941–1942
    Logo der rechtsextremen Partei „Die Heimat“
  • Heimat ist ein unterschiedlich genutzter Begriff, aber auch Name der NPD-Nachfolgeorganisation Die Heimat, während Heimatbewegung ein völkisches Konzept einer Volksgemeinschaft von 1900 und Heimatschutz eindeutig rechtsextrem denotiert ist. Neben Vereinigungen, die den Begriff im Namen tragen wie Märkischer Heimatschutz oder Thüringer Heimatschutz aus dem Umfeld der neonazistischen Mörder des NSU, führen auch Parteien wie Der III. Weg den Begriff in ihrem Programm. Auch die AfD fand 2017 den „Wiederaufbau von Heimatschutzkräften (...) mit kurzer Präsenzpflicht geeignet“[29].
  • Heldengedenken statt Volkstrauertag. In der Neonazi-Szene ist der Heldenkult, wie er beispielsweise im Rudolf-Heß-Gedenkmarsch stattfand, neben der Ehrung von Soldat, Soldatentum und Gewalt traditionelle Folklore.
  • Identität als Deutschsein ist im Nationalsozialismus konträr zum Judentum installiert worden und äußerte sich in Gewalt, ritualisierter „Unterhaltung“ wie Faschingsumzügen und gezielter Verletzung von Verfolgten an der Front. Diese mit Nationalsozialismus gleichgesetzte deutsche Identität mündete gelegentlich in freiwilligem Dienst in Erschießungskommandos.[30]
  • Identitäre Bewegung wird gelegentlich als eine „extreme Spielart des Konservativen“ bezeichnet, die unter anderem antiuniversalistisch und antiegalitär natürliche Ungleichheiten behauptet, in vermeintlich natürlichen oder organischen Gemeinschaften denkt und Antiliberalismus und Autoritarismus hochhält, aber auch als „modernisierte Form des Rechtsextremismus“. Die Identitäre Bewegung Österreich hat sich mit ihrem Protagonisten Martin Sellner im Umfeld von FPÖ, Burschenschaften und optisch bürgerlich erscheinenden Neonazis gebildet.[31]
  • Islamisierung ist eine angsterzeugende Verschwörungserzählung im Zusammenhang mit dem großen Bevölkerungsaustausch: Der Islam breitet sich demnach in Europa aus und ersetzt die zivilisierte christlich-westliche Gesellschaft durch eine fremde, barbarische Kultur. Deutschland werde im Jahr 2050 ein muslimischer Staat sein. Bewiesen wird der Vorgang mit Kopftuchstreit, muslimischem Religionsunterricht für Kinder und Schweinefleischdiskussionen an Schulen. Dahinter stecke die Verabredung von Muslimen und fallweise auch politischen Eliten, durch Zuwanderung und über eine höhere Geburtenrate Europa zu islamisieren.[32]
  • Jude, ‚jüdisch‘ oder ‚verjudet‘ werden selten als rechtsextreme Kampfbegriffe offen genutzt. Grund dafür ist nicht eine Absenz von Antisemitismus, sondern die Einschränkung einer offensiv vorgetragenen antisemitischen Haltung nach der Shoah. Die politische Taktik der Rechtsextremen berücksichtigt in diesem und anderen Fällen die Konsequenzen des Tatbestandes der Volksverhetzung im § 130 StGB und nutzt Euphemismen und Codes. In fast allen Strömungen des Rechtsextremismus werden antisemitische Behauptungen in geschlossenen Szene-Veranstaltungen frei geäußert. Diese beziehen sich primär auf biologistische und kulturalistische Konzepte, deren Stereotype bis ins Mittelalter zurückreichen und nach denen Eigenschaften aufgrund von Erbgut sowie kulturellen und religiösen Strukturen in aktualisierter Form tradiert werden. Dies betrifft besonders die absichtliche Verfälschung jüdischer Traditionen und Bräuche und die undifferenzierte, Individualität und unterschiedliche Ausprägungen der jüdischen Philosophie, Strömungen der Religion und Kulturvarianten negierende Verschwörungserzählung dunkler Mächte, derzufolge die jüdischen und als jüdisch markierten Menschen die Welt beherrschen und ‚finanziell auspressen‘ wollten. Diesen ‚strippenziehenden‘ Personen werden Raffinesse in Gelddingen und hohe Intelligenz zugeschrieben. Die Verschwörungserzählungen werden häufig nicht nur in der extremen Rechten, sondern auch anderen politischen Zusammenhängen sowie Internetforen kolportiert und finden sich selbst latent und manifest in der Mehrheitsgesellschaft wieder. Dies ermöglicht der extremen Rechten, ihren Judenhass in der gesellschaftlichen Mitte wuchern zu lassen.[33]
  • Judaslohn hat als Begriff keine Entsprechung in anderen europäischen Sprachen. Er wurde wahrscheinlich aus aus der Übersetzung von pretium proditionis Judae [Lohn für den Verrat des Judas] zusammengezogen. Er wird nicht nur wegen der ersten Silbe antisemitisch konnotiert: bereits seit dem Mittelalter wurde den Juden als vermeintliche Vollstrecker der Kreuzigung Jesu etwa im Kirchenstaat eine Sondersteuer unter explizitem Bezug auf den Judaslohn auferlegt.[34]
  • Kameradschaft, auch „Freie Kräfte“, „Freie Nationalisten“ oder „Freie Kameradschaften“, ist eine Selbstbezeichnung loser Personenzusammenschlüsse im militantesten und gewalttätigsten neonazistischen Spektrum. Ohne feste Organisationsform mit registrierten Mitgliedschaften, Satzungen und Vorständen können staatliche Verbotsversuche leichter abgewendet werden. Das Konzept wurde in den 1990er Jahren erdacht, nachdem zahlreiche rechtsextreme Vereinigungen wie FAP, Nationalistische Front oder Wiking-Jugend verboten wurden. Besonders der der Hamburger Neonazi Thomas Wulff propagierte das Konzept lokaler und informeller „Organisierung ohne Organisation“ statt Parteien oder Vereinen. Der Verfassungsschutz ging in den 2020er Jahren von mehreren hundert solcher Gruppen aus, die von lokalen Freizeitgruppen bis straff organisierten bundesweit vernetzten Aktivisten reichen. In ihrem Namen verwenden sie zumeist lokale oder regionale Bezüge. Überregionale rechtsextreme Netzwerke heißen oft „Aktionsbüro“ wie etwa das Aktionsbüro Norddeutschland, „Freies Netz“ oder „Widerstand“.[35]
  • Kapitalismus
    Pegida-Banner mit Lügenpresse-Sprüchen, Frankfurt 2015
    ist in der neonazistischen Strömung der extremen Rechten mit der Ablehnung von unkontrollierter Marktwirtschaft und der sogenannten Globalisierung bzw. vom Globalismus denotiert. Anders als bei der völkisch-nationalistisch orientierten autoritär-neoliberalen extremen Rechten will sie die Wirtschaft durch staatliche Eingriffe nach völkischen beziehungsweise rassistischen Regeln steuern und durch eine „raumorientierte Volkswirtschaft“ ersetzen.[36]
  • Klimahysterie bzw. Klimalüge als Klimawandelleugnung dient industriellen, politischen und ideologischen Zwecken zur Unterminierung des öffentlichen Vertrauens in die Wissenschaft und Forschung.[37][38] Leugnung der menschgemachten Erderhitzung wird vor allem von US-amerikanischen ultrakonservativen Thinktanks, Industrie-Lobbyisten wie den Brüdern Charles und David Koch und sogenannten Alternativen Medien verbreitet,[39] Über 90 % der Artikel, die die Erderhitzung bestreiten, stammen aus rechtsgerichteten Organisationen,[40] in Deutschland zum Beispiel von AfD und Nius.[41]
  • Kollektivschuld spielt in der rechtsextremen Rhetorik im Zusammenhang mit Holocaustleugnung und Unterstellung einer jüpdischen Beteiligung daran eine Rolle und kulminiert in Schlussstrichdebatte und Siegerjustiz-Narrativ.
    Laut rechter Erzählung begann bereits in den Lagern eine Gehirnwäsche der Siegerjustiz.
    Bereits nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Reeducation-Programme der Alliierten, die Demilitarisierung Deutschlands und die Reparationen für die von Deutschland angerichteten Kriegsschäden delegitimiert.[42]
  • Kultur und kulturelle Identität sind zentrale Begriffe im Kulturalismus. Diesem Konzept zufolge wird „Kultur“ als eine unüberwindliche Schranke betrachtet, die politisch nicht zu überwinden sei. Entsprechende naturalisierende und biologisierende Argumentationen kommen sowohl im Rechtsextremismus als auch in verkürzten ethnopluralistischen Ansätzen der Neuen Rechten in der Gestalt von „Kulturalisierungen der Differenz“ (Müller) vor. Der emanzipatorische „Kultur“-Begriff des Multikulturalismus werde hier in seiner politischen Bedeutung umgedreht (bei Taguieff als „Retorsion“ bezeichnet). Dieser „kulturalistische“ (eigentlich naturalistische) „Kultur“-Begriff sei mit emanzipatorischen Vorstellungen der prinzipiellen Veränderbarkeit von Gesellschaften nicht vereinbar, die davon ausgingen, dass Menschen sich ständig mit ihrer Umgebung auseinandersetzten; so dass sie nicht passive Kulturträger sind, sondern sich aktiv Kultur aneignen und die Kulturen ihrer Umwelt auch verändern.[43]
  • Kulturmarxismus ist ein vor allem in den USA genutzter Begriff, dem eine antisemitische Verschwörungserzählung zugrunde liegt. Der Erzählung zufolge haben die jüdischen Marxisten der Frankfurter Schule langsam die „Kultur“ übernommen und versucht, Christentum, Familie und Nation zu untergraben, um eine neue Weltanschauung und ein neues Systems der Kontrolle zu etablieren. Dazu dienten Masseneinwanderung, sexuelle Befreiung und moralischer und ästhetischer Verfall. Kulturmarxisten wären überzeugt, dass sie nun alle Bereiche des öffentlichen Lebens kontrollieren, einschließlich der Medien, der Schulen, der Unterhaltungsindustrie, der Wirtschaft und der nationalen und globalen Regierungssysteme.[44]
  • Lügenpresse zur Diskreditierung des Journalismus. Neonazis konnten damit konträre Meinungen ausblenden und unpassende Fakten ignorieren. Durch Pegida ist der Begriff in weitere Kreise bis zu rechtsoffenen Coronaleugnern geraten.[45][9]
  • Meinungsdiktatur ist häufig eine Reaktion auf Kritik an bewussten Lügen, Belästigung oder Verhetzung. So werden Minderheitsmeinungen als von der Elite verbotene Stimme der normalen Leute propagiert und rassistische oder sexistische Untertöne negiert, um Grenze des Sagbaren immer weiter zu verschieben.[13]
  • Marxismus
    Völkisch-nationaler Rückzugsort und Treffpunkt auch für Identitäre[46]: die vom Vorsitzenden der schlesischen Jugend betriebene Gaststätte in Marlishausen nahe Arnstadt.[47] 2021
    bzw. Kommunismus ist als theoretisches Fundament der sozialistischen Arbeiterbewegung bereits seit der Kaiserzeit ein primärer Feind des Deutsch-Nationalismus und später Nationalsozialismus. Er diente bei der Machtübernahme 1933 als wesentliche Begründung außen- und innenpolitischer Maßnahmen. Im Ursprung wurden der Sozialismus als antinational gebrandmarkt und mit dem Antisemitismus verknüpft, insofern als die internationalistisch orientierte sozialistische Bewegung als von einem „Internationalen Judentum“ gesteuert angegriffen wurde. Der nach 1945 neben Kommunismus wenig genutzte Begriff des „Bolschewismus“ wurde ab den 1990er Jahren durch den Linksextremismus als Feindbezeichnung ersetzt.[48]
  • Multi-Kulti als emanzipatorischer Begriff wird in seiner Bedeutung umgekehrt und als feindlicher Gegenentwurf zur imaginierten ethnisch-kulturell homogenen Gruppe angeführt.[43]
  • Nation, ursprünglich im 18. Jh. in Frankreich zur Bezeichnung des gesamten Volks als inklusivem Begriff geprägt.[49], bildete sie sich in Deutschland als Begriff für autochthone Bewohner eines Landes mit gemeinsamen Ursprung, Kultur und Sprache aus.[50] In diesem Sinn wird er weiterhin im Rechtsextremismus genutzt. Nicht als eingeboren deutsch gerahmte Bewohner werden als Passdeutsche aus diesem Verständnis exkludiert.
  • National befreite Zone sind Gegenden und Regionen, von denen Rechtsextreme behaupten, den Sieg errungen zu haben und Verhalten und Lebensweisen bestimmen zu können. Andersdenkende oder als „fremd“ Definierte werden zu Feinden erklärt, die in diesen Gebieten nicht geduldet und durch Angst und direkte Gewalt vertrieben werden sollen. Erstmals taucht der Begriff im Titel eines Konzeptpapiers auf, das der NPD-nahe „Nationaldemokratische Hochschulbund“ in seiner Zeitschrift Vorderste Front 1991 veröffentlichte. Diese Idee wurde dann von den Jungen Nationaldemokraten weiterentwickelt.[51] Diese Idee einer ethnisch-kulturell definierten Hegemonie wurde in den polnischen LGBT-ideologiefreie Zonen fortgeführt.
  • Nationaler Sozialismus wird in verschiedenen Ideologien verschieden verwendet und diente historisch nicht immer als Hinweis auf den Nationalsozialismus. Seit 1920 und besonders wegen des Verbots der Wiederbetätigung und Verherrlichung des NS wird er heute ausschließlich als nicht verbotener synonymer Begriff sowie seit 1976 in Anlehnung an die SA Ernst Röhms und zur Etablierung einer Querfront geführt.[52]
  • Natur ist als völkischer Heimatbegriff die imaginierte Einheit einer autochthonen homogenen Bevölkerung und ihres urwüchsigen Siedlungsgebietes. Mit der Blut-und-Boden-Ideologie und dem Bestreben nach Autarkie wurde im Naturschutz im Nationalsozialismus ein totalitärer Pfad mit der Landschaftsplanung in Osteuropa nach dem Generalplan Ost eingeschlagen.[53] Die bekanntesten Vertretung einer Renaissance ist die völkische Siedlungsbewegung aus dem rechten ökologischen und esoterischen Spektrum ab der Jahrtausendwende. Ihr Chefideologe Steffen Hupka forderte 2012 eine unerschütterliche nationalsozialistische Weltanschauung, „rassische Zugehörigkeit“ zu den „germanischen“ Völkern und „genetische Gesundheit“. Die möglichst abgelegen wohnenden „Sippen“ sollen sich unbedingt von der Gesellschaft isolieren und „ausreichend Nachwuchs zeugen“. Jeder Mann gilt zugleich als „Bauer und Soldat“. Es gibt Überschneidungen zur Reichsbürger-, alternativ/spirituellen-, Veganismus-, Prepper- und Selbstversorgerszene.[47]
  • Nazi-Keule dient als Relativierung der Verbrechen und suggeriert wie andere Begriffe ein gesellschaftliches Tabu von Kritik. Eine nicht stattgefundenen Vergangenheitsbewältigung wird so zur Bewältigung der Gegenwart. Historisch einzigartig Ereignisse wie die industrielle Massenvernichtung von Menschen werden relativiert sowie „zum Zweck der Instrumentalisierung in heutigen Auseinandersetzungen“ gebraucht.[54]
  • Oberjude wird bereits seit dem 19. Jahrhundert in abschätziger Weise für prominente Juden wie die Politiker Adolphe Crémieux[55] und Walther Rathenau,[56] den Theaterregisseur Max Reinhardt[57] und andere jüdische oder vermeintlich jüdische Personen gebraucht, die im Blickfeld der Öffentlichkeit standen. Die Bezeichnung „Oberjuden“ ist auch als Ausdruck christlicher Judenfeindlichkeit belegt, so in einer Ostermontagspredigt aus dem Jahr 1836, laut der die „Hohepriester und Ältesten“ (Mt 27,20 LUT), die gemäß den Evangelien die Juden dazu bewogen haben sollen, die Kreuzigung Jesu zu fordern, als „Oberjuden“ bezeichnet werden.[58] In der NS-Zeit wurde der Begriff als Synonym für Mitglieder des Judenrats genutzt.
  • Ostküste
    1935 wurden allein für Deutschland sechs Rassen halluziniert.
    Grundlage waren die pseudo­wissenschaft­lichen Fächer „Rassentheorie“ und „Rassenhygiene[59]
    bzw. die Rede von den „Schaltzentralen der amerikanischen Ostküste“ ist ein Euphemismus für das angeblich von Juden beherrschte globale Finanzsystem. Neonazis vermuten, dass die weltgrößte Aktienbörse und auch die Banken in New York insgeheim von Juden kontrolliert würden. Der Begriff „raffendes Kapital“ (im Gegensatz zum schaffenden Kapital) ist eine in diesem Umfeld ebenfalls häufig anzutreffende Umschreibung für den Bankensektor.[60]
  • Polit-Made ist einer der dehumanisierenden Begriffe, der nicht nur zur Abwertung des Gegners führt, sondern auch eine Hemmung der Gewalt reduziert.
  • Political Correctness wird als Stigmawort und ideologischer Code eingesetzt. Neben der generellen Diffamierung emanzipatorischer und linker Theorie und Praxis als formloser, aber machtvoller Kraft modifiziert ein begleitender Metadiskurs die Bedeutung rechtsextremer und revisionistischer Inhalte. Diese werden mit Verweis auf die Meinungsfreiheit als notwendige Tabubrüche in öffentlichen Diskursen eingefordert. Der Begriff nutzt dem konservativen und rechtsextremen Spektrum, wehrt emanzipatorische, pluralistische, liberale und demokratische Tendenzen ab und gilt als ein Phänomen des neurechten Durchdringungs- und Normalisierungsdiskurses.[61]
  • Quasselbude bzw. Quatschbude: Abwertende Bezeichnungen für Parlamente
  • Rasse ist nach rechter Ideologie dann entstanden, als Europäer auf Ureinwohner Afrikas oder Australiens trafen. Das Ergebnis sei ein traumatisierender Schock gewesen und die Angetroffenen hätten ohne Geist und Kultur, Vernunft und tiefere Empfindung gelebt. Die Unterteilung in höhere und niedere Rassen der menschlichen Spezies erlaubte Unterjochung, Völkermord und die Behauptung der eigenen Überlegenheit, was als Folge und Verarbeitung dieses Traumas betrachtet werden müsse. Daraus leitet sich heute kein Herrschaftsanspruch mehr ab, nur noch die Forderung, in Ruhe überleben zu dürfen. Eine Öffnung der Grenzen führe zum Selbstmord jenes Subjekts, von dem der Rassismus aber selbst nicht genau weiß, ob es die weiße, die sogenannte arische Rasse oder nur ein autochthon deutsches Volk sei.[24] Da im hegemonialen Diskurs auf Grund der Ächtung der Verbrechen im NS selten ein positiver Bezug auf Rasse vorkommt, wird versucht, Rasse-Konzepte als Kern rechter Ideologie in der Öffentlichkeit neu zu diskutieren.[62]
  • Rassismus gegen Weiße wird seit 2014 insbesondere in Medien wie der Jungen Freiheit thematisiert und dient der Umkehrung des zunehmenden Bewusstseins etwa über institutionelle Diskriminierung von Kindern mit Einwanderungsgeschichte im Bildungsbereich. Wie beim Kampfbegriff „Deutschenfeindlichkeit“ ist es dieser rechtsextremen Erzählung nach nicht möglich, Abwertendes gegen „Schwarze, Latinos oder Araber“[63] zu sagen und es wird behauptet: „Rassismus gibt es nur in eine Richtung: Blond und Hell“. Wiewohl „Blonde“ und „Helle“ Opfer von Mobbing und Gewalt werden können, gibt es keine Erkenntnisse über eine institutionelle Diskriminierung auf Grund ihrer Haar- oder Hautfarbe. Die Erzählung dient daher zur Abwertung antirassistischer Strategien und zur Relativierung von Rassismus.[62]
  • Raum dient besonders seit dem nationalistischen Roman Volk ohne Raum von 1926 als Schlagwort für eine notleidende Überbevölkerung Deutschlands und die Notwendigkeit einer gewaltsamen Aneignung fremder Gebiete, zuerst als Kolonien[64], im NS als Lebensraum im Osten.
    Demonstration der Identitären „Gegen Illegale, Einwanderungsinvasion und die Islamisierung Europas“ 2015 im französischen Calais mit großem Transparent „Remigration“ und kleinem Plakat gegen „Diversität“ als Codewort für den großen Austausch
  • Reconquista bezeichnet die Rückeroberung der arabisch besetzten iberischen Halbinsel durch christliche Königshäuser ab dem Jahr 722. An deren Ende gut 700 Jahre später war Spanien nicht mehr nur von muslimischer Herrschaft befreit, sondern erließ auch das Alhambra-Edikt, das Juden zu Konversion oder Flucht zwang. Der Begriff ist so zugleich antisemitisch und verweist auf das Islamisierungsnarrativ.[65] Er war auch namensgebend für das Netzwerk Reconquista Germanica.
  • Remigration ist ein mit anderer Bedeutung aus der Wissenschaft übernommener Begriff, der im rechtsextremen Kontext die Vertreibung Nichtdeutscher, deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund und deutscher Staatsbürger nichtrechter Weltanschauung zum Ziel hat. Menschen, die für die extreme Rechte nicht zum Ideal des „einheitlichen“ Volks passen, sollen nach der Machtübernahme in einer über mehrere Jahre angelegten Maßnahme sortiert, unter Zwang ausgewiesen und gewaltsam deportiert werden.[66][13]
  • Schuld-Kult ist ein geschichtsrevisionistisches Schlagwort, das deutsche Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Zeit und die Shoah lächerlich zu machen. Der Gesellschaft wird dabei vorgeworfen, sich nur mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen, um „die Deutschen“ daran zu hindern, die eigene Nation gut zu finden. Der Begriff wurde zuerst in den 1980er Jahren von Franz Schönhuber genutzt und in den 2010ern von den Identitären und der AfD aufgegriffen.[16]
  • Souveränität ist eine Dogwhistle für Reichsbürger und dient als Synonym für nationalistische Überhöhung und Abschottung entgegen der seit der Montanunion zunehmende europäische Zusammenarbeit und Integration. Außerdem wird der Begriff auch in weiteren Strömungen der Rechten dazu genutzt, zu behaupten, dass immer noch die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs über Deutschland herrschen würden.[16]
  • System bzw. Systemzeit war der abwertende Begriff für die demokratisch-pluralistische Zeitspanne von 1918 bis zur Machtübernahme 1933. Aus dem Begriff werden weitere Wörter wie Systempartei, Systempolitiker, Systembeamter oder Systempresse in der nationalsozialistischen Sprache gebildet.[67] Der rechtsextreme Gegenentwurf zur als System bezeichneten deliberativen Demokratie und ihrer tragenden Grundwerte sind autoritäre Regierungsformen: eine Notstandsdiktatur oder ein Führerstaat.
  • Tiefer Staat Der „tiefe Staat“ wurde bereits im 18. Jahrhundert geprägt und mit ihm die Freimaurerei bezichtigt, einen „Staat im Staat“ zu führen. Dem Motiv liegt die Erzählung zugrunde, dass ein dunkles Netzwerk aus mächtigen Personen die Geschehnisse in der Politik unter Umgehung der Öffentlichkeit kontrolliere. Trotz seiner antisemitischen Konnotation wurde der Begriff Deep State vor allem durch Donald Trump wieder populär, dessen Wahlkampf sich gegen die Eliten gewendet hat, die seinen Unterstützern nach dem Deep State angehören. Ein Beispiel hierfür ist Pizzagate. Auch Verwaltungsbeamte und Sicherheitskräfte werden dem tiefen Staat zugeordnet, wenn sie die demokratisch erarbeiteten Gesetze und Normen verteidigen. Der Begriff wird zunehmend von rechten Parteien verwendet, um ihren Gegner Absprachen in geheim agierenden Strukturen zu unterstellen.[13]
  • Traditionelle Familie, in anderen Kontexten als bürgerliche Kleinfamilie oder Kernfamilie bezeichnet, wird im Rechtsextremismus zur Ausgrenzung von Personen mit sog. alternativen Lebensentwürfen eingesetzt. Das Modell Vater-Mutter-Kind wird dabei in die Vergangenheit projiziert. Archäologische Befunde legen aber neben der tatsächlich gelegentlich in Grablegen aufgefundenen Kernfamilie eine hohe Diversität anderer Strukturen nahe. Die prähistorische Familie wird in der urgeschichtlichen Debatte als kleinere Gruppe begrenzt verwandter Personen mit Kenntnis eines größeren Netzwerks betrachtet.[68][69]
  • Tugendterror
    Demonstration der neonazistischen Nederlandse Volks-Unie. Auf dem Transparent steht: „Kein Islam in Europa. Überfremdung eindämmen.“ Als Grafik ein Verbotsschild mit Moschee. 2011
    wird in rechtsextremen und populistischen Publikationen genutzt, um das Narrativ zu bedienen, es dürfe nicht alles gesagt werden. Personen, die den Begriff nutzen, gerieren sich selbst als Tabubrecher. In eine ähnliche Richtung zielt die Nutzung der Begriffe der Meinungs- und Pressefreiheit, die Mitte der 2020er Jahre von Politikern und Medienmogulen der USA genutzt wurde, um das europäische Verbot von Hassrede und Gewaltdrohungen auf ihren Social-Media-Plattformen in Europa anzugreifen. Zu dieser Zeit standen die USA mit Platz 58 in der Rangliste der Pressefreiheit weit hinter den EU-Ländern.[70]
  • Überfremdung war ein zentraler Topos der NSDAP in ihrem 25-Punkte-Programm. Nach Ende der NS-Diktatur wurde der Begriff erst wieder durch die Gründung der NPD 1964 in einem ausländerfeindlichen Zusammenhang z. B. als Ablehnung von Gastarbeitern mit der Forderung „Deutsche Arbeitsplätze nur für Deutsche“ (1965) in politischen Debatten gebracht. Nach zwischenzeitlichem Niedergang versuchte die NPD 1980, mit Bürgerinitiativen zum „Ausländerstop“ auf sich aufmerksam zu machen. Das Motiv wurde in den folgenden Jahrzehnten auch als Umvolkung aka. Großer Austausch (bzw. Great Reset, Bevölkerungsaustausch) von rechtsextremen und populistischen Parteien weitergenutzt. Im August 1997 erschien in Dresden eine 25-seitige Broschüre mit dem Titel: Aufruf an alle Deutschen zur Notwehr gegen die Überfremdung – Der Völkermord am deutschen Volk. Darin hieß es: „Wir, die Unterzeichner, rufen alle volkstreuen Deutschen zur Notwehr auf gegen den von der Staatsführung amtlich geplanten und mit brutalen Methoden durchgeführten Völkermord am Deutschen Volke.[71] 65 bekannte Rechtsextremisten, u. a. Helmut Fleck, Udo Pastörs, Rigolf Hennig und Emil Schlee unterzeichneten das Pamphlet. Ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung wurde 1999 ergebnislos eingestellt. In der Mitte-Studie 2024/25 stimmten knapp 7 % der Befragten der rechtsextremen Aussage „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ zu.[72]
  • USA wird von antisemitischen Verschwörungsideologen genutzt, um anzudeuten, dass in Wahrheit Israel beziehungsweise „die Juden“ die USA und somit die Welt regieren, besonders mit dem Begriff USrael, einem Schachtelwort aus USA und Israel.[73]
  • Vertriebene aus dem Deutschen Reich waren nach 1945 bevorzugtes Ziel der Agitation rechtsextremistischer Gruppen. Die Vertriebenenorganisation „Bund der Vertriebenen - Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände“ wurde von Nazis gegründet und grenzte sich sowenig von Tätern ab, dass sie sogar als „NS-Nachfolgeorganisation“ bezeichnet wurde.[74][75] Während viele Landsmannschaften nicht mehr aktiv sind oder sich nur der Folklore widmen, geraten andere wie die Landsmannschaft Schlesien immer wieder mit Geschichtsrevisionismus und Rechtextremismus in die Schlagzeilen.
  • Volk
    Antisemitisches „ZOG“-Graffiti mit dem Schriftzug „Crush ZOG“ (deutsch: „vernichte die zionistisch besetzte Regierung“) an einer Garagenwand, 2019
    ist der Kernbegriff und kulturell-ideologische Basis des Rechtsradikalismus und seiner völkischen Denkart. Der Glaube daran kann wie eine Religion Denken und Handeln bestimmen. Das Volk wird als beseelter, kollektiver Organismus wahrgenommen, der seit Anfang an auf bio-ethnisch-kulturellen Grundlagen bestehen würde. Das einzelne Individuum ist ihm normativ verpflichtet und hat sich diesem mit seiner Arbeit, Sexualität und Fortpflanzung, Konsum und Kultur zu unterwerfen.[76]
  • Volksverrat dient als Muster der Ausgrenzung. Das dauerhafte Repetieren der Eigendefinition als Volk, als eine große eigenständige Gemeinschaft: „das deutsche Volk“ und die „Volksgemeinschaft“, für das die Rechte als Teil der angeblichen Mehrheit zu sprechen vorgibt, grenzt Andersdenkende als Sozialschmarotzer aus, die nicht dazugehören.[9]
  • Vorbürgerkrieg ist ein von Götz Kubitschek 2007 erfundenes Motiv, das im argumentativen Zusammenhang zur Erzählung der generellen Zuwanderung als ‚Überfremdung‘ und ‚Umvolkung‘ strömungsübergreifend genutzt wird. Die ethnische ‚Unterwanderung‘ und ‚Landnahme‘ führe zu deutschfeindlichen Attacken, die in einem Bürgerkrieg münden können, wenn sie nicht gestoppt würden. In seiner Vorstufe des jetzt stattfindenden Vorbürgerkriegs werde entschieden, ob der Bürgerkrieg ausbrechen werde. Im Kontext dieser Erzählung fallen weitere Begriffe wie ‚multikulturell‘, ‚geistiger‘ oder ‚medialer Bürgerkrieg‘, ‚Umerziehung‘ (Siegerjustiz), ‚Gehirnwäsche‘ und weitere.[77]
  • Vorfeld bezeichnete ab 1914 den Raum vor einer Festung oder einem Graben, der beschossen werden konnte und drang mit dem Stellungskrieg in die Umgangssprache ein. Vom Rechtsextremismus wird der Begriff metaphorisch für rechtsextremistische Gruppierungen genutzt, die nur in einem Arbeitsverhältnis zu etablierten Organisationen wie Parteien stehen.[78]
  • Widerstand, oft in rechten Aufzügen mit der Parole „Hier marschiert der nationale Widerstand“ genutzt, ist ein zentraler Topos mit doppelter Codierung. Zum einen schwingt eine gefährliche und wilde, „thymotische“ Konnotation mit; denn „Zunächst muss auf eine Revolte hingedacht und hingearbeitet werden“, hieß es im Februar 2017 in der Sezession: „Die logos-zentrierte Mäßigung der Deutschen muss ebenso zugunsten einer dringend notwendigen Thymos-Spannung zurückgedreht werden wie die eros-abhängige Konsumzufriedenheit und Verhausschweinung.“ Zum anderen muss die bürgerliche, rechtmäßige Ordnung wiederhergestellt werden. Artikel 20 IV des Grundgesetzes gibt allen Deutschen dazu das Recht. Die rechtswidrig ausgeübte Staatsgewalt sei ab der Regierung Merkel und ihrer „Flüchtlingsströme“ der Fall.[24]
  • Woke, zunehmend auch im Liberalismus als Feindbild verwendet.[79]
  • Zecke dient wie der Volksverrat zur Ausgrenzung unliebsamer Mitbürger, hier der Punks und Linken als Zecken im Pelz des deutschen Volkes.[9]
  • Zigeuner wird von rechten bis rechtsextremen Organisationen und Medien am rechten Rand genutzt und in Beiträgen zur korrekten Bezeichnung erklärt.[80] „Die Jahrhunderte alte Bezeichnung ‚Zigeuner‘“ wird auch in rechtspopulistischen österreichischen Medien als neutral deklariert.[81] Dabei schwingen traditionelle Vorurteile wie „Delinquenz“ und „Nomadisieren“ mit. Überwiegend werden Roma mit dem Begriff gemeint, die damit marginalisiert werden und abzusondern seien. Aus dem Wort bilden sich herabsetzende Kombinationen wie „Zigeunerlobby“, „Zigeunersippe“ oder „Zigeunerhäuptling“.
  • Zionist Occupied Government (deutsch: Zionistisch besetzte Regierung, abgekürzt „ZOG“) verweist auf die Verschwörungstheorie des als homogen imaginierten Weltjudentums und seines geheim agierenden Zionismus, der sich angeblich die Globalisierung zunutze mache, um insgeheim verschiedene nationale Regierungen zu kontrollieren.

Siehe auch

Literatur

  • Bente Gießelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, Fabian Virchow (Hrsg.): Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts. 2019, ISBN 978-3-7344-0819-9.

Einzelnachweise

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